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Anwendung statistischer Methoden zur Aufdeckung von Steuerhinterziehungen

Seminararbeit 2013 32 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Statistische Methoden zur Aufdeckung von Steuerhinterziehung
2.1 Ziffernanalyse
2.2 Rechtsurteile

3 Modelltheoretische Analyse
3.1 Spieltheoretische Grundlagen
3.2 Modellbeschreibung
3.3 Gleichgewicht
3.3.1 Vollständig informierte Finanzverwaltung
3.3.2 Unvollständig informierte Finanzverwaltung
3.3.3 Komparative Statik der Indifferenzwahrscheinlichkeit
3.4 Kritische Analyse des Modells

4 Zusammenfassung

Rechtsquellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Häufigkeit der ersten vier Ziffern nach Benford Law

Abbildung 2: Spieltheoretisches Modell in Extensivform

Abbildung 3: Betrugswahrscheinlichkeit bei niedriger Indifferenzwahrscheinlichkeit p*

Abbildung 4: Betrugswahrscheinlichkeit bei hoher Indifferenzwahrscheinlichkeit p*

1 Einleitung

Schon immer standen Menschen dem Thema Einschränkungen und Auflagen eher mit Antipathie entgegen. Dies ist in allen sozialen Klassen, wirtschaftlichen Schichten und volkswirtschaftlichen Systemen zu finden und wird besonders auffällig, wenn es um die Pflicht von Steuerzahlungen geht.1 Empfindet man als Person diese als unfair und stellt auch die Effektivität des Einsatzfeldes in Frage, so gerät der Steuerpflichtige leicht in Versuchung. Dies begünstigt einen Tatbestand wie Steuerhinterziehung enorm.2 Diesen Zusammenhang von Steuerbetrug und Gesellschaftsentwicklung verstand schon Platon vor über 2500 Jahren.3 Er erkannte, dass auf diese Weise versucht wurde und wird, entstandene soziale Ungerechtigkeit auf eigene Faust wiederherzustellen und so seinen in Frage gestellten Freiraum zu erhalten oder sogar auszuweiten. Dieses rechtlich fragwürdige Verhalten wird heute vor allem aber auch durch Enttäuschung und Vertrauensverlust ausgelöst. Die großen bekannten Steuerskandale wie von Enron in den USA, und FlowTex hierzulande lassen die Bevölkerung am ganzen System der Gerechtigkeit zweifeln.4 Das ist wohl der wichtigste Aspekt, wenn man die Entwicklung statistischer Methoden bei der Aufdeckung von Steuerhinterziehung betrachtet. Die Behörden stehen unter Druck, ihr Image aufzubessern. Der erste bedeutende Schritt in diese Richtung war die Einführung der digitalen Betriebsprüfung.5 Um in der Zukunft eine bessere Aufdeckungsrate zu erzielen, sollen statistische Methoden weiter verbreitet werden, um so effizienter und schneller auswerten und Korrekturen vornehmen zu können.

Aus diesem Grund beschäftigen wir uns im weiteren Verlauf mit einer bestimmten statistischen Methode, welcher sich das Finanzamt bedient, der Ziffernanalyse. Es wird verständlich gemacht, wo das Anwendungsgebiet liegt und welche Aussagekraft dieser Test hat. Ob diese Methode nun zuverlässig ist oder nur Zufallstreffer mit sich bringt, ist die Kernfrage dieser Seminararbeit. Anhand von mehreren Gerichtsurteilen wird versucht, die Entwicklung der Verwendbarkeit von „Benford´s Law“ darzustellen. Es liegt an den Gerichten, zu entscheiden, ob die Ziffernanalyse als allgemein anerkannte Methode zur Begründung von Steuerhinterziehung verwendet werden darf.

Ebenso gilt es, zu klären, inwieweit es sich für das Finanzamt lohnt, die Hilfe einer Ziffernanalyse heranzuziehen. Eine modelltheoretische Analyse soll dies klären. Ein erstelltes spieltheoretisches Modell in Extensivform zu dieser Fragestellung spaltet sich in zwei Bäume auf. Je nachdem, über welche Informationen das Finanzamt verfügt, ändert sich das Endergebnis. So können die Behörden errechnen, was für sie der nächste vorteilhafteste Zug wäre. Danach ist es möglich, eine fundierte Aussage darüber zu treffen, inwieweit eine strategische Anwendung von statistischen Methoden zur Aufdeckung von Steuerhinterziehung anwendbar und erfolgreich ist. Zuletzt wird im vierten Kapitel ein abschließendes Ergebnis der Fragestellung festgestellt. Dies dient als Resümee der gesamten Arbeit.

