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Qualitative versus quantitative Methoden. Datenerhebung und Forschung in den Sozialwissenschaften

Hausarbeit 2017 9 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Klassifizierung von Forschungsmethoden
2.1 Methoden zur Datensammlung
2.2 Qualitative Sozialforschungsmethoden

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Sozialforschung erforscht den Untersuchungsgegenstand “soziale Welt”. Diese Welt grenzt sich von der “natürlichen Welt”, also der Welt der Naturwissenschaften dadurch ab, dass im Fokus der Untersuchung humane Akteure, in Einzelform (Individuen) oder soziale Gruppen stehen (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.5). Weiter ist im wesentlichen darin zu differenzieren, dass auf Grund des natürlichen Vorkommens der Untersuchungssubjekte in ihrem sozialen Umfeld, die Theoriebildung von oftmals nahezu beliebig vielfältigen Einfluss weiterer Faktoren und Aspekte abhängt. Daher wird die Sozialforschung im Prinzip als empirische bzw. als quantitative (etwas zählend) und qualitativ (etwas messend) unterteilt. Als empirisch gilt Wissen immer dann, wenn es gegenüber einem vorhandenen oder anerkannten System überprüfbar ist (vgl. Häder 2015, S.15f.) Empirische Aussagen bedürfen immer erst einer statistischen Überprüfung, damit jene als tragfähig gelten. Dahingegen dienen qualitative Untersuchungen zum Gewinn von Erkenntnissen in der Einzelfallforschung. Diese ist auch oftmals die Basis für die Bildung neuer Hypothesen sowie Grundlage für die Initiierung neuer Forschungsprojekte. Während in der Naturwissenschaft deterministisch beschreibbare Vorgänge, mit allgemeiner Gültigkeit, einen Anspruch haben, überall im Universum zu gelten, ist die Übertragung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse auf die Realität, gemäß der Ansicht der Empiriker nur zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit möglich. Es würde sicherlich auch logischer Natur widersprechen, beliebig zerlegbares materielles, bzw. Systeme oder ihre Teile in direkter Art und Weise mit Lebendigen zu vergleichen. Empirische Sozialforschung zeichnet sich zwar dadurch aus, dass eine hohe Prognosequalität bzw. eine qualitativ hochwertige Ursachenforschung betrieben werden kann, insbesondere wenn Replikationsstudien Zusammenhänge vielfach bestätigen, jedoch sind die Erkenntnisse bzw. die Erhebungsverfahren meistens nicht direkt auf die Übertragung auf Einzelpersonen geeignet, oder beziehen nicht individuelle Umstände mit ein. Daher ist es Schwerpunkt der qualitativen Sozialforschung eben genau diese individuellen Hintergründe bzw. Phänomene im Detail zu beschreiben bzw. zu erfassen. Einher geht diese Forschungsaktivität mit einem stetig andauernden Methodenstreit, dessen Zwischenkonsens sicherlich auch zur Gründung der empirischen Forschung beigetragen hat. Letztlich hat sich aber hinsichtlich der Nützlichkeit für die Forschung oftmals ein Methodenmix bewährt.

Diese Arbeit soll dazu dienen prägnant die gängigsten Forschungsmethoden in der (empirischen) Sozialforschung gegenüberzustellen und Grenzen der Einsatzspektren werden kritisch hinterfragt. Im Fazit soll auf wichtige Kritikpunkte der Sozialforschung eingegangen werden und es wird ein Ausblick auf dominante Forschungstrends in der Sozialforschung und die mit ihr eng verwobenen Berufs- und Wirtschaftspädagogik gegeben.

2. Klassifizierung von Forschungsmethoden

Da die Zahl möglicher Forschungsmethoden ganze Lexika füllt, z.B. haben 104 Autoren bei der Verfassung des Methoden-Lexikons für die Sozialwissenschaften mitgewirkt, um Details zu den Beschreibungen der vielfältigen Verfahren festzuhalten, werden an dieser Stelle nur die gebräuchlichsten aufgeführt (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.9ff.). Diese stellen auch eine Schnittmenge jener Forschungsmethoden dar, die den Literaturquellen entstammen, die für die Erstellung dieser Arbeit verwendet wurden. Generell ist es auch empfehlenswert, nicht eine strikte dichotome Trennung zwischen quantitativen und qualitativen Forschungsverfahren vorzunehmen, sondern es wird nach Diaz-Bone und Weischer eine Unterteilung der Gegensätze als die Betrachtung bipolarer Dimensionen vorgeschlagen. So sind dort als Gegensatzpaare jeweils in der Zuordnung 1. quantitativ zu 2. qualitativ vorzufinden:

“[...] nomothetisch/ideografisch, naturwissenschaftlich/geisteswissenschaftlich, Labor/Feld, deduktiv/induktiv, partikulär/holistisch, explanativ/explorativ, ahistorisch/historisch, erklären/verstehen, harte/weiche Methoden, Stichprobe/Einzelfall, verhalten/erleben [...]” (Bortz / Döring 2006 S.299).

