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Philosophieren mit Kindern als Methode zur Umsetzung von nachhaltiger Entwicklung. Welche Werte benötigt eine nachhaltige Gesellschaft?

Hausarbeit 2017 19 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildung für nachhaltige Entwicklung
2.1 Gestaltungskompetenzen
2.2 Dimensionen von Bildung für nachhaltige Entwicklung
2.2.1 Ökologische Dimension
2.2.2 Ökonomische Dimension
2.2.3 Soziale Dimension
2.2.4 Kulturelle Dimension

3. Philosophieren mit Kindern
3.1 Philosophische Methoden
3.2 Philosophieren als eine zu fördernde Tätigkeit
3.3 Kritik am Philosophieren mit Kindern

4. Philosophieren über Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Kindern

5. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Keine Schneeflocke in der Lawine wird sich je verantwortlich fühlen.“ (Lec zit. n. Meyer 2004, S. 150)

Genau das mag wohl eines der größten Probleme bei der Umsetzung einer nachhaltigen Lebensweise sein. Jeder kennt das Gefühl oder die Aussagen „Ich alleine kann da eh nichts machen“. Ob es jetzt um die Mülltrennung, das Stromsparen, oder eine vegetarische Lebensweise geht, sei dahingestellt. Sicher ist die Aussage, dass man alleine kein Ozonloch verhindern oder die Klimaerwärmung stoppen kann soweit richtig, jedoch wird dabei nicht beachtet, dass wenn sich keiner verantwortlich fühlt und niemand den Anfang macht, sich noch weniger verändern kann.

Genau so möchte ich in diesem Zusammenhang das zu Beginn verwendete Zitat von Stanislaw Jezery Lec einbeziehen. Eine Schneeflocke alleine wird sich für eine ganze, zerstörerische Lawine nicht verantwortlich fühlen, da das jedoch all den Schneeflocken in der Lawine so ergehen dürfte, gibt genau diese Denkweise der Lawine ihre ungeheure Macht. Sobald aber eine Schneeflocke beginnt nachzudenken, sich verantwortlich zu fühlen und dieses Bewusstsein an andere weiter zu tragen, so verringert sich die Lawine zusehendst, bis sie ihre Wucht und die damit verbundene Gefahr verloren hat.

Genau dies ist ein Thema der vorliegenden Hausarbeit. Doch es geht dabei nicht vorwiegend um die eigene Veränderung seiner Lebensgewohnheiten zu einer nachhaltigeren Lebensweise, sondern vor allem um eine Methode, frühkindlicher Erziehung zu dieser, um so eine ganze Generation von andersdenkenden „Schneeflocken“ hervorzubringen. Dabei steht als Methode das Philosophieren im Vordergrund.

Doch wie ist dies umsetzbar? Und eignet sich das Philosopieren als eine Methode um Kindern nachhaltige Entwicklung beizubringen?

Genau diesen Fragen wird im weiteren Verlauf der Hausarbeit nachgegangen, sie werden kritisch hinterfragt und gegen Ende zu einem Fazit zusammengefasst.

2. Bildung für nachhaltige Entwicklung

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) findet als Lern- und Handlungsfeld seit den neunziger Jahren immer mehr Beachtung. Sie umfasst dabei die soziale, die ökologische, die ökonomische und die kulturelle Dimension von Entwicklungsprozessen gleichermaßen, auf die ich unter Punkt 2.2 noch genauer eingehen werde (vgl. De Haan 2009, S. 9). „Nachhaltige Entwicklung ist kein fertiges Programm, sondern ein gesellschaftlicher Such-, Lern- und Gestaltungsprozess“ (Stoltenberg 2009, S. 2). Sie stellt eine Aufgabe für alle Menschen dar, die bewusst leben, sich aktiv für ihre Umwelt und die darin lebenden Tiere, Pflanzen und auch Mitmenschen engagieren und verantwortungsbewusst und respektvoll mit ihnen umgehen möchten (vgl. Stoltenberg 2009, S. 2).

