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Praxisbericht Ergotherapie aus dem Fachbereich Arbeitstherapie

Projektarbeit 2016 31 Seiten

Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beschreibung des Krankheitsbildes
1.1 Krankheitsbild
1.2 Definition fruhkindlicher Hirnschaden
1.3 Definition Haltungsschaden der Wirbelsaule
1.3.1 Ursachen
1.3.2 Epidemiologie
1.3.3 Risikofaktoren
1.3.4 Mogliche Symptome auf Ebene der Korperfunktionen (ICF)
1.3.5 Erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitaten
1.3.6 Therapeutische Moglichkeiten
1.4 Definition Psychose
1.4.1 Ursachen
1.4.2 Epidemiologie
1.4.3 Risikofaktoren
1.4.4 Mogliche Symptome auf Ebene der Korperfunktionen (ICF)
1.4.5 Erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitaten
1.4.6 Therapeutische Moglichkeiten

2. Daten des Klienten

3. Ergotherapeutischer Befund
3.1 Ersteindruck
3.2 Au&eres Erscheinungsbild
3.3 Personenbezogene Faktoren
3.4 Volition (Betatigungsmotivation)
3.4.1 Selbstbild
3.4.2 Werte
3.5 Habituation (Betatigungsstruktur)
3.5.1 Gewohnheiten
3.5.2 Rollen
3.6 Performanzvermogen (Betatigungsfertigkeiten)
3.6.1 Motorisch
3.6.2 Prozessbezogen
3.6.3 Interaktionell
3.7 Umwelt
3.8 Evaluation des bisherigen Behandlungsverlaufes

4. Ergotherapeutische Problemstellung

5. Ergotherapeutische Zielsetzung

6. Planung der Sichtstunde
6.1 Zielsetzung fur die Sichtstunde
6.2 Auswahl Aktivitat / Betatigung und Art der ET-Intervention
6.3 Zeitliche / Inhaltliche Planung / Therapeutisches Verhalten
6.4 Sozialform / Methode / Medium
6.5 Material / Werkzeug / Hilfsmittel
6.6 Arbeitsplatzgestaltung

7. Vorschlage fur weiteres ergotherapeutisches Vorgehen
Anhang I (Tabelle: Ergotherapeutische Zielsetzung)
Anhang II (Skizze Arbeitsplatz)
Anhang III (Literaturverzeichnis)

1. Beschreibung des Krankheitsbildes

1.1 Krankheitsbild

Laut Akte erlitt Frau W. bei der Geburt einen Sauerstoffmangel (fruhkindlicher Hirnschaden), der sich heute durch eine Minderbegabung au&ert. Des Weiteren leidet sie an Haltungs­schaden der Wirbelsaule und an einer allergischen Nasenschleimhautreaktion. Zahlreiche Allergien gegen verschiedenen Pollen sind bei Frau W. diagnostiziert. 2003 ist bei Frau W. eine Psychose aufgetreten, die mit Neuroleptika behandelt wurde.

Aufgrund meiner Sichtstunde und deren Zielsetzung (ruckengerechtes Verhalten) habe ich mich entschieden, auf die Hauptdiagnose nur kurz einzugehen und den Focus auf die Erlauterung der Nebendiagnose zu legen.

1.2 Definition fruhkindlicher Hirnschaden

Unter dem Begriff fruhkindlicher Hirnschaden werden unterschiedliche Schadigungen des Gehirns zusammengefasst. Eine fruhkindliche Hirnschadigung kann perinatal also wahrend der Geburt, aber auch pranatal vor der Geburt meist ab dem 6. Schwangerschaftsmonat entstehen.[1] Nicht selten ist es der Fall, dass sich eine fruhkindliche Hirnschadigung auch post­natal also nach der Geburt aufgrund einer schweren Erkrankung entwickelt. Ein fruhkindli­cher Hirnschaden ebenfalls vererbt werden. In diesem Fall liegt meist eine chronische Er­krankung wie beispielsweise eine Infektionskrankheit der Mutter vor.[2] Allgemein ist festzuhalten, dass ein fruhkindlicher Hirnschaden gro&en Einfluss auf die weitere Entwicklung des Kindes nimmt.