Die für eine grobe Unterteilung der Forschungsmethoden verwendeten Gegensätze, sofern nicht selbsterklärend oder bereits erläutert, werden an dieser Stelle kurz erklärt und im Kontext häufiger Forschungsprobleme eingebettet.

Nomothetisch und ideografisch sollten ursprünglich zur Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften dienen, diese sind jedoch auf Grund der neuzeitlichen Auffassung über die Aussagefähigkeit von Human- und Sozialwissenschaften dahingehend eingeschränkt, dass keine universellen Aussagen über Individuen und soziale Gebilde gemacht und ebenfalls keine einzelnen Ereignisse oder Erlebnisse beschrieben werden. Dies beruht auch auf den in Kapitel 1 eingeführten Begriff der “sozialen Welt”, dass bedeutungsvolle Aussagen über soziale Sachverhalte nur unter Berücksichtigung “[...] historischer, organisational und personaler Individualität [...]” (Bortz / Döring, 2006, S.299) gemacht werden können. Da es in der wissenschaftstheoretischen Theoriegenese allgemein ein Problem ist, zwischen empirisch angestrebten wertfreien Aussagen und Ausgangstheorien, wertbehafteten Ein- und Ausgangsgrößen zu unterscheiden, wird an dieser Stelle das Dilemmata möglicher Verzerrungen sehr deutlich.

Drastische Verzerrungen sind auch oftmals beim Verfahrensgegensatzpaar Labor und Feld zu beobachten. Während im Laborversuch möglichst exakt versucht wird einzelne Parameter kontrolliert zu isolieren, ist es ein Problem im realen Feldversuch das gerade die vorhergesagten Effekte dann eben nicht auftreten. Ein möglicher Grund dafür ist eben auch das bei der Erforschung von Sachverhalten ein bestimmtes Setting verwendet wird, welches nur bestimmte Parameter berücksichtigt. Im Feldversuch jedoch können auch andere Größen mit einfließen, die eben genau diese Effekte wieder aufheben (vgl. ebd., vgl. Bortz / Döring 2006, S.299-300).

So ist es sicherlich hilfreich sehr frühzeitig im Projekt bei quantitativen Forschungschmethoden die Erfüllung der Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität zu berücksichtigen. Ebenso kann eine Überprüfung des forschenden Vorgehens durch die Anwendung von entsprechenden Postulaten wie z.B. Mayring’s dreizehn Säulen des qualitativen Denkens (vgl. Mayring 2002, S.19-24) zur Erhöhung der Qualität dienen.

Grundsätzlich sollte zu Beginn eines Forschungsprojekts auch feststehen, ob durch die angewendete(n) Methode(n) Erkenntnisse über Induktions- oder Deduktionsschlüsse gewonnen werden. Metamethodisch muss feststehen, ob aus einzelnen Beobachtungen generalisierte Aussagen über ähnliche Situationen zu gewinnen sind, oder ob von abstrakten Sachverhalten auf konkrete geschlossen wird. Hierzu seien an dieser Stelle zwei Beispiele genannt, anhand deren man sich die Bedeutung gut klar machen kann. Stellt man z.B fest, dass ein Zug auf einer S-Bahn Station zu früh kam, geht man davon aus, dass dies eine Regelmäßigkeit ist. Im entgegengesetzten Sinne ist die Deduktion mehr auf Wahrheitserhaltung ausgerichtet, da weniger neue Erkenntnisse gewonnen werden und Formalien der reinen logischen Überprüfbarkeit eingehalten werden. Sind z.B. alle Schwäne sterblich, so ist es auch ein schwarzer (vgl. Bortz / Döring 2006, S.300).

Ein weiteres Gegensatzpaar das einen etwas geringeren dichotomen Charakter aufweist, ist Erklären und Verstehen. Sollen z.B. Verhaltens- und Erlebensmuster von Menschen gezählt und erklärt werden, so wird dem Probanden eine Art mechanistisches Menschenbild unterstellt, dass zum einen wohl nur eine begrenzte Anzahl möglicher Zustände hat und zum anderen kausalen Erklärungsversuchen unterliegt, die gar gegen ethische Regeln verstoßen. Kritisiert wird dies insbesondere von der qualitativen Sozialforschung, die über Methoden verfügt wie z.B. die offene Befragung, um gezielt ein Verständnis über Menschen zu gewinnen (vgl. ebd., S.301).

