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Für oder gegen die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe. Aus theologischer, deontologischer und konsequentialistischer Sicht

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Gegenwärtige Rechtslage in Deutschland
II.1Passive Sterbehilfe
II.2.Aktive Sterbehilfe
II.3.Indirekte Sterbehilfe
II.4.Assistierter Suizid

III. Theologisches Argument für die Sterbehilfe – Hans Küng

IV. Deontologisches Argument gegen die Sterbehilfe – Immanuel Kant

V. Ein konsequentialistisches Argument für die Sterbehilfe - Peter Singer

VI. Fazit

VII . Literaturverzeichnis

I.Einleitung

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“. So heißt es im Grundgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschlands. Oft gerät aus dem Blickfeld, dass dieser Grundsatz auch für Schwerkranke und sterbende Menschen gilt. Die Achtung ihrer Würde und ihr Selbstbestimmungsrecht als Grundlage jeglicher Versorgung, Begleitung und Unterstützung sind zurzeit oft nicht gegeben. Durch die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden führte dies in Deutschland zur Auseinandersetzung dieser Problematik. Nicht nur in Deutschland sondern weltweit wird das Thema um die Sterbehilfe diskutiert. In den Auseinandersetzungen ging es hauptsächlich um die Frage, was die Menschenwürde in Fällen einer unheilbaren Krankheit und auch im Sterbeprozess bedeutet.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, anhand verschiedener Stellungnahmen zum Thema der Sterbehilfe auf theologische, deontologische und konsequentialistische Aspekte ein zu gehen und die Argumentationsstrukturen zu analysieren. Für ein theologisches Argument für die Sterbehilfe kam der Theologe Hans Küng in Frage, der sich zum Problem der Tötung auf Verlangen und über einen Anspruch auf ein Selbstbestimmungsrecht über Leben und Tod äußert. Da Immanuel Kant als berühmtester Vertreter der Deontologie gilt, ist es passend, ein deontologisches Argument für die Sterbehilfe aus seiner Sicht zu betrachten. Für ein konsequentialistisches Argument für die Sterbehilfe werde ich die Stellungnahme von Peter Singer darstellen. Um dieses Ziel übergreifend zu bearbeiten, ist es von Bedeutung, mit der Gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland zu beginnen.

In Deutschland sind viele Arten der Sterbehilfe nicht erlaubt. Doch kommt es immer wieder dazu, dass in manchen Fällen die verbotene Sterbehilfe angewendet wird. In dieser Arbeit werde ich zunächst die aktive-, passive- und indirekte Sterbehilfe kurz definieren und zum assistierten Suizid übergehen.

Aufgrund persönlicher Erfahrungen im Bereich der Betreuung mit sterbenden Menschen habe ich mich dazu entschieden, mich mit der Problematik der Sterbehilfe mit der Frage „Wäre die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Deutschland vernünftig?“ zu beschäftigen. Mit dieser Arbeit möchte ich durch verschieden vertretenen Positionen eine Abwägung für oder gegen die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe für den Leser veranschaulichen.

II.Gegenwärtige Rechtslage in Deutschland / Formen der Sterbehilfe

In Deutschland unterscheidet man zwischen vier Arten der Sterbehilfe. Diese sind zum einen die aktive, passive und indirekte Sterbehilfe, zum anderen bezeichnet man auch die Beihilfe zum Selbstmord als Sterbehilfe.

II.1 Passive Sterbehilfe

Unter der passiven Sterbehilfe wir der Verzicht auf medizinische Maßnahmen oder auf den Abbruch der Therapie bei einem kranken Patienten verstanden. Diese Form der Sterbehilfe wird in Krankenhäusern durch Ärzte praktiziert und ist unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafbar. Als Voraussetzungen gelten, dass das Grundleiden nach ärztlicher Überzeugung irreversibel ist, einen tödlichen Verlauf schon angenommen hat, in Kürze der Tod eintreten wird[1] und ebenso, dass es der tatsächlichen Willen des Patienten entspricht. Der Begriff der passiven Sterbehilfe ist nicht von der Art der Handlung abhängig und ebenso auch nicht davon, ob etwas aktiv oder passiv unterlassen wird[2]. Zur Kategorie der passiven Sterbehilfe gehört einerseits das passive Unterlassen (Therapieverzicht) und andererseits auch das aktive Tun (Therapieabbruch). Also ist hier die Unterscheidung zwischen tun und Unterlassen nicht von Bedeutung. Das Handeln hängt von bestimmten Kriterien ab, worauf man auf die passive oder aktive Sterbehilfe zurückweisen kann.

