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Karteninterpretation L3924 Hildesheim

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 31 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einordnung des Kartenblatts

2. Gliederungsübersicht

3. Physiogeographische Analyse
3.1 Relief & Untergrund
3.1.1 Niedersächsische Börde
3.1.2 Niedersächsisches Bergland
3.1.3 Flusstäler
3.2 Gewässernetz
3.3 Klima
3.4 Vegetation

4. Anthropogeographsiche Analyse
4.1 Siedlungen
4.1.1 Siedlungsformen
4.1.2 Historisch-Genetische Gliederung
4.1.3 Funktionale Gliederung
4.2 Wirtschaft
4.2.1 Unterirdische Rohstoffquellen
4.2.2 Oberirdische Rohstoffquellen
4.2.3 Landwirtschaft
4.2.4 Industrie
4.3 Verkehrsnetz

5. Landschaftliche Zusammenschau

Ergänzende Karten, Pläne, Skizzen, Luftbilder

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Gliederungsübersicht

Abb. 2: Querprofil A-B, Hönze - Heidekrug

Abb. 3: Querprofil C-D, Almstedt Kirche bis Röderhof

Abb. 4: Geologisches Querprofil Duinger Berg - Sieben Berge

Abb. 5: Querprofil durch das Leinebergland

Abb. 6: Verbreitung unterirdischer Lagerstätten in Raum Hildesheim

Abb. 7: Schummerumgskarte Niedersachsen - Hildesheimer Wald und Leinetal,

Abb. 8: Höhenschichten und Gewässernetz

Abb. 9: Die natürliche Pflanzendecke in Niedersachsen -

Abb. 10: Siedlungsgenese der TK 1:50.000, L3924 - Hildesheim

Abb. 11: Hildesheim - Funktionale Gliederung

1 Einordnung des Kartenblatts

Für die Karteninterpretation einer Topographischen Karte liegt das Blatt L3924 „Hildesheim“ im Maßstab 1:50.000 vor. Die Karte ist ein Produkt des Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystems (ATKIS) der deutschen Landesvermessung und wurde 2008 von dem Lan- desvermessungsamt und Geobasisinformationen Niedersachsen herausgegeben. Die Karte ist in vier Farben gehalten und wird durch eine dreisprachige Legende (deutsch, englisch, französisch) unterstützt. Vermutlich ist die Legende wegen der militärischen Bedeutung des Kartenblattes in drei Sprachen ausgeführt, da das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr Mitherausgeber ist.

Die Projektion der Karte ist eine Universale Transversale Mercatorabbilung (UTM). Es ist die Zone 32U WGS 1984 in einem Gitternetz von 1-km-Quadrate dargestellt. Das Gradnetz des Kartenausschnitts erstreckt sich von 9°39’55.8‘‘ (UTM: 545688) und 9°59’55.6‘‘ (UTM: 568262) östlicher Länge sowie von 51°59’55.0‘‘ (UTM: 5761093) und 52°11’54.9‘‘ (UTM: 5783596) nördlicher Breite. Dies entspricht in Gauß-Krüger Koordinaten der Fläche zwischen den Rechtswerten 3545700 und 3568600 sowie den Hochwerten zwischen 5761100 und 5783600.

Die Anschlussblätter sind L3724 - Hannover im Norden, L3926 - Bad Salzdetfurth im Osten, L4124 - Einbeck im Süden und L3922 - Hameln im Westen.

Politisch gehört das dargestellte Gebiet zum Land Niedersachsen, wobei das Landkreis Hildesheim fast das gesamte Kartenblatt einnimmt und im nordwestlichen Rand des Blattes das Landkreis Ha- meln-Pyrmont und die Region Hannover angrenzen. Naturräumlich zeigt das Kartenblatt den Übergang des Norddeutschen Tieflands zur Deutschen Mittelgebirgsschwelle (LIEDTKE 1994: Karte 1:1.000.000).

Die zwei unterschiedlichen Naturräume werden nach physischen und anthropogenen Geofaktoren systematisch abgehandelt und analysiert. Zum Schluss erfolgt eine kurze landschaftliche Zusammenschau, um die physischen und die anthropogenen Faktoren zu verbinden, denn das Kartenblatt gibt zahlreiche Hinweise auf das Zusammenwirken von Natur und Kultur.

