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Einfluss des Alters auf die Wahlbeteiligung

Hausarbeit 2016 22 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Kapitel 0 Einleitung

Kapitel 1 Literaturstand

Kapitel 2: Theoretische Grundlagen und Hypothese

Kapitel 3: Operationalisierung

Kapitel 4: Stata-Analyse

Kapitel 5: Interpretation der Ergebnisse und Auswertung

Kapitel 6 Resümee/Fazit

Kapitel 7 Abstract und Zusammenfassung
i Literaturverzeichnis
ii Abbildungsverzeichnis
iii. Abkürzungsverzeichnis

Kapitel 0 Einleitung

Diese Arbeit geht der Frage nach, welche Einflussfaktoren auf die Wahlbeteiligung einwirken. Dies erfolgt mittels einer Mehrebenenanalyse mit Fokus auf der Individualebene. Zunächst wird in den Kapiteln 0 bis 2 der Literaturstand inklusive einer theoretischen Herleitung der Hypothese vorgenommen. Die Forschungsfrage wird im Rahmen des Literaturstandes hergeleitet. Durch die Aufstellung der Forschungsfrage wird dann nur noch einigen wenigen Einflussfaktoren nachgegangen. Darauffolgend werden die in den ersten Kapiteln ermittelten möglichen Einflussfaktoren zu Variablen operationalisiert. In Kapitel 4 erfolgt dann eine Analyse mittels des Statistikprogramms Stata, die Ergebnisse werden anschließend in den darauffolgenden Kapiteln ausgewertet, was in einem Fazit mündet. Als Quellen dienen zum einen deutschsprachige Texte von u.a. Schäfer, Faaß und Roßteutscher, aber auch englischsprachige Texte aus Journals, wie bspw. von Blais oder Melo. Die Quellenlage ist aufschlussreich und leicht zugänglich. Größtenteils finden sich in der Literatur Studien, die vorgestellt werden. Folglich wird ein Schwerpunkt des Literaturstandes und der theoretischen Herleitung die Vorstellung bereits getätigter Studien sein. Zunächst folgt eine kurze Einleitung in die Problemstellung der Thematik.

Die sinkende Wahlbeteiligung in einigen Ländern Europas bereitet vielen Personen Sorge. Eilfort findet für Deutschland heraus, dass die Wahlbeteiligung in der Bonner Republik bis 1972 ansteigt und dann stetig sinkt (Eilfort, 1994, S.44-49). So gehen zur ersten Bundestagswahl 1949 78,5% der Wahlberechtigten, am 19.November 1972 gehen sogar 91,1% der Wahlberechtigten zur Wahl, aber 1990 nur noch 77,8%. Dieser Trend setzt sich seither bis auf wenige Ausnahmen fort. Für die Schweizer Nationalratswahlen ermittelt Eilfort ebenfalls einen Rückgang der Wahlbeteiligung (Eilfort, 1994, S.51-52). Gehen 1963 in der Schweiz noch 63,3% der Wahlberechtigten zu den Nationalratswahlen, so sind es 1991 nur noch 46%. Gründe, warum Menschen der Wahlurne fern bleiben findet man in der Literatur viele. Grönlund findet heraus, dass eine höhere Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem Parlament und der Demokratie einen positiven Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat (Grönlund 2007, S.400, S.418). Eilfort sieht zudem einen Einfluss des Geschlechts auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum wählen geht. So gehen Männer laut Eilfort eher zur Wahl als Frauen. Während Eilfort in der Konfession keinen signifikanten Einfluss findet, erkennt er einen solchen in der sozialen Integrität einer Person (hierbei geht es vor allem um die Frage, ob eine Person eine Familie und Freunde besitzt) und im Alter (Eilfort, 1994, S. 174, S.184-187, S.233). Auch die Frage, ob es rational ist, wählen zu gehen, wird häufig in der Wahlforschung aufgeworfen. Hierbei spielt eine Kosten-Nutzen-Relation die entscheidende Rolle (Dowding, 2005, S.442).

