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Wie kann ein guter Lehrer zum Lernerfolg von Schülern beitragen?

Eine Analyse des didaktischen Werts des Unterrichts

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einflussfaktoren der Schülerleistung

3. Angebots-Nutzungs-Modell
3.1 Qualitätsmerkmale
3.2 Mediationsprozess
3.3 Korrelation

4. Drei-Etagen-Haus
4.1 Arbeitsbündnis

5. Unterschiede zwischen Helmkes und Meyers Modellen

6. Schlechter Start

7. Aufgabe des Lehrers

8. Schluss

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Ziel eines jeden Lehrers ist es guten Unterricht zu machen. Man will den Anforderungen des Lehrplans und der Erwartungen der Schüler und Eltern gerecht werden. Erkenntlich macht sich guter Unterricht unter anderem, wenn sich die aufgesetzten Erwartungen erfüllen und sich in Form von hohem Lernerfolg kenntlich machen. Inbegriffen sind hierbei sowohl das fachliche, als auch das soziale und methodische Lernen und die Persönlichkeitsstärkung der Schüler.[1] Auch wenn Schüler noch in jungen Jahren dessen nicht bewusst sind und eher mit einem Abstand zum Wissenserwerb stehen, ist es das höchste Gut, was angestrebt wird.

Aus dieser Distanz folgernd, ist zu schließen, dass Schüler nicht immer engagiert und für ihre Leistungen im Einsatz sind. An dieser Stelle stellt sich die Frage, wie dann der Lernerfolg sich zeigt. Wer ist der Protagonist, wenn es um den Erfolg geht? In wie weit ist der Lehrer prägend für ihn?

Um mich dieser Frage zu stellen, gehe ich zunächst auf die Einflussfaktoren des Unterrichts ein. Um einen hohen Lernerfolg erzielen zu können, sagt nämlich der Professor für Schulpädagogik, Hilbert Meyer, sei eine „starke Ausprägung der zehn Merkmale guten Unterrichts“ vonnöten.[2] Jedoch sei der „gute Unterricht [wiederum] mehr als die [bloße] Addition von Einzelmerkmalen“.[3]

Im nächsten Schritt wird das Angebots-Nutzungs-Modell von Andreas Helmke, der ein deutscher Erziehungswissenschaftler und Professor für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie ist, erläutert. Hierbei liegt der Fokus auf der Angebotsnutzung an sich.

Im Weiteren wird ein Modell von Meyer in Betracht gezogen, bei dem die Herausbildung von Kompetenzen und Handlungsmustern der gemeinsamen, kooperierenden Wirkweise zwischen Lehrer und Schüler zugeschrieben wird. Gefolgt wird dieses Drei-Etagen-Hause-Modell von der Anführung eines Vergleiches der beiden Modelle, wobei die Unterschiede klargestellt werden.

Schließlich werden auf die Maßnahmen eingegangen, denen der Lehrer bei ungünstigen Eingangsbedingungen der Schüler folgen kann. Bei dieser Überlegung wird hauptsächliches Hilbert Meyers Merkmalenkatalog guten Unterrichts herangezogen.

2. Einflussfaktoren der Schülerleistung

Neben der Unterrichtsqualität wirken viele andere Faktoren auf die Leistungen der Schüler ein. Familiäre Lernbedingungen wie das Erziehungsstil, Familienklima und Anregungspotential bilden wichtige Rahmenbedingungen für die Entwicklung der persönlichen Leistungsfähigkeiten, die sich auf schulische Lernleistungen niederschlagen.[4] Zu den großen Einflüssen zählt Meyer die Begabung und das familiäre und soziale Umfeld der Schüler, die für Lehrer deutlich schwerer zu beeinflussen sind als die Unterrichtsmerkmale. Neben der geringen Möglichkeiten auf außerschulische Faktoren einzuwirken, ist empirisch bewiesen, dass die Qualität des Unterrichts lediglich 20 bis 40% Einfluss auf den Lernerfolg hat.[5] Helmke stellt heraus, dass Schüler selbst durch ihre effiziente Nutzung des Unterrichts ihren Erfolg sichern können. Der Lehrer macht mit dem „Unterricht […] lediglich ein Angebot“.[6]

