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Gouvernementaler Neoliberalismus. Foucault und die Arbeit

Essay 2015 8 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

1. Einleitung

Im Rahmen der VorlesungsreiheGeschichte der Gouvernementalität, die Michel Foucault 1978/79 am College de France hielt, entwickelte der französische Philosoph und Historiker ein Instrumentarium, welches heute „inflationär“ die sozialwissenschaftliche Analyse dominiert (vgl. Lembke 2008: 15). Die von Foucault angewandte Methode der Genealogie ermöglicht eine metadeskriptive Analyse und Kritik historischer Prozesse. Positivistisch verortet er ein Phänomen[1]in einen historisch-sozialen Raum, nimmt es in poststrukturalistischer Manier als Fakt an, erörtert die spezifische Rationalität des Akteurs, um damit das Kräfteverhältnis zwischen „politisch-rechtliche[n] Institutionalisierungsformen“ und „historische[n] Subjektivierungsmodi“ (Lemke 1997: 151), sowie ihre soziale Genese und epistemologische Konsequenzen zu beschreiben. Durch diese Herangehensweise sei es ihm möglich epistemologisch-politische Kategorien zu denaturalisieren und Denkschemata in Frage zu stellen (Vgl. Lemke/Krasmann/Bröckling 2000, S. 21f). Seine „kritische Geschichte des Denkens“ (Florence 1984: 220) richtet sich vor allem auf machtinduzierte „Veridiktionen“[2]und deren historische sowie immanente Diskontinuität von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Paradigmenwechsel in der Art und Weise des Regierens, welche Foucault durch sein Konzept der Gouvernementalität dynamisch zu erfassen vermag, werden auf ihren performativen Charakter reduziert, um ontologisch-existenzialistischen Abstraktionen zu enttarnen. Das kritisch-reflexive Potential dieser Herangehensweise ermöglicht es ihm Regierungspraktiken „in Hinblick auf ihre Wahrheits-Effekte zu problematisieren“ (Lemke/Krasmann/Bröckling 2000, S. 23).

In diesem Essay werde ich mich auf die Vorlesung vom 14.03.1979 konzentrieren. Ausgehend vom foucault'schenDreischrittder genealogischen Grundlagen unseres heutigen Systems, gilt mein Augenmerk der Dominanz der neoliberalistischen Ökonomie in gegenwärtigen Regierungstechniken. Durch eine Metapher, in der ich den Staat als Fahrzeug darstelle, leite ich auf das Thema Arbeit über. Anschließend werden ich erläutern wie essentiell ein Paradigmenwechsel in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie sein kann, in der sich der Ökonom in den Standpunkt des Arbeiters[3]versetzt. Mein Ziel ist es, darauf hinzuweisen, wie wichtig eine humanistische Ausprägung der ökonomischen Theorie ist.

2. Gouvernementaler Neoliberalismus

Seit der Antike besteht die essentielle Frage der Politik darin, wie sich die Ökonomie in den Staat einfügen lasse, sodass „die richtige Lenkung der Individuen, Güter und Reichtümer“ gewährleistet sei. Die Philosophie von Aristoteles bis Rousseau beschreibt sie als „weise Regierung des Hauses zum gemeinschaftlichen Wohl der ganzen Familie“ (vgl. Foucault 2000: 49). Die „Genealogie des modernen Staates“ allerdings verfolgt das Ziel denWohlstand der Nationenherzustellen. Die Methode führt dabei über die Regierung der Seelen zu einer Regierung der Menschen, welche die Frage nach dem Bereich und Gegenstand der Regierung evozierte; der Machiavellismus brachte die epistemologische Verschiebung der Staatsräson hervor, durch welche wiederum die Notwendigkeit nach genauerer Abschätzung des Bereichs der Regierung entstand. Statistik, Kameralistik undPoliceywaren die Konsequenz eines Wunsches nach fortgesetzter Stärkung des - nun als natürlich betrachteten - Staates. Ob Physiokraten oder Liberale, die Perspektive auf die Aufgabe der Politik wurde zunehmend abstrahiert (vgl. Foucault 2006a; Lemke 1997: 151-188).

