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Berufserziehung im Nationalsozialismus. Die Beherrschung der Gesellschaft durch die NS Ideologie

Hausarbeit 2015 30 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Von der Weimarer Republik zur Diktatur
2.1 Machtergreifung Hitlers

3 Nationalsozialistische Verbrechen, außerschulische Organisationen, Elite Schulen und Erziehungsziele
3.1 Nürnberger Gesetze (1935)
3.2 Reichskristallnacht(1938)
3.3 NS ideologische Beherrschung der Gesellschaft
3.4 Allgemeine Erziehungsziele der NS Ideologie
3.5 Außerschulische NS Organisationen und NS Elite Schulen

4 Die Berufserziehung und das Übergangssystem im Nationalsozialismus
4.1 Berufsbildungspolitische Reformbestrebungen
4.1.1 Veränderungen im Übergangssystem
4.2 Berufslenkung
4.3 Reichsberufswettkampfe

5 Schulbuchnachweise zu Verstößen gegen die Bildungs- und Erziehungsziele der Schulgesetze des Landes Baden-Württemberg

6 Das Ende des Dritten Reichs
6.1 Holocaust und weiterer Kriegsverlauf

7 Fazit und Ausblick

8 Literaturquellen

1 Einführung

Es gab keinen Krieg in der Menschheit dem je zuvor so viele Menschen zum Opfer gefallen sind als im 2. Weltkrieg durch die Nationalsozialisten. Die systematische und industrielle Vernichtung von Menschen nicht arischer Abstammung, Kriegsgefangene und Regimegegner ist auf Grund der hohen Opferzahlen ein singuläres und erschreckendes Ereignis in der Weltgeschichte (vgl. Auerbach, 92, S.161f.).

In dieser Hausarbeit wird zum einen erklärt wie es zu einer solchen Katastrophe kommen konnte in dem die politische Ausgangssituation der Weimarer Republik betrachtet wird und die Schritte Hitlers zur Machtergreifung auf exekutiver, legislativer und judikativer Ebene erläutert werden (Kapitel 2). Zum anderen soll aufgezeigt werden unter welcher Zwangsherrschaft sich die damalige deutsche Gesellschaft in den Jahren 1933 bis 1945 befand (Kapitel 3). Unter den gegebenen historischen Fakten werden die Gesellschaft und ihre Rahmenbedingungen geschildert in denen Lehrer in der NS Zeit unterrichten mussten. Zudem wird neben der Geschichte und den Aufgabengebieten der Berufsschullehrer und äquivalenten Berufen in der Erziehung im Übergangssystem und NS Eliteschulen auf institutionelle Gegebenheiten und berufsbildungspolitische Reformbestrebungen eingegangen (Kapitel 4).

Zusammen mit einigen Literaturauszügen aus den nationalsozialistischen Schulbüchern und deren Verstöße gegen die Bildungs- und Erziehungsziele der Schulgesetze des Landes Baden-Württemberg und der Betrachtung der zusätzlichen ideologischen Lernziele zum Berufsschulfachunterricht wird über die Berufserziehung dieser Epoche ein umfangreiches Bild vermittelt (Kapitel 5).

Im vorletzten Kapitel wird auf den Kriegsverlauf, tatsächliche Opferzahlen und auf die Ausgangssituation eingegangen unter welchen in der modernen westlichen deutschen Bundesrepublik Entnazifizierungs- und Demilitarisierungsbemühungen zusammen mit der Schaffung einer demokratischen Grundstruktur stattfanden (Kapitel 6).

Mit dem Untertitel „Die Beherrschung der Gesellschaft durch die NS Ideologie“ werden in dieser Hausarbeit die vielfältigen Einflüsse des Nationalsozialismus auf die Gesellschaft, Lehr- und Lernorte, der Erziehung und Berufserziehung aufgezeigt.

