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Didaktik und Methodik. Das Verhalten der Lehrperson im Klassenraum

Einsendeaufgabe 2017 10 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 1

Aufgabe 2

Aufgabe 3

Aufgabe 4

Literaturverzeichnis

Aufgabe 1

Zu Kapitel 4:

Stellen Sie sich vor, ein Teilnehmer macht durch ständige Wortbeiträge und lange Monologe immer wieder auf sich aufmerksam. Welche Möglichkeiten sehen Sie, auf diesen Teilnehmer zu reagieren?

Treffen Menschen z.B. im Kontext von Lehrveranstaltungen aufeinander, sind sich die meisten von ihnen vorher noch nicht begegnet. Zu Beginn entwickelt sich eine neue Gruppe, die im Rahmen der Veranstaltung zusammenarbeiten wird, und es entstehen Strukturen sowohl auf formeller als auch auf informeller Ebene. Es differenzieren sich verschiedene Rollen und Funktionen heraus. Dabei kann man Aufgabenrollen und Erhaltungs- und Aufbaurollen als förderlich für den Gruppenprozess herausstellen und aber auch Negativrollen, die den Gruppenprozess stören. Überträgt man diese Struktur auf das Modell der Themenzentrierten Interaktion, welches nach einer Balance zwischen den drei Komponenten „es“, dem Thema, “ich“, der Person und dem „wir“ als Gruppe innerhalb bestehender Umfeldfaktoren, dem „globe“ strebt, funktioniert im Fall, dass es Negativrollen gibt, die Gruppe noch nicht. Innerhalb der Gruppe entstehen Beziehungen mit Sympathien und Antipathien gegenüber den anderen Teilnehmern. Dabei bilden sich schnell Stereotypen, wie „der Vielredner“, „die Ausgeglichene“ oder „der Schüchterne“ heraus und können sich, wenn man nicht regulierend einwirkt, negativ auf eine effektive und effiziente Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe auswirken. Die Leitung einer Gruppe hat dabei eine besondere Funktion (von Felden, 2014, S. 45ff).

Im Fall, dass man in einer Erwachsenengruppe einen Teilnehmer hat, der durch ständige Wortbeiträge auf sich aufmerksam macht, ist zunächst die Sensibilität des Kursleiters gefordert, diese Störung wahrzunehmen und zu versuchen, diese auch zu deuten, um entsprechend zu reagieren und in den Gruppenprozess einzuwirken. Störungen treten auf, sobald der Lern- und Gruppenprozess aus der Balance kommt, man vom gewünschten Zustand abweicht und das gemeinsame Vorhaben blockiert oder behindert wird. Störungen sind dabei stets als subjektive Deutung, also als ein Konstrukt eines Einzelnen oder einer Gruppe anzusehen. Sie werden meist erst bedeutsam, wenn sich mehrere Gruppenmitglieder gestört fühlen.

Wichtig ist dabei, die Störung, nachdem sie wahrgenommen wurde, auch zu thematisieren und nicht einen Konflikt im Untergrund laufen zu lassen.

Ein „Vielredner“ lässt sich zu den bereits erwähnten Negativrollen zuordnen. Die Frage, die man sich als Kursleiter also stellen sollte, ist die nach der Bedeutung dieser Störung. Meist verbirgt sich ein gewisser Widerstand hinter dieser Verhaltensweise. Der anschließende Schritt wäre, nach den Motiven des Widerstandes zu fragen. Vielleicht gefällt dem Teilnehmer die Gruppenaufgabe nicht? Oder er möchte verhindern, dass sein altes Selbstkonzept in Frage gestellt wird oder er möchte seine Individualität schützen. Ein weiterer Grund für den Widerstand und den daraus resultierenden Störungen kann auch auf der Basis der Vermeidung gebaut sein, wie z.B. negative Gefühle oder Einsichten zu vermeiden (von Felden, 2014, S. 111f).

Kommunikationsanalysen können helfen, die Situationen, in denen die Störungen auftreten zu analysieren und Beweggründe zu verstehen (von Felden, 2014, S. 113). Dazu gehören das Vier- Seiten- Modell von Schulz von Thun, wonach jede Nachricht auf vier Ebenen vom Empfänger gehört werden kann, der Sachebene, der Beziehungsebene, der Selbstoffenbarungsebene und der Appellebene (von Felden, 2014, S. 57). So kann man als Kursleiter eine auf der Selbstoffenbarungsebene oder der Beziehungsebene als aggressiv wahrgenommene Botschaft verständnisvoll reagieren. Ich habe also die Möglichkeit, dass Thema, welches der „Vielredner“ einbringt, in die Gruppe verständnisvoll zurückzugeben und somit die Gruppe wieder in die Interaktion einzubeziehen.

