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Kartierung von Brutvögeln auf dem Schulgelände

Unterrichtsentwurf 2015 25 Seiten

Biologie - Zoologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Überlegungen

2. Sachanalyse
2.1 Die Brutvögel Deutschlands
2.2 Die Vogelkartierung als ornithologische Methode

3. Konzeption
3.1 Der zeitliche Rahmen
3.2 Ablauf

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitende Überlegungen

Der vorliegende Unterrichtsentwurf stellt gewissermaßen eine Exkursion vor der Haustür dar: Das Schulgelände begrenzt das hierfür genutzte Gebiet. In einer 90-minütigen Sequenz wird eine Kursstufe dazu angeleitet, eine Kartierung der Brutvögel anzufertigen, die sie durch visuelles Entdecken oder durch Wahrnehmen und Identifizieren der Vogelstimmen beobachten können.

Die Einbindung in den Bildungsplan erfährt diese Exkursion zunächst allgemein in der übergeordneten Kompetenz „Die Natur erkennen und verstehen“[1]. Das Erkennen der Natur geht dem Verstehen voraus und bildet die Grundlage für jedes weitere wissenschaftliche Agieren. In diesem Sinne wird durch die Vogelkartierung ein besonderer Schwerpunkt auf das Erkennen gelegt. Offensichtlich kann die Karte des Schulgeländes nur ausgefüllt werden, wenn die beobachteten Vogelindividuen den entsprechenden Arten zugeordnet werden. Voraussetzung hierfür ist ein grundlegendes Verständnis der Systematik des Tierreichs, welches in einer Kursstufe als vorhanden angesehen werden muss. Hierauf aufbauend wird in den gymnasialen Bildungsstandards für die Kursstufe innerhalb des Themengebiets Evolution und Ökosysteme folgende Kompetenz festgelegt: „Die Schülerinnen und Schüler können ein Ökosystem während einer Exkursion erkunden und die in einem Lebensraum konkret erlebte Vielfalt systematisch ordnen.“[2] Die systematische Einordnung ist im konkreten Fall einer großen Einschränkung unterworfen: Durch die Konzentration auf die Brutvögel ist bereits die Klasse ‚Aves‘ festgelegt. Darüber hinaus sind Vögel sehr scheue Tiere, die im Rahmen der Exkursion freilich nicht eingefangen und mithilfe eines Bestimmungsschlüssels klassifiziert werden. Deshalb spielen auffällige Feldmerkmale die entscheidende Rolle bei der Bestimmung. Dies ist kein unmögliches Unterfangen, da die Anzahl der heimischen Vogelarten, die sich vermutlich auf dem Schulgelände beobachten lassen, sehr überschaubar ist. Dies führt zu den ersten zwei Zielen der Exkursion:

1.) Die SuS können mindestens vier verschiedenen Vogelarten anhand der typischen Gesänge (beziehungsweise Rufe) die deutschen Namen zuordnen.
2.) Die SuS können den Brutvögeln, die sich auf ihrem Schulgelände beobachten lassen, anhand markanter optischer Feldmerkmale die deutschen Namen zuordnen und diese Arten den richtigen Ordnungen zuweisen.

Die Kompetenzen, die in den genannten Zielsetzungen gefördert werden, beziehen sich schwerpunktmäßig auf die „kognitive Dimension des Lernens“[3]. Der Fokus liegt also auf dem nötigen Fachwissen und den pragmatischen Fähigkeiten, ein konkretes Problem zu lösen. Das erste Problem ist hier die Vogelbestimmung. Das zweite Problem ist die Kartierung als wissenschaftliche Methode. Dies führt uns zum dritten Ziel der Exkursion:

3.) Die SuS können eine Vogelkartierung für ein begrenztes Gebiet durchführen und die hierfür benötigten Symbole und Abkürzungen unter Zuhilfenahme der bereitgestellten Materialien korrekt verwenden.

Das Exkursionsgelände bietet zwei Besonderheiten: Zum einen ist es den SuS vertraut – jedoch als Lernort und weniger als Ökosystem. Zum anderen finden sie hier ein Ökosystem vor, das sehr stark vom Eingriff des Menschen geprägt ist. Auf diese Weise wird die Vorgabe der Bildungsstandards für die Kursstufe ganz konkret, nämlich die Einsicht „dass wir Menschen ein Teil der Biosphäre sind“[4]. Von dieser Erkenntnis ausgehend ist es wichtig, die SuS zu einem fundierten Wissen über die destruktiven Konsequenzen anthropogener Einflüsse zu führen und gleichzeitig die Chancen und Grenzen der Maßnahmen zum Schutz der Fauna aufzuzeigen. Dies lässt sich als viertes und letztes Ziel verbalisieren:

4.) Die SuS können die Tendenzen der Populationsentwicklung der heimischen Avifauna grob skizzieren und die besondere Rolle des Menschen verdeutlichen.