1.3 Definition Haltungsschaden der Wirbelsaule

Unter Haltungsschaden der Wirbelsaule versteht man eine abweichende Haltung der Wir­belsaule von der Normhaltung. Eine gesunde Wirbelsaule weist eine Doppel S Form auf, wodurch sie beweglicher ist und Belastungen besser ausgleichen kann. In der Medizin werden nachfolgende Haltungsschaden unterschieden.[3]

Rundrucken:

Unter einem Rundrucken versteht man die extreme Krummung der Wirbelsaule im Brustbereich (Brustkyphose). Kopf und Schultern sind dabei nach vorne gebeugt.[4]

Skoliose:

Die seitliche Krummung der Wirbelsaule wird Skoliose genannt. Schaut man auf den Rucken, ist ein seitlich verschobener Wirbelverlauf gut zu erkennen. Einzelne Wirbelkorper können sich dabei in ihrer Achse drehen und an der Brustwirbelsaule zu einem Rippenbuckel fuhren.[5]

Hohlkreuz:

Als Hohlkreuz wird die verstarkte, einwarts gerichtete Krummung der Wirbelsaule am unteren Rucken bezeichnet (Lordose).[6]

1.3.1 Ursachen

Verschiedene Erkrankungen wie z.B. der Morbus Scheuermann (genetisch bedingte Stoffwechselstorung in Verbindung mit Fehlbelastungen), Verletzungen oder angeborene Knochenfehlbildungen können zu Haltungsschaden der Wirbelsaule fuhren. Etwa kann ein Beckenschiefstand aufgrund verschiedener Beinlangen die Wirbelsaule dazu veranlassen, diesen Schiefstand auszugleichen. Auch langerfristige emotionale Belastungen können zu Fehlhaltungen der Wirbelsaule fuhren, die sich dann in Haltungsschaden manifestieren.[7]

1.3.2 Epidemiologie

Die Anzahl der Menschen die unter Ruckenproblemen bzw. Haltungsschaden leiden, steigt kontinuierlich. Rund 80% der Deutschen haben in ihrem Leben schon einmal Ruckenschmerzen aufgrund von Haltungsschaden gehabt. Immer mehr Kinder und Jugendliche (ca. 30%) leiden unter Ruckenschmerzen aufgrund von Haltungsschaden.[8]

1.3.3 Risikofaktoren

Risikofaktoren fur Haltungsschaden sind haufige Fehlbelastung der Wirbelsaule beispielsweise durch einseitige Belastungen im Alltag wie standiges Sitzen. Auch Fehlbelastungen durch nicht ruckengerechtes Heben und Tragen können zu Haltungsschaden fuhren. Aber auch Bewegungsmangel und eine daraus resultierende abgeschwachte Muskulatur kann zur Veranderungen der Wirbelsaule fuhren. Ubergewicht ist ein weiterer wichtiger Punkt der als Risikofaktor genannt werden muss.[9]

1.3.4 Mogliche Symptome auf Ebene der Korperfunktionen (ICF)

Symptome von Haltungsschaden sind meist Ruckenschmerzen, Muskelverspannungen, Huftschmerzen, Knieschmerzen und FuBschmerzen aufgrund der Fehlhaltung und einer einseitigen Belastung der Wirbelsaule.

1.3.5 Erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitaten

Aufgrund der Ruckenschmerzen durch einen Haltungsschaden können zahlreiche Betatigungen beeintrachtigt sein. Vielen Menschen mit Haltungsschaden fallt das Heben und Tragen von Gegenstanden schwer, da sie diese Betatigung nicht Ruckengerecht ausfuhren. Im Berufsleben fuhren sitzende Burotatigkeiten durch die einseitige Belastung zu Ru­ckenschmerzen. Auch Haushaltsarbeiten wie Bugeln oder Gartenarbeit, wird aufgrund von Ruckenschmerzen meist gemieden. Im Allgemeinen steht fur viele Klienten mit Haltungs­schaden immer die Angst vor neuen Ruckenschmerzen durch Belastung im Vordergrund. Aufgrund dessen werden viele Bewegungen im Alltag vermieden und Betatigungen reduziert.

