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Influencer Marketing. Entstehung, Chancen und Risiken des Marketings mit YouTube-Stars am Beispiel ApeCrime

Projektarbeit 2016 21 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Marketing im Wandel der Zeit
2.1. Die Anfänge des Marketings
2.2. Bedeutungszuwachs des Marketings um die Jahrtausendwende
2.3. Social Media Marketing und die Entdeckung des Influencer Marketings

3. Instrumente des Influencer Marketings
3.1. Produktplatzierungen und Sponsoring
3.2. Kooperationen und Partnerschaften
3.3. Fantreffen und Social Meet-Ups

4. Praxisbeispiel: Jack & Jones in Zusammenarbeit mit ApeCrime
4.1. Aufbau und Vorgehensweise
4.2. Analyse der eingesetzten Mittel
4.3. Auswertung und Einschätzung des Erfolges

5. Fazit

Anhang

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: deutliche Kennzeichnung einer Produktplatzierung

Abbildung 2: Social Meet-Up beim Jack & Jones Store Hamburg

1. Einleitung

„Um der Konkurrenz voraus zu sein, müssen sie den Kunden nicht nur zufriedenstellen, sondern begeistern […].“[1] – dieses Zitat beschreibt genau die Herausforderung an das Marketing, welches jedoch durch altbekannte Marketingmaßnahmen nicht mehr gelöst werden kann. Die Marketinginstrumente befinden sich aus diesem Grund permanent im Wandel. Vor allem das erst vor kurzem von besonders innovativen Unternehmen entdeckte Influencer Marketing steht in diesem Kontext zunehmend im Fokus namhafter Anbieter, um diesem Problem entgegen zu wirken. Unter Influencer versteht man hierbei eine Person mit einer großen Online-Community (Anzahl von Fans oder Followern). Der Influencer kann für verschiedene Zwecke im Bereich Marketing und Kommunikation eines Unternehmens gezielt eingesetzt werden. Sie werden auch Meinungsmacher oder Internet-Stars genannt und sind vor allem auf bekannten Social Media Plattformen, wie zum Beispiel YouTube, Facebook und Instagram vorzufinden.[2] Sie schaffen eine neue Möglichkeit Aufmerksamkeit zu erregen, um in dem stetig wachsenden Markt von Produkten und Dienstleitungen noch wahrgenommen zu werden, was durch zunehmend homogene Marketingmaßnahmen der Anbieter erschwert wird.[3] Größere Unternehmen kooperieren daher bereits seit einigen Monaten mit den großen deutschen Influencern. Kleine und mittelständische Firmen sind dem Thema gegenüber noch sehr kritisch eingestellt und beginnen aktuell mit ersten vorsichtigen Testläufen.

Der Fokus dieser Hausarbeit liegt auf der Analyse von Chancen und Risiken beim Einsatz von Influencern der Videoplattform YouTube. Zuerst wird jedoch die geschichtliche Entwicklung des Marketings dargestellt und die Gründe aufgezeigt, welche für die Entstehung und Notwendigkeit des Influencer Marketings ausschlaggebend sind. Im Anschluss werden die verschiedenen Kooperationsformen und Instrumente des YouTube Influencer Marketings erläutert. Durch eine detaillierte Darstellung wird aufgezeigt, wie eine solche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Internet-Stars gestaltet werden kann. Darauf aufbauend wird als Praxisbeispiel die Kooperation zwischen ApeCrime und Jack & Jones Hamburg auf genutzte Mittel und Maßnahmen analysiert. ApeCrime ist der Name eines YouTube Kanals, welcher von den drei Gründern Cengiz Dogrul, Andre Schiebler und Jan-Christoph Meyer betrieben wird. Sie produzieren hauptsächlich unterhaltsame Wettkämpfe und Comedy-Videos zur Veröffentlichung auf YouTube. Jack & Jones ist eine Modekette aus Dänemark, welche hauptsächlich preiswerte Herren- und Jungenoberbekleidung, sowie Jeans vertreibt. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden noch die Klickzahlen und der Erfolg der Kooperation ausgewertet. Abschließend folgt eine Einschätzung über die Zukunftsfähigkeit dieses Marketing Kanals und weitere Einsatzbereiche werden prognostiziert.

