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Die Auswirkungen von Betriebssport auf das Betriebsklima von Unternehmen

Diplomarbeit 2004 120 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Gliederung

1 Problemstellung

2 Begriffliche Abgrenzungen
2.1 Betriebssport
2.1.1 Erscheinungsformen des Betriebssports
2.1.2 Aktuelle Situation in Deutschland
2.2 Betriebsklima
2.2.1 Wirkungen des Betriebsklimas
2.2.2 Wichtige Einflussfaktoren auf das Betriebsklima

3 Die Auswirkungen von Sport auf den Menschen
3.1 Physische Auswirkungen
3.1.1 Kräftigung des Bewegungsapparates
3.1.2 Vermeidung von Zivilisationskrankheiten
3.1.3 Stärkung des Immunsystems
3.2 Psychische Auswirkungen
3.2.1 Erhöhung der geistigen Leistungsfähigkeit
3.2.2 Förderung der Leistungsbereitschaft
3.2.3 Steigerung des Wohlbefindens

4 Die empirische Untersuchung der Auswirkungen von Betriebssport auf das Betriebsklima von Unternehmen
4.1 Aufbau und Gestaltung der Untersuchung
4.1.1 Hypothesen
4.1.2 Gegenstand und Umfang der Untersuchung
4.2 Messinstrumente und Auswahl der geeigneten Methode
4.2.1 Datenanalyse
4.2.2 Beobachtung
4.2.3 Schriftliche Befragung
4.2.4 Das qualitative Interview
4.3 Entwicklung der Befragungstaktik
4.3.1 Frageformulierung
4.3.2 Fragearten
4.3.3 Fragebegründung
4.4 Durchführung der Untersuchung
4.4.1 Der Pretest
4.4.2 Die Hauptuntersuchung
4.5 Auswertung und Ergebnisse
4.5.1 Vorgehensweise bei der Auswertung
4.5.2 Darstellung der wichtigsten Ergebnisse
4.5.3 Gegenüberstellung von Hypothesen und Ergebnissen

5 Zusammenfassung

Anhang (CD-Rom)

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Das Thema Betriebssport und seine Auswirkungen auf Mensch und Betrieb ist gerade in einer Zeit fortschreitender Technisierung und Automatisierung ein aktuelles Thema. Auf Grund des zunehmenden PC-Einsatzes in allen betrieblichen Bereichen führt die Mehrheit der Arbeitnehmer ihre Tätigkeit im Sitzen aus, wodurch der Körper einer sehr einseitigen Belastung unterliegt. Als Hauptursache krankheitsbedingter Fehltage in Unternehmen werden heute nicht mehr infektiöse oder berufsbedingte Erkrankungen genannt, sondern die so genannten „Zivilisationskrankheiten“.[1] Dazu gehören u. a. Fettlei­bigkeit, ein erhöhter Cholesterinspie­gel, Wirbelsäulenerkrankungen und Schädigungen am Bewegungsapparat und dem Herz-Kreislaufsystem. Zurückzuführen sind diese Erkrankungen auf falsche oder einseitige Ernährung, überhöhten Alkohol- und Tabakkonsum und vor allem fehlende Bewegung.[2]

In diesem Zusammenhang stellt die so genannte Frühverrentung ein großes gesell­schaftliches Problem dar, weil immer mehr Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand treten und somit enorme Kosten entstehen, die von Staat und Krankenkasse nicht mehr getragen werden können. Eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland ist der Herzinfarkt, an dem jedes Jahr rund 180 000 Menschen sterben.[3] Wenn man bedenkt, dass die Ursachen eines Herzinfarktes (Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, etc. ) meist Folgen von Übergewicht sind, wird deutlich wie unverzichtbar sinnvolle körperli­che Aktivität ist.

Für die Unternehmen stellt Betriebssport eine freiwillige betriebliche Sozialleistung[4] dar, durch die der Arbeitnehmer neben seinem Arbeitsentgelt eine zusätzliche Zuwen­dung bekommt. Da diese Sozialleistungen einen nicht unwesentlichen Kostenfaktor für den jeweiligen Betrieb bedeuten, wird nicht nur von einem entsprechenden Nutzen für den Arbeitnehmer, sondern auch für den Arbeitgeber ausgegangen.

