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Klimawandel und Gesellschaft. Zwischen wissenschaftlicher Hypothese und sozialer Katastrophenkonstruktion im 21. Jahrhundert

von Erik Schittko (Autor) Maximilian Kiczinski (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 46 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Allgemeines, Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zusammenfassung

3 Die Hypothese des anthropogenen Klimawandels
3.1 Die Ursachen der globalen Erwärmung
3.2 Die Auswirkungen der globalen Erwärmung w
3.2.1 Folgewirkungen und Gefahren
3.2.2 Gesellschaftliche Konzepte der Risikominderung

4 Krisenhysterie - Die soziale Konstruktion der Klimakatastrophe
4.1 Mediale Inszenierung und Krisenkommunikation
4.2 Kollektives Krisenbewusstsein und politische Handlungslegitimation
4.2.1 Die ökologisch - transformierte Weltgesellschaft
4.2.1 Geoengineering - Technokratische Geosystemmanipulation

5 Schlussbemerkung und Ausblick

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verlauf der durchschnittlichen globalen Temperaturanomalie von 5 1880 bis

Abbildung 2: Geoarchive und Methoden zur Rekonstruktion von Paläoklima

Abbildung 3: CO2 - und Temperaturverlauf der letzten 600 Mio. Jahre

Abbildung 4: Negativtrend der globalen Durchschnittstemperatur zwischen 1940 - 8 1970 im Bezug zum Kohlendioxidanstieg

Abbildung 5: Dynamik des solaren Magnetfeldes

Abbildung 6: Partikulare Streuung von „Cosmic Rays“ in der Atmosphäre

Abbildung 7: Stattelitenbeobachtung - Korrelation zwischen Wolkenbildung und 9 kosmischer Höhenstrahlung zwischen 1980 und

Abbildung 8: Terraforming der Marsatmospähre

Abbildung 9: Sattelitenaufzeichnung des Dorfes Galma südlich des Niger belegen 13 Wiederaufforstungen der Sahelzone

Abbildung 10: Wüstenwrack der „Eduard Bohlen“

Abbildung 11: Karte des Namib Naukluft - Park

Abbildung 12: Übersicht - ökologische Problemlagen

Abbildung 13: Mittelalterliche Darstellung der Sintflut von Lodovico Dolce

Abbildung 14: Karikatur „Klimawissenschaftler als Inquisitoren“

Abbildung 15: Gesellschaftliche Wissensvermittlung von Umweltrisiken

Abbildung 16: „Die Erde hat Fieber“ - Wahrnehmung der Erde als Organismus

Abbildung 17: Primärenergieverbrauch nach Energieträgern in Deutschland

Abbildung 18: Eugeniker - Bewegung „Church of Euthanasie“

Abbildung 19: Geoengineering - Maßnahmen zur Senkung der Globaltemperatur

Abbildung 20: Diagnose und Behandlung

1 Einleitung

“When the search for truth is confused with political advocacy, the pursuit of knowledge is reduced to the quest for power.”

Alston CHASE (1986)

