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Die Theorie des Erhabenen. Über Kants Analytik des Erhabenen

Ausarbeitung 2016 5 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

In dieser kurzen Ausarbeitung über das Erhabene, werde ich einen Überblick über den Einstieg des zweiten Buchs aus Kants Kritik der Urteilskraft geben. Zum besseren Verständnis, möchte ich zunächst mit einigen anderen Autoren, welche im Seminar besprochen wurden, beginnen und anschließend zu Kants Analytik des Erhabenen übergehen.

Das lateinische Wort für erhaben ist sublim, das dazugehörige Nomen Erhabenheit bedeutet etwas Großes bzw. Größeres und benötigt ein besonderesEmpfinden, um das Erhabene, im Vergleich zu etwas anderem, zu erkennen. Im 1. Jh. n. Chr. schreibt Pseudo-Longinus vom Genus der Ästhetik. Pseudo-Longinus war ein Literatursachverständiger und dass er Autor der Schriftgewesen sein soll, ist sehr umstritten. Longinus schreibt, dass Erhabenes nichtnur in der Literatur zu finden ist, sondern auch in der Natur. In der Natur desMenschen und des Weltalls gibt es das Großartige und das Überraschende. Indem es uns überrascht, erhebt es uns. Außerdem ist das Erhabene nicht zuerwerben, sondern angeboren. Die Entrückung und Erhebung eines poetischenProdukts ist die Erhabenheit, nicht zu verwechseln mit künstlicher Affektivität.Ein Werk kann nur Erhaben sein, wenn die Seele durch den Autor erhoben wird.Somit ist die Erhabenheit des Werkes Ausdruck der Erhabenheit des Charaktersdes Autors. Und diejenigen, die das literarische Produkt angemessen erleben,werden erhoben, aber nicht erhaben.

Erst im 16. Jh. wird die Diskussion um das Erhabene durch Boileau und Burkewieder entfacht. Für Burke gibt es mehrere Typen des Erhabenen, aber keineArten des Schönen. Er unterscheidet zwischen dem Erhabenen und demSchönen. Drei Typen des Erhabenen sind das Schreckhafte, z.B. eine großeTiefe, tiefe Einsamkeit, Einöden o.ä.; das Edle, z.B. die ägyptischen Pyramiden; das Prächtige, z.B. die Peterskirche in Rom mit ihrer enormen Größe und ihremSchmuck. Außerdem kann eine lange Dauer erhaben sein. In der Vergangenheitwird sie als edel bezeichnet, in der Zukunft gilt sie als schreckhaft. Nach dertranszendentalen Exposition nach Burke zählt die empirische Exposition immernur zu den Privaturteilen und gilt somit als egoistisch. Als sinnliches Wohltunoder der gute Geschmack dagegen, gilt das Wohlgefallen durch Reiz. DieRührung, als Mischgefühl, kann sowohl negativ, als auch positiv sein undentspricht dem Erhabenen am ehesten. Burke stellt die physiologischeExposition, die Selbsterhaltung, empirisch über das Erhabene. Der Egoismusnimmt keine Rücksicht auf Urteile anderer und ist als Privatgültigkeit demPluralismus, der Allgemeingültigkeit, gegenüberzustellen.

An dieser Stelle haben wir zwischen regulativen und konstitutiven Prinzipien unterschieden. Zu den regulativen Prinzipien zählen u.a. das Spezifikationsprinzip, Urteile befinden sich in einer für uns fasslichen, also verständlichen Form; und das Prinzip der Theologie. Bei Kant ist der Prozess des Spezifikationsprinzips ein unendlicher. Grundsätzlich haben regulative Prinzipien eine Bedeutung für das Vorgehen der Forschung. Nur konstitutive Prinzipien ermöglichen objektive Gültigkeit der Erkenntnis.

