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Mit neuen Medien neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten. E-Learning im Web 2.0

Kollaborative Gruppenarbeit mit Google Docs. Planung, Gestaltung, Umsetzung, Evaluation und Diskussion

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 46 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Social Software in der medialen Bildung

3 Forschungsfrage und Hypothesenbildung

4 Analyse
4.1 Ausgangslage
4.2 Zielgruppe
4.3 Zielsetzung des Medienprojekts

5 Design

6 Development

7 Implementation

8 Evaluation
8.1 LORI- Learning Object Review Instrument
8.2 Gütekriterien
8.3 Fragebogenkonstruktion
8.4 Datenerhebung und -auswertung
8.5 Ergebnisdarstellung
8.6 Diskussion der Ergebnisse

9 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Cronbachs Alpha Bewertung des Inhalts des Dokuments

Tabelle 2 Cronbachs Alpha Aufbau des Medienprodukts

1 Einleitung

Nach einer Studie des MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung, wird E-Learning im Web 2.0 in den nächsten Jahren ein wichtiger und fester Bestandteil der betrieblichen Ausbildung werden (MMB-Institut, 2014, S. 9). Damit E-Learning erfolgreich in der Ausbildung eingesetzt werden kann, müssen Lehrkräfte hinsichtlich der Nutzung und Implementation von Social Software Tools geschult werden. Da das Web 2.0 neue Dimensionen des konstruktivistischen Lernens bietet, sollte diese Thematik ein wesentlicher Bestandteil von Lehrerfortbildungen werden (Koch & Moskaliuk, 2009). Aus diesem Grund ist ein google docs Einführungstool zur Thematik kollaborative Gruppenarbeit mit google docs konzipiert worden, welches als selbstgesteuerte Fortbildung für Lehrkräfte an einem Bildungszentrum eingesetzt werden soll. Dazu wird in Kapitel zwei ein thematischer Einstieg zum Kontext Social Software in Bildungsprozessen geschaffen und google docs als Social Software Tool vorgestellt. Daran anschließend in Kapitel drei werden anhand der theoretischen Grundlagen die Forschungsfrage und eine Hypothese abgeleitet. Es soll der Fragestellung nachgegangen werden, inwieweit die Nutzung des Einführungstools die Implementation von google docs in den Unterricht fördert.

Die Konzeption des Medienprojekts erfolgt anhand des ADDIE-Modells, einem fünfstufigen Modell aus dem Instruktionsdesign. Das ADDIE-Modell umfasst die Phasen Analysis, Design, Development, Implementation und Evaluation und beschreibt ein allgemeines Vorgehensmodell zur Planung von Lernangeboten, welches offen ist für unterschiedliche lerntheoretischen Positionen ist (Kerres, 2013, S. 222; Kerres & Preußler, 2015, S. 44).

Im Rahmen der Analyse in Kapitel vier werden zunächst die Ausgangslage für das Medienprojekts, die Zielgruppe und das Projektziel beschrieben. In der nächsten Phase des ADDIE-Modells, dem Design, wird die didaktische Ausrichtung des Medienprojekts erläutert. Die lerntheoretische Grundlage wird durch den Konstruktivismus gebildet, anhand dessen google docs lerntheoretisch verortet und dementsprechend konzipiert wird. Im nächsten Kapitel Development werden die Entwicklung und der Aufbau des Medienprodukts beschrieben. Im weiteren Verlauf der Implementation wird die Einbindung des Tools in den Arbeitsalltag am Bildungszentrum erläutert. Abschließend wird in der fünften Phase des ADDIE-Modells die Evaluation des Medienproduktes erörtert. Hier werden erzielte quantitative Daten zur Bewertung des Medienprodukts erhoben und ausgewertet.[1]

