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"West-Östlicher Divan" von Johann Wolfgang von Goethe. Wie steht der Dichter zu Religionen?

"Zwischen zwei Welten schwebend?" Ein anderer biografischer Ansatz Goethes

Facharbeit (Schule) 2016 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Darstellung des eigenen Interesses
1.2. Entwicklung einer Forschungsfrage

2. Goethes Biografie

3. Goethes Bezug zu Religionen
3.1. Christentum
3.2. Islam

4. Hafis‘ Biografie

5. West-Östlicher Divan
5.1. Entstehung
5.2. Beschreibung und Interpretation des Buchcovers

6. Das Goethe-Hafis-Denkmal

7. Muhammed Iqbal: Botschaft des Ostens

8. Gründungen nach Goethe und Hafis

9. Schluss

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Darstellung des eigenen Interesses

Schon seit längerem befasse ich mich gerne mit lyrischen Texten und vor kurzem bin ich auf Johann Wolfgang von Goethes Werk „West-Östlicher Divan“ gestoßen. Es ist eine Gedichtsammlung, in der zahlreiche von ihm verfasste Gedichte über den Islam enthalten sind. Ich las es mit großer Neugier, da ich zuvor überhaupt kein Wissen über Goethes Auseinandersetzung mit der östlichen Welt hatte. Seine Ausdrucksweise, die Wortwahl und die Zusammensetzung der Gedichte haben mich sehr fasziniert. Zudem fühle ich mich mit diesen „verbunden“: Die Inhalte mancher Gedichte im West-Östlichen Divan sind meinem Alltag sehr nah. Er beschreibt an einigen Stellen muslimische Gedanken, mit denen ich mich identifizieren kann.

Was das Werk noch weiterhin für mich besonders macht, ist das Buchcover. Auf dem ersten Blick wirkt es ganz fern vom Thema, als hätte es überhaupt nichts damit zu tun und erscheint unpassend. Ich konnte bei erstmaliger Betrachtung keinen Zusammenhang zwischen dem Inhalt und dem Cover feststellen, wenn man aber genauer und tiefgründiger überlegt, ergibt auch jede einzige kleine Sache einen Sinn, worauf ich im Laufe noch ausführlich eingehen werde. Zwar gibt es auch andere Ausgaben, sodass die Interpretationen sich an einigen Stellen ändern können, doch nach meiner Untersuchung und Überlegungen gibt es bei den meisten Anhaltspunkt zum Interpretieren des Buchcovers.

Mit dem Entdecken dieses Werkes habe ich angefangen, mich näher mit diesem Thema zu beschäftigen und habe mir mehr Informationen verschafft. Ich war allerdings verwundert nach alldem, denn rückblickend stelle ich fest, dass in meinem bisherigen Schulleben kein einziges Mal darüber gesprochen wurde. Dies erweckt bei mir das Gefühl, als würde man diese Tatsache im Schulunterricht den Schülern vorenthalten, oder als „unwichtig“ ansehen, wobei ich jedoch denke, dass es dazugehört, weil es ganz spannend für die Schüler wäre, etwas „Unerwartetes“ über den berühmtesten deutschen Dichter zu erfahren. Des Weiteren finde ich auch, dass die Schüler somit möglicherweise aufmerksam und toleranter auf andere Kulturen und Religionen zugehen könnten, ohne jeglichen Vorurteile. Es wäre ein „schönes Beispiel für den Umgang zwischen Ost und West“.1

Da ich bezüglich dieses Themas überwiegend im Internet mehrere Ansichten entdeckt habe, will ich mich selber auch genauer mit wissenschaftlichen Texten von Literaturwissenschaftlern beschäftigen, um endgültige Klarheit zu verschaffen.

Zudem schreibe ich selber gerne Gedichte und interessiere mich für die verschiedenen Stilmittel, besonders die metaphorischen Sprachbilder. Da diese zahlreich sowohl im „WestÖstlichen Divan“ von Goethe, als auch im „Diwan“ von Hafis vorhanden sind, kann ich mir mehr Wissen aneignen bzw. erweitern.

Der letzte Grund darüber zu schreiben wäre, dass es eher weniger bekannt ist und mal was Neues werden soll.

