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Inferenzen. Eine Betrachtung der Bedingungen um Inferenzen möglich zu machen

Hausarbeit 2013 8 Seiten

Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines

2. Formen der Wiederaufnahme
2.1.Die explizite (direkte) Wiederaufnahme
2.2.Die implizite (indirekte) Wiederaufnahme

3. Textkohärenz
3.1.Allgemeines
3.2.Referenz, Kohärenz und Inferenz

4. Zusammenfassung

1. Allgemeines

Allgemein gesprochen wird als Inferenz die Schlussfolgerung des Rezipienten einer oder mehrerer Aussagen bezeichnet. Doch um eine Inferenz möglich zu machen, müssen gewisse Bedingungen erfüllt werden, auf die später eingegangen wird. Die wichtigsten Punkte der Inferenz sind direkte und indirekte Anaphern, sowie elaborative Inferenzen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Inferenz ist die Textkohärenz. Diese ist wichtig, um einen schlüssigen Text entwickeln zu können. Nach den genannten Punkten wird sich diese Hausarbeit richten.

2. Formen der Wiederaufnahme

2.1.Die explizite (direkte) Wiederaufnahme

Die direkte Wiederaufnahme besteht darin, eine bestimmte Äußerung durch eine andere Äußerung in den nachfolgenden Sätzen wiederaufzunehmen.[1] Brinker spricht hier von „außersprachlichen Objekten“, die „Personen, Gegenstände, Sachverhalte, Ereignisse, Handlungen, Vorstellungen usw.“[2] sein können und sich auf den selben Ausdruck beziehen.

Eine Form der Wiederaufnahme ist die Wiederaufnahme durch Pronomen, dessen Funktion darin besteht, das grammatische Geschlecht zu bestimmen.[3] Eine weitere Wiederaufnahme kann durch Substantive erfolgen.

Ein Beispiel für die substantivische Wiederaufnahme: Ein Mann ging über die Straße. Der Mann war sehr wütend.

In diesem Beispiel wird der Begriff ‚ein Mann‘ als etwas Neues eingeführt, was noch „nicht bekannt“[4] und ‚Antezedens‘ genannt wird ist und wird mit einem „bekannten“ Begriff wieder aufgegriffen (‚der Mann‘). Diese Wiederaufnahme wird durch den bestimmten Artikel ausgelöst. Dies kann auch als ‚Rekurrenz‘ bezeichnet werden. Ob ein Ausdruck als „bekannt“ oder „nicht bekannt“ bestimmt werden kann, hängt von außertextlichen bzw. innertextlichen Informationen ab. Auf außertextliche Informationen kann ebenso, wie auf Innertextliche Bezug genommen werden, wobei außertextliche Ausdrücke zum Weltwissen gehören bzw. „der Schreiber beim Leser“[5] dieses Wissen als bekannt voraussetzt. Für eine pronominale Wiederaufnahme gibt Brinker dieses Beispiel: „Kennst du Heinz? Der ist mein bester Freund.“ Hier wird durch das Demonstrativpronomen „der“ der Eigenname Heinz wiederaufgenommen. Durch Pronomen kann auf Informationen rückwärtsverweisend Bezug genommen werden, genauso wie auf „vorausweisende“ [6]. Bei der „Rückwärtsverweisung“[7] wird zunächst der konkrete Ausdruck genannt, so dass im darauf folgenden Satz ein Pronomen auf den zuerst genannten Ausdruck zurückverweist. Bei der „Vorwärtsv erweisung“[8] geschieht dies umgekehrt. Zunächst werden ein oder mehrere Pronomen benutzt, auf die der konkrete Ausdruck folgt. Somit wird durch die Pronomen auf Informationen vorausverwiesen. Clark unterscheidet bei der direkten Wiederaufnahme zwischen „Identity“, „Pronominalization“, Epithets“, sowie „Set membership“.[9]

