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Décadence in Thomas Manns Roman "Buddenbrooks"

von Danka Bajkovic (Autor) Nadežda Milićević (Autor)

Seminararbeit 2016 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Begriffserläuterung
2.1 Décadence in der Literatur
2.2 Décadence in Thomas Manns Werke

3 Décadence in Buddenbrooks
3.1 Wirtschaftlicher Verfall
3.1.1 Verfall der Firma
3.1.2 Motiv des Hauses
3.1.3 Reisen
3.2 Sensibilisierung im Sinne der Kunst

4 Schlussvolgerung

1 Einleitung

Dieses Werk von Thomas Mann ist durch ein interessantes und sehr komplexes Thema geprägt. Schon im Untertitel des Romans lässt uns der Autor mit dem Thema des Werks kennenlernen, und zwar mit der Thematik der Décadence, bzw des Verfalls. Die Décadence, als Leitmotiv des Werks erscheint in vielen Formen durch die Handlung und bei vielen Figuren des Romans. In dieser Arbeit werden zwei bedeutende und offensichtliche Aspekte des Verfalls bearbeitet, und zwar der wirtschaftliche Verfall, der durch die Firma von Buddenbrooks und die Taten ihrer Leiter dargestellt wird und der Aspekt der Sensibilisierung bzw. Verfeinerung, der man mit das Schöne, das Künstlerische und das Philosophische der Figuren verbindet. Durch die Vorstellung dieser zwei, miteinander verbundenen Aspekten wird man mit den Gründen und den Folgen des Niedergangs und schließlich des Verfalls bekannt gemacht.

In der ersten Hälfte der Arbeit werden wir die Décadence als philosophischer und literarischer Begriff definieren. Danach werden wir die Autoren erwähnen, die den Begriff Décadence thematisiert haben und ihre Vorstellungen über diesem Begriff erklären. Nachdem wir die Werke in denen das Phänomen der Dekadenz bearbeitet wurde, werden wir uns mit der Dekadenz im Roman Buddenbrooks befassen, wo wir den wirtschaftlichen Verfall durch die Firma und das Haus analysieren werden. Den zweiten Aspekt, d.h. Sensibilisierung im Sinne der Kunst werden wir durch die männlichen Familienmitglieder analysieren und sie mit der Musik, als Leitmotiv des Werks, verbinden.

2 Begriffserläuterung

Der Begriff Décandence kommt aus dem Lateinischen „cadere“ was „fallen“ oder „sinken“ bedeutet.[1] Es wurde später im Französischen als décadence übernommen und wurde auch in anderen Sprachen verwendet. Das Wort décadence wird jetzt als Verfall im kulturellen, moralischen, religiösen, ästhetischen, wirtschaftlichen und psychologischen Sinne verwendet. Décadence, als ein französischer Ausdruck, der im 17. Jahrhundert von Nicolas Boileau als ästhetischer Begriff eingeführt wurde [2] , bedeutet Niedergang, Verfall, Entartung, Überfeinerung, Rückgang, Abstieg, Degeneration [3] . Dieser Begriff hat zwei Bedeutungen, und zwar positive und negative. Eine negative Wertung ist schon im Begriff Dekadenz selbst enthalten, da er impliziert, dass es einen Übergang von einem objektiv besseren zu einem schlechteren Zustand geben muss.[4] Unter der negativen Bedeutung versteht man die Verneinung aller menschlichen Werte, außer den Sinnengenüßen, die angeblich sehr wichtig für menschliche Existenz sind. Es steht auch für die Entfremdung des Individuums von der Gesellschaft und zeigt, dass jetzt Impressionen, Sensationen und Sinnengenuß wichtiger sind.[5] Da kommen wir zur positiven Bedeutung, die für Kunst und das Künstlerische gilt. Die Kunst ist jetzt autonom, und ist nicht weder etisch noch gesellschaflich begrenzt. Die Kunst soll nie der Politik dienen, sondern muss sie „frei und rein“ sein, sodass sie ihre Schönheit und Wesen und ihre Aufgabe entfalten kann. Deswegen formulierte Théophile Gautier das Konzept l`art pour l`art, das von allen Autoren übernommen wurde.[6]

2.1 Décadence in der Literatur

Décadence wird als eine „vielschichtige Tendenz innerhalb der europäischen Literatur gegen Ende des 19. Jhds“ bezeichnet.[7] Es ist aber sehr schwierig diesen Begriff zu definieren, weil es viele unteschiedliche Ausdrücke gibt, die auch als Synonyme betrachtet werden können.[8] Der Ausdruck "fin de siècle" soll eine Atmosphäre beschreiben, die, der Decadence geeignet ist und die, nach der Meinung einiger Autoren, von Endzeitstimmung, Weltschmerz und Melancholie geprägt wurde.[9] Die Leute dachten, dass mit dem Ende des Jahrhunderts zum Ende der Welt kommen wird und dieser Uberzeugng kann als ein Aspekt des Verfalls betrachtet werden.[10] Der "Ästhetizismus" ist eine weitere Erscheinung der Décadence, für der eine starke Betonung des Künstlerischen geeignet ist[11]. Die Decadence ist gegen Utilitarismus und Werteschwund und zeigt weltschmerzliche Zerrissenheit, Mutlosigkeit, Lebensekel, Überdruß, Pessimismus und Schönheitskult.[12] Décadence represeintiert die Suche nach Neuem, künstlerichen Sinnengenuß und ästhetischen Sensibilisierung. Sie zeigt auch das Extreme und das Hässliche, das Morbide und Extravagante, wie z.B. Inzest, Prostitution, Satanismus, Okultismus.[13]