Daher wird in Anlehnung an Kapitel 2 bis 5 nach einem Fazit im Ausblick die Diskrepanz zwischen den NS Erziehungszielen, den Bestrebungen der Reformpädagogik der Weimarer Republik und des jetzigen Bildungssystems als Sollzustand reflektiert (Kapitel 7).

2 Von der Weimarer Republik zur Diktatur

2.1 Machtergreifung Hitlers

Die wirtschaftliche und soziale Lage zum Ende der Weimarer Republik war durch die hohen Reparationsforderungen der Versailler Verträge, einer Weltwirtschaftskrise, 6 Millionen Arbeitslosen, aber trotz eines vorherigen Weltkrieges durch relativ geringe Inlandsschäden, bestimmt (vgl. Schwanitz, 2002, S. 264-279). Hindenburg ein Generalfeldmarschall und Politiker der im ersten Weltkrieg eine militärische und diktatorische Regierungsgewalt ausübte, wurde 1925 zum Reichspräsidenten der politisch instabilen Weimarer Republik gewählt. Mit seiner adeligen Herkunft und militärischen Leitfunktion vereinigte er die nachwirkenden konservativen Interessen des deutschen Kaiserreichs und ließ dennoch neben den aufklärerischen und humanistischen Geistesströmungen reformpädagogische Bemühungen zur Gründung des Übergangssystem und zur Verbesserung der Fortbildungsschulen zur Stabilisierung der sozialen Lage zu. Dennoch war es im damaligen deutschen Reich auf Grund der hohen Verpflichtungen, Gegner sprachen auch vom „Versailler Diktat“ und der sehr instabilen Wirtschaft, nicht möglich gemäß der Gesetzgebung der Weimarer Verfassung zu regieren sondern stets unter einer ständigen Notverordnung (vgl. ebd., 272f.). Neben einigen der heutigen bekannten Parteien konkurrierte insbesondere die NSDAP unter Adolf Hitler mit Hindenburg. Deren Aktivitäten bestanden neben dem Aufbau einer eigenen Armee z.B. die HJ (Hitlerjugend) und SA (Sturmabteilung) und dazugehörigen Aufmärschen, verbunden mit Prunk und Nazipracht, in Parteiprogrammen in denen man bspw. vorsah, deklassierte und Arbeitslose eine Uniform tragen zu lassen. Diese Art der Parteiwerbung, suggerierte bürgerliche Ordnung und in Anlehnung an Parolen, dass die Kriegsniederlage eine Phantasie sei, wurden die gesellschaftlich aufsteigenden Anhänger Hitlers Opfer einer naiven Doktrin. Hitlers Kommandostruktur seiner Armee rechtfertigte seine Selbststilisierung als Führer der absoluten Gehorsam verlangte. Mit seinen perfekten Inszenierungen vor seriellen Kulissen von Uniformierten und seinem Talent zur Massennarkose mobilisierte er zunehmend die unteren Volksschichten. Aus seinem Buch „Mein Kampf“ und den NSDAP Parolen geht eine Ideologie hervor die sich aus einer Mischung von Sozialdarwinismus, Rassenwahn, Lebensraumtheorie, Antibolschewismus und insbesondere dem Antisemitismus charakterisieren lässt. Es wird ein Feindbild gegenüber den Juden geschaffen, und der Jude, Hitler zu Folge, sei an allem Schuld. Anthropologisch betrachtet kann für eine solche Verfolgung die Bibel hauptsächlich hinsichtlich der Aussagen