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Leistungsmotivation

Hausarbeit 2004 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Terminologische Vorbemerkungen

III. Theorien der Leistungsmotivation
3.1 Erwartungs-Wert-Theorien
3.1.1 Das Risiko-Wahl-Modell
3.1.2 Auswirkungen von Erfolg und Mißerfolg
3.2 Ursachenerklärung von Erfolg und Mißerfolg
3.2.1 Die Attributionstheorie
3.2.2 Das Selbstbewertungsmodell

IV. Schlußbetrachtung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ein sonniger Sonntagnachmittag verführt Schüler A zu einem ausgiebigen Spaziergang, obwohl kommende Woche eine Mathematikklausur ansteht, während zur selben Zeit Schüler B, der ebenfalls jene Klausur schreiben muß, den Nachmittag mit Lernen verbringt.[1]

In der Alttagssprache würde sofort jeder unserem Schüler A Faulheit oder unmotiviertes Verhalten unterstellen, doch dies muß keineswegs zutreffend sein, da Handlungen immer von bestimmten Zielsetzungen sowie von der Bewertung des angestrebten Ziels abhängen. Auf unser Beispiel angewandt könnte dies bedeuten, daß beide Schüler eine gute Note in der Mathematikklausur in gleichem Maße als positiv und erstrebenswert bewerten, allerdings könnte es sein, daß Schüler A seine Chancen auf eine gute Note wesentlich geringer einschätzt als Schüler B. Vielleicht glaubt Schüler A, daß jedwede Anstrengung zwecklos sei, weil die Klausur für ihn zu schwer ist. Umgekehrt könnte es aber auch der Fall sein, daß Schüler A solch eine hohe Begabung für Mathematik besitzt, daß er keinerlei Vorbereitung benötigt, da er davon ausgeht, daß er ohnehin eine gute Note erreichen wird. Wir können daher festhalten, daß Erwartungen immer in Abhängigkeit von der Schwierigkeit einer Aufgabe sowie von den wahrgenommenen Leistungsfaktoren in der Person stehen.[2]

Die Beobachtung, daß Menschen in genau der gleichen Situation unterschiedliche Verhaltensweisen an den Tag legen und offensichtlich unterschiedliche Ziele verfolgen, bildet das Phänomen, mit welchem wir uns unter dem Aspekt der Leistungsmotivation im Rahmen dieser Arbeit auseinandersetzen wollen. Wie bereits angedeutet, setzt sich Leistungsmotivation aus gewissen Zielsetzungen und Bewertungen des angestrebten Ziels sowie aus subjektiven Erwartungen bzgl. der Realisierungschance einer Aufgabe zusammen. Wie hängen diese jeweiligen Faktoren zusammen, wie beeinflussen sie das Verhalten von Personen in Leistungssituationen und wie kann man anhand dieser Faktoren menschliches Verhalten prognostizieren? Um diesen Fragen angemessen nachgehen zu können, bedarf es zunächst einer terminologischen Erörterung des Motivationsbegriffs sowie auch jener Faktoren, mit denen der Begriff der Leistungsmotivation determiniert wird. Eine bloße Begriffsklärung beantwortet jedoch noch lange nicht die Frage, warum Menschen in gleichen Leistungssituationen unterschiedlich handeln. Hierfür bedarf es Theorien über Leistungsmotivation, denen wir uns im dritten Kapitel zuwenden werden. In einem ersten Schritt geht es dabei um den Zusammenhang von Erwartung und Wert eines Ziels, wobei das von Atkinson konzipierte Risiko-Wahl-Modell dazu dient, Wahlentscheidungen zwischen Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vorherzusagen. Bei jenem Modell geht es primär um den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Ausprägungen des Leistungsmotivs und unterschiedlichen Verhaltensweisen. In einem zweiten Schritt wollen wir uns zum einen der Frage nach den Auswirkungen von Erfolg und Mißerfolg auf Personen in Leistungssituationen, zum anderen dem Zusammenhang zwischen Ausdauer und Aufgabenschwierigkeit zuwenden. Inwiefern steht die Schwierigkeit einer Aufgabe damit in Zusammenhang, wie lange ein Akteur bei einer Aufgabe bleibt?