Nachfolgend wird nach dieser kurzen Einleitung in die Thematik der Frage nachgegangen, ob es verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung gibt, die besonders selten ihr Wahlrecht in Anspruch nehmen und welche Gründe es dafür gibt (Schäfer 2015, S. 91). Schäfer unterscheidet grundsätzlich vier Gruppen von Nichtwählern (Schäfer 2015, S. 92-106.). Zum einen definiert er die Gruppe der technischen oder unechten Nichtwähler. Unter diese Gruppe fallen Personen, die durch einen Umzug oder einen Auslandaufenthalt keine Wahlbenachrichtung erhalten haben, aber auch Personen, die bereits verstorben, aber noch in den Wählerverzeichnissen eingetragen sind. Zum zweiten existiert die Gruppe der grundsätzlichen Nichtwähler. Diese Randgruppe zeichnet sich durch ein geringes politisches Involvement aus, welches häufig mit einer schlechten sozialen Integration einhergeht. Auch religiöse Gründe der Nichtwahl fallen unter diese Gruppe. Die dritte Gruppe stellen nach Schäfer die konjunkturellen Nichtwähler dar, diese entscheiden sich spontan, ob eine Abgabe ihrer Stimme lohnenswert ist oder nicht (Rational-Choice). Zuletzt die Gruppe der bekennenden Nichtwähler, diese Gruppe zeichnet sich durch ein vorhandenes politisches Interesse aus, aufgrund von Unzufriedenheit mit der Regierung verzichtet jedoch der bekennende Nichtwähler auf die Abgabe seiner Stimme.

Vor allem junge Menschen gehen weniger zur Wahl, dies kann schädlich für die Demokratie sein und ist somit ein zentrales Problemfeld der politikwissenschaftlichen Wahlforschung. Dies liegt vor allem an der durch das Lebensalter beeinflussten Partizipationsbereitschaft im Rahmen des Lebenszykluses (Schäfer 2015, S. 99-106). Dieser Lebenszykluseffekt wird unter anderem auch in den Studien von Gallego, Bhatti und Becker ermittelt (Gallego 2008, S. 23-44/Bhatti 2012, S.262-272/Becker 2002, S.246-263).

Nachfolgend wird im Literaturstand der Frage nachgegangen, welchen Einfluss das Alter auf die Wahlbeteiligung hat. Hierbei gilt es auch zu klären, ob jüngere Menschen wirklich weniger wählen gehen als ältere, und welche Gründe dem zugrunde liegen.

Kapitel 1 Literaturstand

Es existieren die unterschiedlichsten Möglichkeiten der politischen Partizipation für die Gesellschaft. Man unterscheidet traditionell zwischen konventionellen und unkonventionellen Partizipationsweisen (Melo 2014, S.34-39). Zu den konventionellen Partizipationsmöglichkeiten gehören klassisch in demokratisch strukturierten Nationen die Teilnahme an Wahlen, sei es beispielsweise auf kommunaler oder nationaler Ebene, aber auch die Mitgliedschaft und das Engagement in politischen Parteien oder die Teilnahme oder Durchführung von Kampagnen. Zu den unkonventionellen Partizipationsweisen zählen zum Beispiel die Teilnahme an einer Demonstration, die Durchführung von sogenannten „Sit-ins“ oder Sabotage. Unkonventionelle politische Partizipation findet im Gegensatz zur konventionellen politischen Partizipation außerhalb der politischen Institutionen statt. Auch werden diese Partizipationsmöglichkeiten in der Regel weder von Regierung noch von staatlichen Organisationen organisiert.

Auch das Alter des jeweiligen Individuums hat einen Einfluss auf die Form der politischen Partizipation. So zeigt Melo in seiner Studie, dass junge Menschen weniger auf konventionelle Art und Weise, vor allem in Form von Wahlen, partizipieren als ältere (Melo 2014, S. 48-49). Auch Abendschön und Roßteutscher zeigen genauso wie Melo in ihrer Studie, dass jüngere Menschen viel eher unkonventionell reagieren, vor allem durch die Teilnahme an Demonstrationen und der Unterstützung von Petitionen, als dies ältere Bürger tun (Abendschön, Roßteutscher 2016, S. 73/Melo 2014, S. 48-49).

