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Gallizismen im Bergischen Land. Nutzen Jugendliche heute weniger französische Begriffe als die Generationen ihrer Eltern und Großeltern?

Facharbeit (Schule) 2016 22 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.1.1 Mittelalter
2.1.2 Barock
2.1.3 Aufklärung
2.1.4 Napoleonische Zeit
2.1.5 1815 bis 1945
2.1.6 Nach dem Zweiten Weltkrieg
2.2 Methodik
2.2.1 Beschreibung der Fragebogenerhebung
2.3 Ergebnisse
2.3.1 Rücklauf der Fragebögen
2.3.2 Unkenntnis – passive Kenntnis – aktive Nutzung der Gallizismen
2.3.3 Wortverständnis
2.3.4 Geschlecht
2.3.5 Französischunterricht
2.4 Auffälligkeiten und Besonderheiten
2.4.1 Deutung
2.4.2 Methodenkritik

3 Fazit

I Literaturverzeichnis

II Fragebogen

III Auswertung der Fragebögen (Januar 2016)

1 Einleitung

Ich besuche seit der Klasse 6 den Französischunterricht am Gymnasium Herkenrath. Seither bemerkte ich bei Familienfeiern und in Gesprächen mit meinen Großeltern, deren Geschwistern, Freunden und Bekannten mehrfach, dass diese Worte französischen Ursprungs, wie „Plumeau“, „Trottoir“ oder „Courage“, benutzten, die ich im Alltag kaum oder gar nicht hörte. Dies erstaunte mich umso mehr, als dass meine Großeltern mir versicherten, diese Leute seien im Bergischen Land aufgewachsen und beheimatet; kaum jemand von ihnen habe Französischunterricht besucht. Auch Reisen in französischsprachige Länder seien allenfalls Ausnahmen.

Dies weckte mein Interesse, da ich im täglichen Sprachgebrauch mit meinen Freunden und Freundinnen viele dieser Ausdrücke französischen Ursprungs nicht fand und ich sie selbst außerhalb des Französischunterrichts nicht benutze. Es stellte sich mir die Frage, wie diese sogenannten Gallizismen[1] oder Französismen[2] Teil der Sprache in der älteren Generation unserer Region wurden und ob sie tatsächlich heute von Jugendlichen seltener genutzt werden. Gallizismen sind „für das Französische charakteristische sprachliche Erscheinungen in einer nicht französischen Sprache“[3].

Meine Eltern, die in den 1960er Jahren geboren wurden und die ich zunächst zu dem Thema befragte, kannten viele dieser französischen Fremdworte, nutzten sie aber nicht aktiv. Nach ersten orientierenden Literaturrecherchen[4] unter dem Stichwort „Gallizismus“ oder in Presseartikeln[5] kam ich auf die Idee, dies im Rahmen der Facharbeit im Unterrichtsfach Deutsch näher zu untersuchen.

In dieser Arbeit soll also die These untersucht werden, dass Jugendliche im Bergischen Land heute weniger französische Begriffe nutzen als die Generation ihrer Eltern und Großeltern. Um diese Frage zu untersuchen, erschien mir eine empirische Untersuchung mittels eines Fragebogens geeignet, welchen ich Personen verschiedener Altersgruppen vorlegte.

Im Hauptteil stelle ich den geschichtlichen Hintergrund dar und erläutere, wie es zum Gebrauch französischer Begriffe im Deutschen und speziell im Bergischen Land kam. Danach werte ich die Ergebnisse des Fragebogens aus und diskutiere einzelne Auffälligkeiten näher. Schließlich fasse ich die Resultate im Schlussteil noch einmal kurz zusammen.

2 Hauptteil

2.1 Geschichtlicher Hintergrund

Sprache entwickelt sich und ist nie konstant. Schon für Horaz war Sprache ein „dynamisches Phänomen, das durch seine Veränderlichkeit gekennzeichnet ist“[6]. Als Beispiel mögen Begriffe genannt werden, die fast nur Jugendliche benutzen und die mit der Zeit in den allgemeinen Sprachschatz übernommen werden. Schon immer gab es Veränderungen der Sprache, die Reisende, Besatzungstruppen, Flüchtlinge, Nomaden, Schriftsteller oder Gelehrte mitbrachten.