Nachdem wir unter Punkt 3.1 das menschliche Verhalten als Wechselwirkung aus Person und Leistungssituation analysiert haben, geht es unter 3.2 um die Frage nach der Ursachenerklärung von Erfolg und Mißerfolg. Welche Ursachen machen Akteure für ihr Resultat verantwortlich und welche Vorhersagen lassen sich daraus ableiten? Unabdingbar für die Beantwortung dieser Fragestellung ist die Attributionstheorie, die zwischen internaler und externaler Ursachenzuschreibung auf der einen sowie zwischen zeitvariablen und zeitstabilen Faktoren auf der anderen Seite unterscheidet. Dieses Klassifikationsschema bietet nicht nur die Möglichkeit einer Ursachenerklärung, sondern auch die einer Vorhersage von menschlichem Verhalten in Leistungssituationen. Schließlich befassen wir uns mit dem Selbstbewertungsmodell der Leistungsmotivation, mit welchem es Heckhausen gelang, das Motiv weiter auszudifferenzieren und als ein aus drei verschiedenen Teilprozessen bestehendes System zu beschreiben. Heckhausens Selbstbewertungsmodell stellt dabei den vorläufigen Endpunkt der Theoriebildung der Leistungsmotivation dar.[3]

II. Terminologische Vorbemerkungen

Die Bedeutung des Wortes Motivation dient als Erklärung und Beschreibung dafür, warum Menschen sich bewegen und bewegt werden bzw. bewegen lassen. Diese beiden Grundmuster von Verhalten implizieren die beiden zentralen Charakteristika des Motivationsbegriffs: Annäherung und Rückzug. Der Begriff der Annäherung ist gekoppelt mit positiven Affekten und stellt somit etwas Positives dar, dem sich der Mensch gerne annähert. Rückzugs- und Vermeidungsverhalten ist im Gegensatz dazu mit negativen Emotionen behaftet, weshalb sich der Mensch von Gegenständen und Situationen fernhält, mit denen er negative Assoziationen in Verbindung bringt. Erwartung und Antizipation enthalten immer Erkenntnisanteile über das, was sich in der Zukunft ereignen könnte. Eine wesentliche menschliche Motivationskomponente liegt daher in der Organisation des Verhaltens nach Zielen, die vorweggenommene Ergebnisse und Folgen des Handelns darstellen und somit als Vorwegnahme zukünftiger emotionaler Zustände verstanden werden. Ein Individuum handelt nach der Einschätzung, in welchem Ausmaß das eigene Handeln zum gewünschten Ergebnis führen wird. Diese Handlungsergebnisse werden wiederum wegen ihrer Folgen angestrebt, weshalb sie einen instrumentellen Charakter besitzen. Solche Folgen können beispielsweise eine positive Selbstbewertung, soziale Anerkennung oder materielle Vorteile sein.[4]

In der Motivationsforschung wurde zunächst denjenigen Motiven Beachtung geschenkt, die wir als angeborene Instinkte bezeichnen sowie auch den natürlichen Bedürfnissen und Erfordernissen des Überlebens, wie z.B. der Nahrungsaufnahme, Ängstlichkeit, Neugier, Sexualität und dem Machtstreben. McDougalls verstand unter einem Motiv zunächst eine „ererbte oder angeborene psychophysische Disposition“,[5] die den Menschen dazu befähigt, bestimmte Gegenstände wahrzunehmen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, wobei der Mensch durch die Wahrnehmung eines solchen Gegenstandes eine emotionale Erregung erlebt und in Folge dieses Affektes handelt.[6]