Aufgrund der Aktualität des Influencer Marketings und der damit verbundenen Instrumente gibt es aktuell nur sehr wenig fachgerechte Literatur zu dieser Thematik. Daher baut nur der historische Teil der Hausarbeit auf verfügbare Fachliteratur auf. Als Grundlage für die Übersicht verschiedener Marketingmaßnahmen im Bereich Influencer Marketing dienen hingegen hauptsächlich Artikel aus Fachzeitschriften und Informationsseiten führender Influencer Agenturen aus dem Internet. Dem Praxisbeispiel liegt eine Primäranalyse zu Grunde, welche Veröffentlichungen auf YouTube und die Interaktion der Zuschauer untersucht. Dabei dienen die Internetseite Strawpoll und Beobachtungen des Autors als Grundlage. Einige wichtige Kennzahlen sind jedoch nicht öffentlich verfügbar, wodurch gewisse Werte nur geschätzt oder angenommen werden können.

2. Marketing im Wandel der Zeit

Um die Entstehung und die Entwicklung des Influencer Marketings nachvollziehen zu können, ist es erforderlich die Geschichte des Marketings der letzten 50 Jahre zu betrachten. Angefangen beim Ende des Zweiten Weltkrieges, bis zum jetzigen Zeitpunkt hat sich eine erhebliche Wandlung und Veränderung des Marketings und der Marketingmaßnahmen vollzogen.

2.1. Die Anfänge des Marketings

Unmittelbar nach Kriegsende war nahezu jegliche Infrastruktur im Bundesgebiet zerstört. Somit gab es über alle Branchen hinweg nur sehr wenige Unternehmen, welche Güter zum Verkauf anboten. Dieses knappe Angebot stand folglich einer deutlich größeren Anzahl von Konsumenten beziehungsweise Kunden gegenüber. Nahezu alle Produkte konnten daher problemlos abgesetzt werden und es bestand darüber hinaus noch erheblicher Bedarf nach weiteren Produkten, dies wird auch Nachfrageüberschuss genannt. Zu dieser Zeit spielten Werbung und verkaufsfördernde Maßnahmen insgesamt noch keine bedeutende Rolle in den Unternehmen.

In den folgenden Jahren, den 50er und 60er Jahren änderte sich die Situation im Rahmen des „deutschen Wirtschaftswunders“. Immer mehr Anbieter strömten auf den Markt und das Angebot an Produkten und Gütern wurde schrittweise größer. Es gelang, die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen und somit kam es im Laufe der Zeit zu einem Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage.[4] Für die Unternehmen bedeutete dies, sich nun langsam qualitativ und preislich mit Konkurrenten messen lassen zu müssen. In den darauffolgenden Jahren kam es dadurch zu einem Wandel vom Verkäufermarkt zum Käufermarkt, bei welchem der Nachfrager zum Engpass wurde. Dadurch orientierten sich die Anbieter zunehmend am Markt, um die Bedürfnisse spezieller Zielgruppen anzusprechen und sich zumindest temporär Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

In den 1970er Jahren kam es so zu den ersten gezielten Einsätzen von verschiedenen Methoden der Marktforschung. Diese dienten zur Segmentierung der Märkte, sowie der Positionierung der Unternehmensleistung im Feld der Mitbewerber. Sowohl die Leistungen als auch die vereinzelten Marketingaktivitäten der verschiedenen Anbieter vereinheitlichten sich zunehmend. Der Erfolg der Unternehmen durch die Ausrichtung an generellen Kundenbedürfnissen wurde dadurch erheblich erschwert. Sich von seinen Konkurrenten abzuheben, rückte in den Mittelpunkt unternehmerischer Aktivitäten, denn nur so konnte der Unternehmenserfolg langfristig gesichert werden. Zu dieser Zeit sprach man vermehrt von einer Wettbewerbsorientierung der Anbieter. Die Zusammenhänge des „strategischen Dreiecks“ (Unternehmung - Kunde - Wettbewerber) nach Porter spielten dabei eine entscheidende Rolle bei der Unternehmensentwicklung. Zusätzlich entstanden zu dieser Zeit zahlreiche Methoden zur Identifizierung von strategischen Wettbewerbsvorteilen, wie zum Beispiel die Wertketten- oder Konkurrenzanalyse.[5]