Die Motive der Betriebssport fördernden Unternehmen sind dabei sehr zahlreich. So erwartet man von der Sport treibenden Belegschaft u. a. einen verbesserten Gesund­heitszustand, eine erhöhte Leistungsfähigkeit, eine wachsende Leistungsbereitschaft, die Förderung sozialer Kontakte und geringere Fehlzeiten.[5]

Die Wechselwirkungen zwischen körperlicher und geistiger Gesundheit sind bereits seit langem bekannt. Ein gesunder Körper bewirkt somit nicht nur einen gesunden Geist, sondern dies gilt auch umgekehrt.[6] Die Auswirkungen mentaler Fitness können auch körperlich gespürt werden, denn wer in einem gesunden Körper steckt, „hat gute Voraussetzungen, auch im Kopf fit zu bleiben“[7].

Die Geschäftsführung der Ver­lagsgruppe Milchstraße in Hamburg verfolgt mit ihrem breiten Sport- und Gesundheits­angebot für die Mitarbeiter das Ziel: „Die viel zitierten Softskills der Beschäftigten, also Teamgeist, gegenseitiger Respekt und Vertrauen, Selbstverantwortung, körperliche und geistige Belastbarkeit, sollen möglichst gut entwickelt und ausgebildet sein.“[8]

Treffen diese Erwartungen zu, könnte dies durchaus positive Auswirkungen auf das Betriebsklima der betreffenden Unternehmen haben. Viele Unternehmen unterstellen deshalb intuitiv einen direkten Zusammenhang zwischen angebotenem Betriebssport und einem guten Betriebsklima. So widmet sich z. B. die Firma Jungheinrich, ein Logistikunternehmen aus Hamburg, in ihrem Personal- und Sozialbericht 2001 sehr ausführlich dem internen Sportwesen und behauptet, dass dadurch „für ein positives Arbeitsklima“[9] gesorgt wird.

In der Realität zeigt sich allerdings, dass die Zusammenhänge zwischen Betriebssport und Betriebsklima „komplizierte, empirisch schwer nachweisbare Beziehungsgefüge“[10] darstellen.

Zwar sind die positiven Auswirkungen sportlicher Betätigung auf Körper und Psyche wissenschaftlich bewiesen[11], Zusammenhänge mit bestimmten zwischen­menschlichen Beziehungen lassen sich jedoch nur bedingt feststellen.

Die gegenwärtige Forschungslage zeigt keine (mir bekannten) Ergebnisse zu dieser Problematik auf, weil der Betriebssport in der Bundesrepublik Deutschland ein weitestgehend unerforschtes Phänomen ist. Eine Umfrage aus dem Jahr 1968 zeigt lediglich, dass bereits damals ein Zusammenhang zwischen Betriebssport und einem guten Betriebsklima unterstellt wurde (s. Abb. 1: Meinungen von Unternehmensleitungen zu positiven und negativen Auswirkungen des Betriebssportes).[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Meinungen von Unternehmensleitungen zu positiven und negativen Auswirkungen des Betriebs­sportes[13]

Ziel dieser Arbeit ist, einen Zusammenhang zwischen Betriebssport und positivem Betriebsklima fest zu stellen, bzw. zu untersuchen, ob sich die Teilnahme am Betriebs­sport förderlich auf das Betriebsklima auswirkt.

In Kapitel 2 werden zunächst die Begriffe Betriebssport und Betriebsklima abgegrenzt und definiert. Danach folgt in Kapitel 3 eine Darstellung der Auswirkungen von Sport auf den Menschen in physischer und insbesondere psychischer Hinsicht, da gerade die psychischen Auswirkungen in Zusammenhang mit einer Verbesserung des Betriebs­klimas stehen könnten. Darauf aufbauend werden in Kapitel 4 Inhalt und Vorgehens­weise der empirischen Untersuchung beschrieben. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden Interviews mit Personen aus unterschiedlichen Unternehmen mit Betriebssport­angebot durchgeführt und ausgewertet. Abschließend folgt eine Darstel­lung der wich­tigsten Ergebnisse und eine Zusammenfassung der Arbeit.

2 Begriffliche Abgrenzungen

Um ein eindeutiges Verständnis der verwendeten Begriffe zu gewährleisten, ist es nötig, im Vorfeld dieser Arbeit einige Definitionen und Begriffsabgrenzungen vorzunehmen.

