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Macht in der Erziehung. Der Grund der Autorität

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Begriffserklärungen
I. Zum Begriff der Erziehung
II. Zum Begriff der Macht
II. Zum Begriff der Autorität

C. Wie entsteht Autorität?
I. Formen der Autorität
II. Autorität und Macht
III. Autoritätskrise
IV. Grund der Autorität

D. Fazit

E. Literaturverzeichnis

A. Einleitung

„ Eine verlorene Schlacht l äß t sich durch eine gewonnene wieder ersetzen. Eines l äß t sich nicht mehr herstellen, wenn es einmal abgewiesen worden ist: die Autorit ät. “ 1 Der Begriff Autorität ist sehr umstritten, da er oft negativ aufgefasst wird. In unserer Vorstellung nimmt sie einen übergeordneten Platz ein und wird mit den Begriffen Macht und Herrschaft assoziiert. Das kann daran liegen, dass die Autorität in der Vergangenheit missbraucht wurde und es zu Unterdrückung und sogar zu Anarchie kam. Oder aber auch, weil keiner genau weiß, was „Autorität“ bedeutet. Autorität kommt nicht nur in Erziehungsverhältnissen zwischen dem Erziehenden und dem Zögling vor, sondern auch in allen möglichen Lebensbereichen, denn das Leben wird nicht ohne jegliche Beeinflussung bewältigt.2

In der vorliegenden Arbeit soll geklärt werden was für einen Grund Autorität überhaupt hat und wie sie entsteht. Dabei werden zunächst einmal die Begriffe Erziehung, Macht und Autorität analysiert.

Im nächsten Kapitel werden verschiedene Formen der Autorität von Thompson und Schäfer aufgeführt. Außerdem werden die Begriffe von Autorität und Macht verglichen. Die Autoritätskrise ist auch ein wichtiger Punkt, um den Grund der Autorität überhaupt klären zu können. Denn wenn Autorität abgewiesen wird, muss sie vorerst existiert haben. Der letzte Punkt des Kapitels fasst noch einmal alle genannten Gründe zusammen.

B. Begriffserklärungen

I. Zum Begriff der Erziehung

Im alltäglichen Sprachgebrauch ist unter pädagogischem Handeln die geplante Abfolge von Maßnahmen gemeint, die zur Folge hat, dass Kinder und Jugendliche, die von ihren Eltern oder Lehrern gewünschte Verhaltensweisen umsetzen und diese somit zu Erziehungsmaßnahmen werden. Im Großen und Ganzen bezeichnet der Begriff des pädagogischen Handelns jegliche Form erzieherischer Tätigkeiten. „ Handeln ist allgemein ein bewusstes und willentliches menschliches Tun, das auf die Gestaltung der Wirklichkeit gerichtet ist; der Handelnde verfolgt dabei bestimmte Ziele und hat dafür bestimmte Motive.“3 Pädagogisches Handeln ist auch soziales Handeln, da es sich auf die Veränderungen von Menschen bzw. von menschlichen Verhältnissen und Bedingungen bezieht . Erich Weber behauptet, „ der Mensch sei das von Natur aus auf Lernen und Erziehung angewiesene Wesen4. Dem Kind ist die menschliche Lebensweise also nicht angeboren, er muss die Lebensform, „ die er in der Kultur der ihn umgebenden Gesellschaft vorfindet5, erlernen. Die Erziehung ist es die diese Lernvorgänge herbeiführt und begünstigt. „ Soziales Handeln ist immer wechselseitiges Handeln, d.h. am Handeln anderer orientiert. “ 6 Eine Form sozialen Handelns ist die Erziehung. Das Wort ››Erziehung‹‹ ist auf das althochdeutsche Wort irziohan (herausziehen) zurückzuführen und bedeutet, „jemandes Geist und Charakter bilden und seine Entwicklung fördern“. Laut Dolch wird an das Wort ››ziehen‹‹ erinnert, welches so viel bedeutet wie „‘ auf etwas unter Anwendung von Kraft derart einwirken, da ß es von einer Lage oder Befindlichkeit in eine dem Einwirkenden irgendwie n äher seiende andere, bessere oder richtiger, erwünschter erscheinende gebracht wird. ‘“ 7 Es ist das älteste Wort und eine zentrale Kategorie der Pädagogik. Kulturelles Wissen und kulturelle Fähigkeiten sind nicht genetisch bedingt, sondern werden einem durch Erziehung vermittelt, was auf die Notwendigkeit der Erziehung verweist. 8 Der Begriff der Erziehung wurde schon von vielen Wissenschaftlern, Theoretikern und Philosophen definiert. Doch bis heute ist es keinem gelungen, eine genaue und einheitliche Definition zu formulieren. Im Folgenden werden vier verschiedene Definitionen von Erziehung aufgeführt:

