Lade Inhalt...

Wie ist der Bildungsbegriff nach Hans Georg Gadamer und Peter Bieri im hermeneutischen Sinne zu verstehen?

von Irina Bensom (Autor)

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Methode der Hermeneutik

3. Das Hermeneutische Modell
3.1. nach Hans Georg Gadamer - Das Verstehen der Welt
3.2. nach Peter Bieri - Das Verstehen des Selbst

4. DerBegriff derBildung
4.1. Historische Entwicklung
4.2. Moderne Vorstellung

5. Differenzierung desBildungsbegriffesim hermeneutischen Sinne

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Vorstellung von Bildung hat sich in seiner Bedeutung und Funktion im Laufe der historischen und kulturellen Entwicklung standig neu gewandelt, indem durch Zuhil- fenahme von methodischen Forschungsmethoden innerhalb der geisteswissen- schaftlichen Padagogik, wie der Hermeneutik, Phanomenologie und der Dialektik systematisch unterschiedliche wissenschaftliche Reflexionsansatze entstanden sind. Dabei geht es darum festzustellen, wie Sinnhaftes interpretiert (Hermeneutik), in sei- nem Wesentlichen beschrieben (Phanomenologie) und in seinen Widerspruchen re- flektiert (Dialektik) werden kann.

Ziel und Absicht dieser Analyse ist die hermeneutische Betrachtung des Bildungsbe- griffes, insbesondere aus der Perspektive von Hans Georg Gadamer in Gegenuber- stellung zu Peter Bieri. Zuerst wird die Methode der geisteswissenschaftlichen Pada¬gogik, die Hermeneutik prinzipiell betrachtet, anhand der hermeneutischen Modelle von Hans Georg Gadamer und Peter Bieri veranschaulicht und anschlieRend auf den Begriff der Bildung angewendet, welcher zuvor in seiner historischen Entwicklung und wandelndem Verstandnis dargestellt wurde.

2. Die Methode der Hermeneutik

Die Hermeneutik, eine Methode geisteswissenschaftlicher Padagogik ist als eine Kunst der Auslegung zu verstehen. Der Sachverhalt des Verstehens als Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion, ist Inhalt der Hermeneutik. Es handelt sich um die Un- tersuchung und Strukturierung des Verstehensvorgangs, in dem standigen Versuch neue hermeneutische Regeln aufzustellen. Das Wort Hermeneutik kommt ursprung- lich aus dem Griechischen, dessen abgeleitetes Verb hermeneuein (lateinisch: inter- pretare) drei unterschiedliche Bedeutungen zu kommen, wie aussagen, auslegen und ubersetzen. Ihre grundsatzliche Bedeutung beruht darauf, dass etwas zu Ver¬stehen gebracht werden soll, um dieses Verstehen zu vermitteln. Der Sachverhalt, welcher ausgedruckt wird, fuhrt zu einer Aussage, die andere verstehen sollten. Das verschriftlichte oder mundlich Ausgesagte wird vom Zuhorer oder Leser gedeutet bzw. ausgelegt und findet insbesondere in der Auslegung von fremdsprachlichen Texten Anwendung. Der Gegenstandsbereich der hermeneutischen Auslegung be- zieht sich primar auf die Textinterpretation. Andererseits werden jegliche Zusammen- treffen von Menschen untereinander und mogliche LebensauRerungen unter einem hermeneutischen Vorgang des Verstehens subsumiert. Mit Schleiermachers Definiti¬on der Hermeneutik als ,,Kunstlehre des Verstehens" beginnt erst eine umfassende Verstehenstheorie, welche sich nicht nur auf die Auslegung von Texten beschrankt, unter Einbeziehung des Problems der Sprache im Allgemeinen und des Denkens als der individuellen Komponente. Zentrale hermeneutische Stromungen, die sich im historischen Verlauf entwickelt haben, sind die philologisch-historische Hermeneutik, welche sich speziell mit Textinterpretationen befassen, die theologische Hermeneutik bezogen auf das alte und neue Testament der Bibel und die juristische Hermeneutik, deren zentrale Kernfrage die Auslegung und Anwendung von vorgegebenen Geset- zestexten in Betrachtung konkreter Einzelfalle ist.

