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Das Starprinzip im Hollywood der 20er bis 50er Jahre. Wie das Studiosystem seine Frauentypen formte

Hausarbeit 2014 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Themaabgrenzung und Begriffserläuterungen

3. Starprinzip im Hollywood der 20er bis 50er Jahre: Wie das Studiosystem seine Frauentypen formte
3.1 Das Studiosystem
3.1.1 Historie
3.1.2 Die mächtigsten Studios
3.2 Die Frauentypen
3.3 Veranschaulichung der Formung der Frauentypen durch die Studios anhand zweier ausgewählter Beispiele
3.3.1 Greta Garbo – MGMs’ Femme Fatale
3.3.2 Bette Davis – Warner Brothers’ Good-Bad-Girl

4. Differenzierung der weiblichen Charaktere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Schauspielerei ist ein netter, kindischer Beruf – man gibt vor, jemand anderer zu sein und gleichzeitig verkauft man sich.“1

Dieser Ausspruch stammt von der US-amerikanischen Schauspielerin Katharine Hepburn und beschreibt die Tatsache, dass im frühen Hollywood viele Schauspieler ihr Privatleben für den Erfolg beim Publikum aufgegeben haben. Um ein Star zu werden, veränderten sie ihr Aussehen, ihre Gewohnheiten, schlussendlich sogar ihre Persönlichkeit. All dies verlangte das Studiosystem mit seinem Starprinzip von den Künstlern, denn ihm blieb es vorbehalten aus gewöhnlichen Schauspielern, erfolgreiche und populäre Stars zu formen.

Das Phänomen des Studiosystems soll in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf seiner Formung von Frauentypen mit Hilfe des Starprinzips im Hollywood der Jahre 1920 bis 1950. Das Ziel der Seminararbeit ist es, herauszuarbeiten, wer oder was sich hinter dem Begriff Studiosystem verbirgt und welchen Einfluss es auf die Entwicklung von weiblichen Filmcharakteren und die Rollenbesetzung nahm. Ergänzend lohnt es sich zu betrachten, wie sich die Frauentypen im Wandel der Zeit veränderten.

Um dies zu verdeutlichen, grenze ich zunächst das Thema ab und definiere anhand des Seminararbeitstitels die wesentlichen Termini. Im Anschluss erläutere ich das mir relevant Erscheinende rund um die Bezeichnung Studiosystem. Danach werden verschiedene Frauentypen im amerikanischen Film der damaligen Zeit aufgezählt und kurz charakterisiert. Da sich Starprinzip und Studiosystem bedingen, verknüpfe ich die vorangegangenen Punkte im Anschluss daran miteinander und veranschauliche an den Beispielen „Greta Garbo – MGM s‘ Femme Fatale“ und „Bette Davis – Warner Brothers‘ Good-Bad-Girl“ die Formung der Frauentypen durch die Studios. In der Folge werden die gewonnenen Erkenntnisse mit der Weiterentwicklung von Frauentypen in Hollywood nach 1959 verglichen. Das Aufzeigen der Veränderungen des Frauenbildes im Film in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, schließt die Arbeit ab. Die einzelnen Ausarbeitungsschritte bauen inhaltlich aufeinander auf und sind deshalb in dieser Reihenfolge gewählt. Meine Motivation mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, ist darin begründet, dass in vielen Büchern nur ansatzweise erklärt wird, wie das Starprinzip im Allgemeinen funktionierte. Schwierig gestaltete sich die Suche nach Antworten auf die Fragen, welche Instrumente das jeweilige Studio für angemessen hielt, um seine Frauentypen zu formen, und ob das Studiosystem die Machte hatte, jede Schauspielerin in das Schema des Starprinzips zu pressen. Weiterhin gibt es zwar etliche Publikationen zu den verschiedenen Frauentypen, jedoch die Auswirkungen deren auf das Privatleben der Stars werden weitestgehend unerwähnt gelassen. Auf diese offenen Fragen versuche ich in der Arbeit überzeugende Antworten zu finden.