2 Statistische Methoden zur Aufdeckung von Steuerhinterziehung

Betrachtet man die Natur genau, so fällt auf, dass es wesentlich mehr kleine Dinge gibt als große. Ein prägnantes Beispiel hierfür wäre die Existenz von mehr Sandkörnern als Steinen und dann wiederum die Auffälligkeit, dass es mehr Steine als Berge gibt.6 1881 fiel dem Astronom Simon Newcomb durch eine banale Beobachtung auf, dass mehr Zahlen mit einer niedrigen Ziffer beginnen als mit einer hohen. Erst 57 Jahre später konnte Frank Benford beweisen, dass die Zahl „1“ sechseinhalb Mal häufiger vorkommt als die Zahl „9“.7

Das Finanzamt kann sich diese Methode allerdings erst zunutze machen, seit Mark Nigrini 20.000 Steuererklärungen analysierte und sich herausstellte, dass diese auch dem Benfordschen Gesetz folgen.8 Diese Möglichkeiten eröffneten sich den Finanzbehörden natürlich erst durch die Entwicklung der papierlosen Betriebsprüfung.9 Durch den Gesetzgeber ist es in der Betriebsprüfung nun erlaubt, auf alle Daten des Steuerzahlers zuzugreifen, was den ganzen Ablauf vereinfacht hat.10 Allgemein sind die Pflichten und Vorschriften in der Abgabenordung zu finden. „Die Aufgabe der Außenprüfung ist durch §85 AO definiert.“11 Um die realen und rechtlichen Verhältnisse steuerlich zufriedenstellend aufzudecken, gilt die Außenprüfung als alleiniges, sicheres Mittel und ist somit als Maßnahme zur Erforschung steuerlicher Sachverhalte und Gewährleistung einer zutreffenden Steuerfestsetzung erforderlich.12

Auffälligkeiten in der Steuererklärung werden nun durch die Ziffernanalyse erkannt und vorsätzlicher Betrug kann schneller aufgedeckt werden.

Nachstehend wird dieses Verfahren genauer erläutert und der Umgang damit als „statistische Methode zur Aufdeckung von Steuerbetrug“ aus Sicht der Finanzverwaltung erklärt.

2.1 Ziffernanalyse

Wie bereits erwähnt ist es Frank Benford zu verdanken, dass es heute möglich ist, die Wahrscheinlichkeiten der Anfangsziffern zu bestimmen. Er bewies, dass die Ziffer „1“ an der ersten Stelle mit circa 30 % Wahrscheinlichkeit vorkommt. Bei größer werdender Zahl nimmt diese Erwartung rapide ab. Die Zahl „9“ kommt nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 9,7 % an erster Stelle vor. Intuitiv wäre man wohl eher - wie beim benutzen eines Würfels - von einer Gleichverteilung der auftretenden Zahlen ausgegangen, was sich hier als völlig falsch herausstellt.

Mathematisch stützt sich diese besondere Verteilung auf folgende Formel:

B(d) = log 10 (1+ 1/d)

B ist die Wahrscheinlichkeit, mit der eine bestimmte Ziffer erwartet wird, und bei d handelt es sich um die jeweils eingesetzte Ziffer von 1 bis 9.

Die erste Ziffer einer beliebigen Zahl nun über folgende Formel: B(d1) = log (1+1/d1) mit d1 = (1,2,...,9) 13

In dieser Tabelle sieht man nun die durch Einsetzten der Zahlen „0“ bis“ 9“, erwarteten Wahrscheinlichkeiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Häufigkeit der ersten vier Ziffern nach Benford Law

Quelle: Vgl. Dlugosz, Stephan/Müller- Funk, Ulrich (o.J.): Ziffernanalyse zur Betrugs- erkennung, in: Finanzverwaltung-Prüfung von Kassenbelegen, Arbeitsbericht, Mannheim o.J., S.10.

Um dies statistisch auswerten und so bei einer Steuerprüfung anwenden zu können, wird im Umfang der Ziffernanalyse und auf Grundlage von „Benfords Law“ der „Chi- Quadrat-Anpassungstest“ angewandt. Dieser spezielle Test stellt abschließend fest, ob die Abweichung von dem erwarteten Wert nur zufällig ist oder doch zu abnorm.14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies ist die Formel zur Berechnung von Chi-Quadrat als ein Maß für die Abweichung vom Erwartungswert, berechnet durch „Benfords Law“.15 Man geht davon aus, dass bei einer Manipulation der Täter bestimmte unterbewusste Sympathien für einige Zahlen hat und diese folglich öfter verwenden wird.16 An dieser Stelle und mit der Begründung der abnormen Abweichung setzt die Steuerprüfung nun an und begründet so die erhobenen Manipulationsvorwürfe, um eine Korrektur der festzusetzenden Steuerzahlung zu rechtfertigen.

