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Ziele und Probleme der Internationalisierung deutscher Unternehmen mit dem Schwerpunkt "Arabische Länder"

Hausarbeit 2017 30 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Überblick über die Handelspolitik in der Welt und positive Rückblicke

3. Unwägbarkeiten der Internationalisierung durch die TRUMP-Administration & mögliche Rückschläge in der Handelspolitik

4. Haltung und Stellung Deutschlands in der internationalen Handelspolitik

5. Stand der Forschung zur Internationalisierung in Deutschland.

6. Ergebnisse der Forschung
6.1 Gründe für ein Auslandsengagement deutscher Unternehmen
6.2 Gründe des deutschen Exporterfolges
6.3 Grundsätzlichen Erschwernisse / Barrieren
6.4 Sonstige Schwierigkeiten

7. Die Kulturdimensionen nach Hofstede

8. Aktivitätsformen deutscher Unternehmen im Ausland
8.1 Generelle Aktivitätsformen
8.2 Umsetzungsformen in der Praxis

9. Fallbeispiele der Aktivitäten deutscher Unternehmen in arabischen Ländern
9.1 Fallbeispiel eines exportierenden deutschen Produzenten
9.2 Fallbeispiel eines exportierenden deutschen Produzenten mit Montage im Zielland
9.3 Fallbeispiel eines im Ausland investierenden deutschen Produktionsunternehmens

10. Wahl der Strategie des Markteintrittes in Abhängigkeit von der Zeit (Timing-Strategie)
10.1 Die länderübergreifende Timing-Strategie
10.2. Die länderspezifischen Timing-Strategien
10.3. Bewertung und Strategieauswahl - Abgleich mit den Fallbeispielen

11. Auswertung der Ergebnisse und Tipps zur Fortführung

Literatur / Quellenverzeichnis mit hochgestellten Ziffern im Textfluss

Quelle1 :

Henrik Müller, „Internationale Unordnung

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/donald-trump-und-die-neue-internationale-unordnung-jetzt-sind-wir-am-zug-a-1132223.html

Quelle 2:

Dr. Dipl.-Ing. Olaf Löbl

Identification of Opportunities and Threats for Internationalization of German Speaking Companies (Germany, Austria, Switzerland) in the „Gulf Cooperation Council“ Countries (Kingdom of Saudi-Arabia, United Arab Emirates, Sultanate of Oman) Dissertation Slovak University of Agriculture, Nitra, Faculty of Economics and Management

Quelle 3:

Exzerpt aus Hermann Simon „Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia“ (Campus-Verlag) Gebundene Ausgabe: 447 Seiten, Verlag: Campus Verlag; Auflage: 1 (16. August 2012), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 9783593397146, ISBN-13: 978-3593397146, ASIN: 3593397145

Quelle 4

Studie: Going International 2016, Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage, Bundesweite Auswertung, Herausgeber © DIHK | Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V. Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 |10178 Berlin-Mitte Telefon (030) 20 308-0 | Telefax (030) 20 3081000

Redaktion Bereich Außenwirtschaftspolitik- und recht, Dr. Volker Treier, Dr. Ilja Nothnagel, Kevin Heidenreich, Lisa Steinbacher, Layout Stefanie Doetzkies, Stand März 2016

Quelle 5

Studie: Going International 2016, Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage, Bundesweite Auswertung, Herausgeber © DIHK | Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V. Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 |10178 Berlin-Mitte Telefon (030) 20 308-0 | Telefax (030) 20 3081000

Redaktion Bereich Außenwirtschaftspolitik- und recht, Dr. Volker Treier, Dr. Ilja Nothnagel, Kevin Heidenreich, Lisa Steinbacher, Layout Stefanie Doetzkies, Stand März 2016