2 Social Software in der medialen Bildung

Social Software kann verstanden werden als onlinebasierte Anwendung, „die das Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement in den (Teil-) Öffentlichkeiten hypertextueller und sozialer Netzwerke unterstützt“ (Schmidt, 2006, S. 37). Grundlegend haben alle Programme gemeinsam, dass sie anwenderfreundlich und simpel zu bedienen und unabhängig vom Betriebssystem des Endgeräts nutzbar sind, da sie ausschließlich mit dem Webbrowser bedient werden. Ebenso ist das wesentliche Merkmal von Social Software die Offenheit gegenüber Veränderungen und Wertungen der Lernenden (Erpenbeck & Sauter, 2013, S. 78). Durch diese Möglichkeiten im Web 2.0 sind ein ortsunabhängiges synchrones oder asynchrones Bearbeiten von Dokumenten und eine Vernetzung untereinander möglich. Zudem wird das kooperative Lesen und kollaborative Generieren von webbasierten Dokumenten erleichtert (Magenheim & Meister, 2011, S. 24). Google docs als Social Software Tool ermöglicht vielen Nutzern ein simultanes Arbeiten am selben Dokument (Akin-Hecke, Röthler, & Eiselmair, 2016, S. 61). Somit können auch räumlich voneinander getrennte Nutzer miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten. Es können Präsentationen, Formulare, Textdateien oder Gruppenkalender bearbeitet werden (Magenheim & Meister, 2011, S. 26). Google docs ist ein geeignetes Programm für formelles kollaboratives Lernen und kann im traditionellen Schulunterricht für Gruppenarbeiten eingesetzt werden. Während Schüler und Lehrer gleichzeitig an einem Text arbeiten, kann die Chat- bzw. Kommentarfunktion genutzt werden, um ein supportives Kommunikationsszenario zu ermöglichen (Strasser, 2012, S. 5). Durch diese Methodenwahl besteht die Möglichkeit einer integrativen Medienbildung in traditionellen Unterrichtsszenarien (Magenheim & Meister, 2011, S. 36). Schule als Institution kann somit dazu beitragen, dass ein informelles und kooperatives Lernen, als Grundlage für Lebenslanges Lernen, möglich ist (Magenheim & Meister, 2011, S. 39). Charakteristisch ist hier, dass die Erschließung fachlicher Inhalte und gleichzeitig der Erwerb einer Medienkompetenz möglich ist (Magenheim & Meister, 2011, S. 37). Werden Social Software Tools im Lernprozess eingesetzt, verändert sich das Rollenverhältnis. Die Trennung von Experte und Lernenden wird aufgehoben, weil alle Beteiligten ihr Erfahrungswissen in den Lernprozess einbringen, Inhalte bewerten und sich mit den individuellen Darstellungen und Ausrichtungen der Themenkomplexe auseinandersetzen. Durch einen solchen Lernprozess findet immer eine Selbstreflexion statt und es kann eine „lebendige Kommunikation im Netz entstehen, bei der das Wissen gemeinsam weiterentwickelt wird (Erpenbeck & Sauter, 2013, S. 78). Google docs unterstützt somit das selbstgesteuerte Lernen, indem zu einer aktiven Wissenskonstruktion aufgerufen wird. Dazu tritt die Möglichkeit des kollaborativen Lernens und Arbeitens verstärkt in den Mittelpunkt von Lernprozessen (Jadin, 2007, S. 24). Dies wiederum hat eine Kompetenzentwicklung zum Ziel, so dass die Teilnehmer Probleme in der Arbeitspraxis kreativ und selbstorganisiert lösen können (Erpenbeck & Sauter, 2013, S. 78). Dazu muss allerdings ein verantwortungsbewusster Umgang mit Social Software erlernt werden. Nutzer müssen darauf vorbereitet werden, sich „gestaltend in der veränderten Lebenswelt zu bewegen, aber auch kritische Einflüsse und Gefahren zu erkennen“ (Gauger, 2010, S. 67). Denn ein Nachteil der computervermittelten Kommunikation ist der Verlust des persönlichen Gesprächs, der face-to-face-Kommunikation, so dass aufwändige schriftliche Beiträge verfasst werden müssen (Bremer, 2016, S. 10). Vorteile der Nutzung von kollaborativen Tools wie google docs sind „das hohe Maß an Interaktion und Kommunikation zwischen Lernenden, eine motivationale Wirkung durch ein Zusammenhaltgefühl innerhalb der Gruppe, die Herbeiführung kognitiver Konflikte und Dissonanzen sowie das Modelllernen durch die Beobachtung anderer im Team“ (Gauger, 2010, S. 83). Laut einer Studie von Gillow-Wiles und Niess aus dem Jahr 2015, ist google docs effektiv um Lehrende hinsichtlich der Nutzung kollaborativer Software Tools in Unterrichtszenarien zu schulen (Gillow-Wiles & Niess, 2015, S. 3176). Aufgrund dessen setzt sich das Medienprojekt mit der Konzeption eines google docs Tools auseinander, welches Lehrkräfte in die kollaborative Arbeit einführen soll.