Die Teilnahme an einer Wahl durch die Abgabe der eigenen Stimme ist eine konventionelle Form der politischen Partizipation, die auch altersabhängig ist. Auf Grundlage dieser ersten groben Einordnung müssten sich folglich jüngere Menschen weniger an Wahlen beteiligen als ältere. Nachfolgend wird dieser Vermutung anhand weiterer Studien nachgegangen.

Zunächst wird der politischen Entscheidungsfindung und Partizipationsbereitschaft von jungen Erwachsenen nachgegangen. „Vielerorts wird in heutigen Jugendlichen nicht weiter der Demonstrant oder Naturschützer gesehen, sondern es dominiert das Bild einer politisch zurückhaltenden, teils gar politisch verdrossener Jugend“, so Abold (vgl. Abold 2006, S. 77-80). Ob die heutige Jugend den politischen Mainstream verlassen hat oder ob bereits wieder eine Annäherung an diesen von statten geht, ist die Frage einer Studie von Abold und Juhasz. Um vor allem das Verhältnis von Jugendlichen zu politischen Ordnungen zu ergründen gehen diese in ihrer Studie der primären Sozialisation von Jugendlichen nach. Um dies herauszufinden nutzen die Autoren Ergebnisse des von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführten Politbarometers unter 300.000 Befragten im Zeitraum 1977-2002. Als politische Jugendliche werden Personen von 18-24 Jahren angesehen (Abold 2006, S. 81-83). Abold nimmt an, dass diese sich in der entscheidenden Ausbildungsphase befinden und bereits eine individuelle politische Identität besitzen, die jedoch noch nicht gefestigt sei. Die Lebensweise der jungen Erwachsenen ist sehr flexibel gestaltet und ist erst durch Partnerschaft, Familie und Berufsleben ab einem Alter von 25 immer mehr geprägt, und festigt sich bis Mitte 30 laut Abold immer mehr. Durch den demographischen Wandel ist der Anteil der 18-24-Jährigen leicht auf 22% der Gesamtbevölkerung im Jahre 2000 gesunken. Ein großer Unterschied zwischen den Jugendlichen der 1970er und der frühen 2000er besteht darin, dass wesentlich mehr unter 25-Jährige weder verheiratet sind noch in einer festen Partnerschaft leben. Hierdurch sinkt die soziale Integrität. Dafür gehen Jugendliche nach Abolds Ergebnissen in der heutigen Zeit wesentlich länger zur Schule. Während 1977 nur 20% der Jugendlichen einen höheren Schulabschluss, wie in Deutschland ein Abitur, erwarben, sind es Anfang der 2000er bereits 40%, Tendenz steigend (vgl. Abold 2006, S. 83-85). Mehr als die Hälfte der unter 25-Jährigen befindet sich nach Abold noch in der Ausbildung. Er findet auch heraus, dass bei jungen Erwachsenen die Demokratiezufriedenheit höher ist, wenn diese einen höheren Bildungsabschluss besitzen. Ferner zeigt er auch, dass die Parteizufriedenheit in den 1990er Jahren, anders wie 1977 unter den Jugendlichen deutlich höher ist, als in den anderen Altersgruppen (Abold 2006, S. 92), wobei sich bis 2002 die Werte für die Altersgruppe der 18-24-Jährigen kaum geändert hat. Dies liegt vor allem an der allgemein gesunkenen Demokratiezufriedenheit in der Gesellschaft (Abold 2006, S. 95-96). Letztlich kommt Abold zu dem Fazit, dass seine These nur bedingt bestätigt werden kann, und dass eine Einstellungsänderung der Jugend eher nicht von statten gegangen ist, sondern vielmehr eine kritischere Einstellung der älteren Generation ausschlaggebend für eine Verlagerung des Mainstreams ist.

Diese ausführliche Darlegung von Abolds Studie zeigt, dass Wahlbeteiligung nicht nur altersabhängig ist, sondern auch mit dem Bildungsstand korrespondiert. Auch Blais erhält sehr ähnliche Ergebnisse wie Abold und stützt damit die These, dass die Wahlbeteiligung alters- und bildungsabhängig ist (Blais 2004, S.221, S.234). Bei einer späteren Analyse sollte somit auch der Bildungsstand durch eine Kontrollvariable versehen werden.

