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Praxisreflexion zum 1. Praktikum in der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin in einer evangelischen Integrationskindertagesstätte

Praktikumsbericht / -arbeit 2016 11 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhalt

1. Vorstellung der Einrichtung und der konzeptionellen Grundausrichtung

2. Eigene Person

3. Pädagogische Arbeit mit den Kindern

4. Anleitung und Zusammenarbeit

5. Fazit und Rückblick auf die Entwicklung des professionellen Handelns

Praxisreflexion

1. Vorstellung der Einrichtung und der konzeptionellen Grundausrichtung

(rechtliche Grundlage im Bereich der Jugendhilfe, KJHG, Organisation, Teamarbeit, Elternarbeit, Außenarbeit)

Das erste Praktikum in der Ausbildung zur Erzieherin absolvierte ich in der evangelischen Integrationskindertagesstätte n Potsdam. Die Kita liegt im nahe der Nuthe. Es gibt in der von mir gewählten Einrichtung eine Gesamtkapazität von maximal 92 Kinder, diese ist abhängig von der Anzahl an Integrationskindern.

Im Krippen- und Kindergartenbereich werden Kinder im Alter von 6 Monaten bis zum Schuleintritt begleitet. Betreut werden Kinder mit Behinderung und von Behinderung bedrohte Kinder, unabhängig vom Grad und der Art der Beeinträchtigung. Ebenso werden Kinder mit Migrationshintergrund in ihrer Entwicklung unterstützt.

Integration, Inklusion, Migration, Sozialisation

Diese Begriffe stehen für das Gesamt - Grundkonzept im Sozialraum als Schwerpunkt-Kita. Der Sozialraum der Stadt Potsdam vereint eine sehr vielfältige Lebenswelt von zumeist jüngeren Familien. Manche Familien benötigen Unterstützung und Begleitung, im Schwerpunkt auch Einelternfamilien mit mehreren Kindern. Der Anteil an Familien mit Migrationshintergrund erfordert besondere Kenntnisse im Sozial- und Sprachumgang. Die derzeitige Platzkapazität liegt bei 24 sonderpädagogischen Plätzen, die dem Raumbedarf der Einrichtung angepasst wurde. Ich unterstütze die „Rote Gruppe“. Diese besteht aus 16 Kindern davon sind 5 Integrationskinder im Alter von 3-7 Jahren. Vier Kinder weisen Verhaltensauffälligkeiten auf und ein Kind ist blind. Für diese Gruppe sind 3 Erzieher verantwortlich.

Die Evangelische Integrationskindertagesstätte befindet sich nach einem Trägerwechsel, einem Wechsel der Einrichtungsleitung und weitreichenden Veränderungen in der inhaltlichen, räumlichen und auch personellen Struktur in der Phase eines Neustarts. Da dies eine aktuelle Situation war und auch noch zusätzlich einige Erzieher aus anderen Gruppen fehlten (Krankenstand), betreuten nur zwei Erzieher und ich die rote Gruppe. Da ich überwiegend eine Eins-zu-eins Betreuung praktiziert habe, habe ich neben der nicht- teilnehmenden Beobachtung auch eine teilnehmende Beobachtung erläutert, in meiner Beobachtungsaufgabe.

Das Team der roten Gruppe besteht aus A.M. meiner Anleiterin, sie ist Heilpädagogin, S. einer Erzieherin und M. einem Erzieher. Die Zusammenarbeit mit den Er ziehern der blauen Gruppen war sehr harmonisch und gut. Durch die gleiche Nutzung des Sanitärraumes, der Garderobe, dem Treppenhaus wie auch einer kleinen Küche, ist die Zusammenarbeit aktiver und gefestigter, als mit den Erzieherinnen aus der orangen Gruppe, da diese Gruppe die Räumlichkeiten auf der anderen Seite benutzen.

Elternarbeit und Mitbestimmung ist grundsätzlich erwünscht. In jeder Gruppe werden zu Beginn des Schuljahres 1-2 Elternvertreter gewählt, die gemeinsam als Elternvertreter fungieren. Aus den Reihen der Elternvertretung werden 2-3 Mitglieder für die Arbeit im Kitaausschuss bestimmt. Die Kita arbeitet nach den Gesetzlichen Grundlagen des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz KJHG- Artikel1 des Gesetzes vom 26. Juni 1990, BGBI. IS. 1163). Im zweiten Kapitel des SGB VIII, dritter Abschnitt,- zur Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege stehen die Paragrafen §22 Grundsätze der Förderung, §22a Förderung von Tageseinrichtungen, §23 Förderung in Kindertagespflege und der §25 Unterstützung selbstorganisierter Förderung von Kindern an erster Stelle. Als ich meine Anleiterin fragte, nach den rechtlichen Grundlagen konnte sie mir nicht weiter helfen, auch eine andere Erzieherin konnte mir nichts zum Punkt 1 sagen, sodass sie dies bei der Kitaleitung hinterfragen. Letztendlich brachte sie mir die Gesetzlichen Grundlagen in ausgedruckter Form und gab sie mir. Etwas Genaueres über die rechtlichen Grundlagen im Bereich der Jugendhilfe, der Organisation und der Außenarbeit habe ich leider nicht erfahren.