Nun stellt sich die zentrale Frage, ob diese Ergebnisse ausreichend sind, um eine genaue Aussage über eine tatsächlich vorliegende Steuerverkürzung von Seiten des Steuerzahlers zu treffen und diese zweifelsfrei nachzuweisen. Der folgende Abschnitt versucht diese Frage mit Hilfe einiger Gerichtsurteilen der letzten Jahre zu beantworten.

2.2 Rechtsurteile

Die allgemeinen Regelungen zur Abgabe einer Steuererklärung sind in § 149 Abs. 1 AO und § 25 Abs. 1 EStG festgelegt. Hiermit gilt also zunächst für jeden die Verpflichtung, seine Finanzen der Finanzverwaltung offenzulegen, um die Höhe der zu entrichtenden Abgaben zu ermitteln.

Das Finanzamt klärt nun mit Hilfe des „Chi-Quadrat-Tests“ ob die Steuererklärung des Steuerpflichtigen zu dessen Gunsten manipuliert wurde. Ist dies geschehen, so können die Finanzbehörden eine Korrektur der zu entrichtenden Steuern vornehmen. Die folgenden Urteile vergangener Jahre prüfen nun allesamt die Frage, ob es ausreichend ist, nur anhand einer mathematisch-statistischen Berechnung wie der Ziffernanalyse eine Steuerhinterziehung anzunehmen und daraufhin eine Korrektur vorzunehmen.

Bereits 1989 ist vom Bundesgerichtshof die Anwendung mathematisch statistischer Verfahren als Grundlage für Schätzungen zugelassen worden.17 So entschied auch 2002 das FG Münster im Fall eines Gastwirts. Für den Fall, dass auch andere Indizien auf unkorrekte Buchführung hindeuten, darf der „Chi-Quadrat-Test“ grundsätzlich zur Schätzung von Besteuerungsgrundlagen herangezogen werden.

In genanntem Fall klagte der Gastwirt gegen die Entscheidung der Finanzbehörden. Er vertrat die Auffassung, dass die Anwendung des „Chi-Quadrat-Tests“ im Streitfall nicht geeignet sei, die Ordnungsmäßigkeit der Kassenaufzeichnungen zu beanstanden. Er begründete es damit, dass es sich um eine Biergaststätte handle, und insoweit sei es erklärlich, dass bestimmte Zahlenwerte häufiger auftauchen würden. Dies nahm das Gericht auch zur Kenntnis, beanstandete aber weiterhin die Buchführung und wies den Antrag zurück.18

Am 07.12.2005 urteilte das FG Münster über die Anwendung des „Chi-Quadrat-Tests“ zur Überprüfung von Kilometerständen in Fahrtenbüchern, welcher die durch weitere Verdachtsgründe vermutete Manipulation erhärten sollte. Die Klage des Unternehmens wurde abgewiesen, weil es sich bei den Fahrtenbüchern um unsachgemäße und nachträglich angefertigte Aufzeichnungen handele. Hinzu komme die Tatsache, dass der statistische Test nur als Hilfe und Einstieg in den Fall benutzt worden sei.19

Auch am 03.06.2008 sah das FG Düsseldorf keinen Grund darin, der Klage eines Taxifahrers stattzugeben. Die Klage bezog sich wieder auf die unsachgemäße Anwendung eines „Chi-Quadrat-Tests“ der Finanzbehörde, da er kein Beweis für falsche Buchführung sein könne. Der Antrag wurde abgelehnt, da das Gericht keinen Anhaltspunkt sah, aufgrund anderer stichhaltiger Beweise den statistischen Wert überhaupt miteinzubeziehen.20

Einen überraschenden Ausgang ließ ein Gericht 2011 in Rheinland-Pfalz verkünden. Hier ging es um einen Friseursalon, in welchem die Geschäftsführerin bezichtigt wurde, zu geringe Angaben zu ihrem Umsatz gemacht zu haben, was das Finanzamt mittels einer anfänglichen Ziffernanalyse herausfand. Die Klage gegen das Ergebnis der Steuerprüfung war erfolgreich. Die vom Steuerprüfer angewandte Ziffernanalyse konnte keine Manipulation am Kassensystem oder unsaubere Buchführung beweisen. Das mittlerweile rechtskräftig gewordene Urteil wurde so begründet, dass neben dem Hypothesentest keine weiteren Beweise existieren würden. Sogar dieser könne entkräftet werden, da ausgehend von der Preisliste des Friseursalons naturgemäß die Zahl 0 wie auch die Zahlen 1, 4 und 5 überdurchschnittlich oft auftreten müssten (z.B. Föhnfrisur: 15,- €; Färben: 25,- € bzw. 46,50 €; Föhnen 40,50 €).21