Für die Orientierung und Lagebezeichnung werden in dieser Hausarbeit die Rechtswerte und Hochwerte in Kilometer, mit einer Schrägstrichtrennung sowie ohne Abkürzungen ‚R‘ und ‚H‘ und Kennziffer angegeben.

2 Gliederungsübersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Gliederungsübersicht (eigener Entwurf)

I) Niedersächsische Börden

II) Niedersächsisches Berg- und Hügelland
a) Hildesheimer Wald - Sattel
b) Leinesattel
c) Giesener Sattel

III) Flusstäler

IV) Kaliwerke / Saline

3 Physiogeographische Analyse

3.1 Relief & Untergrund

Die Unterschiede in der Bodenbedeckung und den Oberflächenformen zwischen dem größeren Nordteil des Kartenblattes, die waldfreien, oberflächenruhigen Ackerflächen der ersten Hauptein- heit (siehe Abb. 1), und dem südlichen Teil des Kartenblattes, der von bewaldeten Höhenzügen der zweiten Haupteinheit, eingenommen wird, kommen deutlich zum Ausdruck. Das Berg- und Hügel- land besitzt eine auffällig parallel verlaufende nordwest-südost Streichrichtung sowie markante Steilwände. Da die Stufen- bzw. Stirnhänge jeweils im Hildesheimer Wald und der Bergzüge im Leinetal (die Sieben Berge östlich der Leine sowie der Külf und der Duinger Berg westlich der Leine) gegeneinander gerichtet sind, werden sie bei der weiteren Ausarbeitung in zwei Unterkate- gorien (IIa und II b) ausführlich analysiert. An die nordöstliche Flanke des Hildesheimer Waldes schließt sich der Giesener Sattel an (IIc). Die Flüsse Leine und Innerste entwässern die Landschaft und bilden die dritte Haupteinheit. Sie fließen in nördlicher Richtung ab, wobei die Innerste durch die nordöstlich liegende Stadt Hildesheim fließt und die Leine einen leicht kurvenförmigen Fluss- verlauf in der Kartenmitte annimmt.

3.1.1 Niedersächsische Börde

Beginnend mit der ersten Haupteinheit, stellt man bei der Betrachtung der Karte fest, dass hier ein besonderer Gunstraum vorliegt. Die auf einer Höhe zwischen 80-160 müNN liegende Ackerflächen bilden die größte Einheit und erstrecken sich, verglichen mit den Höhenzügen, schätzungsweise zu 2/3 über das gesamte Kartenblatt. Ein streifenartiges Eindringen der ebenen Fläche in das Bergund Hügelland verzahnt die physiogeographischen Oberflächenformen. Indizes, dass Löss das Tiefland und den Fuß der Bergzüge bedeckt, lassen sich in der Karte finden.

Zunächst liefert die intensiv genutzte Landschaft und damit einhergehende ‚Waldfreiheit‘ einen Hinweis, denn akkumulierte Lössschichten bilden gute, sehr fruchtbare und nährstoffreiche Böden. Im Industriegebiet nördlich von Nordstemmen fallen mehrere runde Gebäude (54/80) auf, die an Silos erinnern. Die Überprüfung mit einem Luftbild (Anhang 1) bestätigt die Vermutung der Silos. Dies könnte ein Beleg für den Anbau von Zuckerrüben oder Weizen sein, welche nährstoffreiche, gut bewässerte Böden bevorzugen (SEEDORF 1977: 167). Des Weiteren besitzt Löss die Eigen- schaft sehr guter Porosität, deshalb kann man auf der Karte im Ackerland bis auf die Leine und die Innerste keine weiteren Flüsse finden (andere Fließgewässer fallen in die Kategorie der Bäche). Eher wird die Landschaft von sehr vielen Bächen, die zur Leine oder Innerste hinfließen, durchzo- gen. Schließlich spricht die hohe Siedlungsdichte durch Haufendörfer für ein günstiges Siedlungs- land mit ertragsreichen Lössböden.