1.3.6 Therapeutische Moglichkeiten

Je nach Ursache von Haltungsschaden zahlen zu den allgemein medizinischen Mäßnahmen etwa Krankengymnastik oder Muskeltraining. Dehnubungen können dazu beitragen, verspannte Korperpartien zu lockern, die Haltungsschaden begunstigen. Klienten mit Hal­tungsschaden wird geraten, Fehlhaltungen durch richtiges Sitzen bzw. Tragen zu vermeiden. In sehr schweren Fallen wird dem Klienten eine Operation empfohlen oder ein stutzendes Korsett verschrieben, mit dem Ziel Haltungsschaden auszugleichen.[10]

1.4 Definition Psychose

Psychotisch zu werden, bedeutet vorubergehend aus der Realitat auszusteigen sie verandert wahrzunehmen und dieses zu verarbeiten. Dieser Ausstieg aus der Realitat kann ein Schutzmechanismus sein, weil die Realitat zu schmerzhaft ist. Unterschieden wird hauptsachlich zwischen Veranderung der Sinneswahrnehmung (schizophrene Psychose) oder eine Veranderung der Stimmung und des Antriebs (affektive Psychose).[11]

1.4.1 Ursachen

Ursachen von Psychosen sind meist multifaktoriell. Es wird davon ausgegangen, dass verschiedene biologische und psychosoziale Faktoren die Entstehung einer Psychose begunstigen.

Psychosoziale Ursachen:

z.B. Stresssituationen wie eine Trennung, Verlust oder Todesfall eines Menschen, Schwangerschaft.

Biologische Ursachen:

z.B. Stoffwechselstorung von sog. Neurotransmittern (Botenstoffen).[12]

1.4.2 Epidemiologie

Psychosen sind relativ haufige Erkrankungen, etwa 1% bis 2% der Gesamtbevolkerung erkrankt einmal im Leben daran. Festzuhalten ist, dass gerade in niedriger sozialen Schichten Psychosen gehauft auftreten.[13]

1.4.3 Risikofaktoren

Studien belegen, dass gerade ein schlecht ausgerichtetes soziales Netzwerk ein erheblicher Risikofaktor fur die Entstehung einer Psychose ist. Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Familien mit einem gro&en Stresslevel die Entstehung einer Psychose begunstigen, unabhangig in welcher sozialen Schicht sich diese Familien befinden. Auch sogenannte „Live Events" wie z.B. der Tod eines Menschen kann ein Risikofaktor fur eine Psychose sein.[14]

1.4.4 Mogliche Symptome auf Ebene der Korperfunktionen (ICF)

Symptome einer Psychose werden in folgende Kategorien eingeteilt:

Positive Symptome:

z.B. Dinge horen, sehen, fuhlen, schmecken oder reichen die nicht wirklich existieren. Haufig sind das Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

Negative Symptome:

z.B. Antriebsarmut, sozialer Ruckzug und Konzentrationsmangel.

Kognitive Symptome:

z.B. Denkstorungen (zerfahrenes Denken) das zu Verwirrungen und Konzentrationsverlust fuhrt. Sprach und Denkverarmung (z.B. das Durchdenken von Dingen kostet zu viel Anstrengung und erscheint zu schwierig).