3 Forschungsfrage und Hypothesenbildung

Anknüpfend an die soeben beschriebene Studie bleibt die Frage zu klären, ob Lehrkräfte nach einer solchen Schulung auch eigenständig die Implementation von kollaborativen Software Tools in Unterrichtsszenarien vornehmen, oder es ausschließlich bei der Schulung belassen. Zur wissenschaftlich fundierten Planung, Gestaltung, Umsetzung, Evaluation und Diskussion des Medienprojekts wird daher eine Forschungsfrage formuliert, die diese Forschungslücke aufgreift und thematisiert, ob durch die Nutzung des Einführungstools google docs die Implementation von google docs im Unterricht gefördert werden kann. Die Forschungsfrage lautet: Fördert die Nutzung des Einführungstools „google docs“ die Implementation von google docs zur kollaborativen Gruppenarbeit im Unterricht? Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird folgende Hypothese aufgestellt: Durch die Nutzung des Einführungstools wird google docs zur kollaborative Gruppenarbeit im Unterricht implementiert.

Durch die somit festgelegte Forschungsrichtung ist es möglich, die jeweiligen Abschnitte des ADDIE-Modells konkret für das Medienprojekt zu konzipieren. Beginnend ist es dafür notwendig, den ersten Abschnitt des Modells, die Analyse, zu durchlaufen, damit Rahmenbedingungen aufgezeigt werden können. Die Analyse wird im nächsten Kapitel erläutert.

4 Analyse

Für die Erstellung eines Medienprodukts ist es notwendig, die Zielgruppe genau zu beschreiben, da es schwierig bzw. mit einem höheren Aufwand verbunden ist, ein mediales Produkt nach Fertigstellung nachträglich zu ändern und Anpassungen an die Zielgruppe vorzunehmen (Kerres, 2013, S. 286). Daher werden zunächst die Ausgangslage, die Zielgruppe und anschließend das konkrete Projektziel beschrieben.

4.1 Ausgangslage

Ausgangslage dieses Medienprojekts ist eine interne Umstrukturierung des medialen Lernens an einem Bildungszentrum im Gesundheitswesen mit Neukonzeptionierung medialer Unterrichtsmethoden. Die medialen Vorkenntnisse der Lehrkräfte sind heterogen, da viele nicht medienaffin ausgebildet sind und zur Generation Digital Immigrants zählen. Deshalb wird ein Medienprodukt erstellt, welches Lehrkräfte hinsichtlich der Nutzung von google docs weiterbilden soll, so dass diese daraufhin eigenständig google docs für Unterrichtsszenarien konzipieren und einsetzen können.

4.2 Zielgruppe

Die Zielgruppe dieses Medienprojekts ist das Lehrerkollegium eines Bildungszentrums im Gesundheitswesen. Die Zielgruppe kann entweder mittels Fragebogen analysiert werden, oder aber durch Formulierung von Annahmen und Aussagen (Kerres, 2013, S. 287). Da die Autorin dieses Medienprojekts selbst Lehrkraft am Bildungszentrum ist und somit auch der Zielgruppe angehört, wird auf eine Analyse mittels Fragebogen verzichtet und die Zielgruppe aus subjektiver Sicht der Autorin beschrieben. Diese subjektive Sicht wird durch einen informellen Austausch unter den Kollegen geprägt.

Das Kollegium besteht aus insgesamt 60 Lehrkräften. Zwei Lehrkräfte bilden gemeinsam die Schulleitung und sieben Lehrkräfte sind als Fachbereichsleitungen für die Koordination der jeweiligen Ausbildungsbereiche eingesetzt. Von den 60 Lehrkräften sind 12 Männer und 48 Frauen. Die Studienabschlüsse innerhalb des Lehrerkollegiums sind sehr heterogen. Es werden Weiterbildungsabschlüsse zum Lehrer für Pflegeberufe und Bachelor- sowie Masterabschlüsse in Pflegepädagogik, Berufspädagogik, Bildungswissenschaft/ eEducation oder Pflegewissenschaft vorgehalten. Diese Heterogenität wird aufgrund der verschiedensten Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote benötigt, so dass alle Schwerpunktbereiche besetzt werden können. Diese Heterogenität führt allerdings auch dazu, dass viele verschiedene lerntheoretische Sichtweisen vertreten und angewendet werden. Zudem sind die Vorkenntnisse im Bereich medialer Tools für die Unterrichtsplanung sehr unterschiedlich. Auch die Bereitschaft digitale Medien im Unterricht einzusetzen ist sehr heterogen. Viele Lehrkräfte sind nicht medienaffin ausgebildet worden, so dass hier eine hohe Hemmschwelle zur Nutzung medialer Tools vorzufinden ist. Die Nutzungsgewohnheiten sind daher oftmals durch einen klassischen Unterrichtsmethoden und einem klassischen Medieneinsatz geprägt.