Abgesehen davon gibt es keine weiteren konkreten Hinweise auf der Karte, wie z.B. Hohlräume oder Ziegeleien, die bestätigen können, dass eine Lössbörde vorhanden ist. Deshalb soll der Ver- gleich mit den GK 3824 - Elze, GK 3825 - Hildesheim und GK 3925 - Sibbesee bestätigen, dass es sich beim Landschaftskleid um Löss handelt. Das äolische Sediment konnte sich durch die Randla- ge des niedersächsischen Berg- und Hügelland durch eiszeitliche Winde aus dem Norden im Plei- stozän absetzen.

3.1.2 Niedersächsisches Bergland

Die Haupteinheit II befindet sich auf einer Höhe zwischen 160 bis 395 müNN. Der ersten Beobachtung nach, müssen einerseits im Hildesheimer Wald (IIa) und andererseits in dem Höhenzug Sieben Berge, die Leine in der Mitte, dem Külf und dem Duinger Berg (IIb) ähnliche tektonische Prozesse stattgefunden haben. Jeweils IIa und IIb kann eine umrahmende Struktur mit einer Aufwölbung, gegeneinander gerichtete Schichten, mittig eine Talausprägung mit Fließgewässer sowie dicht beieinander gescharte Isohypsen zugeschrieben werden.

Diese Beobachtung verleitet zur Annahme, es handle sich um eine Schichtkamm- bzw. Schichtstu- fenlandschaft, die durch tektonische Prozesse aufgewölbt und aufgebrochen wurde. Bei einer Schichtkamm- bzw. Schichtstufenlandschaft muss es einen Wechsel zwischen unterschiedlich ver- witterungsanfälligen, geneigten Gesteinsschichten geben (SCHULZ 2003: 223). Die Bergzüge wer- den im Folgenden von Nordost nach Südwest untersucht, um unterstützende Hinweise für diese Annahme zu finden.

Im ca. 16km lang gestreckten Hildesheimer Wald sticht ein dichtes Gewässernetz hervor. Vermut- lich muss es sich beim Untergrund um weicheres, wasserundurchlässiges Gestein handeln. Unter- stützt wird Vermutung auf der einen Seite durch das erodierte Tal und auf der anderen Seite durch die Namensgebung des Roten Bergs (62,5/70) und des Rottbergs (63,7/69,2), was auf einen Sand- stein oder Buntsandstein rückschließen lässt. Ein Schichtwechsel tritt wohlmöglich an den Quellho- rizonten auf, die im Talinneren und am Rückhang der nordöstlich und südwestlich einfallenden Schichten etwa auf derselben Höhe liegen. Im Abschnitt der Warmen Beuster tritt das Gewässer zwischen 190 und 230 müNN und im Bereich der Kalten Beuster ab 200 bis 280 müNN aus.

Hinsichtlich des Reliefs sind mehrere Stirne zu entnehmen, wie z.B. die nordöstlich von der Beuster verlaufende Stirnlinie (Escherberg (58,4/76,3) - Ziegenberg (63,3/71,4) - Tosmarberg (65,8/70,5)), oder die südwestlich von der Beuster verlaufende Stirnlinie (Brandberg (57,6/75,3) - Kneppelberg (58,8/72,8) - Eichenberg (61,1/70,7) bis Rottberg (63,7/69,2)), an welche sich eine weitere anschließt (Linkkopf (58,3/72,4) - Steinberg (62,8/69) - Auf dem Herze (66,5/66,7)). Um den Verlauf der jeweiligen Schichten besser zu erkennen, sollen die Querprofile A-B und C-D (Abb. 3 und 4) (vgl. dazu Anhang 2 und 3) helfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Querprofil C-D, Almstedt Kirche bis Röderhof (eigener Entwurf nach HAGEL 1998: 67)

In den Abb. 2 und 3 erkennt man zueinander bzw. zur gegenüber liegenden Seite aufgewölbte Stirnhänge. Der Luftsattel (gestrichelte Linie) in beiden Querprofilen zeichnet den ehemaligen Schichtverlauf bei der Aufwölbung nach. Die Neigungsunterschiede zwischen dem Stirn- und Rückhängen lassen Schichtkämme erfassen, da die Schichten steil einfallen (AHNERT 2009: 256). Die Antiklinale wurde durch die Aufwölbung aufgebrochen, erodiert und zu Schichtkämmen geformt. Zurückgeblieben sind im Hildesheimer Wald zwei Schichtkämme, die durch subsequente Täler voneinander getrennt werden, an deren Rückhänge sich eine Talausprägung sowie weitere Kämme anschließen, bevor die Landschaft in die Senke übergeht.