Bei Clarks erstem Punkt „Identity“ wird die bereits genannte Rekurrenz deutlich. Hierzu ein Beispiel Clarks: „I met a man yesterday. The man told me a story.“ Hier wird wieder die Wiederaufnahme durch den bestimmten Artikel ‚the‘ deutlich. Im zweiten Beispiel (Clark: „I met a man yesterday. He told me a story.) wird die Wiederaufnahme durch das Pronomen ‚he‘ getätigt und wird von Clark als „Pronominalization“ bezeichnet. Mit „Epithets“ werden weitere Informationen im darauffolgenden Satz über den Referenten im ersten Satz hinzugefügt, wie wieder ein Beispiel Clarks zeigt: „I met a man yesterday. The bastard stole all my money.“ Die neue Information über den Referenten muss jedoch in den Kontext passen, um einen kohärenten Text zu entwickeln. Im letzten Beispiel zeigt Clark das Verhältnis der Inferenz zu einem Gruppenausdruck. Dabei wird eine Eigenschaft aus dem Gruppenausdruck mit dem bestimmten Artikel im zweiten Satz wiederaufgenommen (Clark: „I met two people yesterday. The woman told me a story.“). Zu guter Letzt können Wiederaufnahmen durch Synonyme, „bedeutungsgleiche“[10] Wörter, wie z.B. ein Hund - der Köter oder durch Hyperonyme, „bedeutungsähnliche“[11] Wörter, die eine größere Bedeutung haben und somit Überbegriffe sind, wie z.B. das Fahrzeug, das der Überbegriff des Autos ist, erfolgen.

2.2.Die implizite (indirekte) Wiederaufnahme

Im Gegensatz zur direkten Wiederaufnahme, bezieht sich die indirekte Wiederaufnahme nicht auf Substantive oder Pronomen, sondern auf den sogenannten „Anker“. Es gibt keinen direkten „wiederaufnehmenden Ausdruck“[12]. Damit aber dennoch eine Wiederaufnahme durchgeführt werden kann, müssen zwischen den erwähnten Gegenständen gewisse Zusammenhänge bestehen. Einer davon ist beispielsweise „Teil-von- oder Enthaltenseinsrelation“[13]. Hier gibt Brinker ein Beispiel:

Am 8. November 1940 kam ich in Stockholm an. Vom Bahnhof fuhr ich zu Schedins Pension in der Drottinggata, wo Max Bernsdorf ein Zimmer für mich bestellt hatte….

(aus: P. Weiss, Fluchtpunkt. Roman. 1962 - Textanfang)

Durch den bestimmten Artikel werden also die „Bekanntheit von Stockholm“[14], sowie dessen Bahnhof vorausgesetzt. Aufgrund des Wissens, dass es in einer Stadt einen Bahnhof gibt, ist es überflüssig Zwischensätze zu bilden, die dies erklären. Diese Zusammenhänge zweier Ausdrücke nennt man „semantische Kontiguität“[15]. Auch Clark spricht von zusammenhängenden Ausdrücken, die er in drei Kategorien unterteilt. Für die erste Kategorie „Necessary parts“[16] zeigt er durch das Beispiel („I looked into the room. The ceiling was very high.“), dass der erwähnte Raum eine Decke hat, die der Antezedens für „the ceiling“ ist. Durch die Voraussetzung, dass jeder Raum eine Decke hat, kann im darauffolgenden Satz durch den bestimmten Artikel der vorherige Satz wiederaufgenommen werden. Die zweite Kategorie „Probable parts“[17] unterscheidet sich wenig von der Ersten. Wieder mit einem ähnlichen Beispiel („I walked into the room. The windows looked out to the bay.“) zeigt Clark, dass es keine Garantie gibt, dass alle Räume Fenster haben. In diesem Fall wird der Raum erwähnt, woraufhin die Fenster folgen, sodass der Rezipient annimmt, dass der Raum Fenster hat. Im nächsten Beispiel („I walked into the room.

[...]


[1] Vgl. Brinker, Klaus 2010: Linguistische Textanalyse. Eine Einf ü hrung in Grundbegriffe und Methoden. 7., durchges. Aufl. Berlin: Erich Schmidt, S.27 (Künftig zitiert als Brinker 2010.).

[2] Ebd. S.27.

[3] Vgl. ebd. S.33.

[4] Ebd. S29.

[5] Ebd. S.30.

[6] Ebd. S.34.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Clark, Herbert H. 1977: „Bridging“. In: Thinking. Readings in Cognitive Science. Hg. Von P.N. Johnson-Laird und P.C. Wason, Cork: CUP Archive, S.415. (Künftig zitiert als Clark 1977.)

[10] Brinker 2010 S.31.

[11] Ebd.

[12] Ebd. S.36.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd. S.37.

[16] Clark 1977 S.415.

[17] Ebd. S.416.

Details

Seiten
8
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668469600
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369279
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
3,0
Schlagworte
inferenzen eine betrachtung bedingungen

Autor

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Titel: Inferenzen. Eine Betrachtung der Bedingungen um Inferenzen möglich zu machen