2. Themaabgrenzung und Begriffserläuterungen

Das S2 tarprinzip

Eingeführt wurde das Starprinzip von Adolph Zukor3 im Jahre 1912. Er machte aus der Broadwayschauspielerin Mary Pickford „America’s Sweetheart Mary Pickford“4 - den ersten weiblichen Filmstar. Sie wurde nach einem bestimmten Prinzip5 von der gewöhnlichen Mimin zur Leinwandgröße geformt. Zukor hatte erkannt, was einen Star ausmacht:

„Der Star mit seinem schnell verglühenden Leben, mit seiner vergänglichen Schönheit, seinem glückhaften Erfolg, der immer am Rande des Absturzes balanciert, ist die große Erfindung dieses Jahrhunderts. Wenn die Götter schweigen, kreiert sich der Mensch Idole nach seinem eigenen Bild und Gleichnis. Nur einen Tick anders müssen sie sein: größer, schöner, jünger, reicher, begehrenswerter. In Hollywood, der Traumfabrik für fast die ganze Welt, erschafft sich der Mensch noch einmal neu.“ 6

Der Begriff Starprinzip meint also eine systematische Vorgehensweise, mit Hilfe von vorher festgelegten Indikatoren7, ein markantes und möglichst populäres Individuum zu kreieren. Diese geschaffenen Identitäten sind das Kapital der Filmstudios. Sie bringen ihnen Profite und nicht in Geld zu bemessendes öffentliches Ansehen. Das Image des Stars wird passend zum Image des Studios gewählt.8

Hollywood

Der Ort Hollywood liegt im US-Bundesstaat Kalifornien und ist ein Stadtteil von Los Angeles. Berühmt wurde das idyllische Fleckchen durch die Ansiedlung von Filmpionieren aus Europa und dem europäischen Teil Russlands. Unter ihnen befanden sich beispielsweise Adolph Zukor, Carl Laemmle oder die Schenck-Brüder, Joseph und Nicholas. Diese waren in die Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert und ließen sich zunächst in New York nieder. Da sie dort aber vom herrschenden Edison Trust 9 boykottiert wurden, wählten sie Hollywood als neue Arbeitsstätte. Der Landstrich wies hervorragende, natürliche Bedingungen auf. So gab es gleichermaßen Berge und Wüste, Schnee und Sand, 355 Tage im Jahr Sonne und optimales Licht für Dreharbeiten, sowie das pazifische Meer und die mexikanische Grenze ganz in der Nähe, wo die Gesetze weniger streng als in Amerika durchgesetzt wurden.10

Der Zeitraum der 1920er bis 1950er Jahre

Der Beginn mit dem Jahr 1920 soll die Arbeit zeitlich eingrenzen. Zwar hatte Adolph Zukor den Grundstein für das Studiosystem bereits um das Jahr 1910 gelegt. Jedoch war es in den frühen zwanziger Jahren, als er die Welt lehrte, wie man Filmarbeit berühmt machen und gewinnbringend vermarkten konnte. Es geht in dieser Seminararbeit nur sekundär um die Entwicklung des Studiosystems, primär um dessen Formung von Schauspielerinnen zu kommerziell lukrativen Stars. Dies geschah hauptsächlich in der Zeit der vertonten Langfilme, die im Jahr 1927 ihren Anfang fand.11 Aufgrund der Tatsache, dass Marilyn Monroe als „[…] letzte Ikone, die Hollywood fabriziert und um die ganze Welt geschickt hat.“12, in den frühen ‘60ern des vergangenen Jahrhunderts starb, muss die Ausarbeitung in den späten fünfziger Jahren enden. Das Fernsehen hatte seinen Siegeszug gegen das Kino angetreten und gewonnen. Die alternden Stars ließen sich für seltene Gastauftritte im TV viel Geld bezahlen oder verschwanden ganz vom Bildschirm. Von nun an, gab es nur mehr gewöhnliche Schauspieler, die eine Rolle realistisch darzustellen vermochten, aber keinen Glamour dabei versprühten. Diese neue Generation von Laiendarstellern, wollte sich vom Studiosystem nicht länger vorschreiben lassen, wie sie privat zu leben hätten. Das klassische Starprinzip hatte ausgedient.

