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Effekte von Langhanteltraining auf Erwachsene mit chronischen Rückenschmerzen

Begründung und Planung eines systematischen Reviews

Hausarbeit 2016 19 Seiten

Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie
2.1 Stand der Forschung
2.1.1 Chronische unspezifische untere Rückenschmerzen
2.1.2 Kraftarten
2.1.3 Rumpfmuskelsysteme
2.1.4 Untersuchte Zusammenhänge bei unteren Rückenschmerzen
2.2 Fragestellung

3 Methode
3.1 Inhalt eines systematischen Reviews
3.2 Literatursuche und Auswahl
3.3 Literaturauswertung -verarbeitung

4 Ausblick aufErgebnisteil

5 Ausblick auf Diskussionsteil

6 Fazit/Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Rückenschmerzen spielen heutzutage bei der deutschen Bevölkerung eine zunehmend große Rolle. Nachdem im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wenig über Rückenschmerzen dokumentiert wurde, gaben bis zu 85 % der Teilnehmer der deutschen Rückenschmerzstudie im Jahr 2003 an, mindestens einmal im Leben an Schmerzen des Rückens gelitten zu haben (Raspe, 2012). Während des vorangegangenen Jahres litten alleine 56 % der Männer und 66 % der befragten Frauen bei einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts an Rückenscherzen (Martin & Ziese, 2004). Neben anderen, weit verbreiteten Krankheiten wie Bluthochdruck, Fehlsichtigkeit und Stoffwechselstörungen ist der Rückenschmerz die häufigste Diagnose (ISEG, 2008).

Trotz vielseitigem Bemühen seitens der Wissenschaft bleiben die meisten Fragen bezüglich Ursache, Risiko und Prognose offen. Die Pathophysiologie ist in nur wenigen Bereichen verstanden (Bosscher & Heavner, 2015). Es besteht jedoch Konsens darüber, dass meist eine komplexe Problematik vorliegt. Diese besteht aus einem Mix von physiologisch-organischen Quellen, kognitiven und emotionalen sowie sozialen und verhaltensbedingte Faktoren (Raspe, 2012).

Um dieser aktuellen Situation entgegen zu steuern, ist es wichtig, zu erkennen, wie Rückenschmerzen vorgebeugt und effektiv therapiert werden können.

Diese Arbeit legt dar, warum es von Interesse ist, die Effekte von Langhanteltraining bei Rückenschmerzpatienten zu untersuchen. Dazu werden zunächst relevante Hintergrundinformationen gegeben, der aktuelle Forschungstand aufgegriffen und mögliche Fragestellungen betrachtet. Langhanteltraining bietet sich als Training aus vielerlei praktischen Gründen an und Studien legen nahe, dass ein Training des Rumpfes, insbesondere eine verbesserte Ansteuerung der tief liegenden Muskelsysteme, förderlich bei der Therapie gegen Rückenschmerzen (LPB) ist. Es bleibt die Frage offen, welche Rolle das Langhanteltraining dabei spielen kann und ob es wirklich die erwarteten Effekte mit sich bringt. Es wird behandelt, wie dieser Fragestellung nachgegangen werden kann. Dargelegt wird eine Methodik, wie vorhandene Studien systematisch dazu aufbereitet werden können. Der Form halber wird kurz auf die klassischen Ergebnis und Diskussionskapitel eingegangen, um den Anforderungen einer typischen wissenschaftlichen Arbeit gerecht zu werden. Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, ein systematisches Review zu planen und sich mit den Aufbau und dem Vorgehen bei der Erstellung eines solchen zu beschäftigen. Auf dieser Grundlage soll entschieden werden, ob dieses Review tatsächlich vom selben Autor zu einem späteren Zeitpunkt als Masterthesis durchgeführt wird.