Quelle 6

Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft Going International, Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage 2011 | 2012 Bundesweite Auswertung, DIHK | Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V. Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 | Berlin-Mitte Telefon (030) 20 308-0 | Telefax (030) 20 3081000 | Internet: www.dihk.de Redaktion DIHK – Bereich International / AHK, Dr. Volker Treier, Dr. Ilja Nothnagel, Dr. Sara Borella, ISSN-Nummer 2193-620X, Stand Januar 2012

Quelle 7

Studie Going International 2016, Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage, Bundesweite Auswertung, Herausgeber © DIHK | Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V. Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 |10178 Berlin-Mitte Telefon (030) 20 308-0 | Telefax (030) 20 3081000

Redaktion Bereich Außenwirtschaftspolitik- und recht, Dr. Volker Treier, Dr. Ilja Nothnagel, Kevin Heidenreich, Lisa Steinbacher, Layout Stefanie Doetzkies, Stand März 2016

Quelle 8.

Studie Going International 2016, Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage, Bundesweite Auswertung, Herausgeber © DIHK | Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V. Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 |10178 Berlin-Mitte Telefon (030) 20 308-0 | Telefax (030) 20 3081000

Redaktion Bereich Außenwirtschaftspolitik- und recht, Dr. Volker Treier, Dr. Ilja Nothnagel, Kevin Heidenreich, Lisa Steinbacher, Layout Stefanie Doetzkies, Stand März 2016

Quelle 9.

Die interkulturellen Dimensionen nach Hofstede, https://geert-hofstede.com

Quelle 10.

Die interkulturellen Dimensionen nach Hofstede, https://geert-hofstede.com/germany.html

Quelle 11.

Dr. Dipl.-Ing. Olaf Löbl

Identification of Opportunities and Threats for Internationalization of German Speaking Companies (Germany, Austria, Switzerland) in the „Gulf Cooperation Council“ Countries (Kingdom of Saudi-Arabia, United Arab Emirates, Sultanate of Oman) Dissertation Slovak University of Agriculture, Nitra, Faculty of Economics and Management

Quelle 12.

Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft Going International, Ergebnisse der IHK-Unternehmensumfrage 2011 | 2012 Bundesweite Auswertung, DIHK | Deutscher Industrie und Handelskammertag e. V. Postanschrift: 11052 Berlin | Hausanschrift: Breite Straße 29 | Berlin-Mitte Telefon (030) 20 308-0 | Telefax (030) 20 3081000 | Internet: www.dihk.de Redaktion DIHK – Bereich International / AHK, Dr. Volker Treier, Dr. Ilja Nothnagel, Dr. Sara Borella, ISSN-Nummer 2193-620X, Stand Januar 2012

Quelle 13.

Strategisches Internationales Marketing, Institut für Marketing, Univ.-Prof. Dr. Fantapié Altobelli, https://www.hsu-hh.de/download-1.5.1.php?brick_id=bSrEXIizW0QHW9Es

Quelle 14.

Strategisches Internationales Marketing, Institut für Marketing, Univ.-Prof. Dr. Fantapié Altobelli, https://www.hsu-hh.de/download-1.5.1.php?brick_id=bSrEXIizW0QHW9Es

Quelle15.

Strategisches Internationales Marketing, Institut für Marketing, Univ.-Prof. Dr. Fantapié Altobelli, https://www.hsu-hh.de/download-1.5.1.php?brick_id=bSrEXIizW0QHW9Es

Quelle 16.

Dr. Dipl.-Ing. Olaf Löbl

Identification of Opportunities and Threats for Internationalization of German Speaking Companies (Germany, Austria, Switzerland) in the „Gulf Cooperation Council“ Countries (Kingdom of Saudi-Arabia, United Arab Emirates, Sultanate of Oman) Dissertation Slovak University of Agriculture, Nitra, Faculty of Economics and Management

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Protektionistische Handelsbarrieren für Unternehmen

Abb. 2 Darstellung der Häufigkeit von Handelsbarrieren je Region

Abb. 3 Zielregionen deutscher Unternehmen bei der Internationalisierung

Abb. 4. Ergebnis der Umfrage „Globale Geschäftsperspektiven für deutsche Unternehmen“

