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Die europäische Migration nach Argentinien. Ankunft im Paradies für Migranten?

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Immigrationspolitik in Argentinien

3. Gründe für die Emigration über den Atlantik
3.1 Polen
3.2 Schweizer
3.3 Niederländer
3.4 Wolgadeutsche

4. Leben in Argentinien
4.1 Ankunft im Immigrantenhotel
4.2 Leben außerhalb des Immigrantenhotels
4.3 Rückwanderung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Para muchos europeos, América significaba una tierra vacía que esperaba la mano de obra para convertirse en un jardín de abundancia... Campesinos hambrientos de tierra, se sentían atraídos por las inmensas praderas y los inmensos bosques donde podías tener grandes parcelas de suelo fértil y libre.[1]

Wer sich mit Argentinien beschäftigt, der versteht schnell, dass es sich bei diesem südamerikanischen Land um ein Land handelt, welches einen starken europäischen Einfluss erlebt hat. Dies spiegelt sich in der Architektur, der Sprache und auch der Bevölkerung wider. Wer sich näher mit der Geschichte beschäftigt, der erfährt auch, dass es eine regelrechte Masseneinwanderung im 19. und 20. Jahrhundert aus Europa nach Argentinien gegeben hat. Um diese soll es in dieser Arbeit gehen. Werden heutzutage die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten angesehen, war es vor einigen hundert Jahren noch Argentinien, welches als bestes Ziel für Auswanderer angesehen wurde. Doch es stellt sich natürlich auch die Frage, ob Argentinien diesem Ruf gerecht wurde und tatsächlich ein Paradies für die Immigranten darstellte oder ob die Wahrheit ganz anders aussah und die Welt ein falsches Bild von dem südamerikanischen Land hatte. Diese Frage soll im Zuge dieser Arbeit beantwortet werden. Dafür wird zuerst die Immigrationspolitik in Argentinien ab dem 19. Jahrhundert beleuchtet, danach wird ein Blick auf die Menschen auf der anderen Seite des Atlantiks geworfen, um zu verstehen zu können, wie es überhaupt zu dieser Migrationsbewegung kommen konnte. Dabei werden die beiden größten Gruppen, die Italiener und Spanier, hier außer Acht gelassen und es wird sich auf fünf kleinere Nationalitäten konzentriert. Im Anschluss wird untersucht, wie es den Einwanderern in ihrer neuen Heimat erging. Dafür wird erst Konzept des Hotel de Inmigrantes erklärt und anschließend untersucht, wie es den Menschen dort wirklich erging. Im Anschluss wird geguckt, wie ihr Leben nach Verlassen des Hotels verlief und ob sie mit ihrer Lage so zufrieden waren, dass sie sich auf Dauer niederließen oder ob es für sie Gründe gab, Argentinien den Rücken zu kehren.

2. Immigrationspolitik in Argentinien

Im frühen 19. Jahrhundert fand in Südamerika eine Reihe wichtiger Ereignisse statt. 1810 löste sich das Vizekönigreich des Río de la Plata auf, zu welchem das heutige Uruguay, Argentinien, Paraguay, sowie Bolivien gehörten, die Länder erklärten nach und nach ihre Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Spanien, so auch 1816 Argentinien. Nach der Vergrößerung des Territoriums durch die Vertreibung der Ureinwohner an die Landesgrenzen bestand die Notwendigkeit, das Land neu zu organisieren.[2]

Die argentinische Regierung sah für die Neubildung des Staates Europa als Idealbild an und unterstützte deshalb die Immigration von Europäern nach Argentinien. Angelehnt an Domingo Faustino Sarmientos Werk Facundo folgte sie dem Leitbild der civilización, die im Gegensatz zur barbarie stand. Als Barbarei werden die Pampas außerhalb der großen Städte, in welchen die Gauchos wohnen, betrachtet. Zivilisation hingegen lässt sich auf dem europäischen Kontinent finden, weshalb die Werte und Verfassungen des stetig wachsenden Europas von Sarmiento als Basis für eben diese angesehen werden und angestrebt werden sollten.[3] Um diesen Fortschritt zu erreichen, waren sowohl in der Wirtschaft, als auch im sozialen Bereich, Reformen nötig. Am wichtigsten war jedoch, genügend Arbeiter für die Landwirtschaft und die Industrien zu gewinnen. Da Argentinien im 19. Jahrhundert jedoch noch recht dünn besiedelt war, folgte die Politik dem Leitmotiv „gobernar es poblar“.[4] Als Lösung des Problems wurden Einwanderer aus Europa angesehen, die man mit Unterstützung der Regierung ins Land locken wollte. So wurde im Jahr 1853 in der Verfassung festgehalten:

Art. 25.- El Gobierno federal fomentará la inmigración europea; y no podrá restringir, limitar ni gravar con impuesto alguno la entrada en el territorio argentino de los extranjeros que traigan por objeto labrar la tierra, mejorar las industrias, e introducir y enseñar las ciencias y las artes.[5]