Das 21. Jahrhundert spiegelt die Welt des Informationszeitalters wider. Die wissenschaftliche Forschung blickt auf beachtenswerte Fortschritte in den Bereichen der Medizin, Astrophysik und des Ingenieurwesen zurück. Die Gattung des Homo Sapiens ist in der Lage, zentrale naturwissenschaftliche Grundlagen der Erde und des Sonnensystems zu erfassen, sowie Einblick in die subtilen Bereiche der Mikrobiologie und Quantenmechanik zu gewinnen. Diese Entwicklung vollzog sich unter dem Gesichtspunkt der vielfältigen Spezialisierung und Expertise auf allen denkbaren wissenschaftlichen Feldern. Aber auch im alltäglichen Leben leiten wir unsere Handlungsorientierung von Expertenmeinungen ab und bilden über einen gewissen Zeitraum eine verfestigte Weltanschauung aus. So orientieren wir uns beispielsweise bei einem bevorstehenden Urlaub nahezu instinktiv prophylaktisch an den Wettervorhersagen der Meteorologie und bezüglich unserer Geldanlageoptionen an den Empfehlungen diversen Finanzexperten. Doch gerade innerhalb des Finanzsystems findet sich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die scheinbar monolithische Expertise durchaus zerfallen kann, was sich in der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 mit dem Zusammenbruch der großen Spekutlationsblase des US - Immobilienmarktes äußerte. Während allgemein anerkannte Finanzkoryphäen, wie der ehemalige Vorsitzender der US - Notenbank Alan Greenspan, den Anlegern einen stabilen Immobilienmarkt versicherte, prognostizierte der Privatfondsmanager Dr. Michael Burry einen drohenden Crash. Durch den Zerfall konnte er aufgrund einer Gegenposition zur damaligen Investorenmehrheit, mit einem privaten Gewinn von über hundert Millionen Dollar, an der Systemkrise profitieren (LEWIS 2010:262f.). Das Handeln Burry’s resultierte in diesem Fall nicht aus einer Orientierung an der vorherrschenden Lehrmeinung und im Einklang mit einer herdentriebsähnlichen pluralistischen Ignoranz bezüglich der zugrundeliegenden thematischen Substanz, sondern basierte vielmehr auf eigenständigem Denken, dem Erkennen des Sachverhaltes und dem kritischem Hinterfragen des Gegebenen. Im Bereich der Naturwissenschaften ist Gegenteiliges der Fall. Seit Jahrzenten wird der menschengemachte Klimawandel als vorherrschende Lehrmeinung an Universitäten und Schulen propagiert und im Gleichklang mit drohenden katastrophalen Folgeerscheinungen für Menschen und Ökosysteme dargestellt.

Die Mehrheit der Bevölkerung fühlt sich durch täglich neue Medienberichte zutiefst betroffen und verängstigt. Die Thematik fließt in die höchsten Ebenen politischer Entscheidungsfindung ein und kommt beispielsweise in der mittlerweile 22. UN - Klimakonferenz in Marrakesch, sowie dem „Energieziel 2050“ der Bundesrepublik Deutschland zum Tragen. Das Thema „Klima“ ist in aller Munde und „global warming“ wird von vielen Seiten als die prioritäre Problematik des 21. Jahrhundert bezeichnet. Eine herausragende Aufgabe also, an der ganze Generationen der westlichen Industriegesellschaften arbeiten müssen, um der Nachwelt eine lebenswerte Zukunft zu hinterlassen. Das Konzept der Rettung, in welchem Leitbegriffe wie die „Große Transformation“, „Nullemissionsgesellschaft“, sowie „globale Weltordnung“ verankert sind, skizziert politische Intentionen. Die Sorge um die Erderwärmung und deren Auswirkungen für unseren Planeten ist demnach weit fortgeschritten. Zunehmend lauter werdende kritische Stimmen, die der Grundlagenforschung und dem proklamierten Klimakatastrophismus eine skeptische Gegenbetrachtung aufzeigen, wurden im Verlauf der Klimadebatte weitestgehend überhört. Zudem räumt die ökologische Bewegung, welche sich seit ihrer Initiation eine notwenige Rolle innerhalb der Gesellschaft fundamentieren konnte, dem Klimawandel eine omnipräsente Stellung im Umweltschutz ein.

Die vorliegende Hausarbeit betrachtet die Ganzheitlichkeit der globalen Erwärmung und versucht die Frage zu klären, ob die Weltgemeinschaft im 21. Jahrhundert tatsächlich vor einer zuhauf verkündeten „Klimakatastrophe“ steht, oder diese vielmehr ein gesellschaftliches Gesamtkonstrukt ist, welches aus dem Zusammenspiel der Borniertheit wissenschaftlicher Expertise, medialer Hysterie und globalpolitischer Doktrin resultiert und folglich treffender als übersteigerte Ausprägung eines fortschreitenden Anthropozentrismus betrachtet werden sollte.

