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Die Bedeutung der elternbezogenen Trauerbegleitung in der Kinderhospizarbeit

Hausarbeit 2017 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einblick in die Kinderhospizarbeit
2.1 Stationäre Kinderhospize
2.2 Ambulante Kinderhospizdienste
2.3 Erforderliche Kompetenzen für die Kinderhospizarbeit
2.3.1 Fachliche Kompetenzen
2.3.2 Persönlich–emotionale Kompetenzen

3 Trauer
3.1 Das Trauerphasen-Modell nach Verena Kast
3.2 Antizipatorische Trauer
3.3 Weitere Trauermodelle und Verlaufsformen

4 Die elternbezogene Trauerbegleitung in der Kinderhospizarbeit
4.1 Die Lebenssituation der Eltern
4.2 Anforderungen an die Trauerbegleitung
4.3 Die Rolle der Sozialen Arbeit
4.3.1 Einzelberatung
4.3.2 Empowerment

5 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Wird der Begriff „Kinderhospizarbeit“ in den Raum gestellt, gelten die ersten Gedanken meist dem schweren Schicksal der Kinder. Sie sind die Leidtragenden, die ihrer Krankheit wehrlos ausgeliefert sind. Erweitert man den Blickwinkel jedoch auf das große Ganze, geraten vor allem zwei Menschen auf die Bildfläche, die stets für das Wohl des Kindes Sorge tragen, gleichzeitig aber mit einem genau so leidtragenden Schicksal konfrontiert werden: Die Eltern. Sie sind es, die sich wohl einer der größten menschlichen Herausforderungen stellen müssen. Das Bewusstsein über den Verlust seines eigenen Kindes verlangt dabei auch, sich der Aufgabe des Abschiednehmens anzunehmen. Doch wer gilt hierbei als Unterstützer, sofern sich innerhalb der Trauerbewältigung bestimmte Barrieren bilden? Die Leitfrage dieser Arbeit befasst sich nun damit, ob bzw. inwieweit die Kinderhospizarbeit in einer trauerbegleitenden Funktion hinsichtlich der Eltern zum Vorschein tritt.

Um überhaupt einen klaren Einblick in die Struktur der Kinderhospizarbeit zu erhalten, exemplifiziert das erste Kapitel die verschiedenen Arbeitsfunktionen, aus denen auch die zwei spezifischen Kernbereiche hervorgehen. Anschließend wird auf die Aneignung spezifischer Kompetenzen verwiesen, welche das Grundelement professionellen Handelns bilden.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Komplexität der Trauer und veranschaulicht dabei den Entwicklungsprozess verschiedener Trauerphasen. Überdies finden sich Antworten darauf, zu welchen Zeitpunkten Trauerreaktionen auftreten können und welche möglichen Risiken in Sichtweite behalten werden sollten.

Durch Einsichtnahme in die vorherigen Passus, ergibt sich schließlich die Bedeutsamkeit der Trauerbegleitung in der Kinderhospizarbeit im Allgemeinen. Der Schlussteil bezieht sich daher konkret auf das Befinden der Eltern, vor allem auf die an sie gebundenen Diffizilitäten. Der Umgang mit diesen ergibt sich demensprechend aus den Anforderungen, welche an die Trauerbegleitung selbst gestellt werden. Ergänzend wird hierbei noch die Soziale Arbeit als Wegbegleiter anhand ausgewählter Beispiele empfohlen und als Teil der Trauerbegleitung innerhalb der Kindehospizarbeit in Betracht gezogen. Abschließend gilt noch zu sagen, dass sich die der Kinderhospizarbeit betreffenden Themenbereiche lediglich auf die Situation in Deutschland konzentrieren und stets von einer Kernfamilie ausgehen.

Aufgrund der besseren Lesbarkeit und in Anlehnung an die wörtlichen Zitate wird in dieser Arbeit nur die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.

2 Einblick in die Kinderhospizarbeit

Die Kinderhospizarbeit gilt als spezieller Zweig der Gesamthospizarbeit und umfasst die Begleitung progredient erkrankter Kinder sowie deren Familien ab der Diagnose bis über den Tod der Kinder hinaus (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 50f). Dabei werden den Betroffenen verschiedene Begleitungsangebote wahlweise in stationären Kinderhospizen oder in Form von ambulanten Kinderhospizdiensten zur Verfügung gestellt (vgl. ebd.: S.50).

