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Erklärungsansätze zur Entstehung von Delinquenz

Hausarbeit 2003 26 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Problemaufriss
1.2 Definitionen zentraler Begriffe

2 Erklärungsansätze zur Entstehung delinquenten Verhaltens: Psychologische Theorien
2.1 Lerntheorien
2.1.1 Skinners Theorie der operanten Konditionierung (1938)
2.1.2 Eysenck (1964, 1970) Gewissen als konditionierte Angstreaktion
2.1.3 Sutherland: Theorie des differentiellen Lernens (1939)
2.1.4 Die sozial-kognitive Lerntheorie von Bandura (Aggressionstheorie)
2.1.5 Die Bedeutung der Lerntheorien für die Praxis der Bewährungshilfe
2.2 Sonstige Persönlichkeitstheorien
2.2.1 Das Konzept der Selbstkontrolle nach Godfredson und Hirschi (1990)
2.2.2 Psychoanalytische Theorien
2.2.3 Entwicklungspsychologische Kognitionstheorien: Die Sozial-Moralische Entwicklung nach Kohlberg (1958)
2.2.4 Die Bedeutung der sonstigen psychologischen Erklärungsansätze für die Praxis der Bewährungshilfe

3 Erklärungsansätze zur Entstehung delinquenten Verhaltens: Soziologische Theorien
3.1 Anomietheorie Exkurs: Die Subkulturtheorie
3.2 Labeling Approach
3.3 Die Bedeutung der soziologischen Erklärungsansätze für die Praxis der Bewährungshilfe

4 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturliste

1 Einführung

1.1 Problemaufriss

Die Darstellung von Kriminalität in den Medien vermittelt oft den Eindruck, dass die Anzahl von Straftaten stetig zunimmt. Im Ergebnis verlangt die Öffentlichkeit nach mehr Härte im Umgang mit Straftätern. Dies wird zunehmend in der Politik aufgegriffen. Ein besonders deutliches Beispiel ist die rechtspopulistische Schill-Partei in Hamburg, die sich im letzten Wahlkampf durch Aufrufe zu einer Wiederherstellung der Inneren Sicherheit durch ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität positioniert hat. Die Partei propagiert in ihrem Programm härtere Strafen für Kleindelikte und Jugendkriminalität, sowie einen Vorrang der Bestrafung vor Resozialisierungsmaßnahmen.[1] Die Lösung für das Problem wird des weiteren im Ausbau von Polizei und Justiz gesehen. Dabei findet jedoch keine tiefergehende Auseinandersetzung mit den eigentlichen Ursachen für die Entstehung von Kriminalität statt. Ohne Kenntnisse solcher Art können jedoch keine wirksamen Gegenstrategien oder Präventivmaßnahmen entwickelt werden.

Von großer Bedeutung sind diese Kenntnisse vor allem für Arbeitsbereiche der sozialen Kontrolle, z. B. Sozialarbeit, Polizei, Justiz. Während Polizei und Justiz eingreifen, nachdem Straftaten begangen worden sind, kann man mit Hilfe sozialpädagogischer Tätigkeit schon im Vorfeld eines Deliktes eingreifen. Besonders in der Bewährungshilfe ist es von Bedeutung, an der Verhinderung weiterer Straftaten mitzuwirken. In meiner Arbeit geht es darum, anhand verschiedener theoretischer Erklärungsansätze aus Psychologie und Soziologie herauszufinden, wie dem Problem der Kriminalität in der Bewährungshilfe begegnet werden kann. Ich werde dazu nach einer kurzen Besprechung der zentralen Begriffe ausgewählte Theorien zur Erklärung delinquenten Verhaltens anhand beispielhafter Vertreter diskutieren und in Hinsicht auf ihre Bedeutung für die Bewährungshilfe bewerten.

Von der Vielzahl der vorhandenen Erklärungsansätze werde ich solche untersuchen, die Erklärungen für die Entstehung von Kriminalität in der Persönlichkeit des Menschen suchen (Psychologische Theorien) und solche, die sich mit dem Einfluss gesellschaftlicher Strukturen und Abläufe auf Individuen befassen (Soziologische Theorien).[2]

1.2 Definitionen zentraler Begriffe

Zentrale Termini aller vorgestellten Erklärungsansätze sind "abweichendes Verhalten", "Delinquenz" und "Kriminalität", die in der Literatur teilweise synonym verwendet werden, allerdings feine Bedeutungsunterschiede aufweisen. Im Vorfeld werde ich daher diese Begriffe besprechen und gegeneinander abgrenzen.