2 Zusammenfassung

Inhaltlich befasst sich die vorliegende Hausarbeit mit dem Klimawandel als soziales Konstrukt und dessen zu Grunde liegenden Entstehungsbedingungen. Daher wird die Thematik unter der Berücksichtigung des transdisziplinären Charakters der Geographie erarbeitet und ermöglicht folglich eine dualistische Beleuchtung. Die Unterteilung erfolgt hierbei grob in zwei Blöcke. Es bedarf in Anbetracht einer kontrovers erforschten, fachübergreifenden und weitreichenden Thematik wie dem Klimawandel zunächst einer soliden naturwissenschaftlichen Grundlagensicherung. Deshalb stellt der erste Abschnitt die Frage nach den physikalischen Ursachen der globalen Erwärmung und dessen Auswirkungen auf gesellschaftliche Systeme und der damit verbundene geographische Risikoverteilung. Im zweiten Abschnitt werden die sozialen Konstruktionsmechanismen des Klimawandels untersucht. Hierbei wird vor allem die Rolle medialer Katastropheninszenierung und Krisenkommunikation fokussiert, um daraus abgeleitet die Tragweite politischer Entscheidung und deren Legitimität in einer stimulierten Krisengesellschaft an konkreten Schwerpunkten aufzuzeigen.

In der Metaebene erfolgt der Versuch einer Einordnung der vielschichtigen wissenschaftlichen Ansätze zum Klimawandel in ein historisch geprägtes heuristisches Denkkollektiv. Dem Aufzeigen einer paradigmatischen Wissenschaftskultur und deren immanente Wandelbarkeit. Die begründete Positionierung der Autoren in Form einer Schlussbemerkung, sowie ein darauffolgendes Fazit, bilden den Abschluss dieser Arbeit.

3 Die Hypothese des anthropogenen Klimawandels

Der Begriff Klima [altgriech. „Neigung“] bezeichnet laut LUDWIG (2006:10f.), gegensätzlich zum täglichen Wettergeschehen, den charakteristischen Ablauf des Wetters an einem Ort, innerhalb eines geographischen Raumes und über einen längeren Zeitraum von durchschnittlich 30 Jahren. Darüber hinaus sei Klima keineswegs allein durch die durchschnittlich gemittelte Witterung eines Gebietes gekennzeichnet, sondern umfasse auch die Häufigkeit von Extremen und ihrer Veränderlichkeit. Somit werden auch kleinere bis größere Schwankungen im Verlauf von Jahrzehnten bis Jahrtausenden in der Klimaforschung berücksichtigt. Die Besonderheit am Klima auf welche SCHÖNWIESE (2008:280-281) verweist, ist der Aspekt der zeitlichen Variabilität des Klimasystems, was hohe Schwankungen der globalen Mitteltemperatur ermöglicht. Die damit einhergehende Klimavariation beinhaltet die Strukturanteile des Klimatrends (positiven oder negativen Veränderung, welche linear oder nicht linear erfolgt), des Klimasprunges (abrupte Klimaänderung), der Klimaschwankung (Auftreten mehrerer relativer Maxima und Minima) und der Klimawende (Trendumkehr). Die im 20. Jahrhundert vorherrschende Konzeption, eines zumindest in historischer Zeit konstanten Klimas, weicht laut STEHR/VON STORCH (2010:13) der Auffassung, dass Klima in Bezug auf alle denkbaren Zeitgrößen einen variablen Charakter besitzt und somit die Wandelbarkeit des Klimas bereits in der Begrifflichkeit verankert ist.

3.2 Die Ursachen der globalen Erwärmung

Der anthropogene Klimawandel stellt gemäß LÜDECKE (2016:7) die wissenschaftliche Hypothese dar, dass die gesteigerte Kohlendioxidemissionen seit dem Beginn der Industrialisierung um 1850 von 0,028 Prozent auf 0,038 Prozent, aufgrund eines künstlichen Treibhauseffektes im Zusammenspiel mit weiteren emittierten Treibhausgasen wie Methan, zu einer globalen Erwärmung durch den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre führt. Dieser Erwärmungseffekt wird auch als „Anthropogenic Global Warming“ (AGW) bezeichnet. Die AGW - Klimaszenarien leiten sich aus der Klimasensitivität des Kohlendioxids ab (LÜDECKE 2016:8). Diese Sensitivität ist allerdings noch nicht genügend verifiziert, aufgrund fehlender Einigkeit in den dazu herangezogenen wissenschaftlichen Fachpublikationen, welche der IPCC (Interngovernmental Panel on Climate Change) zusammengetragen hat (IPCC 2014:16).