2. Eigene Person

Mit welchen Vorstellungen haben Sie das Praktikum begonnen?

Mein Ziel war es den Beruf der Erzieher näher kennen zu lernen. Genaue Vorstellung hatte ich nicht, da dies mein erstes Praktikum in einer Kita war. Ich erwartete von meiner Praxisstelle kompetente, engagierte, kreative und motivierte Erzieher kennen zu lernen.

Besonders gespannt war ich auf eine Vielzahl, von tollen Angebote und die einzelne individuelle Förderung der Integrationskinder. Auch der ganz normale Tagesrhythmus hat mich sehr interessiert, welche Ritual und Regeln Gang und Gebe sind und wie die Integration von I-Kindern und Regelkindern funktioniert.

Wie hat sich Ihre Sicht auf die Praxis durch die Praxis verändert?

In der Schule lernen wir viel über das Kind, welche Erziehungstechniken es gibt, wie man die Kleinen am besten unterstützen und fördern kann, denn eine individuelle Förderung jedes Kindes ist wichtig. Kreative, motivierte und engagierte Erzieher sind dafür Notwendig, die Entwicklung eines Kindes zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern.

In meinem Praktikum habe ich dies nicht wirklich erkennen können, durch den Trägerwec hsel wurde alles umstrukturiert, die Erzieher und Kinder müssen sich an ein neues Umfeld, neue Regeln und Abläufe gewöhnen und sich neu auf einander einstellen. Meiner Meinung nach dauert das zu lange, dass die Kinder in Hintergrund geraten und die Erzieher fast nur eine Beaufsichtigende Rolle einnehmen. Die Kinder in meiner Gruppe wurden von den Erziehern nicht individuell gefördert, sie haben so gut wie keine Angeboten gemacht sondern eher einen leitende Rolle im Tagesablauf eingenommen. Die Betreuung der Integrationskinder und vor allem die Unterstützung und Förderung von O. einem vierjährigen blinden Jungen, hat mich besonders bewegt. Zu sehen das dieser kleine Junge nicht individuell gefördert wird, hat meine Hilfsbereitschaft, meine Interesse zur Förderung von blinden Menschen geweckt, so dass ich schon am zweiten Tag mich aktiv mit O. beschäftigt habe und ihn in seinen Tagesabläufen begleitet und unterstützt habe. Ich erwartete von den Erziehern in einer Integrationskindertagesstätte, etwas über die Integration und Förderung von verhaltensauffälligen Kindern wie auch den normalen Umgang mit Regelkindern zu erfahren und zu lernen.

Auf welche Stärken können sie aufbauen?

Flexibilität und Kreativität zählen zu meinen besonderen Stärken. Ich bin eine sehr empathische, liebevolle und freundliche Person, mir fällt es leicht auf andere Menschen zu zugehen und mich in neue Situationen zu integrieren. Mein Engagement neue Dinge zu entdecken, auszuprobieren, kennenzulernen motiviert mich sehr, etwas Neues zu tun. Ich möchte etwas bewegen, verbessern und an mir selbst reifen. Ich reflektiere stets mein tun und hinterfrage mich und andere. Eine hohe soziale Verantwortung und Fürsorge bringe ich ohne Mühe mit. Andere ausreden lassen und zuzuhören, meine eigene Meinung zu vertreten, fällt mir auch nicht schwer. Allerdings kann ich in Zukunft auf meine Kreativität, meinen Einfallsreichtum und meinen großen Interesse im Bezug auf die Kinder aufbauen. Fast jeden Abend habe ich mich auf den nächsten Tag in der Kita vorbereitet, ich las im Bett oft etwas über Blinde Kinder und deren Förderung auch Spielanleitungen habe ich Stundenlang durchforstet. Es macht mir große Freude Spiele oder andere Bastel- und Malangebote vorzubereiten und durchzuführen. Die Erfahrung die ich durch die Betreuung von O. gemacht habe, waren einzigartig. Bei einem 4 Jahre kleinen blinden Jungen, mit seiner eigenen ausgewählten Förderung und Unterstützung die ich mir durch Internetrecherche angeeignet habe, einen sichtbaren Entwicklungserfolg zu erkennen, dass macht mich sehr glücklich. Vor drei Monaten nahm O. seinen Helfer (so nennen sie seinen Blindenstock) kaum in die Hand, durch tägliches begleiten und näher bringen des Helfers, ist er nun ein fester Bestandteil des täglichen Ablaufes. Das alleine Ausziehen und seine Sachen auf einem Stuhl zu legen mit verbaler Anleitung, wie auch bei dem Zähne putzen seinen Becker nehmen, diesen mit Wasser füllen und dann mit dem Wasser zu blubbern, den Becher wieder weg zu stellen und sich die Hände abzutrocknen haben wir zusammen erlernt. Ganz besonders wichtig war mir die Integration der anderen Kinder, ich habe ihnen näher gebracht wie sie mit O. sprechen können um ihn etwas zu zeigen bzw. spüren zu lassen. In den letzten drei Monaten hat sich der Zusammenhalt der Kinder verändert. S. 7 Jahre männlich mein Beobachtungskind, N. 7 Jahre weiblich und S. 6 Jahre weiblich habe jede Angst und Berührungsängste abgelegt und spielen regelmäßig aktiv mit O.. Auch die anderen Kinder gehen langsam auf ihn ein, jedoch verstehen die kleineren noch nicht warum O. anders ist.