Die Decadence als eine künstlerische Strömung oder besser gesagt Tendenz, die schon in ihrer Blütezeit ist, begriff viele Bereiche, sowohl die intelektuelle und kulturelle, als auch politische und wirtschaftliche.[14]

Einfacher gesagt, Décadence bezeichnet Verfall im Allgemeinen, Verlust an Vitalität, Verlust an Tüchtigkeit, Zunahme an Verfeinerung, Zunahme an Religion, Zunahme an Kunst und Geist

Viele Philosophen gaben unterschiedliche Meinungen über diesem Begriff. Montesquieu beschäftigte sich über die Décadence des römischen Reichs in seinem Werk Considerationd sur les causes de la grandeur des Romains et la leur Décadence. Er wollte den Begriff in seinem historischen Kontext verstehen und diese Bedeutung wollte er als eine Kritik seiner Gegenwart anwenden. Gibbon beschäftigte sich in seinem Werk History of the Decline and Fall of Roman Empire damit, dass das Kultiviert-Verfeinerte dem Neuen, in diesem Fall dem Christentum, und demBarbarischen unterliegen müsse [15]. Wichtige Namen sind auch Schopenhauer und Nietzsche. Das Weltbild von Arthur Schopenhauer, aus seinem Werk Die Welt als Wille und Vorstellung, ist von Pessimismus geprägt[16]. Seiner Ansicht nach leidet der moderne Mensch unter einer Entfremdung von der Welt. Er ist gefangen in einem ewigen Willen etwas Unmögliches zu erreichen. Nietzsche war der wichtigste Kritiker der Dekadenz. Er gebrauchte als Erster in Deutschland diesen Begriff´[17] beklagt die Hinfälligkeit und die Verfallserscheinungen, sieht in der Dekadenz aber auch eine gewisse Notwendigkeit, weil er die Zerstörung und das Neuerschaffen als Hauptteile des menschlichen Daseins betrachtete. Er bezeichnete Richard Wagner als ein typischen »décadent«.[18] Diese „dekadentische“ Züge zeigen auch Byron und Musset in ihrer Weltschmerzdichtung.[19] Auch Baudelaire beschäftigte sich mit diesem Thematik in seiner Gedichtsammlung „Les fleurs du mal“, und dachte, dass der Degenerationsprozess positiv für die Kunst ist.[20] Dann Rimbaud, Verlaine, Malarme(frz Symbolisten), Chekhov, Oscar Wilde. In Deutschland haben nur einige Werke dekadentische Züge: bei Rilke, Hofmannsthal, Heinrich Mann und besonders bei Thomas Mann[21].

2.2 Décadence in Thomas Manns Werke

Thomas Mann, wie andere zeitgenossische Autoren, beschäftigte sich sehr viel mit Dekadenzthematik und viele seiner Werke haben dekadentische Züge, wie z.B. Buddenbrooks, die Erzahlungen Tristan, Tonio Kröger und Der Tod in Venedig.[22] In Buddenbrooks sind die dekadentische Züge unübersehbar und viele Motive und Aspekten der Decadence sind ins Werk integriert. Aufgrund der komplexen Handlung und der Figuren des Werks, kann man vier Ebene der Décadence bzw. des Verfalls erkennen, und zwar wirtschaftlichen, moralischen, biologisch-psychologischen und Sensibilisierung im Sinne der Kunst, der im Kontrast zu den anderen Aspekten steht.

[...]


[1] Vgl. Duden Redaktion: Dekadenz. URL: http://www.duden.de/rechtschreibung/Dekadenz - 29.05.2016.

[2] Memim Encyclopedia: Decadence. http://memim.com/decadence.html - 29.05.2016.

[3] Vgl. Thomas Brandt: Erläuterungen zu Thomas Mann Buddenrbooks. Hollfeld: Bange Verlag, 2002, 84.

[4] Vgl. Daniela Thiel: Motive der Dekadenz in Thomas Manns Tod in Venedig. Växjö: Institutionen för Humaniora, HT 06/07, S. 4.

[5] Ebenda, 5.

[6] Vgl. Sorin Dan Vadan: Dekadenz. URL: http://www.litde.com/jugendlexikon-literatur/dekadenz.php - 29.05.2016.

[7] Vgl. Günther und Irmgard Schweikle (Hg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzlerische Verlagbuchhandlung, 1990, 94.

[8] Vgl. Thiel, 4.

[9] Ebenda.

[10] Vgl. James Esch: Decadence, symbolists and fin de siècle. URL: http://notearama.blogspot.rs/2010/01/decadence-symbolists-and-fin-de-siecle.html - 28.05.2016.

[11] Vgl. Thiel.

[12] Vgl. Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2001, 155.

[13] Ebenda.

[14] Vgl. James Esch: : http://notearama.blogspot.rs/2010/01/decadence-symbolists-and-fin-de-siecle.html - 28.05.2016.

[15] Universal-Lexikon: Dekadenz. URL: http://universal_lexikon.deacademic.com/54899/Dekadenz -28.05.2016.

[16] Vgl. Thiel, 7.

[17] Universal-Lexikon: Dekadenz. URL: http://universal_lexikon.deacademic.com/54899/Dekadenz - 28.05.2016.

[18] Ebenda.

[19] Vgl. Gero von Wilpert, 154.

[20] Vgl. Thiel, 5.

[21] Vgl. Günther und Irmgard Schweikle (Hg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzlerische Verlagbuchhandlung, 1990, 94.

[22] Vgl. Miloš Đorđević: Tomas Man. URL: http://www.rastko.rs/rastko/delo/10185 - 28.05.2016.

Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668452145
ISBN (Buch)
9783668452152
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366372
Institution / Hochschule
University of Novi Sad – Germanistik
Note
9, 0
Schlagworte
Thomas Mann Buddenbrooks Décadence

Autoren

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