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Typische Finanzierungsmöglichkeiten im Profifußball und ihre Vor- und Nachteile für Fußballunternehmen in Deutschland. Fan-Anleihe, Schmuckanleihe

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Definition von Finanzierung
2.2. Definition von Innenfinanzierung
2.3. Definition von Außenfinanzierung

3. Typische Finanzierungsmöglichkeiten im Profifußball und ihre Vor- und Nachteile für Fußballunternehmen
3.1. Finanzierung durch Eigenkapital
3.1.1. Verkauf materieller und immaterieller Vermögensgegenständen..
3.2. Finanzierung durch Fremdkapital
3.2.1. Börsennotierung/Börsengang
3.2.2. Bankkredit
3.2.3. Asset Backed Securities (ABS)
3.2.4. Anleihe

4. Fan-Anleihe
4.1. Begriffsbestimmung
4.2. Mittelverwendung einer Fan-Anleihe
4.3. Kaufmotive einer Fan-Anleihe
4.4. Sammlerobjekt Schmuckanleihe
4.5. Vor- und Nachteile einer Fan-Anleihe gegenüber anderen Finanzierungsformen

5. Tabellarische Darstellung bereits emittierten Fan-Anleihen

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Hausarbeit bietet eine Bestandsaufnahme der bisher emit- tierten Anleihen von Fußballunternehmen in Deutschland. Darin wird deut- lich, dass die Fan-Anleihe ein immer häufiger genutztes, alternatives und ergänzendes Finanzierungsinstrument der Fußballunternehmen darstellt. Jedoch ist es für den emittierenden Verein wichtig, dass er einen überregio- nalen hohen Bekanntheitsgrad und große Popularität aufweist, um solche Anleihen erfolgreich verkaufen zu können. Dies ist von Bedeutung, da zum Abnehmerkreis solcher Anleihen oft die treuesten Anhänger eines Vereins zählen. Erhebliche finanzielle Vorteile entstehen den Vereinen insbesondere durch die Ausgabe von Schmuckanleihen, welche oft nicht eingelöst werden.

Keywords: Finanzierungsmöglichkeiten, Fußballunternehmen, Fan-Anleihe, Schmuckanleihe

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Finanzierungsalternativen im Überblick

Abbildung 2: FC Köln Schmuckanleihe 2016|2024

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht von ausgewählten Merkmalen bereits emittierten Fan-Anleihen

1.Einleitung

2,6 Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftete die Deutsche Fußballbun- desliga in der Saison 2015/16, ein Niveau auf dem sich MDAX- Unterneh- men wie Zalando oder Evonik bewegen. Zum Elften Mal in Folge wurde da- mit ein neues Rekordniveau erreicht. Seit Jahren steigen sowohl die Ein- nahmen als auch die Ausgaben der deutschen Bundesligaclubs. In der Sai- son 2015/16 wurde erstmals mit Blick auf den Aufwand der Spitzenwert von

über drei Millionen durchbrochen. Im Vergleich zur vorangegangen Spielzeit handelte es sich um eine Kostenerhöhung von 18,1% (DFL, 2017). Die Beschaffung ausreichender liquider Mittel stellt somit für Fußballclubs eine existenzielle Aufgabe dar, da die Gehaltsaufwendungen für Sportler den Unternehmenserfolg determinieren (Weimar & Fox 2012). Neben den klassi- schen Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung hat sich als alternative Finanzie- rungsmöglichkeit seit 2004, dem Zeitpunkt der erstmaligen Emission solcher Anleihen, im deutschen Profifußball die sogenannte Fan-Anleihe etabliert. Ein Grund für die gestiegene Beliebtheit solcher Anleihen ist die immer strengere Kreditvergabepraxis durch die Banken, besonders durch die neu eingeführten Rahmenvereinbarungen Basel II und Basel III. Durch eine er- folgreiche Platzierung einer Fan-Anleihe kann die Unabhängigkeit von Haus- banken gestärkt werden, ohne, dass Änderungen des Gesellschafterkreises hingenommen werden müssen. Dies ist angesichts der strengen Vorschrif- ten des DFB und der DFL, ein willkommener Nebeneffekt der Fremdfinan- zierung (Hasler, 2014).