Abb. 5 Ergebnis der Umfrage „Geschäftsperspektiven in Nah- und Mittelost für deutsche

Abb. 6 Vergleich Kulturdimension Deutschland und Saudi-Arabien

Abb. 7 Strategische Optionen des Markteintrittes und der Marktbearbeitung

Abb. 8 Tatsächlich praktizierte Aktivitätsformen deutscher Unternehmen im Ausland

Abb. 9 Darstellung der Wasserfallstrategie

Abb. 10 Darstellung der Sprinklerstrategie

Abb. 11 Einflusskriterien auf die Auswahl der länderübergreifenden Timing-Strategie

1. Einleitung

Das Thema der Internationalisierung von Unternehmern gehört zu den interessantesten Themen der Gegenwart.

Einerseits wurde in den letzten 70 Jahren vieles erreicht. Andererseits ist seit dem Ausbruch der Finanzkriese auch eine „Entschleunigung“ in der Öffnung der Märkte zu erkennen. Viele Länder nutzen Instrumente mit protektionistischem Charakter, mit dem Ziel ihre eigenen Waren und damit ihre Arbeitsplätze zu schützen z.B. durch Maßnahmen, die dazu dienen die Importe signifikant zu senken.

Angesichts zahlreicher multilateraler Verflechtungen u.a. im Rahmen der Welthandelsordnung ist es nicht mehr so einfach möglich mit den konventionellen protektionistischen Mitteln wie z.B. Strafzöllen in den freien Handel einzugreifen. Dabei werden einige Staaten erfinderisch und entwickeln neue Wege ihren Markt abzuschotten. Dazu gehören insbesondere Barrieren im Rahmen von verschärfter „Vorgaben und Auflagen“. Dies können Maßnahmen sein wie z.B. verstärkte Sicherheitsanforderungen, lokale oder regionale Zertifizierungsanforderungen, Nachweis von Produktionsanlagen vor Ort, Vorgaben zum Technologietransfer usw.

Möglicherweise steht in diesen Tagen die gewohnte Handelswelt vor ganz anderen Veränderungen und Herausforderungen. Mit dem Machtwechsel in den USA scheint die lange Periode der fortschreitenden Internationalisierung zu Ende zu gehen. Der weltweit schleichend zunehmende Protektionismus gipfelt in Aussagen wie „Amerika first“, „Mexiko-Mauer“, „Brexit“ und „Freihandel ade“. Einige Aussagen stellen einen fundamentalen Paradigmen-wechsel dar, dessen Folgen in der Weltwirtschaft zu spüren sein werden.

Dies gilt insbesondere für jene Staaten und Unternehmen, die sich in den letzten Jahren mit umfangreichen Exporten zunehmend an den Handelspartner USA gebunden haben und des Profits Willen auch gewisse Abhängigkeiten eingegangen sind. Deutschland sowie eine Reihe hier ansässiger Konzerne und mittelständigen Unternehmen gehören zu den Staaten mit signifikanter Abhängigkeit vom US-Markt.

Betroffene Staaten und Unternehmen sind nicht erst seit heute gut beraten sich alternative Handels- und Kooperationspartner aufzubauen. In den wirtschaftlich prosperierenden Jahren haben es viele nicht so ernst genommen und sind heute eindringlicher als je zuvor zu einem Umdenken gezwungen, um ihre wirtschaftlichen Interessen, ihre Marktposition und ihre Arbeitsplätze zu erhalten und sogar auszubauen.

Zur erfolgreichen Erschließung neuer Märkte gewinnen aus Sicht des Staates die nachstehenden Aspekte zunehmend an Bedeutung:

- Daten und Fakten der Internationalisierung analysieren,
- Schaffung und Bereitstellung einer gesunden Datenbasis,
- Aufarbeitung und permanente Aktualisierung der gewonnenen Datenbasis ,
- Aufzeigen von Chancen und Risiken,
- Gezielte Bereitstellung der Informationen und Daten an die Unternehmen.