2.1 Stationäre Kinderhospize

In den derzeit sechzehn bestehenden stationären Kinderhospizen Deutschlands (Stand Juni 2016) erhalten progredient erkrankte Kinder und ihre Familien die Möglichkeit, einen Pflegeentlastungsaufenthalt von jährlich vier Wochen in Anspruch zu nehmen (vgl. Deutscher Kinderhospizverein e.V. 2016: S. 1ff; Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 54). Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheits- und Krankenpflege und Pädagogik helfen den betroffenen Kindern dabei Themen wie Krankheit und Tod aufzuarbeiten und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Daneben erfolgt die Betreuung der gesamten Familie in Form von Krisenintervention und Trauerbegleitung (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 54). Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist zudem die palliativ-pflegerische Versorgung der betroffenen Kinder, welche vor allem in der finalen Phase aufgrund der erhöhten Intensität eine wichtige Rolle spielt. In diesem Stadium unterliegt auch das gesamte Angebotsspektrum keiner zeitlichen Begrenzung mehr (vgl. ebd.: S. 55).

2.2 Ambulante Kinderhospizdienste

Die ambulanten Kinderhospizdienste betreuen Familien mit progredient erkrankten Kindern in ihrem häuslichen Umfeld, wobei die Betreuung nicht zwingend mit der Diagnose beginnen und auch nicht mit dem Tod des Kindes enden muss. Die Optimierung der Lebensqualität des gesamten Familiensystems durch Ermittlung und Erfüllung konkreter Bedürfnisse steht dabei klar im Vordergrund. Da sich aber ambulante Kinderhospizdienste hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammensetzen, deren fachliche Kompetenzen auch an ein Limit gebunden sind, stellt insbesondere die Kooperation mit anderen Institutionen sowie die Bereitstellung von Vermittlungsangeboten zu jenen, einen unverzichtbaren Bestandteil dar. Das gesamte Angebotsspektrum ist für Kind und Familie kostenfrei, weshalb auch vermehrt Öffentlichkeitsarbeit betrieben wird, um ausreichend Spenden generieren zu können (Vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 57ff).

2.3 Erforderliche Kompetenzen für die Kinderhospizarbeit

Allein schon aufgrund der Tatsache, dass „Sterben“ und „Tod“ noch immer gewisse gesellschaftliche Tabuthemen darstellen, kann man die Essentialität der Aneignung spezifischer Kompetenzen vorwegnehmen, welche professionelles Handeln in diesem Berufsfeld erst ermöglichen. Die Kinderhospizarbeit differenziert hier zwischen fachlichen und persönlich-emotionalen Kompetenzen, deren Aufbereitung je nach vorausgegangener Berufsausbildung unterschiedlich stark variiert (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 73).

2.3.1 Fachliche Kompetenzen

„[Fachkompetenz bezeichnet die] Fähigkeit, fachbezogenes und fachübergreifliches Wissen zu verknüpfen, zu vertiefen, kritisch zu prüfen sowie in Handlungszusammenhängen anzuwenden. Es handelt sich um rein fachliche Fertigkeiten und Kenntnisse, die i.d.R. im Rahmen einer Ausbildung erworben und durch Fortbildung erweitert werden“ (Bartscher 2013: S. 99).

In der Kinderhospizarbeit haben sich diesbezüglich sechs spezifische Kompetenzbereiche herauskristallisiert, welche sich teils wiederum auf spezielle Berufsgruppen beziehen (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 74):

- Pflegekenntnisse: Die Kenntnisse und Ausführung der pflegerischen Versorgung fällt in erster Linie in den Tätigkeitsbereich der Gesundheits- und Krankenpflegekräfte (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 74). Der Einsatz allgemeiner Pflegetechniken ist ebenso bedeutsam wie die Entwicklung von alternativen Pflegekonzepten, welche speziell auf die Kinder und deren Erkrankung abgestimmt werden sollen (vgl. Wick 1999: S: 14).
- Geschlechtersensible Pflege: Da sich Kinder bereits mit ihrem Geschlecht identifizieren, sollte auch die geschlechtersensible Pflege einen unerlässlichen Bereich darstellen, wobei die Rolle der Pflegenden noch weitgehend von weiblichen Fachkräften erfüllt wird (vgl. Jennessen/Bungenstock/ Schwarzenberg 2011: S. 75). Um ein ausgewogenes Maß an Wohlbefinden für Jungen und Mädchen herstellen zu können, ist es daher zwingend notwendig ein einigermaßen proportionales Geschlechterverhältnis in der Personalstruktur einzuplanen und herzustellen (vgl. ebd.).
- Medizinische Kenntnisse: In Bezug auf Medikation und adäquates Handeln in Notfallsituationen mit einhergehender Symptomerfassung und –interpretation, muss das Pflegepersonal ausreichend medizinische Fachkenntnisse besitzen, wobei dies dennoch stets eine große Herausforderung darstellen kann (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 75f).
- Kommunikationstechniken: Kommunikationstechniken eignen sich primär, um Bedürfnisse progredient erkrankter Kinder zu erfassen, insbesondere wenn die Kommunikation auf verbaler Ebene nicht oder nur eingeschränkt möglich ist (vgl. Jennessen/Bungenstock/ Schwarzenberg 2011: S. 76). Des Weiteren stellen diese in Gesprächen mit Eltern und Geschwistern eine helfende Hand dar, da beispielsweise Gesprächsbarrieren überwunden werden oder erst gar nicht zustande kommen können (vgl. ebd.: S. 77).
- Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit: Um an einer stetigen Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit festhalten zu können, wird auch die intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit vorausgesetzt (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 77). Aufgrund der unterschiedlich starken Vehemenz kann dieser Prozess eigenständig oder mithilfe professioneller Unterstützung erfolgen (vgl. ebd.).
- Sterbe- und Trauerbegleitung: Da neben den progredient erkrankten Kindern auch Eltern und Geschwister einer emotional belastenden Situation ausgesetzt sind, wird allgemein in der gesamten Kinderhospizarbeit eine qualifizierte Sterbe- und Trauerbegleitung vorausgesetzt, welche einen ausreichenden Überblick über altersspezifische Trauerprozesse und deren Bewältigung erfordert (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 78).