Wirft man einen Blick auf die zur Leine gewandte Fläche, erkennt man tektonische Verformungen, die sieben vereinzelten, rundliche und steile Erhebungen hervorgebracht haben, deshalb auch die Namensgebung ‚Sieben‘ Berge. Die höchste Erhebung ist die Hohe Tafel mit 395 müNN (56/65,3), die gleichzeitig die höchste Erhebung im Kartenblatt ist. Wohlmöglich ist das Dach der Sieben Berge eine Schichtstufe. Der Aufriss zeigt ein asymmetrisches Querprofil mit einem steilen, südwestlich gerichteten Stufenhang und einer nordöstlich plateauartigen, leicht einfallenden und gering erodierten Schicht. Das Fehlen von Fließgewässer ist kennzeichnend für wasserdurchlässiges, hartes Gestein, also könnte ein Stufenbildner vorliegen. Das Austreten von vereinzelnden Bäche und Quellen ab ca. 120 bis 140 müNN am Stufenhang und ab ca. 200 bis 220 müNN auf der einfallenden Stufenfläche weist auf wasserundurchlässiges, verwitterungsanfälliges Gestein, wohlmöglich der Sockelbildner, ergo einen Schichtwechsel hin.

Westlich der Leine können ebenso Hinweise für wasserdurchlässiges, verwitterungsresistentes Gestein gefunden werden. Jeweils beim Külf und beim Duinger Berg fallen die Schichten südwestlich ein und die Stirnhänge sind dem Stufenhang der Sieben Berge entgegen gesetzt. Der Bergbau (47,8/64,1) mit einer drei Kilometer längst verlaufenden Böschung am Duinger Berg liefert ein Indiz für den Abbau von wasserdurchlässigem, hartem Gestein im Untergrund, beispielsweise Kalk. Zwischen den Firsten des Külfs und Duinger Bergs scheint das Relief erodiert zu sein und es treten vereinzelnd Bäche und Quellen (49,5/62,9, 51,5/65,3 oder 52,7/63,5) auf. Dies weist auf wasserstauende, weichere Gesteinsschichten und somit ein Schichtwechsel hin.

Der Neigungsunterschied zwischen Stirn- und Rückhang am Külf und Duinger Berg lassen auf einen Schichtkamm rückschließen. Die Schichtneigung der Sieben Berge fällt leicht und ähnelt dem Schichtaufbau nach eher einer Schichtstufe als einen steil einfallenden Schichtkamm (vgl. Abb. 4) (AHNERT 2009:256). Daher ist die Annahme einer Schichtstufe hier korrekt, wobei in der Literatur auch von einer Schichtkammlandschaft gesprochen wird, wie z.B. LIEDTKE 1994: 101.

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Abb. 4: Geologisches Querprofil Duinger Berg - Sieben Berge (ENGFER et al. 1998: Anhang)