Die ist jedoch eine Aufgabe die vieler Jahre konsequenter Statistik bedarf.

Deutschland und die USA nehmen diesbezüglich seit einigen Jahren eine Spitzenposition ein. Das beruht einerseits auf die den Unternehmen auferlegte statistische Datenerfassung von z.B. Exporten, Produktionszahlen etc. und andererseits auf die freiwillige Datenerfassung durch Umfragen der IHk´s, AHk`s, bei Auslandsmessen usw.

Die erhobenen Daten helfen insbesondere praxisnahe Erkenntnisse zur Internationalisierung zu gewinnen, wie auch die Vorteile der Internationalisierung der Öffentlichkeit zu belegen und gleichermaßen die Nachteile des Protektionismus aufzuzeigen.

Dabei sollen wichtige Erkenntnisse nicht nur die allgemeinen Chancen und Risiken aufzeigen, sondern dazu dienen interessante, möglicherweise noch unterbewertete Märkte zu erkennen.

So können gezielt u.a. staatliche Förderungen eingesetzt werden, um die Beziehungen zu potentiellen Geschäfts- und Handelspartnern systematisch und beschleunigt auszubauen. Förderungen für Standgebühren bei internationalen Messen und Beratungsförderungen für Außenwirtschaft etc. gehören zu den bewährten Instrumenten.

Entsprechende Förderungen werden weiterhin für die Anbahnung, die Entwicklung und die Pflege der Geschäftsbeziehungen zu den besagten Zielstaaten und –regionen benötigt, weil sie in aller Regel einer intensiveren Vorbereitung und damit auch Expertenwissen bedürfen. Dies liegt vor allem darin begründet, dass die interkulturellen Unterschiede in aller Regel größer sind, als zu den etablierten Handelspartnern.

Die Anbahnungsmöglichkeiten mit neuen Partnern z.B. in Drittstaaten oder die Intensivierung bestehender Handelsbeziehungen ist ausbaufähig und bietet ungeahntes Potential. In der Vergangenheit bis zur jüngsten Gegenwart wurden vorrangig große Märkte mit vermeintlich geringen Eingangshürden, wie z.B. in den USA, bevorzugt bearbeitet, während vermeintlich kompliziertere Märkte mit kleinerem Marktvolumen und zugleich größeren Kulturunter-schieden oder langer Geschäftsanbahnungszeit nicht intensiv genug bearbeitet wurden.

Die arabischen Märkte gehören für viele Unternehmen zu dieser Kategorie „Drittstaaten“. Neben den großen Kulturunterschieden schrecken Vorurteile und kleine, individuelle Märkte viele Unternehmen vor diesen Regionen ab.

Andere Staaten der arabischen Welt, wie die Vereinigten Arabischen Emirate, ziehen wiederum mit ihren Leuchttürmen in Dubai und Abu Dhabi sowie ihrer Lebensweise überdimensional an. Diese Anziehung übt seine Strahlkraft häufig auch auf wirtschaftliche „Glücksritter“ aus, ohne ausreichende Vorbereitung und mit unzureichenden finanziellen, personellen oder zeitlichen Mitteln ausgestattet. Zur Etablierung langfristig orientierter und erfolgreicher Geschäfte sind angemessene Ressourcen eine Grundvoraussetzung.

Grundsätzlich gehören die arabischen Märkte zu jenen Zielregionen, die bei intensiver und nachhaltiger Bearbeitung sowie der erforderlichen Flexibilität hinsichtlich der Koordination von Lieferungen „aus einer Hand“ große Ressourcen bieten. Ist das Vertrauen für gemeinsame Geschäfte einmal erwachsen, entstehen oft langjährige, exklusive geschäftliche Partner-schaften, die den möglichen Markteintritt von Konkurrenten erheblich erschweren.

Ein Investment, das sich langfristig betrachtet lohnt.