3. Angebots-Nutzungs-Modell

In seinem empirisch abgesicherten Angebots-Nutzungs-Modell versucht er die „Faktoren der Unterrichtsqualität in ein umfassend[es] Modell der Wirkungsweise und Zielkriterien des Unterrichts zu integrieren“:[7]

Der Unterricht wird geprägt durch die Lehrerkompetenzen und dem Unterrichtskontext. Entscheidend ist hier unter anderem, die Unterrichtsgestaltung, -qualität, die Ziele und die Schulform, Klassenzusammensetzung und die zur Verfügung stehende Zeit. Dies stellt das Angebot in diesem Modell dar. Dieser Unterricht unterliegt einem Mediationsprozess. Die Schüler, die ebenfalls durch Vorkenntnisse, dem familiären und sozialen Umfeld und das Klassenklima beeinflusst werden, interpretieren den Unterricht. Die durch ihre Eingangsbedingungen und dem Klassenkontext determinierten Schüler nehmen den Unterricht individuell wahr, wodurch die Nutzung resultiert. Anlässlich der persönlichen Wahrnehmung, wird der Unterricht stärker oder eher schwächer genutzt, womit die Lernaktivität dargelegt wäre. Der Ertrag hieraus sind die fachlichen und fachübergreifenden Kompetenzen, die entwickelt und/oder ausgebaut werden.[8]

3.1 Qualitätsmerkmale

Die Hauptbotschaft Helmkes, dass Lehrer und Schulen nur ein Angebot machen können gibt zu verstehen, dass Lehrer ihrerseits zu einem guten Unterricht beitragen, indem sie in ihren Unterricht Qualitätsmerkmale einbringen.[9] Hierzu zählen nach Helmke folgende: (1)Die Klassenführung, (2)Klarheit und Strukturiertheit, (3)Konsolidierung und Sicherung, (4)Aktivierung, (5)Motivierung, (6)das lernförderliche Klima, (7)die Schülerorientierung, (8)Kompetenzorientierung, (9)der Umgang mit Heterogenität und (10)die Angebotsvariation.[10] Einen ähnlichen Katalog aus zehn empirisch erforschten Merkmalen, deren starke Ausprägung zu einem guten Unterricht mit hohen Lernergebnissen führen soll, entwirft auch Hilbert Meyer. Ihm zufolge wären (1)eine klare Strukturierung des Unterrichts, (2)ein hoher Anteil echter Lernzeit, (3)ein lernförderndes Klima, (4)eine inhaltliche Klarheit, (5)ein sinnstiftendes Kommunizieren, (6)eine Methodenvielfalt, (7)eine inhaltliche Förderung, (8)ein intelligentes Üben, (9)eine transparente Leistungserwartung und (10)eine vorbereitete Umgebung wesentlich für eine hohe Unterrichtsqualität.[11]

An dieser Stelle betont Meyer mit der These „Viele – nicht alle – Wege führen nach Rom.“[12], dass die Merkmale nicht als Rezepte zu verstehen sein dürfen. Der Lehrer hat die Aufgabe sie auf gegebene Unterrichtssituationen zu übertragen und anzupassen.[13] Helmke spricht davon, dass diese „keine stromlinienförmig umsetzbaren Handlungsanweisungen […] [sind], sondern […] eine Sensibilisierung des Lehrenden für wichtig Einflüsse des Unterrichtsgeschehens“ darbieten.[14] Zudem gehöre es zu seiner Profession, widersprüchliche Merkmale auszubalancieren.[15]

Darüber hinaus gibt Meyer an, dass Andreas Helmke sein Katalog aus der Lehrerperspektive geschrieben hätte, wo hingegen er seins so angelegt hätte, dass sowohl Lehrer als auch Schüler „zum Starkmachen des jeweiligen Merkmals“ beitragen können.[16]

