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Der Einfluss von FinTech-Startups auf den traditionellen Finanzsektor

Empirische Untersuchung der Akzeptanz von FinTech-Uternehmen innerhalb der deutschen Bevölkerung

Studienarbeit 2016 60 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2. Grundlagen, Zahlen & Fakten
2.1 Der deutsche Bankensektor und dessen Kunden
2.1.1 Kennzahlen & Statistiken
2.1.2 Derzeitige Entwicklungen
2.1.2.1 Bankensektor im Wandel
2.1.2.2 Einfluss der Digitalisierung
2.2 FinTech-Unternehmen
2.2.1 Begriffsdefinition „FinTech“
2.2.2 Bekannte Unternehmen und Geschäftsmodelle

3. Empirischer Hintergrund
3.1 Forschungsstand
3.2 Hypothesenbildung

4. Empirie
4.1 Konzeption des Fragebogens
4.2 Ergebnisse der Umfrage

5. Evaluierung

6. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Drei-Säulen-Struktur des deutschen Bankwesens

Abb. 2: Finanzbedürfnispyramide

Abb. 3: Anzahl der Kreditinstitute in den drei wichtigsten Bankensektoren

Abb. 4: Derzeitige Entwicklungen im Bankensektor

Abb. 5: Der digitale Strukturwandel als Kreislauf im Bankensektor

Abb. 6: Anzahl der weltweit mobilen Zahlungstransaktionen

Abb. 7: Chancen & Risiken der Digitalisierung

Abb. 8: Nutzung von nicht-traditionelles Unternehmen für finanzielle Dienstleistungen

Abb. 9: FinTech-Nutzung nach Altersgruppe

Abb. 10: Geschäftszweige von FinTech-Unternehmen mit Fokus auf Privatpersonen

Abb. 11: Geschäftszweige deutscher FinTech-Unternehmen

Abb. 12: Potenzielle Marktanteilsverluste aufgrund von FinTech lt. Banken

Abb. 13: Hemmschwellen bei der FinTech-Nutzung aus Bankensicht

Abb. 14: Wichtige Bankdienstleistungen aus Kundensicht

Abb. 15: Aktionärsquote in Deutschland

Abb. 16: Alter der Befragten

Abb. 17: Kundenzufriedenheit bei der Hausbank

Abb. 18: Vertrauen in den deutschen Banksektor

Abb. 19: Favorisierte FinTech-Dienstleistungen

Abb. 20: Wichtigste Bankdienstleistungen aus Kundensicht

Abb. 21: Hindernisse beim Wechsel zu einem FinTech-Unternehmen

Abb. 22: Chancen beim Wechsel zu FinTech-Unternehmen

Abb. 23: Potenzielle Investitionen in Aktien, Fonds oder Kryptowährungen dank FinTech

Abb. 24: Bedienprobleme bezüglich mobiler Apps

Abb. 25: Sicherheitsbedenken bei mobilem Banking

Abb. 26: Anteil des potenziell anderweitig angelegten Geldes

Abb. 27: Komplettverzicht auf Banken

Abb. 28: Vergleich zwischen Banken-/Kundensicht bezüglich FinTech

Abb. 29: Vergleich der Ergebnisse zwischen dem Jahr 2014 und 2016

Anhangsverzeichnis

Anh. 1: FinTech-Landschaft in Deutschland nach Segmenten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Zuge von Megatrends wie der Globalisierung, der Digitalisierung und dem sozialen Wandel werden nahezu alle Industriezweige dazu gezwungen, ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überarbeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch der Dienstleistungssektor – allen voran der Bankensektor - ist von dieser Entwicklung betroffen und wird kritisch hinterfragt. So hat bereits im Jahr 1994 der Microsoft-Gründer Bill Gates die Daseinsberechtigung von Banken angezweifelt: „Banking is necessary, banks are not.“[1] Das volatile Umfelds des 21. Jahrhunderts und damit einhergehende disruptive Technologien lassen dieses über 20 Jahre alte Zitat deshalb aktueller denn je wirken. Vor allem die kontinuierliche Digitalisierung wirkt sich auf fast alle Bereiche des alltäglichen Lebens aus. Die zunehmende Vernetzung bedingt ein Umdenken sowohl im beruflichen, als auch im privaten Umfeld. Innerhalb des Bankwesens lassen sich dabei vor allem Auswirkungen im Privatkundensegment erkennen.[2]

Traditionelle Banken in Deutschland haben Innovationen jahrzehntelang vernachlässigt, da Erfahrung und Tradition im Vordergrund standen. So haben Sie sich auf bestehende Finanzinstrumente konzentriert, während das Potenzial des Internets hauptsächlich in Form von Online-Banking Einzug in die alltägliche Banken-Kunden-Interaktion gehalten hat.