Der Autor hat sich bereits im Bachelorstudium im Rahmen der Abschlussarbeit mit dem Thema Rückenschmerzen auseinandergesetzt. Schon alleine, wenn Fakten zu Prävalenz dieser Art des Handicaps betrachtet werden, wird deutlich, warum gerade für Sportwissenschaftler, welche im Gesundheitssport tätig sind, der Umgang mit Rückenschmerzen von größter Bedeutung ist. 85 Prozent der Deutschen haben einmal im Leben Rückenschmerzen (Raspe, 2012), bei rund einem Drittel ist dies chronisch (Andersson, 1999). Neben den Maßnahmen, die durch ärztliche Hand durchgeführt werden, ist die Sport- und Bewegungstherapie ein großer Bereich des Behandlungsfeldes (Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), & Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2010)

2 Theorie

Es geht in dieser Arbeit vornehmlich um die Frage, wie ein systematisches Review zum Thema „Langhanteltraining bei Rückenschmerzpatienten“ erstellt werden kann. In diesem Abschnitt der Arbeit wird darauf eingegangen, welche theoretischen Hintergründe es gibt und wie der aktuelle Forschungstand bestellt ist. Weiterhin wird betrachtet, welche Fragestellungen sich daraus ableiten und warum die Beantwortung dieser relevant ist. Der Aufbau dieses Kapitels würde dem tatsächlichen Aufbau in einem systematischen Review nahe kommen, wenngleich dieses dann aufgrund des größeren Umfangs ausführlicher ausfallen würde.

Auf den Theorieteil wird in dieser Arbeit besonderen Wert gelegt, weil dadurch das Verständnis des Themas als Gesamtes durch ausführliches Hintergrundwissen erleichtert werden soll.

2.1 Stand der Forschung

2.1.1 Chronische unspezifische untere Rückenschmerzen

Schmerzen im unteren Bereich des Rückens werden in der Literatur oft, nach dem Englischen, mit low back pain, kurz LBP, bezeichnet. DieInternational Association for the Study of Pain(IASP, Internationale Gesellschaft zur Erforschung des Schmerzes) definiert Schmerz als ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache (Merskey & Bogduk, 1994). Diese Definition beinhaltet, dass die Ursachen der Schmerzen oft unklar und daher unspezifisch sind. Nach der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2005) gibt es vereinfacht 3 verschiedene Kategorien von chronischen Schmerzen: Schmerz als Begleitsymptom einer körperlichen Störung, körperlich zum Teil erklärbare Schmerzen mit psychischer Komorbidität sowie Schmerz als Ausdruck einer primären psychischen Erkrankung. Bei circa 80% der Rückenschmerzpatienten ist die Ursache der Schmerzen unklar und kann sich demnach in allen der 3 Bereiche befinden (Raspe, 2012).

Unterscheidet man den Schmerz nach seiner Dauer, kann man laut aktueller Literatur ab rund 3 Monaten regelmäßigem Schmerzes von chronischem Schmerz sprechen (Bernateck, Sabatowski, Karst, & Siebrecht, 2014).

2.1.2 Kraftarten

Definiert ist Kraft als „[…] die Fähigkeit des Nerv-Muskelsystems, durch Muskeltätigkeit Widerstände zu überwinden […], ihnen entgegenzuwirken […] bzw. sie zu halten […]“ (Zimmermann, Starischka, & Grosser, 2015). Die Richtung der resultierenden Bewegung hängt dabei von der Größe des Widerstandes ab. Wenn dieser kleiner als die erzeugte Spannung des Muskels ist, verkürzt der Muskel und es kommt zu einer konzentrischen Bewegungen (Tomasits & Haber, 2011). Ist der Widerstand größer als die Spannung, verlängert sich der Muskel und die Bewegung ist exzentrisch (Tomasits & Haber, 2011). Ist der Widerstand unbeweglich bzw. gleich der Spannung, ändert sich die Muskellänge nicht. Man spricht hier von einer isometrischen Spannung (Tomasits & Haber, 2011). Nach den beteiligten motorischen Hauptbeanspruchungsformen teilt sich die Kraft in die Maximalkraft, die Kraftausdauer sowie die Schnellkraft auf (Weineck, 2004b).