1. Wilhelm Dilthey: „ Erziehung … besteht nur in der Abstraktion für sich. Diese Abstraktion ist freilich unvermeidlich für ihre Theorie “ 9
2. Hermann Giese> ü ber Menschen, in der Regel bestimmter Erwachsener (Eltern, Lehrer)über bestimmte Kinder und Jugendliche. Dieses Gewaltverh ältnis rechtfertigt sich zun ächst einmal durch die Notwendigkeit der Fürsorge. Solange das Kind nicht selbstst ändig handeln und sein Leben nicht selbst verantworten kann - und in dem Ma ß e, wie es dies nicht kann - muss jemand an seiner Stelle handeln und es zur Not auch zwingen, dem zu folgen ” 10
3. Emile Durkheim: „ Erziehung ist die Einwirkung, welche die Erwachsenengeneration auf jene ausübt, die für das soziale Leben noch nicht reif sind. Ihr Ziel ist es im Kinde gewisse physische, intellektuelle und sittliche Zust ände zu schaffen und zu entwickeln, die sowohl die politische Gesellschaft in ihrer Einheit als auch das spezielle Milieu, zu dem es bestimmt ist, von ihm verlangen ” 11
4. Immanuel Kant: „ Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht. “ 12

Wenn man im Duden nachschlägt, steht dort die Definition: „ Erziehung ist die planm äß ige T ätigkeit zur körperlichen, geistigen und sittlichen Formung junger Menschen, i. w. S. die Gesamtheit aller Bestrebungen, Vorg änge, T ätigkeiten usw., die den Erziehungsvorgang absichtlich oder unabsichtlich beeinflussen. “ 13 Durch die oben genannten Definitionen wird deutlich, dass der Begriff der Erziehung sehr vielschichtig und durch viele verschiedene Faktoren geprägt ist. Durch die verschiedenen Ansätze und Erklärungsversuche wird es problematisch, eine eindeutige und einheitliche Definition zu finden. Im Allgemeinen lässt sich über die Erziehung sagen, dass der Grundgedanke darin besteht, dass Menschen sich in ihrer Entwicklung gegenseitig beeinflussen. Der Erwachsene versucht den Heranwachsenden zur Selbstständigkeit, zu erwünschten Verhaltensmustern und somit zur Sicherung der Kultur und des Fortbestandes der Gesellschaft zu erziehen. Der Educand (Gerundiv vom lateinischen educandus = der Zu- Erziehende; einer, der erzogen werden soll)14 soll sich in seiner Lebenswelt zurechtfinden können. Dabei soll aber die selbstständige Entfaltung der Persönlichkeit nicht außer Acht gelassen werden.

II. Zum Begriff der Macht

Der Begriff Macht hat keine eindeutige Definition. Viele Wissenschaftler haben eine Definition verfasst, welche aber nicht verifiziert wurden. Sie haben den Status einer Annäherung inne.15 Macht im alltäglichen Sprachgebrauch bedeutet laut dem Duden:

1. Gesamtheit der Mittel und Kr äfte, die jemandem oder einer Sache andern gegenüber zur Verfügung stehen; Einfluss.
2. etwas, was eine besondere bzw. geheimnisvolle Kraft darstellt, besitzt.
3. mit dem Besitz einer politischen, gesellschaftlichen,öffentlichen Stellung und Funktion verbundene Befugnis, Möglichkeit oder Freiheit,über Menschen und Verh ältnisse zu bestimmen, Herrschaft auszuüben.16