Hinter den genannten Zielen steht der Wunsch, die SuS zu einer höheren Wertschätzung der Natur anzuleiten. Eine innere Haltung, die sich freilich der Überprüfbarkeit entzieht.

2. Sachanalyse

2.1 Die Brutvögel Deutschlands

Vögel kann man zu allen Jahreszeiten und fast überall beobachten. Sie bevölkern unsere Großstädte genauso wie abgelegene Felder, Wälder und Berglandschaften. Es ist sicher dieser bedeutenden Tatsache zu verdanken, dass Vögel nicht nur unter Biologen, sondern auch bei großen Teilen der Gesellschaft immer wieder im Fokus des Interesses liegen. So weist Bezzel darauf hin, dass die Zahl derer, die sich mit der Vogelwelt befassen, gemessen an der Zahl entsprechender Vereine, Gesellschaften und Interessengruppen, in den letzten Jahren gestiegen ist.[5] Stresemann wagt es, zu behaupten, dass keine Klasse des Tierreichs heute so gut bekannt ist wie die Vögel.[6] Dabei ist es selbst für den Laien ein Leichtes, ein entsprechendes Individuum als Vogel zu identifizieren. Doch was ist biologisch gesehen ein Vogel und wann kann man ihn als ‚Brutvogel‘ bezeichnen?

Vögel (Aves) bilden eine Klasse innerhalb der Wirbeltiere. Sie sind lungenatmend und homoiotherm. Als charakteristisches Merkmal gilt, dass Vögel Eier legen, die von fester Kalkschale umhüllt sind und in denen sich der Embryo erst außerhalb des mütterlichen Körpers entwickelt.[7] Viele bezeichnende Besonderheiten des Skeletts, der Lunge und des Stoffwechsels stehen mit der Fähigkeit zu fliegen in Verbindung. Als herausragendes Merkmal muss zudem der Besitz von Federn genannt werden. Es wird allgemein angenommen, dass eine enge Verwandtschaft zwischen Vögeln und Reptilien besteht; beide Klassen werden als Sauropsiden zusammengefasst.[8]

Da das Brüten ein typisches Verhalten der Vögel darstellt, steht die Bezeichnung ‚Brutvögel‘ immer in Bezug zu einer genau definierten Fläche: „Brutvögel bauen im Beobachtungsgebiet ihre Nester.“[9] Damit werden Brutvögel von Gastvögeln und Durchzüglern abgegrenzt; also Arten, die sich beispielsweise als Wintergäste in einem gewissen Gebiet aufhalten oder aufgrund ihrer Züge eben dieses Gebiet durchqueren. Definieren wir Deutschland als das zu betrachtende Gebiet, so lassen sich folgende Zahlen anführen: Es sind 305 Brutvogelarten gelistet. Zieht man davon die unregelmäßig brütenden Vögel und die Neozoen ab, so bleiben 248 einheimische Arten.[10] Wenn in der Einleitung davon die Rede war, dass die Anzahl der Arten, die sich auf dem Schulgelände beobachten lassen, überschaubar ist, so tut diese Zahl der Wahrheit keinen Abbruch: Von den geschätzten 100 Millionen brütenden Vogelpaaren in Deutschland entfallen 80% auf nur 22 Arten[11] (Stand: 2013). Als die zehn häufigsten Brutvögel Deutschlands führt Bezzel folgende Arten an (nach abnehmender Bestandsgröße geordnet): Buchfink (Fringilla coelebs L.), Kohlmeise (Parus major L.), Amsel (Turdus merula L.), Haussperling (Passer domesticus L.), Feldlerche (Alauda arvensis L.), Star (Sturnus vulgaris L.), Zilpzalp (Phylloscopus collybita VIEILLOT), Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla L.), Rotkehlchen (Erithacus rubecula L.), Grünfink (Carduelis chloris L.).[12] Bis auf die erst- und die letztgenannte Art werden diese Brutvögel der Ordnung ‚Sperlingsvögel‘ (Passeriformes) zugeordnet; eine Ordnung also, die in Deutschland deutlich dominiert.