2.2. Bedeutungszuwachs des Marketings um die Jahrtausendwende

In den 1990er Jahren kam man zu der Erkenntnis, dass ein positiver Zusammenhang zwischen der Dauer der Geschäftsbeziehung und der Profitabilität besteht. Dies sorgte nun für eine Ausrichtung der Unternehmen auf eine konsequente und langfristige Kundenorientierung. So standen nun die Kundenzufriedenheit und die damit einhergehende Kundenbindung im Mittelpunkt. Man betrachtete diese Parameter nun als zentrale Erfolgsgrößen des strategischen Managements. In dieser Periode erlebte die Marketing beziehungsweise Werbeindustrie einen massiven Aufschwung. Die Unternehmen erhöhten ihre Budgets für Werbekampagnen jeglicher Art, um durch die verstärkte Präsenz möglichst viele Kunden langfristig an sich zu binden. Man konzentrierte sich jetzt auf die Intensivierung und Wiederherstellung von Kundenbeziehungen und den Customer Lifetime Value (CLV), also den Umsatz, den ein Kunde im Laufe seines „Kundenlebens“ dem Unternehmen einbringt. Zu dieser Zeit entwickelte man ebenfalls spezielle Verfahren zur Qualitätssicherung und Erfassung verschiedener Qualitätsmerkmale in Bezug auf die neuen Ziele. Hierzu zählen zum Beispiel die Erhebung von Kundenbarometern, sowie die Ermittlung von Kundeninteressen.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden die Unternehmen einerseits mit Krisenerscheinungen, andererseits mit komplett neuen Anforderungen, wie Nachhaltigkeit oder Umweltfreundlichkeit, konfrontiert. Die Unternehmen legten nun zusätzlichen Wert auf ihr eigenes Erscheinungsbild gegenüber dem Kunden, man spricht hier von einer Beziehungsorientierung. Somit stand das Verhältnis zwischen Kunde und Anbieter endgültig im Mittelpunkt des Marketings.

In den vergangenen Jahren hat sich die Globalisierung beschleunigt und die Anbieter haben mit zusätzlicher Konkurrenz aus aller Welt zu kämpfen. In Verbindung mit der erhöhten Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien führt dies zu einem Hyperwettbewerb der Unternehmen. Für das Management rückt immer mehr die Netzwerkorientierung und die damit verbundene Zusammenarbeit beziehungsweise Kooperation mit anderen Marktteilnehmern in den Fokus. Andere Marktteilnehmer mit hoher Reichweite oder großem Einfluss sind dabei besonders gefragt.[6] Einige Unternehmen gehen daher Kooperationen mit anderen Anbietern ein, um ihre Reichweite zu bündeln und den Unternehmenserfolg zu sichern.[7] Allerdings sind die Bedürfnisse der Kunden weitestgehend befriedigt und für das gleiche Produkt gibt es meist mehrere Anbieter. Auch agieren die meisten Unternehmen bereits global und benutzen ähnliche Marketinginstrumente, somit ist das Potential der Vernetzung mit Mitbewerbern begrenzt.