Die globale Durchschnittstemperatur der Erde beträgt 288 K (+15 °C), welche sich durch den natürlichen Treibhauseffekt ergibt, da aus diesem eine Erwärmung der Erdatmosphäre von 255 K (-18 °C) möglich ist (HUCH et al. 2001:1). Nach SCHELLNHUBER/RAHMSTORF (2007:55) erfolgte im letzten Jahrhundert ein Anstieg der durchschnittlichen globalen Temperatur um 0,6 °C. Dies ist in der folgenden Abbildung ersichtlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verlauf der durchschnittlichen globalen Temperaturanomalie von 1880 bis 2014.

[<http://earthobservatory.nasa.gov/Features/WorldOfChange/decadaltemp.php> (Zugriff:19.02.17)]

Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts erwarten SCHELLNHUBER/RAHMSTORF (2007:55) eine positive Temperaturabweichung von insgesamt 3 °C, seit Beginn der Temperaturmessungen im Jahre 1880. Wie schwer jedoch konkrete Prognosen von Temperaturabweichungen sind, lässt sich am Beispiel von Professor James E. Hansen aufzeigen, der als einer der ersten Klimawissenschaftler vor den Gefahren der globalen Erderwärmung warnte und damit auch den ehemaligen Vorsitzenden des Senatsausschusses Al Gore überzeugen konnte, der den heißen Sommer 1988 als die „Kristallnacht des Erwärmungsholocausts“, bezeichnete (CALDER 1997:29). Professor Hansen prognostizierte zu diesem Zeitpunkt eine unaufhaltsame globale Erwärmung um 0,35 °C Temperaturabweichung für einen Zeitraum von 10 Jahren. Eingetreten ist allerdings nur ein Temperaturanstieg von 0,11 °C (CRICHTON 2008:245), welchen man vorheriger Abbildung entnehmen kann. Dies kommt einer Fehlerquote von 300 Prozent gleich und deutet darauf hin, dass man schon die computermodellierten Vorhersagen auf einen geringen Zeitraum bezogen, respektive mit einer wagen Schätzung gleichsetzen kann. Diese Fehlprognose kommentierte Professor Hansen in HANSEN et al. (1998: 12753ff.) mit dem Eingeständnis, dass nicht hinreichend genügende Kenntnisse vorhanden seien, um präzise Aussagen über einen zukünftigen Klimawandel zu treffen.

Was sich jedoch anstatt zukünftiger Temperaturvorhersagen, als bewährte Methode etablieren konnte, ist der Blick in die Klimahistorie und die damit verbundene paläoklimatologische Rekonstruktion.

Paläoklimatologie fokussiert nach LECKEBUSCH (1999:5) die Klimaentwicklung der erdgeschichtlichen Vergangenheit und erfolgt durch die Gewinnung von Proxydaten aus verschiedenen Geoarchiven, welche in Abbildung 2 dargestellt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Geoarchive und Methoden zur Rekonstruktion von Paläoklima (HUCH ET AL. 2001:11)