Studiosystem

Im oben beschriebenen Zeitraum trat in Hollywood ein Phänomen auf, das es so zuvor noch nicht gegeben hatte: Eine Einheit, zusammengesetzt aus acht verschiedenen Filmproduktionsgesellschaften, die häufig miteinander kooperierten, in einem inneren Funktionszusammenhang zueinander standen und nach einer Abgrenzung zu anderen Gesellschaften strebten.13 Man betrachtet diese acht Filmproduktionsgesellschaften inklusive ihrer jeweiligen Filmverleihbetriebe und bezeichnet sie im Fachjargon als Studios.14 Namentlich gehörten folgende Firmen zum Studiosystem: Paramount Company, Loew’s/MGM, Fox Film Corporation, Warner Bros., RKO Pictures Inc., Universal Pictures, Columbia Pictures und United Artists. Die fünf Erstgenannten waren als die „Big Five“ bekannt, die anderen als „Little Three“.15 Die vorliegende wissenschaftliche Abhandlung beschränkt sich auf die Arbeit dieser Studios. An der Spitze eines jeden, standen eine oder mehr Personen, die Pionierarbeit im Filmgeschäft geleistet hatten oder wahre Meister im Umgang mit Finanzen waren. Weitere Details sind dem Unterpunkt 3.1 zu entnehmen.

Frauentypen

Es gibt eine Vielzahl an weiblichen Charakteren im Hollywoodfilm. Einige ähneln sich, andere könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Starprinzip der Studios legte Images für seine Stars fest und bediente diese mit den entsprechenden Filmrollen. Auf die unterschiedlichen Rollentypen wird im Punkt 3.2 genauer eingegangen.

Ausgewählte Beispiele

Die gewählten Beispiele sind bewusst begrenzt. Zum einen ist dies der knappen Seitenanzahl der Seminararbeit geschuldet, zum anderen werden nicht mehr Modelle benötigt. Die Beispiele ermöglichen es, die jeweilige Typentwicklung durch die Studios am Einzelfall deutlich herauszuarbeiten. Dadurch wird das Vorgehen der Filmproduktionsgesellschaften transparent und vergleichbar. Die verschiedenen Exempel sollen zeigen, welche Schwerpunkte das 16 jeweilige Studio setzt

3. Starprinzip im Hollywood der 20er bis 50er Jahre: Wie das Studiosystem seine Frauentypen formte

3.1 Das Studiosystem

Jedes der Studios verfolgte seinen ganz eigenen Weg: „Wo MGM mit seinen Musicals die Welt verschönerte, zeigten die Filme der Warner Brothers sie in ihrem ganzen Realismus“17 ; während MGM seine Stars verwöhnte und ihnen Zugeständnisse machte, waren sie bei Warner Brothers lediglich Kapital und Arbeitskraft.18 Auch gab es Studios, deren Starprinzip und -marketing ausgefeilter und deshalb erfolgreicher als das der anderen war. So warb besonders MGM mit kreativen Slogans wie etwa „more Stars than there are in Heaven“19 sehr wirksam um die Gunst der Zuschauer. Das Aufkommen der Studios und ihre Entwicklung zur Geldmaschine Studiosystem werden in den nächsten zwei Unterpunkten knapp geschildert.

3.1.1 Historie

Alles begann Anfang der 1920er Jahre mit dem Zusammenschluss einer kleinen Anzahl von Studios, an deren Spitze Adolph Zukor stand. Bereits zehn Jahre zuvor hatte Zukor ein System entwickelt, das ihm in einer einzigen Firma gleichzeitig Herstellung von Langfilmen, weltweiten Vertrieb und Präsentation in Filmpalästen, ermöglichte. Diese Unternehmung war Famous Players und ging später in der Paramount Company auf. Zukor hatte sich stark von anderen künstlerischen Bereichen inspirieren lassen. So gefielen ihm die Einteilung in Genres des Pariser Vaudeville und die Aufteilung der Charaktere in der italienischen Commedia dell‘arte. Doch auch der Weltmarktvertrieb wie ihn die

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1 Bauer, Martin (2014): Katharine Hepburn. Herausgegeben von uni-protokolle.de. Online verfügbar unter http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Katharine_Hepburn.html, zuletzt aktualisiert am 11.06.2014, zuletzt geprüft am 12.06.2014.

2 Anm.: In der Arbeit sollen markante Grundstrukturen des Star- und Studioprinzips herausgearbeitet werden. Somit wird eine Einschränkung auf spezielle Teilbereiche notwendig. Im Nachfolgenden werden die Abgrenzung und die wesentlichen Begrifflichkeiten anhand einer genauen Erläuterung des Seminararbeitstitels verdeutlicht.

3 Anm.: Ein in die USA immigrierter Filmproduzent, österreichisch-ungarischer Abstammung. Ihm wird auch die Entwicklung des Studiosystems zugeschrieben, sowie der Aufstieg der Paramount Pictures zum mächtigsten Filmstudio der damaligen Zeit.