Der Begriff des abweichenden Verhaltens stellt sich am treffendsten in Opposition zum Begriff des konformen Verhaltens dar. Konformes Verhalten entspricht im Gegensatz zu abweichendem Verhalten den Normen einer Gesellschaft. Es gibt verschiedene Formen des abweichenden Verhaltens von Alkoholismus über Rebellion bis hin zur Kriminalität (vgl. Kreft/Mielenz, S. 17). "Abweichendes Verhalten" ist gewissermaßen der Sammelbegriff für verschiedene nonkonforme Verhaltensformen.

Mit dem Begriff der Delinquenz entsteht eine Eingrenzung dieser Formen des Fehlverhaltens, die insbesondere von Jugendlichen im Vorfeld oder im Umfeld der Kriminalität ausgeführt werden. Es zählt dazu bereits das mutwillige Versäumen von Schulunterricht (vgl. Kreft/Mielenz, S. 17), aber auch kriminelle Handlungen. Delinquentes Verhalten umfaßt Verhaltensweisen, die sowohl von allgemeinen gesellschaftlichen Normen abweichen, als auch der strafrechtlichen Norm widersprechen (vgl. Landscheidt, S. 8).

Mit dem Begriff der Kriminalität wird eine weitere begriffliche Eingrenzung vorgenommen, jedoch schließt der Begriff prinzipiell alle Altersgruppen ein. Kriminalität bezeichnet jede Form von Verhalten, das der strafrechtlichen Norm widerspricht (vgl. Kreft/Mielenz, S. 17). Der konkrete Inhalt der Bezeichnung ist durch das Bestehen eines Verbrechensbegriffes definiert (vgl. Häcker/Stapf, S. 470), der je nach Gesellschaft und Kultur in verschiedenen Regionen und zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich war und ist. Das ist bspw. ablesbar in der Verfolgung von sogenannten "Hexen" im Mittelalter, der vergleichsweise harten Bestrafung des Ehebruchs als Kapitalverbrechen in vielen islamischen Ländern oder auch in der strikten Ahndung von Wirtschaftskriminalität in vielen Ländern der westlichen Welt. Die strafrechtliche Norm unterliegt somit einer gewissen "Willkür" des Gesetzgebers (Landscheidt, S. 9). Dennoch werden einige abweichende Handlungen von jeder Gesellschaft als kriminell bewertet, wie z. B. Mord, Diebstahl oder Vergewaltigung (vgl. Landscheidt, S. 9). Es sind vor allem diese universal als Kriminalität betrachteten Formen, für deren Entstehung sich in den Erklärungsansätzen Anhaltspunkte finden lassen.

2 Erklärungsansätze zur Entstehung delinquenten Verhaltens: Psychologische Theorien

2.1 Lerntheorien

Psychologische Theorien betrachten die menschliche Persönlichkeit unter weitgehender Ausblendung gesellschaftlicher Zusammenhänge. Der Hauptimpuls zu Kriminalität ist in der Person des Menschen begründet und auf unterschiedliche Einflüsse im Bereich der Psyche (z. B. Psychoanalytische Theorien), der moralischen Entwicklung (z. B. entwicklungspsychologische Kognitionstheorien) oder der Interaktion mit der sozialen Umwelt unter Einfluss von Lernprozessen (z. B. Lerntheorien) zurückzuführen.

Lerntheorien stehen in der Tradition des Behaviorismus, d. h. sie gehen von beobachtbarem Verhalten als Folge von identifizierbaren externen Ursachen aus und verzichten auf die Zuhilfenahme von theoretischen Konstrukten über innere Abläufe, wie es bspw. in der Psychoanalyse üblich ist (vgl. Veith, S. 256). Vertreter lerntheoretischer Erklärungsansätze analysieren die Gesetzmäßigkeiten des Lernens, die in Laborexperimenten an Mensch und Tier erforscht wurden (vgl. Tillmann, S. 72). Das Grundkonzept der Lerntheorie lautet, dass durch Lernprozesse ursprünglich nicht vorhandene Reiz-Reaktions-Verbindungen erworben werden, welche zu Verhaltensänderungen führen (vgl. Tillmann, S. 72). Hierbei wirken Reize der sozialen Umwelt, welche bestimmte Verhaltensweisen durch Erfolg verstärken oder durch fehlende Bekräftigung unterbinden. Nach diesem Grundprinzip ist auch kriminelles Verhalten erlernbar. Lerntheorien greifen auf zwei zentrale Lernmechanismen zurück: "instrumentelles Lernen" und "Lernen am Modell" (vgl. Tillmann, S. 72).