Die Analyse hat die Annahme einer Schichtkammlandschaft im Hildesheimer Wald, Külf und Duinger Berg und eine Schichtstufenlandschaft in den Sieben Berge bestätigt. Die Aufwölbung der Schichten ist in den Querprofilen sehr gut erkennbar. Ursächlich für solche Aufwölbungen können die Halokinese sein. Indizes, dass in den darunter liegenden Schichten Zechstein vorhanden sein könnten, geben z.B. das Kaliwerk Hildesia (62/71,8) (siehe dazu Abb. 2: Tiefbohrung), Saline Heyersum (56/78) oder der hinweisende Name des Salzdetfurthar Waldes (67/69,6). Salzablagerungen im Zechstein aus dem Perm vor über 250 Mio. Jahre (DEUTSCHE STRATIGRAPHISCHE KOMMISSION 2012: Tabelle) konnten durch die Saxonische Bruchschollentektonik verursachten Drücke und Schwächezonen, wie Brüche und Verwerfungen, aus der Tiefe abwandern. Das bedeutet, zusätzlich zu den vonstattengehenden tektonischen Prozessen, führt der Salzaufstieg zu einer Aufwölbung des Gebirgssattels im Hildesheimer Wald und die Salzauslaugung zum Bruch des Leinesattels. Die Ausräumung der Sattelscheitel durch die Beuster und Leine erzeugten eine Reliefumkehr. Sedimentgesteine des Mesozoikums wurden frei gelegt, d.h. die Bundsandsteinschichten bilden den Sattelkern, an dem sich die Schichten Muschelkalk und Keupers anschließen, siehe dazu Abb. 6. Darüber hinaus hatte die Salzabwanderung unter den Sieben Bergen die Ausbildung einer Mulde zur Folge. (SEEDORF & MEYER 1992: 69, SEMMEL 2002: 498).

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Abb. 5: Querprofil durch das Leinebergland mit typischen, durch Salzabwanderung und -aufstieg bedingten Mulden- und Sattelstrukturen (SEEDORF & MEYER 1992: 71)

Eine weitere tektonische Verwerfung stellt der Giesener Sattel (siehe IIc in Abb. 1) dar, welcher im Gegensatz zu IIa und IIb eine Ost-West Streichrichtung annimmt. Die herausragenden Höhenrücken müssen aus härterem Gestein bestehen. Für eine tektonische Verwerfung der härteren Gesteinsschichten spricht der westlich gewandte Höhenrücken mit einer dicht beieinander liegender Zertalung, wie z.B. zwischen dem Finkenberg (61,4/77,5), Gallberg (61,7/78,3) und am Rottsberg (62,2/77,4).

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Abb. 6: Verbreitung unterirdischer Lagerstätten in Raum Hildesheim (Verändert nach SEEDORF & MEYER 1992: 141)

Die Standorte der vier Erdöl-/ und Erdgasförderungsanlagen (47,8/73,8; 53/75; 61/78,6 und 41,2/73,4) müssen im Zusammenhang mit der Halokinese entstanden sein. Halokinetische Überschiebungen können „Erdöl- und Erdgasfallen an deren Flanken oder Scheitel“ (MESCHEDE 2015:125) hervorrufen. Für die Bildung von Erdölund Erdgaslagerstätten sind sowohl Muttergesteine, die z.B. in der Sedimentabfolge der Kreide des Juras sowie auch in dem Perm oder Oberkabon vorkommen, als auch Speichergesteine, wie z.B.

Bundsandsteine oder Kalksteine, vorausgesetzt. (MESCHEDE 2015:126, SEEDORF & MEYER 1992: 142f). Der Sedimentabfolge in Abb. 5 nach, ist diese Voraussetzung gegeben. Die Abb. 6 verdeutlicht den Zusammenhang der Standorte von Erdöl- und Erdgaslagerstätten in den Randsenken der Salzkissen.

3.1.3 Flusstäler

Der Größenordnung nach gehören die Leine und die Innerste zur Kategorie ‚Flüsse‘, wobei die Leine das größere Fließgewässer ist und die Innerste zwischen Hannover und Hildesheim in die Leine mündet (LIEDTKE 1994: Karte 1:1.000.000). Die Erscheinungsform der Leine erinnert an eine glazial geprägte Flussgenese. Bedingt durch den Kartenausschnitt des Blattes, welcher nur den Verlauf der Innerste durch die Stadt Hildesheim wiedergibt, sind keine direkten Hinweise auf glaziale Formung gegeben. Entweder unterliegt die Innerste einer anderen Flussgenese, oder der Ausbau der Stadt Hildesheim sowie die Umgebung und somit einhergehende anthropogene Veränderungen der Linienführung überdecken glaziale Spuren.