Das Bundesamt für Naturschutz weist darauf hin, dass seit Ende der 1990er Jahre jede dritte heimische Vogelart Bestandsrückgänge erlitten hat.[13] Tatsächlich hat sich in ganz Europa die Situation der wild lebenden Vogelarten verschlechtert. So ist beispielsweise die Population von Singdrosseln seit den 70er Jahren bis heute in weiten Teilen Europas um über 60% zurückgegangen.[14] Diese Tendenz wird durch viele verschiedene Faktoren begünstigt, maßgeblich jedoch durch die Zerstörung von Lebensräumen (Häuser- und Straßenbau, aber auch intensive Landwirtschaft). Durch Monokulturen, Entfernen von Hecken usw. wird die Möglichkeit für Nistplätze reduziert; der Einsatz von Pestiziden reduziert das Nahrungsangebot vieler Vogelarten. Burton hebt hierbei folgende Konsequenz hervor: „Weil landwirtschaftliche Flächen Vögeln immer schlechtere Bedingungen bieten, gewinnen Gärten als Ersatzlebensräume zunehmend an Bedeutung. (…) Auch Straßenränder, Ödland, Sportplätze, Friedhöfe und andere offene Flächen sind Lebensräume für Vögel.“[15] Vor diesem Hintergrund gewinnt auch ein Schulgelände als alternativer Lebensraum ein höheres Gewicht. Dass also seit einigen Jahren viele Schulhöfe entsiegelt, naturnah umgestaltet und in kleinere Flächen strukturiert werden,[16] ist eine höchst erfreuliche Entwicklung: Sie kommt nicht nur den Lernenden zugute. Der ökologische Nutzen, den eine stabile Avifauna mit sich bringt, ist kaum zu überschätzen. Als Insektenvertilger und als Samenverbreiter stehen sie in komplexen Wechselwirkungen mit der heimischen Flora und Fauna.

2.2 Die Vogelkartierung als ornithologische Methode

Für die Erhebung der oben genannten Zahlen und zum Erkennen der Tendenzen in der Populationsentwicklung spielt die Kartierungsmethode eine zentrale Rolle. Auch in der geplanten Unterrichtssequenz nimmt die Kartierung eine wichtige Stellung ein. Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, dieses ornithologische Werkzeug knapp zu erläutern.

Um den Vogelbestand eines definierten Gebiets zuverlässig bestimmen zu können, ist ein genau geplantes Monitoringprogramm vonnöten. Tatsächlich werden Vögel mit einer „verwirrenden Anzahl von Methoden gezählt“[17]. Die Wahl der jeweiligen Methode hängt dabei stark von der Zielsetzung der Untersuchung ab. Die Revierkartierungsmethode fußt auf der Tatsache, dass insbesondere Singvögel während ihrer Brutsaison an einen Standort gebunden sind.[18] Für das Erkennen eines Reviers ist das gehäufte Beobachten des jeweiligen Vogels notwendig; zwischen revierverteidigenden Kontrahenten werden theoretische Grenzen in die Karte eingezeichnet. Für ein fundiertes Ergebnis bedarf es einer großen Zahl von Begehungen. Dies gilt auch für die Punkttaxierung (erfassen aller visuell und akustisch wahrnehmbaren Vögel von einem festen Standpunkt aus). Da der Aufwand jeweils sehr hoch ist, scheiden diese Methoden für eine einmalige Exkursion mit Schülern aus. Die Wahl fällt stattdessen auf die Linientaxierung (auch Transsektzählung genannt). Hierbei wird eine definierte Fläche abgeschritten (im vorliegenden Fall das Schulgelände) und dabei alle entdeckten Vögel eingetragen.[19] Das Ergebnis der Arbeit wird vor dem Hintergrund zweier Erwartungen beurteilt: Man wird „in dem von einer bestimmten Art bevorzugten Habitat mehr Individuen dieser Art finden als in einem anderen, ebenso wird man wahrscheinlich bei großer Bestandsdichte mehr Vögel entdecken als bei kleiner“[20]. Als Ergebnis kann also ein relativer Dichtewert der jeweiligen Vogelart für die definierte Fläche ermittelt werden. Die Vorteile dieser Methode liegen in der einfachen Durchführung, dem rasch zu erreichenden Ergebnis und der großen Flexibilität bei der Wahl der Begehungsroute. So wird auf effiziente Weise eine große Stichprobe ermittelt. Allerdings kann das Ziel der Kartierung innerhalb einer Exkursion nur in der pädagogisch-didaktischen Dimension liegen. Für ein Ergebnis, das man im Sinne einer wissenschaftlichen Arbeit nutzen kann, werden hier nicht alle Bedingungen erfüllt, die diese Methode fordert. Beispielsweise ist die zu Kartierende Fläche (Schulgelände) relativ klein. Die Gefahr der Doppelzählung leicht zu entdeckender Vögel ist damit zu hoch – die Ergebnisse sind verzerrt.

