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Zugänge zur Erwachsenenbildung

Mit Betrachtung der Erwachsenenpädagogik-Konzeptionen von Peter Faulstich und Ekkehard Nuissl.

Einsendeaufgabe 2017 11 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 1

Aufgabe 2

Aufgabe 3

Aufgabe 4

Literaturverzeichnis

Aufgabe 1

Vergleichen Sie die beiden Erwachsenenpädagogik-Konzeptionen von Peter Faulstich und Ekkehard Nuissl. Versuchen Sie dabei insbesondere herauszuarbeiten, ob und inwieweit beide Ansätze unterschiedliche Thesen, Sichtweisen und Zugänge zur Bildung Erwachsener markieren und formulieren Sie kritische Anfragen an beide Konzepte.

Für Faulstich wie für Nuissl steht die Erwachsenenbildung im engen Zusammenhang zum Konzept des Lebenslangen Lernens (Arnold, 2015, S. 12, 27). Faulstich grenzt sich gegen systemtheoretische und konstruktivistische Ansätze ab und tritt dabei als gewerkschaftsnaher, bildungspolitisch engagierter Theoretiker mit einer kritisch pragmatischen Konzeption von Weiterbildung auf (Arnold, 2015, S. 11, 15). Ekkehard Nuissl blickt eher aus einem autobiographischen Fokus und tritt mit seiner Gestaltungskonzeption über Lernstrategien nicht als „nüchterner“ Analytiker auf. (Arnold, 2015, S. 27)

Faulstich und auch Nuissl sehen den Staat und die Gesellschaft in der Pflicht, Bildungsangebote bereitzustellen, bemängeln aber gleichzeitig die rückläufigen Ressourcen (Arnold, 2015, S. 16, 26). Was jedoch gelernt wird und ob der Erwachsene lernen will, soll jeder Erwachsene selbst entscheiden (Arnold, 2015, S. 11, 27f). Faulstich ist die Berücksichtigung der Lebenswelt des Erwachsenen besonders wichtig (Arnold, 2015, S. 15).

Die Bildung Erwachsener ist laut Faulstich eingebunden in einen äußeren Zwang und einer inneren Entfaltung. Er betont, dass die Bildung Erwachsener nicht nur aus einer ökonomischen Notwendigkeit im Hinblick auf einen Kompetenzaufbau begründet sein kann (Arnold, 2015, S. 12). Eine Bildung, die nur gesellschaftliche Erwartungen bedient, führt zu einer Unterordnung des Individuums unter einen Zweck, d.h. das Individuum kann sich nicht frei entfalten. Dagegen setzt er den Gedanken der „inneren Entfaltung“ des Subjekts und grenzt sich von einer puren Kompetenzentwicklung ab. Er betont die Bedeutung der Arbeitswelt des einzelnen, da hier „Identitätschancen“ für den Einzelnen verborgen liegen. Die Möglichkeiten der „inneren Entfaltung“ werden durch die Gesellschaft bestimmt (Arnold, 2015, S. 14f).

Anders als Faulstich unterscheidet Nuissl nicht, ob eine Bildungsanforderung aus dem Bedürfnis nach innerer Entfaltung entspringt oder ob ökonomische Beweggründe dahinter zu finden sind. Er erklärt aber dennoch, dass die persönlichkeitsförderndste Bildung die ist, die frei von ökonomischen Interessen ist und sich stattdessen mit den Zwängen auseinandersetzt, mit denen man lebt und umgehen muss (Arnold, 2015, S. 28). Erwachsenenbildung hat für Nuissl dafür zu sorgen, die Entfaltung aller Menschen zu ermöglichen (Arnold, 2015, S. 26). Dafür bedarf es einer Veränderung der Praxis der Weiterbildung und der Unterstützung und Förderung der Eigenständigkeit der Erwachsenen, sich durch das Angebot zum Lebenslangen Lernen zu navigieren und den heutigen Anforderungen gerecht zu werden (Arnold, 2015, S. 27f). Darin sind sich Faulstich und Nuissl wohl einig.

Faulstich behauptet, dass die Erwachsenenpädagogik zu wenig wisse über das Lernen Erwachsener. Damit bleibt verborgen, inwieweit das Erwachsenenlernen dem eigentlichen Bildungsanspruch entspricht. Faulstich sieht im Konzept des „expansiven Lernen“ von Klaus Holzkamp eine Möglichkeit, dem individuellen Entfaltungswunsch gerecht zu werden. Dabei treiben nicht fremde Interessen und geforderte Kompetenzen den Lernenden zum lebenslangen Lernen an, sondern sein eigenes Interesse (Arnold, 2015, S. 17).