Die medientechnische Ausstattung, als Voraussetzung für den Einsatz neuster Social Software Tools, ist als gut zu bezeichnen. Es werden Beamer und Laptops in ausreichender Anzahl sowie ein Whiteboard vorgehalten. Auch die WLAN Nutzung ist möglich, jedoch nur eingeschränkt. Schüler haben die Möglichkeit über schulinterne Computer einen Internetzugang zu erhalten. Dazu hat jeder Schüler persönliche Zugangsdaten. Auch Lehrkräfte erhalten den Internetzugang nur über schulinterne Endgeräte. Diese sind aber in ausreichender Zahl vorhanden, so dass Lehrkräfte stets eine internetgestützte Methode für Unterrichtskonzepte einplanen können.

4.3 Zielsetzung des Medienprojekts

Ziel dieses Medienprojekts ist es, dass Lehrkräfte ermöglicht werden soll die eigenen Nutzungsgewohnheiten zu ändern und ein mediales Tool hinsichtlich kollaborativer Gruppenarbeiten kennenzulernen. Die Zielgruppe soll insoweit geschult werden, als dass sie nach Teilnahme am Medienprojekt selbständig google docs im Unterricht einsetzen kann. Da die Zielgruppe sehr wenige Vorkenntnisse im Bereich von Social Software Tools besitzt, sind auch viele Fachbegriffe aus der Mediendidaktik bzw. Medienpädagogik noch nicht bekannt. Um die Zielgruppe mit dem Medienprojekt zu erreichen und dieses erfolgreich einzusetzen, ist es daher wichtig, auf eine alltagssprachliche Erklärung einzelner Möglichkeiten aufzubauen und Fachbegriffe im Sinne eines Vokabeltrainings zu übersetzen. Wenn Fachbegriffe eingesetzt werden, ist die Überforderung der Lehrkräfte zu erwarten, so dass diese das Einführungs- und Informationstool nicht vollständig bearbeiten und eine hohe Abbruchquote zu erwarten ist.

5 Design

Die theoretische Grundlage bildet der Konstruktivismus, da das kollaborative Arbeiten mit google docs der konstruktivistischen Lerntheorie zugeordnet werden kann. Der Konstruktivismus beschreibt Lernen als „selbstgesteuerte Aktivität, die durch Pertubationen verschiedenster Art von außen angeregt, nicht aber organisiert werden kann“ (Böhm, 2005, S. 370). Entsprechend dieser Definition des Konstruktivismus durchläuft jedes Subjekt seinen individuellen Lernprozess und wird dabei vom Lehrenden nur angeregt. Die Bilder der Außenwelt, z.B. des Lernumfeldes, lösen Gedankenprozesse im Lernenden aus, so dass dadurch subjektives Wissen und eine eigene Auffassung vom Lernkontext geschaffen wird. Im Rahmen des Konstruktivismus findet Lernen immer in sozialen Kontexten und durch Interaktion statt (Gudjons, 2012, S. 253). Impulsgeber für eine konstruktivistische Didaktik sind Theorien von Dewey, Piaget und Vygotski. Alle drei Ansätze betonen einen aktiven Lernprozess, der sich stets auf die Vermittlung mit Handlungen bezieht und eine Spannung zwischen Subjekt und Umwelt annimmt. Dabei wird den Menschen unterstellt, dass sie der Verbindung von äußerer Welt und innerem Abbild misstrauen müssen. Lernen geschieht somit auch immer in einem kulturellen Kontext. Durch den Lernprozess wird immer ein neues subjektives Abbild der Welt geschaffen, welches niemals vollkommen ist, sondern stets durch neue subjektive Versionen überarbeitet werden kann (Reich, 2008, S. 73).

Kollaboratives Arbeiten entspricht diesen Dimensionen. Kollaboration stammt aus dem Französischen und bedeutet Zusammenarbeit. Kollaboratives Lernen kann definiert werden als „ ein gemeinsames, von allen am Lernprozess Beteiligten geteiltes Ziel beziehungsweise [wenn] großer Wert auf das Aushandeln gemeinsamer Ziele, Prozesse und Ergebnisse gelegt wird“ (Haake, Schwabe, & Wessner, 2004, S. 1). Kooperatives Lernen hingegen beschreibt die die Aufteilung von Aufgaben innerhalb einer Gruppe (Haake, Schwabe, & Wessner, 2004, S.2). Werden in diesem Kontext des kollaborativen oder kooperativen Lernens Informationstechnologien, wie google docs, angewendet, spricht man von Computer Supported Collaborative Learning, kurz CSCL (Haake, Schwabe, & Wessner, 2004, S. 3).

