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Welche Herausforderungen und Chancen entstehen für die Gesellschaft und Wirtschaft durch die Aufnahme syrischer Flüchtlinge?

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aktuelle Situation im Nahen Osten hinsichtlich des syrischen Bürgerkrieges

3. Lage syrischer Flüchtlinge im Nahen Osten - hinsichtlich Bildung, Schule & Qualifikation und Beschäftigung – Am Beispiel Jordanien und Libanon

4. Flüchtlingsstandort Deutschland
4.1 Aufnahme und Bleiberecht
4.2 Deutsche Flüchtlingspolitik
4.2.1 Sozialer Status und finanzielle Hilfen
4.2.2 Bildung, Schule und Qualifikation
4.2.3 Beschäftigung

5. Vergleich der Lage im Nahen Osten und Deutschland

6. Fazit

7.Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Rund fünf Millionen syrische Flüchtlinge sind seit dem Beginn des Bürgerkrieges im Jahr 2011 auf der Flucht. Davon stammen mehr als eine Million aus dem Libanon und ca. 1.3 Millionen aus Jordanien – registriert wurden aber nur 675.000 (vgl. UNHCR, 2017, a) und noch immer ist kein Ende in Sicht. Viele der Flüchtlinge wählen Deutschland als Standort - die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits hatte Deutschland als eines der ersten Länder die Tore für die Neuankömmlinge geöffnet, andererseits aber, bieten sich Flüchtlingen in Deutschland neue Perspektiven im Hinblick auf Asyl, Bildung, Schule, Beschäftigung oder finanzielle Hilfen durch den Staat. Zwar hat sich die Asylsuchendenzahl im März 2017 reduziert – 14.976. Doch noch immer ist die Zahl der Einreisenden aufgrund von Bürgerkrieg mit 47.249 Asylsuchenden seit Januar 2017 vergleichsweise hoch (Bundesministerium des Inneren, 2017). Solange der Bürgerkrieg im Nahen Osten kein Ende findet, so lange werden Menschen darunter leiden, die nicht freiwillig aus ihrem Land flüchten, sondern durch die IS dazu gezwungen werden – unabhängig davon, welchen Standort syrische Flüchtlinge wählen.

Diese Arbeit setzt sich aufgrund der aktuellen Situation daher mit dem Thema syrische Flüchtlinge auseinander. Sie soll zum einen die Lage der syrischen Flüchtlinge im Allgemeinen erklären, zum anderen einen direkten Vergleich zwischen dem Nahen Osten, insbesondere den Ländern Libanon, Jordanien und Deutschland hinsichtlich der Sprache, Bildung, Schule & Qualifikation, Beschäftigung und Kultur anstellen. Die zentrale Frage, die es mit dieser Arbeit zu beantworten gilt, lautet daher:

„Welche Herausforderungen und Chancen entstehen für die Gesellschaft und Wirtschaft durch die Aufnahme syrischer Flüchtlinge?“

2. Aktuelle Situation im Nahen Osten hinsichtlich des syrischen Bürgerkrieges

Im Jahr 2011 feierte Syrien den Sturz des Mubarak-Regimes (vgl. UNHCR, 2017b)). Zu diesem Zeitpunkt dachte noch das Volk, dass ein neuer Morgen in der Geschichte der Nation eingebrochen sei.

Sechs Jahre später tobt der Bürgerkrieg in Syrien mehr denn je. Betroffen von Hunger, Elend, Angst und mangelnder medizinischer Versorgung sind unter anderem die für die Arbeit relevanten Länder Libanon und Jordanien (vgl. UNHCR, 2017, b).

In Jordanien steigt das Armutsrisiko täglich. Rund 80% der Menschen leben außerhalb der Camps, die meisten in Zaatari. Die dort lebenden Syrer haben keine Perspektiven, sind nicht in der Lage zu flüchten – außer einer Rückkehr nach Syrien, leben in Armut und werden von Jordaniens Arbeitsmarkt ausgeschlossen (vgl. Achilli, 2015). Die Behauptung, dass Flüchtlinge eine Sicherheitsdrohung sein, legimitiert zudem die Raumabtrennung in Lagern und eine schlechtere Behandlung durch den Gastgeberstaat. Grund dafür ist die Tatsache, dass davon ausgegangen wird, dass auch innerhalb der Flüchtlingslager Kämpfer der IS die Lager aber auch Syrien selbst mit Waffen beliefern können und die Flüchtlingen daher als Sicherheitsrisiko eingestuft werden (vgl. Kibreab, 2007, S.27 – 35).

Im Libanon, in welchem die langjährigen palästinensischen Lager zusätzliche territoriale Standorte der Radikalisierung zur Verfügung stellen und bewaffnete Widerstandskämpfer sowie der potentiellen Militarisierung von Lagern und der Radikalisierung von syrischen Flüchtlingen propagieren, haben zu einer Ablehnung der formellen Lager und damit auch zur Ablehnung der syrischen Flüchtlinge geführt (vgl. Hanafi/Long, 2010, S.134 -159). In Jordanien dagegen wurde der Entschluss, Flüchtlingslager für Syrer zu bauen, aufgrund von Sicherheitsüberlegungen weder abgelehnt noch erwies er sich als abschreckend (vgl. Hanafi/Long, 2010, S.134 – 159). Gleichzeitig hat Jordanien – trotz der Problematik des Ausschlusses vom Arbeitsmarkt – Gelder dazu verwendet, syrische Flüchtlingscamps zu bauen, um auf diese Weise das eigene Image zu heben (Seeley, 2010, S.37 – 42).

