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Förderung der Sprachkompetenz im Unterricht durch KOALA

In der Theorie und anhand eines Praxisbeispiels

Unterrichtsentwurf 2016 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einführung

2. KOALA in der Theorie
2.1 Anlass
2.2 Ziele
2.3 Beschreibung
2.4 Herangehensweise für Lehrkräfte

3. Umsetzung mit der Seminargruppe
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Verlaufsplan
3.3 Interessante Beobachtungen
3.4 Rückmeldungen von Studierenden

4. Quellenverzeichnis

5. Anhang
5.1 Verlaufsplan
5.2 Bildergeschichte*
5.3 Tafelbild

*Aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.

1. Einführung

Im Rahmen des Seminars „Streitfall Zweisprachigkeit“ klang an, dass es ein Unterrichtsprinzip gebe, das sich KOALA nennt. Die Bezeichnung KOALA stellt eine Abkürzung des Ausdruckes „Koordinierte Alphabetisierung im Anfangsunterricht“ dar. Dieses Prinzip ermöglicht, dass der Unterricht in einer sprachlich heterogenen Klasse auf Deutsch und zugleich auf einer weiteren Sprache geführt wird.

Die Dozentin des Seminars berichtete davon, dass sie KOALA während ihrer Tätigkeit an der Schule zusammen mit einer Lehrkraft durchgeführt hatte. So wäre ein Unterrichtsfach eingerichtet worden, um die Schülerinnen und Schüler regelmäßig auf den beiden Sprachen Deutsch und Türkisch zugleich unterrichten zu können. Die Dozentin stellte fest, dass KOALA positive Effekte auf den Umgang mit der türkischen Sprache hatte. Ihre Erfahrungsberichte weckten das Interesse der Studentinnen und Studenten. Dadurch kam der Entschluss, in einer Seminarsitzung gemeinsam KOALA durchzuführen. Da ich türkische Muttersprachlerin bin, bot es sich an, die Seminargestaltung zu übernehmen. Zusammen mit der Dozentin habe ich die entsprechende Unterrichtsstunde vorbereitet und durchgeführt.

Diese Arbeit soll zunächst die Theorie von KOALA behandeln. Die Informationen zum theoretischen Teil stammen aus der Homepage http://www.koala-projekt.de/index.htm, die von Berrin Nakipoğlu-Schimang, der Mitbegründerin des KOALA-Projektes, eingerichtet wurde. Anschließend soll die Umsetzung von KOALA in der Seminargruppe dargelegt werden. Vorangehend werden die Rahmenbedingungen angeführt, dann wird der geplante Verlaufsplan aufgezeigt und schließlich werden interessante Beobachtungen und Rückmeldungen von Studierenden genannt.

2. KOALA in der Theorie

2.1 Anlass

Nakipoğlu-Schimang erläutert, dass viele Kinder türkischer Herkunft mit nicht ausreichender Sprachkompetenz in die Schule kämen. Den Grund hierfür sieht sie in der fehlenden Unterstützung der Sprachentwicklung. So lasse man diese Kinder mit ihrer Zweisprachigkeit und zudem mit ihrer Bikulturalität allein, weshalb sie von ihrer Umwelt hin und her gezerrt werden.[1] Entsprechend dieser Problematik wisse man, dass die Erst- bzw. Muttersprache für die Persönlichkeitsentwicklung und für den Zweitsprachenerwerb von hoher Relevanz sei. Außerdem habe sich erwiesen, dass die Stellung der Herkunftssprache und -kultur im Aufnahmeland eine signifikante Auswirkung auf den Schulerfolg der Migrantenkinder habe und dass ein bedeutender Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und schulischem Erfolg bestehe.[2]

2.2 Ziele

KOALA setzt sich als Ziel, die Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern, den Schriftspracherwerb zu beschleunigen und die Laute und Buchstaben, die im Deutschen gelernt wurden, zu festigen. Außerdem sollen Interferenzen (zwischensprachliche Verwechslungen) vermieden werden, indem das Türkische mit dem Deutschen kontrastiert wird. Beispielsweise wird der Ausdruck „eine Zigarette rauchen“ ins Türkische übersetzt mit „sigara içmek“. Durch das Kontrastieren wird deutlich, dass für diese Ausdrucksweise im Deutschen ein anderes Verb Verwendung findet als im Türkischen. Wenn den Schülerinnen und Schüler mit der Herkunftssprache Türkisch dieser Unterschied deutlich wird, kann vermieden werden, dass sie „sigara içmek“ mit „eine Zigarette trinken“ übersetzen.[3]