2.1.1 Mittelalter

Schon im Mittelalter gab es durch Kontakte des europäischen Adels französische Wörter im deutschen Sprachgebrauch. Beispielsweise leitet sich das Wort Turnier vom altfranzösischen „tournelier“ ab, was etwa „am ritterlichen Kampfspiel teilnehmen“ bedeutet.[7]

2.1.2 Barock

Besonders ab dem 17. Jahrhundert wurden Französismen in der deutschen Sprache häufiger gebraucht. Damals galt Frankreich als Vorbild beim europäischen Adel in Sachen Geschmack und Bildung. Unter Ludwig XIV. wurde der Einfluss des Französischen bedeutsamer und galt als vorbildhaft im Bereich der Kunst, der Wissenschaft, am Hof und im Gesellschaftsleben.[8] „Wer die Gallizismen nicht beherrschte, galt als Pöbel“.[9]

Der Adel übernahm in der Zeit zwischen 1600 und 1750 kulturelle Entwicklungen des französischen Hofes. Dazu gehörte unter anderem die höfische Ausdrucksweise. Diesen Sprachstil bezeichnet man auch als „Alamode-Sprache“[10]. Möglicherweise erreichten viele Gallizismen die Bevölkerung im Rheinland nicht durch den direkten Kontakt mit Franzosen, sondern als „gesunkenes Kulturgut“[11] auf dem Umweg über den einheimischen Adel.

2.1.3 Aufklärung

Voltaire soll in einem Brief 1750 aus Preußen geschrieben haben: „Ich bin hier in Frankreich. Man spricht nur unsere Sprache. Das Deutsch ist für die Soldaten und Pferde.“[12]

2.1.4 Napoleonische Zeit

Ab 1794 kam das linksrheinische Rheinland unter französische Verwaltung und wurde drei Jahre später Teil des französischen Staates. Verwaltung, Rechtsprechung und Bildungssystem wurden angepasst.[13] Aus dieser Zeit finden sich daher auffallend viele Entlehnungen aus der Militär- und Polizeisprache, wie zum Beispiel „Gendarm“(Polizist).[14]

So gibt es auch Literatur, die sich speziell mit dem Einfluss der französischen Sprache auf das Rheinland beschäftigt[15]. Es ist davon auszugehen, dass „die fast zwanzigjährige Zugehörigkeit zu Frankreich in diesem Raum tiefe Spuren hinterlassen“[16] hat.

Das Bergische Land, also das damalige rechtsrheinische Großherzogtum Berg, gelangte erst 1806 in den französischen Machtbereich.[17] Damit erstreckte sich der direkte französische Einfluss auf das Bergische Land auf eine Phase von nur etwa acht Jahren. Insgesamt dürfte dieser Zeitraum also für die Sprachentwicklung von eher geringer Bedeutung als im Linksrheinischen sein.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Karte des Rheinlandes zur Zeit Napoleons (http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/orte/franzZeit/Seiten/index.aspx)(Stand: 30.01.2016)

2.1.5 1815 bis 1945

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es auch Bemühungen, Gallizismen wieder durch deutsche Wörter zu ersetzen, wie zum Beispiel „Esslust“ für Appetit“, „Zerrbild“ für „Karikatur“ oder „Freistaat“ für „Republik“. Offenbar wurde französische Sprachelemente von vielen als aufgedrängt empfunden.[19]

Die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich war im 19. Jahrhundert und bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges durch nationale Abgrenzung und Kriege gekennzeichnet. Zumindest ein kleiner Teil der Bevölkerung kam somit im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, im Ersten und Zweiten Weltkrieg zwangsläufig in Kontakt mit dem Französischen.

2.1.6 Nach dem Zweiten Weltkrieg

Ab 1949, v.a. durch den Elysée-Vertrag 1963, kam es zur Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland. Städtepartnerschaften, Schulaustauschprojekte, Schulunterricht, Urlaubsreisen und Handelsbeziehungen führten zu zahlreichen persönlichen Kontakten Deutscher mit der französischen Sprache.

Somit wäre eher eine Zunahme des Gebrauches von Gallizismen zu erwarten. Genaue Daten dazu finden sich für das Bergische Land in der Literatur nicht. Daher soll dies im Folgenden genauer untersucht werden.

2.2 Methodik

2.2.1 Beschreibung der Fragebogenerhebung

Ich erstellte einen Fragebogen[20] mit einer Liste von 70 Französismen, die ich persönlich kannte oder unter dem Stichwort „Gallizismus“ im Internet[21] fand.

