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Die Beweggründe Dänemarks zum NATO-Beitritt und seine Rolle im Ostseeraum während des Kalten Krieges

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangslage nach dem 2. Weltkrieg

3. Der Weg in die NATO
3.1. Beibehaltung der Politik der strikten Neutralität
3.2. Bildung einer Nordischen Verteidigungsallianz
3.3. Beitritt zur NATO

4. Aufgaben innerhalb der NATO und deren Ausführung
4.1. Allgemeine Aufgaben innerhalb der NATO
4.2. Dänemarks Aufgaben in der NATO während des Kalten Krieges
4.2.1. Besonderheiten Dänemarks
4.2.2. Grönland und Färöer

5. Fazit

6. Literatur-/ Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Dänemark - Der Kleine Nachbar im Norden“1 so lautet nicht nur ein Buchtitel des His- torikers Steen Bo Frandsen, sondern formuliert auch die gängige Meinung über Däne- mark in der heutigen Zeit. Dabei war Dänemark keineswegs immer der kleine Nachbar im Norden. Die Dänen können auf eine jahrhundertelange Geschichte zurückblicken in der Dänemark im Mittelalter zur allesbeherrschenden Großmacht im Norden aufstieg. Seinerzeit erstreckte sich das dänische Reich von Island, den Färöer über Norwegen bis in die heutigen baltischen Länder. Die gesamte Ostsee geriet unter dänische Kontrolle. In der Kalmarer Union wurden Norwegen, Schweden und Dänemark in Personalunion vom dänischen Monarchen regiert. Nach dem Zerfall des einstigen Großreiches und dem Aufstieg Schwedens zur neuen Großmacht im Norden verlor Dänemark seine Vormachtstellung in der Ostsee. Der Verlust von Schleswig-Holstein 1864 und die end- gültige Lossagung Islands von der dänischen Krone 1944 trugen weiter zur wachsenden Bedeutungslosigkeit bei.2 Die strikte Neutralität die sich Dänemark selbstauferlegte führte dazu, dass Dänemark während der Weltkriege vergleichsweise wenig Schaden nahm (Dabei sollen die Verluste und Leiden der dänischen Bevölkerung bei der Beset- zung durch die deutschen Truppen im 2. WK in keinster Weise geschmälert werden). Erst die sich nach 1945 herausbildenden Blöcke mit dem Westen auf der einen und der Sowjetunion und ihre Verbündeten auf der anderen Seite, ließen Dänemark wieder an Bedeutung gewinnen. Liegt Dänemark doch zwischen Skagerrak und Kattegat und hat die Hoheit über den großen Belt, dem Nadelöhr, das die Ostsee vom Atlantik trennt und somit eine Art Torwächterfunktion inne.3 Daher verwundert es nicht, dass das nach 1945 neugegründete Verteidigungsbündnis NATO Dänemark die Mitgliedschaft anbot.

Doch was bewog Dänemark zum NATO-Beitritt und warum blieb man nicht neutral, wie man es schon im ersten und im zweiten Weltkrieg praktiziert hatte, welche Aufgaben wurden Dänemark zugewiesen und wie wurden diesen nachgegangen?

Diese Fragen sollen im Folgenden erörtert werden. Dazu wird in einem ersten Schritt auf die Ausgangslage nach dem zweiten Weltkrieg eingegangen werden, da hier mögli- che Beweggründe für das dänische Handeln zu vermuten sind. Im Anschluss soll der Weg Dänemarks in die NATO aufgezeigt und die Gründe für den Beitritt vorgestellt werden. Bevor der Versuch ein Fazit zu ziehen unternommen werden soll, wird in ei- nem vierten Schritt auf die an Dänemark überwiesenen Aufgaben und deren Ausfüh- rung einzugehen sein.

