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Warum entscheiden sich Studierende für den Lehrerberuf? Gründe und Motive

Hausarbeit 2011 12 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

1. Einleitung

Betrachtet man die Situationen an den Univeritäten von heute, muss man feststellen, dass sich besonders in den ersten Semestern überdurchschnittlich viele Studenten für den Studiengang des Lehramtes entschieden haben. Auf den ersten Blick mag das vielleicht mit der in großen Teilen der Bevölkerung immer noch vorherrschenden Meinung einhergehen, dass gerade dieser Studiengang besonders entspannt und auch beliebig lange „durchführbar“ ist, immerhin soll die Studentenzeit ja die beste Zeit des Lebens sein. Allerdings fällt zumindest der Aspekt des Dauerstudenten und fleißig

„Sitzscheine“ sammelnden Studenten seit der Reformierung des Lehramt Studiums gänzlich weg. Nachdem in allen deutschen Bundesländern der Studiengang des Lehramtes zumindest modularisiert wurde, stehen die Studenten von Anfang an unter ständigem Leistungsdruck, haben ausreichend Pflichtveranstaltungen zu besuchen und sollen am besten jede Vorlesungsstunde noch weitere zwei Stunden zu Hause nachbearbeiten. Ungeachtet dessen herrscht jedoch immer noch ein gewisses Bild vor, wonach die heutigen Lehramtsstudenten sich nur für diesen Studiengang entschieden haben, da sie entweder nicht wussten, was sie eigentlich genau studieren wollen (Rothland 2011, S. 268) oder aber, da sie den Beruf des Lehrers nun während der vergangenen Jahre intensiv aus der Schülerperspektive studieren und beobachten konnten, so dass ihnen der Gedanke kommt „Da weiß ich wenigstens, was auf mich zukommt.“ Dem jedoch widersprechen einige Zeitungsartikel der jungen Vergangenheit vehement, wenn es darum geht, ob die angehenden Studenten überhaupt wissen, was auf sie zukommt (vgl. z.B. Schindel 2007). Hier ist gar vom „Praxisschock die Rede“, der die angehenden Lehrer erwartet, wenn sie mit dem Studium fertig sind und ins Referendariat einsteigen sollen. Um aber noch einmal auf die Motivation der Studenten zurückzukommen, muss man ebenfalls zu Rate ziehen, dass sich die Quote der Studienabbrecher unter Lehramtsstudenten nicht nur im Vergleich mit anderen Studiengängen in einem sehr niedrigen, prozentualen Bereich bewegt, sondern, dass selbige in den letzten Jahren auch noch um einige Prozentpunkte gesunken ist. Dies führt Ulrich Heublin darauf zurück, dass sich zum einen die Rahmenbedingungen für Lehramtsstudierende verbessert haben und diese sich aber auch genauer, als noch vor einigen Jahren mit dem Studiengang auseinandersetzen, so dass sie insgesamt besser darauf vorbereitet sind (u.a. 2008, S. 7). In der folgenden Ausarbeitung soll daher zunächst versucht werden, die Frage zu klären, inwieweit die Wahl des Lehrberufes eventuell auch mit der Wahl des dazu gehörigen Studiums zusammenhängt, bevor allgemeine Theorien und Modelle zur Berufswahltheorie vorgestellt werden. Daraufhin sollen die Beweggründe, also auch die Motive angehender Lehrer explizit benannt und auf ihre Relevanz für das spätere Berufsleben hin untersucht werden.

2. Gründe und Motive für die Wahl des Lehrberufs

2.1 Berufswahlmotivation vs. Studienwahlmotivation

Mit Sicherheit ist ein erfolgreicher Abschluss auch eine gewisse Motivation, welche jedoch vielmehr während des Studiums zum Tragen kommt. Auf der Suche nach möglichen Gründen, warum sich Studierende für den Lehrerberuf entscheiden, muss man auch erst einmal ein wenig differenzieren. Entscheiden sich die Studierenden für den Beruf, der auf das Studium folgt, oder entscheiden sie sich für das Studium, weil sie Interesse an den jeweiligen Inhalten haben? Auf der einen Seite setzt ein Interesse für den Lehrberuf an sich natürlich auch ein gewisses Interesse an dem Studiengang voraus (vgl. Heine u.a. 2008, S. 301), da dieser, bevor es ins Berufsleben geht, ja auch mindestens neun Semester der ständige Begleiter der Studierenden sein wird. Nichtsdestotrotz gibt es mit Sicherheit auch Fälle, in denen sich die Studierenden danach sehnen, endlich vor einer Klasse stehen zu dürfen und den vielen, oftmals sehr fachlich ausgerichteten Theorie-Teil der Universität überspringen möchten. Um diese Differenzierung zu umgehen und die Argumentation klarer zu gestalten, werde ich im weiteren Verlauf der Arbeit stets die Gründe und Motive für die Wahl des Lehrerberufes hinterfragen und dabei den Studiengang als solchen „lediglich“ als Erörterung miteinbeziehen, denn gerade nach der Umstellung des Studienganges zeigen die Lehramtsstudierenden „eine zielgerichtete Berufsmotivation gepaart mit einer hohen Entscheidungssicherheit“ (Rothland 2011, S. 268).