2.3. Social Media Marketing und die Entdeckung des Influencer Marketings

Durch die Etablierung des Internets als Alltags- und Informationsmedium wurden die Unternehmen mit der Zeit dazu gezwungen, sich mit der neuen Form des Marketings, nämlich dem Online Marketing, auseinander zu setzen. Das Internet sorgt für völlige oder vermeintlich völlige Transparenz und freien Meinungsaustausch. Jeder kann sich zu jederzeit über jedes erdenkliche Produkt informieren und so kann es manchmal vorkommen, dass Kunden bereits mehr über ein Produkt wissen, als das Unternehmen selbst. Es ist daher sehr empfehlenswert, dass ein Anbieter auch online vertreten ist und zum Beispiel Internetforen, Bewertungsplattformen und Vergleichsportale beobachtet, um die Meinungsbildung zu seinen Produkten oder Dienstleistungen im Blick zu behalten. Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass die Herkunft der Informationen mehr denn je vom Nutzer als unwichtig erachtet wird. Dadurch kann es sogar sinnvoll sein, zu versuchen die Meinungsbildung aktiv zu beeinflussen.[8] Aus diesen Gründen spielt auch das Social Media Marketing eine entscheidende Rolle für das Image eines Unternehmens, da vor allem online und in sozialen Netzwerken öffentlich Meinungen ausgetauscht werden. Mittlerweile betreiben fast alle Unternehmen derartiges Marketing, also sind auch diese Maßnahmen nur von begrenztem Erfolg gekrönt und werden eher als notwendige Pflicht angesehen. Aber seit kurzem bietet der Hype um soziale Netzwerke auch noch eine weitere, ganz neue Möglichkeit des Werbens: Das Influencer Marketing.

Mit Influencer Marketing schaffen es seit kurzem einige Unternehmen sich mit Hilfe von Meinungsmachern von der Masse abzuheben und - um an den Gedanken zu Beginn der Arbeit anzuknüpfen - die Kunden wieder von sich und Ihrem Produkt zu begeistern. Im Zuge der Digitalisierung und dem Aufschwung diverser sozialer Plattformen, wie zum Beispiel von Facebook und YouTube, erlangten einige Personen einen Status als „Internet-Star“. Wenn man sich die Zahlen zur Social Media Nutzung am Beispiel von Facebook ansieht, wird schnell deutlich wie vernetzt die heutige Gesellschaft ist: Im Januar 2012 zählte Facebook bereits rund 1 Milliarde Nutzer weltweit, darunter sind circa 51,7 Millionen deutsche Nutzer. Demnach besitzt mehr als jeder zweite Deutsche bereits einen Account bei dem Internetgiganten.[9] Den zumeist jungen Stars dieser Netzwerke wurde bisher von Unternehmen nur sehr geringe Beachtung geschenkt. Bis man bemerkte, welchen erheblichen Einfluss diese Influencer auf die Meinung ihrer Fans und somit auch auf die Kunden der Unternehmen haben. Daher stammt auch der Name „Influencer“, zu Deutsch: Meinungsmacher. Diese finden sich auf nahezu jeder Online Plattform und sogar in privaten Blogs. Im Rahmen dieser Arbeit liegt der Fokus vor allem auf Influencern der Videoplattform YouTube. Die größtenteils sehr jungen Follower der zurzeit populären Influencer sind mit der (Über-)Fülle an Informationen und Anbietern groß geworden, und vertrauen zunehmend auf die Meinung anderer Kunden oder die Empfehlung von Freunden. Durch direkte Interaktion mit ihrer Community schaffen es die Internet-Stars, von ihren Fans als Freunde, Stars oder sogar als Idole angesehen zu werden. Teilweise werden sie bejubelt wie richtige Weltstars, vergleichbar mit Justin Bieber oder ähnlichen. Und an genau dieser Stelle knüpfen die Unternehmen an, denn wenn ein solcher „Star“ ihr Produkt, es sei aus eigener Überzeugung oder durch eine finanzielle Zugabe als gut empfindet, benutzt oder vorstellt, erreicht diese Meinung binnen weniger Sekunden mehrere Millionen Kunden. Der Kauf genau dieses Produktes anstatt eines der Konkurrenz wird dadurch wahrscheinlicher, da die potenziellen Kunden durch den Meinungsmacher extrem positiv beeinflusst werden. Nach kurzer Überlegung wird klar, was Influencer Marketing für ein enormes Potenzial besitzt.