über den Verrat Jesus missbraucht werden, obwohl das Buch von Gleichnissen gefüllt ist, welche die zehn Gebote lehren. Jene regelten bereits eine Vielzahl von weisen, sittlichen und friedlichen Verhaltensweisen bei der Interaktion zwischen Menschen und unter Anbetracht der Trennung von Staat und Religion sind die verbleibenden Gebote möglicherweise für viele Länder auf der Welt eine Basis für die grundlegende Gesetzgebung. Dennoch zeigt die Geschichte einiger christlich geprägter und untergegangener Imperien, und den dort stattgefundenen Menschenverfolgungen, immer wieder eine Rechtfertigung des Mordes aus Machtinteressen auf. Zum Erhalt der territorialen Kontrolle wurden oftmals nicht sesshafte und handeltreibende Völker zur Ausweitung der Informationsmacht regelrecht ausgerottet oder diskriminiert. Hitler erklärt mit seinem Feindbild, vom unsichtbaren Feind dem Juden, die hohen Verluste im ersten Weltkrieg und sucht nach einer Endlösung in der Judenfrage. In seinen Parolen überwiegen neben diesen naiven Volksverhetzungen nationalsozialistische Gemeinschaftsgedanken unter welchen Germanen unter falschen Vorwänden in der Masse fanatisiert wurden. Weiter werden kaiserlich militärische Bräuche und Tugenden, die bis zum alten Rom zurückreichen, verherrlicht und unter den germanisch geprägten sektenähnlichen Nazikult gestellt. Der Einfluss seiner Armee und Anhänger bringt den Nationalsozialisten zunehmend Plätze im Reichstag. Zwar fand im Zuge der zunehmenden Abdankung des alten „kaiserlichen“ Regimes eine Machtzunahme bei den linken Parteien statt, welche ein Bündnis mit der SPD bildeten (vgl. ebd., 274f.). Letztlich führte allerdings das Paktieren der SPD mit dem kaiserlichen Heer und Beamtenschaft zur Trennung von Sozialdemokraten und Kommunisten. Zusätzlich zur schwachen innenpolitischen Situation der Weimarer Republik kommt es zu einem Streit bzgl. der Arbeitslosenversicherung (1930), und es folgt ein Rücktritt der SPD, welche die Weltwirtschaftskrise wohl bewältigen hätte können. Die Bürgerlichen wandten sich von Sozialdemokraten ab und wurden zunehmend von den Umtrieben der NSDAP beeinflusst. 1932 musste der Reichspräsident neu gewählt werden und Hitler verlor die Wahl gegen Hindenburg. Es folgt ein zwischenzeitliches Verbot der SA (Sturmabteilung) und nach einer weiteren Neuwahl wird der Kavallerieoffizier Franz von Papen gewählt, welcher eine Regierung aus reaktionären Aristokraten bildet und nach einer Aufhebung des Verbots der SA Neuwahlen ausschreibt. Hitler lässt in der letzten Wahl 1933 eine Terrorwelle über das deutsche Reich rollen und geht mit Papen nur eine Koalition unter der Bedingung ein, dass er zum Kanzler ernannt wird (vgl. ebd., 272f.). Kurz nach der Erlangung der Exekutivmacht kommt es nach einem dubiosen Brand im Reichstag (1934) zur erneuten Aufhebung der Grundgesetze der Weimarer Republik und damit zum Beginn einer weiteren Diktatur in

