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Der Drei-Schluchten-Staudamm. Teuer erkaufter Nutzen im Größenwahn der Regierung?

Facharbeit (Schule) 2016 23 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Hintergrundinformationen zum Drei Schluchten Staudamm
1.1.1 Projektvorstellung
1.1.2 Historisch-politischer Hintergrund
1.1.3 Technische Daten

2.Hauptteil
2.1 Nutzen des Projektes
2.1.1 Hochwasserschutz
2.1.2 Energiegewinnung
2.1.3 Schiffbarkeit
2.2 Probleme des Projektes
2.2.1 Umsiedlungsproblematik
2.2.1.1 Umfang
2.2.1.2 Entschädigungen
2.2.1.3 Vergleich mit anderen Projekten
2.2.2 Sedimentation und Erosion
2.2.3 Erdbeben
2.2.4 Zerstörung von Kulturdenkmälern
2.2.5 Verschmutzung und Abfallbeseitigung
2.2.6 Klimaveränderung
2.2.7 Auswirkungen auf Flora und Fauna

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

1.1 Hintergrundinformationen zum Drei Schluchten Staudamm

1.1.1 Projektvorstellung

Der drei Schluchten Staudamm (M1) stellt das derzeit größte Staudammprojekt in der Geschichte der Menschheit dar. Mittels seiner Hilfe wurde es möglich, den Jangtse als drittlängster Fluss der Erde, auf eine Länge von 660 Kilometern durch die drei Schluchten bis hin zur Millionenstadt Chongqing aufzustauen. Die Ausmaße der Aufstauung entsprechen der Luftlinie zwischen Köln und Mailand (Google Maps). Die Stauanlage befindet sich etwa 40 km westlich der Stadt Yichang in der Provinz Hubei. Trotz der verhältnismäßig wenigen Publikationen in der westlichen Presse und Öffentlichkeit, zählt der Damm zu einem der umstrittensten und auch in der Fachwelt kontrovers diskutierten Großbauprojekte der letzten Jahre. Im Rahmen dieser Facharbeit werde ich sowohl die Erfolge als auch die Probleme des Projektes erörtern.

1.1.2 Historisch-politischer Hintergrund

Die Überlegung zur Aufstauung des Jangtse bei den berühmten Drei Schluchten geht auf eine lange Tradition zurück. Erste konkrete Vorstellungen für ein vergleichbares Großprojekt gehen auf den Republikgründer Sun Yatsen 1919 zurück, jedoch erschien eine Umsetzung bedingt durch den Kapitalmangel damals noch unmöglich (Klett; Aßmann, Jens und Uhlenbrock, Kristian; „Infoblatt Drei-Schluchten-Staudamm“). Aufgrund der mangelnden Fachkenntnisse für eine erfolgreiche Umsetzung entsandte die chinesische Regierung im Jahr 1946 erstmals 50 Ingenieure in die USA. Aufgrund politischer Differenzen, hervorgerufen durch den Bürgerkrieg, kam es jedoch schon 1959 zu einer Beendigung der gemeinsamen Studien (Deutschlandradio Kultur; Freyeisen, Astrid; „Chinas umstrittener Stolz“). Erst 1985 wurden die Visionen von damals erstmals von einem Expertengruppe unter der Aufsicht des Ministry of Water Ressources and Electric Power (MWREP) wieder aufgegriffen. Veranlasst durch mehrere Artikel, in welchen diverse Wissenschaftler ihre Zweifel an der Durchführbarkeit betonten, wurde 1989 ein Aufschub des Baubeginns erreicht. Bedingt durch die Überschwemmungskatastrophe im Sommer 1991, stieg die Gunst der Regierung zur Realisierung des Projektes wieder. Zeitgleich wurden Regimegegner, gewöhnlich durch Inhaftierung vgl. Dai Qing, mundtot gemacht. In den Tagen vom 18. -28. März 1992 wurde der Bau des Drei-Schluchten-Damms durch den Ministerpräsident Li Peng mit einer Zweidrittelmehrheit (der Volkskammer) beschlossen (Gutowski, S. 10-12).