Dennoch sind die Unterschiede im Geschäftsverkehr mit den einzelnen arabischen Regionen sehr groß.

Hierbei sind nachstehend benannte Regionen bzw. Länder zu erwähnen:

- Nordafrika (Ägypten, Libyen, Algerien, Marokko)
-- Fruchtbarer Halbmond (Jordanien, Libanon, Irak)
-- Golfstaaten (Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien, Oman, Katar, Bahrain, Kuwait)

Die einzelnen Länder unterscheiden sich wiederum z.T. deutlich in ihren Geschäftsgebaren. Daher sind die Ergebnisse und Rückschlüsse der vorliegenden Arbeit nicht pauschal auf alle arabischen Länder anzuwenden. Die hier durchgeführten Betrachtungen berücksichtigen insbesondere jene arabischen Staaten, die sich durch eine gewisse politische Stabilität auszeichnen, zahlungskräftig und weltoffen für Veränderungen sind und sich nachhaltig um eine Verbesserung des Ausbildungstandes ihrer Menschen bemühen.

Das trifft insbesondere auf die Golfstaaten zu, die einen gemeinsamen Handelsraum geschaffen haben. Die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC – Gulf Cooperation Council) sind auf Grund ihrer Ressourcen an Bodenschätzen ökonomisch stark und bieten ein regionales Gefüge, welches nach der Öffnung eines neuen Marktes sukzessiv intensivere Erschließungsmöglich-keiten mit erleichterten Bedingungen ermöglicht.

Ungeachtet der verlockenden wirtschaftlichen Aussichten, die diese Region bietet, ist Geduld und Nachhaltigkeit gefordert, denn Marktverwerfungen (wie z.B. durch Verfall des Ölpreises oder mangelnde Rechtsicherheit für ausländische Unternehmen und ihren Mitarbeitern) sind einzuplanen. Trotz alledem sind diese Märkte als langfristig stabil zu betrachten. Geschäftsanbahnungen und Planungen für den Markteintritt sind oft langwieriger, als es die Europäer aus ihren Erfahrungen mit den etablierten Handelspartnern kennen.

2. Überblick über die Handelspolitik in der Welt und positive Rückblicke

Bei der Gründung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) im Jahr 1947 verabredeten die Vertragspartner Zölle und andere Handelshemmnisse Schritt für Schritt abzubauen. Das GATT von 1947 begründete keine Internationale Organisation, sondern war ein völkerrechtlicher Vertrag, weshalb seine 23 Gründungsmitglieder auch als „Vertragsparteien“ und nicht als Mitgliedsstaaten bezeichnet wurden.

In den Neunzigerjahren wurde das System GATT in die neu gegründete Dachorganisation der Welthandelsorganisation (WTO) eingegliedert. Heute sind nahezu alle wichtigen Wirtschafts-länder der Erde der WTO beigetreten und halten sich an deren Regularien. Durch den Abbau von Handelshemmnissen sollten Welthandel und Weltwirtschaft gefördert werden.

Hieraus resultierten das Prinzip der Gleichbehandlung und das Verbot der Diskriminierung.

Mächtige Industrieländer haben dadurch nicht mehr Stimmengewicht als wirtschaftlich kleine Staaten. Eine grobe Demonstration der wirtschaftlichen Macht wurde durch internationales Recht eingeschränkt.

Im GATT-WTO-System unterwerfen sich die Staaten insbesondere drei gemeinsamen Regeln:

1. Erstens sollen Handelserleichterungen nicht nur für ein Land gelten, sondern auch für alle anderen.
2. Zweitens sollen Zölle und andere Handelshemmnisse immer weiter heruntergefahren werden, was in mehreren komplizierten multilateralen Verhandlungsrunden erreicht wurde, die jeweils Jahre dauerten.
3. Drittens unterwerfen sich die Staaten im Fall von Streitigkeiten der Rechtsprechung internationaler Schiedsgerichte.