Diese Geoarchive speichern Informationen über Klimaverhältnisse und lassen Aussagen über die Temperatur - und Umweltverhältnisse der Vergangenheit zu. Die informationstragenden Proxydaten können aus Eisbohrkernen, Seesedimenten, Baumringen oder Meeressedimenten stammen. Aus vielen verschiedenen Messwerten kann ein Bild von dem Kohlenstoffdioxidanteil der Erdatmosphäre bis ins Kambrium vor über 500 Mio. Jahren gewonnen werden, welcher nach BERNER/STREIF (2000:82) belegt, dass die Kohlenstoffdioxidkonzentration der Atmosphäre über 570 Millionen Jahre hinweg die Lufttemperatur nicht maßgeblich verändern konnte. Zum Teil konnten besonders bekannte Proydaten wie die berühmte Eiskernbohrung von Vostock belegen, dass die Kausalität zwischen dem Verlauf des Kohlenstoffdioxidgehaltes und der Temperatur in einem ermittelten Zeitraum von 420.000 Jahren umgekehrt ist (PETIT et al. 1999:429ff.). Nach SCHELLNHUBER/RAHMSTORF (2007:12) liefern Proxydaten heute in ihrer Kohärenz betrachtet ein detailliertes und erstaunlich gutes Bild der Klimahistorie. Für BERNER/STREIF (2000:83) können endogene Vorgänge wie tektonische Plattenverschiebungen und gravierende Meeresspiegelschwankungen den Rückstrahlungseffekt der Erdoberfläche maßgeblich verändern und im Zusammenspiel mit dem Treibhausgas Wasserdampf den Motor für einen langskaligen Temperatur - und Klimawechsel über Jahrmillionen zufolge haben.

Des Weiteren wird in diesem Zusammenhang Wasserdampf im Vergleich zu Kohlenstoffdioxid als wesentlich effektiveres Treibhausgas erachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: CO2 - und Temperaturverlauf der letzten 600 Mio. Jahre (BERNER 2001:182ff.)

Der Anteil des Wasserdampfes am natürlichen Treibhauseffekt in der Atmosphäre beträgt 66 Prozent und der des Kohlendioxids vergleichsweise nur etwa 30 Prozent (LATIF 2009:57). Trotz der Aufforderung zur Trennbarkeit der zwei Formen des Treibhauseffektes, ist das Wasserdampf - Feedback nach den Aussagen des IPCC (2001a:425) der wichtigste Rückkopplungseffekt und zudem die Grundlage dafür, dass anthropogene Kohlendioxidemissionen überhaupt signifikante Erwärmung verursachen könnten. Für eine langfriste Erwärmungsprognose ist dies durchaus von Bedeutung, da laut IPCC (2001a:12) ein geringerer Wasserdampffeedback der Troposphäre zu einer niedrigeren Erwärmungsprognose führt. Die logische Schussfolgerungen bezüglich des anthropogenen Klimawandels durch Kohlendioxid lässt also noch einige Unsicherheiten offen, welche treffenderweise wie folgt zusammengefasst werden:

„Im Vergleich mit dem Gesamt-Treibhauseffekt unserer Erde machen die anthropogenen Anteile beim Kohlendioxid 1,2% und bei den Nicht-Kohlendioxid-Gasen 0,9% aus. Beide Werte liegen noch deutlich im Bereich der Unsicherheiten, die bei der heutigen Bestimmung des Gesamt-Treibhauseffekts zu veranschlagen sind.“ (BERNER/STREIF 2000:87).

Die bisherigen Ausführungen zeigen eindeutig auf, dass dem natürlichen - wie auch anthropogenen kohlendioxidbasierten Treibhauseffekt kein quantifizierbarer Hauptanteil an den Klimaänderungen, weder im erdgeschichtlichen -, noch im anthropogenen Zeitalter nachgewiesen werden kann und darüber hinaus zunehmende Widersprüchlichkeiten diesbezüglich aufkeimen. Dies wird in der näheren Betrachtung konkreter Zeitabschnitte, wie in Abbildung 4, ersichtlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Negativtrend der globalen Durchschnittstemperatur zwischen 1940 - 1970 im Bezug zum Kohlendioxidanstieg [<https://data.giss.nasa.gov/gistemp/station_data/> (Zugriff:20.02.17) in CRICHTON (2008:94)]