In der Zeit von Anfang Dezember 2015 bis Ende Januar 2016 teilte ich diesen Fragebogen an 45 Personen über 75 Jahre aus. Außerdem erhielten genauso viele Damen und Herren mittleren Alters zwischen 45 und 55 Jahren und Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zehn und 20 Jahren diese Liste.

Die Aufgabenstellung war schriftlich im Kopf des Bogens vermerkt und wurde von mir auch mündlich mitgeteilt. Fragen zur Aufgabe und zum Ablauf wurden bei Bedarf direkt im Gespräch geklärt. Die Befragung wurde anonym durchgeführt, um keinen unnötigen Leistungsdruck aufzubauen oder die Teilnehmer zu falschen Äußerungen zu animieren, die evtl. aus falsch verstandenem Ehrgeiz entstehen könnten. Alle Teilnehmer hatten ausreichend Zeit zur Beantwortung der Fragen. Hilfsmittel, wie Internet, Lexika oder Befragung Dritter, waren nicht erlaubt. Die Antworten sollten möglichst spontan erfolgen.

Die Befragten hatten anzugeben, ob ihnen die vorgegebenen Wörter unbekannt waren, sie diese passiv kannten oder auch selbst aktiv benutzen. Zusätzlich war das Geschlecht anzugeben, ob der Proband Französischunterricht besucht hatte und ob der Befragte im Bergischen Land aufgewachsen sei. Außerdem sollte ca. ein Drittel der Teilnehmer zur Überprüfung des Verständnisses eine kurze Definition, eine Umschreibung oder ein Beispiel zur Kontrolle des Wortverständnisses notieren. Waren die Bögen länger als zwei Wochen unterwegs, fragte ich aktiv nach.

2.3 Ergebnisse

2.3.1 Rücklauf der Fragebögen

Der Rücklauf der Fragebögen betrug insgesamt 112 von 135 also ca. 83%. Drei Personen waren nicht im Bergischen Land aufgewachsen, so dass deren Ergebnisse nicht in die Auswertung eingingen, sondern aussortiert wurden.

In der Gruppe der älteren Generation lag die Rückgabequote bei 34, also etwa 76%, in der mittleren Altersgruppe bei 30, also ca. 67%. Bei den Jugendlichen war der Rücklauf vollständig.

2.3.2 Unkenntnis – passive Kenntnis – aktive Nutzung der Gallizismen

In der jüngsten Gruppe der 10- bis 20-Jährigen werden von den abgefragten 70 Wörtern im Durchschnitt etwa 53% nicht gekannt, 28% passiv gekannt und 19% aktiv benutzt.

In der mittleren Altersgruppe zwischen 45 und 55 Jahren kennen die Befragten durchschnittlich ca. 7% der Gallizismen nicht. 36% der Begriffe kennen sie nur passiv und bei 57% der Fälle wird „Begriff benutze ich“ angekreuzt.

[...]


[1] Drosdowski, S. 298.

[2] Vgl. Stolz, S. 57.

[3] http://www.duden.de/suchen/dudenonline/gallizismen (Stand: 20.02.2016).

[4] Drosdowski, Günther. Duden. (siehe FN1)

[5] http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.gallizismen-jedem-tierchen-sein-plaesierchen.cb9ba625-8234-4c27-b321-27f09f3629c8.html .

[6] Haßler, Neis S. 563.

[7] http://www.dw.com/de/w%C3%B6rter-franz%C3%B6sischen-ursprungs/a-1116125.

[8] Vgl. Schäfer-Prieß,S.1.

[9] Ebd.

[10] http://www.rheinische-landeskunde.lvr.de/media/ilr/sprache/wer_spricht_wie/regionale_befunde/MigrationundSprache.pdf. S. 9.

[11] Ebd.

[12] Engel, S. 438.

[13] Vgl. http://www.fes.de/fulltext/historiker/00671001.htm. S. 28 der Druckausg.

[14] Siehe FN9

[15] Z.B. Cornelissen S. 43-60.

[16] Engelbrecht, S. 7

[17] Vgl. http://www.wir-r.heinlaender.lvr.de/rheinland_franzosen/.

[18] Vgl. http://www.bgv- hueckeswagen.de/veroeffentlichungen/aufsatzeblankertz/Die%20Franzosenzeit%20im%20Bergischen%20Lande.pdf.

[19] Vgl. Campe, S. 289

[20] Siehe Anhang.

[21] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Gallizismen.

Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668458734
ISBN (Buch)
9783668458741
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366575
Note
1,0
Schlagworte
gallizismen bergischen land nutzen jugendliche begriffe generationen eltern großeltern

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