Foucault systematisiert in seinen Studien zur Gouvernementalität diese über fünf Jahrhunderte reichende Entwicklung des politischen Ordnungsprinzips in drei (nicht notwendig chronologischen) historischen Phasen, in denen jeweils eine spezifische Machttechnologie dominierte: Erstens den mittelalterlichen Gerechtigkeitsstaat eines Souveräns, der seine Untertanen durch juridische Verbote regierte; den Verwaltungsstaat der Staatsräson im 16. Jahrhundert, dessen Einflussnahme auf die Rechtssubjekte über Disziplinierung erfolgte und drittens den liberalistischen Sicherheitsstaat. Ab dem 18. Jahrhundert entwickelte sich eine Sicht auf die Bevölkerung, welche diese als technisch-politische Objekte zu konzeptionieren versuchte. Nach Foucaults Verständnis von Gouvernementalität instrumentalisierten sich Regierungstechnologien heute vorrangig als „Sicherheitsdispositive“ mit dessen Hilfe politisches Wissen in die Praxis umgesetzt werde. Eine Praxis, die „als Hauptzielscheibe die Bevölkerung“ vorsehe und Wissen, dessen wichtigste Form die „politische Ökonomie“ sei. Diese Tendenz, die es im Abendland „schon seit langem“ gebe, führe „unaufhörlich zu einer Vorrangstellung dieses Machttypus, den man Regierung nennen könne, über alle anderen: Souveränität, Disziplin etc. […]“, das sei es was die Gouvernementalität ausmache (vgl. Foucault 2006a: 162; Lemke 1997: 144). Gouvernementalität sei ein Neologismus, der soviel bedeuten soll wie „die Regierung betreffend“[4], und ist somit Souveränität gegenübergestellt (vgl. Lemke 2008: 13). Der moderne (westliche) Staat erscheint dabei als komplexe Synthese politischer und pastoraler Macht, welcher durch variierende Technologien ein sich verselbstständigtes regieren personifiziert. Die komplementären, historischen Dimensionen des politischen Universalitätsanspruch der antiken Polis und die Hirtenfunktion des christlichen Pastorats sind heute soweit verschmolzen und säkular ausgeweitet, dass sie kaum noch auseinander zu dividieren sind (vgl. Lemke 2008: 35f.). Mir scheint es, als ob der Glaube eines (ethnozentristischen) Universalitätsanspruch in der Modernisierungstheorie und das letzteGlimmendes Pastorat im religiösen Fundamentalismus mündet oder zugrunde geht. Jegliche Normen sind „Veridiktion“[5]. Das „Wahrheitsspiel“ wird zwischen ontologisch determinierten Individuen ausgetragen, welche gleichzeitig die reziproke Verbindung von Objekt und Subjekt im Diskurs konstituieren (vgl. Florence 1984: 221). Der moderne Mensch denkt in der Regel in Dichotomien und ein Feindbild ist nützlich zur Bildung der persönlichen Identität. Gut und Böse, Wahr und Falsch, Gerecht und Ungerecht, Wir und die Anderen – dichotome Kategorien konstituieren die menschliche Rationalität, eine werturteilsfreie Hermeneutik gibt es nicht. Der Habitus des Menschen ist eine relational gewachsene, subjektive Größe, die „Wahrnehmungs- und Beurteilungsstrategien generiert“ (Lemke 2000: 20), welche unter anderem von „historischen Prozessen“ (ebd.) beeinflusst sind, ebenso aber auch vom individuellen und kulturellen Umfeld. Ein Mensch resp. Menschen in ihrer wechselseitigen Interaktion besitzen eine politische Rationalität, aber die Politik als absolute Größe kann sich weder eine Meinung bilden, noch diese rational vertreten. Häufige wird die Politik in der Theorie personifiziert, ob als Schiff oder Hirte, Organismus oder Uhrwerk; es handelt sich immer um eine Person, die etwas führt, lenkt oder steuert. Im Zuge der Konzentration auf eine neoliberalistische, moderne Politik einer Industriegesellschaft, möchte ich sie metaphorisch als Fahrzeug darstellen:

Der Staat ist ein Fahrzeug; Regierung und Ökonomie vergleiche ich mit dem Getriebe und Motor dieses Fahrzeugs, sie bilden ein existentielle Einheit: Die beide Komponenten lassen sich zwar voneinander unterscheiden und ihre Aufgaben sind grundverschieden, doch damit das Fahrzeug funktioniert, müssen beide symbiotisch zusammenarbeiten. Die Ökonomie als Motor versorgt alle Bürger mit den nötigen Mitteln um aktiv sein zu können, er hat somit aber auch die Regulationsgewalt über die Gesamtheit: ohne Benzin kann man nicht fahren, ohne Ökonomie keine Nahrung für die Bevölkerung und kein Fortschritt. „[...] das richtige Verfügen über die Dinge, derer man sich annimmt, um sie dem angemessenen Zweck zuzuführen“, das sei das Ziel der Regierung, deren Kunst darin besteht „Macht in Form und nach dem Vorbild der Ökonomie auszuüben“ (Foucault 2000: 49f.). Die Regierungstechniken, sowie das Getriebe, überträgt die Aktivität auf die einzelnen Zahnräder und formt die Kräfte nach ihren Bedürfnissen um. Die Technologie des Getriebes ist die treibende Kraft: es überträgt die kinetische Energie, die im Motor erzeugt wurde auf die Zahnräder, welche wiederum die Achse mit den Räder antreibt. Die Zahnräder stehen nach dieser Metapher sinnbildlich für die Arbeiter resp. Unternehmer. Auf sie wird die Energie übertragen, die Motor und Getriebe produzieren; ohne sie kein Vorankommen, daher erlaubt das System auch keine sich widerstrebenden Module. Hakt ein Zahnrad oder ist es verschlissen, wird es ersetzt. Der Wert eines Zahnrades allein strebt gegen Null. Seinen Wert erhält es erst dadurch, dass es sich an den für es vorgesehen Platz in der Gesamtheit einfügt. Analog verhält es sich mit dem Arbeiter, der sich in einer „künstlich arrangierten Freiheit“ (Lemke 2008: 35), dazu entschließt, das zu tun, was von ihm erwartet wird: seinen Teil beizutragen. Er ist Teil eines komplexen Systems der Arbeitsteilung und wird, wenn unhinterfragt, zum Subjekt der „gleichzeitigen Totalisierungs- und Individualisierungstendenz“ (ebd.) neoliberaler Normativität. Denn genau wie beim Staat liegt das Prinzip des Fahrzeugs in sich selbst: Antrieb zum Fortschritt in einem linearen Prozess des Wachstums. Dies ist der „angemessene Zweck“ (Foucault 2000: 50) moderner Regierungstechniken.

Für Foucault ist der Mittelpunkt der Regierungskunst eineArt Komplex, gebildet aus den Menschen und den Dingen. Das heißt, dass diese Dinge, für welche die Regierung die Verantwortung übernehmen muss, die Menschen sind, aber die Menschen in ihren Beziehungen, ihren Verbindungen und ihren Verwicklungen mit jenen Dingen, den Reichtümern, Bodenschätzen und Nahrungsmitteln, natürlich auch dem Territorium innerhalb seiner Grenzen, mit seinen Eigenheiten, seinem Klima, seiner Trockenheit und seiner Fruchtbarkeit; die Menschen in ihren Beziehungen zu jenen anderen Dingen wie den Sitten und Gebräuchen, den Handlungs- und den Denkweisen, und schließlich die Menschen in ihren Beziehungen zu jenen nochmals anderen Dingen, den potenziellen Unfällen oder Unglücken wie Hungersnot, Epidemien und Tod"(Foucault 2000: 51) und über diese „Dinge zu verfügen“. Und hier passiert etwas Wichtiges, was Foucault mit den Neoliberalen verbindet: Aus der Überforderung, die Menschen in ihrer Individualität zu erfassen und zu regulieren wird das gesamte sozial-gesellschaftliche Umfeld (die „Dinge“) des Menschen nach der politisch-ökonomischen Rationalität umgestaltet, sodass das Subjekt nur noch die Freiheit hat, sich den Objektivierungsmechanismen hinzugeben (und zur Marionette zu werden) oder sich von allen „Dingen“ zu entfernen, über welche die Regierung die Verfügung besitzt. Man kann diesen Prozess Objektivierung nennen, Foucault nennt dies später „Selbsttechnologie“ oder „-produktion“, ich nenne es die Menschen zu Zahnrädern machen.