Die in der Soziologie bekannteste Definition stammt von Max Weber und lautet wie folgt: „ Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. “ 17 Die Macht hat einen Besitzer - ein Mensch, der Macht über andere Menschen besitzt. Sie ist erkennbar und kann jemandem zugeschrieben werden, dabei bezieht sie sich auf bestimmte Objekte, ein Widerstand ist möglich. Macht kann auf das Wort machen zurückgeführt werden. Jemand, der etwas machen kann bzw. könnte, besitzt Macht. Das Gegenteil von Macht ist die Ohnmacht, wenn jemand etwas nicht machen kann bzw. nicht gegen die Macht eines anderen ankommt. Daraus lässt sich schließen, dass jemand mächtig handeln könnte. Den Rahmen der pädagogischen Macht stellt die Erziehung dar. Die Akteure sind der Erzieher und der Educandus.18

Der Begriff Macht hat durch historische Ereignisse und antiautoritäre Strömungen eine eher negative Bedeutung bekommen. Gleichgesetzt wird der Begriff hauptsächlich mit politischer oder militärischer Macht. Daher scheint sich das Begriffspaar p ädagogische Macht zu widersprechen. Pädagogik verknüpft man mit den Begriffen erziehen, fördern und beibringen. Während Macht mit Begriffen wie unterdrücken und befehlen assoziiert wird. Diese Kombination verleiht Macht etwas Positives.19

III. Zum Begriff der Autorität

Der Begriff Autorität ist ethymologisch zu betrachten. Er tauchte erstmals im antiken Rom auf, mit der Bedeutung: auctoritas und kommt von auctor (lat. Schöpfer, Stifter, Urheber).20 Im antiken Rom war der Begriff auctoritas ein politischer Zentralbegriff. Die Senatoren waren damals die auctores (lat. Urheber, Schöpfer), sie hatten also die Eigenschaft auctoritas. Aber warum? Der Senat hatte keine militärische und zivile Befehlsgewalt, wie der Magistrat, dafür aber ein verbindliches Beratungsrecht aufgrund ihres persönlichen Ansehens. Das Amt des Senators war das Ehrenamt. Bis zu dem Zeitalter von Kaiser Augustus war auctoritas ein eigenständiger Begriff, er war nicht vererbbar, wie z.B. der Begriff Senator. Seit dem Zeitalter von Kaiser Augustus (63 v.Chr - 14 n.Chr.) erhielt jeder Kaiser einen Ehrentitel. Der Begriff potestas (lat. Macht, Gewalt, Vollmacht) verschmolz mit dem Begriff auctoritas. Somit wurde die Autorität/ das Ansehen an das Amt gebunden.

Die pädagogische Autorität hat sich mit dem Wandel der Zeit verändert. Bis in das 19. Jahrhundert wurde die Rute eingesetzt, um beim Zögling Gehorsam zu erlangen. Kinder sollen ihren Eltern Ehre und Dienst schuldig und gottesfürchtig sein. Bei Fehlverhalten sollen sie gezüchtigt werden. Erst in der Aufklärung im 18./19. Jahrhundert kam der entscheidende Wandel der traditionellen Erziehungsvorstellungen: Kinder sollen eine ihrer Vernunft und Natur angepasste Erziehung erhalten. Autorit ät solle dazu dienen, den Zögling in eine „ klug geregelte Freiheit “ zu führen.21 Im 19. Jahrhundert wurde die Kindheit als spezifische Erziehungsetappe anerkannt. 1960 gab es mehrfache antiautoritäre Bewegungen, z.B. Studentenbewegungen oder die Neue Frankfurter Schule. Sie wandten sich gegen jede Art von Autorität. So kam es zu einer Autoritätskrise.22 Autoritätsverhältnisse sind also dynamisch, sie sind historische und gesellschaftliche Phänomene. Sie unterliegen zusammen mit sozialen und geschichtlichen Veränderungen einem Wandel.23