Wo sehen Sie noch Entwicklungsmöglichkeiten in Ihrem professionellen Handeln aufgrund der Erfahrungen in diesem Praktikum?

In den Bereich Konsequent sein, Durchsetzungsvermögen und in meinem Zeitmanagement möchte ich mich noch weiterentwickeln. Im Allgemeinen möchte ich noch vieles lernen. In Konfliktsituation mit verhaltensauffälligen K indern habe ich oft Situationen beobachtet, die ich selber noch aus meiner Zeit kenne aber nicht anwenden möchte. Deshalb ist es mir wichtig in anderen Praktika Erfahrungen zu sammeln wie man in eskalierenden Situationen handeln sollte. Konsequent zu sein und sich durchzusetzen fällt mir eigentlich nicht so schwer, jedoch ist mir auf gefallen, dass ich in ein paar bestimmten Situationen (z.B. Mittagschlaf) die Kinder sich austesten wie weit sie bei mir gehen können und ich auch mal ratlos war, wie ich nun agiere. Ich muss noch einiges lernen wie man in bestimmten Situationen handelt. Darum ist es mir besonders wichtig viel über das kindliche Verhalten zu erfahren. In der Zusammenarbeit mit den Erziehern in meiner Gruppe habe ich mich nicht immer ehrlich Verhalten was für mich untypisch ist. Wenn mir etwas nicht gefällt spreche ich es in der Regel an, jedoch habe ich in vielen Situationen meine Meinung für mich behalten. Was ich vielleicht nicht noch einmal so machen würde. Ich habe mir oft gewünscht, dass ein Tag länger als 6 Stunden wäre und ich viel mehr Zeit gehabt hätte, den Kindern lernfördernde Angebote anzubieten.

3. Pädagogische Arbeit mit den Kindern

Arbeit mit einzelnen Kindern (z.B. Kontaktaufnahme, Kommunikationsverhalten, Bedürfnisse und Interessen des einzelnen Kindes wahrnehmen und darauf eingehen)

Meine Beobachtung hat sich anfangs sehr schwer gestaltet. Grund dafür war die derzeitige Personalsituation in der Kita, zum anderen die Eins- zu-eins Betreuung von O. männlich 4 Jahre, daher habe ich verspätet mit meiner Einzelbeobachtung begonnen.

S. suchte den Kontakt zu mir indem er mich immer wieder fragte, ob ich mit ihm etwas spielen oder basteln kann. Durch einige Angebote die ich durchgeführt habe, konnte ich die Zeit nutzen S. genauer zu beobachten und habe genaueres über ihn erfahren können. Durch das von mir durchgeführte Sportangebot, mit dem Spiel Feuer, Wasser, Sturm, dem Überwinden von Hindernissen im Parcours und andere einfache Regelspiele mit anderen Kindern, habe ich seine Ausdauer und Offenheit, Flexibilität, Durchsetzungsvermögen und Energie genauer beobachten können.

Beim Gestalten seiner Muttertagkarte und spielen mit Bausteinen, wie auch bei der Durchführung meines Handlungsansatzes habe ich mein Augenmerk auf S`s Konzentration, Gesichtsausdruck und Körperhaltung, Komplexität, Vielschichtigkeit und Kreativität gelegt. Dabei sind mir in den unte rschiedlichen Bereichen verschiedene Schwierigkeiten aufgefallen, die ich in der Einzelbeobachtung beschrieben habe.

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Details

Seiten
11
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668449862
ISBN (Buch)
9783668449879
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v365317
Note
1
Schlagworte
Praktikumsbericht Integrationskindergarten Reflexion

Autor

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Titel: Praxisreflexion zum 1. Praktikum in der Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin in einer evangelischen Integrationskindertagesstätte