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Vermittlung von Adoption in Deutschland. Rechte und Pflichten der Beteiligten, psychische Auswirkungen und Bezug zur Sozialarbeit

Studienarbeit 2017 23 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition und geschichtliche Entwicklung
2.1. Das Eltern-Kind-Verhältnis
2.2. Formen der Adoption
2.3. Voraussetzungen einer Kindesannahme

3. Rechte und Pflichten der Adoptiveltern
3.1 Rechte und Pflichten der leiblichen Eltern nach einer Adoption
3.2. Rechte des Kindes

4. Kindeswohl, der Schlüssel einer erfolgreichen Adoption
4.1. Die Rolle des Sozialarbeiter in einem Adoptionsprozess

5. Psychische Auswirkungen auf die Kinder
5.1. Psychische Auswirkungen auf abgebende Mütter
5.2. Psychische Auswirkungen auf die Adoptiveltern

6. Adoptionsvermittlungsstellen und auftretende Konflikte

7. Sozialpraktische Schlussfolgerungen: Ergebnisse, Anregungen, Empfehlungen

8. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Eine Adoption verändert das Leben aller Beteiligten: Mütter, denen die Kraft fehlte, ihre Kinder auf andere Weise durchzubringen und letztendlich beschlossen haben, ihre Kinder abzugeben und nicht einmal erfahren, wo sie leben werden oder was mit ihnen geschehen wird. Ein Kind verliert seine leibliche Mutter und kommt in ein fremdes Milieu. Dieses Kind hat daraufhin neue Eltern. Die Adoptionsvermittlung legt ein Grundstein für etwas ganz Neues (vgl. Elsäßer 2007, S. 7). Heutzutage übersieht die Gesellschaft immer häufiger alle Seiten des Adoptionsprozesses. Durch gesellschaftliche Vorurteile geprägt, lassen sich viele Schattenseiten um das Thema der unfreiwilligen Kinderlosigkeit oder der Abgabe eines leiblichen Kindes aufzeigen. In dieser Hausarbeit soll mit Hilfe der Debatte der dargestellten Themen, ein Überblick über das sogenannte Adoptionsdreieck gegeben werden, indem es nicht um explizit einen Beteiligten geht, sondern hier werden alle Personen, die im Adoptionsprozess eine Rolle spielen, untersucht und in den Fokus genommen.

Rechtsnormen, an denen sich die Institutionen und Personen orientieren müssen, finden sich vor allem im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB; dort §§1741 bis 1722), im Adoptionsvermittlungsgesetz (AdVermiG), im Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG), im Gesetz über die Aufgaben der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG) sowie im Reichs- und Staatsangehörigengesetz (RnStAG).

Um diese Thematik umfassend erarbeiten zu können, verschafft die vorliegende Arbeit zu Beginn einen kurzen Überblick über die Definition und die geschichtliche Entwicklung der Adoption, sowie die Voraussetzungen, um ein bevorstehendes Verfahren rechtlich abschließen zu können. Anschließend wird der Fokus auf die daraus resultierenden Rechte und Pflichten eines Adoptiveltern-Teils gelegt und erläutert. Hierbei werden Sie auf die unterschiedlichsten Fragen stoßen, um letztendlich die Arten der Adoption zu veranschaulichen. Welche Positionen das Kind bei einem Adoptionsprozess hat und welche besonderen Rechte und Pflichten ihm zustehen, wird im dritten Abschnitt dieser Ausarbeitung klar. Daran knüpfe ich mit dem Kern einer erfolgreichen Adoption an, indem ich in eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Kindeswohl“ gehe und diesen definiere. Auch die Rolle des Sozialarbeiters und die pädagogische Beurteilung, welche als eine Unterstützung für das Adoptionsverfahren dient, wird im Anschluss festgehalten. Neben der Klärung der rechtlichen Aspekte, ist vor allem die Betrachtung aus der psychischen Perspektive von großer Bedeutung. Aufgrund dessen wird im nächsten Teil spezifisch auf psychische Auswirkungen der benannten Kinder, sowie der leiblichen Eltern und Adoptiveltern eingegangen. Im letzten Abschnitt werde ich nach der Auseinandersetzung mit den genannten Bereichen zum Thema Adoption, den Stellenwert der Adoptionsvermittlungsstellen innerhalb des Adoptionsprozesses verdeutlichen. Abschließend werden die erarbeiteten Ergebnisse reflektiert und bewertet.