2.1 Betriebssport

Unter Betriebssport kann eine besondere Erscheinungsform von Sport verstanden werden, die in irgendeiner Art (materiell, personell oder organisatorisch) im Zusam­menhang mit einem Unternehmen oder anderen Arbeitsstätte steht. Im Mittelpunkt betrieblich bedingter sportlicher Aktivitäten steht nicht etwa die sportliche Leistung, sondern der Ausgleich einseitiger Arbeitsbelastungen und die Förderung der sozialen Beziehungen im Betrieb.[14] Deshalb wird Betriebssport in den vielfältigen Formen des Breiten- und Freizeitsportes ausgeübt, wobei eben nicht die individuelle Höchstleistung, sondern das sportliche und gesellschaftliche Miteinander im Vordergrund stehen.

Betriebssport ist auch eine betriebliche Maßnahme zur Gesundheitsförderung. Hierbei reicht das Angebot von Sportkursen, wie beispielsweise Rückenschule und ähn­lichen Bewegungstherapien, bis hin zu Entspannungstechniken und Bewegungspausen am Arbeitsplatz. Die Aufgaben des organisierten Betriebssports sind dabei koordinie­rende und beratende Funktionen.[15] Gesundheitsfördernde Maßnahmen werden meist in Zusam­menarbeit mit einer Krankenkasse angeboten, zum Beispiel mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK), die den Firmen verschiedene Programme (Rückenschule, Mit dem Rad zur Arbeit, etc.) anbietet.[16]

2.1.1 Erscheinungsformen des Betriebssports

Die Organisation des Betriebssports kann entweder von der Arbeitnehmer- oder von der Arbeitgeberseite ausgehen, wobei unterschieden werden muss, wann die sportliche Betätigung stattfindet. Grundsätzlich kann aber angenommen werden, dass Sport, der vom Unternehmen aus angeboten wird, häufig ein Bestandteil des Arbeitsalltags ist, während der arbeitnehmerseitig organisierte Betriebssport eher außerhalb der Arbeitszeit betrieben wird.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Organisationsformen des Betriebssports[18]

Die Bewegungspause am Arbeitsplatz findet während der Arbeitszeit statt, unterbricht somit den möglicherweise monotonen Arbeitsablauf und bietet dem Arbeiter die Möglichkeit, einseitige körperliche Belastung noch während seiner Arbeitszeit zu kom­pensieren. Trotzdem hat sich „die Bewegungspause in der betrieblichen Praxis nicht umsetzen können“[19]. Anders der verbandsungebundene Betriebssport, der hauptsächlich in vom Betrieb bereitgestellten Sportanlagen (Mehrzweckhallen, Fußballplätze, Schwimmbäder, etc.) betrieben wird. Diese Erscheinungsform des Betriebssport ist weit verbreitet, da die Mitarbeiter sich nicht nach bestimmten Zeiten richten müssen und das Sportangebot nutzen können wie und wann sie wollen.

Ungebundene Betriebssportgruppen sind lose Interessengemeinschaften, bei denen sich die Teilnehmer unregelmäßig und unorganisiert zum gelegentlichen Sport treffen. Dies sind zum Beispiel Fußballmannschaften oder Kegelgruppen. Charakteristisch für diese Art von Betriebssport ist, dass sich die Gruppe bei jedem Treffen unterschiedlich zu­sammensetzt und unterschiedlich groß ist. Im Gegensatz dazu stehen die organisierten Betriebssportgemeinschaften, die von den Unternehmen meistens gefördert und unter­stützt werden.[20]

Ein Beispiel für betriebsnahe Sportvereine ist die Outdoor-Sportgruppe des VfB Rehau, einem lokalen Sportverein. Die Outdoor-Gruppe entstand auf Wunsch von Mitarbeitern der Firma Rehau, als Untergruppe des VfB Rehau, so dass Räumlichkeiten und Gerät­schaften zusammen genutzt werden konnten. Mitglieder in der Outdoor-Sportgruppe sind zwar meist gleichzeitig Mitarbeiter der Firma Rehau, es kann aber jeder diesem betriebsnahen Sportverein beitreten.[21]

Teilnehmer am Betriebssport sind nicht nur die Arbeitnehmer des jeweiligen Betriebes, sondern auch „Pensionäre, Angehörige und in Ausnahmefällen auch Betriebsfremde“[22], wobei die Teilnahme auf freiwilliger Basis beruht. Betriebssport vermittelt auch weniger Talentierten, Älteren und Untrainierten Freude und Vergnügen am Sport, da es weniger auf die Leistung, sondern getreu dem olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles!“ auf die Teilnahme ankommt.