1.1.3 Technische Daten

Länge des Stausees: 660 Kilometer

Fläche des Stausees: ca.1.100 Quadratkilometer

Ausmaße des Staudamms: 2.309 Meter lang, 185 Meter hoch

Höhe des Wasserpegels: 175 Meter

Daten zum Wasserkraftwerk: 18.200 Megawatt Leistung, Produktion von 84,7 Mrd. KWh p.a.

Umsiedlungen: 140 Städte; 1,3 Millionen Menschen; 1.600 Fabriken

Kosten: offiziell 21 Mrd. Euro, informelle Schätzungen 39 Mrd. Euro

Fertigstellung: Mai 2006, volle Inbetriebnahme in 2009

(Klett, Jens Aßmann und Kristian Uhlenbrock, „Infoblatt Drei-Schluchten-Staudamm“)

2.Hauptteil

2.1 Nutzen des Projektes

2.1.1 Hochwasserschutz

Hauptausschlaggebend für den Bau des drei Schluchten Staudamms war die „[…] Beeinflussung des natürlichen Abflusses und die Verhinderung von Überschwemmungen […]“(Wikipedia; Autor unbekannt; „Drei-Schluchten-Talsperre“) im Mittellauf und Unterlauf des Jangtse. Die Darstellung M1 legt nahe, dass die natürliche Wasserführung (roter Graphenverlauf) je nach Jahreszeit stark variiert. Während der Wasserpegel in den Sommermonaten auf bis zu 160 Metern steigt, fällt der Wasserstand im Winter hingegen um fast 30 Meter ab. Auslöser dieser periodischen Differenzen ist das subtropische Klima und die damit verbundene, ungleiche Niederschlagsverteilung. Das Klimadiagramm M3 der am Ende des Stausees gelegenen Stadt Chongqing belegt diese Aussage. Die Niederschläge weisem im Sommer einen deutlichen, jahreszeitlichen Schwerpunkt auf, der sogenannte saisonale Monsunregen. Während die gewöhnliche Durchflussmenge des Jangtse ungefähr 3.500 Kubikmeter/Sekunde beträgt (Klett; Allmrodt, Nancy; „Infoblatt Jangtse“), kann diese in der Monsunzeit von Juni bis Oktober Spitzenwerte von 84.000 Kubikmeter/Sekunde erreichen und stellt dadurch eine erhebliche Gefahr für den Unterlauf des Jangtse dar (Volker von Nathusius, „Chinas Drei-Schluchten-Damm. Hintergründe und Probleme“). In den vergangenen 2.000 Jahren wurden so mehr als 200 Überflutungen verzeichnet (Brockhaus). Die letzte verheerende Flut im Jahr 1998, welches auch als das niederschlagsreichste Jahr des 20. Jahrhunderts betitelt wird, stellt das bisher folgenschwerste Hochwasser am Jangtse dar. Wie aus M2 hervorgeht, waren über 223 Millionen Menschen von dieser Naturkatastrophe betroffen. Die damalige Durchflussmenge des Jangtse betrug 85.000 Kubikmeter pro Sekunde.

Um zukünftige Überflutungen und Spitzenabflüsse zu vermeiden, stellte die chinesische Regierung mit der Errichtung des Staudammes ein „[…] Konzept[s] zur Entwicklung des gesamten Einzugsgebiet des Yangtse (Sutton, 2004)“ auf. Dieses sieht eine periodische Nutzung der Stauanlage vor. M1 illustriert, das vor Beginn der Regenzeit eine Absenkung des Wasserstandes um 30 Meter vorgenommen wird, um beim Beginn der Regenzeit ein ausreichendes Ausgleichvolumen zur Verfügung zu haben. Durch die starken Niederschläge der Sommermonate wird der Fluss bis auf einem Wasserpegel von 175 Meter ü. NN aufgestaut, um so in den niederschlagsärmeren Folgemonaten die fehlenden Niederschläge durch eine stufenweise Abgabe auf 145 Meter ü. NN auszugleichen.

Im Sommer des Jahres 2008 erreichte die Durchflussmenge oberhalb des Staudamms, chinesischen Medien zufolge, einen Spitzenzufluss von 70.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Abgabe konnte auf 40.000 Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt werden (Stern; Braun, Carina und Drewello, Marc; „Größter Staudamm der Welt übersteht Megaflut“). Dadurch konnten Überschwemmungen, wie in den Jahren vor dem Staudammbau, vermieden werden. In dieser Funktion war die Errichtung des Staudamms als Instrument der Hochwasserkontrolle erfolgreich.