2. Definition und geschichtliche Entwicklung

Adoption ist ein Thema, dass nicht nur neue Gesetzesentwürfe herausfordert, sondern auch viel Diskussionsbedarf liefert. Ca. 15% aller Paare sind von der ungewollten Kinderlosigkeit betroffen (Zit.n. Klingenstein, 2000 S. 15). Beim Begriff Adoption geht es um die Annahme eines Kindes, das aus seinen sozialen sowie rechtlichen Beziehungen herausgenommen wird. Adoption bezeichnet den rechtlich geregelten Vorgang, durch dem ein Kind aufgrund von Willensakten zum ehelichen Kind, einer fremden Person oder eines Ehepaares wird und wobei bis zum Verfahren keine Kindschaftsbeziehung besteht (Münchener Kommentar, 2. Aufl., S. 765).

Seit 1977 spricht man nicht mehr über die Annahme eines Kindes, sondern über das am 01.01.1977 inkraftgetretene Adoptionsgesetz. Demnach wird mit einer Adoption versucht ein soziales und gesetzliches Eltern-Kind-Verhältnis herzustellen. Das „Elternwohl“ spielte allerdings bereits ab dem 19. Jahrhundert nach dem BGB (Bürgerlichen Gesetzbuch) eine wichtige Rolle. Hierbei wird eine „neue Mutter“ und/oder ein „neuer Vater“ gefunden (vgl. Wabnitz 2009, S.132). Ziel der Adoption ist es, ein Kind, aus verschiedenen Gründen wie z.B. nicht mehr bei seinen eigenen Eltern aufwachsen kann, dauerhaft in eine Familie zu integrieren (vgl. Hoherlein 1991, S.33). Bei diesem Prozess wäre es optimal, wenn die Bewerber und Bewerberinnen keine eigenen Kinder haben, um den Voraussetzungen für ein effektives Kindeswohl zu entsprechen. Da das Kindeswohl der ausschlaggebendste Ausgangspunkt für die Empfehlung der familiengerichtlichen Entscheidung sowie einer Annahme der Adoptionsvermittlungsstelle ist, kann demnach leichter entschieden werden, ob eine Adoption in kraft treten kann oder nicht (vgl. Röchling 2000, S. 24). Dazu mehr im Kapitel drei und vier. Ebenso zu berücksichtigen ist rechtliche Gleichstellung zwischen leibliche Kinder und Adoptivkinder der Annehmenden (vgl. Henning 1994, S.26). Das sogenannte ,Adoptionsviereck' besteht hauptsächlich aus dem Adoptivkind, den Adoptivfamilie, den vermittelnden Stellen sowie den leiblichen Eltern. Alle Seiten müssen bewusst oder unbewusst eine Gemeinschaft bilden, um den Adoptionsprozess zu realisieren. Auch wenn die Adoptionsvermittlungsstellen unter anderem das Jugendamt keine direkte Beteiligung zu dem Familiengeschehen haben, werden sie zum zentralen Baustein der Vermittlung und Begleitung des Prozesses. Das Ausschlusskriterium für eine legale Adoption ist hierbei nämlich der amtliche Beginn, denn ohne eine Beteiligung ihrerseits ist dies nicht möglich(vgl. Kühn 2014, S.41).