Betriebssportgemeinschaften werden sehr häufig von den Unternehmen finanziert oder zumindest finanziell unterstützt, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Sport­anlagen, notwendigen Gerätschaften, Übungsleitern, Trainern, etc. Um die Kosten für die Unternehmen möglichst gering zu halten, arbeiten viele Firmen mit örtlichen Sport­vereinen und Fitnesseinrichtungen zusammen. Eine solche Zusammenarbeit hat nicht nur den Vorteil, dass Firmenmitarbeiter die sportlichen Angebote vergünstigt oder sogar kostenfrei nutzen können, sondern das Unternehmen selbst hat die Möglichkeit, „den Sportanbieter durch firmeninterne Werbung zu pushen“[23], was sich wiederum günstig auf das Image auswirkt.

Allgemein gilt ein Unternehmen, das in Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten gebracht wird, als „modern, mitarbeiterfreundlich und fit“[24].

2.1.2 Aktuelle Situation in Deutschland

Betriebssport wurde schon vereinzelt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als „Fabrikturnen und Werkssport“[25] betrieben und ist daher eine der ältesten Sozialleistungen, die Betriebe ihren Mitarbeitern anbieten. Die eigentlichen Wurzeln des Betriebssports lie­gen aber erst in den zwanziger Jahren, als der Sport schädliche Begleiterscheinungen der zunehmenden Industrialisierung auf Körper und Geist der Arbeiter ausgleichen sollte. Damals wurden vor allem körperliche Übungen als Ausgleichsgymnastik in die Arbeitszeit eingeflochten, wobei es jedoch schon vereinzelte arbeitnehmerseitig organi­sierte Gruppen gab, die den Sport gemeinsam in ihrer Freizeit ausübten.[26]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Frauensportgruppe um 1903[27]

In der Zeit während des Nationalsozialismus wurde zwar weiterhin Betriebssport betrieben, jedoch musste die Idee des körperlichen Ausgleichs dem Gedanken der allgemeinen Wehrertüchtigung weichen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1949 in Hamburg der Vorläufer des heutigen Betriebssportverbandes gegründet, während die Mitgliederzahlen in den Folgejahren kontinuierlich angestiegen sind.[28] Obwohl die Mitgliederzahlen seit 1995 zurückgehen, verzeichnet der Deutsche Betriebssportverband e. V., ein Zusammenschluss zahlreicher Betriebssportgemein­schaften, immer noch über 300.000 Mitglieder und 5530 Betriebs­sportvereine. Die Ursache für den Rückgang der Teilnehmer­zahlen führt der Deutsche Betriebssportver­band jedoch nicht auf ein gesunkenes Interesse am Betriebssport seitens der Arbeitgeber zurück, sondern vielmehr auf den kontinuierlichen Personalabbau von Großunterneh­men und Konzernen.[29]

Der Betriebssport in seiner zahlenmäßigen Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Entwicklung der Mitgliederzahlen des DBSV[30]

Das Dach des organisierten Betriebssports bildet in Deutschland der Deutsche Betriebs­sportverband e. V. (DBSV), ein Sportverband mit besonderer Aufgabenstellung im Deutschen Sportbund (DSB). Das Leitbild des DBSV verkörpert den Grundsatz, dass Betriebssport den Unternehmen und Behörden ebenso wie deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut tut und sieht den Menschen im Mittelpunkt des sportlichen Gesche­hens. Als Dachverband des betrieblichen Sportwesens ist der DBSV seit fünf Jahren Veranstalter der Deutschen Betriebssportmeisterschaften, die in verschiedenen Sport­arten stattfinden.

Als bekanntestes Event gilt hierbei der Frankfurter Firmenlauf, der auch oft als „Betriebsausflug mit Bewegungsprogramm“[31] bezeichnet wird. Die Teilnehmerzahlen seit der ersten Veranstaltung im Jahr 1993 haben sich sehr rasant gesteigert (s. Abb. 5: Teilnehmerentwicklung des Frankfurter Firmenlaufs). Im Jahr 2002 waren sogar mehr als 50 000 Starter verzeichnet.[32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Teilnehmerentwicklung des Frankfurter Firmenlaufs[33]

Die Sportarten, die am häufigsten von den Firmen betrieben werden, sind nach wie vor Fußball oder Tennis, wobei sich in den letzten Jahren wie im Freizeitsport so auch im Betriebssport der Trend zum Ausdauersport beobachten lässt, so dass nun auch häufig Laufgruppen oder Radmannschaften anzutreffen sind.[34] Der Vorteil hierbei ist der ge­ringe Aufwand für den entsprechenden Betrieb, da keine hohen Kosten­ für spezielle Räumlichkeiten (Mehrzweckhalle, Fußballplatz, Schwimmbad, etc.) oder Trainer an­fallen.