Im Brockhaus findet man die Aussage, Autorität sei ,, in der Soziologie die soziale Relation, in der Personen und Institutionen innerhalb bestimmter Gruppenordnungen eine Führungs- oder Vorbildrolleübernehmen".24 Auf der Seite des Oxforddictionaries steht hingegen die Definition: Autorität ist, “the power or right to give orders, make decisions, and enforce obedience “.25 Übersetzt heißt das, Autorität ist die Macht bzw. das Recht, um Befehle zu erteilen, Entscheidungen zu treffen, und Gehorsam zu erzwingen. Mit „to enforce“ verbinden wir eine Gewaltanwendung. Wenn man die beiden Definitionen vergleicht, wird deutlich, dass Autorität nicht nur ein Führungs- und Folgeverhältnis sein kann, sondern es noch weitere mögliche Beziehungen gibt. Autoritäre Verhältnisse sind solche, in denen ehrverletzende Befehle gegeben werden. Merkmale eines solchen Verhältnisses sind Macht und Gewalt, wie es in der oben genannten Definition des Oxforddicationaries steht, die einen Gehorsam aufgrund von Gewaltanwendung beschreibt. Dies beschreibt inakzeptable Befehle der Autoritätsperson. Ein solches Verhältnis sollte z.B. zwischen Lehrer und Schüler nicht aufkommen. Ein autoritäres Verhalten wäre unangebracht, wobei hier die Frage aufkommt, ob es überhaupt jemals angebracht ist Gewalt anzuwenden, um Gehorsam zu erlangen. Eine Lehrperson sollte Autorität haben, aber nicht autoritär sein.

C. Wie entsteht Autorität?

Die folgende Analyse beruht auf der Arbeit von Alfred Schäfer und Christiane Thompson. Alfred Schäfer ist Professor für Systematische Erziehungswissenschaft an der Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Bildungsphilosophie, Konstitutionsprobleme von Erziehungstheorien und Bildungsethnologie.

Christiane Thompson ist eine Privatdozentin im Arbeitsbereich „Systematische Erziehungswissenschaft“, auch an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind die Bildungs- und Erziehungsphilosophie, kulturwissenschaftliche Bildungsforschung sowie pädagogische Phänomene aus machtanalytischer Sicht.26

I. Formen der Autorität

Wenn man von einer Autoritätsperson spricht, denken viele direkt an eine mächtige Person oder einen tyrannischen Herrscher. Doch man muss davon abgrenzen, was eine Autoritätsperson überhaupt ausmacht. Nach Sennett machen folgende Eigenschaften eine Autorität aus: „ Selbstsicherheit,überlegenes Urteilsvermögen, die F ähigkeit, andere zu Disziplin anzuhalten “.27 Alles Eigenschaften, die keine Macht voraussetzen. Eine Autoritätsperson muss also selbstsicher sein, d.h. in seinem Auftreten überzeugend und selbstbeherrscht sein. Ein überlegenes Urteilsvermögen ist wichtig, um z.B. die Ansichten einer ganzen Gruppe, die völlig falsch sind, zu ändern und zu verbessern. Disziplin ist zur Erreichung eines bestimmten Zieles ausschlaggebend. Aber auch das Besitzen einer bestimmten Stärke und diese so einzusetzen, dass es anderen Menschen hilft weiter zu kommen und deren Ziele anders oder sogar höher zu setzen, macht eine Autoritätsperson aus.28