Deutschland. Unter dem Erlass der Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat, unter der bis 1945 geherrscht wird, kommt es zum Verbot der kommunistischen Parteien und der zersplitterten SPD. Wenig später nach der Unterdrückung der Presse folgt ein Gesetz das Hitler 4 Jahre ohne dem Parlament regieren kann. Man spricht hier auch vom parlamentarischen Selbstmord deutscher Politiker. Auf legislativer Ebene übernimmt Hitler mit dem Ermächtigungsgesetz die zweite unabhängige Gewalt und mit dem „Rohm Putsch“ die judikative und vervollständigt die Diktatur in Deutschland (vgl. Hoffman/Loch 1985, S. 70). Des Weiteren wurde ein Verbot der Gewerkschaften, Berufs- und Jugendverbände und die Auflösung der Länderparlamente durchgesetzt. Hitler übt staatlichen Terror mit seinen SA, SS (Sturmstaffel) und GESTAPO (geheime Staatspolizei) Truppen aus und verfestigt die Macht der Nazis (vgl. Schwanitz, 2002, S. 264-279; vgl. Hoffman/Loch 1985, S. 70).

3 Nationalsozialistische Verbrechen, außerschulische Organisationen, Elite Schulen und Erziehungsziele

3.1 Nürnberger Gesetze (1935)

Mit den Nürnberger Gesetzen, auch Ariergesetze genannt, wird die antisemitische Ideologie zum Gesetz. Es folgt eine abgestufte Einführung des Ariernachweises, zunächst war dieser erforderlich für Beamte, Ärzte, Juristen und andere hochwertige Berufspositionen. Später wurde zwischen dem kleinen und großen Ariernachweis, der eine Eintragung des Stammbaums rückwirkend bis zum Jahr 1750 forderte, unterschieden, was dazu führte, dass der Ariernachweis auch zunehmend von Unternehmen gefordert wurde. Auf diese menschenrechtswidrige Praxis folgt der Beginn der Ausgrenzung, Vertreibung, Deportation bis hin zum Holocaust. Die Nazis betrieben eine sogenannte Rassenhygiene, durch Massenuntersuchungen zur Feststellung der Rasse. Mit Hilfe von Augentafeln und Rassentafeln wurde die Bevölkerung in Deutschland systematisch unter einem eugenischen Wahn erfasst. Es kommt zu Annullierungen von Ehen, Eheverboten, Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen. Selbst körperlich oder geistig Behinderte blieben dem Unterfangen eine Herrenrasse zu züchten nicht verschont. Unter dem Vernichtungsprogramm T4 wurden ungefähr 70.000 Euthanasieopfer von insgesamt 250.000 unter dem Vorwand der Reinhaltung des Erbguts ermordet. Die Rassenlehre wurde in allen schulischen und vorschulischen Einrichtungen zur Pflicht, selbst für den Kindergarten kamen Bücher zum Einsatz, welche Juden diskriminierten (vgl. www.wikipedia.de (a)).

3.2 Reichskristallnacht (1938)

Die gelenkten reichsweiten systematischen Ermordungen, Verhaftungen und Sabotagen vom NS Regime wurden ausgeweitet. Innerhalb von 5 Tagen vom 7. bis zum 13. November 1938 wurden ungefähr 400 Menschen in den Suizid getrieben oder ermordet. Etwa 1400 Synagogen, Wohnungen, sonstige Versammlungsraume, Geschäfte und Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden 30.000 Juden in Konzentrationslager inhaftiert und in den Städten kam es zu Ghettoisierungen (vgl. www.wikipedia.de (b)).

3.3 NS ideologische Beherrschung der Gesellschaft

Die NS Ideologie entmündigt und drängt die Bürger zur Akzeptanz von nicht hinterfragbaren Handlungen und zur Mitleidlosigkeit. Aufständische im Nationalsozialismus wurden dem Volksmund nach in sogenannte Konzertlager untergebracht in welchen der Führer das Volk von den Dummköpfen zu befreien hatte. Unter der Bevölkerung herrschte stets Uneinigkeit über die Vielzahl der verschiedenen Lager und ihrer Funktion was zur weiteren Stigmatisierung der Massen beitrug (vgl. Zeevi (b), 2011). Unter dem nationalsozialistischen Zwangsarbeitssystem der RAfAuA (Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung) konnte letztlich jeder Arbeitslose in einem Zwangsarbeitslager enden, in welchem das Volk zwar im Glauben war für die Arbeit eine entsprechende Nahrungsmittelversorgung zu erhalten, tatsächlich kam es aber zu Fusionen mit Konzentrations- und Vernichtungslager. Es herrschte also unter den nicht zutiefst entschlossenen Anhängern ein Doktrin der Angst unter dem es 1937 zur Vollbeschäftigung kam. Des Weiteren kam es zu einer Instrumentalisierung sämtlicher Institutionen durch bspw. Ariernachweise und eine enge Anbindung an die NS Organisationen: Deutsche Arbeiterfront (DAF), Hitlerjugend (HJ), Bund Deutscher Mädel (BDM), SA, SS. Betrachtet man die Mitgliederzahlen von HJ und BDM, die betrieblichen Aktivitäten des DAF und die Vielzahl institutioneller Gleichschaltungen und Gesetzesänderungen kann man davon ausgehen, dass fast in jedem deutschen Haushalt mindestens ein Familienmitglied stärker an das NS Regime angebunden war. Dies führte wiederum zu einer wechselseitigen Kontrolle des Privatlebens und des NS ideologisch konformen Lebens. Ein Zeitzeuge, der ein ehemaliges HJ Mitglied war, berichtet beispielsweise, wie sehr er sich für seinen Vater geschämt hatte der einen Verfolgten an die Grenze gefahren hat (vgl. ebd.).