Die Entwicklung der Rechtsurteile in den letzten Jahren zeigt das Defizit einer klaren Regelung deutlich auf. Jedem Gericht ist es freigestellt, nach eigenem Ermessen zu entscheiden, was dazu führt, dass die Ziffernanalyse an Glaubwürdigkeit verliert. Aus diesem Grund der doch sehr fallspezifischen Urteile ist dem Finanzamt nahezulegen, seinen Verdacht immer auch anhand weiterer hieb- und stichfester Beweise, wie z.B. dem Fehlen notwendiger Unterlagen oder einer fehlerhaften Buchführung, zu stützen. Das heißt, eine grundständige Prüfung der Steuerbescheide ist nach wie vor zu empfehlen, um etwaige Schlupflöcher schließen und so auf der sicheren Seite sein zu können.

Auch ist das Verständnis des Prüfers und der Gerichte über das jeweils angewandte Verfahren sehr wichtig.22 Variabilität der Preise und verschiedenste Abrechnungs- varianten in der Buchführung verlangen genaueste Hintergrundkenntnisse, um richtig reagieren zu können. Die variierenden Urteile zeigen deutlich auf, dass Verständnis- schwierigkeiten über die Aussagekraft von Ziffernanalysen bestehen. Dies wiederum würde gegen die Glaubwürdigkeit und die zukünftig positive Entwicklung und Er- weiterung der statistischen Methoden bei der Betriebsprüfung sprechen.

3 Modelltheoretische Analyse

Jede Beziehung besteht aus Wechselwirkungen - dies ist in der Physik genauso der Fall wie bei sozialen Interaktionen. Eine angewandte modelltheoretische Analyse baut genau auf dieser Basis auf. Es wird auf Praktikabilität und Tauglichkeit untersucht, wobei diese auf selbst gesetzten Standards basiert.23 In unserem Fall ist es der extensive Aufbau eines Baumdiagramms, das uns analysieren lässt, wie die Spieler interagieren. So ist es möglich, eine Antwort auf die gestellten Fragen zu bekommen, nämlich was passiert, aus welchem Grund passiert es und wer profitiert von den Ergebnissen. Zur Analyse wird jeder Ast des Diagramms ausgewertet und auf seine Wirkung überprüft. Ein Blick in die Zukunft der spieltheoretischen Analyse im Anwendungsgebiet der Steuerhinterziehung kann in diesem Fall nach der Baumdiagrammanalyse gegeben werden, da nun klar ist, inwieweit dem Finanzamt das gesamte Verfahren nützt und es in der bestehenden Form so weiter Anwendung findet.

Anschließend ist es in einem Modell auch möglich, je einen Parameter zu verändern und so zu erfahren was das für die anderen Parameter bedeutet. Dies ist relevant für die Realitätsbetrachtung. Es können also Ergebnisse beschrieben werden, die so noch nicht aufgetreten sind und welche in der Natur nur schwer darzustellen wären. In diesem Zusammenhang ist auch der Punkt der Vereinfachung eines Modells zu erwähnen. Die Analyse wird immer basierend auf einfachen Umständen erfolgen um so einen besseren Überblick und klare Ergebnisse zu schaffen. Eine modelltheoretische Analyse zur Vorteilhaftigkeit der Anwendung von statistischen Methoden zur Aufdeckung von Steuerhinterziehung erscheint hier also mehr als sinnvoll und wird im weiteren Verlauf näher dargestellt.