Lerntheoretische Erklärungsansätze gewannen mit den Arbeiten Pawlows (1927) an Bedeutung (vgl. Veith, S. 221). Er bedient sich in seinen Ausführungen der Prinzipien des "instrumentellen Lernens". Anhand von Untersuchungen des Speichelreflexes beim Hund fand er heraus, dass Lebewesen auf Reize mit bestimmten Reaktionen antworten. Nach erfolgreichem Lernprozeß kann ein Reiz durch einen anderen ersetzt werden und dennoch die gleiche Reaktion auslösen (vgl. Tillmann, S. 72). Diese Erkenntnisse haben jedoch für menschliche Lernprozesse nur begrenzte Aussagekraft (vgl. Tillmann, S. 72). Skinner erweiterte diesen Ansatz um das Konzept der "operanten Konditionierung", und stellt damit deutlichere Bezüge zur Entstehung menschlichen Verhaltens her.

2.1.1 Skinners Theorie der operanten Konditionierung (1938)

Im Gegensatz zu vorhergehenden Theorien stellte Skinner fest, dass menschliches Verhalten nicht nur durch Reize ausgelöst wird, sondern dass der Mensch grundsätzlich zur Aktivität bereit ist (vgl. Tillmann, S. 72). Jene der spontan auftretenden Verhaltensweisen, die eine positive Bekräftigung erfährt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit wiederholt. Im Mittelpunkt des Ansatzes steht der Aspekt der Verstärkung. Als Verstärker wirken jene "Umweltaspekte", die ein Verhalten in eine bestimmte Richtung ändern können (Tillmann, S. 73). Wichtig ist es hierbei, dass ein Verhalten durch die nachfolgende Reaktion gefördert wird. Das bedeutet, operantes (auf die Umwelt einwirkendes) Verhalten wird nachträglich durch Reaktionen der Umwelt verstärkt oder nicht verstärkt (vgl. Veith, S. 256). Dies erfolgt durch belohnende oder bestrafende Konsequenzen einer Handlung (vgl. Tillmann, S. 73).

Man spricht auch von positiven und negativen Verstärkern. Erstere stellen positive Erfahrungen dar, die auf ein erwünschtes Verhalten erfolgen. Letztere stellen unangenehme Erfahrungen dar, die auf ein unerwünschtes Verhalten erfolgen. Sie können sich aber auch im Ausbleiben einer Bestrafung nach einer verbotenen Handlung oder im Entzug einer positiven Konsequenz ausdrücken (vgl. Tillmann, S. 73). Dabei ist im Laufe des Lernprozesses immer weniger Verstärkung durch äußere Faktoren nötig, denn die bloße Anwendung der gelernten Verhaltensweisen an sich wirkt befriedigend auf die betreffende Person (vgl. Tillmann, S. 73).

Will man gegen unerwünschtes Verhalten, z. B. Kriminalität, vorgehen, kann es zwar durch negative Verstärker (vgl. Veith, S. 258) reduziert werden. Jedoch sind diese Maßnahmen nicht geeignet, ein Verhalten endgültig zu unterbinden, denn negative Verstärker lösen lediglich Furcht und Rachegefühle aus anstelle von dauerhafter Verhaltensänderung. Die tatsächliche Löschung einer unerwünschten Verhaltensweise ist nur durch kontinuierliche Nichtverstärkung möglich, d. h. das Ausbleiben sowohl von positiven als auch von negativen Konsequenzen (vgl. Veith, S. 259).

