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Die Göttlichkeit der ptolemäischen Pharaonen. Die Sakralität der ägyptischen Herrschaftslegitimation am Beispiel Arsinoe II. und Kleopatra VII.

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die ägyptischen Gottheiten
2.1 Isis
2.2 Osiris
2.3 Horus

3. Die Göttlichkeit des Pharao - Die göttliche Verehrung ptolemäischer Pharaonen

4. Das Verhältnis des Königs zu den Göttern - Die göttliche Legitimation

5. Griechischer Ptolemäerkult und dynastische Götter

6. Die Königin als ägyptisch-griechische Göttin - Arsinoe II.

7. Göttliches Herrschertum bei Kleopatra VII.

8. Schluss

9. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Zeit, als der Himmel nicht existierte, als es die Erde nicht gab, als noch keine Menschen [auf Erden wandelten], bevor es auch den Tod gab.“1 Das Urchaos aus dem sich die Götter erhoben war nach der ägyptischen Mythologie der Anfang allen Lebens, denn seit Anbeginn der Zeit herrschten die allmächtigen Wesen über das Land am Nil. Sie waren die Schöpfer des Himmels und der Erde, sie lenkten die Geschicke der Welt, sie entschieden über Leben und Tod und sie wählten auch ihren irdischen Nachfolger auf Erden aus: den Pharao von Ägypten. Als Sohn der Götter Isis und Osiris, bestieg er als Wiedergeburt des Sonnengottes Horus den ägyptischen Thron. Bereits im alten Ägypten bestand eine enge Bindung zwischen Horus und dem König. Der Sonnengott hatte stets eine allgegenwärtige Präsenz. Sein Antlitz schmückte den Thron und sein Name gehörte immer zur vollständigen Titulatur des Pharao. Die Identifizierung des Königs mit den Göttern Horus und Osiris bedeutet, dass er sowohl das Erbe des Schöpfergottes antritt sowie auch die Unsterblichkeit, die ihm von den Göttern verliehen wurde. Diese beiden Komponenten der Schöpfung und der Ewigkeit stehen somit sinnbildlich für die Natur des ägyptischen Pharaonentums.2 Den aus der ptolemäischen Dynastie stammenden Pharaoninnen Arsinoe II. und Kleopatra VII. gelang es, sich als von den Göttern gegeben inszenieren zu lassen und so erhoben sie sich im Laufe ihrer Regentschaft selbst zu wahren irdischen Göttinnen. Durch den bewussten Einsatz von religiösen Kulten beziehungsweise durch ihre eigene Göttlichkeit an sich, schafften sie es, ihre Herrschaft sakral zu legitimieren. Die Vergöttlichung der ägyptischen Pharaonen nimmt in der heutigen antiken Geschichtswissenschaft eine große Rolle ein. Viele Forschungsarbeiten wie beispielsweise Günther Hölbls „Die Geschichte des Ptolemäerreiches“, Marie-Ange Bonhêmes und Annie Furgeaus „Pharao, Sohn der Sonne“ sowie der Aufsatz von Elke Blumenthal mit dem Titel „Die Göttlichkeit des Pharao“, wurden zu diesem Forschungsschwerpunkt verfasst und werden auch die Grundlage für die nachfolgende Arbeit liefern. In Bezug auf die Quellenlage werden auszugsweise Apuleius „Metamorphosen“, das Totenbuch der Ägypter sowie Plutarchs „Große Griechen und Römer“ herangezogen. Auch die Zeitschrift Spiegel-Geschichte greift das Forschungsinteresse über die Göttlichkeit der Pharaonen mit dem Artikel „Göttin auf dem Thron“ von Eva-Maria Schnurr auf. Im zentralen Fokus dieser Arbeit sollen zum einen die Götter Isis, Osiris und Horus stehen, welche Funktionen sie für die sakrale Legitimation der pharaonischen Herrschaft übernommen haben und zum anderen, die Göttlichkeit des Pharao. Des Weiteren sollen exemplarisch die ptolemäischen Königinnen Arsinoe II. und Kleopatra VII. betrachtet werden, beziehungsweise mit welchen Mitteln sie sich selbst zu Göttinnen erhoben.

