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Gewalt, Sexualisierung, Macht. Die Darstellung von Männlichkeit in der US-Serie "Prison Break"

Hausarbeit 2017 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Die Darstellung von Männlichkeit in der US TV-Serie Prison Break

I. Einleitung

II. Die Darstellung von Männlichkeit in der US TV-Serie Prison Break
1. Theoretischer Einstieg: Konstitution von Macht und Männlichkeit
1.1. Machtdefinition nach Max Weber
1.2. Relationen der Männlichkeit nach Raewyn Connell
1.3. Hegemoniale Männlichkeit
1.4. Macht und Männlichkeit im Gefängnis
1.4.1. Gewalt als männliche Ressource im Strafvollzug
1.4.2. Sexualisierte Gewalt und Demaskulinisierung
2. Hegemoniale Männlichkeit in Prison Break - eine Analyse
2.1. Hegemonie, Marginalisierung und Komplizenschaft im Gefängnis
2.2. Unterordnung durch sexualisierte Gewalt und Feminisierung

III. Fazit

IV. Quellenverzeichnis
Primärquellen
Sekundärquellen

I. Einleitung

Die Institution Gefängnis ist für die meisten Menschen ein abstrakter Ort. Der geschlossene Strafvollzug wird zwar oft in den Medien thematisiert, aber trotzdem findet eine konkrete Auseinandersetzung selten statt. Als die US-Serie Prison Break 2005 erstmals ausgestrahlt worden ist, wurde für viele ein bestimmtes Bild von einem Gefängnis skizziert: Männer, Gewalt und Konflikte beherrschen den Alltag im Strafvollzug. Doch inwiefern sind die Verhältnisse in der Fernsehserie als realistisch zu verstehen? Agieren Männer im Gefängnis zwangsläufig so, wie es die TV Produktion dem Zuschauer vermittelt?

Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, wie die Männlichkeit in Prison Break illustriert wird. Als theoretische Grundlage soll dafür erläutert werden, wie Männlichkeit überhaupt konstituiert ist. Damit der Begriff der Männlichkeit detailliert dargestellt werden kann, wird das Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Raewyn Connell als theoretisches Fundament genutzt und so- mit auch im Analyseteil den primären Referenzpunkt bietet. Zu beachten ist, dass Connell in ih- rer Konzeption den Fokus auf die heterosoziale Dimension legt, was zunächst konträr zum ho- mosozialen Anwendungsfeld der Arbeit wirken kann. Die Eignung des Entwurfes ergibt sich da- durch, dass im Strafvollzug diverse Prozesse einer Feminisierung bzw. Demaskulinisierung vor- liegen, sodass letztlich trotzdem eine Art heterosoziale Dimension gegeben ist.

Da die Grundvoraussetzung für eine Hegemonie Macht ist, wird als erstes der Machtbegriff nach Max Weber definiert. Daran anknüpfend werden die Relationen der Männlichkeit sowie das Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell ausführlich erläutert. Anschließend wird genauer auf den Zusammenhang von Männlichkeit und Macht im Gefängnis eingegangen, zentral dabei sind die Ausprägungen der (sexualisierten) Gewalt. Danach werden die zuvor aus- geführten theoretischen Grundlagen in einen Kontext zur TV-Serie gesetzt, dabei wird der Frage nachgegangen, ob und inwiefern sich das Konzept der hegemonialen Männlichkeit dort finden lässt. Der Fokus wird dabei auf den skrupellosen Massenmörder Theodore 'T-Bag' Bagwell gelegt. Dafür werden einzelne Episoden der ersten Staffel anhand exemplarischer Szenen hin- sichtlich der Verhaltensweisen, der Sprache und auch der Kameraeinstellungen analysiert. Die erste Staffel wurde daher gewählt, da sich die Protagonisten hier ausschließlich im Gefängnis aufhalten und damit zwangsläufig im Rahmen der forcierten Vergesellschaftung zu agieren ha- ben.

II. Die Darstellung von Männlichkeit in der US TV-Serie Prison Break

1. Theoretischer Einstieg: Konstitution von Macht und Männlichkeit

1.1. Machtdefinition nach Max Weber

Macht lässt sich als ein Phänomen verstehen, welches in jedem gesellschaftlichen Bereich manifestiert ist, insbesondere dann, wenn verschiedene Interessen einander gegenüberstehen. So ist beispielsweise zur Aufrechterhaltung hierarchischer Verhältnisse die Demonstration sowie Anwendung von Macht dringend notwendig.