Ich Storungen:

z.B. Depersonalisierung / Derealisation (Personen, Gegenstande und die Umgebung erscheinen unwirklich, fremdartig und raumlich verandert). Klienten haben das Gefuhl von Gedankenentzug. Es entsteht das Gefuhl, dass die eigenen Gedanken entzogen oder die eigene Gedanken von auBen gelenkt werden.[15]

1.4.5 Erwartende Auswirkungen der Erkrankung auf Ebene von Aktivitaten

Eine Psychose wirkt sich Mäßgeblich auf die Teilhabe und Aktivitaten eines Menschen aus. Die eigene Selbstwahrnehmung und Selbsteinschatzung entspricht nicht mehr der Realitat und wird von gesunden Menschen als Fremdartig wahrgenommen. Dadurch können fur den betroffenen Menschen Rollenverluste entsteht z.B. als Mutter, Tochter oder auch als Arbeitnehmer. Auch die alltagliche Routine wie das Aufraumen, Kochen wird durch den Antriebsmangel erschwert. Das Fuhren von Konversationen fallt Menschen mit einer Psychose au- Berst schwer. Der Einsatz von nonverbalen Konversationen die bei einer Unterhaltung wichtig sind, können nur schwer ausgefuhrt werden. Uberhaupt einem Gesprach zu folgen er­scheint als eine riesen Herausforderung. Zudem ist das Naheund Distanzverhalten stark beeinflusst, so dass viele soziale Kontakte im Verlauf der Erkrankung wegbrechen.[16]

1.4.6 Therapeutische Moglichkeiten

Es gibt verschiedene Moglichkeiten eine Psychose zu Therapieren. Meist werden verschiede Therapieansatze miteinander kombiniert. In der Medizin werden folgende Therapien empfohlen:

- Medikamentose Therapie
- Psychosoziale Therapien
- weiter Therapiemoglichkeiten (z.B. durch Familientherapie, Ergotherapie, Soziales Kompetenztraining, Metakognitives Training, Kunsttherapie, Tanztherapie und CogPack).[17]

2. Daten des Klienten

Name: Frau W.

Alter: 37 Jahre

Familienstand: Frau W. ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Sie lebt bei Ihrer Mutter.

- Diagnose:

Deutliche Minderbegabung bei Zustand nach Sauerstoffmangel unter der Geburt. Haltungsschaden der Wirbelsaule. Allergische Nasenschleimhautreaktion. Allergien gegen zahlreiche Pollen.

- Aufnahmedatum, vereinbarte Anwesenheitszeit und evl. Dauer der MaRnahmen:

Frau W. wurde am 06.12.2004 in den Berufsbildungsbereich einer Werkstatt fur Menschen mit Behinderung aufgenommen. Zuvor nahm sie am Eingangsverfahren der Werkstatt teil. Am 06.12.2006 wechselte sie vom Berufsbildungsbereich in den Arbeitsbereich der Werk­statt. Sie arbeitet taglich von 8:00 Uhr bis 15:40 Uhr in der Werkstatt.

- Vorstellungsgrund mit Alltagsbezug:

Aufgrund ihrer Behinderung hat Frau W. ein verlangsamtes Arbeitstempo, so dass sie fur anfallende Arbeitsaufgaben in ihrer Gruppe auffallend viel Zeit benotigt. AuRerdem fallt es Frau W. schwer, sich hinreichend auf eine Arbeitsaufgabe zu konzentrieren. Immer wieder scheint sie in Gedanken zu sein und findet nur nach Aufforderung durch den Gruppenleiter wieder zuruck zu ihrer Arbeit. Frau W. ist daher nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelbar.

- Aktuelle Lebenssituation:

Frau W. wohnt bei ihrer Mutter in einer Kleinstadt in NRW. Taglich geht sie ihrer Arbeit in der Werkstatt nach. Sie arbeitet dort in einer Arbeitsgruppe, wo sie leichte Verpackungsarbeiten erledigt.

- Soziale Anamnese:

Laut Akte und erganzt durch eigene Aussagen von Frau W., wurde sie in Polen geboren. Als Frau W. 10 Jahre alt wurde, wanderte sie gemeinsam mit ihrer Mutter nach Deutschland aus. Sie besitzt die deutsche Staatsangehorigkeit und spricht die deutsche Sprache. Ihre Mutter arbeitet als Altenpflegerin in einem Pflegeheim. Ihr Vater und ihre Oma sind bereits verstorben. Frau W. ist als Einzelkind aufgewachsen und hat keine Geschwister. Durch die Unterstutzung ihrer Mutter ist Frau W. auf kein weiteres Pflegepersonal angewiesen. Im Gesprach mit Frau W. wird deutlich, dass sie wenige enge Freunde auRerhalb der Werkstatt hat. In

Ihrer Freizeit besucht sie regelmäßig einen Lese-Club. AuBerdem geht sie gerne mit dem Kegelclub fur Menschen mit einer Behinderung kegeln.