2.2 Allgemeine Berufs- und Studienwahlmotive

Bevor die Modelle von Holland und Richardson und Watt vorgestellt werden sollen, werden zunächst einige allgemeine Berufs- und Lebensziele dargestellt, welche überhaupt erst dafür verantwortlich sind, warum sich Studierende im Allgemeinen für ein Studium und einen möglichen darauf folgenden Beruf entscheiden.

Laut Heine sind die Primärziele der Studienanfänger ein guter Verdienst (77%) sowie ständig neue Herausforderungen (69%) für deren zukünftiges Berufsleben. Nicht minder relevant erscheinen im direkten Anschluss das Prestige, welches mit einem Beruf einhergeht, was sich daran zeigt, dass 67% der Studienanfänger des Wintersemesters 2007/08 zu Protokoll gaben „ein anerkannter Fachmann/eine anerkannte Fachfrau werden“ zu wollen (u.a. 2008, S. 307). Bemerkenswert, vor allem auch hinsichtlich des Lehrerberufs ist die Tatsache, dass sich zwei von drei Studenten später einmal viel Umgang mit Menschen in ihren Berufen wünschen (ebd.). Hinsichtlich der Belastung durch den Beruf gaben 54% der Befragten an, dass sie „sich keinesfalls vom Beruf vereinnahmen lassen“ wollen und weitere 33% haben betont, dass ihnen viel Freizeit wichtig ist. Ebenfalls relevant für den Beruf des Lehrers erscheint die Statistik, dass sich lediglich „zwei von fünf Studienanfängern fest an ein Unternehmen oder eine Institution“ binden wollen (ebd.), wobei gerade die Wahl des Lehramtsstudiums einen sehr klar definierten Werdegang bedeutet.

Wichtig für das Zusammenspiel Gründe und Motive eines konkreten Berufes, worauf im weiteren Verlauf unter Punkt 2.3 besonders eingegangen werden soll, sind neben den allgemeinen Berufswahlmotiven auch die allgemeinen Studienwahlmotive. Unter 2.1 wurde ja bereits erklärt, dass im Laufe dieser Arbeit generell nur noch die Berufswahlmotivation untersucht werden soll und selbige auch die Studienwahlmotivation mit einschließt. Allerdings bezieht sich dies nicht auf die allgemeinen Studien- und Berufswahlmotive, welche für jeglichen Studiengang oder Beruf von Relevanz sein können und an dieser Stelle vorgestellt werden sollen, so dass später, wenn es um den Beruf des Lehrers geht, darauf zurückgegriffen werden kann. Gemäß der Befragung der Studienanfänger im Wintersemester 2007/08, stehen für den absoluten Großteil der Studieren intrinsische Motive im Vordergrund, wobei das Interesse am Fach (90%) klar dominiert und von den persönlichen Neigungen und Begabungen (86%) komplettiert wird (Heine 2008, S. 137). Auffallend ist dagegen das wissenschaftliche Interesse mit 43% eher wenig vertreten. Analog zu den Angaben, dass sich viele Studenten einen Beruf wünschen, der viel Kontakt mit Menschen bietet, wollen je 32% der Studierenden entweder „zu sozialen Veränderungen beitragen“ oder einen Beruf ergreifen, „in dem Sie Anderen helfen können“ (ebd.). Auffällig und von Relevanz für die später betrachteten Motive für die Wahl des Lehrberufs, ist, dass lediglich 8% der Studenten angaben, sich „von familiären Traditionen“ beeinflussen zu lassen (ebd.).

2.3 Theorien und Modelle zur Wahl des Lehrerberufs

2.3.1 Allgemeine Berufswahltheorie von Holland

Von vielen deutschen Forschern auf diesem Gebiet anerkannt und daher auch als auf den deutschsprachigen Raum übertragbar (vgl. Rothland 2011, S. 270), ist die Berufswahltheorie von Holland. Diese lässt sich ebenfalls als Kongruenztheorie oder typologische Berufswahltheorie charakterisieren, welche auf Annahmen zur Wechselwirkung von Personen- und Umweltvariablen basiert (Rothland 2011, S. 269).

Laut Bergmann geht Hollands Modell von der grundsätzlichen Annahme aus, dass Berufsinteressen und die Wahl eines Berufes Ausdruck der „Persönlichkeit“ sind (2004. S. 355). Um diese „Persönlichkeit“ genauer zu definieren, bedient sich das Modell Hollands dem Konzept, dass die meisten Menschen der westlichen Hemisphäre sich jeweils sechs grundlegenden Persönlichkeitstypen bzw. - orientierungen zuordnen lassen. Diese Typen werden wie folgt benannt: der praktisch-technisch orientierte Typ (R = Realistic), der intellektuell-forschende Typ (I = Investigative), der künstlerisch-sprachlich orientierte Persönlichkeitstyp (A = Artistic), der sozial orientierte Typ (S = Social), die unternehmerisch orientierte Persönlichkeit (E = Enterprising) und zu guter letzt der konventionell orientierte Typ (C = Conventional) (Bergmann 2007, S. 417).

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Details

Seiten
12
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668466555
ISBN (Buch)
9783668466562
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368112
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,7
Schlagworte
Lehrer Schüler Lehramt Lehrerberuf Studium Studienentscheidung

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