2. Die ägyptischen Gottheiten

Die Religion war das Bindeglied zwischen den Menschen und den Göttern und sie öffnete den Zugang zu ihrem Verständnis. Die ägyptische Religion war geprägt von Mythen, die die Kulte um die verschiedensten Götter bestimmte. In Allem, was der Ägypter auf Erden oder im Himmel sah, konnte sich die Macht eines Gottes oder einer Göttin kundtun. So gab es eine große Vielzahl an göttlichen Wesen, die den Himmel, die Unterwelt oder die Natur bewohnten.3 Im Folgenden soll eine kurze Vorstellung der Gottheiten Isis, Osiris und Horus erfolgen, sowie kurze interpretatorische Ansätze in Bezug auf ihre Funktionen im ägyptischen Pharaonentum.

2.1 Isis

Die Göttin Isis ist zweifellos die bedeutendste aller ägyptischen Gottheiten. Im Laufe der Zeit verschmolz Isis mit vielen anderen Göttern, doch die wichtigste Verbindung war die mit Hathor, von der sie viele ihrer ikonographischen Züge sowie den mythologischen Charakter übernahm.4 Nach der Theologie des Sonnenkultes war Isis die Tochter des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. Ihr Bruder, den sie später zum Mann nahm und mit dem sie in der Mythologie über Ägypten regierte, war Osiris. Laut der Legende von Horus und Seth wurde Osiris im Kampf gegen Seth getötet und seine Körperteile über das gesamte Land hinweg verstreut. Doch Isis begab sich auf die Suche nach ihrem ermordeten Gatten und setzte die Teile wieder zusammen. Durch ihre Magie konnte sie auch nach seinem Tod von ihm schwanger werden und ihren Sohn Horus zur Welt bringen. Dieser Mythos ist das Fundament für alle anderen komplexen Eigenschaften der Gottheit - und nicht zuletzt bildet er die Grundlage des ägyptischen Königtums. Der herrschende Pharao wird als die Personifikation von Horus angesehen, nach seinem Tod wird er selbst zu Osiris, und sein Sohn und Nachfolger wird zum neuen beziehungsweise zu der Reinkarnation des Horus. Durch dieses Gleichnis werden die Parallelen der irdischen Königsfamilie zu der göttlichen Königsfamilie nochmals verdeutlicht und in subtiler Weise dargestellt. Als Mutter des Himmelsgottes wird in diesem Zusammenhang auch die bedeutende Rolle der Isis für die königliche Legitimation des Pharao deutlich. Die wichtigste Rolle von Isis ist die der Mutter und Beschützerin ihres Sohnes, sie wurde auch oft mit dem Beinamen „Mutter des Gottes“ bezeichnet. Nach dem Mythos versteckte Isis den jungen Horus vor Seth und schützte ihn, bis er alt genug war um sein rechtmäßiges Erbe, die Herrschaft über Ägypten, anzutreten. Demzufolge war sie die Beschützerin des ägyptischen Pharaonentums und auch die Königsmacherin, die das Amt im Namen der Götter übertrug. Aus verschiedenen Hymnen an die Göttin wird deutlich, dass vor allem die Erwählung des Herrschers und seine Regierung in ihren Händen lagen und sie die Schutzherrin des Pharao darstellte. Ihre große Bedeutung und Wichtigkeit breitete sich über die Landesgrenzen hinweg aus, sodass sie auch in Griechenland sowie im römischen Reich als Gottheit verehrt wurde. Zur Verdeutlichung der immensen Ausprägung der Verehrung aus griechisch-römischer Sichtweise, wurden der Göttin selbst, in den Metamorphosen des Apuleius, folgende Worte in den Mund gelegt:5

„Von deinem Gebet gerufen bin ich da, die Mutter der Natur, Herrin aller Elemente, Keimzelle der Geschlechter, - Geisterfürstin, Totenkönigin, Himmelsherrin, - Inbegriff der Götter und Göttinnen. Des Firmamentes Lichtkuppel, des Meeres Heilbrise, der Hölle Jammerstille gehorchen meinem Wink; ein Wesen bin ich, doch in vielen Gestalten [und] wechselnden Bräuchen […] betet mich der ganze Erdkreis an.“6

Aus diesen Zeilen geht hervor, dass Isis im Laufe der Geschichte zur Universalgöttin erhoben wurde und somit ihre Stellung als oberste Göttin im ägyptischen Pantheon erlangte. Aus diesem Grund bildeten sich auch viele ägyptische Herrscher mit der Göttin ab, oder stellten sich gar mit ihr gleich, um ihre Herrschaft, als von der Göttin höchstpersönlich bestimmt, zu legitimieren.