Anfang des 1900 Jahrhunderts waren überwiegend kirchliche Organisationen für die Vermittlung von Waisen und unehelichen Kindern zuständig und konnten eine Adoption ermöglichen. Hintergrund dafür war häufig für die religiös sozial Beteiligten häufig die entsprechende Moralvorstellung des früheren Lebensstil(vgl. Kühn 2014, S.42). Trotz dessen war die Adoption gesetzlich abzuklären und bedurfte einen notarisch abgeschlossenen Vertrag(vgl. Paulitz et. al. 2000, S.19). Zu Zeiten des Nationalsozialismus folgten zahlreiche Gesetzesänderungen, die vor allem rassen- und bevölkerungspolitische Ziele durchsetzten. „Es waren die Gesetze gegen ,Missbrauch bei der Eheschließung‘ und der ‚Annahme an Kindes statt‘ vom 23. November 1933 und das ‚Familienrechtsänderungsgesetz‘ vom 12. April 1938.“ (Evers & Friedemann 2007, S. 44). Die Erleichterung bei den Ausnahmeregelungen begann allerdings erst 1950 nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem „Erleichterungsgesetz“. Ganz stark war nach dem Zweiten Weltkrieg die hohe Unterbringungsbedürftigkeit der Waisenkinder in Heimen oder bei Adoptiv-, oder Pflegeeltern. Nichteheliche Kinder wurden gezwungenermaßen von ihren Müttern, aufgrund der gesellschaftlichen Vorbehalte, abgegeben und zur Adoption freigegeben. Außerdem wurde in Deutschland bezüglich der Landesteilung (BRD) und (DDR) ebenso bei den Adoptionsgesetzen unterschieden. Das Familiengesetzbuch (FGB) wurde am 20. Dezember 1965 in der DDR (Deutsche Demokratische Republik) durch die Volkskammer festgelegt. Dort waren die rechtlichen Grundlagen einer Adoption in den §§66-78 des FGB festgelegt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands war es besonders problematisch, den Paragraf 70 Abs. 2 FGB umzusetzen, da keine gerichtliche Erschließung nötig war. Der Paragraf 70 Abs. 2 FGB besagte, dass der Staat das Ziel elterliche Erziehungsrechts entziehen konnte, um eine Adoption vollziehen zu können. Eine Alternative der Ersetzung elterlicher Einwilligung zur Adoption wurde 1976 erkannt, welche früher nur unter streng eingeschränkten Voraussetzungen möglich war. In späteren Jahren spielte immer mehr das Wohlergehen des Kindes eine große Rolle, weshalb darauf im Bezug zu der Reformdiskussion um die Heimerziehung eine Gesetzesänderung des Adoptionsgesetzes bedurfte. Ab 1. Januar 1977 traten das neue Adoptionsrecht und das Adoptionsvermittlungsrecht in Kraft. Diese Gesetze haben eine fast unveränderte Geltung (vgl. Evers & Friedemann 2007, S. 45ff.). Die Adoptionsreform sollte hauptsächlich das Ziel haben, Heimkinder zur Adoption zu begleiten (vgl. Paulitz et. al. 2000, S. 21). Paulitz et. al. schrieben auch :,,Wenn ein Elternteil seine Pflichten gegenüber dem Kind anhaltend gröblich verletzt, oder wenn der Elternteil durch sein Verhalten zeigt, dass ihm das Kind gleichgültig ist, kann die Einwilligung ersetzt werden. Im letzteren Fall darf die Einwilligung erst ersetzt werden, wenn der Elternteil vom Jugendamt über die Erziehungsmöglichkeit belehrt und ihm Hilfe für die Erziehung des Kindes in der eigenen Familie angeboten worden sind“ (Paulitz et. al. 2000, S. 23), welches sich mit §1748 BGB für eine Verwirklichung einer Ersetzung ergänzen lässt. Seit 1998 führte die Kindschaftsreform die Gleichstellung zwischen ehelichen und nicht ehelichen Kindern ein. Seither zählt auch die Einwilligung eines nichtehelichen Vaters im Adoptionsprozess(vgl. Evers & Friedmann 2007, S.47).