Die Erforschung des Lernens stellt für Nuissl den Kern einer Erwachsenenbildungsforschung dar. Lernen taucht dabei nicht isoliert auf, sondern ist in anderen Fähigkeiten und Tätigkeiten eingebunden. Eine reine Lernforschung der Erwachsenenbildung wäre demnach nicht ausreichend. Das Lernen muss in den unterschiedlichen lebensweltlichen und institutionellen Kontexten erforscht werden. Demnach ist nicht verwunderlich, dass die Erwachsenenbildungsforschung um eine eigene Lerntheorie bemüht ist (Arnold, 2015, S. 21f). Nuissl betont, dass Lernen eher vom Blick des Lernenden aus zu begreifen ist. Das, was heute alles gelernt werden muss, kann laut Nuissl nicht mehr nur durch Bildungseinrichtungen vermittelt werden. Die Kenntnis über die Lebensbereiche der Erwachsenen ist immer wichtiger für ihn (Arnold, 2015, S. 21).

Auch Nuissl betont die Ambivalenz der öffentlichen Politik zum Thema der Erwachsenenbildung und dem tatsächlichen Zustand in der Weiterbildungsbranche im Hinblick auf Kürzungen und fehlende Ressourcen. Die öffentliche Förderung der Erwachsenenbildung ist für ihn von großer Bedeutung. Er erklärt in diesem Zusammenhang aber auch die Eigenverantwortung der Erwachsenen und der profitierenden Unternehmen in der Finanzierung der Weiterbildung (Arnold, 2015, S. 26). Im Hinblick auf Weiterbildungseinrichtungen stellt Nuissl die Frage nach der Qualitätssicherung der Weiterbildungsmaßnahmen und der Schulung des Weiterbildungspersonals bzw. deren Kompetenzaufbaus. In diesem Zusammenhang fallen auch Schlagworte wie Kundenorientierung, Qualitätssicherung und Projektmanagement, die den notwendig Wandel der Weiterbildungsinstitutionen begleiten (Arnold, 2015, S. 27).

Nuissl geht es in der Forschung der Erwachsenenbildung um die Unterstützung der Praxis beim Aufdecken von Widersprüchlichkeiten der Realität und um Begleitung des notwendigen Wandels in der Weiterbildungsbranche (Arnold, 2015, S. 28).

Faulstich konstruiert ein stimmiges Konzept einer kritisch- pragmatischen Erwachsenenpädagogik, lässt aber die Konstruiertheit des Konzeptes offen. Er beschreibt die Diskrepanz zwischen der hochgesteckten Programmatik im Hinblick auf den Ausbau einer Erwachsenenbildung und einer unzureichenden Umsetzung andererseits, die sich seiner Ansicht nach auch noch weiter verstärken wird. Er betont dabei vor allem die zunehmend fehlenden Ressourcen, vernachlässigt jedoch die Frage nach den geeigneten Methoden oder Formen für die Erwachsenenbildung im Hinblick auf Nachhaltigkeit und der kompetenzbildenden Wirkung dieser. Würde man diesen Fragen mehr Aufmerksamkeit schenken, wäre der Weg hin zu einer neuen Lernkultur mit mehr Nachhaltigkeit in Richtung langfristigen Kompetenzaufbaus frei. Vielleicht ist es eben nicht nur der Ressourcenmangel als quantitative Ursache, der hier das Wachsen einer qualitativ hochwertigen Erwachsenenbildung verursacht (Arnold, 2015, S. 16). Eine Frage, die bei Faulstich noch unbeantwortet bleibt ist die, wie man Kenntnis über das Interesse der Lernenden erhält. Wie werden dem Erwachsenen seine eigenen Interessen bewusst? Darf die Erwachsenenbildung von außen einwirken? Gibt es überhaupt andere Möglichkeiten der Aktivierung des Erwachsenenlernens als von außen? Faulstich geht es dabei immer wieder um die Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung und die Aktivierung der Interessen der Erwachsenen hin zu einem selbstbestimmten Lernen, ohne von fremden Anforderungen getrieben zu sein. Lässt sich das Ziel des Erwachsenenlernens jedoch anders als von außen konstituieren? (Arnold, 2015, S. 17f).

Nuissl fordert einer Steigerung der Kundenorientierung und die Einführung nach Qualitätssicherung, doch hier bleibt die Frage offen, inwieweit sich das positiv auf die Kompetenzentwicklung des Einzelnen auswirkt. Weiterhin steht die Forderung nach Zertifikaten und der Vergleichbarkeit von Weiterbildungen im Raum, die jedoch auch der Selektion dienen können, sprich zum Nachteil für den Einzelnen werden, in dem in einem Auswahlverfahren nur nach Abschlüssen und Bescheinigungen entschieden wird.

Insgesamt blickt Faulstich eher aus der Theorie, während Nuissl eher der Praktiker ist und den pragmatischeren Blickwinkel einnimmt.

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Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668436015
ISBN (Buch)
9783668436022
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358889
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
bestanden (wird nicht benotet)
Schlagworte
Erwachsenenpädagogik-Konzeptionen Konstruktivismus Open Content

Autor

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Titel: Zugänge zur Erwachsenenbildung