Vor dem Hintergrund der von Murray vorgenommenen Unterscheidung zwischen biogenen Motiven, die auf einer genetischen Basis sowie auf einer phylogenetischen Entwicklung fußen und soziogenen Motiven, die Ausdruck gelernter gesellschaftlicher Wertschätzungen sind, konnte Lewin zeigen, daß nicht die Bedürfnisse und Triebe das menschliche Handeln bestimmen, sondern die Erfahrung, daß wir in einer Welt leben, deren Gegenstände und Situationen Aufforderungscharakter oder Vermeidungscharakter besitzen. Für den Motivationsbegriff bedeutete dies, daß Motivation nicht mehr als intraindividueller Prozeß verstanden wurde, sondern als Prozeß, in dem das menschliche Verhalten im Zusammenhang mit der menschlichen Umwelt steht.[7] Ein Motiv alleine reicht demnach nicht aus, um ein Individuum zum Handeln anzuregen, denn es bedarf einer situativen Anregung, um letztendlich verhaltensrelevant zu werden. Jene situativen Momente, die Motive ansprechen und damit die Ausbildung einer Motivation bedingen, werden als Anreize bezeichnet. Das Verhalten einer Person hängt somit von der Gesamteinschätzung der Situation ab, d.h., daß die Person ihre einzelnen Handlungsmöglichkeiten bewertet und nach dieser Bewertung ihr Verhalten ausrichtet. Folglich kann ein Motiv nur in dem Maße verhaltenswirksam werden, in dem es durch situative Anreize angeregt wird, allerdings kann aber auch ein Anreiz nur in dem Ausmaß verhaltenswirksam werden, in dem er auf die entsprechenden Wertungsdispositionen im Menschen trifft.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Grundmodell der klassischen Motivationspsychologie:

Vgl. Rheinberg, S. 68.

Jene Wechselwirkung von Person und Situation bildet auch die Grundlage der Theorien der Leistungsmotivation. Murray definierte Leistungsmotivation zunächst als Bestreben danach, etwas Schwieriges zustande zu bringen, Hindernisse zu überwinden sowie einen hohen Leistungsstandard zu erreichen.[9] Neuere Definitionen gehen dagegen davon aus, daß Leistungsmotivation ein Verhalten bedeutet, das auf die Selbstbewertung eigener Tüchtigkeit abzielt und zwar in der „Auseinandersetzung mit einem Gütermaßstab, den es zu erreichen oder gar zu übertreffen gilt.“[10] Der Anreiz für die Erreichung eines Ziels besteht folglich darin, etwas persönlich Anspruchsvolles zu schaffen und die daraus resultierende Zufriedenheit zu erleben.[11]

Atkinson betrachtete leistungsorientiertes Verhalten als Verhalten, das sowohl die Möglichkeit eines Erfolges, samt dem nachfolgenden Gefühl des Stolzes als auch die Möglichkeit eines Mißerfolges, samt dem nachfolgenden Gefühl der Scham mit einschließt. Leistungsmotivation wird folglich als resultierende Tendenz eines emotionalen Konflikts zwischen Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Mißerfolg aufgefaßt.[12]

[...]


[1] Vgl. Schneider / Schmalt, S. 11.

[2] Vgl. ebd., S. 13.

[3] Vgl. Rheinberg 1977, S. 87.

[4] Vgl. Heckhausen 1989, S. 9-11. – Vgl. auch Oerter, S. 758-760.

[5] McDougalls zitiert nach Schneider / Schmalt, S. 14.

[6] Vgl. Rheinberg, S. 67-68. – Vgl. auch Schneider / Schmalt, S. 14-15.

[7] Vgl. Oerter, S. 763.

[8] Vgl. Schneider / Schmalt, S. 16, 18.

[9] Vgl. Weiner, S. 143-144.

[10] McClelland zitiert nach Rheinberg, S. 58.

[11] Vgl. Heckhausen 1963, S. 12-13. – Vgl. auch Rheinberg, S. 58.

[12] Vgl. Weiner, S. 152.

Details

Seiten
19
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638357708
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36017
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Pädagogisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Leistungsmotivation

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