Da der Einfluss der Qualitätsmerkmale geringfügig ist,[17] ist ein Lernerfolg nur dann gegeben, wenn der Schüler den Unterricht effizient nutzt. Es ist belanglos, dass der Unterricht einen hohen Anteil von Qualitätsmerkmalen aufweist, wenn der Schüler diesen nicht ausschöpft. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Nutzung, die gefärbt ist durch den Mediationsprozess.[18]

3.2 Mediationsprozess

Hierbei handelt es sich um einen Prozess, bei dem Informationen verarbeitet werden. „Die Wirkung leistungsbezogener Informationen wird auf das leistungsbezogene Selbstvertrauen moderiert“[19], woraus die Lernaktivität resultiert. Auch der Psychologe Franz Emanuel Weinert bringt dies zur Sprache, indem er darlegt, dass empirische Befunde aufzeigen, dass die Merkmalsausprägung und -interpretation Auswirkungen auf die Leistung hat.[20] Durch gegebene persönliche Umstände erfolgt die Informationsverarbeitung subjektiv. Personale Begebenheiten wie die Begabungen und die Kapazität des Schülers, die schulischen Zustände beispielsweise das Schul- und Klassenklima, als da wären das Lehrer-Schüler- und Schüler-Schüler-Verhältnis, die familiäre Erziehung und ihre Zustände nämlich die Sprache, Kultur und Bildungsnähe und das soziale Umfeld sind prägend. Sowohl die „schulexternen [als auch die] […] schulinternen Faktoren beeinflussen die kognitiven Leistungen und die Persönlichkeitsentwicklung“, so Weinert.[21]

Unter anderem fällt die „Interpretation des Verhaltens signifikanter Anderer“ hierunter. Fähigkeits- und leistungsbezogene Informationen von Bezugspersonen werden gedeutet, woraus ein Fähigkeitsbild entsteht. Diese individuelle Fähigkeitsbeurteilung folgt aus gegebenen Umständen.[22]

Zur Veranschaulichung des interpretierten Fähigkeitsbildes dient folgendes Beispiel: Der Lehrer kommentiert die richtige Antwort von dem leistungsstarken Schüler A: „Da scheint jemand wieder bei der Klassenarbeit eine miserable Leistung abzuliefern!“ und grinst. Schüler A lächelt und versteht, dass dies eine ironische Anmerkung gewesen ist. Schüler B ist verwirrt: „Die Antwort war doch richtig, oder? Außerdem schreibt er doch immer ausgezeichnete Noten. Und wieso war er so gemein zu ihm?“ Anzunehmen ist hier, dass folglich der Fehlinterpretation bei Schüler B eine Unsicherheit entsteht, sodass er sich aus seiner Unterrichtsbeteiligung zurückzieht.

Darüber hinaus hat die „Bewertung der subjektiven Bedeutsamkeit“ des Unterrichts beziehungsweise des Unterrichtsthemas einen Einfluss auf die Schülerleistung. Anhand daran für wie wichtig der Schüler den Unterricht und seine erbrachten Erfolge erachtet, steigt oder sinkt die Relevanz für ihn, wodurch seine Leistungen sich parallel dazu verhalten.[23]

Je nachdem wie das Verhältnis zwischen dem Anstrengungsaufwand für die Erbringung der Leistung und dem Ergebnis ist, wird die Leistung als Erfolg oder Misserfolg angesehen. Wenn das Verhältnis eine Diskrepanz aufweist, hat sie einen negativen Einfluss. Der Schüler bewertet seine Arbeit als sinnlos und belässt sie.[24]

In den Attributionsprozessen hat eine Leistungsrückmeldung einen günstigen oder ungünstigen Effekt auf das bestehende Fähigkeitsbild. Eine Selbstabwertung seitens des Schülers findet dann statt, wenn er die Ursachen für den Misserfolg bei sich selbst findet, durch seine hohe zeitliche Stabilität oder Globalität gekennzeichnet ist oder wenn der Misserfolg hätte verhindert werden können.[25]

Schüler vergleichen ihre Leistungen untereinander und legen damit eine Rangposition innerhalb der Klasse fest. Der Maßstab für die eigene Leistungsbeurteilung im schulischen Kontext ist somit der soziale Vergleichsprozess. Entsprechend der individuellen Rangposition in der sozialen Vergleichsgruppe bewertet der Schüler seine Leistung als Erfolg oder Misserfolg.[26]

[...]