Thompson und Schäfer unterscheiden in ihrem Werk „Autorität - eine Einführung“ zwischen drei verschiedenen Autoritätsbegriffen. Zum einen nennen sie die „ Sachautorit ät29. Personen mit dieser Autorität erlangen diese durch ihre fachliche Ausbildung und den eigenen praktischen Erfahrungen. Ein Arzt, zum Beispiel, besitzt mehr Wissen als die Mutter, die ihr krankes Kind ins Krankenhaus bringt. Zum anderen wird auch die „ Amtsautorit ät30 genannt. Diese ist mit der Ausübung eines bestimmten Amtes verknüpft. Der Sachbearbeiter des BAföG Amtes besitzt eine gewisse Autorität im Gegensatz zum Antragausfüller. Als letztes wird die „ charismatische Autorit ät31 genannt, die auf persönliche Überzeugungskraft beruht. In einem Freundeskreis zum Beispiel, wenn es um die Abendplanung geht und jeder einen anderen Vorschlag bringt, aber nur einer durch seine Überzeugungskraft alle umstimmen kann. Hier wird deutlich, dass Autorität eine Überlegenheit zugeschrieben wird.32 Einer Person mit dieser Eigenschaft, kann diese aber auch wieder abgesprochen werden, zum Beispiel einem Dozenten, der einen völlig falschen Inhalt vermittelt. Oder aber auch dem Sachbearbeiter beim BAföG Amt, der aus Versehen die Formulare der Studenten vertauscht und somit bewirkt, dass diese neu ausgefüllt werden müssen.

II. Autorität und Macht

Obwohl die Begriffe Autorität und Macht zwei unterschiedliche Definitionen besitzen, sind sie gar nicht so verschieden. Denn die Autorität kann man als eine anerkannte und geachtete Macht betrachten.33 Doch nicht alle Macht wird als Autorität angesehen und akzeptiert.34 Autorität ist nicht nur ein Verhältnis zwischen Erziehungsperson und Zögling, denn das Leben wird nicht ohne jegliche Beeinflussung bewältigt. Max Weber spricht in diesem Fall vom „sozialen Handeln“. Seine Definition von Soziologie lautet:

Soziologie soll hei ß en, eine Wissenschaft, welches soziales Handeln deutend verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen urs ächlich kl ären will. ‚ Handeln ’ soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äu ß eres oder innerliches Tun, Unterlassen oder Dulden) hei ß en, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. ‚ Soziales ’ Handeln aber soll ein solches Handeln hei ß en, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn auf das Verhalten anderer (bezogen) und daran in seinem Ablauf orientiert ist. “ 35

Weber versteht unter sozialem Handeln also, dass diesem ein Sinn zugesprochen wird und die Akteure sich an diesem Sinn orientieren. Jede soziale Situation und jedes soziale Handeln hat bestimmte Norm- und Wertvorstellungen, an die sich die Akteure halten. In einer Freundschaft zum Beispiel, orientiert sich das soziale Handeln an übergeordneten, legitimierten Norm- und Wertvorstellungen.36

Max Weber untersucht in seinem Werk asymmetrische Handlungsformen. Hier ist der Begriff Herrschaft wichtig. „ Herrschaft soll hei ß en die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden “.37 Soziale Beziehungen dieser Art sind in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens anzutreffen. Einer gibt vor, „was zu tun ist“, und andere führen diesen Auftrag aus. Doch wie kommt es dazu, dass eine Autorität Gehorsam erlangt? Weber bezieht sich dabei auf die Legitimität von Herrschaft und unterscheidet drei „reine“ Typen legitimer Herrschaft.38 Der Unterschied zwischen diesen Typen liegt in der Art und Weise, wie sie ihren Anspruch auf Herrschaft erlangen und sichern können. Herrschaftsverhältnisse können ganz unterschiedliche Gründe haben. Man könnte jemandem aus Verbundenheit gehorchen; weil man sich einen bestimmten Vorteil erhofft oder aber auch, weil einen die befehlende Person einschüchtert. Daraus bildet sich nach Weber aber keine stabile Basis für die Autorität.