Bei den G20-Gipfeln der vergangenen Jahre bekräftigten die Vertreter der wichtigsten Industrienationen der Erde ihren Willen, nicht wieder in die schlechten Zeiten des Protektionismus zurückzufallen.

3. Unwägbarkeiten der Internationalisierung durch die TRUMP-Administration & mögliche Rückschläge in der Handelspolitik

Präsident Trump jedoch hat schon in seinem Wahlkampf und seiner Antrittsrede den Schutz vor ausländischen Wettbewerbern als neue Strategie angekündigt, um Amerika wieder „ great“ zu machen. Nach seinem Willen soll ein neues System der Unternehmensbesteuerung Importe systematisch gegenüber Gütern benachteiligen, die in den USA produziert werden.

Eine Diskriminierung von Importen, willkürlich verhängte Zölle gegen einzelne Länder und Unternehmen, Ausübung von Druck auf einheimische Konzerne um im Inland zu produzieren, bilaterale Handelsdeals statt multilaterale Abkommen, Ignorierung vorhandener internationaler Arbeitsteilung bei der Produktion von Industriegütern; all das ist mit den etablierten Regeln des Welthandels grundlegend nicht vereinbar.

Die unabhängigen WTO-Richter können und werden solche diskriminierenden Handels-praktiken nicht folgenlos hinnehmen.

Da jedoch keine wirksamen Instrumente der Staatengemeinschaft existieren die WTO- Richtersprüche gegen verurteilte Staaten durchsetzen, könnte die Trump-Administration solche Entscheidungen ohne weitergehende Folgen ignorieren. Im Falle eines Richterspruchs zu Ungunsten der großen Handelsnation USA, wäre das multilaterale Handelssystem und damit die seit mehr als einem halben Jahrhundert etablierte, fortschrittliche Welthandelsordnung in Gefahr.

„Die Folgen sind absehbar: Die Handelspolitik verkommt zum reinen Kräftemessen, bei dem die Großen sich mit aller Macht durchsetzen und die Kleinen Benachteiligung auf allen Ebenen vorfinden. Industriekonzerne, die ihre Wertschöpfungsketten über Grenzen hinweg gespannt haben, müssten sich im Ergebnis wieder auf eine Aufspaltung in kleinen nationale Einheiten einstellen.“[1]

4. Haltung und Stellung Deutschlands in der internationalen Handelspolitik

Die deutsche Offenheit für den Außenhandel basiert dabei auf dem Vertrauen in ein globales Engagement, dass die internationale Handelsordnung bisher garantierte. Mit dieser Strategie löste Deutschland 2016 sogar wieder China als weltstärkste Exportnation von der Spitze ab. Gerade dieser gigantische außenwirtschaftliche Überschuss von rund einer viertel Billion Euro macht Deutschland heute anfällig für außenhandelspolitische Verwerfungen. Viele Millionen Arbeitsplätze hängen am Außenhandel. Die Zahl der Exporte und Importe hatte sich seit 1990 bis 2016 nochmals verdoppelt.

Erschüttert der neue US-Präsident Donald Trump jedoch die Grundfesten der bestehenden Welthandelsordnung und stellt die Globalisierung in Frage, ist Deutschlands exportorientiertes Geschäftsmodell und damit letztendlich auch der geschaffene Wohlstand substanziell bedroht.

Deutschland besitzt zwar weltweit sehr breit gestreute Handelsbeziehungen und wickelt 58% aller Exporte innerhalb der EU ab, doch die Warenlieferungen allein in die USA sind mit ca. 15 % aller Exporte signifikant.

5. Stand der Forschung zur Internationalisierung in Deutschland.

Während das Statistische Bundesamt einen umfangreiche Datenbasis zur Verfügung stellt, ist in Deutschland die Studie „ Going International“ besonders praxisrelevant, da hier Ergebnisse einer bundesweiten Auswertung von IHK-Unternehmensumfragen bereitgestellt wird.