Im Folgenden werden die Definitionen der wichtigsten Grundbegriffe der Fi- nanzierung erläutert. Danach werden ausgewählte Innen- bzw. Außenfinan- zierungsmöglichkeiten von Fußballunternehmen genauer beschrieben und im Anschluss wird der Fokus auf die Fan-Anleihen als Außenfinanzierungs- instrumente gerichtet. Außerdem wird in diesem Kapitel die besondere Aus- prägung der Schmuckanleihe beleuchtet. Auch die Vor- und Nachteile der Fan-Anleihe gegenüber den klassischen Finanzierungsmöglichkeiten sollen dargestellt werden. Zum Schluss erfolgt eine Übersicht der wesentlichen Ei- genschaften bereits emittierter Fan-Anleihen, sowie das Fazit und ein Aus- blick.

2. Theoretischer Hintergrund

Im folgenden Kapitel wird die theoretische Grundlage anhand der Definitio- nen der Begriffe Finanzierung, Innenfinanzierung und Außenfinanzierung geschaffen.

2.1. Definition von Finanzierung

Der Finanzierungsbegriff im engeren Sinne umfasst die Beschaffung von Kapital, um damit die Zahlungs- sowie die Leistungsfähigkeit eines Unter- nehmens sicherzustellen (Jahrmann, 2009). Die Finanzierung beginnt meist mit einem Zahlungsstrom, der zu einer Einzahlung beim Unternehmen führt, auf die im weiteren Zeitverlauf mehrere Auszahlungen folgen, um dadurch eine Kapitalrückführung zu gewährleisten (Garhammer, 1998). Diese Form der Finanzierung kann nicht nur ein Unternehmen in Anspruch nehmen, sie kann auch bei einer Privatperson oder eben einem Verein zum Tragen kommen. Beispielhaft hierfür wäre eine Kreditaufnahme bei einem Kreditinstitut zum Bau eines Stadions. Der aufgenommene Kreditbetrag wird dem Kreditinstitut in Raten, meist inklusive Zinsen, in einem festgelegten Zeitrahmen wieder zurückbezahlt. (Pape, 2009)

2.2. Definition von Innenfinanzierung

Finanzmittel, die aus der laufenden Geschäftstätigkeit als Umsatzerlöse, Zinsen, Beteiligungs- oder sonstige Erträge in das Unternehmen zurückfließen oder dortbehalten werden, stellen „Innenfinanzierungsmittel“ dar (Gräfer, Schiller, Rösner, 2011). Die Innenfinanzierung lässt sich außerdem anhand der rechtlichen Stellung der Kapitalgeber abgrenzen. Dabei wird zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung unterschieden (Pape, 2009). Bei Fußballunternehmen wäre ein Beispiel der Innenfinanzierung der Verkauf materieller sowie immaterieller Vermögensgegenstände, wie beispielsweise das Namensrecht am Stadion (Dworak, 2010).

2.3. Definition von Außenfinanzierung

Bei der Außenfinanzierung wird dem Unternehmen zusätzliches Kapital von außen zugefügt. Auch hier kann wieder anhand der Rechtsstellung der Kapi- talgeber zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung differenziert werden (Pape, 2009). Im Gegensatz zur Innenfinanzierung steht die Außen finanzierung jedoch in keinem Zusammenhang zu den Absatzleistungen des Unternehmens (Jahrmann, 2003). Ein typisches Beispiel für eine Außenfinanzierung von Unternehmen oder Fußballclubs wäre eine Kreditaufnahme bei einer Bank (Pape, 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Finanzierungsalternativen im Ü berblick.

3. Typische Finanzierungsmöglichkeiten im Profifußball und ihre Vorund Nachteile für Fußballunternehmen

In diesem Kapitel sollen ausgewählte Finanzierungsmöglichkeiten, die Fußballunternehmen zur Verfügung stehen, genauer beleuchtet und ihre Vorbzw. Nachteile aufgezeigt werden. Der Fokus dieser Hausarbeit soll dabei stärker auf den Instrumenten der Außenfinanzierung liegen, insbesondere den Fremdfinanzierungsmöglichkeiten.