Grundsätzlich soll KOALA diesen Problemfeldern entgegenwirken. So sollen die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, ihre beiden Sprachen und Kulturen zueinander in eine positive Beziehung zu setzen, mit ihrer Zweisprachigkeit bewusst umzugehen und sie selbstständig weiterzuentwickeln. Auch der Umgang mit ihrer Mehrkulturalität soll hierbei erlernt werden. Indem die Schülerinnen und Schüler mit ihren beiden Sprachen und Kulturen ganzheitlich wahrgenommen werden, könne man ihre Motivation und ihr Selbstwertgefühl steigern.[4]

2.3 Beschreibung

KOALA stellt ein Unterrichtsprinzip dar, welches aus der Kooperation der Lehrkraft für den Gesamtunterricht mit der Lehrkraft für den Herkunftssprachenunterricht (HSU) resultiert. Sie soll mindestens in Form von zwei Einzelstunden wöchentlich stattfinden[5]. KOALA ist ganzheitlich und damit Teil eines umfassenden Lernens in offenen, dezentralisierten Unterrichtsformen in herkunftsheterogenen Klassen[6]. Grundsätzlich wird der Unterricht auf zwei Sprachen geführt: auf Deutsch und beispielsweise auf Türkisch. Es ist erwünscht, dass die Schule die Zweitsprache des Unterrichtes als HSU anbietet. Durch den Einbezug der Herkunftssprache und -kultur der Schülerinnen und Schüler in den KOALA-Unterricht[7], findet ein interkulturelles Lernen statt. Nicht nur zwischen den beteiligten Schülerinnen und Schüler, sondern auch den kooperierenden Lehrkräften und der Eltern.[8]

Die Leistung von KOALA besteht darin, dass Schülerinnen und Schüler dort abgeholt werden, wo sie sind, da ihre Herkunftssprache und -kultur in den Gesamtunterricht einbezogen werden. Dadurch steige ihr Selbstwertgefühl.[9] Im Rahmen des KOALA-Unterrichtes wird erlaubt, dass auch anderen Sprachen Anerkennung finden. Kinder, die nicht die türkische Herkunftssprache haben, dürfen Vergleiche mit ihren eigenen Herkunftssprachen stellen. Durch die Anerkennung aller Sprachen kann sich jeder einbringen.

KOALA wird nicht als ein fertiges Projekt verstanden, sondern als eine didaktische Entscheidung. Sie ist ein Prinzip, das schulbezogen angewandt wird und weiterentwickelt werden kann. KOALA ist demnach nicht statisch sondern veränderbar.[10] Das beste Beispiel dafür stellt der Förderbaustein KoLeF (Koordiniertes Lernen mit Familiensprachen) dar. Es ist nämlich eine Weiterführung des KOALA-Prinzips, dass sich an die Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe I richtet.[11]

2.4 Herangehensweise für Lehrkräfte

Für die Umsetzung von KOALA wird vorausgesetzt, dass in der betroffenen Klasse einige Schülerinnen und Schüler vorhanden sind, die dieselbe Herkunftssprache haben und einen HSU besuchen. Falls der HSU weniger als zwei Stunden pro Woche ist, wird empfohlen, mehr Stunden einzufordern[12]. Als eine Lehrkraft, die das Vorhaben hat, KOALA in seiner Klasse anzuwenden, muss man zunächst mit einem HSU-Lehrer Kontakt aufnehmen. Auf der Homepage wird darauf verwiesen, dass bei Problemen das Fachberatungszentrum „nach Kräften“ Unterstützung gewährt.[13]

Weiterhin ist der Homepage zu entnehmen, dass schulinterne Informationsveranstaltungen möglich seien. Darüber hinaus biete man zweierlei Fortbildungen an. Für die türkischen Lehrkräfte gebe es Kompaktseminare im Fachberatungszentrum, wo das Prinzip KOALA und bereits vorbereitete Materialien bekannt gemacht werden. Zudem werden kontrastive Spracharbeit Deutsch-Türkisch und Lösestrategien für Schwierigkeiten der Kooperation und Koordination angeboten. Für deutsche und türkische Lehrkräfte gemeinsam werden 2 ½ tägige Seminare in einer Tagungsstätte angeboten. „Kooperationspartner aus den Schulen haben hier die Möglichkeit, sich in Ruhe vorzubereiten, Erfahrungen mit anderen Schulen bzw. KollegInnen auszutauschen, Material auszutauschen und ggf. gemeinsam zu erarbeiten, DaZ/DaF[14] Kriterien zu reflektieren, über die Erziehungsmuster beider Kulturen Informationen einzuholen und sich über eventuelle Konflikte auszusprechen.“, heißt es im Onlineportal.[15]