In dieser Dauerstudie wurden seit dem im Jahr 2005 unter der Führung des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag, ist die Spitzenorganisation der Industrie- und Handels-kammern [IHKs] in Deutschland) jährlich wiederkehrend die generellen Erfolgsfaktoren und Risiken von Unternehmen im Auslandgeschäft per Umfrage umfangreich untersucht und jedes Jahr nach individuellen Schwerpunkten ausgewertet. An dieser Umfrage nahmen zwischen 2.000 und 4.400 international tätige Unternehmen unterschiedlicher Größe aus verschiedenen Branchen teil. Daraus konnten wichtige repräsentative, aber auch allgemeine Ergebnisse zu den Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Auslandsgeschäft gewonnen werden.

Länder- und regionsspezifische Forschungen über arabische Länder sind vorhanden, beziehen sich jedoch oft nur auf Statistiken ohne Rückschlüsse aufzuzeigen, auf einen oder wenige Märkte und oft nur auf eine Branche mit einem sehr speziellen Themenfeld.

Die Rückschlüsse und die Bewertung der Umfragen sind häufig einseitig und vernachlässigen die kulturellen Unterschiede zwischen Europa und der Bezugsregion. Geert Hofstede, niederländische Experte für Kulturwissenschaften, analysierte im Rahmen wissenschaftlicher Forschungen die Zusammenhänge zwischen nationalen Kulturen und Unternehmenskulturen. Über das Themenfeld des kulturbedingt abweichenden Verhaltens gibt es in der Management-literatur (interkulturelles Management) zahlreiche Fachartikel.

6. Ergebnisse der Forschung

6.1 Gründe für ein Auslandsengagement deutscher Unternehmen

Dr. Dipl.-Ing. Olaf Löbl analysierte in seiner wissenschaftlichen Arbeit folgende wesentlichen Gründe für das hohe Interesse deutscher Unternehmen an einem Auslandsengagement wie folgt:

"Wesentliche Gründe für ein Auslandsengagement

- Versuch ein bereits erfolgreiches nationales Produkt zu internationalisieren
- Sättigung des heimischen Marktes
- Sinkende Margen in der Branche
- Verteilung von Entwicklungskosten auf größere Stückzahlen
- Erzielung höherer Rabatte durch höhere Produktionsmenge
- Preiskampf, Ausgleich von konjunkturellen Schwankungen
- Streuung des unternehmerisches Risikos (Kunden und Lieferantenvielfalt)
- fiskalische Erwägungen, finanzielle Risikostreuung
- umweltpolitische Erwägungen, ggf. niedrigere Umweltstandards
- Internationale Markenbildung als positive Rückkopplung für den Inlandsmarkt, Imagebildung
- Gestellte Bedingung des Ziellandes für den Markteintritt (z.B. anteilige Produktion im Zielland, inkl. des Weitervertriebes in Drittländer mit kompliziertem Zugang z.B. aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Länder wie Saudi-Arabien, Jemen, Pakistan)“[2]

6.2 Gründe des deutschen Exporterfolges

Hermann Simon, Aufsichtsratsvorsitzender der Beratungsgesellschaft Simon, Kucher & Partners, versucht wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Notwendigkeiten miteinander zu verbinden. Seine Erkenntnisse zur deutschen Exportstärke stellt er folgendermaßen dar:

Deutschlands Export-Stärke hat mindestens 13 Gründe.“

Die Analyse belegt, dass der globale Erfolg deutscher Unternehmen, nicht auf eine einzelne Wurzel zurückgeht, sondern aus einem komplexen Bündel teilweise interagierender Ursachen erwächst, die aber zum Teil nur schwer imitierbar sind, da sie auf historischen Besonderheiten basieren.