3. Instrumente des Influencer Marketings

Influencer ermöglichen dank ihrer enormen Reichweite den verschiedensten Anbietern unternehmensrelevante Zielgruppen auf eine ansprechende und vertrauenswürdige Art und Weise zu erreichen. Dabei werden die Produkte oder das Unternehmen nicht „traditionell“ mit einem, meist vom Kunden als “nervig“ bezeichneten Online-Banner, einer Google Anzeige oder einem Werbespot beworben, sondern das Produkt wird dem Kunden über einen Influencer ansprechend präsentiert und vorgeführt. Dies geschieht optimaler Weise in einem passenden Kontext oder als Teil einer möglichst spannenden Geschichte, welche von einem Influencer erzählt wird, der mit dem Thema oder ähnlichen Produkten bereits zu tun hat.[10] Im Folgenden werden die in der Praxis eingesetzten Mittel und die bekanntesten Formen der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Internet-Stars detailliert erläutert.

3.1. Produktplatzierungen und Sponsoring

Sponsoring und Produktplatzierungen sind die gängigsten Arten, um mit Hilfe eines YouTubers zu werben. Beim Sponsoring bekommt der Influencer zum Beispiel eine Reise oder ein spezielles Erlebnis oder ein Produkt im Namen des Unternehmens kostenlos zur Verfügung gestellt. Somit kann der YouTuber kostenlos etwas Plakatives erleben und hat gleichzeitig ansprechenden Content für sein nächstes YouTube Video. Veröffentlicht der Meinungsmacher das Video und weist auf das Sponsoring hin, fördert dies selbstverständlich auch den Ruf des Unternehmens und bestenfalls kann der Anbieter ein Absatzplus bei zum Beispiel vergleichbaren Reisen verzeichnen. Offensichtlich handelt es sich hierbei um eine Win-Win Situation.

Allerdings muss darauf geachtet werden, dass der Inhalt des Videos deutlich als gesponsert gekennzeichnet wird. Ist dies nicht der Fall bewegen sich Influencer und Unternehmen in einem rechtlichen Graubereich. Bei auffälligem Sponsoring ohne entsprechende Kennzeichnung riskieren die Parteien gegebenenfalls eine strafrechtliche Anzeige wegen Schleichwerbung. Um kein Risiko einzugehen, werden immer mehr Sponsorings komplett transparent dargelegt, sodass jeder Zuschauer genau nachvollziehen kann, ob der Inhalt des Videos beeinflusst, unterstützt oder komplett fremdfinanziert wurde. Im Gegensatz zu den USA, ist in Deutschland bislang noch keine strafrechtliche Verfolgung eines Influencers wegen Schleichwerbung bekannt.[11] Abgesehen von der juristischen Betrachtung müssen die Influencer und die Unternehmen auch darauf achten, wie sie das Sponsoring inhaltlich gestalten und darstellen. Denn ein zu pompöser oder „protziger“ Auftritt des Influencers kann trotz ausreichender Kennzeichnung zu einem rufschädigenden Shitstorm für den Internet-Star und zu Imageproblemen des Unternehmens führen.[12]