- Medizinische Anamnese:

(Laut Akte) Aufgrund ihrer Behinderung erhielt Frau W. in der Vergangenheit regelmäßig Sprachtherapie. Da Sie seit ihrer Geburt unter den Haltungsschaden in der Brustwirbelsaule leidet, bekam sie auch lange zeit drei mal die Woche Krankengymnastik, um den Haltungs­schaden aktiv entgegenzuwirken und Ruckenschmerzen zu lindern. Aktuell erhalt Frau W.keine weiteren Therapien mehr in Bezug auf ihre Haltungsschaden. Durch ihre Psychose musste sie fur einen langeren Zeitraum in die Psychiatrie eingewiesen werden. Seither nimmt Frau W. Neuroleptika ein, um einen Ruckfall vorzubeugen. Neuroleptika wirken psychotischen Symptomen wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen entgegen. Geleichzeitig haben sie meist eine beruhigende, dampfende Wirkung.

- Schulische / Berufliche Anamnese:

Frau W. besuchte eine Schule fur Menschen mit einer Behinderung. Sie absolvierte ein Praktikum in einem Floristikgeschaft und leistete dort zufriedenstellende Arbeit. Nach ihrer Schulischen Laufbahn, wurde sie in dem Berufsbildungsbereich der Werkstatt aufgenommen. Am 06.12.2006 wechselte sie in den Arbeitsbereich der Werkstatt.

3. Ergotherapeutischer Befund

3.1 Ersteindruck

Der erste Kontakt zu Frau W. entstand an meinem ersten Praktikumstag in der Werkstatt in Gruppe drei. Frau W. ist eine sehr freundliche, aber auch zuruckhaltende Person. Nach einiger Zeit, zeigte sie Interesse an meiner Person und fragte mich wie ich hei&e und was ich in der Gruppe mache. Am ersten Tag fiel mir auf, dass Frau W. eine sehr unsichere Person ist. Sie war sehr nervos, was sich an ihrem hoch roten Kopf und der verspannten Korperhaltung zeigte. Sie forderte sehr viel Aufmerksamkeit in dem sie ihre Sorgen standig den Gruppenleitern mitteilte. Au&erdem war auffallig, dass Frau W. ofters ihren Arbeitsplatz verlasst, um z.B. auf Toilette zu gehen.

3.2 Au&eres Erscheinungsbild

Frau W. besitzt ein europaisches Aussehen. Sie ist ca. 1,65 cm grofc und hat eine etwas fullige Figur. Sie hat blonde kurze Haare und tragt eine Brille. Sie ist stets ordentlich gekleidet. Am rechten Handgelenk tragt sie verschiedene Armbander die sie selbst gebastelt hat. Am linken Handgelenk tragt sie eine Uhr. Um den Hals hangt eine Kette mit einem roten Stein. Passend zu der Kette tragt sie Ohrringe. Da Sie unter Ruckenschmerzen leidet, hat sie orthopadisches Schuhwerk. Ihr Rucken weist eine leichte Hyperkyphose auf, so dass ihre Haltung etwas gedrungen wirkt.

3.3 Personenbezogene Faktoren

Frau W. ist eine unsichere junge Frau die sich viele Sorgen macht. Sie macht sich Gedanken um ihre bestehenden Freundschaften zu bestimmten Personen. Sie erklart deutlich ihre Angste, dass sich Freundinnen von ihr abwenden. Frau W. geht zuhause haufig ihren Lieblingsbeschaftigung wie Armbander knupfen oder Puzzeln nach. Eine wichtige Bezugsperson fur Frau W. ist ihre Mutter, da sie viel von ihr erzahlt und sie jede Pause anruft. Sie ist glaubig und besucht regelma&ig den katholischen Gottesdienst.