Ich verdeutliche das kurz an einem einfachen Beispiel. Häufig kann man beobachten, wie kleine Kinder beim Einkauf mit den Eltern plötzlich einen bestimmten Gegenstand, z. B. Süßigkeiten, haben wollen und diesen Wunsch durch lautstarkes Schreien äußern. Hierbei kann es zu verschiedenen Reaktionen seitens der Eltern kommen. Zum ersten können sie zornig werden und mit dem Kind schimpfen oder es sogar körperlich züchtigen. Durch die Wirkung dieses negativen Verstärkers würde das Kind höchstwahrscheinlich eingeschüchtert und ängstlich reagieren. Es würde aufhören zu schreien. Zum zweiten könnten die Eltern dem lautstarken Betteln des Kindes nachgeben und ihm die Süßigkeiten kaufen. Durch diese positive Verstärkung würde das Kind jedoch lernen, dass es nur lautstark schreien muss, um seinen Willen durchzusetzen. In Zukunft würde es sehr wahrscheinlich diese Strategie wieder anwenden. Zum dritten könnten die Eltern versuchen, das Schreien zu ignorieren. Das Kind würde irgendwann von alleine aufhören zu schreien, weil es erlebt, dass es nicht zu Erfolg führt. Hierbei werden weder positive noch negative Verstärker wirksam, und nach Skinner würde eine tatsächliche Löschung von unerwünschtem Verhalten herbeigeführt werden.

In Bezug auf kriminelles Verhalten läßt sich aus diesem Ansatz folgendes ableiten: Kriminelles Verhalten wird sehr wahrscheinlich wiederholt, wenn Delikte positive Konsequenzen für den Täter nach sich ziehen, z. B. wenn die Taten unentdeckt bleiben. Folgt allerdings auf das Verhalten eine Bestrafung (Geldbuße, Inhaftierung, Bewährung o. a.), so lernt der Täter gemäß Skinner, dass kriminelles Verhalten negative Konsequenzen nach sich zieht. Wichtig ist hierbei, dass Sanktionen in zeitlicher Nähe zur Tat und konsequent erfolgen, andernfalls können sie nicht als negative Verstärker agieren (vgl. Landscheidt, S. 34). Jedoch würden Sanktionen beim Täter nur Furcht und Rachegefühle auslösen, nicht aber seine Kriminalität dauerhaft unterbinden. Die Ausführungen Skinners legen hiermit nahe, dass das vom Staat angewandte punitive System sozialer Kontrolle wenig geeignet ist, Kriminalität dauerhaft zu bekämpfen.

Mit der Entdeckung des konditionierten Reflexes (vgl. Veith, S. 256) leistet Skinner einen bedeutsamen Beitrag für die Entwicklung der Lerntheorie. Er zeichnet auf, wie durch Verstärkungsmechanismen Lernprozesse beeinflusst werden. Allerdings, scheint der Mensch in seinem Handeln nur von Reflexen geleitet, da keine Aussagen über Prozesse gemacht werden, die im Bewusstsein vorgehen. Der Mensch scheint angesichts der beschriebenen Mechanismen der Konditionierung keinen Entscheidungsspielraum über Handlungen zu haben.

Die Lösungsansätze für das Vorgehen gegen Kriminalität, die sich aus Skinners Ansatz ableiten lassen, scheinen allerdings nicht ohne weiteres realisierbar. Konsequente Nichtverstärkung ist nicht mir der Praxis öffentlicher Strafverfolgung vereinbar, denn die üblichen Sanktionen bei Entdeckung eines Deliktes können ein kriminelles Verhalten nicht endgültig löschen. Folgt auf ein Delikt aber keine Strafe, so wirkt der positive Erfolg verstärkend auf kriminelle Handlungen. Dies bietet eine Erklärung, warum es trotz Haftstrafen und anderer Sanktionen zu Wiederholungstaten kommt.

2.1.2 Eysenck (1964, 1970) Gewissen als konditionierte Angstreaktion

Eine andere Erklärung dafür, dass Menschen trotz Sanktionierungen erneut straffällig werden, versucht Eysenck in seinem Erklärungsansatz für die Entstehung kriminellen Verhaltens zu geben. Er wollte vor allem der Frage nachgehen, warum die meisten Straftäter wieder und wieder straffällig werden.[3] Wie Skinner, stellt auch Eysenck Mechanismen der Konditionierung in den Mittelpunkt, jedoch mit einem unterschiedlichen Ergebnis. Nach ihm besteht die Anpassungsleistung der Individuen an die Gesellschaft durch die Wirkung des Gewissens, das durch eine konditionierte Furchtreaktion gebildet wird (vgl. Landscheidt, S. 23). Wie bei Skinner sind es hier negative Verstärker, die Angst auslösen. Allerdings geht für Eysenck, im Gegensatz zu Skinner, von diesen die entscheidende Kraft zur Sozialisation aus. Das Gewissen wird erlernt nach der Bestrafung einer abweichenden Handlung. In Folge wird die bestrafte Person abweichendes Verhalten vermeiden, da sie gelernt hat, dass andernfalls mit negativen Konsequenzen gerechnet werden muss.