Eine traditionelle soziologische Definition des Begriffs stammt von Max Weber, der Macht wie folgt beschreibt: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“.1 Funda- mental für diese Definition ist der Fokus auf die Volition des bzw. der Machtausübenden, welche sich jeglichem Widerstand entgegensetzt, unabhängig davon, welche Konsequenzen dies haben kann. Dies wird auch dadurch betont, dass Macht innerhalb dieser Definition als soziologisch amorph gilt. Gemeint ist damit, dass potentiell jedes Individuum Macht erlangen kann, sofern eine entsprechende Volition vorhanden ist. Erwähnenswert ist in diesem Rahmen, dass Weber Macht als Bedingung für einen Staat erhebt. Plausibel ist damit der Umstand, dass Weber Gewalt als eine Ressource von Macht darstellt. Denkbar ist dabei sowohl physische als auch psychische Gewalt oder auch im engeren Sinne die staatliche Gewalt. Der Terminus der Macht wird in Rela- tion zu dem der Herrschaft dargestellt. Sie „soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“.2 Damit die Herrschaft ausgeübt werden kann, wird Disziplin benötigt, die von Weber im direkten Anschluss determiniert wird: „Diszi- plin soll heißen die Chance, kraft eingeübter Einstellung für einen Befehl prompten, automa- tischen und schematischen Gehorsam bei einer angebbaren Vielheit von Menschen zu finden“.3 An dieser Stelle wird die Diskrepanz zwischen Macht und Herrschaft deutlich: Während für die Herrschaft die Disziplin als unverzichtbar in Erscheinung tritt, kann Macht auch ohne eine Vor- aussetzung dieser Art ausgeübt werden. Daher kann Macht bis zu einem gewissen Grad potenti- ell von jedem Akteur ausgeübt werden, wohingegen die Herrschaft lediglich den Individuen vorenthalten bleibt, die bereits eine höhere Position innerhalb der jeweiligen Gesellschaft erreicht haben.

1.2. Relationen der Männlichkeit nach Raewyn Connell

Eine im soziologischen Sinne idealtypische Definition von Männlichkeit existiert nicht. Zwar ist das biologische Geschlecht, das sex, anatomisch leicht zu definieren, jedoch besteht in der Ge- schlechterforschung ein Konsens darüber, dass das soziale Geschlecht, das gender, zwar auf bio- logischen Umständen basiere, dabei aber wesentlich komplexer gestaltet sei. Dies hängt damit zusammen, dass jedes Individuum sich selbst konstruiert und sich somit beispielsweise als fe- minin oder maskulin determiniert oder auch in vielen Fällen von der Gesellschaft determinieren lässt. Das Geschlecht ist daher als „interaktiv hergestellte soziale Praxis“4 zu verstehen. Daraus ergeben sich auch Resultate wie feminine Männer, maskuline Frauen oder auch Identifizierungen fernab des dichotomen Geschlechtersystems.5

So geht aus diesem Sachverhalt hervor, dass es nicht die universelle Definition von Männlichkeit geben kann, sondern dass viel eher verschiedene Typen von Männlichkeit existieren, die gehäuft auftreten. Raewyn Connell lehnt die Vorgehensweise ab, Männlichkeit als ein Objekt zu definie- ren, sie fokussiert sich auf die Relationen und Prozesse der Geschlechter untereinander.6 Daher hat sie dazu eine Art Kategorisierung erstellt, die jedoch nicht als statisch und absolut zu verste- hen ist, sondern stets eine Dynamik beinhaltet, sodass sie „nicht zu einer bloßen Charaktertypo- logie erstarrt“.7 Ebenso fundamental wie die Differenzierung verschiedener Ausprägungen von Männlichkeit ist die Relation der einzelnen Formen untereinander. Durch die Einnahme dieser Perspektive wird laut Connell deutlich, dass es sich nicht lediglich um Lebensstile handle, die sich ein jeder aneignen könne, sondern dass die soziale Realität ein entscheidender Einflussfak- tor dafür ist, welche Männlichkeit ausgelebt wird.8 Männlichkeit ist laut Connell primär eine Po- sition im Geschlechterverhältnis: Frauen und Männer üben innerhalb dieser Position bestimmte Praktiken aus, die „Auswirkungen [...] auf die körperliche Erfahrung, auf Persönlichkeit und Kultur“9 haben. Zur Erläuterung der Bandbreite stellt Connell die Kategorien Hegemonie, Unterordnung und Komplizenschaft vor, welche die „interne Relation der Geschlechterordnung“10 thematisieren und führt zusätzlich die Marginalisierung an, die weitere Beziehungsmuster erläutert. Diese beiden Formen von Relationen konstruieren den Rahmen einer Analyse zur Feststellung von verschiedenen Arten der Männlichkeit.