Maximalkraft

„Die Maximalkraft ist die höchstmögliche Kraft, die willkürlich gegen einen unüberwindlichen Widerstand erzeugt werden kann“ (Zimmermann et al., 2015). Sie spielt bei der Mehrzahl sportlicher Leistungen sowie im Alltag bei Bewegungen, bei denen mehr als 30% der individuellen Kraftfähigkeit eingesetzt werden muss, eine grundlegende Rolle (Schnabel, 2011). Sie ist maßgeblich vom physiologischen Muskelquerschnitt, der intermuskulären Koordination (Zusammenspiel verschiedener Muskeln) und der intramuskulären Koordination (Zusammenspiel der Muskelfasern in einem Muskel) abhängig (Weineck, 2004a).

Kraftausdauer

Die Kraftausdauer wird definiert als „Ermüdungswiderstandsfähigkeit bei statischen und dynamischen Krafteinsätzen“ (Zimmermann et al., 2015) (mit mehr als 39% der Maximalkraft). Die Ausdauer ist dann in Verbindung mit submaximalen bis mittleren Krafteinsätzen die leistungsbestimmende Funktion (Schnabel, 2011). Die dynamische Kraftausdauer ist die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, eine bestimmte Wiederholungszahl von Krafteinsätzen innerhalb eines festgelegten Zeitraums möglichst wenig zu verringern (Zimmermann et al., 2015). Die statische Kraftausdauer bezieht sich auf die Fähigkeit, einen bestimmten Kraftwert über eine definierte Anspannungszeit ohne Spannungsverlust zu halten (Zimmermann et al., 2015). Die Kraftausdauer steht in engster Abhängigkeit zur Maximalkraft (Weineck, 2004b). Dabei gilt: Je größer die zu leistende Haltearbeit ist, desto mehr ist dies der Fall. Zusätzlich wird sie durch die verschiedene Stoffwechsel-Komponenten beeinflusst (anaerob-alaktazid, anaerob-laktazid, aerob-glykolytisch) (Zimmermann et al., 2015).

Schnellkraft

Der Vollständigkeit halber wird auch diese Kraftart kurz beschrieben, auch wenn sie für das Verständnis dieser Arbeit nicht von großer Bedeutung ist. Die Schnellkraft ist die Fähigkeit des neuromuskulären Systems, „in der zur Verfügung stehenden Zeit einen möglichst großen Impuls zu erzeugen“ (Zimmermann et al., 2015). Es wird differenziert zwischen dem Ziel, eine Bewegung in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren, und ohne Zeitbegrenzung eine hohe Endgeschwindigkeit zu erreichen. Die Schnellkraft ist hauptsächlich wichtig in Sportarten und Bewegungen mit hohen Kraftanforderungen in kurzer Zeit. Beispiele dafür sind das Sprinten, Springen und Boxen sowie weitere Bewegungen mit dem Ziel, einen möglichst hohen Impuls zu erzeugen, wie beim Hammerwurf oder Kugelstoßen.

Ihre Existenz als dritte der Krafthauptformen (Weineck, 2004b) soll als Abrundung des Gesamtbildes zur Kenntnis genommen werden.

Ähnlich verhält es sich mit der Reaktivkraft, Explosivkraft, Startkraft, Schnellkraftausdauer sowie Maximalkraftausdauer als weitere Ausprägungen der Kraft und Mischformen als Ergebnis von Wechselbeziehungen zwischen den Hauptformen.

2.1.3 Rumpfmuskelsysteme

Es gibt verschiedene Arten von Rumpfmuskeln, die sich nach ihrer Funktion unterteilen. Demnach gibt es Muskeln, die für Stabilisation sorgen sowie Muskeln, die für Bewegung sorgen. Zusammen bilden sie eine Synergie, die für Stabilität der Wirbelsäule und damit des gesamten Rumpfes sorgt.

Es gibt zum einen die globalen Stabilisatoren, die für Bewegung sorgen und
starke, von außen einwirkende Kräfte ausgleichen (Bergmark, 1989). Das globale
Muskelsystem umfasst die großen, oberflächlichen Rumpfmuskeln, die keinen direkten Ansatz
an den Wirbelkörpern haben und mehrere Segmente überspringen (Richardson, Hodges, & Hides, 2009). Beispiele sind der M. rectus abdominis, M. psoas major, M. erector spinae und der M. iliocostalis (Bergmark, 1989).