Der klassische Bankensektor wird jedoch zunehmend von jungen Unternehmen und deren Angebot bedroht. Nachdem sie bislang eher ein Nischendasein führten, haben in den letzten Jahren diverse FinTech-Unternehmen zunehmend an gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen und sich am Markt etabliert. Die fortschreitende Digitalisierung und deren Verschränkung mit analogen Prozessen erlaubt es diesen Nichtbanken ihre Kerngeschäftsfelder wie Handel, Information und Kommunikation mit dem traditionellen Geschäftsfeld des bankseitigen Zahlungsverkehrs zu verbinden.[3] Zudem helfen flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege FinTech-Unternehmen, schneller und agiler auf spezifische Trends zu reagieren und somit Kundenbedürfnisse flexibel zu befriedigen. Im innereuropäischen Vergleich hat sich insbesondere Großbritannien als Vorreiter in puncto FinTech hervorgetan, an dem es sich zu orientieren gilt.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

„Banken befinden sich nicht in einer Krise , sie durchleben einen Sturm“ [4] titelte die WirtschaftsWoche bereits im Jahr 2013 und verwies auf den zwingend notwendigen Wandlungsprozess, um konkurrenzfähig zu bleiben. Spätestens jetzt im Jahr 2017 wird klar, dass die negative Prognose der Wirtschaftswoche Richtigkeit behielt. Letztes Jahr machten Banken in Deutschland vor allem durch die Schließung von Filialen Schlagzeilen. Aufgrund von Sparmaßnahmen werden so bis zum Jahr 2021 bankenübergreifend rund 13.600 Filialen geschlossen.[5] In Kombination mit einer langfristig prognostizierten Niedrigzinsphase[6] fürchten vor allem Privatanleger, dass das angelegte Geld aufgrund von Inflation an Wert verliert anstatt Rendite zu erwirtschaften.

In der Vergangenheit hat sich schon innerhalb der Musikbranche und im klassischen Versandhandel ein disruptiver Wandel aufgrund der Digitalisierung gezeigt. Onlinebasierte Unternehmen setzten die alteingesessenen Branchengrößen zunehmend unter Druck, indem sie sich den veränderten Kundenbedürfnissen flexibel anpassten. Zu langes Zögern und die strikte Beibehaltung des eigenen Geschäftsmodells stellten Plattenlabels und Versandhändler vor massive Probleme aufgrund von stetig sinkenden Kundenzahlen. Der digitale Wandel betrifft zunehmend den Finanzsektor und macht das klassische Bankensystem schrittweise redundant. Im Zuge dessen befürchten rund 83 Prozent der etablierten Finanzdienstleister und 95 Prozent der Banken, dass sie Geschäftsanteile an FinTech-Unternehmen verlieren könnten.[7] Rund zwei Drittel der deutschen Banken empfinden solche Unternehmen als kritische Hürde bei der Transformation hin zu einem eigenen, neuen Geschäftsmodell. Vor allem im europäischen Vergleich, zeigt sich, dass man bezüglich digitaler Innovationen stark ins Hintertreffen geraten ist.[8]