Dafür sprach man den Neuankömmlingen auch die selben Rechte wie den Argentiniern zu:

Art. 20.- Los extranjeros gozan en el territorio de la Nación de todos los derechos civiles del ciudadano; pueden ejercer su industria, comercio y profesión; poseer bienes raíces, comprarlos y enajenarlos; navegar los ríos y costas; ejercer libremente su culto; testar y casarse conforme a las leyes. No están obligados a admitir la ciudadanía, ni a pagar contribuciones forzosas extraordinarias. Obtienen nacionalización residiendo dos años continuos en la Nación; pero la autoridad puede acortar este término a favor del que lo solicite, alegando y probando servicios a la República.[6]

Um die Aufmerksamkeit vieler Europäer für ihr Land zu wecken, gründete man 1868 die Comisión Central de Inmigración, die Argentinien in mehreren Ländern Europas vertrat und Interessenten über die neuen Möglichkeiten in Argentinien informierte. Bis zum Jahre 1876 standen allen Einwanderern die Türen Argentiniens offen, erst mit dem Ley Avellaneda wurden der Einwanderung Restriktionen auferlegt. Körperlich, gesundheitlich oder geistig Beeinträchtigte, Bewohner anderer lateinamerikanischer Staaten, sowie Familien ohne Männer durften fortan nicht mehr einreisen.[7]

Trotz dieser Einschränkungen kamen ab Ende des 19. Jahrhunderts so viele Einwanderer ins Land, dass die argentinische Bevölkerung zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu einem Drittel aus Ausländern bestand. Viel zu verlockend waren die Versprechen von brachliegenden Ländereien, einem gemäßigten Klima und einer wachsenden Wirtschaft. In Briefen an ihre Heimat schwärmten die Auswanderer von Aussichten auf gesellschaftlichen Aufstieg, guten Löhnen, sowie von mehr Rechten als in ihren Herkunftsländern. Hinzu kam, dass man in Lateinamerika weniger Geld in den Lebensunterhalt investierte. Zahlte man in Südeuropa um 1890 etwa zwei Drittel seines Gehaltes für Nahrungsmittel, war es in Argentinien nur ein Viertel.[8]

Zwar wollte man mit allen mitteln arbeitswillige Einwanderer ins Land locken und sich um diese kümmern, ihnen eine vorläufige Unterkunft im Hotel de Inmigrantes[9] bieten und ihnen beim Erwerb von Ländereien helfen, doch wurde dies durch die wirtschaftlichen Probleme dieser Zeit erschwert. Ein weiteres Problem war, dass man all diese Anstrengungen nicht für jeden Immigrantengruppe tätigen wollte. Nur um Nordeuropäer, welche als gute Arbeiter galten und den Ruf hatte, fleißig zu sein, wollte man sich bemühen. Jedoch kam der Großteil der Menschen aus Süd-, Ost- oder Mitteleuropa.[10]

3. Gründe für die Emigration über den Atlantik

In den europäischen Ländern litten die Menschen im 19. und 20. Jahrhundert unter schlechten wirtschaftlichen Konditionen. Durch den Bevölkerungsboom der dem Aufschwung der Wissenschaften, besonders der Medizin, 'geschuldet' war stieg die Anzahl der Bevölkerung binnen hundert Jahre um das vierfache. Lebten im Jahr 1800 noch 100 Millionen Menschen in Europa, so waren es 1900 bereits 401 Millionen.[11]

Doch die Wirtschaft war oftmals nicht der einzige Faktor, der die Menschen zum Auswandern bewegte.

3.1 Polen

Viele der polnischen Migranten flohen vor Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund von politischer Unsicherheit, die das Resultat aus missglückten Revolutionen gegen die Nachbarstaaten Österreich, Preußen und Russland, bei denen die Unabhängigkeit Polens zurückerlangt werden sollte, war. Diese Migranten kamen immer nur vereinzelt oder in kleinen Gruppen nach Argentinien, nie in größeren Massen. Jedoch kamen nach dem Novemberaufstand 1830 und dem Januaraufstand 1863 mehr Immigranten als gewöhnlich.[12] Erst in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts kamen größere Gruppen aus ökonomischen Gründen, wobei 1897 als das Startjahr für diese Migrationsbewegung gesehen wird.[13] Jedoch ist es schwierig die genaue Anzahl der polnischen Einwanderer, welche vor dem Ersten Weltkrieg kamen, zu ermitteln. Da Polen zu dieser Zeit zwischen Österreich, Deutschland und Russland aufgeteilt war, wurden eben diese Länder als Heimat bei der Registrierung der Immigranten angegeben. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges war Polen unabhängig geworden und Argentinien war unter den ersten Ländern die diese Unabhängigkeit anerkannten. Bereits 1920 wurden konsularische Beziehungen zwischen den beiden Ländern gepflegt, 1922 kam die Polnische Botschaft in Buenos Aires dazu. Da das Land nach über 100 Jahren Besetzung relativ arm war und durch den Krieg sehr viel zerstört wurde, suchten viele Polen in Ländern mit einer besseren wirtschaftlichen Lage nach Arbeit. Besonders nachdem in den USA in den frühen 1920ern strenge Immigrationsgesetze verabschiedet wurden, zog es immer mehr Polen nach Argentinien. Zwischen 1921 und 1940 kamen über 150.000 polnische Einwanderer ins Land.[14]