Die Transaktionsanalyse kann auch unterstützend sein, Störungen zu analysieren und Bedürfnisse der Teilnehmer einzubeziehen und so zu reagieren, dass die Bedürfnisse möglichst erfüllt werden (von Felden, 2014, S. 113). Die Transaktionsanalyse nach Berne geht davon aus, dass in jedem Menschen drei Persönlichkeitsinstanzen, geäußert in „Ich- Zuständen“, vorhanden sind. Das Eltern- Ich, das Kindheits- Ich und das Erwachsenen- Ich. In einer Interaktion oder Kommunikation hat man die Wahl zwischen diesen Ich- Zuständen. Mittels der Analyse kann man die verschiedenen Transaktionen aufdecken und somit auch eventuelle Störungen identifizieren (von Felden, 2014, S. 60ff).

Ist ein Redebedürfnis bei dem „Vielredner“ erkennbar, hat man als Kursleiter auch die Möglichkeit, dem Teilnehmer ein Zeitfenster nach der Gruppenarbeit anzubieten und somit die Situation zu entschärfen, die Gruppensituation nicht weiter zu belasten, aber den Teilnehmer auch nicht zu verprellen.

Wie bereits erwähnt, sollte es das Ziel sein, grundlegende Bedürfnisse der Gruppenmitglieder zu befriedigen. Das können sein: Bedürfnis nach Kontakt, nach Zugehörigkeit, nach Wertschätzung, nach Einflussnahme, nach Kompetenzverbesserung oder nach Abwechslung. Für eine günstige Kommunikationsgestaltung bedeutet das, die entsprechenden Bedingungen zu schaffen. Dafür gibt es verschiedene Techniken. Dazu gehören: offene Fragen stellen, freundlich miteinander umzugehen, geduldig zuzuhören, die Beteiligung aller Teilnehmer zu ermöglichen, verständnisvoll auf Äußerungen zu reagieren, den Gesprächsverlauf mit der Gruppe abzustimmen und Abläufe abzustimmen und Gesprächsegeln aufzustellen. Hat man sich auf bestimmte Regeln geeinigt, kann man sich im Verlauf einer Veranstaltung auch darauf beziehen. Dazu kann in Bezug auf den „Vielredner“ eine Festlegung auf eine Gesprächszeit sein. Die Verantwortung für die „Kontrolle“ dieser Regel kann man dabei in die Gruppe geben. Weiterhin ist es möglich, sich als Kursleiter auf den zuvor gemeinsam erarbeiteten Zeitplan zu berufen, wenn man durch den Teilnehmer immer wieder unterbrochen wird (von Felden, 2014, S. 115ff).

Allgemeinrezepte, wie man in bestimmten Situationen reagieren soll, gibt es nicht, dafür ist jede Situation zu verschieden. Als Kursleiter kann man unterstützende Analysemethoden benutzen, die Situation der Störung zu deuten und entsprechend Maßnahmen zu finden, den Gruppenprozess wieder in Balance zu bringen. Dabei sollten die Bedürfnisse der Teilnehmer immer im Auge behalten werden. Wichtig ist meines Erachtens dabei, sich als Kursleiter auch immer wieder in Frage zu stellen, warum man etwas als Störung wahrnimmt und ob die Störung auch ein Gruppenthema ist oder ob es die eigenen Befindlichkeiten betrifft.

Aufgabe 2

Zu Kapitel 3:

Trainieren Sie Ihre Wahrnehmung an dem Vier-Seiten-Modell, indem Sie auf verschie dene Botschaften mit „vier Ohren“ hören. Schreiben Sie die folgenden Botschaften in ein Kästchen und füllen Sie die vier Seiten mit den von Ihnen gehörten Bedeutungen aus.

a) Ein Teilnehmer äußert in einer Seminarsituation gegenüber der Seminarleitung: „Die Übung gefällt mir nicht“.
-b) Eine Seminar leiterin sagt zur Lerngruppe: „Bitte tun Sie mir den Gefallen und machen Sie jetzt mit“.
-c) Ein Chef sagt zu seiner Sekretärin: „Frau Müller, der Kaffee ist alle“.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668419117
ISBN (Buch)
9783668419124
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355506
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern – Human Ressources
Note
Schlagworte
Gruppenkommunikation Gruppenprozesse 4-Ohren Transaktionsanalyse Anfangssituation Komplexitätsstufen Bloom

Autor

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Titel: Didaktik und Methodik. Das Verhalten der Lehrperson im Klassenraum