3.1. Finanzierung durch Eigenkapital

Im Folgenden wird das klassische Instrument zur Innenfinanzierung durch Eigenkapital bei Fußballunternehmen vorgestellt.

3.1.1. Verkauf materieller und immaterieller Vermögensgegenständen

Eine Innenfinanzierungsmöglichkeit ist der Verkauf von materiellen Vermö- gensgegenständen. Dabei werden betriebsnotwenige Vermögensgegen- stände des Anlagevermögens, welche sich bereits im Besitz des Fußballun- ternehmens befinden, wie beispielsweise das Stadion, durch ein Sale-Lease- Back-Verfahren an eine Leasinggesellschaft veräußert und zur weiteren Nut- zung wieder selbst angemietet (Gräfer et al., 2011). Der wirtschaftliche Nut- zen ergibt sich dadurch, dass durch den Verkauf des Vermögensgegenstan- des gebundenes Kapital frei wird und dieses vom Unternehmen für Rückzah- lungen von Verbindlichkeiten oder für neue Investitionen genutzt werden kann (Jahrmann, 2003). Der Nachteil eines solchen Verfahrens ist, dass je- des potenzielle Leasingobjekt nur einmal verkauft werden kann. Auch die Steuerpflichtigkeit solcher Gewinne aus dem Sale-Lease-Back-Verfahren muss beachtet werden (Pape, 2011).

Eine weitere Möglichkeit der Innenfinanzierung bei Fußballunternehmen ist der Verkauf von immateriellen Vermögensgegenständen. Dazu zählen neben den Erlösen aus Spieltransfers, welche auch als immaterielle Vermögensgegenstände angesehen werden, der Verkauf der Namensrechte am unternehmenseigenen Stadion. In der Saison 2016/17 besitzen 15 der 18 Bundesligisten nicht mehr selbst das Namensrecht an ihrer Heimstätte, da sie es an zahlungskräftige Unternehmen verkauft haben. Die Vergabe von Namensrechten bringt den Branchenführern der Fußballbundesliga bis zu sechs Millionen Euro jährlich ein (SPONSORs, 2016).

3.2. Finanzierung durch Fremdkapital

Im folgenden Kapitel sollen die wichtigsten Finanzierungsmöglichkeiten von Fußballunternehmen durch Außenfinanzierung vorgestellt werden.

3.2.1. Börsennotierung/Börsengang

Für ein Fußballunternehmen, welches als Rechtsform eine AG oder eine KGaA gewählt hat, besteht die Möglichkeit eines Börsengangs. Durch einen Börsengang ist es für das Unternehmen möglich, Kapital im Rahmen der Außenfinanzierung zu beschaffen (Zacharias, 1999).

Primär verfolgen Fußballunternehmen, durch die Emission von Aktien in Bezug auf die Finanzierungsziele, eine Erhöhung des Eigenkapitals (Pape, 2011). Borussia Dortmund ist bisher der einzige Verein in Deutschland, welcher im Jahre 2000 den Weg an die Börse wagte (Hasler, 2015).

Ein Nachteil, welcher für börsennotierte Fußballunternehmen entsteht, sind die umfangreicheren Publizitätspflichten, denen Aktiengesellschaften unter- worfen sind und die einen negativen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens haben können. Es müssen beispielsweise alle Ereignis- se, die erhebliche Auswirkungen auf den Aktienkurs haben können, nach §15 WpHG unverzüglich veröffentlicht werden (Zacharias, 1999). So musste etwa der Wechselwunsch des ehemaligen Spielers von Borussia Dortmund Mats Julian Hummels zur FC Bayern München AG vorab als Ad-hoc- Meldung vom börsennotierten Fußballunternehmen Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA verbreitet werden (Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA., 2016).

Ein weiterer Nachteil von Fußballaktien liegt darin, dass ihre Kursentwicklung mehr vom sportlichen als vom wirtschaftlichen Erfolg des emittierenden Ver- eins abhängig ist. Der sportliche Erfolg ist jedoch kaum zu prognostizieren (Hasler, 2015).