2.1.2 Energiegewinnung

Im Jahr 2009 übertraf China die USA als weltgrößter Energieverbraucher Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge, lag der Gesamtverbrauch approximativ bei 2,252 Millionen Tonnen Öleinheiten, vier Prozent über dem der USA. Zurückzuführen ist dies auf das extrem hohe chinesische Wirtschaftswachstum und dem proportional steigenden Energiebedarf (Zeit; AFP, Reuters; „China überholt USA als weltgrößten Energieverbraucher“). Schon 1992 betrug Chinas Energiedefizit 110 bis 150 Milliarden Kilowattstunden, wodurch schwerwiegende Versorgungslücken entstanden. Als Folge mussten vereinzelte Regionen und Städte nahezu 30% Verlust bezüglich ihrer Produktionskapazität hinnehmen (Gutowski, S.17). Bedingt durch das weltweit drittgrößte Kohlevorkommen, deckt China seinen Energiebedarf mit über 70 % durch Kohle. Trotz der Tatsache, dass Chinas unerschlossene Wasserkraftressourcen zu den weltweit gewaltigsten zählen, werden gegenwärtig nur 6 % zur Stromproduktion genutzt (Bundeszentrale für politische Bildung; Sternfeld, Eva; „Energiepolitik - Chinas internationale Energiestrategie“). Das Gesamtpotenzial wird derzeit auf umgerechnet 380.000 Megawatt geschätzt (State Statistical Bureau of China).

Anfänglich betrug die maximale Generatorenleistung des Drei-Schluchten-Staudamms 18,2 Gigawatt. Im Jahr 2012 wurde das Regelarbeitsvermögen jedoch infolge einer Turbinenerweiterung auf 22,5 Gigawatt angehoben (Wikipedia; Autor unbekannt; „Drei-Schluchten-Talsperre“). Dies kommt der Leistung von 16 mittelgroßen Atomkraftwerken gleich. Im Jahr 2014 erzeugte das Wasserkraftwerk gemäß der Betreibergesellschaft China Three Gorges Corporation 98,8 Milliarden Kilowattstunden Strom, die bis dahin weltweit größte Menge an Hydroenergie. Damit löste es den Itaipu-Staudamm in Südamerika als größtes Wasserkraftwerk ab. Zugleich konnte der Staudamm dadurch theoretisch die Verbrennung von 49 Millionen Tonnen Braunkohle verhindern (Frankfurter Allgemeine; AFP; „Drei-Schluchten-Staudamm erzielt Weltrekord bei Stromproduktion“). Im Jahr 2014 wurden in Deutschland zur Erzeugung einer Kilowattstunde Strom durchschnittlich 569 Gramm Kohlendioxid bei der Verbrennung fossiler Energieträger errechnet (Umweltbundesamt). Nach Deutschen Standard würde ein Kohlekraftwerk mit vergleichbarer Leistung wie der des Drei-Schluchten-Staudamms demnach den Ausstoß von rund 57,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid bedeuten. Dies entsprach 2013 umgerechnet 0,6 % Chinas gesamter Emissionsmenge an Kohlenstoffdioxid (Werte nach eigener Kalkulation, Chinas Emissionswerte bzgl. Kohlenstoffdioxid wurden folgender Quelle entnommen: Wikipedia; Autor unbekannt; „Liste der größten Kohlenstoffdioxidemittenten“).

Ursprünglich war die generierte Energie den im Umkreis des Wasserkraftwerks gelegenen Städten, wie etwa Chongqing, Wuhan und Shanghai, vorbehalten (Volker von Nathusius; „Chinas Drei-Schluchten-Damm. Hintergründe und Probleme“). Aufgrund des niedrigen Lebensstandards und der unzulänglichen Stromversorgung der Bevölkerung, fand die gewonnene Energie jedoch in den Regionen keine Abnehmer. Der Transport in Chinas wachsenden Metropolen an der Ostküste ist hingegen mit hohen Energieverlusten verbunden (Planet-Wissen; Beckmann, Katharina; „Der Drei-Schluchten-Staudamm“;). Nebenbei ergibt sich aufgrund des Sachverhaltes, dass die Generatoren nur zwei Monate auf maximaler Auslastung betrieben werden können, ein Kapazitätsfaktor von grade mal 54 %. Dies rührt daher, dass in niederschlagsärmeren Monaten die fehlenden Regenfälle durch eine stufenweise Abgabe des Wasserreservoirs ausgeglichen werden (Gutowski, S.19). Die durchschnittliche Leistung liegt daher bei annährend bei 12,2 Gigawatt (eigene Kalkulation).