Kollaborative Software Tools, wie google docs, sind Werkzeuge die eine gemeinsame Erarbeitung von Inhalten ermöglichen. Dazu wird ein hohes Maß an Teamfähigkeit benötigt. Kollaboratives Arbeiten weist viele Facetten auf (Demuth, 2016, S. 2). Das Lernen wird im sozialen Kontext und durch gemeinsame Interaktion ermöglicht. Subjektive Sichtweisen werden in einem Dokument vereint und gemeinsam bearbeitet, so dass eine Gruppenleistung und daraus resultierend eine objektive Darstellung des Inhalts erfolgt. Dies kann zeitabhängig oder unabhängig erfolgen. Hier werden die Synonyme synchron und asynchron verwendet. Synchrones, also zeitgleiches Arbeiten bedeutet, dass alle Gruppenmitglieder zur selben Zeit an einem Dokument arbeiten. Es kann in sehr kurzer Zeit eine gute Gruppenleistung erfolgen (Demuth, 2016, S. 3). Asynchrones Arbeiten bedeutet zeitunabhängiges, also zeitversetztes Arbeiten. Unabhängig vom Zeitpunkt arbeiten Gruppenmitglieder an einem gemeinsamen Dokument. Der Vorteil in dieser Variante liegt darin, dass jeder Lernende sein eigenes Lerntempo nutzen kann und es zu keiner Über- bzw. Unterforderung kommt (Demuth, 2016, S. 3).

Eine weitere Facette ist die ortsabhängige bzw. ortsunabhängige Gruppenarbeit. Eine ortsabhängige Gruppenarbeit erfolgt gemeinsam an einem Ort, z.B. im Klassenraum oder bei einem Gruppenmitglied zu Hause. Alle Mitglieder greifen internetbasiert auf den Lerninhalt zu. Dieser ist für alle direkt sichtbar und auswertbar (Demuth, 2016, S. 3.) Durch ortsunabhängiges Arbeiten wird ein gemeinsamer virtueller Lernraum geschaffen. Unabhängig vom Aufenthaltsort, z.B. im Zug, zu Hause, im Urlaub, im Flugzeug, ist ein Zugriff auf den Lerninhalt möglich. Lernende tauschen sich aus und arbeiten weiter an der gemeinsamen Gruppenaufgabe (Demuth, 2016, S. 3).

Ebenfalls kollaborativ ist, dass die Autoren von bestimmten Textabschnitten erkennbar bleiben können, dies in der Realität aber nicht stringent durchgeführt wird. Viel mehr überarbeiten, ergänzen und löschen Gruppenmitglieder alle Textteile und die Autorenschaft verschwimmt zu einer Gesamtleistung. Individuelle Arbeitsleistungen sind nicht mehr eindeutig den Autoren zuzuordnen Demuth, 2016, S. 3). Hier spiegelt sich der kulturelle Kontext des Konstruktivismus wieder. Subjektive Ansichten verschwimmen und durch Überarbeitungen entsteht ein neues Abbild der Welt (Reich, 2008, S. 73).

Damit sich der Lernende allerdings im Sinne einer konstruktivistischen Didaktik weiterbilden kann, sind vier Voraussetzungen für das Lernen nötig: Selbsttätigkeit, Selbstbestimmung, Selbstwertgefühl und Beobachtungsfähigkeit.

Wer seine subjektive Wirklichkeit konstruiert, muss selbsttätig werden. Ebenso müssen subjektive Entscheidungen im Lernprozess getroffen werden. Diese Tätigkeiten müssen selbstbestimmt geregelt werden. Wichtig für den Lernprozess ist ebenfalls das Selbstwertgefühl. Lernen fordert den Menschen auch emotional und motivational. Zudem müssen Sachverhalte beobachtet werden, um aus ihnen lernen zu können. Somit kann aus der Beobachtung heraus eine Konstruktion der subjektiven Wirklichkeit erfolgen (Gudjons, 2012, S. 253). Jeder Lerner integriert seine individuellen Vorkenntnisse in den Lernprozess, welches sich wiederum auf die neu zu erwerbenden Kenntnisse auswirkt. Vom Lerner wird im Rahmen einer selbstregulierten konstruktivistischen Lernstrategie erwartet, dass er sich eigenständig Aufgabenstellungen widmet und imstande ist diese zu lösen (von Ameln, 2004, S. 246).