Die Zahl der angebotenen Sportarten kann aber auch sehr umfangreich sein, wie das Beispiel der Firma Jungheinrich in Hamburg zeigt. Dort werden neben gängigen Sport­arten wie Fußball, Laufen oder Fitness auch Sportarten wie Schießen, Bowling oder sogar Hochseeangeln angeboten.[35]

Die mitgliederstärksten Sportarten im Jahr 2002

(Männer und Frauen insgesamt)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Die mitgliederstärksten Sportarten im Jahr 2002[36]

Ein Beispiel für ein Unternehmen, das sehr großen Wert auf betriebsinternen Sport legt, ist die Verlagsgruppe Milchstraße (u. a. Verleger des Sport-Magazins „Fit for Fun“) in Hamburg, welche einen hauseigenen Sportclub namens „Milky Way“ hat, an dem 520 von 800 Beschäftigten, sowie rund 60 Angehörige teilnehmen. Das Sportangebot ist sehr vielfältig und reicht vom Golfkurs über Reitgruppen bis hin zur Fußballmann­schaft, so dass für jeden Mitarbeiter das Richtige dabei ist.

Zur Förderung der Motivation veranstaltet die Verlagsgruppe Milchstraße einmal im Jahr einen Sporttag, eine Art zwanglose Betriebsolympiade, wo die Mitarbeiter gegen­einander antreten können. Wie ernst dieses Unternehmen den Sport nimmt, zeigt die Summe, die das Unternehmen jährlich für den Betriebssport ausgibt und die bei 500.000 bis 600.000 Euro liegt.[37]

Die bekannteste Sportgruppe, die aus einer ehemaligen Betriebssport-Mannschaft her­vor gegangen ist, ist die Fußballmannschaft des Bayer 04 Leverkusen, die oft als „Werkself“ bezeichnet wurde und im Jahr 1904 von Werksangehörigen des Bayer-Un­ternehmens gegründet wurde. Mittlerweile spielt der Verein Bayer 04 Leverkusen seit 1979 in der Ersten Bundesliga und war bereits dreimal Deutscher Fußballvizemeister. Die Bayer-Sportvereine verzeichnen heute rund 70.000 Mitglieder in ihren verschiede­nen Werken und gehören damit zu den Unternehmen mit dem größten Sportangebot.[38]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Mannschaft des Bayer 04 Leverkusen 1936[39]

Obwohl die zukünftige Entwicklung des Betriebssports in Deutschland nicht zuletzt von der Entwicklung des Arbeitsmarktes abhängt, können einige Trends für die Zukunft prognostiziert werden. Zunächst ist zu erwarten, dass der Anteil von Frauen am Betriebssport steigen wird. Während im Jahr 1998 noch 91.222 (26%) Betriebssportler Frauen waren, waren es 2002 bereits 93.758 (28%), wobei der Männeranteil im selben Jahr um 18.621 (5,5%) Teilnehmer zurückging.[40]

Weiterhin kann festgehalten werden, dass Erfolgschancen für die Zukunft am ehesten bei den Betriebssportvereinen zu erwarten sind, die eine gesunde Mischung aus unter­schiedlichen sportlichen und geselligen Angeboten aufweisen. Außerdem sollte auch im Betriebssport der Trend zu Gesundheit und Fitness beachtet werden und eine Um­orientierung zu entsprechenden Sportarten (z. B. Nordic Walking) erfolgen.[41]

2.2 Betriebsklima

Eine einheitliche Definition dessen, was unter dem Betriebsklima eines Unternehmens verstanden wird, gibt es nicht. Je nachdem wie das Betriebsklima durch einen Beschäf­tigten wahrgenommen wird, wird es subjektiv beurteilt. So verbindet z. B. ein Arbeit­nehmer mit dem Betriebsklima die Begriffe Arbeitszufriedenheit oder Arbeitsmoral, während ein anderer damit die vorherrschende Unternehmenskultur assoziiert. Nun kann aber nicht gesagt werden, dass der eine oder andere Aspekt falsch sei, wobei es beim Betriebsklima um die Wahrnehmung und Bewertung betrieblicher Gegebenheiten auf der Ebene der Belegschaft geht. Das Betriebsklima beinhaltet also zahlreiche sub­jektiv wahrgenommene Faktoren und spiegelt die Stimmung im Betrieb wider.[42]