Die Antwort auf die Frage, wie hoch die tatsächliche Einflussnahme anthropogener Emissionen an Treibhausgasen auf eine globale Erwärmung ist, hängt letztlich davon ab, wie man entscheidende Blindfaktoren des Aerosol - und Wasserdampfrückkopplungseffekt, sowie auch die Albedowirkung der globalen Bewölkung in die Klimamodelle mit einbezieht (LOMBORG 2002:314). Viel wahrscheinlicher ist somit, dass ein Konglomerat aus allen partiellen Ursachen für etwaige Klimatrends infrage kommt. Da das IPCC (1996:155 ff.) den Klimafaktor der Sonne nur kurz erwähnt und sich zudem ausschließlich auf den geringen direkten Antrieb bezieht, fand der indirekte Motor des Solareinflusses durch Sonnenfleckenzyklus (Intensität des solaren Magnetfeldes) und kosmischer Strahlung (SVENSMARK/FRIIS - CHRISTENSEN 1997:126), bisher nur unzureichende Berücksichtigung. Kosmische Strahlungspartikel führen in den niedrigen Atmosphärenschichten in ihrer Funktion als Kondensationskerne zur Wolkenbildung, was sich erstmals seit 2005 experimentell über eine Nebelkammer nachweisen lässt (SVENSMARK/CALDER 2008:107). In den folgenden Abbildungen wird der komplexe Svensmark - Effekt verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Dynamik des solaren Magnetfeldes Abb. 6: Partikulare Streuung von „Cosmic Rays“ in (CALDER1997: 174) der Atmosphäre (SVENSMARK/CALDER 2008:62)

Die Anzahl dieser kosmischen Strahlungspartikel bestimmt einen hohen quantitativen Anteil der vorhandenen Wolkendecke und wird von der Stärke des Sonnenmagnetfeldes indirekt beeinflusst. Somit führt eine stärkere solar - magnetische Aktivität zu einem intensivieren Sonnenwind, welcher kosmische Strahlungspartikel vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre ablenkt und eine geringere troposphärische Wolkendecke zur Folge hat. Eine schwächere solar

- magnetische Aktivität hingegen führt diametral zu einer höheren Anzahl kosmischer Strahlungspartikeln in der Atmosphäre und demzufolge zu verstärkter Wolkenbildung (SVENSMARK/CALDER 2008:54ff.).

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Abb. 7: Stattelitenbeobachtung - Korrelation zwischen Wolkenbildung und kosmischer Höhenstrahlung zwischen 1980 und 1995 (BERNER/STREIF 2000: 21)

Diese Theorie besitzt laut LOMBORG (2002:322) gegenüber der anthropogenen Treibhaustheorie den großen Vorteil, dass sie Temperaturveränderungen von 1860 bis 1950 erklären kann. Selbst wenn Kosmoklimatologen wie Henrik Svensmark nicht in der Lage sind langfristigen Vorhersagen zu geben, können sie jedoch ein erstaunlich besseres Verständnis über Ursache und Verlaufsmuster für regionale Klimaänderungen, wie beispielsweise die der Erwärmungsthese widersprüchliche Temperaturabnahme in der Antarktis, anbieten (SVENSMARK/CALDER 2008:237). Eine intensivere Betrachtung kosmoklimatologischer Faktoren auf lange Sicht ermöglicht eine Untermauerung oder Falsifikation der Theorie des anthropogenen Klimawandels. Doch scheint diese trotz aufgezeigter Unsicherheiten als Lehrmeinung verankert - und zudem mittlerweile auch auf einer extraterrestrischen Ebene angesiedelt zu sein. Ein Beispiel hierfür ist die Idee des Terraforming (DRAKE et al. 2015: 52f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Terraforming der Marsatmospähre in DRAKE et al. (2015:53)

