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Struktur und Organisation Sozialer Arbeit. Vom beruflichen Doppel- zum professionellen Tripelmandat

Hausarbeit 2016 10 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Akteure Sozialer Arbeit zwischen Doppel- und Tripelmandat

3 Die Identität der Sozialen Arbeit

4 Heterogenität in Praxis und Gedankenwelt

5 Normativität unter professionellen Voraussetzungen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Situiertheit Sozialer Arbeit innerhalb der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und ihre eigentliche Aufgabenstellung interessiert vor allem vor dem Hintergrund der als mangel­haft empfundenen Anerkennung und Wertschätzung der sozial arbeitenden Menschen. Was für ein Selbstverständnis bringen diese Menschen mit und warum lässt sich der Bedarf an sozi­aler Arbeit und der Balance-Akt, den sozial Arbeitende tagtäglich vollführen müssen, nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen? Was macht professionelle Soziale Arbeit aus? Was erfordert sie? Und welche Schwierigkeiten bringen unklare Antworten auf diese Fragen für Arbeitsmarkt, Arbeitende Sozialer Arbeit und Klienten mit sich?

Welchen Einfluss hat dann die Klärung von Auftrag und Wissensbasis von Sozialer Arbeit als wissenschaftliche Disziplin und wie begründet Staub-Bernasconie die Dringlichkeit der Beantwortung dieser Frage im Hinblick auf eine berufspraktische Realität – deren Angehörige die Wissenschaftlichkeit nach Nadai, Sommerfeld et. al. (2005) Erkenntnissen selbst nicht in den Fokus nehmen.

Bezieht man die Konsequenzen und Problemlagen einer heterogenen Gesellschaft und deren Kategoriebewusstsein und der hindurchdringenden Frage nach einer allgemeingültigen Nor­mativität in die Fragestellung mit ein, begründet sich der Ruf nach qualitativ und vor allem wissenschaftlich gut ausgebildeten sozial Arbeitenden fast von selbst. Diese miteinander sets verwobenen Gedankengänge und Fragestellungen sollen in der folgenden Arbeit nachvollziehbar zusammengefasst werden.

2 Akteure Sozialer Arbeit zwischen Doppel- und Tripelmandat

Fragt man nach dem eigentlichen Auftrag, dem Ziel Sozialer Arbeit, ergibt sich unweigerlich die einhergehende Frage nach Auftraggebern, die Aufträge formulieren könnten. Im beruflichen Umfeld sozial arbeitender Menschen erkennt man – so herangegangen – einen Arbeitgeber, in der Regel einen öffentlichen oder privaten Träger und auf der anderen Seite die Klienten. Beide haben Ziele, die erreicht werden wollen und daher Aufträge die sich daraus für den sozial Arbeitenden ergeben. Nun ist es nicht gerade die Ausnahme, dass die Ziele der beiden beschriebenen Mandanten widerstreitend sein können und der Mandatsträger in eben diesem Spannungsfeld arbeitet. Ein plausibles Beispiel ist die Aufgabe des Sozialarbeiters Hilfsbedürftige bei der Beantragung staatlicher (z.B. finanzieller) Hilfeleistungen zu beraten, ihm oder ihr dabei alle Möglichkeiten aufzuzeigen und sie bei der Umsetzung praktisch zu unterstützen, bis der Prozess abeschlossen und die zustehende Hilfeleistung gewährt ist. Gleichzeitig kann der Arbeitgeber des Sozialarbeiters die gleiche staatliche Institution sein, die die Hilfeleistung gewährt. Bedingt durch endliche Ressourcen der Institution, Sparzwänge und weitere wirtschaftliche Gesichtspunkte lautet ein klarer Auftrag für den Sozialarbeiter daher mit den Ressourcen schonend umzugehen, sie möglicherweise nach Prioritäten geordnet zu gewähren oder bestimmte Mittel nicht sofort frei zu geben, sondern eine gewisse Hartnäckigkeit der Empfänger abzuwarten, sie damit quasi einzufordern, um der Hilfsbedürftigkeit glaubhaften Nachdruck zu verleihen. Häufig lässt sich die Verteilung der Ressourcen als eine Mangelverwaltung skizzieren, bei der eben nicht alle Klienten sofort oder gleichzeitig zu ihrem Recht kommen können. Über dieses Beispiel hinaus lassen sich sicher noch etliche weitere formulieren, auch unabhängig von finaziellen Ressourcen, die das Spannungsfeld sozialer Arbeit zwischen Hilfe (Klientenbedürfnis) und Kontrolle (sozialstaatlicher Auftrag) als Doppelmandat beschreiben, mit dem es für den sozial arbeitenden Menschen, erst einmal umzugehen gilt (Griesehop 2011).