3.4 Volition (Betatigungsmotivation)

3.4.1 Selbstbild

- Selbstvertrauen

Frau W. besitzt wenig Selbstvertrauen. Neue Arbeitsaufgaben vermeidet Frau W. Sie au&ert dann, dass sie keine Zeit hat und andere Arbeitsschritte erledigen muss. Im Arbeitsprozess sucht Frau W. sich nur bedingt neue Herausforderungen. In der Regel bleibt sie bei Aufgaben die ihr vertraut sind. Aufgrund Ihrer Haltungsschaden der Wirbelsaule meidet sie zudem korperliche Arbeit, wie beispielsweise das Heben von schweren Gegenstanden, da sie vor eventuellen schmerzen Angst hat. Von Ihren Kollegen lasst Frau W. sich gerne Helfen und stellt ihre eigenen Leistungen in Frage. Deutlich wird dies, wenn sie von einem Kollegen korrigiert wird und kaum fur ihre eigenen Leistungen einsteht und ihrem gegenuber immer recht gibt.

- Reale Selbsteinschatzung

Frau W. besitzt eine reale Selbsteinschatzung. Liegt eine Arbeitsaufgabe in ihrem Interessenbereich kann Frau W.ihre Fahigkeiten sehr gut einschatzen. Beispielsweise knupft sie in ihrer Freizeit komplizierte Armbander. Bei Aufgaben die ihr vertraut sind, (z.B. das eigenstandige Einkaufen fur die Gruppe) kann sie ihre Kompetenzen entsprechend einschatzen und die Aufgabe adaquat erledigen.

- Selbstwahrnehmung

Frau W. Selbstwahrnehmung ist schwankend. Montags ist sie meist sehr Nervos, weil sie sich Sorgen macht uber den bevorstehenden Verlauf der Woche. Diese Sorgen auBert sie konkret gegenuber der Gruppenleitern und ihren Kollegen. Allerdings nimmt sie nicht wahr, dass sie durch ihre standige Nervositat ihre Kollegen im Arbeitsprozess stort. Wenn sie sehr unruhig ist, bemerkt sie eigenstandig ihre korperlichen Symptome wie zitternde Hande.

- Ich-Starke

Frau W. besitzt ausreichend Ich-Starke. Sie zeigt ein auffallend dominantes Verhalten wenn es darum geht, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Wenn sie beispielsweise aufgefordert wird einen etwas schwereren Kasten vom Boden zu heben oder den Boden zu fegen, blockt sie mit der Aussage ab, dass sie das nicht darf. Aufgrund ihrer Ruckenschmerzen verweigert sie jegliche korperliche Arbeit.

- Bedurfnisse

Bedurfnisse auBert Frau W. vor allen den Gruppenleiter gegenuber. Regelmäßig fragt Frau W. ob sie die Toilette aufsuchen darf. Bedurfnisse werden insbesondere dann geauBert, wenn Frau W. dadurch ihren Arbeitsprozess unterbrechen kann, um korperliche Arbeit zu vermeiden.

- Durchsetzung

Frau W. nimmt eigene Ziele und Interessen wahr. Freitags darf Frau W. immer die Cafe- Ecke aufraumen. Das Aufraumen ist fur Frau W. ein wichtiges Ritual. Dabei beachtet sie festgelegte Regeln und halt zeitabsprachen ein.

- Eigeninitiative

Frau W. weiBt wenig Eigeninitiative auf. Immer wieder unterbricht Frau W. ihre Arbeit um eignen Bedurfnissen nachzukommen und beispielsweise auf Toilette zu gehen. Ihren Kollegen bietet sie weitestgehend keine Hilfestellung an.