Der Prozess des Verstehens kann unmittelbar durch unerwartete Mimiken und Ges- ten gestort werden oder das Gesagte des Gegenubers ist nicht nachvollziehbar. Dann erweist sich das menschliche Grundbedurfnis uber den sich ereigneten Vor¬gang bewusst zu reflektieren. Der Begriff des Verstehens unterscheidet sich im Ge- gensatz zum Begriff des Erklarens darin, dass die Sachen und Vorgange unter- schiedliche Bedeutungen haben konnen. Eine Geste wird erst dann zu einer Geste, durch das, was sie bedeutet. ,,Das Verstehen ist das Erkennen von etwas als etwas Menschliches und gleichzeitig das Erfassen seiner Bedeutung. Das Erklaren dage- gen ist das Herleiten von Tatsachen aus Ursachen, das Ableiten einer Gegebenheit von einem Prinzip." Falls es sich nicht um kausale Ursachen handelt, wird von Grunden gesprochen, die einen freien Raum bieten. Das Erklaren von menschlichen Gegebenheiten ist immer mit Verstehensvorgangen verknupft, jedoch ist mit dem Wort ,,Erklaren" nicht gleichzeitig ,,Erlautern" gemeint. Auslegung und Interpretation als hermeneutischer Prozess sind im theatralen Geschehen wesentliche Aspekte der Theaterauffuhrung und des Zuschauers. Das Sinnverstehen der Hermeneutik ist vom psychologischen Verstehen im Sinne des Einfuhlens zu differenzieren, sowie ein Un- terschied im elementaren und hoheren Verstehen zu betrachten ist. Das elementare Verstehen meint eine Auseinandersetzung mit einfachen geistigen Gegebenheiten. Das hohere Verstehen bezeichnet als zentrale Aufgabe der Hermeneutik das Erfas¬sen allgemeiner menschlicher Beziehungsverhaltnisse. Nach der Betrachtung der formalen Struktur des ,,Verstehens" ist es von Bedeutung, herauszufinden, wie es prinzipiell moglich ist, dass der Gesprachspartner das Gesagte versteht. Das Ver- standnis der Sachlage beruht auf einem gemeinsamen kulturellen und historischen Vorverstandnis des Inhalts der Sache der beteiligten Gesprachspartner. Die Verbind- lichkeit des hermeneutischen Verstehens wird nicht einerseits durch willkurliche Be- liebigkeit der vermeidbaren Subjektivitat auf psychologischer Ebene gesehen, son- dern andererseits als Wissenschaftsideal durch die Zuganglichkeit jeglicher Aussage Allgemeingultigkeit hervorzurufen. Hermeneutisches Verstehen beginnt ab dem Zeitpunkt, wenn der elementare Verstehensakt, welcher unmittelbar einleuchtend ist, in den hoheren Verstehensprozess ubergeht. Wenn Sachverhalte, nicht sofort erfasst werden konnen und wiederkehrende neue Fragen auftauchen, die zu beantworten sind. Eine Vorstellung von dem Sachverhalt ist Voraussetzung fur den hermeneuti¬schen Verstehensvorgang zur Erweiterung und Vertiefung des Vorverstandnisses. Es handelt sich nicht um eine geschlossene Kreisbewegung, sondern um eine Spirale, die als einen hermeneutischen Zirkel angesehen wird und nicht nur auf Textinterpre- tationen anzuwenden ist, sondern auch im Theorie-Praxis-Verhaltnis Anwendung findet. Hermeneutische Regeln dienen als Hilfsmittel der Interpretation, welche auf der hermeneutischen Theorie basieren und daraufhin deuten, dass es nicht darum geht, den Sachverhalt besser, sondern facettenreich zu verstehen.