1.2. Entwicklung einer Forschungsfrage

Ich habe mich mit mehreren Internetquellen befasst und habe diverse Ansichten und Meinungen gelesen, sowohl positive als auch negative. Es kam im Netz sogar bis zu Fragen, wie, ob Goethe Muslim war, worauf viele Antworten kamen, in denen die Personen versuchten so zu argumentieren, wie sie es lieber wahrhaben wollen. Ein Muslim, der Goethe zum Glaubensbruder, zum Muslim, ernennt, während ein Atheist und ein Christ das Ganze widerstreiten. Doch wie sieht die Wahrheit wirklich aus? Wie steht der Dichter Goethe zu Religionen? Zu welcher fühlte er sich hingezogen? Und was war überhaupt genau die Verbindung zwischen ihm und dem Osten? Was steckt hinter der Entstehungsgeschichte des West-Östlichen Divan und wen hat er damit noch zu neuen Werken und Gründungen inspiriert?

Das Christentum und der Islam, der Orient und der Okzident, Deutschland und Persien bzw. Iran - War Goethe zu seiner Lebzeit „zwischen zwei Welten“ schwebend?

Im Verlauf dieser Facharbeit werde ich klare Antworten auf die sich bei der Beschäftigung mit Goethes West-Östlichem Divan ergebenden Fragen geben. Unter anderem werde ich auch ein paar Gedichte näher erläutern und damit verbunden ein wichtiges, oft benutztes Motiv aufdecken. Darüber hinaus gehört auch das Goethe-Hafis-Denkmal dazu, wenn man über den West-Östlichen Divan und deren Verhältnis redet.

2. Goethes Biografie

Am 28. August 1749 gegen 12 Uhr kam Johann Wolfgang von Goethe auf die Welt. Der Nachname „Goethe“ wurde von seinem Großvater in Paris der französischen Schreibweise angepasst: Da es im Französischen kein „ö“ gibt, hat er es zu „oe“ geändert. Sein Vater Johann Caspar Goethe und seine Mutter Catarina Elisabeth gaben dem Goethe weitere fünf Geschwister, doch keiner, bis auf die eineinhalb Jahre jüngere Schwester Cornelia, überlebte. Goethes Vater übernahm ein Teil der Erziehung seines Sohnes und gab ihm mit drei Jahren schon Unterricht. Er lernte sowohl alte, als auch neue Sprachen und besonders gut sprach er Französisch. Die Begabung seines Großvaters für Traumdeutung und dessen Eigenschaften nahm er als Magie der Natur im Unterbewusstsein auf. Das Schreiben von Versen gehörte schon früh als Kind zum Lehrplan. Der Vater Goethes war von freien Rhythmen nicht begeistert, sodass der junge Goethe seine Gedanken in Reimen verfassen musste.

Nach der Erzählung von der Freundin seiner Mutter spielte er im Kleinkindalter (als er 3 Jahre alt war) nicht so gern mit kleinen Kinder, außer er fand sie „schön“. Besonders dunkelhäutige Kinder konnte er nicht leiden und weinte in ihrer Gesellschaft. Mit siebeneinhalb Jahren, im Jahre 1757, schrieb der deutsche Dichter sein erstes Gedicht, das am Neujahr an seine Großmutter gerichtet war, welches als seine früheste Probe noch erhalten ist. Mit folgenden Versen beendete er es:

„Dies sind die Erstlinge, die Sie anheut empfangen, Die Feder wird hinfort mehr Fertigkeit erlangen.“2

Ein Versprechen, das tatsächlich gehalten wurde. Goethes erster Theaterbesuch war eine französische Komödie, die für die Besatzungstruppen in Frankfurt spielte, welcher ihm sein Großvater Textor (mütterlicherseits) ermöglicht hat. Bei der Einquartierung der Truppen lernte er den Königsleutnant Grafen Thoranc kennen. Er interessierte sich für die bildende Kunst und so erlebte Goethe auch die Malerei, denn er schaute Malern gerne bei ihrer Tätigkeit zu.