2.1. Das Eltern-Kind-Verhältnis

„Nach Paragraf 1741 Abs. 1 S. 1 BGB muss ferner das Entstehen eines Eltern-Kind-Verhältnisses zwischen dem Annehmenden und dem Kind zu erwarten sein. Teilweise wird vertreten, die Kriterien eines Kindeswohls und der Eltern-Kind-Beziehung seien zu verknüpfen, da nur die Annahme eines Kindes in solches Verhältnis und ein Aufgehen des Kindes darin seinem Wohl entsprechen könnten.“ (Favier 2014, S. 91; §1741 BGB Rn. 10).Ein Eltern-Kind-Verhältnis bedarf einer natürlichen Entwicklung zwischen den Annehmenden und dem Anzunehmende. Sie muss ohne äußere Einwirkungen wachsen. Oft berichten Adoptivkinder vom besseren Verhältnis als so manche leibliche Kinder. Ziel und Zweck ist hierbei, beide Parteien zusammen zu schweißen. Annehmende sind in erster Linie sehr interessiert und in der neuen Herausforderung sehr bemüht, eine Erziehung auf normalem Wege herzustellen. Sie sind sehr tolerant, verständnisvoll und empathisch, da eine Annahme ein intensiv überlegter Schritt in die Elternschaft ist und sie somit vorbildlich handeln möchten. Eine entgegengebrachte Zuwendung durch die Adoptiveltern ist in der Regel kein muss für Adoptivkinder und bringt letztendlich eine gegenseitige Schätzung mit (Paradise 2010).

2.2. Formen der Adoption

Adoption hat viele Formen. Man unterscheidet aber hauptsächlich zwischen zwei Adoptionsformen, die Inkognito-Adoption und die offene Adoption. Bei der Inkognito-Adoption handelt es sich um eine Kindesannahme, bei der die leiblichen Eltern nicht erfahren, wer ihr zur Adoption freigegebenes Kind angenommen hat. Die leiblichen Eltern geben also in solchen Fällen ihr nichteheliches Kindt „mit Glauben und Treue“ in die Adoption ab (Gerber, 1979, S. 110). Sollte trotzdem Interesse an den Bewerbern bestehen, können sie beschränkte Informationen wie beispielsweise über ihre soziale und finanzielle Stellung, ihr Alter oder über bereits bestehende Kinder erhalten. Was an Auskunft in einer Inkognito-Adoption nicht herausgegeben darf, sind Name und Anschrift der Adoptiveltern, da es zu einer Identifizierung führen kann. Erst bei der Einwilligung wird die Inkognito-Adoption angewandt. Der Vorgang funktioniert wie folgt: Die leiblichen Eltern eines nichtehelichen Kindes willigen in die Annahme durch den unter Nr. X beim Jugendamt Y auserwählten Bewerber ein. Diese Form der Annahme soll für das Kind nach der Adoption eine durch leibliche Eltern ungehinderte Entwicklung ermöglichen. Eine völlige Garantie über ,,Den perfekten Schutz des Inkognito“ kann aber keineswegs gegeben werden, besonders bei einer nicht freiwilligen Einwilligung der leiblichen Eltern (Wiemann, 1991, S. 194). In solchen Fällen wird oft alles versucht den Aufenthaltsort des leiblichen Kindes herauszubekommen, was letztendlich störende Faktoren für die neue Familie mit sich bringt. Durch Paragraf 1758 BGB wird gesetzlich der Schutz des Inkognito gewährleistet, welcher besagt, „daß allein die Adoptiveltern bestimmen, inwieweit ihr Kind über seine Adoption informiert wird“ (Wiemann, 1991, S. 195)

Die zweite Form der Adoption worüber in dieser Arbeit eingegangen wird, ist die offene Adoption, auch `Nicht Inkognito-Adoption` genannt. Hierbei werden im Gegenteil zu der Inkognito-Adoption, die leiblichen Eltern mit den Adoptiveltern bekannt gemacht. Das persönliche Gespräch, welches meist nach der Geburt stattfindet, ist bei dieser Form das A und O. Zwischen der Ursprungsfamilie und der neuen Familie besteht oft nach der Adoption weiterhin Kontakt, sowie regelmäßige Besuche (GRIN, Die Adoption eines Kindes, 1998). Ziel und Zweck dabei ist es, einerseits einen Ausblick über die Entwicklung des leiblichen Kindes zu schaffen und anderseits den Adoptiveltern die Chance zu ermöglichen, sich eine persönliche Meinung zu bilden, um sie in späteren Jahren im Falle eines Kontaktabbruches weitergeben können, bis das Kind seine eigene Denkweise entwickelt. Über die offenen Adoptionen gibt es bisher in Deutschland keine gesetzlichen Regelungen, sie richtet sich vielmehr nach dem Einzelfall und den Vorstellungen der leiblichen Eltern. Nur selten wird in Deutschland die Form der offenen Adoption ausgeführt, da die meisten Adoptionsbewerber eine Inkognito - Adoption bevorzugen. Welche von beiden Adoptionen für das Kind die bessere ist, ist bis heute umstritten (Schnitzerling 1960, S. 36).