Doch nicht nur der Arbeitsmarkt ist für syrische Flüchtlinge in Jordanien und dem Libanon prekär. Auch humanitäre Hilfe, die Bildung sowie die politische Lage bleiben weiterhin fragwürdig. Rund 100.000 Syrer – die meisten aus den untersten Schichten, werden in allen Belangen ausgeschlossen (vgl. Chatelard, 2010). Das Wasser ist knapp, die Wohnsituation mangelhaft und die syrischen Flüchtlinge werden darauf reduziert, welcher sozioökonomischen Klasse sie angehören, um sie damit auf Lager zu beschränken und keinen Zugang zum eigentlichen Arbeitsmarkt zu gewähren (vgl. Chatelard, 2010).

Problematisch für syrische Flüchtlinge in Jordanien ist auch, dass sie in den meisten Fällen nur über einen eingeschränkten Rechtsstatus verfügen.[1] Dieser eingeschränkte Status führt dazu, dass Syrer mit Hürden rechnen müssen, wenn sie aus den Flüchtlingslagern ausziehen, humanitäre Unterstützung oder öffentliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder aber Geburten, Todesfälle oder Eheschließungen registrieren lassen wollen (vgl. bpb, 2016). Vor allem die Beschränkung bei der Eintragung der Geburten der Kinder führt dazu, dass viele in Jordanien geborene Kinder keinen Rechtsstatus aufweisen können und somit aus keine Ausweise erhalten um beispielsweise Zugang zu Bildungseinrichtungen zu erhalten (vgl. bpb, 2016).

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die aktuelle Lage der Flüchtlinge im Nahen Osten – insbesondere in Jordanien und dem Libanon – sich mit zunehmender Länge des Krieges in Syrien verschlechtert und geprägt ist von Armut, mangelnder Bildung, schlechter Arbeits- und Wohnsituation sowie einem unsicheren Rechtsstatus, der das Leben massiv einschränkt.

3. Lage syrischer Flüchtlinge im Nahen Osten - hinsichtlich Bildung, Schule & Qualifikation und Beschäftigung – Am Beispiel Jordanien und Libanon

Rund 750.000 flüchtige Menschen wurden seit Beginn der Flüchtlingskrise in Jordanien aufgenommen. Dies entspricht einem Anteil von etwa 13% der in Jordanien lebenden Gesamtbevölkerung (6 Mio.). Ähnlich wie in Syrien waren nach dem Sturz des ehemaligen irakischen Regimes auch die jordanischen Behörden zunächst großzügig zur Aufnahme syrischer Flüchtlinge bereit, denen in der Regel ein zeitlich befristetes Aufenthaltsrecht von sechs Monaten gewährt wurde. Bis vor kurzem kamen täglich 2.000 bis 3.000 Menschen von Syrien über die Grenze nach Jordanien. Allerdings benötigten die Flüchtlinge in Jordanien von Anfang an ein Visum. 150.000 Syrer (überwiegend wohlhabende) erhielten eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Die anderen werden als ‚Gäste’ angesehen, die das Land nach einer bestimmten Zeit wieder verlassen sollen. Seit Juli 2007 erhalten sie nur noch eine einmalige Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate, die nicht verlängert werden kann. Männliche Flüchtlinge im Alter von 15 bis 35 Jahren sind aus Sicherheitserwägungen von der Einreise grundsätzlich ausgeschlossen, wobei die Behörden bei Christen häufig eine Ausnahme von der Regel machen. Nach Ablauf der Aufenthaltsgenehmigung werden die Flüchtlinge zu Illegalen, die bei späterer Ausreise für jeden Tag ihres Aufenthalts ohne Aufenthaltsgenehmigung pro Person eine Strafe in Höhe von 1,5 JD = 1,5 € bezahlen müssen. Zudem können inhaftiert und abgeschoben werden, was auch immer wieder passiert (vgl. Human Rights Watch, 2016)

Rund 80.000 der insgesamt 226.000 syrischen Kinder und Jugendlichen hatten in Jordanien bis Mitte 2016 keinen Zugang zur Bildung, da sie keine Schule besuchten. Grund dafür waren nicht nur die schlechten Lebensbedingungen innerhalb der Lager, sondern auch, dass es in vielen Teilen des Landes Zugangsbeschränkungen für syrische Flüchtlingskinder an jordanischen Schulen gab (vgl. Human Rights Watch, 2016).

[...]


[1] Syrer müssen sich innerhalb von 6 Monaten bei UNHCR registrieren, oder in einen Drittstaat aussiedeln (vgl. bpb, 2016)

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668475526
ISBN (Buch)
9783668475533
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v369921
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
welche herausforderungen chancen gesellschaft wirtschaft aufnahme flüchtlinge

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