Die Frage, wodurch es zu wiederholtem kriminellen Taten trotz Sanktionierug kommt, wird für Eysenck durch das individuell unterschiedlich ausgeprägte Lernvermögen der Menschen beantwortet. Er geht davon aus, dass es zwei unterschiedliche Persönlichkeitstypen gibt, die sich durch gegensätzliches Lernvermögen aufgrund unterschiedlicher Erregungsniveaus der Großhirnrinde auszeichnen (vgl. Landscheidt, S. 23). Er unterscheidet zwischen introvertierten Personen, welche leichter lernen und dementsprechend handeln können und extravertierten Personen, welche schlechter lernen (vgl. Landscheidt, S. 23). Kriminelle Personen haben also weniger gelernt, mit Angst auf antisoziale Handlungsimpulse zu reagieren (vgl. Landscheidt, S. 23). Bei ihnen überwiegt der Anreiz, eine kriminelle Handlung durchzuführen, die konditionierte Vermeidungsreaktion (vgl. Landscheidt, S. 23, 24). Die schlechter ausgeprägte Lernfähigkeit äußert sich auch in bestimmten persönlichen Eigenschaften wie Gefühlskälte, Mangel an Empathie, Unhöflichkeit u. v. m. (vgl. Landscheidt, S. 24), die sehr oft mit kriminellem Verhalten einhergehen. Die Bedingungen für die Entstehung der Persönlichkeitsunterschiede liegen für Eysenck in der Erziehung durch die Eltern, die mangels konsistenter Sanktionierung bei den Kindern keine Angstreaktion konditionieren konnten (vgl. Barth, S. 4).

Obwohl diese Theorie viele empirische Forschungsarbeiten angeregt hat, konnte sie sich nicht weitgehend als akzeptierter Ansatz durchsetzen (vgl. Landscheidt, S. 24). Eysencks Konzept vernachlässigt die Erkenntnisse der operanten Konditionierung, nach denen die Nichtverstärkung für die Festigung eines erwünschten Verhaltens bedeutsam ist (vgl. auch Landscheidt, S. 24). Während Eysencks Theorie nahelegt, die Notwendigkeit von öffentlicher Strafverfolgung zu propagieren, sprechen die Inhalte der operanten Konditionierung tendenziell dagegen. Ferner erscheint der Mensch bei Eysenck aufgrund seiner angeborenen Lernfähigkeiten prädestiniert für eine bestimmte Entwicklung.

Dahingegen gelingt es Skinner mit seiner Theorie der operanten Konditionierung, grundlegende Mechanismen, die beim Lernen von Verhaltensweisen wirksam sind, zu erhellen. Da er sich hierbei allerdings auf die Entstehung einzelner Verhaltensformen beschränkt, bleibt offen, wie es zur Herausbildung komplexer Verhaltensmuster kommt. An dieser Stelle ist es aufschlussreich, erweiterte Erklärungsmodelle heranzuziehen, beginnend mit dem Konzept der differentiellen Verstärkung von Sutherland.

[...]


[1] online: http://www.schill-partei.de/index2.html

[2] Bezüglich der Klassifizierungen von Erklärungsansätzen gibt es im wissenschaftlichen Diskurs diverse Meinungen, so dass ich im Rahmen der Arbeit diese eher pragmatische Einteilung vorgenommen habe.

[3] We...ask ourselves why it is that some people apparently tend to break the law and go on doing so although incarcerated for a good part of their lives." (Eysenck in Landscheidt, S. 10).

Details

Seiten
26
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638363389
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v36813
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – An-Institut für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung
Note
1,3
Schlagworte
Erklärungsansätze Entstehung Delinquenz Lehrforschungsprojekt Erfassung Optimierung Strukturen Ausbildungs- Beschäftigungsförderung Unterstellte Bewährungshilfe

Autor

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Titel: Erklärungsansätze zur Entstehung von Delinquenz