2.3. Voraussetzungen einer Kindesannahme

Rechtliche Voraussetzungen sind gemäß Paragraf 1741 Abs. 1 BGB für eine Adoption erst dann zulässig, wenn sie dem Wohl des Kindes dienen. Dies soll für die Förderung der Ressourcen sowie Entwicklung des Kindes nützlich sein (vgl. Von Münch 1992, S.15), welche höchste Priorität bei den Voraussetzungen des Adoptionsrechts hat. Grund hierfür ist es, dass Adoptionen aufgrund von vermögens- oder erbrechtlichen Interessen möglichst zu vermeiden. Dem anzunehmenden Kind soll vielmehr das Aufwachsen in einer intakten Familie ermöglicht werden. Aufgrund dessen werden vom Vormundschaftrichter zur Qualifikation die Stabilität der Ehe und die Erziehungsfähigkeit der Annehmenden überprüft, um letztendlich eine ernsthafte Aussicht zu erhalten, ob ein Eltern-Kind-Verhältnis zu Stande kommen kann oder nicht (§1741 Abs. 1 BGB). Dieser Vorgang entwickelt sich zu einer sozialen Elternschaft und nicht wie in der Regel auf einer leiblichen Basis. Die Annahme darf das Gericht erst dann aussprechen, wenn die Voraussetzungen für ein Eltern-Kind-Verhältnis gegeben sind. Darunter sind u.a. die Bindungsfähigkeit, die Beanspruchungsfähigkeit der Adoptiveltern, der kindesgerechte Abstand sowie die Grundhaltung zu Kindern und die Hintergründe ihres Adoptionswunsches, zu verstehen. Auch bereits bestehende Kinder müssen bei den Voraussetzungen ermittelt werden, um eine eventuelle Gefährdung der Interessen des Adoptivkindes auszuschließen (§ 1745 BGB). Ist dies der Fall, darf keine Annahme ausgesprochen werden. Auch wenn die bereits genannten Voraussetzungen verständlich wirken, ist die praktische Umsetzung dieser nicht einfach zu untersuchen. Gängige Begriffe wie „Eltern-Kind-Verhältnis“ oder „Kindeswohl“ können deshalb nicht eindeutig definiert werden, weil sie eher von eigenen Betrachtungsweisen und Erwartungen geprägt werden.

Jedoch gibt es gewisse Ausgangspunkte, bei denen sich Adoptionsvermittlungsstellen während einer Analysierung stützen können. Die Soziologin Frau Napp-Peters schließt in ihrer Studie durch eine Überprüfung aus, dass der Antrag auf eine Adoption aufgrund bestimmter Gegebenheit häufig abgelehnt wird(vgl. Napp-Peters 1978, S. 307-311). Folgendes gehört zu den häufigsten Ablehnungsgründen: Das Alter (Bewerber zu jung bzw. zu alt, Altersunterschied zwischen zwei Ehepartnern zu groß), unverheirateter Bewerber, zu niedrige soziale oder wirtschaftliche Stellung, Planung eines Umzuges ins Auslands, Ehefrau will ihren Beruf nicht aufgeben, zu starke Bindung an ein verstorbenes Kind, bestehende Ehekrisen, eigene eheliche Kinder sind vorhanden bzw. eigenes Kind wird erwartet, Krankheit oder körperliche Behinderung eines Partners (z. B. Diabetes, Anfallleiden, halbseitige Lähmungserscheinungen) und Konfessionslosigkeit (GRIN, Die Adoption eines Kindes, 1998). Auf die genannten Ablehnungspunkte wird folglich mehr eingegangen und erläutert. Wichtig zu erwähnen ist, dass das deutsche Adoptionsrecht, in dem die rechtlichen Regelungen für eine Adoption eines minderjährigen festgelegt sind, der Hauptpunkt der familienrechtlichen Festlegung des Bürgerlichen Gesetzbuches ist (BGB) (§§1741-1766 BGB) (vgl. Bach 1994, S.250). Allerdings gelten für die Annahme eines Volljährigen einige Sonderregeln (§1767 BGB).