Ausgeschlossen werden kann, dass unter Betriebsklima ausschließlich die äußeren Arbeitsbedingungen wie Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit verstanden werden, sondern eher das „Erleben und Verhalten von Menschen in einem Betrieb“[43], wobei zwischenmenschliche Beziehungen eine große Rolle spielen. Gemeint ist hiermit das Ver­hältnis von Mitarbeitern zu Vorgesetzten (vertikale soziale Beziehung) und das Verhält­nis der Arbeitnehmer untereinander (horizontale soziale Beziehung). Da diese Bezie­hungen von jedem Beschäftigten des Betriebes unterschiedlich empfunden werden, wird das Betriebsklima immer subjektiv erlebt und beurteilt.

2.2.1 Wirkungen des Betriebsklimas

Weil das Betriebsklima „in erheblichem Umfang die Arbeitsfreude und damit auch das positive Erleben der Arbeit“[44] beeinflusst, wirkt es sich auch auf die Arbeitsleistung aus. So wird z. B. ein Arbeitnehmer, der Freude an seiner täglichen Beschäftigung hat, in der Regel eine höhere Motivation aufweisen und bessere Arbeitsergebnisse erzielen als ein Arbeitnehmer, der seiner Tätigkeit nur nachgeht, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Dass weniger die äußeren Arbeitsbedingungen, sondern vor allem „die informellen zwischenmenschlichen Beziehungen und die Normen des sozialen Verhaltens für die Arbeit und die Arbeitsergebnisse”[45] verantwortlich sind, wurde erstmals in den so genannten Hawthorne-Untersuchungen (1927-1932) erkannt.

Aufgrund dieser Studien konnte erstmals eine Abhängigkeit zwischen sozialen Beziehungen und Arbeitsleistung hergestellt werden. Im Rahmen von Beleuchtungsexperimenten, bei denen man die Intensität der Beleuchtung am Arbeitsplatz veränderte, wurde erkannt, dass eine Verbesserung der Arbeitsleistung allein dadurch erreicht werden konnte, dass die Arbeitnehmer der beobachteten Gruppe eine erhöhte Aufmerksamkeit erfuhren. Diese damals überraschenden Ergebnisse wurden darauf zurückgeführt, dass sich die Mitglieder der beobachteten Arbeitsgruppe ernst genommen und anerkannt fühlten. Folglich wurde dadurch die Gruppendynamik verstärkt, die zwischenmenschlichen Beziehungen gefördert und das Betriebsklima verbessert, was zu positiven Effekten auf das Leistungsverhalten führte.[46]

Doch nicht nur die Arbeitsleistung wird durch ein gutes Betriebsklima erhöht, sondern es bewirkt gleichzeitig eine geringe Fluktuation. Unter Fluktuation versteht man „jedes auf Dauer angelegte Ausscheiden eines Arbeitnehmers aus der Unternehmung, das nicht einseitig betrieblich verfügt ist“[47].

Das heißt, bei einer schwach ausgeprägten Fluktuationsquote (F)[48] liegt eine lange Betriebszugehörigkeit vor, weil Mitarbeiter, die sich in der Gemeinschaft der Arbeitnehmer eines Betriebes wohl fühlen, ihren Arbeitsplatz nicht so häufig wechseln wie Mitarbeiter, die sich nicht wohl fühlen.