Die passive Sterbehilfe wird durch die Intention definiert das Sterben zuzulassen. Sobald der Arzt die Absicht hat das Sterben nicht mehr zu verhindern, beginnt die passive Sterbehilfe. Durch das Intentionskriterium wird deutlich, dass nicht das Handeln alleine den Begriff der passiven Sterbehilfe bestimmt, sondern erst das bestimmende Motiv des Handelns. Zur besseren Veranschaulichung kann man sagen, dass der Tod des Patienten nicht beabsichtigt wird, sondern ihn trotzdem zulässt. Als weiteres Kriterium kommt die Kausalität hinzu. Hier spielen der notwendige Grund und der hinreichende Grund für das Sterben des Patienten eine Rolle. Auch die zugrunde liegende Grundhaltung zum Sterben stellt ein weiteres Kriterium dar. Die passive Sterbehilfe ist also nicht allein eine Handlung, sondern eine Haltung, die von einer bestimmten Vorstellung des Todes geprägt ist. Die passive Sterbehilfe unterscheidet sich genau in diesem Aspekt von den weiteren Arten der Sterbehilfe, da der Tod als etwas betrachtet wird, was nur wartend angenommen und zugelassen werden kann.

II.2 Aktive Sterbehilfe ( Tötung auf Verlangen):

Unter der aktiven Sterbehilfe ist das bewusste Herbeiführen einer gezielten Tötung auf Wunsch des Patienten zu verstehen. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten und darf durch keinen Arzt ausgeführt werden. Genauso wie bei der passiven Sterbehilfe, spielt auch bei der aktiven Sterbehilfe das Kriterium der Intention die wichtigste Rolle. Bei der aktiven Sterbehilfe wird der Tod nicht nur zugelassen, wie bei der passiven Sterbehilfe, sondern wird ebenso bewusst herbeigeführt. Beide Formen der Sterbehilfen unterscheiden sich in der Deskriptiven Ebene, Intentionalen Ebene und der Normativen Ebene[3]. Der Patient stirbt nicht durch eine Grundkrankheit, sondern durch die aktive Sterbehilfe. Das heißt, dass auf der deskriptiven Ebene etwas getan wird und auf der normativen Ebene der Tod die eigene Wahl ist. Bei der Gegenüberstellung der aktiven und passiven Sterbehilfe zeigt sich, dass es nicht um die Handlungen geht, sondern um die Intentionen und Grundhaltungen der Handlung. Die Relevanz dieser Unterscheidung lässt sich auch bei der dritten Form der Sterbehilfe – der indirekten Sterbehilfe- deutlich zeigen.

II.3 Indirekte Sterbehilfen

Unter der indirekten Sterbehilfe besteht die Handlung darin, dass der Arzt im Endstadium einer tödlichen Krankheit ein schmerzstillendes Mittel verabreichen darf. In dieser Form der Sterbehilfe steht die Schmerzlinderung im Vordergrund. Jedoch kann durch die schmerzlindernde Maßnahme, nach der Medikamenteneinnahme, auch der frühzeitige Tod als Folge auftauchen. Für ein leichteres Verständnis ist das Beispiel an einem krebskranken Patienten sehr hilfreich. Im Endstadium wird das Schmerzmittel Morphium verabreicht, um die letzten Tage schmerzfrei zu überwinden. Diese Form der Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt, da das den Wünschen fast jeden Patienten entsprechen, einen schmerzfreien und würdevollen Tod zu erleben, als ein schmerzvolles und nur geringfügig verlängertes Leben zu führen. In Bezug auf das Kriterium der Kausalität ist es in diesem Fall nicht ganz einleuchtend, da die Schmerzbehandlung nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung sei. Es ist möglich, dass ohne die Einnahme der Medikamente der Patient weiterleben könnte, jedoch mit der Einnahme verstirbt. Daher setzten sich einige dafür ein, dass die indirekte Sterbehilfe auch als „indirekte aktive Sterbehilfe“ gelten kann[4]. Jedoch unterscheiden sich die zwei Formen der Sterbehilfe nicht nur in der Intention, sondern auch in der Grundhaltung zum Tod. Die indirekte Sterbehilfe hat die Ansicht, dass der frühere Tod in Kauf genommen werden soll, um dem Patienten seine Schmerzen- und Leidenszustand zu verringern. Diese Denk- und Handlungsweise haben auch die Ärzte, da sie bedeutsame Nebenwirkungen hinnehmen, wenn ihnen keine andere Therapie übrig bleibt.