Auf Konstruktivismus basierend formulieren Reinmann-Rothmeier & Mandl zentrale Prinzipien konstruktivistischer Lernangebote. Lernen soll anhand von authentischen Problemen erfolgen, so dass durch eine konkrete Problemlage ein Praxisbezug hergestellt werden kann. Ebenso soll der Lernende in multiplen Kontexten lernen, in denen verschiedene Praxissituationen aufgezeigt werden und zu Lösungen angeregt werden sollen. Genauso sollen dabei verschiedene Perspektiven eingenommen und Probleme anhand verschiedener Rollen gelöst werden. Lernen soll zudem immer in sozialen Kontexten stattfinden, so dass eine Interaktion mit Arbeitskollegen möglich ist. Zuletzt ist es wichtig, dass Lernende mit instruktionaler Unterstützung lernen. Das bedeutet, dass eine Lernumgebung, Lernmaterialien und ein Lernbegleiter den Lernenden unterstützen sollen (Reinmann-Rothmeier & Mandl, 2006, S. 613). Diese Prinzipien konstruktivistischer Lernangebote sollen eine Kompetenzentwicklung ermöglichen, welche zum Lernerfolg beiträgt. Im nächsten Kapitel wird das Konzept des Medienprojekts erläutert, welches die zentralen Prinzipien von Reinmann-Rothmeier & Mandl aufgreift.

6 Development

Das Einführungstool in die kollaborative Gruppenarbeit mit google docs stellt eine selbstgesteuerte Fortbildung für Lehrkräfte dar. Die grundlegende Herausforderung in der Entwicklung des Medienprodukts ist, die Zielgruppe immer im Fokus der Konzeption zu halten. Es ist notwendig, eine vereinfachende Darstellung des Tools anzubieten. Denn wie hoch der Lerneffekt sein wird, hängt von der Motivation und Selbstdisziplin der Lehrkräfte ab. Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung sind hier wichtige Kriterien, die den Erfolg der Fortbildung beeinflussen.

Das google docs Tool wird anhand der konstruktivistischen Lerntheorie konzipiert. Zur Einführung wird ein Fallbeispiel aus dem Unterrichtsalltag dargestellt. Das Fallbeispiel ermöglicht Gedankenprozesse beim Lernenden, so dass subjektives Wissen angeregt und eine eigene Auffassung vom Lernkontext geschaffen wird. Anknüpfend an das Fallbeispiel wird eine Definition zum kollaborativen Lernen mit google docs erörtert. In diesem Zusammenhang werden Fachbegriffe übersetzt und vereinfacht dargestellt. Die Thematik kollaboratives Arbeiten mit google docs wird nun zunächst getrennt voneinander betrachtet, so dass der Begriff kollaboratives Lernen thematisiert und vereinfacht dargestellt werden kann. Dazu wird ein Quiz mittels LearningApps entwickelt und verlinkt. Das Quiz ist so konzipiert, dass Fachbegriffe genannt und die Bedeutung angeklickt werden muss. Hier ist eine Reduktion des Lerninhalts auf das Niveau der Teilnehmer zu verzeichnen, so dass eine Überforderung und ein daraus resultierender Motivationsverlust verhindert werden.

Nach der theoretischen Einführung in die kollaborative Gruppenarbeit wird darauf aufbauend das Software Tool google docs vorgestellt. Dazu dient ein Video, welches die Funktionen darstellt und das kollaborative Arbeiten präsentiert. Anschließend an das Video werden die darin thematisierten Schwerpunkte erneut aufgegriffen und durch Textpassagen näher erläutert. Es werden Anleitungen zum Erstellen bzw. Anmelden eines google Kontos verlinkt und beschrieben, wie ein google docs Dokument erstellt werden kann. Zur Vertiefung der Inhalte ist eine Spielwiese verlinkt. Die Spielwiese ist ein Beispieldokument, in dem alle Teilnehmer kollaborativ arbeiten und das Tool ausprobieren können. Die Spielwiese wird an weiteren Stellen des Einführungstools verlinkt sein, so dass neu erlernte Kompetenzen wiederum vertieft werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Darstellung der Such-, Chat- und Kommentarfunktion von google docs. Die Such- und Chatfunktion wird nur kurz dargestellt. Im Hinblick auf das kollaborative Lernen wird die asynchrone Kommunikationsform der Kommentarfunktion ausführlicher erläutert. Über die Kommentarfunktion ist auch eine instruktionale Unterstützung durch den Lernbegleiter möglich, was der konstruktivistischen Ausrichtung des Einführungstools entspricht. Zum Erlernen der medialen Fremdwörter wird die Möglichkeit gegeben ein Vokabelheft mit Inhalt zu füllen, so dass auch an dieser Stelle kollaboratives Arbeiten ermöglicht wird. Abschließend wird eine Pinnwand erstellt, die mit Ideen für den Einsatz von google docs im Unterricht gefüllt werden kann. Diese soll kollaborativ durch die Teilnehmer bearbeitet werden und eine Transferleistung zum Schulalltag ermöglichen. Ideen für die Implementation von google docs sollen die Motivation fördern, dieses Tool auch für eigene Unterrichtseinheiten zu konzipieren. Durch die kollaborative Erarbeitung von Einsatzmöglichkeiten im Unterricht wird der kulturelle Kontext des Konstruktivismus wieder aufgegriffen. Die Außenwelt, hier die Ideen von weiteren Teilnehmern, ermöglichen eine Erweiterung der subjektiven Sichtweise.