Nachdem es lange Zeit eine Abgrenzungsmentalität zwischen dem Bankensektor und FinTech-Unternehmen gab, setzen sich mittlerweile zunehmend kooperative Ansätze durch. Angesichts von prognostizierten Umsatzeinbrüchen zwischen 20 und 30 Prozent im Jahr 2015 für den Bankensektor aufgrund von konkurrierenden Nichtbanken,[9] entschlossen sich zunehmend Banken dazu die Potenziale dieser zu nutzen. Im Jahr 2016 gingen deshalb 87 Prozent der deutschen Banken eine Kooperation mit FinTech-Unternehmen ein.[10] Hierbei gilt es jedoch kritisch zu hinterfragen, in welchem Maße diese Kooperationen ausfallen und beiden Partnern tatsächlich wirtschaftlich weiterhelfen oder ob es sich um reine Maßnahmen zur Aufbesserung des eigenen Unternehmensimages handelt. Im Zuge dessen soll diese Studienarbeit deshalb klären, inwiefern diese jungen Unternehmen den Bankensektor beeinflussen. Hierzu wird untersucht, ob Privatanleger vor dem Hintergrund der zunehmenden Etablierung von FinTech-Unternehmen gewillt sind, das Angebot von FinTech zu nutzen und welche Beweggründe sie zu einem Wechsel veranlassen. Während andere Märkte bereits Teil diverser Untersuchungen wurden, gibt es nur mangelnde Erkenntnisse zur derzeitigen Situation des deutschen Marktes. Aufgrund dessen steht dieser im Fokus dieser Studienarbeit und wird explizit untersucht.

1.2 Vorgehensweise

Zur Klärung der Frage, inwiefern Banken und deren Geschäftsmodell durch die zunehmende Verbreitung von FinTech-Unternehmen tangiert werden, gilt es anfangs Begrifflichkeiten zu klären. Hierzu wird zu Beginn der Banken- und FinTech-Begriff näher definiert und anhand Zahlen kurz vorgestellt. Zudem werden bekannte Unternehmen und deren Geschäftsmodelle präsentiert, wobei der Fokus auf den B2C-Bereich - die direkte Interaktion zwischen Unternehmen und Privatkunden - gelegt wird. Hierzu wird die Zufriedenheit deutscher Banknutzer mit ihrem Geldinstitut und darüber hinaus die Akzeptanz von FinTech-Unternehmen anhand eines eigens ausgearbeiteten Fragebogens analysiert. Dieser soll vor allem Differenzen zwischen der subjektiven Sicht der Banken und der Sicht der Kunden klären und so in einen objektiven Kontext setzen. Daraus wird abgeleitet wie Banken durch einen Paradigmenwechsel FinTech zukünftig nutzen können, um dem stagnierenden Finanzsektor wieder zum Aufschwung zu verhelfen und die Kundenzufriedenheit zu steigern. Diese Studienarbeit fokussiert sich dabei auf den Frontend-Bereich, welcher die öffentlich wahrnehmbare Schnittstelle zwischen Banken und Kunden darstellt.

2. Grundlagen, Zahlen & Fakten

2.1 Der deutsche Bankensektor und dessen Kunden

Um zu erläutern, wie die digitale Transformation sich auf den Bankensektor auswirkt, gilt es anfangs, diesen anhand Begriffsdefinitionen und aktuellen Zahlen genauer vorzustellen. Anschließend wird auch auf den Begriff der Digitalisierung und dessen wichtigste Ausprägungen, die den Finanzsektor betreffen, näher eingegangen.

Das deutsche Bankensystem besteht aus dem Zentralbankensystem mit der Deutschen Bundesbank als nationaler Zentralbank und dem Geschäftsbankensystem. Letzteres umfasst diverse Bankengruppen und lässt sich in Universal- und Spezialbanken unterteilen. Während Spezialbanken sich auf bestimmte Bankleistungen oder Kunden spezialisiert haben, bieten Universalbanken typische Bankgeschäfte im Kredit-, Wertpapier- und Einlagengeschäft an. Daneben tätigen sie Zahlungsverkehrs-, Platzierungs-, Finanzierungs- sowie Geld- und Kapitalanlagegeschäfte.[11] Das deutsche Bankwesen lässt sich anhand einer Drei-Säulen-Struktur unterteilen. Die einzelnen Banktypen unterscheiden sich dabei hauptsächlich hinsichtlich Verwaltungsmodalitäten und Geschäftsmodell.

Abb. 1: Drei-Säulen-Struktur des deutschen Bankwesens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [12]

Die Banken übernehmen dabei vier Hauptfunktionen:

- Zahlungsverkehrsfunktion: Abwicklung des Zahlungsverkehrs, Ausgabe von Banknoten, bargeldloser elektronischer Zahlungsverkehr (Überweisung, Kreditkarte, mobile Bezahlmethoden)
- Investitionsfunktion: Spareinlagen von Kunden werden gegen Wertpapiere (Beteiligungspapiere, Fonds…) getauscht, Wertpapierkauf und -verkauf an Börsen
- Kreditfunktion: Kreditvergabe an Privat- und Firmenkunden
- Dienstleistungsfunktion: Kundenberatung, Entwicklung und Vertrieb von Finanzprodukten[13]

Darauf aufbauend lässt sich auch zeigen, welche Erwartungen Kunden an ihre Finanzdienstleister stellen. Basierend auf der Bedürfnispyramide nach Maslow lässt sich zeigen, wie die Erwartungen seitens der Personen mit jeder höheren Ebene zusätzlich steigen.