Um die Adoption eines minderjährigen Kindes gewährleisten zu können, gibt es gesetzliche Bedingungen, welche erfüllt werden müssen:

A) Antragsgestaltung; B)Materielle Zulässigkeitsvoraussetzungen; C)Einwilligung; D) Probezeit; E) Beschluss des Familiengerichts; F) Voraussetzungen an die Annehmenden

Eine Adoption muss von den Bewerbern beim Familiengericht (FamFG) durch einen Antrag gestellt werden (§1752 Abs. 1 BGB). Die muss zunächst ohne jegliche Bedingungen oder Befristungen persönlich und in einer notariell beurkundeten Fassung ausgeführt werden (§1752 Abs. 2 Satz 2 BGB). Für den Antragsteller ist ein Mindestalter von 25 Jahren vorgesehen. Bei Verheirateten Bewerbern muss ein Ehepartner 25 und der andere mindestens 21 Jahre alt sein (§1743 BGB). Bei unverheirateten Paaren kann nur eine einseitige Adoption stattfinden (§1741 Abs. 2 Satz 1 BGB). Hierbei ist zu beachten, dass eine Adoption eines Ehepartner-Kindes (Stiefkindadoption) durch den Ehegatten gesetzlich geraubt ist (§1741 Abs. 2 Satz 3 BGB). Zu den materiellen Zulässigkeitsvoraussetzungen muss das Eltern-Kind-Verhältnis gerichtlich überprüft werden, um anschließend die Einwilligungen, welche von mehreren Personen ausgehen müssen, passieren. Einerseits durch gesetzliche Vertreter unter 14 Jährige Kinder vertreten und anderseits Kinder ab dem 14 Lebensalter, mit der Zustimmung eines gesetzlichen Vertreters (§1746 Abs. 1 BGB). In solchen Fällen ist aufgrund einer Verweigerung seitens der Vormundlern oder Pfleger durch gerichtliche Zustimmung eine Durchführung möglich (§1746 Abs. 3 BGB). Eine Adoption ohne die persönliche Einwilligung eines Kindes ab 14 Jahren kann nicht vollzogen werden! (vgl. Wabnitz 2009, S. 135). Auch leibliche Eltern müssen gemäß §1747 BGB eine Adoption ihres Kindes einwilligen. Sollte eine Verweigerung der leiblichen Eltern vorliegen, muss der Gesetzgeber die Interessen des Kindes an einer Adoption sowie die rechtlichen Interessen der Eltern abwägen, wobei eine Zwangsadoption viel mehr in die Rechte der leiblichen Eltern eingreife, da die gesamte Elternschaft entzogen wird, als im Falle von §1666 BGB („nur“ das Sorgerecht wird entzogen) (vgl. Wabnitz 2009, S. 133ff.). Das Familiengericht hat auf Antrag des Kindes gemäß §1748 BGB die Einwilligung des Elternteils in die Adoption zu ersetzen, besonders dann, wenn die elterlichen Pflichten permanent verletzt werden, aufgrund der scheinbar Bedeutungslosigkeit des Kindes oder Verhaltensauffälligkeiten der Eltern wie z.B. wenn der Elternteil wegen besonders schwerer psychischer, geistiger oder körperlicher Behinderung zur Pflege und Erziehung dauernd unfähig ist (vgl. Elsäßer 2007, S. 88). Zu Berücksichtigen ist ebenso die Einwilligung des Ehepartners des Annehmenden/ Verheirateten (§1749 BGB). Nun erfolgt nach der Einwilligung gemäß §1744 BGB die Probezeit der Annahme. Solange ist die Adoption nicht ausgesprochen. Durch die Einwilligung der leiblichen Eltern ruht von da an die elterliche Sorge und das Umgangsrecht (§1751 Abs. 1 Satz 1 BGB) und das Jugendamt wird zum Vormund erklärt (§1751 Abs. 1 Satz 2 BGB). Ist der oben genannte Vorgang abgeschlossen, kann schließlich eine Annahme des Kindes durch das Familiengericht gemäß §1752 BGB ausgesprochen werden(vgl. Wabnitz 2009, S. 133ff.).