Weiterhin wirkt sich das Betriebsklima auf die Fehlzeiten in einem Unternehmen aus, wobei hier im Zusammenhang mit dem Betriebsklima insbesondere die Problematik des Absentismus betrachtet werden muss. Unter Absentismus werden Fehlzeiten verstanden, die auftreten, obwohl Mitarbeiter ihre Tätigkeiten ausüben könnten und müssten. Nicht krankheitsbedingte Fehlzeiten sind folglich auf andere Ursachen zurückzuführen, die entweder von der privaten Lebenssituation oder von der Arbeitssituation des jeweiligen Mitarbeiters abhängen können. Wird nun das Betriebsklima in einem Unternehmen von den Mitarbeitern als schlecht empfunden, ist die Bereitschaft, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben höher, als wenn das Klima positiv erlebt wird.[49]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Einfluss des Betriebsklimas auf Arbeitsbereitschaft

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und Arbeitsleistung[50]

Das Betriebsklima hat aber nicht nur Auswirkungen auf betrieblicher Ebene, sondern auch auf den Privatbereich des Arbeitnehmers. Ein Mitarbeiter, der in einem Betrieb mit schlechtem Betriebsklima arbeitet, wird sich in einer schlechteren Stimmung befinden, als ein Mitarbeiter, der seine Aufgaben in einer positiven Atmosphäre verrichtet. Diese Stimmung überträgt sich somit auch in die Freizeit und das Privatleben.[51]

2.2.2 Wichtige Einflussfaktoren auf das Betriebsklima

Da das Betriebsklima unterschiedlich wahrgenommen wird und deshalb für jeden Men­schen andere Faktoren für das Betriebsklima entscheidend sind, gibt es eine Vielzahl von möglichen Einflussfaktoren.

a) Betriebliche Sozialleistungen

Einen wichtigen Einflussfaktor stellen betriebliche Sozialleistungen dar. Dies sind „nicht unmittelbar zum Arbeitslohn gehörende Geld- und Sachleistungen, die der Unternehmer seinen Arbeitnehmern ohne gesetzliche und tarifvertragliche Verpflich­tung gewährt“.[52]

[...]


[1] vgl. Sonnemann, Friederike: Pausen als Kraftquellen, in HelfRecht Methodik, I/98, S. 61

[2] vgl. Fixx, James F.: Das komplette Buch vom Laufen, 19. Aufl., Frankfurt am Main 2000, S. 30

[3] vgl. http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,1020343,00htm (14.04.2004)

[4] Zum Wesen und zur Motivation der Unternehmen Sozialleistungen anzubieten vgl. Nick, Franz R.: Sozialleistungen, betriebliche und Sozialeinrichtungen, in Gaugler, Eduard / Weber, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch des Personalwesens, 2. Aufl., Stuttgart 1992, Sp. 2066-2080

[5] vgl. Luh, Andreas: Betriebssport zwischen Arbeitgeberinteressen und Arbeitnehmerbedürfnissen, Aachen 1998, S. 387f.

[6] Die Beziehungen zwischen geistiger und körperlicher Gesundheit sind seit langem bekannt, wie man am Ausspruch des Dichters Juvenal (ca. 60-140n. Chr.) sehen kann: Mens sana in corpore sano (In einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist).

[7] vgl. Schwarz, Hubert: Power of Mind, Berlin 2002, S. 30

[8] Lehmann, Jan: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, in Personalmagazin, Mai (2002), S. 10

[9] http://www.jungheinrich.de/files/lib/job/PSB_2001_dt.PDF (20.11.2003)

[10] Tofahrn, Klaus W.: Soziologie des Betriebssportes, Berlin 1992, S. 63

[11] zu den physischen und psychischen Auswirkungen von Sport auf den Menschen vgl. Kapitel 3

[12] vgl. Tofahrn, Klaus W.: Soziologie des Betriebssportes, Berlin 1992, S. 63

[13] vgl. Tofahrn, Klaus W.: Arbeit und Betriebssport, Berlin 1991, S. 38

[14] vgl. Müller-Seitz, Peter: Betriebssport, in Gaugler, Eduard / Weber, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch des Personalwesens, 2. Aufl., Stuttgart 1992, Sp. 636

[15] vgl. http://www.deutscher-betriebssportverband.de/dokumente/aufgabenzielestrukturen.doc (17.02.2004)

[16] vgl. http://www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de/bayern (16.06.2004)

[17] vgl. Tofahrn, Klaus W.: Arbeit und Betriebssport, Berlin 1991, S. 28

[18] vgl. ebenda, S. 29

[19] Tofahrn, Klaus W.: Soziologie des Betriebssportes, Berlin 1992, S. 54

[20] vgl. Tofahrn, Klaus W.: Soziologie des Betriebssportes, Berlin 1992, S. 54

[21] vgl. http://www.outdoor-im-vfb.de/arch/press/Rehau_is_running.htm (23.03.2004)