Die beschriebene Metapher stellt den Prozess dar, der als „Objektivierung der Objektivität“ (Lemke 2000: 20f) beschrieben wird. Die wirtschaftswissenschaftliche Theorie definiert die Ökonomie als „relationalen Mechanismus zwischen Dingen oder Prozessen, wie etwa zwischen Investitionen, Produktion usw.“ (Foucault 2006b: 310) und vergisst dabei, dass der Faktor Arbeit, von individuell interessegeleiteten Menschen abhängt, von „aktiven Wirtschaftssubjekten“ (ebd.: 311). Stellt man sich allerdings - so wie Foucault - in die Tradition von Robbins, der Ökonomie als„[...] die Wissenschaft menschlichen Verhaltens als eine Beziehung zwischen Zwecken und knappen Mitteln, deren Verwendungen sich gegenseitig ausschließen“definiert, dann ermöglicht das schlussfolgernd eine „Analyse der internen Rationalität, der strategischen Planung der Handlungen von Individuen“ (ebd.: 310). Der ökonomischen Analyse wird eine humanistische Perspektive angefügt. Durch diesen soziologischen Paradigmenwechsel der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie, müsse sich der Ökonom in die Sichtweise des Arbeiters versetzen, sodass implizit die ökonomische Wirkung von „qualitativen Unterschieden der Arbeit“ offengelegt und „Lohn nicht der Preis für den Verkauf seiner [des Arbeiters, S.L.] Arbeitskraft, sondern ein Einkommen“ darstelle. Die „Maschine“ Arbeit umfasse damit das Kapital[6]des Arbeiters, welche einen „Einkommensstrom“ produziere (vgl. Foucault 2006b: 312f).

Foucault erkennt an, dass die „Führungstechniken Subjektivierungsformen ausarbeiten“, welche gleichzeitig individualisierende und totalisierende Tendenzen aufwiesen (vgl. Lemke 2008, S. 35f.). Es ist ein gesellschaftliches Paradoxon moderner Industriegesellschaften, dessen Effekt Emilé Durkheim „organische Solidarität“[7]nennt. Foucault kritisiert die reduktionistische Betrachtung[8]der ökonomischen Theorie, lobt aber anschließend den neoliberalistische Charakterisierung desHomo oeconomicus. Dabei übersieht er Thesen in denen der Mensch in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext eingebettet ist.

3. Fazit

Seit der Staatsräson des 16. Jahrhunderts verschiebt sich die politische Ontologie zusehends weg vom moralischen Heilsversprechen des christlichen Pastorats, hin zu einer abstrakten, undurchschaubaren Zielsetzung, in der einzig und allein die (wirtschaftliche) Stärke des territorial abgegrenzten KonstruktsNationalstaatbzw. Republikentscheidend ist. Eine Stärke, die anhand von Statistiken gemessen wird, dessen Zahlen eine Realität darstellen, die für die Bevölkerung - anders als für die Politik - Wirklichkeit ist. Dabei wird vergessen, dass hinter diesen Sammelbegriffen wieBürgerschaftoderArbeiterMenschen stehen. Die Marktdominanz des Neoliberalismus verdrängt die pastoralen Aspekte der Regierung. Subjekte werden zunehmend als Konsumenten abstrahiert, ihre Freiheit zugunsten ökonomischer Interessen arrangiert und ihre Handlungsmotive objektiviert. Ob man es nunIdeologie,Doktrinoder „Möglichkeitsfeld“ (Foucault 1987: 255, zitiert in Lemke 2000: 20) nennt, die Realität, in der im 21. Jahrhundert immer noch Menschen an Nahrungsmittelmangel sterben bleibt Tatsache. Mathematischer Rationalität kann man zwar nicht vorwerfen „falsch“ zu sein, doch ein Mensch - im Gegensatz zum computergesteuerten Roboter - zeichnet sich dadurch aus, dass er moralische Dilemma abwägen kann. Natürlich ist der rationale Umgang mit knappen Ressourcen in unserer global vernetzten Welt von heute, mit ihren scheinbar unendlichen Möglichkeiten, um einiges schwieriger zu entscheiden, als auf einem mittelalterlichen Marktplatz. Aber die Antwort auf die Problematik kann doch nicht:Laissez- faire! Staat lass den Markt ruhig machen; der Wettbewerb der privaten Unternehmer regelt das schonsein. Ökonomische Rationalität widerspricht leider in vielen Fällen der moralischen Natur humanistischer Werte. Die Macht der neoliberalen Ökonomie ist allgegenwärtig. Sie wirkt als physische Repression und/oder ideologische Manipulation, als (ursprüngliche) Unterdrückung und (anschließende) Ideologie, als Gewalt. Zwang, Ausschließung, Versperrung, Verschleierung etc." (Lemke 1997: 91). Sie lässt das Individuum zumHaiwerden, zum gnadenlosen Unternehmer, der allein von der persönlichen Profitgier angetrieben wird. Aristoteles nannte das Streben nach Bereicherung „Chrematistik“ und stellt es der Ökonomie entgegen. Das Prinzip des Haben-wollens und Besser-seins dieser Art der Ideologie konstituiert sich aus der Relation zum Maximum, nicht zur unteren Grenze. Aus dem Konkurrenzkampf der „organischen Solidarität“ ergibt sich genau das Gegenteil von einem solidarischen Geist der Gesellschaft, die paradoxe Tendenz unserer Zeit erzeugt ein Paradigma der egoistische Missgunst. Zwar muss in der sozialen Marktwirtschaft niemand verhungern, aber verschenkt wird ebenfalls nichts. Wie viele abwertende Blicke aus der Vogelperspektive ein Bettler wohl jeden Tag aushalten muss? Die Regierung kämpft zwar gegen Armut, doch dies bedeute, dass das Problem sozialer Ungleichheit als Teil der Regierungsbestrebungen komplett außer Acht gelassen werde (vgl. Zamora 2014). Außerdem ist das eigene Land, in einer Welt vernetzter Handelsbeziehungen nicht mehr einzige Bezugsgröße. Dass ein linker Intellektueller, der seine Ausrichtung selbst als soziokulturell beschreibt, den Neoliberalismus wertschätzt ist erstaunlich. Mich enttäuscht seine generelle formalistische Glorifizierung der Wirtschaftstheorie, in der nicht nach demwas,wieundwoder rationalen Nutzenmaximierung gefragt wird.