Während dessen vollführt das NS Regime Kriegshandlungen im Ausland in dem östliche Gebiete teilweise im Interesse der Alliierten (Antibolschewismus) zunehmend erobert werden. Umsiedlung, Germanisierung, Versklavung und Umsetzung der deutschen Lebensraumtheorie führen zu Umstrukturierungen hiesiger Neueroberungen.

Um die Gesellschaft nationalsozialistischen Idealen und Vorstellungen anzupassen, war die Eingliederung des Schulwesens von zentraler Bedeutung. Innerhalb von 12 Jahren wurden zum einen die Vielzahl von Fortbildungsschulen zu Pflichtberufsschulen mit dem Fach Volks- und Staatsbürgerkunde umfunktioniert und zusätzliche Schulen und Erziehungsanstalten gegründet. Schüler und Schülerinnen, die keiner Ganztagseinrichtung angehörten, waren dazu angehalten einer NS Organisation beizutreten um Aufstiegschancen zu erhalten (s.a. Kap. 4). Dieser systemische Umriss zeigt die Vielzahl der Aspekte in welchen NS Ideologien das Freizeitangebot, das Schulwesen und die daran anknüpfende Berufserziehung beeinflussten. In der Summe werden damit zum Großteil nahezu alle Facetten der schulischen Umgebung in soziokultureller und in anthropologisch­psychologischer Ebene von der NS Ideologie bestimmt.

Zusammenfassend kann unter der zunehmenden Konzentration des NS Regime auf ihre „Kriegsplanwirtschaft“ (vgl. Vierjahresplan) von einer Pervertierung aller aufklärerischen und humanistischen Geistesströmungen gesprochen werden (vgl. Schwanitz, 2002, S. 264-279).

3.4 Allgemeine Erziehungsziele der NS Ideologie

Im Prinzip eignete sich eine Ausrichtung der Berufspädagogik für die nationalsozialistische Ideale sobald ideologische Bestimmungsgrößen wie der Rassengedanke, das Führer- und Gefolgschaftsprinzip und die Gemeinschaftsideologie integriert wurden. Die Nationalsozialisten bevorzugten zunehmend den autoritäreren Begriff der Erziehung anstatt der Pädagogik. In dieser sollten die hervorragende Erziehungsziele wie die Betonung der Charakterbildung (Kühnheit, Gewandtheit, Härte, Treue, Opferbereitschaft) und körperliche Ertüchtigung vor geistiger Schulung verankert werden. Dies wiederum versprach den Nationalsozialisten neben der Erhaltung der Dicktaturansprüche die intensive Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft durch die Bewertung des Menschen nach Form und Güte seiner Arbeit. Besonders hervorgehoben haben sich in dieser Epoche die Arbeiten von Carl Arnhold, der selbst an der Front im ersten Weltkrieg gekämpft hat und neben dem Gemeinschafts- und Kameradschaftserlebnis typische nationalsozialistische Ideale betont:

„Unser Volk“ war „nicht, wie das französische, ein Volk mit Rentneridealen“. „Unser Volk starb in den Siegen“. „Köstlich war ihm sein Leben, nicht, wenn es wehrlos ertragene Pein und sklaverisch verrichtete Plackerei war, sondern wenn es Mühe und Arbeit d.h. Kampf war. Im Kampfe stählen sich die Kräfte, im Kampfe werden jener Lebensraum und jene innere Freiheit erobert, ohne die die nach Gestaltung drängende Kräfte ihren höchsten Ausdruck nicht finden können.“ (Wolsing, 1977, S.60)

Arnhold zu Folge sei es also die Aufgabe der Berufsziehung:

„...das deutsche Volk als Substanz körperlich und geistig gesund, ordentlich und rein zu erhalten.“ (Wolsing, 1977, S.62)

Anschließend wird an Hand der wichtigsten nationalsozialistischen außerschulischen Gruppierungen, denen letztlich fast jeder Schüler angehören musste und die gleichermaßen wie die NS Eliteschulen eine Vorbildfunktion hatten, ein umfassendes Bild zu den damaligen vorherrschenden Zuständen aufgezeigt. Durch die Anpassung einer pädagogischen Lehre an die NS Ideologie sind den erzieherischen Maßnahmen wenig Grenzen gesetzt (vgl. Wolsing, 1977, S.60-62; Nickolaus (a), 2015, S.100-106).