Im folgenden Abschnitt möchte ich auf das zweite Buch, Analytik desErhabenen, in Kants Kritik der Urteilskraft (KdU) eingehen. In der KdU widmeter sich der Ästhetik und definiert das Schöne als etwas, das ein Lustgefühlweckt, aber anders als das sinnliche Wohlgefallen, moralisch nicht gut ist.Laut Kant haben alle Vorstellungen eine somatische Wirkung. Wenn wir alsoeine Idee haben, haben wir ein Empfinden. Theoretische Ideen sind Begriffe dieer den Vorstellungen der Vernunft zuordnet. Praktische Ideen hingegen sindmoralische Begriffe der Vernunft. In §23 zeigt Immanuel Kant den Übergangvon dem Beurteilungsvermögen des Schönen zu dem des Erhabenen. Ein ästhetisches Urteil, kein logisches und kein praktisches, setzt Reflexionsurteilvoraus. Ein Urteil über das Erhabene ist also ein ästhetisches Reflexionsurteil.Sowohl das Schöne, als auch das Erhabene, gefällt sich selbst. Diese beidenBegriffe entsprechen unterschiedlichen Vermögen. Das Vermögen desVerstandes entspricht dem Schönen und das der Vernunft dem Erhabenen. DieVernunft scheitert allerdings darin, aus dem was geliefert wird, ein Ganzes zumachen. Hier wird die Fähigkeit des Zusammenfassens überfordert. Die wahreErhabenheit ist im Gemüte des Erhabenen zu suchen. Das Gemüt hört in sichauf die Stimme der Vernunft. Die Vernunft ist also in der Lage das Unendlichezu denken, als ganz gegeben. Sie ist der Einbildungskraft voraus, da sie dasUnendliche nicht in einer Anschauung vorstellen kann. Der Verstand bzw. seineEinbildungskraft gibt der mathematischen Größenschätzung ein hinlänglichesMaß, Verstand kann immer weiter zählen, egal welches Maß gewählt ist. DieGrößenbestimmung liegt am Verstand und kann ins Unendliche gehen. DieVernunft dagegen, kann das Unendliche in seiner Totalität sehen. Der Verstandstrebt also der Vorstellung der Vernunft hinterher, kann nur Ursache - Wirkungbegreifen. Die Einbildungskraft kommt bei der Vorstellung des Unendlichen anihre Grenzen und deshalb überschreitet die ästhetische Größenschätzung dasVermögen der Einbildungskraft. Anhand des Beispiels der Zahlenreihe, zeigtKant, dass die Vernunft Ganzes von Raum und Zeit denken kann. Er spricht voneinem Erhabenen-Erlebnis, welches, wegen der Vernunft, Anschauungen derUnendlichkeit besitzt. Die Einbildungskraft ordnet Begriffen Anschauungen zu,ist allerdings bei der Unendlichkeit überfordert. Die Einbildungskraft entsprichtunserem Anschauungsvermögen. Auch Totalität kann Unendliches nichtzusammenfassen. Dass wir Anschauungen denken, aber nicht vorstellen können,ist die Quelle der Lust. Beim Erlebnis des Erhabenen gibt es keine Totalität derAnschauung. Man kann sagen, dass beim Schönen die Einbildungskraft und derVerstand bestimmend sind und beim Erhabenen die Einbildungskraft und die Vernunft. Kant berücksichtigt auch auf die Form des Erhabenen. Die Erhabenheit ist nicht Zweckmäßigkeit der Form, sie muss aber auch nicht formlos sein. Form als Abgrenzung verstanden, spielt beim Erhabenen keine Rolle. Die Formlosigkeit gilt nur für das mathematische Erhabene.

Die allgemeine Bestimmung der Bedrohung der Existenz sind Naturkräfte dieuns unendlich überlegen sind. Kritik kann man hier am Grundmaß der Naturäußern, welcher ein sich widersprechender Begriff ist, da Unendlichkeit nichtzusammengefasst werden kann. Ein anderer, häufig genutzter Begriff ist der desübersinnlichen Substrats. Er liegt der Natur und unserem Vermögen zu denkenzu Grunde. Dieses Substrat denkt die Vernunft, weil die Einbildungskraft hierscheitert, denn es ist über allen Maßstab groß - das Unendliche in seinerGanzheit. Wenn die Einbildungskraft versucht, die ästhetische Größenschätzungzu vereinigen, lässt sie die Gemütsstimmung als erhaben beurteilen. Jedoch istder erhabene Gegenstand nicht unendlich, er überfordert nur dieVorstellungskraft.

Die Menschheit - als moralischer Begriff - in uns ist durch die Natur nichtantastbar. Bildlich erklärt bedeutet das, dass ein Fels uns erschlagen kann, aberdie Subjektivität unseres Charakters kann er nicht zerstören. Für Kant kann dieMenschheit nicht von empirischer Wissenschaft erreicht werden, da sie nichtsfaktisches ist.

Literaturverzeichnis

Kant, Immanuel (2015): Kritik der Urteilskraft. Anaconda Verlag, Köln.

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Details

Seiten
5
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668405295
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354496
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Philosophische Fakultät
Note
2,7
Schlagworte
Kant Theorie des Erhabenen Erhabenes Analytik Kritik der Urteilskraft Erhabenheit Ästhetik Burke Boileau KdU

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Titel: Die Theorie des Erhabenen. Über Kants Analytik des Erhabenen