[...]


[1] Unter einem Phänomen verstehe ich hier nach der Definition des Comte'schen Positivismus. Um es nach Mill zu beschrieben: “Wir haben keine Kenntnis von etwas anderem als den Phänomenen; und unsere Kenntnis der Phänomene ist relativ, nicht absolut … Die Gesetze der Phänomene sind alles was wir von ihnen wissen” (vgl. Ritter/ Gründer 1989: 471).

[2] „Das System der Veridiktion ist allerdings nicht ein bestimmtes Gesetz der Wahrheit, sondern die Gesamtheit der Regeln, die in Bezug auf einen gegebenen Diskurs die Bestimmung dessen gestatten, welches die Aussagen sind, die darin als wahr oder falsch charakterisiert werden können.“ (Foucault 2006a: 60 )

[3] Damit der Text besser lesbar ist, werde ich nur die maskuline Form benutzten. Arbeiterinnen sind stets auch gemeint!

[4] Französisch “gouvernementalité” leitet sich vom Adjektiv gouvernemental ab, was laut Leo.de “Regierungs...; regierungsamtlich” bedeutet. (vgl. http://www.dict.leo.org/frde/index_de.html#/search=gouvernemental&searchLoc=0&resultOrder=basic&multiwordShowSingle=on, zuletzt geprüft am 05.03.2015)

[5] Die Geschichte der “Veridiktionen” wird verstanden “als die Formen, nach denen sich über ein Sachgebiet Diskurse gestalten, die wahr oder falsch genannt werden können” (Florence 1984: 221).

[6] Im bourdieu'schen Sinne versteht Foucault unter Kapital “eine Fähigkeit, eine Kompetenz”, welche “untrennbar von der Person ist” (Foucault 2006b: 312).

[7] Im Gegensatz zur “mechanischen Solidarität” ist die “organische Solidarität” eine komplexe, unüberschaubare Arbeitsteilung in Industriegesellschaften, bei welcher der Grad der Abhängigkeit sehr hoch ist.
(vgl. Émile Dirkheim (1893): Über soziale Arbeitsteilung)

[8] In ethnologischer Hinsicht machte v.a. Gerd Spittler auf die Dominanz reduktionistischer Betrachtungsweisen aufmerksam.

Details

Seiten
8
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668445185
ISBN (Buch)
9783668445192
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364790
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,3
Schlagworte
Foucault Michel Foucault Neoliberalismus Arbeit Gouvernementalität gouvernementalité

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Titel: Gouvernementaler Neoliberalismus. Foucault und die Arbeit