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Aufgabenwechsel (Task switching) - Die Forschung der letzten zehn Jahre

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung und Einleitung

2. Frühere Arbeiten zum Thema Aufgabenwechsel

3. Forschung zum Aufgabenwechsel in den letzten zehn Jahren
3.1 Wesentliche experimentelle Paradigmen
3.1.1 Jersilds Paradigma
3.1.2 Das Paradigma der alternating runs
3.1.3 Das Paradigma der im Voraus spezifizierten Aufgabensequenzen
3.1.4 Das Paradigma der Hinweisreize (task-cueing paradigm)
3.1.5 Das Paradigma der Zwischen-Instruktionen
3.2 Basisphänomene
3.2.1 Wechselkosten
3.2.2 Mix-Kosten (mixing costs)
3.2.3 Vorbereitungseffekt
3.2.4 Residuale Wechselkosten (residual switch costs)
3.2.5 Neuanfangseffekt (restart effect)
3.2.6 Aufgabenbereitschaft und Aufgabenset
3.3 Ursachen von Wechselkosten
3.3.1 Trägheit des Aufgabensets (TSI, d. h. task set inertia)
3.3.2 Rekonfigurierung des Aufgabensets (TSR, d. h. task set reconfiguration)
3.3.3 Associative Retrieval

4. Ausblick auf und Richtungen für zukünftige Forschung

5. Nachbemerkung

6. Literatur

1. Vorbemerkung und Einleitung

Als Grundlage für die vorliegende Arbeit diente mir in erster Linie Monsells Überblicksartikel „Task switching“ (2003). Monsell gibt dort eine Zusammenfassung der Forschung, die vermehrt in den letzten Jahren zum Thema Aufgabenwechsel durchgeführt wurde und bietet mir damit die Basis für eine Hausarbeit, die die wesentlichen Ergebnisse und Erklärungen der letzten Dekade detaillierter betrachten will.

Schon an dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich mich in meinen Betrachtungen auf die meines Erachtens grundlegendsten Experimente und Erklärungsansätze beschränke und auf andere hier nur am Rande eingehen werde, da sonst der Rahmen dieser Hausarbeit gesprengt würde.

Zunächst werde ich auf frühere Arbeiten zum Thema eingehen, die den weiteren Verlauf der Forschung entscheidend geprägt haben, um mich anschließend auf die neueren Studien und Erklärungsansätze zu konzentrieren, innerhalb derer auch die Betrachtung grundlegender Phänomene aufgegriffen werden soll.

2. Frühere Arbeiten zum Thema Aufgabenwechsel

Zu einer der frühesten Studien zum Thema Aufgabenwechsel gehört die Arbeit von Jersild (1927)[1]. Er gab Studenten die Anweisung, Listen durchzuarbeiten, wobei sie entweder eine Aufgabe wiederholen oder zwischen zwei verschiedenen Aufgaben wechseln sollten. Die Antworten wurden laut ausgesprochen und die Zeit für die Bearbeitung einer Liste wurde mit einer Stoppuhr festgehalten. In einem der Experimente bekamen die Versuchspersonen beispielsweise eine Liste mit 25 zweistelligen Zahlen, von denen sie in der Kontrollbedingung entweder 3 subtrahieren oder zu denen sie 6 addieren sollten (AAAA... oder BBBB...) oder die beiden mathematischen Operationen abwechselnd durchführen sollten (ABAB...). Für die Bedingung mit wechselnder Aufgabenstellung ergaben sich erheblich höhere Reaktionszeiten als für die Wiederholungsbedingung. Gesteigert wurden diese Ergebnisse zudem, wenn die Komplexität der mathematischen Operationen erhöht wurde, das heißt wenn größere Zahlen addiert beziehungsweise subtrahiert werden sollten. Der Unterschied hinsichtlich der Zunahme der Reaktionszeiten ergab sich jedoch nicht, wenn die Versuchspersonen zwischen dem Addieren von 3 zu einer gegebenen Zahl und einer Aufgabe aus dem linguistischen Bereich wechseln sollten. Diese Aufgabe bestand darin, das Gegenteil eines vorgegebenen Wortes zu bilden. Hier ergaben sich keine ungenaueren oder langsameren Leistungen in der Bedingung mit wechselnden Aufgaben im Vergleich zur Kontrollbedingung, in der jeweils eine Aufgabe wiederholt wurde. Jersild erklärte diesen Effekt in Abhängigkeit des Lernstatus der Aufgaben.