Als Kind erlebte er eine religiöse Phase, worauf ich aber im nächsten Kapitel näher drauf eingehe. Neben dem Religiösen wurde das Weltliche nicht vernachlässigt: Er lernte tanzen und fechten und gute Manieren, wofür seine Eltern gewissenhaft gesorgt haben. Im Jahre 1764 wollte der 14-jährige Goethe aus Neugier und Abenteuerlust einer geheimen Jugendgruppe beitreten. Dort begegnete er seiner ersten Liebe Gretchen, doch sie und ihre Freunde aus der Gruppe verwickelten Goethe in eine kriminelle Untersuchung mit ein. Als seine Unschuld bewiesen wurde, war er trotzdem traurig, da Gretchen sagte, sie hielte ihn für ein Kind. Die schlechten Erlebnisse und Erfahrungen sah Goethe jedoch als Bereicherung für sein Leben an.

Gegenüber seiner Geburtsstadt Frankfurt, die er zuvor mochte, wurde er immer abgeneigter, da er geistige und politische Mängel bemerkte, was ihn dazu brachte, einen anderen Ort für sein Studium auszuwählen. Der junge Dichter entschied sich für Leipzig, wo er auf Wunsch seines Vaters Jura studierte. Doch die Vorlesungen gefielen ihm nicht, so schwänzte er diese. Goethe hatte das Gefühl, vom Leben selbst mehr zu lernen als von Vorlesungen. Er suchte nach was Neuem und fing an zu zeichnen. Mit 19 Jahren kehrte er zurück in seine Heimatstadt, sein Vater jedoch war nicht erfreut und die Dichtungen seines Sohnes beeindruckten ihn auch nicht. Die nächsten Jahre vergingen nicht so erfreulich. Er hing noch an Erlebnissen mit Annette Käthchen Schönköpf, die er in Leipzig kennenlernte, und erhielt kurz darauf die Nachricht ihrer Verlobung. Dennoch beglückwünschte er sie, bemühte sich um die hberwindung des Schmerzlichen und zählte es als Erfahrung zum „Buch des Lebens“.3 Während dieser Phase traf er auf Susanne von Klettenberg, eine Verwandte und Freundin seiner Mutter, die Goethe durch ihre Frömmigkeit der Mystik nahebrachte und ihm die Türen der Gemeinde öffnete, so durchlieft er erneut eine religiöse Zeit.

Durch das Leiden an einem Anfall sammelte er Eindrücke zur Medizin, stärkte sein Interesse für Naturwissenschaften und studierte Paracelsus (ein Mediziner). Im Frühling 1770 zur Osterzeit reiste Goethe nach Straßburg und fand zu sich selbst. Dort machte er ausschlaggebende Begegnungen für seine späteren Werke. Er kreuzten sich seine Wege mit Johann Gottfried Herder, in dem er einen „richtig verstehenden, anregenden, kritisch fördernden Freund“ sah.4 Zudem besichtigte er 1772 das Straßburger Münster, wodurch er zu seiner Schrift „Von deutscher Baukunst“ angeregt wird. In einem seiner Briefe, dessen Inhalt seine Wanderungen in der Natur sind, fällt auf, dass Goethe einen neuen Schreibstil hatte, und zwar beschrieb er seine Anschauungen gefühlvoll und erlebend, sodass es nicht nur beschreibend wirkte. Die dritte wichtige Begegnung in Straßburg war die mit Friederike Brion. Auf Grund seiner Liebe zu ihr entstand das erste lyrische Gedicht des Jahrhunderts: Willkommen und Abschied. Als Goethe 1771 sich von Friederike trennte und nach Frankfurt zurückkehrte, war sein Vater nicht enttäuscht wie bei der Rückkehr von Leipzig, denn diesmal hatte er sein Jurastudium abgeschlossen. Als Goethe Besuche empfing, kam eines Tages Merck, Darmstädter Kriegsrat, sein kritischer Freund, der starken Einfluss auf ihn hatte. Aus seinen Charakterzügen entnahm er einige für sein Mephistopheles in Faust.