1. Historische Kleinstaaterei

Deutschland war bis Ende des 19. Jahrhunderts kein Nationalstaat, sondern eine Ansammlung von Kleinstaaten. Jeder Unternehmer, der wachsen wollte, musste internationalisieren. Der Drang zur Internationalisierung steckt den deutschen Unternehmern im Blut und hält bis heute an. Sie beginnen viel früher und bei kleinerer Unternehmensgröße als ihre ausländischen Kollegen mit dem Export. Das ist der Nährboden, auf dem Hidden Champions und Exporterfolge gedeihen.

2. Traditionelle Kompetenzen

In vielen deutschen Regionen gibt es jahrhundertealte Kompetenzen, die ihr Licht bis in die Gegenwart werfen. Der frühere Siemens-Vorstand Edward Krubasik sagt dazu: „Deutschland nutzt die Technologiebasis, die bis ins Mittelalter zurückgeht, um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein.

3. Herausragende Innovationskraft

In der Zahl der pro Kopf angemeldeten Patente liegt Deutschland weltweit hinter der Schweiz und Schweden auf Platz 3. Andere große Industrieländer weisen nur ein Bruchteil der Pro-Kopf-Patentzahlen auf.

4. Starke Produktionsbasis

Deutschland hat sich seine starke Produktionsbasis erhalten und nur wenig Produktion in Billiglohnländer ausgelagert. Dies bewahrt eine qualitativ hochwertige Exportbasis.

5. Made in Germany

„Made in Germany“ ist heute, ein international bekanntes Gütesiegel erster Klasse geworden. Es besteht kein Zweifel, dass „Made in Germany“ und die dahinterstehende Qualität wesentlich zum anhaltenden deutschen Exporterfolg beitragen

6. Günstige Entwicklung der Lohnstückkosten

Die deutschen Exporte profitierten in den letzten zehn Jahren massiv von der günstigen Entwicklung der Lohnstückkosten. Dies nicht zuletzt auf Basis der Automatisierung die durch eine starke Forschung & Entwicklung möglich wurde.

7. Scharfe Konkurrenz

Es besteht eine enge Korrelation zwischen scharfer inländischer Konkurrenz und dauerhafter internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Ein Drittel der Hidden Champions (unbekannte Weltmarktführer mit > 50 Mio. € Umsatz bzw. > 500 Mitarbeiter) sehen ihre schärfsten Wettbewerber in Deutschland, oft sogar in regionaler Nähe. Die harte inländische Konkurrenz trägt entscheidend zur Export- und Wettbewerbsstärke deutscher Unternehmen bei.

8. Industriecluster

Dazu zählen traditionelle wie modern entstanden Cluster von Unternehmen mit gleichen oder ähnlichen Produkten in einer Branche und somit potentiell gleichen Zielkunden.. Solche Cluster versammeln höchste Kompetenz weltweit in einer Region und fördern Höchstleistung.

[...]


[1] Henrik Müller, „Internationale Unordnung“ http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/donald-trump-und-die-neue-internationale- unordnung-jetzt-sind-wir-am-zug-a-1132223.html Als einzige Forschungsarbeit, die alle diese komplexen Themen miteinander verbindet und aus der Sichtweise der Golfaraber interpretiert, ist die Arbeit: „Identification of Opportunities and Threats for Internationalisation of German Speaking Companies (Germany, Austria, Switzerland) in the „Gulf Cooperation Council“ Countries (Kingdom of Saudi-Arabia, United Arab Emirates, Sultanate of Oman) bekannt, die 2011 an der Slovak University of Agriculture in NITRA, an der Fakultät “Ökonomie und Management” von Dr. Olaf Löbl als Dissertation eingereicht wurde.

[2] Dr. Dipl.-Ing. Olaf Löbl Identification of Opportunities and Threats for Internationalization of German Speaking Companies in the „Gulf Cooperation Council“ Countries

Details

Seiten
30
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668417519
ISBN (Buch)
9783668417526
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355548
Institution / Hochschule
Ekonomická univerzita v Bratislave
Note
B
Schlagworte
ziele probleme internationalisierung unternehmen schwerpunkt arabische länder

Autor

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