3. Rechte und Pflichten der Adoptiveltern

Für die Rechte und Pflichten der Adoptiveltern ist das Gesetz §1754 BGB der Grundsatz, wodurch das Adoptivkind die rechtliche Stellung eines leiblichen Kindes erhält. Diese Handlung schließt die Verpflichtung seitens der Adoptiveltern die elterliche Sorge zu tragen ein (vgl. Baumann 1992, S. 3,4). Pflege und Erziehung der Kinder sind Gemäß Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG das natürliche Recht und die vorgesehene Pflicht der Eltern. Die reine Personensorge der Kinder unter 18 unterliegt demnach den Adoptiveltern, da letztendlich alle Verwandtschaftsverhältnisse zu dessen Herkunftsfamilie bei der rechtskräftigen Annahme des Kindes die Gültigkeit verlieren (vgl. Greszat). Um eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung herstellen zu können, ist die Zuneigung zum Kind, der regelmäßige Umgang und die ausgewogene Versorgung des Kindes vorausgesetzt (vgl. Kühn 2014 Zit. n. Dambmann 2002, S.18). Laut Art. 2 Abs. 1 GG können die annehmenden Eltern dem Adoptivkind die Recherche nach seinen leiblichen Eltern verbieten. In Vergessenheit geraten darf allerdings nicht, dass eine Abstammungserkenntnis außerdem gewährt werden muss (vgl. Elsäßer 2007, S. 89). Das Offenbarungs- und Ausforschungsverbot § 1758 BGB hat nachfolgend die Aufgabe, Recht auf Schutz und der Geheimhaltung der Adoption zu gewähren. Eine Annahme darf also durch das „Adoptionsgeheimnis“ nur unter Einwilligung der Annehmenden Eltern und des Kindes entlüftet werden (vgl. Elsäßer 2007, S. 89). Nach den Beschluss durch das Familiengericht treten weitere Rechtsfolgen wie zum Beispiel Vermögenssorge, Unterhaltsberechtigung, Erbrecht, Auflösung aller verwandtschaftlichen und privatrechtlichen Beziehungen zur Herkunftsfamilie, Namensänderung, Meldepflicht oder gar eine Staatsangehörigkeit ein (Hildebrandt, 2007). Unter besonderem Schutz der staatlichen Ordnung stehen gemäß Art. 6 Abs.1 GG Ehe und Familie, wobei jede Mutter einen Anspruch auf die Sicherheit und die Personensorge hat (Art. 6 Abs. 4 GG). Des Weiteren haben die Adoptiveltern und ihre Kinder das Recht auf Mitversicherung in gesetzlichen Krankenkassen und in bestimmten Fällen Ermäßigungen im Beamten- und Tarifrecht. Ebenso ist der Anspruch auf Kindergeld sehr wichtig. Im Übrigen können auch neue Ansprüche entstehen, vor allem aufgrund renten- und steuerrechtlicher Bestimmungen. Adoptiveltern können unter Umständen auch Elterngeld beantragen (vgl. Sozialministerium 2016).

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Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668445086
ISBN (Buch)
9783668445093
Dateigröße
1021 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364744
Note
Schlagworte
Adoption Familienrecht Kindeswohl Kindesannahme Adoptionsdreieck

Autor

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Titel: Vermittlung von Adoption in Deutschland. Rechte und Pflichten der Beteiligten, psychische Auswirkungen und Bezug zur Sozialarbeit