Die Probleme und Belastungen durch diese berufliche Realität lassen sich nach Staub-Bernasconi (2007) durch ein drittes Mandat kompensieren, was zunächst widersprüchlich klingt, sich aber so erklären lässt: Das Mandat der Profession vereint die ggf. auch widerstreitenden Ziele von Klienten und dem Sozialstaat – nämlich die individuelle, selbständige Lebensführung und die soziale Inklusion des Klienten in einem gemeinsamen Ziel. Der Auftrag lautet demnach die Inklusion und die selbstständige Lebensführung durch wissenschaftliche Fachlichkeit zu fördern. Dies legitimiert den Beauftragten Aufträge der vorgenannten Mandanten zu analysieren, zu bewerten, anzunehmen, abzulehnen und darüberhinaus ggf. eigene Aufträge zu erkennen, zu formulieren und zu verfolgen. Der Auftrag durch die Profession der sozialen Arbeit schwebt damit sozusagen legitimierend über den Aufträgen von Sozialstaat und Klient und bedingt deshalb – über eine reine „Hilfstätigkeit hinaus“ – große Kompetenzen in der Analyse-, Bewertungs- und Entscheidungsfähigkeit der sozial Arbeitenden.

Wie und wo sollen diese Kompetenzen ausgebildet werden, in einer Situation in der die Soziale Arbeit noch kein tragfähiges Selbstverständnis, keine eindeutige Zuordnung der wissenschaftlichen Disziplin hat? Kurz gesagt: Wer kann wissenschaftlich fundiert, ethisch korrekt handeln, wenn er sich ggf. nur als Dienstleister – also ausführendes Organ fremddefinierter Aufgaben sieht?

3 Die Identität der Sozialen Arbeit

Die Disziplin der Sozialen Arbeit weist ein ungefestigtes Selbstbild auf, geprägt von mangeln­dem Konsens über eine Definition, sowie einer Wissens- und Handlungsbasis (Staub-Bernasconi 2007). Die Fülle an Bezugswissenschaften (wie Theologie, Erziehungswissenschaft, Soziologie, Politologie, Phi­losophie, Psychologie, Medizin und Ökonomie – um nur einige zu nennen) trägt zum unsicheren Selbstverständnis bei – wenngleich die Soziale Arbeit nicht als bloße Schnittmenge der genannten Disziplinen zu verstehen ist! Auch in der Praxis stellen Nadai, Sommerfeld et. Al. (2005) durch Untersuchung fest, dass unter den sozial Arbeitenden wenig Bewusstsein dafür existiert, Teil einer Profession zu sein und dass vornehmlich praktische Probleme bewältigt werden. Als Problemlage der Sozialen Arbeit an sich erkennen die Befragten vor allem solche, die mit mangelnder Anerkennung und geringer Autonomie zu tun haben, weniger aber mit mangelnder Fachlichkeit oder politischen Aspekten. Klare Aussagen über Aufgaben, Ziele, Me­thoden oder zu den Gegenständen Sozialer Arbeit können hingegen kaum formuliert werden.

Es zeichnet sich ein Kreislauf ab, in dem sozial Arbeitende Anerkennung und Wertschätzung für ihr professionelles Handeln und die Aufgabe der Sozialen Arbeit erwarten, welche sie selbst nicht defnieren oder erklären können. Eine mögliche Folge davon kann es sein, die Notwendigkeit eines Studiums infrage zu stellen, wenn doch die Anerkennung (oft auch gleichgesetzt, in jedem Fall aber in direktem Zusammenhang mit der Bezahlung) nach Abschluss eines solchen offenkundig ausbleibt. Die Richtung dieser Entwicklung beschreibt Staub-Bernasconi (2007) in ihrem ersten Szenario, indem Soziale Arbeit schlichter „Beruf“ bleibt und sich damit selbst in die Abhängigkeit anderer (Professionen) und Managern stellt.

In jedem Fall nehmen Fremddefinitionen den Platz der eigenen beruflichen Identität ein, wenn und solange die Soziale Arbeit selbst dem nichts entgegen zu stellen hat. So kreieren Betriebswirtschaftler, Lobbyisten, Politiker und andere Professionen, sogar Software-Gestalter, die zentralen Aufgaben der Sozialen Arbeit.

Vor diesem Hintergrund erscheint das zweite Szenario, das Silvia Staub-Bernasconi (2007) aufzeigt, als der bislang einzig gangbare Weg, um dem Kreislauf fallender Qualität in und Anerkennung für die Soziale Arbeit zu entkommen und führt nach ihrem Dafürhalten zu einer international anerkannten wissenschaftsbasierten Profession, deren Aufgaben konsensual definiert sind und die auf eine sozialarbeitsspezifische Wissensbasis zurückgreift, um die Akteure mithilfe internationaler Schlüsselqualifikationen ausbilden zu können. Diese agieren dann nicht mehr als reine „Befehlsempfänger“, sondern gestalten den Sozialstaat und dessen Systeme im Sinne seiner Einwohner und einer sozialen Gerechtigkeit mit.

Angesichts dieses möglichen Szenarios erscheint das professionelle Tripelmandat noch einmal in einem viel bedeutsameren Licht, weil es eine qualitativ hochwertige, wissenschaftsbasierte Profession im Sinne der zuvor beschriebenen wünschenswerten Identität der Sozialen Arbeit unbedingt erfordert! Ohne die beschriebene wissenschaftsrorientierte Ausrichtung und das damit einhergehende professionelle Selbstverständnis lassen sich die beiden Komponenten des Tripelamandats nach Staub-Bernasconi (2007) kaum ausfüllen.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668423299
ISBN (Buch)
9783668423305
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356550
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
Doppelmandat Tripelmandat Heterogenität Normativität

Autor

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