Der Evaluationsbogen zum Medienprojekt wird direkt verlinkt, so dass alle Teilnehmer eine zeitnahe Evaluation abgeben können. Auch dieser wird mit google docs erstellt. Dazu dient das Formular Tool.

7 Implementation

Die Umsetzung des Medienprojekts erfolgt im Schulalltag. Die Einladung des Lehrerkollegiums zur Teilnahme am Medienprojekt erfolgt per E-Mail. Diese enthält eine kurze Beschreibung des Projekts und den Link zum Medienprodukt. Alle Lehrkräfte die Interesse am Einführungstool haben, sind eingeladen an der selbstgesteuerten Fortbildung teilzunehmen. Das Einführungstool wird im Zeitraum vom 19.12.2016 - 05.02.2017 freigeschaltet. Der Startpunkt des Bearbeitungszeitraums ist bewusst gewählt worden, um eine hohe Teilnehmerzahl zu erreichen. Lehrkräfte die sich nicht im Weihnachtsurlaub befinden, haben die Möglichkeit die unterrichtsfreie Zeit für die Fortbildung zu nutzen. Das Lehrerkollegium hat dadurch einen Gesamtzeitraum von sechs Wochen für die Fortbildung.

Den Abschluss des Einführungstools bildet die Evaluation des Medienprojekts, welche im nächsten Kapitel erörtert wird.

8 Evaluation

Zur Evaluation des Medienprojekts werden zunächst die Forschungsfrage: Fördert die Nutzung des Einführungstools „google docs“ die Implementation von google docs zur kollaborativen Gruppenarbeit im Unterricht? und die mittels theoretischer Verortung gebildete Hypothese: Durch die Nutzung des Einführungstools wird google docs zur kollaborative Gruppenarbeit im Unterricht implementiert aus dem dritten Kapitel aufgegriffen.

Die Nutzung des Einführungstools stellt die unabhängige Variable (UV) dar, wohingegen die Implementation von google docs im Unterricht die abhängige Variable (AV) darstellt.

Für die Eingrenzung der zu untersuchenden Merkmalsbereiche wird das LORI- Modell verwendet, welches im nächsten Kapitel näher beschrieben wird.

Anhand der Hypothesen werden Variablen sichtbar, die sich auch im LORI-Modell wiederfinden und operationalisiert werden können. Dazu werden die Indikatoren und Items benannt und für die explizite Evaluation aus der Theorie abgeleitet. So entsteht ein Fragebogenkonstrukt, welches unter Beachtung auf die Gütekriterien erstellt worden ist. Der Fragebogen ist im Anhang einzusehen ist. Dieser wird als Online-Fragebogen mittels google docs Tool Formulare konzipiert.

8.1 LORI- Learning Object Review Instrument

LORI ist ein zur Evaluation von Lernobjekten konzipiertes Instrument. Unter Lernobjekten versteht man Informationsressourcen oder interaktive Softwaresysteme. Dieses können z.B. einfache Bilder, Textseiten im Internet, virtuelle Simulationen oder virtuelle Lernszenarien sein (Nesbit, Belfer, & Leacock, 2004, S. 2). Das in diesem Medienprojekt erstellte google docs Dokument stellt ein Lernobjekt dar und kann mit Hilfe des LORI evaluiert werden. Vorteil der Verwendung des LORI-Modells besteht darin, ein einheitliches Evaluationsinstrument für viele verschiedene Lernobjekte zu verwenden, so dass eine objektive Darstellung der Qualität sichergestellt werden kann (Nesbit, Belfer, & Leacock, 2004, S. 2). Dazu beinhaltet das Modell neun Dimensionen:

- Content Quality: Darstellung der Inhalte des Software Tools an Zielgruppe angepasst
- Learning Goal Alignment: Lernziele, Aktivitäten und Charakteristika der Lerngruppe werden im Vorfeld festgelegt und die Inhalte angepasst
- Feedback and Adaptation: Rückmeldungen und Lerninhalte können durch die Lernenden angepasst werden
- Motivation: Motivation der Zielgruppe durch das Software Tool geweckt
- Presentation Design: Darstellung und Design von visuellen und auditiven Elementen werden zur Unterstützung des Lernprozesses gewählt
- Interaction Usability: Benutzerfreundlichkeit des Software Tools bzgl. Navigation sowie der zur Verfügung stehenden Funktionen
- Accessibility: Zugang muss einfach und selbsterklärend sein
- Reusability: das Instrument sollte für verschiedenen Lerninhalte und Zielgruppen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen einsetzbar sein
- Standards Compliance: Übereinstimmung des Medienprodukts mit internationalen Standards (Nesbit, Belfer, & Leacock, 2004, S. 2).

Da die Evaluation dieser neun Dimensionen eine zu komplexe Fragebogenkonstruktion bedeuten würde, werden nur die für das Medienprodukt relevanten Dimensionen gemessen. Denn der Fragebogen soll so kurz wie möglich konzipiert werden, da die Antwortbereitschaft der Teilnehmer mit zunehmender Dauer des Fragebogens abnimmt (Schöneck & Voß, 2013, S. 74).

Zur Reduktion der Dimensionen wird eine Literaturrecherche durchgeführt.

Laut einer Studie von Kerres können drei Begründungen für den Einsatz von Medien in Unterrichtsszenarien identifiziert werden: Steigerung der Effizienz des Lernens, Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit digitaler Technik, persönlichkeitsbildende Funktion der Medien (Kerres, 2000, S. 2). Die Steigerung der Effizienz des Lernens soll ermöglichen, dass „ein Lernziel einfacher, schneller, besser, günstiger“ (Kerres, 2000, S. 2) zu erreichen ist. Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Medien ermöglichen eine zwischenmenschliche Kommunikation. Personen sollen Informationen im Hinblick auf Qualität bewerten können und eine Diskussion mit Anderen anstreben (Kerres, 2000, S. 4). Die persönlichkeitsbildende Funktion von Medien beschreibt Kerres als die Möglichkeit „Medienprodukte für die kommunikativen Bedürfnisse nutzbar zu machen“ (Kerres, 2000, S. 4).

Die Voraussetzung zur Implementation von Medien in den Unterricht ist die Grundbildung von Lehrkräften. Diese umfasst die Schulung von Lehrkräften hinsichtlich Aufbau von Wissen über Funktionen und Aufbau von Medienprodukten, Erlernen von Fertigkeiten im Umgang mit einem Medienprodukt und die Bewertung des Inhalts von Medienprodukten (Kerres, 2000, S. 4).

Anhand dieser theoretischen Einordnung erfolgt nun die Operationalisierung der Variablen. Für die Fragebogenkonstruktion der UV Nutzung des Einführungstools google docs sind die Dimensionen Content Quality und Learning Goal Alignment abgeleitet worden. Zur Erhebung der AV Implementation von google docs im Unterricht werden die Dimensionen Interaction Usability und Reusability abgeleitet. Somit finden sich alle von Kerres aufgestellten Bedingungen in der Zuordnung zu den einzelnen Dimensionen des LORI-Modell wieder. Zu den Indikatoren werden Items gebildet, die ein repräsentatives Abbild des theoretischen Konstrukts darstellen sollen. Dazu müssen mindestens sechs Items formuliert werden (Kallus, 2016, S. 28). Durch eine große Anzahl an Items kann trotz Messfehlern eine hohe Reliabilität erreicht werden (Atteslander, 2010, S. 145). Die abhängige und unabhängige Variable sind anhand der Dimensionen des LORI-Modell und daraus abgeleiteten Items messbar und somit operationalisiert. Die grafische Darstellung dieser theoretischen Überlegungen ist im Anhang einzusehen.

[...]

[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nachfolgend die männliche Form der Anrede verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

Details

Seiten
46
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668446014
ISBN (Buch)
9783668446021
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364705
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Schlagworte
medien wege bildungswissenschaft e-learning kollaborative gruppenarbeit google docs planung gestaltung umsetzung evaluation diskussion

Autor

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