Abbildung 1: deutliche Kennzeichnung einer Produktplatzierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine ganz ähnliche Form des Werbens sind Produktplatzierungen, so genannte „Sponsored Posts“. Bei dieser Art des Werbens erhält der Influencer einen meist materiellen Gegenstand kostenlos von einem Unternehmen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhält der Meinungsmacher zusätzlich noch eine Entlohnung vom Unternehmen, gemessen an der Reichweite des damit verbundenen Videos. Je nach Umfang der Darstellung des Produktes vergütet das Unternehmen dem YouTuber zwischen zwei und zehn Cent pro Klick, dies wird auch CPC (Cost per Click) genannt. Betrachtet man die durchschnittlichen Klickzahlen der deutschen Top-Influencer, wie zum Beispiel „ApeCrime“, wird schnell das enorme Potential für Unternehmen und YouTube-Stars ersichtlich: Ein Video auf dem Kanal von ApeCrime erreicht im Durchschnitt 1-1,5 Millionen Klicks. Selbstverständlich ist nicht jedes Video mit einer Produktplatzierung bestückt, dennoch erwirtschaftet jedes solcher gesponserten Videos zwischen 30.000 und 150.000€. Wie viel Geld eine Produktplatzierung exakt einbringt, wird nicht öffentlich kommuniziert, da die Verträge zwischen Influencer und Unternehmen strikter Geheimhaltung unterliegen.

Es gibt verschiedene Videoformate, um eine Produktplatzierung attraktiv zu gestalten, sodass jedes Unternehmen eine passende Präsentationsmöglichkeit für seine Produkte wählen kann. Das Format beeinflusst ebenfalls den CPC. Nachfolgend werden die beliebtesten Darstellungsmöglichkeiten kurz erläutert:

Review Hierbei handelt es sich um ein Video in dem der YouTuber ein bereitgestelltes Produkt oder einen Service testet und die gemachten Erfahrungen mit seinen Zuschauern teilt. Die vertretene Meinung entspricht dabei meist auch der Realität, da diese Art von Video auch zum Vertrauensaufbau genutzt wird. Außerdem bietet eine Review auch ausgiebig Platz um darzustellen, wodurch sich das Produkt auszeichnet und von anderen abhebt. Diese Videos gehören in der Regel zu den Teuersten, sie können bei Übertreibungen aber auch zu einem Shitstorm führen.

Erwähnung Die Erwähnung ist eine Vorstufe der Review. In diesem Fall wird nicht lange über das Produkt referiert, sondern das zur Verfügung gestellte Produkt wird nur kurz erwähnt. Um den Bekanntheitsgrad oder das Interesse für ein Produkt zu erhöhen, ist dies eine sehr effiziente und kostengünstige Lösung.

Haul Bei einem Haul präsentiert der Influencer seine vor kurzem gekauften beziehungsweise zur Verfügung gestellten Produkte. Meist handelt es sich um verschiedene Produkte von verschiedenen Anbietern. Diese werden kurz vorgestellt und es wird erklärt, warum es genau dieses Produkt geworden ist, wichtig sind hier vor allem Preis und Bezugsquellen. Dieses Videoformat ist vor allem in den Bereichen Beauty, Fashion und Lifestyle Bereich sehr beliebt.

LookBook Das LookBook ist eine Form des Hauls, allerdings geht es hierbei meist ausschließlich um Mode und aktuelle Styling-Trends. Lookbooks sind meist sehr anschauliche und beliebte Videos bei den Zuschauern und daher gut geeignet, um im Rahmen einer Produktplatzierung komplette Outfits oder einzelne Kleidungsstücke vorzustellen oder zu vermarkten.

Tutorial Unter einem Tutorial versteht man ein Erklär-Video, welches zeigt wie ein bestimmtes Produkt funktioniert oder optimal angewendet werden kann. Das Format eignet sich daher besonders gut für erklärungsbedürftige Produkte und Services, aber auch für solche, die bei korrekter Verwendung einen „Aha“ Effekt zeigen.[13]

Die große Auswahl an bereits entwickelten Videoformaten zeigt deutlich, dass Influencer Marketing für nahezu jedes Produkt oder jeden Service eine geeignete Lösung bietet. Ebenfalls ist diese große Formatvielfalt ein guter Beweis dafür, dass der Einsatz von Meinungsmachern sich zunehmender Beliebtheit erfreut und ein großes Wachstum zu verzeichnen hat.