- Selbstandigkeit

Frau W. ist nicht Selbstandig. Sie ubernimmt nur Aufgaben wenn sie ihr zuvor zugeteilt wor­den sind. Passiert dies nicht steht sie meist herum und wartet auf ihren Arbeitsauftrag. Sie ist nicht in der Lage anfallende Aufgaben in der Gruppe zu erkennen und selbstandig zu ubernehmen.

3.4.2 Werte

- Rucksicht/T oleranz

Frau W. verhalt sich rucksichtsvoll gegenuber anderen Menschen. Sie beschimpft keine Personen oder zettelt Streit an. Wenn ein anderes Gruppenmitglied ihren personlichen Stuhl benutzt uberlasst sie diesen freiwillig. Allerdings konnte ich kaum beobachten, dass Frau W. sich beispielsweise um schwachere Kollegen wie z.B. Rollstuhlfahrer kummert. Meist ist sie eher zuruckhaltend und ein stilles Mitglied der Gruppe.

- Verantwortung

Frau W. Verantwortungsgefuhl ist schwankend. Teilweise schafft sie es, sich an arbeitsrelevanten Regeln zu halten. Z.um Beispiel ist sie immer punktlich nach der Pause an ihren Arbeitsplatz zuruck. Verantwortung fur neue Arbeitsaufgaben vermeidet Frau W.jedoch.

- Arbeitsqualitat / Sorgfalt

Frau W.Arbeitet sehr sorgfaltig. Beispielsweise stapelt sie Kartons sachgemäß und ordentlich auf die Paltte, ohne das ein Karton kaputt geht. Allerdings weist sie ein verlangsamtes Arbeitstempo auf. Wenn sie Kartons transportiert, arbeitet sie meist so langsam, dass sich die Kartons auf dem Tisch stapeln. Aufgrund ihrer Rituale zu bestimmten Zeiten auf Toi­lette zu gehen, vernachlassigt sie ihre Arbeit. Als Praktikantin muss ich haufig den Transport von Kartons fur sie ubernehmen.

- AuBeres Erscheinungsbild

Eines von diversen Freizeitangebot der Werkstatt ist das kochen. Dieses Angebot nimmt Frau W. gerne war. Sie ubernimmt selbstandig die Verantwortung dafur, dass sie sich die Hande desinfiziert bevor sie mit der Zubereitung von Lebensmitteln beginnt.

[...]


[1] Vgl. Huber. 2005, S. 136

[2] Vgl. Hartmann et al., 2005, S. 180

[3] Vgl. Techniker Krankenkasse (Internet), 2016.

[4] Vgl. Techniker Krankenkasse (Internet), 2016.

[5] Vgl. Techniker Krankenkasse (Internet), 2016.

[6] Vgl. Techniker Krankenkasse (Internet), 2016.

[7] Vgl. Wegner, Aguilar. 2002, S. 87 ff.

[8] Vgl. BVMW Bundesverband mittelstandische Wirtschaft (Internet), 2016.

[9] Vgl. Ellegast et al., 2013, S. 256

[10] Vgl. Techniker Krankenkasse (Internet), 2016.

[11] Vgl. Schnura. 2007, S. 5 f.

[12] Vgl. Universitatsklinikum Hamburg-Eppendorf (Internet), 2016.

[13] Vgl. Universitatsklinikum Hamburg-Eppendorf (Internet), 2016.

[14] Vgl. Universitatsklinikum Hamburg-Eppendorf (Internet), 2016.

[15] Vgl. Universitatsklinikum Hamburg-Eppendorf (Internet), 2016.

[16] Vgl. Unterrichtsmaterialen PSB Unterricht Dopfer Schulen.

[17] Vgl. Universitatsklinikum Hamburg-Eppendorf (Internet), 2016.

Details

Seiten
31
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668429727
ISBN (Buch)
9783668429734
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356543
Note
Schlagworte
Döpfer Schulen Praxisbericht Ergotherpie Praxisbericht Sichtstunde Ergotherapie Praxisbericht Ergotherapie Fachbereich Arbeitstherapie

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Titel: Praxisbericht Ergotherapie aus dem Fachbereich Arbeitstherapie