3. Konzeption

Die hier beschriebene Exkursion wird mit einem aus 20 SuS bestehenden Kurs durchgeführt.

Der Schwerpunkt dieser Unterrichtssequenz liegt auf der Vogelkartierung des Schulgeländes. Dieses umfasst den „gesamten Bereich der Schule mit Schulgebäude, Sporthalle, Sportplatz, Pausenhof und den dazwischen liegenden Flächen.“[21] Das Kartieren stellt eine gute Gelegenheit dar, die Artenkenntnis der heimischen Fauna bei den SuS zu fördern. Gerade dieser Aspekt des Umweltwissens muss Untersuchungen zufolge bei den meisten Schülern als defizitär eingestuft werden.[22] Und Menschen, die wenig Kenntnis von der Natur ‚vor der Tür‘ haben, werden schwerlich von dieser Natur fasziniert sein oder gar die Bereitschaft zeigen, schützend für sie einzutreten. Der große Vorteil der Exkursion liegt darin, dass die Vögel in ihrer Umwelt beobachtet werden können. Die SuS werden also angeleitet, sich aktiv der Natur zu nähern, sie können mit mehreren Sinnen die Fauna wahrnehmen und beobachten die Vögel bei ihrem natürlichen Verhalten.

Innerhalb einer größeren Einheit zum Thema Ökologie stellt diese Unterrichtssequenz eine Festigungs- und Vertiefungsstunde dar. In der vorausgehenden Stunde wurden die SuS bereits mit einigen häufigen Brutvögeln vertraut gemacht. So wurden ihnen beispielsweise die Stimmen der Kohlmeise, des Zilpzalps, des Grünspechts und der Mönchsgrasmücke vorgespielt. Mithilfe von laminierten Karten wurden die zehn häufigsten heimischen Vögel präsentiert und ihr optisches Erscheinungsbild thematisiert. Das neu erworbene Wissen kann nun (zusammen mit vorhandenem Grundwissen über die heimischen Avifauna) praktisch angewandt und gefestigt werden.

[...]


[1] Kultusministerkonferenz: Bildungsstandard für Biologie Gymnasium – Klassen 6, 8, 10, Kursstufe. 2005, S. 203.

[2] ebd., S. 214.

[3] Harms: Kompetenzen im Biologieunterricht , S. 49.

[4] Kultusministerkonferenz: Bildungsstandard für Biologie Gymnasium – Klassen 6, 8, 10, Kursstufe. 2005, S. 214.

[5] Vgl. Bezzel: Vögel beobachten, S. 7.

[6] Vgl. Stresemann: Die Entwicklung der Ornithologie, S. VII.

[7] Vgl. Stresemann: Exkursionsfauna von Deutschland, S. 115.

[8] Vgl. ebd., S. 115.

[9] Bezzel: Vögel beobachten, S. 73.

[10] Vgl. Sudfeld et al.: Vögel in Deutschland – 2013, S. 2.

[11] Vgl. ebd., S. 2.

[12] Vgl. Bezzel: Vögel beobachten, S. 72.

[13] Vgl. Sudfeld et al.: Vögel in Deutschland – 2013, S. 2.

[14] Vgl. Burton: Vögel im Garten, S. 11.

[15] ebd., S. 12.

[16] Vgl. Retzlaff-Fürst: Schulgelände und Schulgarten, S. 421.

[17] Bibby et al.: Methoden der Feldornithologie, S. 14.

[18] Vgl. ebd., S. 53.

[19] Vgl. ebd., S. 79.

[20] ebd., S. 79.

[21] Retzlaff-Fürst: Schulgelände und Schulgarten, S. 421.

[22] Vgl. Unterbruner: Umweltbildung, S. 181.

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668414778
ISBN (Buch)
9783668414785
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v355648
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Schlagworte
Heimisch Vogel Vögel Vogelkartierung Schulgelände Schüler Kursstufe Klasse Gesang Vogelstimmen Unterricht Unterrichtsentwurf Kartierung
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Titel: Kartierung von Brutvögeln auf dem Schulgelände