Der Influencer sollte die Unternehmen, mit denen er eine Zusammenarbeit plant, sorgfältig auswählen, denn zu große Differenzen, was die Meinung über ein Produkt oder Service angeht, können zu Problemen führen. Wirkt das Video nicht authentisch, oder passt das Produkt absolut nicht zum Meinungsmacher, kommt es schnell zu einem ruf- und imageschädigendem Shitstorm. Selbiges gilt selbstverständlich auch für die Unternehmen, denn falsche oder nicht passende Influencer können das Image eines Unternehmens negativ beeinflussen und somit schwer reparable Schäden verursachen.

3.2. Kooperationen und Partnerschaften

Neben einmaligen Sponsorings oder Produktplatzierungen, gibt es im Influencer Marketing auch dauerhafte Partnerschaften und Kooperationen. Hierbei bindet sich ein Unternehmen oder ein Meinungsmacher für längere Zeit an den jeweils anderen.

Es werden Rahmenverträge vereinbart, welche den YouTuber verpflichten, ein vorgegebenes Produkt in einer bestimmten Anzahl von Videos zu erwähnen oder zu präsentieren. Es handelt sich dann um eine Kooperation. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass in Verbindung mit dem gestellten Produkt genug sinnvoller Content produziert werden kann, denn uninspirierte Videoreihen aus reiner Werbung werden von den Zuschauern nicht akzeptiert. Dies kann ebenfalls zu den zuvor genannten Problemen für Influencer und Unternehmen führen.

Bei einer Partnerschaft hingegen, unterstützt ein Unternehmen einen Influencer bei seinen eigenen Plänen. Somit kann der YouTuber über eine gewisse Unterstützung oder ein Budget nahezu frei entscheiden und damit seinen Kanal mit hochwertigem Content bestücken. Dies geschieht wieder im Namen des Unternehmens, sodass dieses von einem besseren Image oder höherer Bekanntheit profitiert. Außerdem wird diese Methode auch benutzt, um das Vertrauen der Zuschauer zu gewinnen, da dem Star etwas Besonderes ermöglicht wird, woran sich wiederum seine Zuschauer dank interessanter Videos erfreuen können.

Partnerschaften bürgen in der Regel nur ein Risiko für das Unternehmen und sind daher nicht sehr beliebt, denn die Auswahl des falschen Meinungsmachers kann zu Schwierigkeiten führen. Erfolgt keine Investition des Budgets in guten Content handelt es sich aus Sicht des Unternehmens um verschwendete Ausgaben ohne jeglichen Gegennutzen. Entschließt sich der Influencer mit Hilfe des Geldes dazu, etwas komplett Neues auszuprobieren und verfehlt dabei den Geschmack der Zuschauer, kann es neben den nutzlosen Ausgaben sogar noch zu einer Schädigung des Unternehmensimages kommen, gerade weil in der Regel ein Influencer wegen seines genau zum Auftraggeber passenden Contents ausgewählt wird und das Matching jedoch ausbleibt.

[...]


[1] Bacon (1999), S. 221 (übersetzt ins Deutsche)

[2] Vgl. o.V. (2016), URL, o. S.

[3] Vgl. Hedemann (2014), S. 6

[4] Vgl. Schilling (2014), S. 9

[5] Vgl. Bruhn (2016), S. 1 f.

[6] Vgl. Bruhn (2016), S. 2 f.

[7] Vgl. Kotler (2010), S. 79

[8] Vgl. Ceyp (2013), S. 3-7

[9] Vgl. Hilker (2012), S. 19-27

[10] Vgl. Hedemann (2014), S. 7-9

[11] Vgl. Briegleb (2014), URL, o.S.

[12] Vgl. Böhm (2015), URL, o.S.

[13] Vgl. Tubevertise UG (2015), URL, o.S.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668402751
ISBN (Buch)
9783668402768
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354027
Note
1,0
Schlagworte
Marketing Social Media Influencer Projektarbeit Unternehmenskommunikation Youtube Facebook BWL

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