Für das glazial geprägte Relief der Leine sprechen zunächst die Bergwerke in den Bereichen der abflusslosen Seen, wie z.B. östlich von Brüggen (52,8/65 bis 53/65,8), westlich von Nordstemmen (51/78,5 bis 52/81,2 und 52,4/79 bis 53,4/79,5) und nördlich von Nordstemmen (53,6/80,8 bis 55,1/81,8). Sie lassen auf Kiesabbau und somit einen sandigen, kiesigen Untergrund schließen. Luftbilder (Anhang 4) von den Standorten östlich von Brüggen und nördlich von Stemmen bekräftigen, dass Kiesgruben vorliegen. Weiterhin besitzt die Leine einen leicht mäandrierenden Charakter, wie z.B. in den Abschnitten 55,5/61,6 bis 53,2/66 oder 52,5/78,4 bis 54/83,5. Schließlich lassen sich mehrere Altarme finden, z.B. die Alte Leine (52,6/67,5) oder in 55,5/62,3 und in 52,5/73,3. Zusammen mit diesen Indizes und der 500 bis 1000m breiten Flussterrasse kann man daraus interpretieren, dass die Leine einst eine höhere Geschiebefracht hatte bzw. Schmelzwasserablagerungen des Inlandeises nach Elster- und Saalevereisung die Ausbildung einer Talsandebene zur Folge hatten (SEEDORF 1977: 206, SEEDORF & MEYER 1992: 161, GOHL 1972: Karte).

Im Gegensatz dazu liegen im Innerstetal keine Anzeichen für kiesigen Untergrund vor und die Flussterrasse ist nicht so stark ausgeprägt, wie bei der Leine. Wohlmöglich hatte die Leine durch das Abtauen der Eismassen nach den Eiszeiten eine höhere Wasserzuführung und somit ein relativ breiteres Flussbett. Der Vergleich mit den GK 3825 – Hildesheim und GK 3824 – Elze verdeutlicht die Unterschiede. Bei der Leine handelt es sich um kiesige, sandige Anschwemmungsprodukte, wohingegen die Talböden der Innersten aus humosen bis toniger Feinsand bestehen.

Etwa ab Hochwert 5779 fließen die Leine und die Innerste aus dem Bergland ins nördliche Tiefland ab.

3.2 Gewässernetz

Die leicht mäandrierenden Leine mit wenigen Altarmen und abflusslosen Seen steht die Innerste gegenüber. Sie kommt aus östlicher Richtung (68,5/73) und ihr Flussverlauf, der durch Hildesheim führt, ist ruhiger, nicht mäandrierend. Sie unterliegt wahrscheinlich dem anthropogenen Einfluss, sprich an dieser Stelle wurden Flussregulierungen vorgenommen. Die Flüsse fließen konsequent und folgen den durch (halo-)tektonische Prozessen verursachten Tiefenlinien.

Der Hildesheimer Wald liegt zwischen den Einzugsgebieten der Leine und der Innersten. Dabei nimmt das Gewässernetz unterschiedliche Abflussrichtungen (SCHULZ 2003: 226) an. Die Warme Beuster in südöstlicher Fließrichtung und die Kalte Beuster in nordöstlicher Fließrichtung fließen subsequent und münden ab Diekholzen (62,7/71,8) in die Innerste. In Kapitel 3.1.2 schon erläutert, ist ein Quellhorizont deutlich zu erkennen. Die Bäche im subsequenten Tal fließen obsequent zur Beuster, also „dem Schichteinfallen entgegengesetzt von der Stufenstirn her auf die subsequente Zone“ (SCHULZ 2003: 226). Die Bäche am südwestlich gerichteten Rückhang sowie die nördliche Flanke des Hildesheimer Waldes entwässern Richtung Leine. Dahingegen fließt das Gewässer am nordöstlich gerichteten Rückhang der Innerste zu.

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Details

Seiten
31
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668415263
ISBN (Buch)
9783668415270
Dateigröße
3.9 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Erscheinungsdatum
2017 (März)
Note
1,3
Schlagworte
karteninterpretation l3924 hildesheim

Autor

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Titel: Karteninterpretation L3924 Hildesheim