Der hohe Anspruch an eine Bildung für nachhaltige Entwicklung ist vor allem „[...] eine Gesellschaft zu gestalten, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken“ (De Haan 2009, S. 9). Die Herausforderungen dies umzusetzen sind dabei enorm hoch und reichen von der angemessenen Nutzung der natürlichen Ressourcen, also dem Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen bis zur Gerechtigkeit überall auf der Welt und der damit verbundenen Akzeptanz von kultureller Vielfalt, der Menschenwürde, der Geschlechtergerechtigkeit, einer für jeden zur Verfügung stehenden Nahrungsgrundlage und vielem Mehr (vgl. Stoltenberg 2009, S. 1).

Bildung für nachhaltige Entwicklung erfordert, sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinanderzusetzen, mit dem Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Denn zur Lösung von Umwelt- und Verteilungsproblemen ist das Umdenken und Neudenken bisheriger Lebens-, Wirtschafts- und Konsummuster notwendig (Müller & Schubert 2011, S. 11).

Es ist jedermanns Aufgabe im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu handeln und sich Gedanken darüber zu machen, welchen Beitrag jeder für sich in seinem Leben leisten kann, damit auch die zukünftigen Generationen noch eine Welt vorfinden, in der es sich lohnt zu leben (vgl. De Haan 2009, S. 9 f.).

Um diese umsetzen zu können gibt es Strategien die man im Alltag leben kann und die einem eine Übersicht über die alltäglichen Dinge gibt, die es zu verändern, zuverbessern, wegzulassen, zu ersetzen oder einzuschränken gilt. Dazu gehören die folgenden vier Strategien:

1. Die Effizienzstrategie (Besser): Um den Energieverbrauch zu verringern kann man Ressourcen effizienter nutzen (Bspw. Wasser).
2. Die Konsistenzstrategie (Anders): Ressourcen wie beispielsweise Holz sollten nur so genutzt werden, wie sie die Natur nachproduzieren kann.
3. Die Suffizienzstrategie (Weniger): Dinge, die man nicht unbedingt benötigt, wie beispielsweise das Föhnen der Haare kann man minimieren oder ganz weglassen, um die Umwelt zu schonen. Ebenso wie das Benutzen von Autos, welches man durch öffentliche Verkehrsmittel ersetzen und somit den Schadstoffausstoß minimieren kann.
4. Gerechtigkeitsstrategie (Gerechter): Ressourcen sollen gerechter verteilt und Armut bekämpft werden. (vgl. Stoltenberg 2009, S. 6 f.; Stoltenberg 2002, S. 19 f.)

Diese vier Strategien eignen sich ebenfalls für die Umsetzung und die praktische Anwendung in Kindertagesstätten. „Kindertageseinrichtungen selbst können als Erfahrungs-, Lern- und Gestaltungsorte im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden. Dies kann seinen Ausdruck unter anderem in einer gelebten Kultur der Partizipation von Kindern und Erwachsenen, in der Wertschätzung der Kompetenzen aller, im Energiesparen sowie durch saisonales und regionales Essen oder der Abfallvermeidung, finden“ (Stoltenberg 2009, S. 9).

2.1 Gestaltungskompetenzen

Die Gestaltungskompetenzen stellen ein Bildungsziel dar, bei denen es nicht nur um eine allgemeine Handlungsfähigkeit geht, sondern die Fähigkeit und Kompetenz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung handeln zu können und sich aktiv zur Umsetzung dieser einzubringen. Aus der Gestaltungskompetenz hat De Haan die folgenden zehn Teilkompetenzen aufgeführt:

1. Die Kompetenz unterschiedliche Sichtweisen auch kultur- und gruppenübergreifend wahrzunehmen und dieses Wissen zu nutzen um im Sinne der Nachhaltigkeit handeln und Lösungen für aufkommende Probleme finden zu können.
2. Die Kompetenz des vorausschauenden Denkens und Handelns.
3. Die Kompetenz fachübergreifend Erkenntnisse gewinnen und handeln zu können und dabei eigene Lösungswege in ähnlichen Zusammenhängen verwenden zu können.
4. Die Kompetenz zur Planung und Umsetzung in Kooperation mit Anderen.
5. Die Kompetenz individuell das eigene Leben planen und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung handeln zu können.
6. Die Kompetenz eigenständig und aktiv an Entscheidungsprozessen teilnehmen zu können.
7. Die Kompetenz sich selbstständig zu einer Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung motivieren zu können und aktiv zu werden.
8. Die Kompetenz andere für eine nachhaltige Lebensweise zu begeistern und sie motivieren zu können aktiv mitzuwirken.
9. Die Kompetenz soziale Ungerechtigkeit wahrzunehmen und Empathie und Solidarität für Benachteiligte aufzubringen
10. Die Kompetenz seine eigenen Leitbilder und die der Anderen reflektieren zu können. (vgl. Stoltenberg 2009, S. 4 f.; Ohlmeier & Brunold 2015, S. 106 ff.)

2.2 Dimensionen von Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die Dimensionen von Bildung für nachhaltige Entwicklung haben sich im Rahmen der Nachhaltigkeitsdebatte entwickelt und waren unter dem 3-Säulen-Modell bekannt. Diese 3 Säulen gliederten sich in die ökologische, die ökonomische und die soziale Dimension. Später kam in den 1990er Jahren die kulturelle Dimension hinzu, durch die das 3-Säulen-Modell zum 4-Säulen-Modell oder auch dem Nachhaltigkeitsviereck wurde (vgl. Rieg & Tautenhahn 2005, S. 5).

2.2.1 Ökologische Dimension

Bei der ökologischen Dimension geht es um eine nachhaltige Lebensweise, die Natur zu schützen und sie zu schonen, in dem lediglich die Ressourcen verwendet werden, die wir tatsächlich benötigen und das in den Mengen, die von der Natur ohne Probleme wiederhergestellt werden können. Die Erhaltung der Artenvielfalt, sowie die Gewährleistung der Regeneration von natürlichen Ressourcen stehen hierbei im Fokus (vgl. Stoltenberg 2002, S. 17).

2.2.2 Ökonomische Dimension

Die ökonomische Dimension bedeutet sparsam mit den Ressourcen umzugehen und dabei einen möglichst großen Nutzen bei möglichst geringem Einsatz oder Verbrauch zu erzielen. Auch kommt es auf eine nachhaltige Produktion zu fairen Preisen an. Dabei soll stets die Grundversorgung sowie die Lebensqualität der Menschen gewährleistet und sichergestellt werden (vgl. Stoltenberg 2002, S. 17).

2.2.3 Soziale Dimension

Das Bekämpfen von Armut, die Besteuerung der Reichen und die faire Entlohnung für alle Arbeitnehmer sind bei der sozialen Dimension ebenso von Bedeutung, wie die gleichen Rechte auf Nutzung von natürlichen Ressourcen und die gleichen Rechte auf Entwicklung für alle Menschen jeglicher Kultur und Herkunft (vgl. Stoltenberg 2002, S. 17).

„Eine gesellschaftliche Entwicklung, die nicht zu mehr Gerechtigkeit führt, birgt enorme Krisen- und Gewaltpotentiale, die auch jede Nachhaltigkeitsbemühung im ökologischökonomischen Bereich gefährdet.“ (Stoltenberg 2002, S. 17)

Allein das enorme Bevölkerungswachstum in den Dritte-Welt-Ländern oder die teils hohe Arbeitslosigkeit zeigen die sozialen Ungerechtigkeiten und Lücken, dessen Veränderung die soziale Dimension anstrebt (vgl. Stoltenberg 2002, S. 18).

2.2.4 Kulturelle Dimension

Da Nachhaltigkeit nichts ist, was einzelne Städte, Länder oder Kontinente betrifft, ist die kulturelle Dimension von großer Bedeutung.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668453272
ISBN (Buch)
9783668453289
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v366767
Institution / Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,3
Schlagworte
philosophieren kindern methode umsetzung entwicklung welche werte gesellschaft

Autor

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