Oktober 1774 wurde Goethe nach Weimar eingeladen. Er begab sich dahin nur für ein Besuch, woraus letztendlich 57 Jahre wurden. In den Jahren 1786 bis 1788 verweilte er in Italien, wo es zu mehreren neuen Werken kam. Wie er es in seinem Reisetagebuch notierte, wollte er sich in Italien mit der faszinierenden Kunst beruhigen und die Bilder und Landschaften gut einprägen.5 Während er sich intensiv mit der bildenden Kunst beschäftigt hatte, fühle er sich wie ein Genesender. Seine Wandlung hatte er geahnt, denn er schrieb seiner Mutter folgendes: „Ich werde als ein neuer Mensch zurückkommen und mir und meinen Freunden zur größeren Freude leben“.6 1788, nach seiner Rückkehr, traf er auf Friedrich Schiller, dem er anfangs nicht nahestand, doch später hatten sie ein enges Verhältnis zueinander und unterstützten und regten sich gegenseitig zu neuen Werken an.

Mit Christiane Vulpius hatte Goethe fünf Kinder, aber wie bei ihm starben auch hier alle bis auf einen: August von Goethe. Als Christiane Vulpius 1816 nach einem epileptischen Anfall starb, war sein Sohn sein einziger Anhaltspunkt. August von Goethe starb in Rom und wurde in den von Goethe gezeichnetem Grab an der Cestius-Pyramide.

Mit zunehmendem Alter wurde Goethe wählerisch in seinem Umgang und versuchte alles zu vermeiden, was ihn weder geistig, noch menschlich nicht bereicherte.

Ein literarisches Ereignis der Zeit war Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, was besonders unter den Jugendlichen beliebt war, aber auch Napoleon behauptete, er habe das Werk siebenmal gelesen, doch Kritiker sahen in diesem Verführung zum Selbstmord und wollten es beschlagnahmt haben.

Frau von Stein, mit der Goethe vor Christiane Vulpius eine Beziehung hatte, starb 1827 und wollte nicht, dass ihr Sarg an Goethes Haus vorbeigeht, was aber letztlich von der örtlichen Bestimmung nicht erfüllt werden konnte.

Am 17. März 1832 diktierte Goethe seinen letzten Brief, der von testamentarischer Bedeutung ist und viele Weisheiten beinhaltet. So bringt Goethe das letzte Mal seine Gedanken auf Papier: „[...] Je früher der Mensch gewahr wird, daß es ein Handwerk, daß es eine Kunst gibt, die ihm zur geregelten Steigerung seiner natürlichen Anlagen verhelfen, desto glücklicher ist er; was er auch von außen empfange, schadet seiner eingeborenen Individualität nichts. Das beste Genie ist das, welches alles in sich aufnimmt, sich alles zuzueignen weiß [...].“7

„Also hat der Frühling begonnen, und wir können uns umso eher erholen“, waren die letzten Worte des Dichters, als Antwort auf seine Frage nach dem Datum. Am 22. März 1832 schloss Johann Wolfgang von Goethe seine Augen und somit ging eine „Epoche der Welt- und Geistesgeschichte“ zu Ende.8 Menschen kamen aus zahlreichen Städten Deutschlands, um von ihm noch Abschied zu nehmen.

[...]


1 Iranischer Staatspräsident bei der Enthüllung des Goethe-Hafis-Denkmals über Goethe und Hafis:

http://www.tagesspiegel.de/politik/chatami-besuch-west-oestlicher-dialog-in-weimar-chatami-und-rau- enthuellen-hafis-goethe-denkmal/153180.h*tml

2 Goldschmit-Jentner, Rudolf K.: GOETHE. Eine Bildbiographie. Kindler Verlag, München, 1957, S.12 4

3 vgl. ebd. S. 24

4 vgl. ebd. S. 28

5 vgl. Hamacher, Bernd: Johann Wolfgang von Goethe. Entwürfe eines Lebens. WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt, 2010, S. 151

6 vgl. Goldschmit-Jentner, Rudolf K.: GOETHE. Eine Bildbiographie. Kinder Verlag, München, 1957, S. 54 6

7 Goldschmit-Jentner, Rudolf K.: GOETHE. Eine Bildbiographie. Kinder Verlag, München, 1957, S. 118

8 vgl. ebd. S. 121

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