2. Ausgangslage nach dem 2. Weltkrieg

Um die Ausgangslage und die Voraussetzungen für Dänemark am Ende des zweiten Weltkriegs zu bewerten, ist es unerlässlich zunächst einen kurzen Überblick über die Geschehnisse während des Krieges zu geben. Im Vorfeld des zweiten Weltkrieges be- mühte sich die Regierung Stauning in Kopenhagen um eine „Politik der Unsichtbar- keit“4. Konkret äußerte sich dies in äußerster Zurückhaltung bei Sanktionsfragen im Völkerbund sowie der Erlaubnis für deutsche Kriegsschiffe dänische Hoheitsgewässer zu durchschiffen und ähnlichen Gefälligkeiten. Dieses Entgegenkommen führte aber nicht zu einer erwünschten verbindlichen Grenzgarantie seitens Deutschlands, die ange- sichts der immer aggressiver werdenden Außenpolitik des Dritten Reichs notwendig zu werden schien. Weder der am 31. Mai 1939 abgeschlossene Nichtangriffsvertrag, der von deutscher Seite aus forciert worden war, noch die am 1. September abgegebene Neutralitätserklärung konnten letztendlich verhindern, dass Dänemark am 9. April 1940 von Deutschland besetzt wurde. Es bewahrheitete sich die Vorhersage des späteren Au- ßenministers Munch der 30 Jahre zuvor vorausgesagt hatte, dass die Deutschen nachts segeln, morgens landen und abends die Herren von Kopenhagen sein würden.5 Zwar war das Hauptziel der Wehrmacht Norwegen, doch wurde Dänemark aus strategischen und logistischen Gründen benötigt.6 Der nahezu ohne nennenswerte Gegenwehr erfol- gende Überfall brachte zunächst keine merklichen politischen Veränderungen mit sich. Dänemark existierte formell als souveräner, sich selbst regierender Staat weiter und bildete somit eine Ausnahme unter den von Hitler besetzen Ländern. Erst die zuneh- mend verstärkten Widerstandskämpfe setzten der bisherigen Zusammenarbeitspolitik der dänischen Regierung ein Ende.7 Mit der Befreiung am 5. Mai 1945 durch die Alliierten endete die fünfjährige Besetzung. Dänemark wurde wieder autonom und als alliierte Macht anerkannt. Schon bald nach Kriegsende wurde sichtbar, dass Dänemark im Vergleich zu anderen besetzten Gebieten relativ glimpflich davon gekommen war. Die Zahl der Toten war verhältnismäßig gering und auch die Zerstörungen betrafen im Wesentlichen nur Verkehrseinrichtungen. Außerdem wurden wirtschaftlichen Lasten fast vollends von den in der Landwirtschaft erzielten Gewinnen aufgewogen.8 Bedeutete das Ende des Krieges für die Innenpolitik Dänemarks keine allzu großen Veränderungen, entstand auf der Weltbühne eine neue Ordnung.

Nach der vollständigen Niederlage und der endgültigen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 wurde schnell klar, dass das Bündnis der Sieger nicht lange währen und sich die Welt in zwei Blöcke spalten würde. Zu unterschiedlich waren die Weltanschau- ungen für die, die USA und die Sowjetunion (SU) eintraten. Während die USA in Westeuropa seine Verbündeten suchte und fand, weitete die SU ihre Einflusssphäre in Ost-, Mittel- und Südeuropa aus. Besonders im Ostseeraum veränderten sich die Macht- verhältnisse erheblich. Die SU wurde zum dominierenden Anrainerstaat. Die gesamte östliche Küste von Westkarelien bis zum ehemals ostpreußischen Samland gelangte in sowjetischen Besitz. Zusätzlich standen die Küstengebiete der Sowjetischen Besat- zungszone, der späteren DDR (Das westliche Mecklenburg mit Wismar und Schwerin, das im Frühjahr 1945 von britischen und amerikanischen Truppen besetzt worden war, wurde entsprechend den alliierten Beschlüssen ab Ende Juni 1945 der Roten Armee übergeben.) sowie Polens unter direktem Einfluss Moskaus.9 Doch nicht nur die wach- sende Dominanz der SU in der Ostsee, sondern vor allen Dingen ihre Rolle beim kom- munistischen Staatsstreich in der Tschechoslowakei, der am 6. April 1948 beschlossene FZB-Vertrag (Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitige Bei- stand)10 zwischen Finnland und der UdSSR und die Blockade von Berlin ließ die däni- sche Regierung ihre bisherige Sicherheitsstrategie überdenken.11 Die Anfänge des Kal- ten Krieges wurden immer spürbarer und zwangen Dänemark zu einer Entscheidung.

3. Der Weg in die NATO

Sogleich mit dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde Dänemark vor die Frage ge- stellt, wie es sich in Anbetracht der entstehenden politischen Blöcke in Zukunft positio- nieren wollte. Im Wesentlichen gab es drei Handlungsalternativen: 1.) Beibehaltung der Politik der strikten Neutralität, 2.) eine Nordische Verteidigungsallianz mit Norwegen und Schweden und 3.) den Beitritt zur NATO. Warum die dritte Option wahrgenommen wurde und sich nicht eine der anderen Möglichkeiten durchsetzte, soll im kommenden Abschnitt erläutert werden.

3.1. Beibehaltung der Politik der strikten Neutralität

Obwohl selbst Staatsminister Hedtoft noch bis ins Jahr 1948 hinein versuchte die Blockfreiheit des Landes zu verteidigen, wurden schon bald nach Kriegsende Stimmen laut, die eine Abkehr vom alten Kurs forderten.12 Denn obgleich die Blockfreiheit in Dänemark Tradition besaß, war die Angst vor einer Gefahr aus dem Osten größer. Hatte die jüngste Vergangenheit doch gezeigt, dass weder eine strikte Neutralität noch Mit- gliedschaft und Engagement im Völkerbund eine Besetzung hatten verhindern können. Viel mehr war Dänemark vor dem Hintergrund eines Ost-West-Konflikts nicht mehr bereit, als „schwacher neutraler und wehrloser Staat da zustehen […].“13 Die Neutrali- tätspolitik wurde im Allgemeinen und besonders angesichts der prekären sicherheitspo- litischen Lage als gescheitert angesehen. Eine Neuorientierung schien unvermeidlich. Zunächst reagierten Dänemark und Norwegen mit verstärktem Engagement auf interna- tionaler Ebene und schlossen sich dem Internationalen Währungsfond sowie den neuge- gründeten Vereinten Nationen an. Doch wurde diesen Institutionen keine allzu hohe Schutzfunktion zugesprochen.14 Zur Unterstützung der regulären Streitkräfte und der aus dem Widerstand hervorgegangen freiwilligen „Hjemmvaern“ (Heimwehr) wurde ein Militärbündnis benötigt, das die Souveränität Dänemark sichern sollte. Die Verbün- deten wurden dabei zunächst im Norden gesucht. Dies geschah nicht allein der gemein- samen skandinavischen Geschichte wegen, sondern basierte auch auf den im 2. Weltkrieg gemachten Erfahrungen. Mit Norwegen hatten die Dänen im Krieg durch die deutsche Besetzung ein ähnliches Schicksal geteilt und Schweden hatte trotz seiner zeitweise zwiespältigen Neutralitätspolitik durch seine solidarische Haltung Dänemark gegenüber große Popularität gewonnen.15