Die Hegemonie ist ein Konzept, das ursprünglich von Antonio Gramsci stammt. Es bezeichnet jene gesellschaftliche Dynamik, durch welche eine Führungsposition in der Gesellschaft besetzt und gehalten wird. Hegemonie ist dabei nicht als ein statisches Muster zu verstehen, das von De- kade zu Dekade rekonstruiert wird, sie lässt sich als eine Ausprägung festhalten, die zu einem Zeitpunkt in einer bestimmten Gesellschaft zur Herrschaft gelangt. Die Legitimität der Herr- schaft ist stets durch die jeweilige Gruppierung gegeben, gerade deshalb funktioniert die entspre- chende Hegemonie immer nur dann, „wenn es zwischen dem kulturellen Ideal und der institutio- nellen Macht eine Entsprechung gibt“.11

Die Unterordnung ist explizit an die Hegemonie geknüpft. Da durch die Hegemonie das definiert wird, was kulturell als dominant gilt, erfolgt eine automatische Unterordnung derer, die diese Dominanz nicht erfüllen können. Ein großer Einflussfaktor der Unterordnung, die in den meisten westlichen Gesellschaften stets reproduziert wird, ist eine der Dominanz abweichende Sexualität, also oftmals die Homosexualität oder auch Praktiken und Verhaltensweisen, welche dieser von der Hegemonie zugeschrieben werden. Durch sie kann sowohl ein politischer, aber zugleich auch ein kultureller Ausschluss erfolgen, ebenso wie die Anwendung von Gewalt oder andere Formen des Missbrauchs. All das, was als nicht heterosexuell männlich gilt, wird der Weiblichkeit zuge- schrieben, sodass eine direkte Degradierung und damit verbundene Unterordnung erfolgt.12

Näher an der Hegemonie befindet sich die Komplizenschaft. In ihr befinden sich jene, die zwar einige Parameter der dominanten Charakteristik besitzen, diese auch ideologisch vertreten, je- doch nicht die Ressourcen dazu haben, das hegemoniale Muster gänzlich zu realisieren. Diese komplizenhafte Variable ist essentiell für die Hegemonie, da sie einen großen Teil zur Legitimität beiträgt. Die Komplizenschaft erhält somit einen Teil der „patriarchalen Dividende“13.

[...]


1 Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. 5. Auflage. Tübingen: J.C.B. Mohr 1972. S. 28.

2 Ebd., S. 28.

3 Ebd., S. 28.

4 Lenz, Hans-Joachim: Die kulturelle Verleugnung der männlichen Verletzbarkeit als Herausforderung für die Männerbildung. In: Erziehung, Bildung und Geschlecht. Männlichkeiten im Fokus der Gender-Studies. Hrsg. Von Meike Sophia Baader, Johannes Bilstein u. Toni Tholen .Wiesbaden: Springer VS 2012. S. 318.

5 Connell, Raewyn: Gender. In: Geschlecht und Gesellschaft. Hrsg. von Ilse Lenz u. Michael Meuser. Wiesbaden: Springer VS: 2013. S. 23.

6 Vgl. Connell, Raewyn: Der gemachte Mann. 4. Auflage. Wiesbaden: Springer VS: 2015. S. 124.

7 Ebd., S. 130.

8 Vgl. Ebd., S. 130.

9 Ebd., S. 124.

10 Ebd., S. 134.

11 Ebd., S. 131.

12 Vgl. Ebd., S. 132.

13 Ebd., S. 133.

Details

Seiten
19
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668479074
ISBN (Buch)
9783668479081
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370295
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Schlagworte
Prison Break US-Serie Männlichkeit Gewalt Sexualisierung Macht Hegemonie Hegemoniale Männlichkeit Raewyn Connell Gefängnis

Autor

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Titel: Gewalt, Sexualisierung, Macht. Die Darstellung von Männlichkeit in der US-Serie "Prison Break"