4 Matt, Bernhard (Hg.) (1987): 100 Jahre Hollywood. Von der Wüstenfarm zur Traumfabrik. 118 Bände. Unter Mitarbeit von Tony S. Camonte. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG (Heyne Filmbibliothek, 32), S. 64.

5 o.A. (o. J.). Herausgegeben von Duden. Bibliographisches Institut GmbH. Online verfügbar unter http://www.duden.de/rechtschreibung/Prinzip, zuletzt geprüft am 01.05.2014.

6 zit. n. Matt, Bernhard (Hg.) (1987): 100 Jahre Hollywood. Von der Wüstenfarm zur Traumfabrik. 118 Bände. Unter Mitarbeit von Tony S. Camonte. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG (Heyne Filmbibliothek, 32), S. 62.

7 Anm.: Indikatoren sind zum Beispiel die Charaktere, die Stars spielen oder das Genre, das sie bedienen. Auch visuelle und verbale Erkennungsmerkmale, etwa eine bestimmte Mimik oder ein ungewöhnlicher Sprachrhythmus, bzw. Akzent, fallen unter diesen Sachverhalt.

8 MacDonald, Paul (2000): The star system. Hollywood's production of popular identities. London: Wallflower Press (Short cuts, 2), S. 1-14.

9 SonyC (Wikipediaautor) (2014): Motion Picture Patents Company. Herausgegeben von Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Motion_Picture_Patents_Company&oldid=129996818, zuletzt aktualisiert am 01.05.2014, zuletzt geprüft am 03.06.2014. [Anm.: Zu Beginn des US-Films hatte Thomas A. Edison die meisten Filmpatente inne. Er verfolgte jeden, der sich seiner Patente bediente mit Hilfe der MPPC (=Edison Trust). Diese Firma war für ihre radikale Gangart bekannt und sandte zuweilen Schlägertrupps in die Studios der unabhängigen Filmemacher.]

10 Matt, Bernhard (Hg.) (1987): 100 Jahre Hollywood. Von der Wüstenfarm zur Traumfabrik. 118 Bände. Unter Mitarbeit von Tony S. Camonte. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG (Heyne Filmbibliothek, 32), S. 7-18.

11 Gomery, Douglas (2005): The Hollywood studio system. A history. London: BFI, S. 1-53.

12 zit. n. Matt, Bernhard (Hg.) (1987): 100 Jahre Hollywood. Von der Wüstenfarm zur Traumfabrik. 118 Bände. Unter Mitarbeit von Tony S. Camonte. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG (Heyne Filmbibliothek, 32), S. 171.

13 Kleinsteuber, Hans, J. (2005): Mediensysteme. In: Weischenberg, Siegfried/Kleinsteuber, Hans, J./Pörksen, Bernhard. (Hg.): Handbuch Journalismus und Medien. Konstanz: UVK, S. 275-280.

14 Gugerell (Wikipediaautor) (2013): Studiosystem. Herausgegeben von Die freie Enzyklopädie Wikipedia. Online verfügbar unter http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Studiosystem&oldid=120920351, zuletzt aktualisiert am 26.07.2013, zuletzt geprüft am 16.05.2014.

15 Gomery, Douglas (2005): The Hollywood studio system. A history. London: BFI, S. 1-10.

16 Anm.: Das nachfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Verbindung von Starprinzip und Studiosystem. Die beiden Komponenten bedingten sich im Hollywood der 20er bis 50er Jahre. Wer als Schauspielerin ein Star sein wollte, benötigte ein Studio, das ihr dieses Image verschaffte und sie als Star bewarb. Im Gegenzug dazu, waren Studios vor allem auf die finanziellen Erfolge ihrer Schützlinge angewiesen.

17 Faulstich, Werner (2005): Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink GmbH & Co. Verlags-KG, S. 137.

18 Vermilye, Jerry (1988): Bette Davies. Ihre Filme - ihr Leben. Dt. Erstausg., 2. aktualisierte Aufl. München: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG (Heyne-Filmbibliothek, 32, 4), S.30.

19 MacDonald, Paul (2000): The star system. Hollywood's production of popular identities. London: Wallflower Press (Short cuts, 2), S.48.

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668427945
ISBN (Buch)
9783668427952
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356667
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Journalistik
Note
1,3
Schlagworte
Starprinzip Hollywood Studiosystem Frauentypen 20er Jahre Flapper Vamp Big 5 MGM Warner Brothers

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