1976 wurden Jersilds Befunde von Spector und Biederman[2] repliziert und ausgedehnt. Es gelang ihnen außerdem, die Reaktionszeiten innerhalb des Aufgabenwechsels zu reduzieren, indem sie den Versuchspersonen zusätzliche Hinweisreize boten, die an die auszuführende Rechenoperation erinnern sollten (Plus- und Minuszeichen). Trotzdem blieben wesentliche Kosten in den Reaktionszeiten bei wechselnden Aufgaben im Vergleich zu Aufgabenwiederholungen. Die Autoren interpretierten ihre Ergebnisse auf andere Weise als Jersild. Sie erklärten die wesentlichen Kosten im Hinblick auf die Reaktionszeit und die Genauigkeit der Antworten mit der Art der dargebotenen Reize. Gleiches Reizmaterial gehe einher mit ähnlichen Verarbeitungsprozessen. Dadurch komme es zu Überschneidungen, wodurch eine Antwort erschwert werde. Diese Überschneidungen ergäben sich nicht, wenn gleiche Aufgaben zu bearbeiten seien oder sich die Aufgaben in ausreichendem Maße voneinander unterscheiden würden. Zudem würde der Prozess erleichtert, indem zusätzlich relevante Informationen in Form von Hinweisreizen dargeboten würden.

3. Forschung zum Aufgabenwechsel in den letzten zehn Jahren

3.1 Wesentliche experimentelle Paradigmen

Um die Prozesse zu untersuchen, die beim Wechsel zwischen Aufgaben auftreten, wurden verschiedene experimentelle Paradigmen entwickelt. Prinzipiell werden dabei die Leistungen von Versuchspersonen unter zwei unterschiedlichen Bedingungen betrachtet und verglichen (siehe Hommel, 2002). In der ersten Bedingung wird die gleiche Aufgabe stetig wiederholt, in der zweiten Bedingung liegt dagegen ein Aufgabenwechsel vor. Im Folgenden soll ein Überblick über die wichtigsten Paradigmen zum Aufgabenwechsel gegeben werden.

3.1.1 Jersilds Paradigma

Das Paradigma, das von Jersild angewandt wurde, diente auch Autoren späterer Studien als Inspiration. So nutzten beispielsweise Rubinstein, Meyer und Evans (2001, Experimente 2 und 3) das Lösen mathematischer Operationen zur Untersuchung der Einflüsse von Aufgabenwechsel und Regelkomplexität.

In Anlehnung an die Experimente von Jersild und Spector und Biederman, in denen die Versuchspersonen zwischen dem Lösen mathematischer Operationen und dem Benennen von Gegenteilen zu gegebenen Wörtern wechseln sollten, gestalteten Allport, Styles und Hsieh (1994) ihr viertes Experiment. Die Versuchspersonen wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeordnet. Die Gruppen unterschieden sich hinsichtlich der inhaltlichen Reihenfolge, in der die Aufgabenblöcke ausgeführt wurden. Am Beispiel der Reihenfolge in Gruppe 1 soll kurz das Verfahren erklärt werden (in Gruppe 2 fanden die gleichen Blöcke Anwendung jedoch entsprach Block 1 und 3 dem zweiten Block aus Gruppe 1 und Block 2 dementsprechend dem ersten und dritten Block aus Gruppe 1). Die Versuchspersonen bekamen zu Beginn des Experimentes zwei Aufgaben, nämlich Farbwörter und Zahlenwerte laut zu lesen. Hierzu standen Listen mit einheitlichen (als Grundlage) oder wechselnden Aufgaben zur Verfügung. Um den Versuchspersonen die Möglichkeit zu geben, den Untersuchungsablauf tatsächlich zu verstehen, wurde jede Liste vor dem Start des Experiments einmal geübt. Das Experiment selbst bestand aus drei Blöcken, von denen jeder acht komplette Durchgänge beinhaltete. Ein Durchgang setzte sich aus drei nacheinander dargebotenen Listen zusammen, die aus den drei verschiedenen Aufgaben (zwei Listen ohne, eine mit Aufgabenwechsel) bestanden. Jeweils die Hälfte der Versuchspersonen begann mit einer Liste ohne oder einer Liste mit Wechsel zwischen den Aufgaben. Nach Ende des ersten Blocks erhielten die Versuchspersonen die Information, dass ihre Aufgabe nun wechseln würde. Sie sollten jetzt die Tintenfarbe der Farbwörter und die Gruppengröße der Ziffern innerhalb des Rahmens benennen. Im letzten Block schließlich wurden die Versuchspersonen aufgefordert, die Listen nochmals hinsichtlich der ursprünglichen Anweisungen zu beurteilen.