[1] Vgl., Hilbert, Meyer (1010): Qualitätsmerkmale guten Unterrichts. In: Fischer, Christian/Schilmöller, Reinhard (Hrsg.): Münstersche Gespräch zur Pädagogik. Was ist guter Unterricht? Qualitätskriterien auf dem Prüfstand. Münster: Aschendorf, B. 26, S. 11.

[2] Meyer, Hilbert (2011): Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen, 8. Auflage, S. 156.

[3] Vgl., Hilbert, Meyer (1010): Qualitätsmerkmale guten Unterrichts. In: Fischer, Christian/Schilmöller, Reinhard (Hg.): Münstersche Gespräch zur Pädagogik. Was ist guter Unterricht? Qualitätskriterien auf dem Prüfstand. Münster: Aschendorf, B. 26, S. 21.

[4] Vgl., Hurrelmann, Klaus/K. Wolf, Hartmut (1986): Schulerfolg und Schulversagen im Jugendalter. Fallanalysen von Bildungslaufbahnen. Weinheim und München: Juventa, S.25.

[5] Vgl., Meyer, Hilbert (2011): Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen, 8. Auflage, S. 155.

[6] Helmke, Andreas (2010): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer, 3.Auflage, S.74.

[7] Ebd., S.73.

[8] Vgl., ebd., S.73, Abbildung.

[9] Vgl., Meyer, Hilbert/Feindt, Andreas/Fichten, Wolfgang (2007): Skizze einer Theorie der Unterrichtsentwicklung. Überlegung zu einem interdisziplinären Ansatz. In: Becker, Gerold/Feindt, Andreas/Meyer, Hilbert/Rothland, Martin/Stäudel, Lutz/Terhart, Ewald (Hrsg): Friedrich Jahresheft. Guter Unterricht. Maßstäbe & Merkmale - Wege & Werkzeuge 07, S. 111.

[10] Vgl., Helmke, Andreas (2010): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer, 3.Auflage, S. 168-169.

[11] Vgl., Meyer, Hilbert (2011): Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen, 8. Auflage, S. 17-18.

[12] Ebd., S. 128.

[13] Vgl., ebd., S. 12.

[14] Helmke, Andreas (2010): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer, 3.Auflage, S. 75.

[15] Vgl., Meyer, Hilbert (2011): Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen, 8. Auflage, S. 166-167.

[16] Vgl., Hilbert, Meyer (2010): Qualitätsmerkmale guten Unterrichts. In: Fischer, Christian/ Schilmöller, Reinhard (Hrsg.): Münstersche Gespräch zur Pädagogik. Was ist guter Unterricht? Qualitätskriterien auf dem Prüfstand. Münster: Aschendorf, B. 26, S. 27.

[17] Vgl., Meyer, Hilbert (2011): Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen, 8. Auflage, S. 155.

[18] Vgl., Helmke, Andreas (2010): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer, 3.Auflage, S. 74.

[19] Vgl., Hurrelmann, Klaus/K. Wolf, Hartmut (1986): Schulerfolg und Schulversagen im Jugendalter. Fallanalysen von Bildungslaufbahnen. Weinheim und München: Juventa, S.43.

[20] Vgl., Helmke, Andreas (2010): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer, 3.Auflage, S. 72.

[21] Ebd., S. 71

[22] Helmke, Andreas (1992): Selbstvertrauen und schulische Leistungen. Göttingen: Hogrefe, S. 43.

[23] Vgl., Helmke, Andreas (1992): Selbstvertrauen und schulische Leistungen. Göttingen: Hogrefe, S. 44.

[24] Vgl., ebd.

[25] Vgl., ebd.

[26] Vgl., ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668466067
ISBN (Buch)
9783668466074
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368002
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Helmke Meyer Lehrer Lernerfolg Guter Unterricht Pädagogische Professionalität Pädagogik Didaktik Schule Schüler Lernen

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