3.2.2. Bankkredit

Die am weitesten verbreitete Außenfinanzierungsmöglichkeit bei deutschen Fußballunternehmen ist der klassische Hausbankkredit. Mehr als 50% des Fremdfinanzierungsvolumens im deutschen Lizenzfußball stammte in der Saison 2013/14 aus dieser Quelle. Jedoch ist in den letzten Jahren eine rückläufige Tendenz zu erkennen (DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, 2014). Ein großer Vorteil des Bankenkredits ist dessen hohe Flexibilität: Der Verein kann zwischen einer variablen oder einer festen Nominalverzinsung wählen und er kann den Betrag als Einmalzahlung gegen Laufzeitende oder als Ra- tentilgung zurückbezahlen (Hasler, 2015).

Mitverantwortlich für die rückläufige Entwicklung des Bankkredits sind unter anderem die strengeren rechtlichen Bestimmungen. Bei einer Kreditaufnah- me wird eine individuelle Bonitätseinschätzung, ein sogenanntes Rating durch den Kreditgeber gefordert. Ein schlechtes Rating wirkt sich negativ auf die Finanzierungskonditionen des Kreditnehmers aus. Im Rahmen dieser Bonitätsanalyse wird die rechtliche Kreditfähigkeit des Kreditnehmers sowie dessen persönliche und wirtschaftliche Kreditwürdigkeit geprüft (Pape, 2011). Die in der Regel ungünstigen Bonitätsbeurteilungen sind auf die Prognoseunsicherheit aufgrund der Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg, ei- ner tendenziell hohen Verschuldung sowie der fehlenden materiellen Vermögenswerte als mögliche Sicherheiten zurückzuführen. So war es in der Vergangenheit beispielsweise häufig möglich, dass Spielerwerte zur Absicherung von Verbindlichkeiten akzeptiert wurden. Dies wird jedoch oft nicht mehr anerkannt, da die Werthaltigkeit aus Sicht der Banken wegen des Verletzungsrisikos sowie der Formschwankungen der Spieler als kritisch beurteilt wird (Bühler, Gros, Wallek, 2013).

3.2.3. Asset Backed Securities (ABS)

Eine weitere Möglichkeit der Außenfinanzierung durch Fremdfinanzierung ist die Emission von ABS. Asset Backed Securities sind Wertpapiere, die durch die Verbriefung von Forderungen entstehen. Die Forderungen werden auf eine meist eigens hierfür gegründete Zweckgesellschaft bzw. auf ein Special Purpose Vehicle übertragen, verbrieft und emittiert (Pape, 2011). Anschlie- ßend wird die Bonität einer ABS von Ratingagenturen festgestellt, diese rich- tet sich nach der Qualität der Forderung im Hinblick auf die ihr zu Grunde liegenden Sicherheiten (Jahrmann, 2003). Bei Fußballunternehmen sind die verbrieften Forderungen meist feste Einkünfte, wie Einnahmen aus dem Ti- cketverkauf, Vermarktungseinnahmen, Sponsoringerlöse oder TV- Einnahmen (Kern, 2007).

Mit dem Verkauf der Forderungen wird auch das Ausfallsrisiko der Forderung verkauft. Verzinsung und Tilgung der Wertpapiere werden aus dem Geldfluss der Forderung bezahlt (Gräfer et al., 2011).

Ein Vorteil, welcher sich durch die Nutzung von Assets durch Fußballunter- nehmen ergibt, ist die Liquiditätsverbesserung durch den sofortigen Finanz- mittelzufluss. Weiterhin unterliegen solche ABS-Anleihen für Clubs oft vor- teilhafteren Zins- und Tilgungskonditionen als bei einer klassischen Kreditfi- nanzierung (Pape, 2011). Nachteile stellen vor allem die hohen Transakti- onskosten für die Durchführung einer Finanzierung mit ABS dar. Deshalb kommt diese Finanzierungsform vor allem für hohe Kapitalvolumina in Frage (Gräfer et al., 2011).

Bekanntestes Beispiel aus der Deutschen Fußballbundesliga ist die von Schalke 04 ausgegebene ABS-Anleihe im Jahre 2002.

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Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668478305
ISBN (Buch)
9783668478312
Dateigröße
720 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368291
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln
Note
1,7
Schlagworte
Finanzierungsmöglichkeiten Fußballunternehmen Fan-Anleihe Schmuckanleihen

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