3. Das Hermeneutische Modell

Hermeneutik wird als ein Bemuhen genannt, ,,Texte, deren Urheber und ihr histori- sches Umfeld zu verstehen. Als eine wissenschaftliche Methode soll sie Fragen der genannten Art in einer methodisch reflektierten Weise beantworten." Das Herme¬neutische Verstehen ist ferner nur eingeschrankt eine Methode der Geisteswissen- schaften im Unterschied zum Erklaren von Tatsachen im Sinne einer logisch- empirischen Kausalanalyse, als Methode der Naturwissenschaften.

Die padagogische Hermeneutik wird als eine Methode aufgefasst, um den Vorgang des Verstehens zu ermoglichen. Ihr Gegenstand ist die padagogische Gegebenheit. Das Spezielle der padagogischen Hermeneutik liegt in dem Sinn von Erziehung und Bildung und ihrem gegenseitigen Verstandnis, dass sie sich von der allgemeinen und speziellen Hermeneutik differenziert. Der zentrale Aufgabenbereich der padagogi- schen Hermeneutik liegt in der Auseinandersetzung des Vorverstandnisses von prak- tischer und theoretischer Padagogik, namlich dem Sinn von Erziehung und Bildung. Jedoch zeigen sich Bedeutungen klarer, wenn die hermeneutische Padagogik im Sinne einer geisteswissenschaftlichen Padagogik und nicht als eine padagogische Hermeneutik betrachtet wird, da der Erkenntnisakt des „Verstehens“ nicht als alleini- ge Vorrausetzung der Auslegung ist.

Die Darstellung der beiden hermeneutischen Modelle nach Hans-Georg Gadamer und Peter Bieri versucht, die grundverschiedenen hermeneutischen Verstehensmog- lichkeiten des Selbst und der Welt gegenuberzustellen.

3.1. Hans Georg Gadamer - Das Verstehen derWelt

Hans Georg Gadamer hat sich an Heideggers konstituierten Weiterentwicklung der Hermeneutik als eine ,,Hermeneutik des Daseins“ orientiert, welche als eine geistes- wissenschaftliche Methodologie konzipiert ist, indem das Verstehen die Weise des Existierens charakterisiert und ein Grundzug menschlichen Daseinsverhalten zeigt. Die philosophische Hermeneutik wird durch Hans Georg Gadamer in seinem Werk ,,Wahrheit und Methode“ fortgefuhrt, indem das wirkungsgeschichtlich bedingte Ver- haltnis von Vorverstandnis und jeglichem Verstehen analysiert werden. Wissen- schaftliches Verstehen muss sich der hermeneutischen Situation bewusst werden, die ihren eigenen speziellen Horizont hat. Das Grundmodell aller Verstandigung ist der Dialog, das Gesprach. Ein Gesprach ist dann nicht moglich, falls einer der Part¬ner in einer uberlegenden Position sich befindet, ein vorurteilbelastetes Wissen be- sitzt, in denen der andere 'gefangen' ist oder sich nicht fur das Gesprach freilasst. Die Universalitat der Hermeneutik ist abhangig davon, wie weit der theoretische, transzendentale Charakter der Hermeneutik auf ihre Geltung innerhalb der Wissen- schaft beschrankt bleibt oder ob sie auch die Prinzipien des sensus communis auf- zeigt und folglich die Weise, wie aller Wissenschaftsgebrauch in das praktische Be- wusstsein integriert wird.5

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668433984
ISBN (Buch)
9783668433991
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358362
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
bildungsbegriff hans georg gadamer peter bieri sinne

Autor

  • Irina Bensom (Autor)

    2 Titel veröffentlicht

Teilen

Zurück

Titel: Wie ist der Bildungsbegriff nach Hans Georg Gadamer und Peter Bieri im hermeneutischen Sinne zu verstehen?