3.5 Außerschulische NS Organisationen und NS Elite Schulen

Eine besondere Rolle wird insbesondere den außerschulischen NS Organisationen der HJ (Hitler Jugend) und dem BDM (Bund deutscher Mädel) zugeschrieben. In beide NS Organisationen konnten Jugendliche ab 10 Jahren, in der jeweiligen Unterorganisation des DJ (Deutschen Jungvolkes) oder JM (Jungmädel) beitreten, und nach erfolgreicher Bewährung ihre militärische Erziehung mit 14 Jahren in der adäquaten Organisation vertiefen. Unter militärischen Drill, sektenähnlicher Zeremonien zur Verherrlichung des Nazikults und erlebnisintensiven Erziehungsmaßnahmen wurden die Jugendlichen zur ideologischen Elite erzogen. Zu verschiedensten propagandistischen und militärischen Zwecken wurden die nahezu vollkommen kontrollierten Lebensbereiche gleichgeschaltet (vgl. Zeevi (a-d), 2011). Während die Gründungsjahre der HJ weiter zurückreichen und für die Machtverfestigung Hitlers von höherer Bedeutung waren, sind dem BDM 1931 ca. 1.711 und 1939 ca. 3.425.990 Mitglieder beigetreten. Demgegenüber verzeichnete die HJ 1935 ca. 4 Millionen Mitglieder, also die Hälfte aller Jugendlichen, und 1939 ca. 8,7 Millionen Mitglieder. Die hohe Mitgliederzahl konnte nur durch Zwangsrekrutierungen erreicht werden, welche in ländlichen Gegenden besonders ausgeprägt war. Jugendliche marschierten unter musikalischer Begleitung durch die Dörfer und holten andere Kinder nach der Schule ab. Nach Beitritt in eine Gruppe wurde die verbliebene Freizeit mit einer Vielzahl von körperlichen Ertüchtigungen (z.B. Kriegsfeldspiele, Leichtathletik, Boxen) und Nazikulturveranstaltungen in umliegenden Zeltlagern verbracht. Gemäß den erbrachten Leistungen und Länge der Mitgliedschaft stiegen die HJ Mitglieder Ihrerseits Gruppen verschiedener Größe auf, und je nach Rang waren Sie dazu befugt größere Gruppen zu unterweisen. Besonders begabte Jugendliche hatten gute Einstiegsmöglichkeiten in der SS, SA und WM (Wehrmacht). Jugendliche die den Beitritt verweigerten, konnten auf Antrag der HJ von höheren Schulen entlassen werden. Durch die steigende Zahl der Vermittlung von Berufsausbildungen durch die örtlichen Arbeitsämter war eine Ausbildung neben den Maßnahmen des Übergangssystems ein Privileg und eine entsprechende Empfehlung der HJ oder des BDM waren vom Berufsberater zu berücksichtigen. Selbst die Teilnahme in einem Sportverein erforderte eine HJ Mitgliedschaft. Auf Grund des hohen Kontrollbedürfnis der Nationalsozialisten wurde bspw. ein Swing Tanzclub in Hamburg verboten, der einer Tanzkultur angehörte die ihre Entstehung vieler dunkelhäutigen Tänzern zu verdanken hatte (vgl. ebd.). Weitere organisatorische Aufgaben der HJ vor Kriegsausbruch bestanden insbesondere darin fremde jugendliche Gruppierungen zu infiltrieren und einzugliedern, oder z.B. Juden und Zigeuner und andere nicht sesshafte zu beschimpfen, schikanieren, verfolgen, foltern und zu ermorden. Auch die mit der Reichskristallnacht begonnen Sabotagen jüdischer Einrichtungen wurden von einer Vielzahl von HJ Mitgliedern durchgeführt. Zum Ende der Kriegszeit, nach den hohen Truppenverlusten in Russland und der verlorenen Schlacht in der Normandie, kam es zunehmend zu Städtebombardierungen. Hier wurden die örtlichen HJ Mitglieder überwiegend für Lösch- und Aufräumarbeiten eingesetzt. Zunehmend aber auch in der Luftabwehr oder zur Verteidigung von kriegswirtschaftlich wichtigen Industrieanlagen. Beim späteren Truppeneinmarsch der Alliierten verteidigten sie die Wohngebiete. Als unter Hitlers Strategen der Krieg eigentlich bereits als verloren galt, wurden HJ Anhänger zur Frontverstärkung eingesetzt, obwohl in bestimmten Gebieten die Überlebenszeit bei knapp einem Monat lag. Ältere Soldaten berichteten davon, dass sie oftmals versuchten die lebensmüden und todesmutigen Kinder aus aussichtslosen Gefechtslagen zurückzuhalten (vgl. ebd.). Auch expandierten die Zwangsrekrutierungen als die Luftschutzbunker überfüllt waren. Massenhaft wurden auch bereits jüngere Kinder in Züge zu HJ Lagern auf das Land gefahren und wurden damit dem Volksmund nach „dem Führer geschenkt“. Kinder die in solchen HJ Heimen Zuflucht fanden, waren dem willkürlich hoch angesetzten und drakonischen Strafmaß der NS Erzieher ausgesetzt. Stahl sich z.B. ein Kind einen Löffel Pudding, musste es damit rechnen in einem Klo eingesperrt zu werden dessen Holzwände mit Nägel beschlagen waren.

Lehrer hatten nach Kriegsausbruch sich auch oft mit dem Umstand zu Recht finden müssen, dass Schüler ab einem gewissen Lebensjahr der WM beitreten konnten und sich daher nicht besonders lernwillig zeigten, da es eine Umgebung gab in der sie ihrer Natur und ihren nationalsozialistischen Überzeugungen freien Lauf lassen konnten. Nicht selten kam es vor das Mitglieder der HJ oder des BDM sich bei Ihrem Lehrer mit einer knappen und erlaubten Entschuldigung wie z.B. den Führergruß und einer kurze Nennung der NS Veranstaltung sich vom Unterricht befreien konnten.

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Details

Seiten
30
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668410329
ISBN (Buch)
9783668410336
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354769
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Nationalsozialismus Adolf Hitler Schulen Berufsbildung im Dritten Reichen

Autor

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Titel: Berufserziehung im Nationalsozialismus. Die Beherrschung der Gesellschaft durch die NS Ideologie