3. Umsetzung mit der Seminargruppe

3.1 Rahmenbedingungen

An der Stundengestaltung waren folgende fünf Studierende beteiligt: drei Studentinnen mit der Familiensprache Deutsch, ein Student mit den Familiensprachen Deutsch und Türkisch und ein Student mit den Familiensprachen Arabisch und Deutsch, wobei der Schwerpunkt auf Deutsch läge. Während der Unterrichtsstunde übernahmen die Dozentin und ich die Lehrerrollen. Sie sprach Türkisch und ich Deutsch.

3.2 Verlaufsplan

Im Anhang ist der Verlaufsplan für das Unterrichtsvorhaben in tabellarischer Form zu finden. Er beinhaltet sechs Unterrichtsschritte.

Der Unterrichtseinstieg erfolgt, indem Adjektive, Nomen und Verben auf Deutsch und Türkisch zu dem Thema „Tiere“ gesammelt werden. Die Vokalliste, die in dieser Phase entsteht, soll für eine später folgende Erarbeitungsphase als Inventar dienen. Da die Unterrichtsmaterialien eine thematische Eingrenzung bedingen, ist es sinnvoll diese Eingrenzung vorab zu benennen, sodass passende Begriffe zusammengetragen werden können. Die Ergebnisse werden auf einer Folie festgehalten. Begonnen wird mit den Wortarten Adjektiv, Nomen und Verb. Anschließend werden dazugehörige Wörter nachgetragen, wobei es den Studierenden offensteht, deutsche oder türkische Begriffe zu nennen.

In der folgenden Phase wird sich der Bilderbuchgeschichte gewidmet. Zunächst wird das Titelbild[16] näher betrachtet. Die Studierenden sind damit beauftragt, Hypothesen zum Inhalt der Geschichte aufzustellen. Dabei orientieren sie sich an der deutschen und türkischen Überschrift und an der Abbildung. Im Anschluss daran wird die Geschichte im Plenum gelesen.

Für die nächste Phase haben die Lehrenden vorab ein Tafelbild[17] erstellt. Hierin sind die ersten fünf Sätze aus der Bilderbuchgeschichte wiederzufinden. Die Aufgabe der Studierenden besteht darin zunächst die Nomen, dann die Adjektive und schließlich die Verben zu finden. Diese werden dann mit entsprechenden Farben unterstrichen. Diese Aufgabe soll dazu dienen, dass die Studierenden sensibel für den Satzbau im Deutschen und im Türkischen werden.

Anschließend werden alle Adjektive, Nomen und Verben weggewischt, sodass lediglich die Markierungen zurückbleiben. Dadurch soll ein Lückentext entstehen, der den Studierenden ermöglicht, andere Begriffe einzusetzen. Das Bilden von neuen Sätzen erfolgt im Plenum. Den Studierenden steht es offen, einen deutschen oder doch einen türkischen Satz zu vervollständigen. Auch wenn eine Person kein türkisch kann, sich aber gerne in dieser Sprache erproben möchte, ist sie in der Lage dies zu tun, da ihr die Vokabelliste aus dem Einstieg zur Verfügung steht. Um dies zu gewährleisten, wird die Folie währenddessen an die Wand projiziert.

Die Ergebnisse werden gesichert, indem das Tafelbild ins Heft übertragen wird. Nach dem gemeinsamen Probedurchlauf formulieren die Studierenden nun in Einzelarbeit eigene Sätze. Die Ergebnissicherung erfolgt, indem jeder einen Satz vorliest.

Schließlich findet ein Resümee satt. In dieser Phase können Eindrücke zur Grammatik, zum Unterricht und dem KOALA-Projekt ausgetauscht werden.

3.3 Interessante Beobachtungen

Während der Umsetzung des Unterrichtsvorhabens ergaben sich zwei interessante Beobachtungen.