Abb. 2: Finanzbedürfnispyramide

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[14]

Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass zuerst alle darunterliegenden Bedürfnisse befriedigt werden müssen, bevor Ziele in den höherliegenden Ebenen beansprucht werden.

2.1.1 Kennzahlen & Statistiken

Über alle Sektoren des Bankenwesens sind deutliche Rückgänge der Filialen zu verzeichnen. Vor allem im Genossenschaftssektor zeigt sich dabei ein starkes Gefälle.

Abb. 3: Anzahl der Kreditinstitute in den drei wichtigsten Bankensektoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[15]

Nichtsdestotrotz erfreuen sich vor allem Girokonten nach wie vor großer Beliebtheit. So stieg die Zahl solcher Konten die letzten zehn Jahre stetig an. Im Jahr 2014 summierte sich die Zahl an Girokonten auf 101.888, was darauf schließen lässt, dass es viele Menschen mit mehreren Konten in Deutschland gibt (Einwohnerzahl der BRD: rund 80 Mrd.). Der Grund hierfür liegt in besseren Konditionen bei Transaktionen. Beachtenswert ist zudem, dass es 2011 erstmals mehr Online-Konten als klassische Konten gab. Seitdem hält dieser Trend hin zum internetbasierten Modell an.[16] Vor allem junge Menschen planen bis zum 30. Lebensjahr, ihre bisherige Hausbank zu wechseln, um von besseren Konditionen hinsichtlich kostenloser Girokonten profitieren zu können. Bei einer Umfrage von mm1 gab rund die Hälfte dieses Personenkreises an, wechseln zu wollen.[17]

[...]


[1] Vgl. Filkorn, Markus, Capgemini (Banken 2015).

[2] Vgl. Drummer, Daniel et al., McKinsey&Company (FinTech 2016), S. 4.

[3] Vgl. Oehler, Andreas (Digitale Welt 2015), S. 2.

[4] Littmann, Saskia/Fehr, Mark, WirtschaftsWoche (Bankfilialen 2013).

[5] Vgl. Mitsis, Konstantinos, FOCUS Online (Bankensterben 2016).

[6] Vgl. Schwarz, Frank/Daniel, Adrian/Vogel, Patrick, DAS INVESTMENT (Niedrigzinsphase 2015).

[7] Vgl. PricewaterhouseCoopers International (Hrsg.) (Blurred lines 2016), S. 19.

[8] Vgl. Berger, Roland (Hrsg.) (Digital Transformation 2015), S. 11ff.

[9] Vgl. Ebd., S. 19.

[10] Vgl. Dorfleitner, Gregor et al., Bundesfinanzministerium (FinTech-Markt 2016).

[11] Vgl. Schöning, Stephan (Universalbanken).

[12] In Anlehnung an Grill, Wolfgang/Gramlich, Ludwig/Eller, Roland (Hrsg.) (Lexikon 1996), S. 206f.

[13] Vgl. Alt, Rainer/Puschmann, Thomas (Finanzindustrie 2016), S. 12f.

[14] In Anlehnung an Auge-Dickhut, Stefanie/Koye, Bernhard/Liebetrau, Axel (Generation 2014), S. 138.

[15] Deutsche Bundesbank – Eurosystem (Hrsg.) (Bankstellenbericht 2015), S. 7.

[16] Vgl. KOSTENLOSES-KONTO.net (Hrsg.) (Girokonten 2016).

[17] Vgl. mm1 - Die Beratung für Connected Business (Hrsg.) (Verlust junger Kunden 2016).

Details

Seiten
60
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668455764
ISBN (Buch)
9783668455771
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366606
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
Schlagworte
einfluss fintech-startups finanzsektor empirische untersuchung akzeptanz fintech-uternehmen bevölkerung

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Titel: Der Einfluss von FinTech-Startups auf den traditionellen Finanzsektor