II.4 Assistierter Suizid – Beihilfe zur Selbsttötung

Unter der Beihilfe zum Suizid wird verstanden, dass ein Arzt die Selbsttötung ermöglicht, in dem er dem Patienten eine tödliche Substanz zur Verfügung stellt. Die Entscheidung zum Vollzug der Tötung bleibt allein bei dem Patienten selbst. Diese Form der Sterbehilfe ist nur solange nicht strafbar, wenn der assistierende nach dem Leisten der Sterbehilfe wieder versucht, den Patienten zu retten. Tut er das nicht, kann er wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt werden, da die Rechtsprechung den assistierten Suizid als Unglücksfall definiert. Das Ärztliche Standesrecht verbietet Ärzten in Deutschland den assistierten Suizid[5].

III . Theologisches Argument für die Sterbehilfe – Hans Küng

Der deutsche Theologe Hans Küng äußerte sich zum Problem der Tötung auf Verlangen und erhebt Anspruch auf ein Selbstbestimmungsrecht über Leben und Tod, dass er als von Gott gegebene Freiheit versteht. „Das Leben ist nach Gottes Willen zugleich auch des Menschen Aufgabe und so in unsere eigene (nicht fremde!) verantwortliche Verfügung gestellt: eine Autonomie die in Theonomie gründet.“[6] Dies soll jedoch nicht heißen, dass der Mensch über sein Leben beliebig bestimmen darf. Das Recht zur Selbstbestimmung muss vielmehr in Verantwortung vor Gott und Menschen nach bestem Wissen und Gewissen wahrgenommen werden.[7] Christen können sich nicht nur an Verboten und Sanktionen orientieren, sondern müssen ihr Leben vom Anfang bis zum Ende verantwortungsvoll gestalten.[8]

Dort wo die Menschen selbst die Verantwortung übernehmen können, dürfte Gott nicht verantwortlich gemacht werden.[9] In der Argumentation von Hans Küng erkennt man, wie er sich wehrt, den natürlichen Tod, der von Gott aus kommt, als von Gott gewollt aufzufassen. Die Menschen greifen immer wieder in den natürlichen Prozess des Sterbens und des Lebens ein, ohne eine Verletzung der Rechte des Schöpfers zu sehen.[10] Der Hinweis auf die „Oberherrschaft Gottes und seine […] liebende Vorsehung“[11] erscheint nach unerträglichen Leidens unglaubwürdig. In der Nachahmung Christi sollte die Theologie die Aufgabe besitzen, das Leiden zu verringern. Ebenso erwähnt Hans Küng, dass sich nirgendwo in der Bibel ein ausdrückliches Argument gegen den Suizid befinde. Sollte dem Leidenden von außen der Lebenszwang vorgeschrieben werden, wäre dies eine Zudringlichkeit.[12] Die Autonomie ist für Küng ein zusammenhängender Bestandteil für das menschenwürdige Sterben. In dem komme „nicht […] Misstrauen oder Überheblichkeit gegenüber Gott“ zur Bezeichnung, sondern eher ein „unerschütterliches Vertrauen in Gott, […] dessen Gnade ewig währt.“[13] Eine veränderte menschenwürdige Einstellung zum Sterben lasse sich vor dem Hintergrund des christlichen Glaubens erlangen.[14] Der Tod sei, für die gläubigen Menschen, die Vollendigung und nicht das Ende, indem der Mensch in die erste Wirklichkeit begegnet und dort von Seiten Gottes Geborgenheit entdeckt. Durch diese Vorstellungen verliert der Tod seinen eigentlichen feindlichen Charakter. Das Sterben ist für die Glaubenden „ein Abschied vielleicht nicht ohne Schmerz und Angst, aber doch in Gefasstheit und Ergebenheit, jedenfalls ohne Gejammer und Wehklagen, auch ohne Bitterkeit und Verzweiflung, vielmehr in hoffender Erwartung, stiller Gewissheit und […] beschämter Dankbarkeit […] ein solches Sterben ein wahrhaft menschen-würdiges Sterben.“[15]

[...]


[1] BGH NJW 1995, S. 204

[2] Ethik in der Medizin, Giovanni Maio 2012, S. 340

[3] Ethik in der Medizin, Giovanni Maio 2012, S. 344 Tab. 23-1

[4] Ethik in der Medizin, Giovanni Maio 2012, S. 345

[5] http://www.christoph-student.homepage.t-online.de/41518/42016.html aufgerufen am 05.03.2015,

[6] KÜNG, Menschenwürdig sterben, 1995, S.53 vgl. auch S. 71 f.

[7] Vgl. ebd. S.60

[8] Vgl. ebd. S.57

[9] Vgl. ebd. S.60

[10] Vgl. ebd. S.46

[11] Ebd. S.54

[12] Vgl. ebd. S. 62 - 64

[13] Ebd. S.74

[14] Vgl. ebd. S. 16-18

[15] Ebd. S.75.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668434578
ISBN (Buch)
9783668434585
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358676
Schlagworte
legalisierung sterbehilfe sicht Philosophie

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