2.2 Osiris

In der ägyptischen Götterwelt spielte Osiris als Gott des Todes und der Auferstehung eine besonders wichtige Rolle. Plutarch beschrieb in seinem Werk „Über Isis und Osiris“ die Geburt des Gottes folgendermaßen und verdeutlicht damit die Bedeutsamkeit der Gottheit in der Antike: „[…] zugleich mit seiner Geburt habe sich eine Stimme hören lassen, daß (sic!) der Allherr an das Licht trete; […] der große König, der wohltätige Osiris [war angekommen].“7 In seiner grundlegenden Identität, als ein wieder zum Leben erweckter Gott und Herrscher der Unterwelt, nahm er für die Bevölkerung und im besonderen Sinne für den Pharao eine einzigartige Stellung als „Allherr“ unter den Göttern ein. Ein Auszug aus dem Totenbuch der Ägypter vergegenwärtigt seinen Bezug zum ägyptischen Pharaonentum:8 „ Ein Gott bin ich fürwahr, die Sonne begleitend, während sie das Himmelsgewölbe durchzieht. Einer bin ich der großen Götter der Urzeit […] [und ständig] bleibe ich an den Seiten [meines Sohnes] Horus“9. Zum einen wird er als Schöpfergott dargestellt und zum anderen, als Beschützer des Pharao, da er seinem „Sohn“ stets zur Seite stehen wird und ihn vor Unheil bewahren wird. Der im Vorherigen beschriebene Mythos, dass der verstorbene König mit Osiris gleichgesetzt wird, bildet einen weiteren Grundpfeiler des ägyptischen Königtums, die Unsterblichkeit des Pharao, der nach seinem irdischen Leben im Totenreich weiter über sein Land regieren wird. Zur Zeit des Neuen Reiches wurde das Ansehen des Osiris immer höher, sodass bald Titel wie „König der Götter“ und „Herr des Universums“ auf ihn angewendet wurden. Mit Beginn der ptolemäischen Herrschaft über Ägypten kam es durch Ptolemaios I. zu einer Fusion zwischen Osiris und diversen griechischen Göttern und aus ihnen entstand die neue hybride Gottheit Serapis der von nun an als neuer Begleiter von Isis galt.10

2.3 Horus

Horus zählt zu den frühesten ägyptischen Gottheiten, denn sein Name ist seit Beginn der dynastischen Zeit auf Pyramidentexten verewigt. Bereits prädynastische Herrscher wurden als „Horusgeleit“ betitelt und sukzessiv bildete sich der mythologische Charakter des Gottes weiter aus. Neben seinem Amt als Himmelsgott war er auch der Sohn des Götterpaares Isis und Osiris. In einer Textpassage im Totenbuch der Ägypter richtet sich Horus an seinen Vater und betitelt sich selbst als erhabener Himmelsgott: „Osiris, mein göttlicher Vater, ich eröffne die Bahnen, im Himmel gleichwie auf Erden. Denn dein liebender Sohn, Osiris, bin ich! [Horus] Gott des unermeßlichen (sic!) Himmels.“11 Nachdem Horus in der Mythologie seine rechtmäßige Herrschaft über Ägypten übernommen hat wird er in den nachfolgenden Kapiteln des Totenbuches als „Gekrönter zum göttlichen Falken“ betitelt, der aufbricht um die Grenzen des Himmels zu durchstreifen und mit göttlicher Macht über sein Land zu regieren.12 Doch die wichtigste Funktion des Gottes war seine Aufgabe als Gott des Königtums. Mit dem ägyptischen Pharaonentum war Horus direkt durch seine Mutter Isis verbunden, die selbst die

[...]


1 Bohême/Forgeau 1989, S. 63.

2 Vgl. Ebd.

3 Vgl. Schlögl 2005, S. 13.

4 Vgl. Dunand/Zivie-Coche 2013, S. 146.

5 Vgl. Kubisch/Klinkott 2011, S. 21-22.

6 Apul. met., 11, 5.

7 Plut. Is., 12, 1.

8 Vgl. Dunand/Zivie-Coche 2013, S. 118-119.

9 ägpyt. Totenbuch Kapitel 1.

10 Vgl. Dunand/Zivie-Coche 2013, S. 119-123.

11 ägypt. Totenbuch Kapitel 9.

12 Vgl. ägypt. Totenbuch Kapitel 78.

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668484320
ISBN (Buch)
9783668484337
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369870
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,0
Schlagworte
Ptolemäer Kleopatra Arsinoe Herrschaftslegitimation Vergöttlichung Pharao Göttlichkeit

Autor

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Titel: Die Göttlichkeit der ptolemäischen Pharaonen. Die Sakralität der ägyptischen Herrschaftslegitimation am Beispiel Arsinoe II. und Kleopatra VII.