3.2 Schweizer

Argentinien war das Land Südamerikas, in welches die meisten Schweizer im 19. und 20. Jahrhundert emigrierten, jedoch kann man diese Zahlen nicht mit denen anderer europäischer Länder vergleichen. Die Zahl der schweizerischen Einwanderer blieb zwischen 1857 und 1940 unter der 50.000 Grenze, zwischen 1830 und 1930 kamen gerade einmal 1.3 Auswanderer auf 1000 Schweizer. Diese Zahlen machen die Schweiz, neben Belgien und den Niederlanden, zu einem der Ländern mit der geringsten Auswanderungsrate.

Trotzdem kann man bei den Schweizern in zwei Bewegungen unterteilen. Die erste Bewegung begann zu Zeiten des Beginns der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, in dieser Zeit kamen besonders Familien aus dem ländlichen Raum der südlichen Kantone.[15] Sie hatte ihren Höhepunkt in den 1880ern, aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der USA, welche bis dahin das Zielland der meisten Schweizer gewesen ist. Die Einwanderer, die jetzt kamen, waren keine Familien mehr, sondern gelernte Arbeitskräfte, die in der aufstrebenden Wirtschaft Argentiniens ihre Chance sahen.

Die zweite Bewegung fand ab 1918 als Folge des Ersten Weltkrieges statt und hielt bis 1930 an. Durch den Krieg waren in den Städten viele Menschen arbeitslos geworden, doch auch in der Landwirtschaft hatte er Spuren hinterlassen: durch die Preissenkung der Lebensmittel kamen Landwirte in die Konkurrenz zu einander, durch die große internationale Depression in Europa in den 30ern sank auch die Nachfrage nach in der Schweiz produzierten Gütern. Neben Landwirten emigrierten jetzt auch Künstler, Angestellte, Handwerker und Akademiker. Bis 1930 lebten 25.000 Menschen mit schweizerischer Staatsangehörigkeit in Argentinien.[16]

3.3 Niederländer

Zwischen 1888 und 1892 flohen viele Niederländer nach Argentinien, da sie in ihrer Heimat keine Zukunft sahen. Sie flohen hauptsächlich vor der politischen Instabilität und der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Europas. Die Auswanderer kamen aus den Randregionen Groningen, Friesland oder Zeeland, welche am stärksten unter der Depression in Europa litten. Sie hofften in der Ferne unbewirtschaftete Landschaften zu finden, mit Hilfe derer sie die Zukunft ihrer Kinder sichern könnten. Jedoch gab es auch Auswanderer aus den großen Städten der Niederlande, Amsterdam und Rotterdam. In diesen spürte man die Konsequenzen der Industrialisierung am eigenen Leibe.[17] Sie trafen diese Entscheidung, da sie in ihrer Heimat Hunger leiden mussten und in Armut lebten. Die Emigration in ein fremdes Land war für viele die einzige Option, daheim zu bleiben hätte für sie den Tod bedeutet.

[...]


[1] Oberman, Gerardo: Argentina: la máxima esperanza, 2002, S. 8

[2] Vgl. Munoz, Anibal F.: Der Weg zur Unabhangigkeit bis zur Primera Junta, 2007, S. 78f.

[3] Vgl. Stachowski, Maika: Die kulturelle und nationale Identität in Zeiten der Einwanderung in Argentinien (1880-1930), 2009, S. 38 – 40

[4] Vgl. Blaschnitz, Edith: Auswanderer, Emigranten, Exilanten - die österreichische Kolonie in Buenos Aires. Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, unter besonderer Berücksichtigung der Jahre 1918 – 1945, 1992, S. 15

[5] http://www.senado.gov.ar/Constitucion/capitulo1 (Zugriff 14.08.2016)

[6] Ebd. (Zugriff 14.08.2016)

[7] Vgl. Stachowski, 2009, S. 47

[8] Vgl. ebd., S.50f.

[9] Siehe Kapitel 4.1

[10] Vgl. Fernández Armesto, Veronica: Los alemandes del Volga en la Argentina, 2000, S. 62

[11] Vgl. Stachowski, 2009, S.50

[12] Vgl. Zubrzycki, Bernarda: Polish Immigrants in Argentina, 2012 , S. 75f.

[13] Vgl. ebd., S. 79

[14] Vgl. ebd., S. 84

[15] Vgl. Frid, Carina: La inmigración suiza en la Argentina, 2013, S. 6

[16] Vgl. ebd., S.8

[17] Vgl. Oberman, 2002, S. 7

Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668402485
ISBN (Buch)
9783668402492
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v353981
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
migration argentinien ankunft paradies migranten

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