Als in der Einstiegsphase die Studierenden die türkische Übersetzung von Nomen nicht kennen, gibt die Lehrende die Antwort vor. Der türkische Student ist verwundert darüber, dass Nomen mit ad übersetzt wird. Es stellt sich heraus, dass er auf Grund der ähnlichen Aussprache ad als at (dt.: Pferd) vernahm. Diese recht amüsante Verwechslung wird für das Plenum offengelegt, indem das türkische Gespräch ins Deutsche übersetzt wird. In derselben Phase, als Nomen gesammelt werden, nennen die drei deutschen Studentinnen und der arabisch-deutsche Student deutsche Begriffe, wobei der türkische Student seinen Beitrag auf Türkisch leistet. Als sich eine der deutschen Studentinnen zu Wort meldet, sagt sie: „At.“. Die Reaktion auf diesen Beitrag ist wie folgt: Die Gruppe ist für einen kurzen Augenblick verwundert, woraufhin ein herzliches Gelächter ausbricht. Die Studentin hatte sich gemerkt, dass at Pferd bedeutet.

Während der Analyse des Titelblattes merkt eine deutsche Studentin an, dass der deutsche Satz eine Aussage und der türkische Satz eine Frage ist, was sie anhand der Satzzeichen erkenne. Der türkische Student nimmt Stellung dazu, indem er sagt, dass der Inhalt derselbe sei. Der eine Satz sei als eine Aufforderung und der andere als eine Bitte formuliert worden. Der folgende Beitrag einer deutschen Studentin zu dieser Angelegenheit ist sehr beachtlich und aufschlussreich. Sie sagt, dass sie wüsste, dass lütfen bitte bedeutet. Sie meint, dass der deutsche Aussagesatz mit der Hinzuführung von bitte auch eine Frage ergeben würde, wie der türkische Satz.

3.4 Rückmeldungen von Studierenden

Zum KOALA-Projekt wurde seitens der Studierenden folgendes ausgesagt: Das Türkische empfinde man irgendwann als etwas „Normales“, auch wenn man es nicht verstehe. Es entstehe keine Verunsicherung, da man wisse, dass das Türkische im nächsten Moment übersetzt wird. Man lausche dem Türkischen aufmerksam und warte dann gespannt auf die Übersetzung. Während dem Lauschen orientiere man sich an der Stimmlage der Sprechenden, um zu erkennen, ob es sich um eine ernste Angelegenheit handle oder doch um etwas Lustiges.

Eine andere Studentin sagte, dass sie sich an türkische Begriffe zurückerinnerte, die sie mal gelernt hätte. Sie fügte zudem hinzu, dass sie durch die Lückentextaufgabe anfing, die deutsche Grammatik aus einer anderen Sicht zu betrachten. Sie sei nun sensibler für die Deklination der Adjektive (pink à pinker Hut).

Einige der Studierenden waren der Meinung, dass man durch den Unterricht ein Spiel mit Lerneffekt hätt. Man empfinde eine gewisse Wertschätzung für die eigene Sprache, da man sich an dieser bedienen darf. Eine der Studentinnen habe für sich festgestellt, dass sie nicht wusste, dass im Arabischen von rechts nach links geschrieben wird.

[...]


[1] http://www.koala-projekt.de/html/entscheidung.htm (15.02.2016).

[2] http://www.koala-projekt.de/html/das_pilotprojekt.html (15.02.2016).

[3] http://www.koala-projekt.de/html/entscheidung.htm (15.02.2016).

[4] http://www.koala-projekt.de/html/entscheidung.htm (15.02.2016).

[5] http://www.koala-projekt.de/html/schematisch.htm (15.02.2016).

[6] http://www.koala-projekt.de/html/prinzip.htm (15.02.2016).

[7] http://www.koala-projekt.de/html/entscheidung.htm (15.02.2016).

[8] http://www.koala-projekt.de/html/prinzip.htm (15.02.2016).

[9] http://www.koala-projekt.de/html/prinzip.htm (15.02.2016).

[10] http://www.koala-projekt.de/html/prinzip.htm (15.02.2016).

[11] http://www.koala-projekt.de/html/kolef.html (23.02.2016).

[12] http://www.koala-projekt.de/html/wieschema02.html (15.02.2016).

[13] http://www.koala-projekt.de/html/wie.htm(15.02.2016).

[14] Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache

[15] http://www.koala-projekt.de/html/wie.htm (15.02.2016).

[16] Das Titelbild ist im Anhang wiederzufinden.

[17] Im Anhang ist das geplante Tafelbild zu finden.

Details

Seiten
12
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668470880
ISBN (Buch)
9783668470897
Dateigröße
688 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v367992
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Mehrsprachigkeit Zweisprachigkeit HSU KOALA Flüchtlingskinder DaZ Daz/DaF Unterrichtsidee Co-Teaching

Autor

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Titel: Förderung der Sprachkompetenz im Unterricht durch KOALA