[22] Tofahrn, Klaus W.: Arbeit und Betriebssport, Berlin 1991, S. 26

[23] Lehmann, Jan: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, in Personalmagazin, Mai (2002), S. 10

[24] Lehmann, Jan: Wenn das Team für die Firma spielt, in Personalmagazin, Mai (2002), S. 7

[25] http://www.deutscher-betriebssportverband.de/dokumente/leitbild.doc (17.02.2004)

[26] vgl. Tofahrn, Klaus W.: Soziologie des Betriebssportes, Berlin 1992, S. 44

[27] vgl. http://www.deutscher-betriebssportverband.de/dbsv-info1.html (17.02.2004)

[28] vgl. Müller-Seitz, Peter: Betriebssport, in Gaugler, Eduard / Weber, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch des Personalwesens, 2. Aufl., Stuttgart 1992, Sp. 636

[29] vgl. http://www.hdako.de/dbsv/dokumente/dbsv-klausurtagung-muenster2003.doc (20.02.2004)

[30] vgl. http://www.deutscher-betriebssportverband.de/dokumente/50-jahre-deutscher-betriebssportver­- band.doc (17.02.2004)

[31] Roßel, Stefanie: Betriebsausflug an den Main, in Runner´s World, August (2003), S. 54f.

[32] vgl. ebenda, S. 54

[33] vgl. Steffens, Thomas : 40 000 liefen durch Mainhattan, in Runner´s World, Juli (2001), S. 43

[34] vgl. http://www. deutscher-betriebssportverband.de/dbsv-info1.html (17.02.2004)

[35] vgl. http://www.jungheinrich.de/files/lib/job/PSB_2001_dt.PDF (20.11.2003)

[36] vgl. http://www.deutscher-betriebssportverband.de/dokumente/50-jahre-deutscher-betriebssportver­band.doc (17.02.2004)

[37] vgl. Lehmann, Jan: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, in Personalmagazin, Mai (2002), S. 10f.

[38] vgl. Lehmann, Jan: Wenn das Team für die Firma spielt, in Personalmagazin, Mai (2002), S. 6f.

[39] vgl. http://www.sport.bayer.de/index.cfm?PAGE_ID=3436 (18.03.2004)

[40] vgl. http://www.deutscher-betriebssportverband.de/dokumente/50-jahre-deutscher-betriebssportver­band.doc (17.02.2004)

[41] vgl. http://www.hdako.de/dbsv/dokumente/dbsv-klausurtagung-muenster2003.doc (20.02.2004)

[42] vgl. Beyer, Horst-Thilo: Personallexikon, München 1990, S.95 f.

[43] von Rosenstiel, Lutz: Betriebsklima geht jeden an, 4. Aufl., München 1992, S. 17

[44] von Rosenstiel, Lutz/Falkenberg, Thomas/Hehn, Walter: Betriebsklima heute, 2. Aufl., Ludwigshafen 1983, Vorwort

[45] ebenda, S. 125

[46] vgl. Staehle, Wolfgang H.: Management, 8. Aufl., München 1999, S. 33-35

[47] Dincher, Roland: Fluktuation, in Gaugler, Eduard/Weber, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch des Personalwesens, 2. Aufl., Stuttgart 1992, Sp. 875

[48]

Beyer, Horst-Thilo: Personallexikon, 1. Aufl., München 1990, S. 134

[49] vgl. Nieder, Peter: Absentismus, in Gaugler, Eduard/Weber, Wolfgang (Hrsg.): Handwörterbuch des Personalwesens, 2. Aufl., Stuttgart 1992, Sp. 1-9

[50] vgl. Beyer, Horst-Thilo: Personallexikon, 1. Aufl., München 1990, S.97

[51] Gemeint sind hiermit die Wechselwirkungen zwischen Beruf und Privatleben. Die Laune aus dem Berufsleben wird meist (unbewusst) in das Privatleben übertragen und umgekehrt. Je besser die Stimmung im einen Milieu ist, desto besser ist sie auch im anderen.

[52] http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&SEARCHTYPE=topic&query=

sozialleistungen (11.12.2003)

Details

Seiten
120
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638360470
ISBN (Buch)
9783656561163
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36408
Institution / Hochschule
Fachhochschule Hof
Note
1,6
Schlagworte
Auswirkungen Betriebssport Betriebsklima Unternehmen

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Titel: Die Auswirkungen von Betriebssport auf das Betriebsklima von Unternehmen