3.2. Bildung einer Nordischen Verteidigungsallianz

Im Mai 1948 nahmen auf Initiative Schwedens hin die drei nordischen Länder Verhand- lungen über ein militärisches Bündnis auf. Dazu trafen sich die Regierungschefs der Länder in Karlsstad, Kopenhagen und Oslo.16 Doch schnell wurde klar, dass die Ver- handlungen scheitern würden, zu unterschiedlich waren die Vorstellungen und Forde- rungen. Zwar war man sich einig darüber, dass solch ein Bündnis die Sicherheit eines jeden Mitgliedstaates erhöhen würde, doch war man sich über die Positionierung zwi- schen Ost und West uneins. Schweden hatte ein eindeutig neutrales Bündnis im Sinn, das weder den USA noch der Sowjetunion nahe stand. Dazu sollten Norwegen und Dä- nemark kräftig aufrüsten. Norwegen, dem durch die deutsche Besetzung in dramatischer Weise die herausragende strategische Bedeutung seiner Atlantikküste vor Augen ge- führt bekommen hatte, glaubte nicht an die Verteidigungsfähigkeit eines solchen Pakts und wollte eine zusätzliche Anbindung an die USA, um sich vollends abzusichern.17 Die Forderung des norwegischen Außenministers schon in Friedenszeiten Verhandlun- gen über mögliche Hilfsleistungen mit den USA zu führen, ließ sich nicht mit dem Wunsch nach strikter Neutralität durch die Schweden vereinbaren. Auch der Versuch Dänemarks zwischen den beiden Parteien zu vermitteln scheiterte. Norwegen wendete sich dem Westen zu und Schweden erteilte der Offerte Dänemarks ein Bündnis ohne Norwegen einzugehen eine klare Absage. So scheiterten die Verhandlungen über eine Nordische Verteidigungsallianz schon Ende Januar 1949.18 Dies war jedoch nur das Ende einer militärischen Allianz. Bei weiteren Treffen der Regierungschefs zwischen dem 17.-20.

[...]


1 Frandsen, Steen Bo: Dänemark. Der kleine Nachbar im Norden, Darmstadt 1994.

2 Vgl. Findeisen, Jörg-Peter: Dänemark. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2. Aufl. Regensburg 2008, 46ff.

3 Vgl. Nolte, Hans-Heinrich: Nach dem zweiten Weltkrieg. Im langen Schatten der USA, in: Komlosy, Andrea; Nolte, Hans-Heinrich; Sooman, Imbi (Hgg.): Ostsee 700-2000. Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur (Edition Weltregionen; Bd. 16), Wien 2008, S. 258ff.

4 Bohn, Robert: Dänische Geschichte, München 2001, S. 114.

5 Vgl. Dose, Johannes: Die Skandinavischen Staaten, Hof an der Saale 1978, S. 23.

6 Vgl. Findeisen 2008, S.214.

7 Vgl. Bohn 2001, S. 116.

8 Vgl. Frandsen 1994, 186ff.

9 Vgl. Froese, Wolfgang: Geschichte der Ostsee, 2. Aufl. Hamburg 2008, S. 453 f.

10 Vgl. Putensen, Gregor: Außen- und Sicherheitspolitik der Staaten Nordeuropas von 1945-1990, Hamburg 1994, S. 47.

11 Vgl. Findeisen 2008, S. 232.

12 Vgl. Bohn 2001, S. 119.

13 Frandsen 1994, S. 199.

14 Vgl. Mahnert, Heike; Putensen, Dörte: Der Norden auf dem Weg nach Europa. Skandinavien und die europäische Integration (Greifswalder Historische Studien; Bd 5), Hamburg 2002, S. 13.

15 Vgl. Frandsen 1994, S. 200.

16 Vgl. Mahnert/Putensen 2002, S. 20.

17 Vgl. Dose 1978, S. 24 ff.

18 Vgl. Frandsen 1994, S.201.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668477513
ISBN (Buch)
9783668477520
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370017
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historische Institut
Note
1,7
Schlagworte
Kalter Krieg NATO Dänemark Beitritt Politik zweiter Weltkrieg Verpflichtungen Außenpolitik

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