3.1.2 Das Paradigma der alternating runs

Im Jahr 1995 wurde von Rogers und Monsell ein neues Paradigma des Aufgabenwechsels eingeführt, das Paradigma der „alternating runs“. Dieses Paradigma ermöglichte es, Wechsel- und Wiederholungsdurchgänge innerhalb eines Blocks (so genannter alternierender Block) zu vergleichen. Dabei wird jede Aufgabe über eine konstante und somit vorhersagbare Anzahl an Durchgängen ausgeübt. So wissen die Versuchspersonen, dass bei jedem zweiten, vierten, sechsten usw. Durchgang ein Aufgabenwechsel absolviert werden muss.

Dieses Paradigma sollte vor allem der Behebung der Fehler dienen, die das Paradigma von Jersild bezüglich der Berechnung von Wechselkosten[3] verursachte (vgl. Rogers & Monsell, 1995). Der Vorteil des „Alternating runs“-Paradigmas liege darin, dass die beobachteten Wechselkosten eindeutig der Notwendigkeit zugeschrieben werden könnten, zwischen den Aufgaben zu wechseln anstatt zwei Aufgaben zur gleichen Zeit abrufbar zu halten.

Das Paradigma wurde in einer Vielzahl nachfolgender Studien aufgegriffen (beispielsweise bei Allport & Wylie, 1999 oder Mayr & Kliegl, 2000).

3.1.3 Das Paradigma der im Voraus spezifizierten Aufgabensequenzen

Dieses Paradigma kommt in den Experimenten von Allport, Styles und Hsieh (1994) zum Tragen. Es beinhaltet einen Wechsel der Aufmerksamkeit, den die Versuchspersonen zwischen verschiedenen Dimensionen, Kategorien, Eigenschaften oder Operationen absolvieren müssen. Den Versuchspersonen wurden kurze Sequenzen vorgelegt, wobei sie im Voraus Instruktionen erhielten, welche der Dimensionen innerhalb der Sequenz zu beachten seien.

Zur Verdeutlichung des Paradigmas werde ich die Vorgehensweise aus Experiment 1 (Allport, Styles & Hsieh, 1994) kurz erläutern. Als Reize innerhalb dieses Experiments dienten Gruppen mit einer bis neun Ziffern von 1 bis 9 (ausgenommen 5). Die Ziffern waren innerhalb eines Rechtecks angeordnet. Die Gruppengröße unterschied sich dabei immer vom Ziffernwert. Die Aufgabe der Versuchspersonen war es zu entscheiden, ob die relevante Nummer gerade oder ungerade beziehungsweise höher oder niedriger als 5 sei. Dabei bezog sich die relevante Nummer entweder auf die Gruppengröße oder auf den Ziffernwert, je nachdem wie die Instruktion im Voraus lautete. Die Aufgabenanweisungen wurden vor jeder Liste gegeben.

[...]


[1] nach Rogers & Monsell (1994), Allport, Styles & Hsieh (1994), Monsell (1996), Allport & Wylie (1999), Wylie & Allport (2000), Rubinstein, Meyer & Evans (2001), Monsell (2003) und Waszak, Hommel & Allport (2003)

[2] nach Allport & Wylie (1999), Wylie & Allport (2000), Rubinstein, Meyer & Evans (2001) und Waszak, Hommel & Allport (2003)

[3] zur Klärung des Begriffs „Wechselkosten“ siehe Punkt 3.2

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638362214
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36669
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
Aufgabenwechsel Forschung Jahre Aufmerksamkeit

Autor

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