2.3.2 Persönlich–emotionale Kompetenzen

„Unter [persönlich-emotionalen Kompetenzen oder, Anm. d. Verf.] Schlüsselqualifikationen versteht man die Fähigkeiten, das Wissen, das Können, und die Einstellung, mit denen wiederkehrende Situationen und Aufgaben im Alltag und Berufsleben gelöst werden“ (Huck-Schade 2003: S. 14).

Demzufolge weist die Kinderhospizarbeit auf fünf Kernbereiche hin, welche für sie als relevant angesehen werden:

- Teamfähigkeit: Ein gut funktionierendes multidisziplinäres Team zeichnet sich primär durch eine enge Kollaboration aus (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 80). Kommunikations-, Kooperations-, Konflikt- und Kritikfähigkeit werden dabei voraussetzt (vgl. ebd.).
- Distanzierungsfähigkeit: Ein professionelles Nähe-Distanz-Verhältnis trägt zur Befähigung bei, trotz intensiver Beziehungen keine zu große emotionale Bindung mit den Familienmitgliedern einzugehen (vgl. Dingerkus 2005: S. 86).
- Empathie: Die Rezeption von Gedanken, Gefühlen und Bedürfnissen gibt Einblick in die Perspektive der progredient erkrankten Kinder sowie ihrer Familien und ermöglicht dabei die Entwicklung von individuellen Begleitstrategien (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 81).
- Wertschätzende Grundhaltungen: Gleichberechtigtes Handeln zwischen Eltern und Fachkräften sowie die Wahrnehmung und Achtung der Fähigkeiten des Kindes zeichnen die wertschätzenden Grundhaltungen aus (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 82).
- Flexibilität: Sterbeprozesse charakterisieren sich häufig durch fluktuierende Umstände und Bedürfnisse, deren Bewältigung eine flexible oft auch modifizierte Herangehensweise voraussetzt (vgl. Jennessen/Bungenstock/Schwarzenberg 2011: S. 82).

3 Trauer

„Trauer ist eine individuelle Reaktion auf einen bestimmten Verlust. Sie umfasst alle Bereiche des Lebens: das Fühlen, Denken und Handeln“ (Sammer 2010: S. 67). Dabei splittet sich die Trauer in mehrere Phasen auf und ist demnach als Prozess anzusehen (vgl. ebd.: S. 70).

3.1 Das Trauerphasen-Modell nach Verena Kast

Kasts vierphasiges Modell bezieht sich konkret auf den Tod nahestehender Menschen und ist dementsprechend auf den posthumen Trauerprozess erwachsener Menschen angelehnt (vgl. Sammer 2010: S. 72).

Die vier Phasen lassen sich im Einzelnen wie folgt charakterisieren:

a) Die Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens: Die erste Phase löst eine Art „Starre“ im menschlichen Empfinden aus. Mit der Todesnachricht geht ein Gefühlsschock einher, da die Situation als „zu belastend“ bewertet wird. Die daraus resultierende Empfindungslosigkeit lässt die Information erst gar nicht zu und verweigert demnach die Annahme des Verlustes. Ein plötzlicher Todesfall sorgt dabei für eine längere Aufrechterhaltung dieses Zustandes, der sich nach Bowlby über einen Zeitraum von einigen Stunden bis etwa einer Woche erstrecken kann (Vgl. Kast 1982: S. 61f).

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Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668444829
ISBN (Buch)
9783668444836
Dateigröße
816 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364679
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz
Note
1,0
Schlagworte
bedeutung trauerbegleitung kinderhospizarbeit

Autor

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