Dennoch spielt das Alter eine entscheidende Rolle in der Frage nach der Wahlwahrscheinlichkeit. Folglich lautet die Kernfrage dieser Forschungsarbeit: „Welchen Einfluss hat das Alter auf die Wahlbeteiligung?“

Wie bereits im Rahmen der Einleitung erwähnt, kann eine langfristig sinkende Wahlbeteiligung das demokratische System gefährden. Aufgrund des bisherigen Literaturstandes ist anzunehmen, dass jüngere Menschen seltener wählen gehen als ältere Menschen. Aufgrund der derzeitigen demographischen Situation in Deutschland und Europa ist dieser Effekt im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Wahlbeteiligung noch nicht allzu stark zu verspüren, denn es leben in Europa mehr ältere Menschen, als jüngere und dies wird sich im Rahmen des demographischen Wandels noch verstärken (Gans 2005, S.1-30). Zudem ist davon auszugehen, dass in den meisten europäischen Ländern die Bevölkerung bis 2050 um bis zu 22,8% (Prognose von 2005 für Rumänien) zurückgeht (Gans 2005, S.6). Dennoch werden irgendwann die heute älteren Bevölkerungsschichten, die sehr häufig wählen, nicht mehr unter den Lebenden weilen und die heute wenigen jungen Menschen müssten dann mit ihrer Stimmabgabe die Legitimität einer demokratischen Wahl stützen. Deshalb gilt es herauszufinden, welchen Einfluss das Alter tatsächlich auf die Wahlbeteiligung hat und ob diese jungen Menschen vielleicht irgendwann genauso häufig wählen gehen werden, wie es unsere heutigen Älteren tun. Dies würde zumindest dem Lebenskurveneffekt entsprechen.

Kapitel 2: Theoretische Grundlagen und Hypothese

Um der Forschungsfrage nachzugehen, in wieweit das Alter einer Person einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung hat, wird nachfolgend der Frage nachgegangen, was eigentlich ältere Menschen von jüngeren Menschen im Sinne der Wahlbeteiligung unterscheidet, und was unter dem sogenannten Lebenskurveneffekt zu verstehen ist.

Weitergehend gilt es herauszufinden, welchen Einfluss das Alter einer Person selbst hat und welche Einflüsse auf die Wahlbeteiligung, jedoch auch auf Perioden- oder Kohorteneffekte zurückzuführen sind.