3.1 Spieltheoretische Grundlagen

Die klassische Entscheidungstheorie besagt, dass bei der Entscheidung eines Individuums sowie für die Eintrittswahrscheinlichkeit der Zustände dieser Entscheidung allein der Entscheidende verantwortlich ist und es keine Rolle für die Entscheidungssituation spielt, wie ein anderes Individuum handelt.24 Der einzige zusätzliche Einflussfaktor ist die Natur. Die Natur bezeichnet in diesem Fall die Wahrscheinlichkeitsverteilung über Umweltzustände, die unabhängig vom Verhalten des Individuums sind.25

In der Spieltheorie ist dies jedoch anders. Hier ist der Nutzen des Entscheidungsträgers nicht nur von der eigenen Entscheidung abhängig, sondern auch von dem Verhalten anderer.26 Somit muss das Individuum bei seiner Entscheidung immer mitbedenken, wie ein anderes Individuum wohl handeln wird, um darauf basierend seine für sich nutzenmaximierende Entscheidung zu treffen.27 „Spieltheorie ist also eine Theorie sozialer Interaktionen.“28 Jeder stellt für sich einen rationalen Entscheider da, der seinen Nutzen maximieren möchte - ein Individuum, das so handelt, wird in der Spieltheorie als Homo oeconomicus bezeichnet.29 Durch die Analyse strategischen Denkens und die Anwendung mathematischer Formulierungen versucht die Spieltheorie, das rationale Entscheidungsverhalten für Situationen, in denen der Nutzen des Einzelnen nicht allein vom eigenen Handeln, sondern auch von den Entscheidungen anderer abhängt, zu bestimmen.30 Bezieht man diesen Ansatz auf das Finanzamt und den Steuerpflichtigen, stellen die beiden zwei Individuen dar, die abhängig von der Entscheidung des jeweils anderen ihre eigene treffen. Jeder möchte für sich seinen Nutzen maximieren. Der Steuerpflichtige stellt sich hierfür die Frage, ob es für ihn sinnvoller ist, die Steuern zu zahlen oder ob er seinen Nutzen mit der Alternative der Steuerhinterziehung maximiert. Das Finanzamt wiederum maximiert seinen Nutzen, wenn es jeden Steuerpflichtigen, der Steuern hinterzieht, überführen kann bzw. dieser von vornherein seine Steuern korrekt zahlt. Womit man vor dem Problem steht, dass beide Seiten nicht vollkommen zufrieden gestellt werden können, da den einzelnen Strategien der Individuen entgegengesetzte Interessen zugrunde liegen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von nicht-kooperativer Spieltheorie, um die es sich auch in dem in 3.2 aufgestellten Modell handelt.31

In der Spieltheorie wird zwischen statischen und dynamischen Spielen unterschieden.32 Bei statischen Spielabläufen finden die Entscheidungen simultan statt. Das bedeutet, dass alle Individuen, die an dem Spiel teilnehmen, ihre Entscheidungen gleichzeitig

[...]


1 Vgl. Szilovics (2006), S. 609.

2 Vgl. Schruff/ Gärtner (2007), S. 171-184.

3 Vgl. Szilovics (2006), S. 609.

4 Vgl. Schruff/ Gärtner (2007), S. 171-184.

5 Vgl. Krüger/ Schult/ Vedder (2010), S. 23.

6 Vgl. Lemons (1986), S. 816f.

7 Vgl. Benford (1938), S. 551-572.

8 Vgl. Goldstein (2009), S. 96.

9 Vgl. Götzenberger (2008), S. 102.

10 Vgl. Eberlein (2002), S. 249.

11 Rau (2012), S. 5.

12 Vgl. Rau (2012), S. 6.

13 Vgl. Benford (1938), S. 554.

14 Vgl. Rau (2012), S. 23.

15 Vgl. Bamberg/ Baur (1989), S. 213.

16 Vgl. Rau (2012), S. 25.

17 Vgl. BGH, Urteil vom 14. Dezember 1989.

18 Vgl. FG Münster, 5. Dezember 2002.

19 Vgl. FG Münster, 7. Dezember 2005.

20 Vgl. FG Düsseldorf 3. Juni 2008.

21 Vgl. FG Rheinland-Pfalz, 24. August 2011.

22 Vgl. Krüger/ Schult / Vedder (2010), S. 23.

23 Vgl. Guellali (2005), S. 14.

24 Vgl. Rieck (2013), S. 20.

25 Vgl. Rieck (2013), S. 20.

26 Vgl. Camerer, (2003), S. 2.

27 Vgl. Rieck (2013), S. 20.

28 Rieck (2013), S. 21.

29 Vgl. Neisser (1965), S. 465-491.

30 Vgl. Camerer (2003), S. 1-3.

31 Vgl. Rieck (2013), S. 35.

32 Vgl. Rieck (2013), S. 238.

Details

Seiten
32
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668492363
ISBN (Buch)
9783668492370
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369047
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,9
Schlagworte
Steuern Steuerhinterziehung Gesetz Betrug Aufdeckung Anwendung Statistik Benford Ziffernanalyse Wahrscheinlichkeiten

Autor

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Titel: Anwendung statistischer Methoden zur Aufdeckung von Steuerhinterziehungen