2.1 Methoden zur Datensammlung

Die hier vorgestellten Methoden können, je nach Akzentuierung der Ausprägung messend (s.a. Kapitel 2), auch für qualitative Forschung verwendet werden. An dieser Stelle wird allerdings der quantitative Nutzen derj eweiligen Forschungsmethode bewusst hervorgehoben.

Befragungen können sowohl schriftlich als auch mündlich stattfinden. In der quantitativen Sozialforschung kann für halboffene und offene Befragungen auch ein Leitfadeninterview oder ein Fragebogen verwendet werden. Typische Probleme bei solchen Befragungen entstehen dadurch, dass es zwischen den Kommunikationspartnern auf Grund unterschiedlicher Vorerlebnisse und unterschiedlichen Interessen zu Gesprächsinteraktionen kommt, in der Subjektivität dominiert. So erweist sich insbesondere die Vergleichbarkeit der Aussagen offener Befragung als problematisch (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.31-36).

Bei Beobachtungen unterscheidet man zwischen Varianten systematisch und unsystematisch, verdeckt und offen, sowie nicht teilnehmend oder teilnehmend. Nicht selbsterklärend ist an dieser Stelle der Begriff teilnehmend der die Mitgestaltung des Beobachtungsprozesses durch den Beobachter/in zulässt. Die Beobachtung wird in die Phasen: 'Wahrnehmung, Beschreibung der wahrgenommenen Inhalte und Interpretation unterteilt. Die Anwendung einer solchen Methode ist bspw. denkbar bei der Erprobung von Unterrichtsmethoden und der Ermittlung des Lernerfolgs durch eine Lehrkraft. Auftretende Probleme sind hier zum einen die Objektivität der Beobachter selbst. Häufig entstehen dabei Verzerrungen wenn zentrale Tendenzen bei der Beurteilung von Zusammenhängen vorliegen, zu mild beurteilt wird (z.B. recht häufig bei Ausbildern vorzufinden), der erste Eindruck, ein bestimmtes Merkmal (Halo-Effekt) oder eine bestimmte Logik überwiegt. Kategoriensysteme mit festen Interatkionsschlüsseln eignen sich für die Beobachtung von Gruppeninteraktionen sowie der Einzelbeobachtung. Zuvor genannte Probleme werden auf Grund der Standardisierung daher reduziert (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.38-41).

Besonders häufig werden mittels Tests Daten erhoben. Diese können bei Einhaltung der obigen drei Gütekriterien selbst entwickelt, standardisiert (s.a. www.testzentrale.de) oder eine Mischung daraus sein. Bei der eigenen Entwicklung von Tests die spezifische Merkmale ermitteln sollen, bieten Konstruktkorrelate häufig auch eine gute Ausgangsbasis. Je nach Untersuchungsziel ist es durchaus auch üblich zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu definierten Bedingungen zu testen (z.B. Eingangs-, Zwischen-, Ausgangstest) (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.405-406).

Experimente weißen neben Schul- und Modellversuchen meistens den umfangreichsten Aufwand auf, sind aber die einzigste Variante in der kausale Zusammenhänge tatsächlich überprüft werden können. Unterschieden wird häufig zwischen dem Labor- und Feldexperiment. Gemäß den in Kapitel 2 eingeführten Konventionen zu den Gegensatzpaaren handelt es sich beim Feldexperiment um ein weiteres Paradebeispiel für die quantitative Forschung (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.125-126).

Sind zeitliche und finanzielle Mittel gering, oder befindet sich ein Forschungsprojekt in der Initiierungsphase, so kann notfalls von einer Grundgesamtheit eine Stichprobe gezogen werden. Bei der Wahl der Stichprobengröße sind allerdings die Forderungen zu beachten, das wenn es sich um eine belastbare Stichprobe handeln soll, eine Größe gewählt werden muss, die nicht gegen wahrscheinlichkeitstheoretische Prinzipien verstößt. Bei empirisch bestätigten Studien, zu denen häufig Replikationsstudien durchgeführt wurden, wird an dieser Stelle durch die Wahl einer Stichprobengröße gegen zuvor genannte Prinzipien weniger verstoßen (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.396).

Bei Quantitativen Inhaltsanalysen handelt es sich auch um wohl etablierte Erhebungsmethoden. So wird diese Methode bspw. häufig von Informatiker(innen) und Linguistiker(innen) verwendet, um Texte nach verwendeten Begrifflichkeiten oder anderen Sprachkonstrukten zu untersuchen. Denkbare Anwendungsfälle und deren Nutzen sind zahlreich (vgl. Diaz-Bone / Weischer 2015, S.191-192).

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668409026
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354789
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Berufs- und Wirtschafts- und Technikpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Forschungsmethoden Qualitative Methoden Quantitative Methoden Sozialwissenschaften

Autor

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Titel: Qualitative versus quantitative Methoden. Datenerhebung und Forschung in den Sozialwissenschaften