Einen Erklärungsansatz hierzu bietet Becker, der diesen Rückgang vor allem auf die oben genannten Effekte des Alters, der Periodeneffekte und der Kohorteneffekte zurückzuführen versucht (Becker 2002, S. 246-248). Becker nimmt an, dass jedes Wahlverhalten stets individuell getroffen wird und das Wahlergebnis ein aggregiertes Ergebnis dieser individuellen Verhaltensweisen darstellt. Becker nimmt zudem an, dass ein periodenspezifisches Phänomen beim Rückgang der Wahlbeteiligung in den 1980er Jahren nicht ausgeschlossen werden kann. Er geht davon aus, dass das ähnlich gewordene parteipolitische Angebot die Menschen beispielsweise zur Nichtwahl aus Protest angeregt hat. Dies geht einher mit zunehmender Politikverdrossenheit und sinkender Parteibindung. Man kann aber genauso über Kohorteneffekte und Alterseffekte den Rückgang der Wahlbeteiligung diskutieren. Unter Kohorteneffekte versteht man Generationeneffekte. Generationeneffekte zeichnen sich durch aggregierte Ereignisse einer Generation aus, die diese inhaltlich zusammenschweißen (Wendegeneration oder Baby-Boomers vgl. Pechtl 2015, S.168). So geht nach Hansen und Bhatti bereits die Post-Baby-Boomer Generation seltener zur Wahl, als die Generationen vorher (Bhatti und Hansen 2012, S.271). Arzheimer kommt in seiner Studie sogar zu dem Ergebnis, dass es keinen signifikant negativen Einfluss eines niedrigen Alters auf die Wahlbeteiligung gäbe, sondern dass dafür die Zugehörigkeit zu einer Generation (Kohorte) ausschlaggebend ist (Arzheimer 2006, S. 333-334) Das Wahlverhalten ändert sich auch über einen Zeitverlauf (Becker 2002, S. 248-249) hinweg. Dies geht einerseits mit einer natürlichen Änderung des Alters einher, was eine individuelle Wahl-Veränderung im Rahmen des Alterseffektes vermuten lässt. Andererseits liegt nach Becker der Alterseffekt im Wahlverhalten dann vor, wenn sich eine ältere Person von einer jüngeren unterscheidet. Letztlich liegt laut Becker ein Periodeneffekt vor, wenn jegliche Altersgruppen zu einer bestimmten Zeit den gleichen äußeren Einflüssen ausgesetzt sind, z.B. junge Neuwähler in der Ausbildung oder ältere Erwachsene mit familiärem Hintergrund.. Becker kommt demnach zu dem Ergebnis, dass eher kohortenspezifische Effekte ausschlaggebend für den Rückgang der Wahlbeteiligung sind als altersspezifische Faktoren (Becker 2002, S. 256-259). Vor allem bei jüngeren Generationen sei die Wahlbeteiligung signifikant gesunken, weil sich viele Jugendliche dem Mainstream, dem Angesagten unterwerfen. Auch kommt er zu dem Schluss, dass ältere Generationen sich mehr an Wahlen auf konventionelle Weise beteiligen, als jüngere. Es kann also folglich davon ausgegangen werden, dass jüngere Menschen anders politisch partizipieren, als ältere und damit seltener wählen gehen. Neben der bereits erwähnten Bildungsabhängigkeit der Wahlbeteiligung (siehe oben Kapitel 1, s.o. S. 6) lässt sich vermuten, dass vor allem in sozialen Brennpunkten, wo das Bildungsniveau insgesamt geringer ist als in den oberen Schichten, auch die Wahlbeteiligung geringer ausfällt. Auch lässt sich vermuten, dass Menschen, die in Problemvierteln leben, vor allem wegen ihres geringen Haushaltsbudgets dort leben. Nachfolgend wird der Frage nachgegangen, ob Erwachsene in Problemvierteln weniger wählen gehen als andere Schichten.

Roßteutscher zeigt beispielsweise in seiner Studie, dass in den Stadtvierteln der oberen Schichten mehr gewählt wird, als in Vierteln mit niedrigerem Bildungsniveau. In letzteren sinken die Beteiligungsquoten gar sehr stark (Roßteutscher 2016, S. 68). Dieser Effekt kann schon in den 1990ern festgestellt werden. Es entsteht mehr oder weniger eine immer größer werdende Schere zwischen den gebildeten und oberen Berufsgruppen, von denen 2009 94% der Befragten angeben, gewählt zu haben, und den niedrig gebildeten (Roßteutscher 2016, S.70). Von letzteren geben nur 50% an, gewählt zu haben. Noch in den 1970er Jahren liegt die Spanne zwischen den oberen und unteren Schichten bei gerade mal 10% Unterschied in der Wahl- bzw. Nichtwahlbeteiligung beider Gruppen. Dieser Effekt zieht sich laut Roßteutscher durch alle nationalen Ebenen. Blais findet zudem heraus, dass sich dieser Effekt auch auf die Länderebene beziehen lässt (Blais, S.122). Nach Blais ist die Wahlbeteiligung vor allem in ärmeren Staaten geringer als in reichen Staaten. Es kann folglich davon ausgegangen werden, dass die Wahlbeteiligung auch einkommensabhängig ist.

Auf Grundlage der bisherigen Forschungsergebnisse wird nachfolgend folgender Hypothese nachgegangen: „Ältere Menschen gehen eher zur Wahl als Jüngere“.