Um eine solche Stabilität zu erlangen, muss die Herrschaft in den Augen der Gehorchenden gerechtfertigt und legitim sein. Weber unterscheidet hier, wie oben schon genannt, zwischen drei „reinen“ Typen der Herrschaft mit der Grundlage der rationalen, traditionalen und charismatischen Legitimitätsgeltung. Die Legitimitätsgeltung der Herrschaft ist

1. rationalen Charakters, sofern sie auf dem Glauben an die Legalität gesatzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen ruhen.39 Dies ist die legale Herrschaft. Der reinste Typus ist die bürokratische Herrschaft. Der Befehlende ist hier der Vorgesetzte. Seine Herrschaft ist durch gesatzte Regeln legitimiert. Die Gehorchenden sind z.B. Bürger, Genossen.40 Ein Beispiel hierfür ist die Akzeptanz die den Anweisungen eines Prüfers in der Universität entgegengebracht wird, der auf der Grundlage von Prüfungsordnungen tätig ist.
2. traditionalen Charakters, sofern sie auf dem Alltagsglauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und die Legitimität der durch sie zur Autorität Berufenen ruhen.41 Dies ist die traditionale Herrschaft. Der Typus des Befehlenden ist der Herr, die Gehorchenden sind die Untertanen.42
3. charismatischen Charakters, sofern sie auf der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten oder geschaffenen Ordnungen.43 Dies ist die charismatische Herrschaft. Der Typus des Befehlenden ist der Führer, der Typus des Gehrochenden ist der Jünger.44 Hier ist ein Vertrauen gegenüber einer Person gemeint, richtige Entscheidungen für das eigene Leben oder für eine soziale Gruppe gemeint.45

Weber hat die Herrschaft systematisiert, weil er den Glauben an die Autorität zum Ausgangspunkt nimmt. Die Autorität wird aber weiterhin geprüft. Ihre Legitimität muss immer wieder aufs Neue hergestellt werden. Aber wieso?

[...]


1 https://www.aphorismen.de/suche?f_thema=Autorit%C3%A4t Franz Grillparzer, 10.12.16

2 Vgl. Thompson, 2009, S. 17

3 Giesecke, 1997, S.21

4 Erich Weber, 1996, S.17

5 Erich Weber, 1996, S.17

6 Giesecke, 1997, S.21

7 Dolch, 1961, S.49

8 Vgl. Bernhard, 2014, S.21

9 Zitat in Brezinka, 1981, S. 34

10 Giesecke, 1994, S.70

11 Durkheim, 1972, Erziehung und Soziologie, S.57

12 Kant, 1983, S. 699

13 Bertelsmann, 1957, S.481

14 Vgl. Brezinka, 1981, S.12

15 http://d-nb.info/973453044/34, 06.12.16

16 Duden

17 Max Weber, 1972, S.28

18 Vgl. Dirk Mertins, 2003, S.2

19 Vgl. Dirk Mertins, 2003, S.2

20 Vgl. Sennett, 1985, S.23

21 Rousseau

22 Vgl. Erich Weber, 1974, S.10

23 Vgl. Erich Weber, 1974, S 13

24 Brockhaus, S.155

25 https://en.oxforddictionaries.com/definition/authority, 13.12.16

26 Vgl. Schäfer/Thompson, 2009, S.144

27 Sennet, 1985, S.22

28 Vgl. Sennett, 1985, S.21

29 Schäfer/Thompson, 2009, S.8

30 Schäfer/Thompson, 2009, S.8

31 Schäfer/Thompson, 2009, S.8

32 Vgl. Schäfer/Thompson, 2009, S.8

33 Vgl. Schäfer/Thompson, 2009, S.38

34 Vgl. Schäfer/Thompson, 2009, S.38f

35 Weber, 1968

36 Schäfer/Thompson, 2009, S.17

37 Weber, 1968

38 Vgl. Schäfer/Thompson, 2009, S.17

39 Vgl. Winckelmann, 1952, S.32

40 Vgl Winckelmann, 1952, S.106

41 Vgl. Winckelmann, 1952, S.33

42 Vgl. Winckelmann, 1952, S.109

43 Vgl. Winckelmann, 1952, S.33

44 Vgl. Winckelmann, 1952, S.113

45 Vgl. Schäfer/Thompson, 2009, S.19

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668425637
ISBN (Buch)
9783668425644
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356787
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Pädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Macht Erziehung Autorität

Autor

Zurück

Titel: Macht in der Erziehung. Der Grund der Autorität