Nichtsdestotrotz stehen Experten dem Wirkungsgrad der Stauanlage kritisch gegenüber. Eine maximale Stromproduktion ist nur dann möglich, wenn der Pegel höchst möglich steht und der Wasserdruck auf die Turbinen maximal ist. Dies steht den Zielen des Hochwasserschutzes jedoch kontroverse gegenüber, da der Staudamm in diesem Zeitraum keine ausreichende Speicherkapazität zur Ausgleichung von Hochwassern bereithält. Man spricht daher auch von einem „unlösbaren Zielkonflikt“ (Tages-Anzeiger; Weidenbach, Thomas; „Superdamm gegen die Jahrhundertfluten?“).

Vergleicht man den Drei-Schluchten-Staudamm mit anderen Wasserkraftwerken (M6) treten Zweifel bezüglich der Effizienz der Anlage auf, da die Relation zwischen Baukosten und Kraftwerksleistung bei anderen Wasserkraftwerken deutlich günstiger ausfällt.

2.1.3 Schiffbarkeit

Seit jeher verfügt der Jangtse über eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Nicht zuletzt wird er daher auch als wirtschaftliche und kulturelle Lebensader des Landes bezeichnet. Im Jangtse-Becken, dem größten Wirtschaftsraum Chinas, wird von nur einem Drittel der Chinesen 40 % des Bruttosozialproduktes erzeugt (Klett; Allmrodt, Nancy; „Infoblatt Jangtse“).

Aufgrund der stark variierenden Wassertiefe war bis zuletzt nur Schiffen mit einer Kapazität von bis zu 5.000 Bruttoregistertonnen (5.000 Registertonnen [veraltete Maßeinheit für Seeschiffe] entsprechen 14.150 Kubikmetern, Rauminhalt eines olympischen Schwimmbeckens beträgt 2000 bis 3000 Kubikmeter) der Einsatz erlaubt. Ausschlagend dafür sind die „[…] zahlreichen Stromschnellen, gefährlichen Untiefen, Sandbänke, enge Passagen sowie die Schleppstationen[…]“ des Oberlaufes (Gutowski, S.31).

Infolge der Aufstauung gelang eine verkehrstechnische Erweiterung bis zum Hafen der Metropole Chongqing, eine Stadt mit 32 Millionen Menschen und einer Erhöhung der Wassertiefe um durchschnittlich 40 bis 110 Meter (WAS IST WAS; Dr. Edwin P. Ewing, Jr; „Drei-Schluchten Staudamm in China fertig“). Dadurch konnte die maximale Kapazität der Schiffe auf 10.000 Bruttoregistertonnen erweitert werden. Des Weiteren geht man von einer Verfünffachung der durch die Schleusen transportierten Frachtmenge bis 2013 auf 50 Millionen Tonnen aus, womit auch die Transportkosten gesenkt werden (Volker von Nathusius; „Chinas Drei-Schluchten-Damm, Hintergründe und Probleme“). Die durch den Staudamm verursachte Höhendifferenz bedingt zwei Schiffsschleusenstraßen mit fünf aufeinanderfolgenden Schleusen von 34 Metern Breite und 280 Meter Länge. Ein im Jahr 2015 errichtetes Schiffshebewerk soll einen alternativen Weg gegenüber den Schleusen darstellen und die Frachtmenge aufgrund der zusätzlichen Schleusenkapazität nochmals erhöhen.

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Details

Seiten
23
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668427112
ISBN (Buch)
9783668427129
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356730
Note
14 Punkte
Schlagworte
drei-schluchten-staudamm teuer nutzen größenwahn regierung

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