Es gilt herauszufinden, ob und warum vor allem jüngere Menschen seltener zur Wahl gehen. Auf Grundlage des von Schäfer beschriebenen Lebenskurveneffekts nehmen vor allem Erstwähler ihr neu hinzugewonnenes Wahlrecht sogar sehr gerne war (Schäfer 2015, S. 99-106). Auf Grund der hohen Flexibilität durch das Verlassen des Elternhauses und den häufig wechselnden Wohnorten während der entscheidenden Ausbildungsphase sinkt die Wahlbeteiligung bis Mitte 20 dann kontinuierlich. Erst nach Abschluss der Ausbildungsphase, meist einhergehend mit festen Partnerschaften, wird wieder häufiger gewählt. Die Partizipationsrate in Form von Wahlbeteiligung steigt dann mit zunehmendem Alter kontinuierlich, bis diese in der Altersstufe 65+ aufgrund von beispielsweise fehlender Mobilität oder Rückgang von sozialer Integrität wieder zurückgeht. Auf Grundlage der in diesem Kapitel ermittelten Einkommensabhängigkeit der Wahlbeteiligung, sollte bei einer späteren Analyse auch das Haushaltseinkommen als Kontrollvariable hinzugefügt werden.

Kapitel 3: Operationalisierung

Um die im vorherigen Kapitel aufgestellte Hypothese, dass ältere Menschen tatsächlich eher wählen gehen als jüngere, bestätigen oder dementieren zu können, eignet sich am besten ein quantitatives Forschungsdesign. Nur wenn eine ausreichende Anzahl von Fällen gegeben ist, kann eine valide Antwort gegeben werden. Aufgrund der Tatsache, dass der Gang zur Wahlurne und die letztliche Entscheidung für eine Partei oder einen Kandidaten zwar immer einen intimen und individuellen Vorgang darstellt (Faas 20l3, S. 413), dieser jedoch von kontextualen Faktoren abhängig ist, bewährt sich ein Mehrebenenmodell. Hierbei werden drei Ebenen berücksichtigt. Zum einen, die individuelle Ebene als Hauptebene. Hier geht es vor allem um die Frage, hat ein Individuum an einer Wahl teilgenommen. Ob ein Individuum seine Stimme abgibt, ist in den meisten Fällen bereits mit dem Gang zum Wahllokal bekannt, obgleich sich dies durch die moderne Briefwahl etwas anonymisiert hat (Fass 2013, S. 413). Zudem ist zu beachten, dass die Möglichkeit einer Briefwahl die Wahlwahrscheinlichkeit steigert (Blais 2003, S.1). Zum anderen gilt es herauszufinden, ob jemand an verschiedenen Wahlen teilgenommen hat, dies bildet die zweite Ebene der Untersuchung. Dies ist vor allem dann von Interesse, wenn an einem Tag beispielsweise in Deutschland der deutsche Bundestag gewählt, und am gleichen Tag auch auf Landesebene gewählt würde. Zuletzt stehen noch nationale Aspekte einer Wahl im Raum, die jedoch aus Gründen der Vereinfachung durch Dummy-Variablen konstant gesetzt werden sollten. Bei diesen nationalen Aspekten, der dritten zu berücksichtigenden Ebene, handelt es sich beispielsweise um eine gesetzliche Wahlpflicht in einer Nation, wobei in einer anderen Nation nur ein Wahlrecht vorliegt. Blais findet beispielsweise heraus, dass die Wahlbeteiligung deutlich ansteigt, wenn eine Wahlpflicht eingeführt wird (Blais 2003, S.1). Auch verschiedene Regierungssysteme, sei es präsidentiell, semi-präsidentiell oder parlamentarisch können einen Einfluss auf die Wahlbeteiligung haben. All diese Faktoren sollten in einer späteren Analyse konstant gesetzt werden. Genauso unterscheiden sich nationale Parlamentswahlen und nationale Präsidentschaftswahlen von Land zu Land. So wählt Österreich den Bundespräsidenten direkt, wobei die Wähler in der Bundesrepublik Deutschland nur indirekt über eine Bundesversammlung Einfluss auf die Wahl des Staatsoberhauptes haben (Demokratiezentrum Wien, 2016/Deutscher Bundestag, 2016). Die europäischen Systeme zur Wahl der Parlamente ist eher vergleichbar. Somit sollten in einer Analyse Präsidentschaftswahlen nicht berücksichtigt werden.

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Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668421042
ISBN (Buch)
9783668421059
Dateigröße
997 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356112
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,3
Schlagworte
einfluss alters wahlbeteiligung

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Titel: Einfluss des Alters auf die Wahlbeteiligung