Das „global warming“ ist bei Terraformern sogar sehr beliebt. Dabei sollen laut FILSER (2009:106f.) zahlreiche Fabriken Kohlendioxid freisetzen, um einen künstlichen Treibhauseffekt zu erzeugen, welcher die Polkappen des Mars abschmelzen lässt, um den Wasserdampfeintrag in die Atmosphäre zu realisieren. Dies wäre der erste Schritt eines tausendjährigen Verfahrens, die Marsoberfläche in eine Ökumene umzuwandeln (DRAKE et al. 2015:55). Diese Idee mögen viele Futurologen begeistert aufnehmen. Jedoch besitzt der Mars im Gegensatz zur Erde ein globales Temperaturmittel von minus 55 °C (DRAKE et al. 2015:52), wobei das bereits in der Marsatmosphäre vorhandene Kohlendioxid einen Anteil von 95 Prozent ausmacht (SCHULTZ 1993:175). Dies entspricht einer Differenz von 94,962 Prozent zum derzeitigen Kohlendioxidanteil der Erdatmosphäre. Nun lade ich Sie zu einem kleinen Gedankenexperiment ein. Für das eingangs angesprochene angestrebte Ziel einer Polschmelze steht selbst dem ambitioniertesten Terraformer nur noch 5 Prozent Restbestandteil der Marsatmosphäre zu Verfügung, um diese mit Kohlendioxid anzureichern, damit sich die globale Durchschnittstemperatur um weit mehr als 55 °C erhöht. Interessant ist dabei, dass der Eispanzer eine Dicke von ca. 3,7 Kilometern besitzt (MERKEL 2007:o.A.) und damit nicht gerade besonders „schmelzfreudig“ reagieren dürfte. Ungeachtet des geringen Magnetfeldes, durch welches der Sonnenwind episodisch Atmosphärenbestandeile ins All fortträgt, dem größeren mittleren Abstand von ca. 228 Millionen Kilometer zur Sonne und der Tatsache, dass selbst in hunderten von Millionen Jahren paläoklimatologischer Historie der Erde niemals eine totale Temperaturdifferenz des globalen Mittels von über 20 °C auftrat (vgl. Abb. 3), erscheint die angestrebte marsianische Klimaerwärmung, mittels Terraforming, doch sehr utopisch. Es soll hierbei keineswegs ein Konzept in Abrede gestellt werden.

Jedoch sei vorsichtig anzumerken, dass der Mars zum Zeitpunkt einer ersten menschlichen Kolonie bereits schon signifikant „präindustrialisiert“ vorgefunden werden könnte.

Nun zurück zum Klima unseres Heimatplaneten. Die Debatte um den entscheidenden Ursacheneffekt des gegenwärtigen Klimatrends lässt sich laut MAXEINER/MIERSCH (2014:84f.) wie folgt zusammenfassen.

„Eine globale Zivilisation mit 7,2 Milliarden Menschen beeinflusst das Klima auf vielfache Art. Die natürlichen Einflüsse, die in der Vergangenheit oft abrupte Klimaumschwünge einleiteten, haben jedoch nicht einfach aufgehört zu existieren, nur weil die Dampfmaschine oder das Auto erfunden wurde. Und doch erliegen viele diesem Trugschluss: Das Klima wird in der Öffentlichkeit mittlerweile als ein System wahrgenommen, das durch die Ausschaltung anthropogener Einflüsse in einen sanften Ruhezustand versetzt werden könnte. […] Der treuste Begleiter der Klimawissenschaft ist der Konjunktiv […] Wissenschaft muss spekulieren, um dann die Hypothesen zu verifizieren oder zu falsifizieren.“

3.2 Die Auswirkungen der globalen Erwärmung

Ungeachtet der noch weitestgehend ungeklärten Frage nach der Quantifizierbarkeit der aufgezeigten Ursachen für eine langfristige globale Klimaänderungen und den Temperaturanomalien der jüngeren -, sowie erdzeitlichen Vergangenheit, welche im vorherigen Abschnitt herausgestellt worden sind, besitzen laut STERR/VON STORCH (2010:50) klimatische Bedingungen für den Menschen seit jeher einen großen Bedeutungszusammenhang. Das vom IPCC (2001a:548) bekanntgegebene Temperaturspektrum einer globalen Erwärmung von 1,4 bis 4,8 °C bis zum Jahrhundertende zieht laut SCHELLNHUBER/RAHMSTORF (2000:81f.)

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Details

Seiten
46
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668497221
ISBN (Buch)
9783668497238
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v368965
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Geographie
Note
1,0
Schlagworte
Klimawandel

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Titel: Klimawandel und Gesellschaft. Zwischen wissenschaftlicher Hypothese und sozialer Katastrophenkonstruktion im 21. Jahrhundert