Davon unterscheiden wir die lokalen Stabilisatoren. Diese kleinen, tiefliegenden Muskeln, welche zwischen den lumbalen Wirbeln verlaufen, kontrollieren und stabilisieren diese Wirbelkörper (Richardson et al., 2009). Dazu zählen u. a. der M. transversus abdominis, die Mm. multifidi und, M. obliquus internus, M. quatratus lumborum sowie das Zwerchfell und der Beckenboden (Bergmark, 1989).

Beide Systeme sind für eine gesunde Wirbelsäulenkontrolle und -steuerung notwendig (Richardson et al., 2009). Es ist wichtig, dass die Systeme ausgeglichen und im Einklang arbeiten, um dynamische und gut stabilisierte Bewegungen zu ermöglichen, die die Gelenke schützen und Verletzungen vorbeugen. Gerade eine Dysfunktion der lokalen Stabilisatoren kann mit lumbalen Rückenschmerzen zusammenhängen (Richardson et al., 2009).

Der M. transversus abdominis ist der am tiefsten liegende lokale Stabilisator. Er wird normalerweise schon kurz vor einer Bewegungsausführung aktiv (Richardson et al., 2009) und sorgt für Kontrolle und Stabilität der Wirbelsäule, um bei den folgenden Bewegungen eine gesunde Position zu wahren. Bei Menschen mit Rückenschmerzen funktioniert dieser sogenannte feed forward Mechanismus meist nicht (Hodges, Moseley, Gabrielsson, & Gandevia, 2003).

Der M. quadratus lumborum zählt nach McGill, Childs, & Liebenson (1999) ebenso zu den wichtigsten stabilisierenden Muskeln der Wirbelsäule. Neben einer herabgesetzten Funktion des lokalen Systems kann ebenfalls eine herabgesetzte Kraft sowie eine geringere Ausdauer des globalen Systems eine entscheidende Rolle für die Entstehung von Rückenschmerzen spielen (Richardson et al., 2009).

Ein weiteres Beispiel sind die Mm. multifidi, welche über die gesamte Länge der Wirbelsäule an dieser entlang verlaufen und dessen einzelne Stränge jeweils 3 Wirbel untereinander verbinden. Insbesondere die lumbalen Anteile sind wichtige Stabilisierer der Lendenwirbel (Freeman, Woodham, & Woodham, 2010). Rückenschmerzpatienten weisen in rund 80% eine signifikante Korrelation zu einer Atrophie der lumbalen Musculi multifidi auf (Kader, Wardlaw, & Smith, 2000; Mallwork, Stanton, Freke, & Hides, 2009). Diese Rückbildung wird als Folge einer Dysfunktion gesehen. Durch eine Reflex-Hemmung durch afferentes Feedback von den Zwischenwirbelgelenken kommt es zu einer mangelhaften Ansteuerung ((Indahl, Kaigle, Reikerås, & Holm, 1997; Mallwork et al., 2009).

2.1.4 Untersuchte Zusammenhänge bei unteren Rückenschmerzen

Neben den bereits genannten Untersuchungen beschreiben auch O’Sullivan, Burnett, Floyd, Gadsdon, Logiudice, Miller, & Quirke, (2003), dass eine schwache Ansteuerungsfähigkeit der lokalen Stabilisatoren zusammen mit einem geringen Kraftniveau zu Stabilitätsproblemen und dadurch zu Rückenschmerzen führen kann. Dies bestätigen Ergebnisse von (Borghuis, Hof, & Lemmink, 2008). Doch wie verbessert man am besten die Ansteuerung der gewünschten Muskulatur? Verschiedene Studien lassen darauf schließen, dass Schlingentraining in der Therapie von Rückenschmerzen wirksam sei (Kang, Jung, & Yu, 2012; Schmoll, Hahn, & Schwirtz, 2008).

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Details

Seiten
19
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668407664
ISBN (Buch)
9783668407671
Dateigröße
822 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354472
Institution / Hochschule
Hochschule für Gesundheit und Sport, Berlin – Sport
Note
1,7
Schlagworte
LBP lumbale Rückenschmerzen REview Krafttraining Langhanteltraining

Autor

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