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Worin unterscheidet sich Governance in internationalen Schulsystemen? Ein Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 10 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhalt

1. Was ist Governance?
1.1. Governance im internationalen Vergleich

2. Vergleichbarkeit
2.1. Parameter / Mechanismen

3. Trends / Tendenzen

4. Fazit

5. Quellen

1. Was ist Governance?

Governance ist ein sehr mannigfaltiger Begriff. Er beschreibt die Möglichkeiten des Staates oder einer nichtstaatlichen Institution, gezielt innerhalb des Nationalstaates in bildungspoli- tischen Fragen zu intervenieren oder auch zu koordinieren. Dies kann auf den verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen geschehen. Ebenso können daran eine Vielzahl von Akteuren be- schäftigt sein, die aus den verschieden Ebenen kommen. Dies wären zum Beispiel Akteure der lokalen oder nationalen Ebene. Denkbar wären auch Akteure auf regionaler Ebene oder aus der internationalen Politik.1 Dies zeigt, wie vielfältig Governance sein kann. Nicht nur ein Staat kann intervenieren, sondern auch Akteure. Jene können Nichtregierungsorganisa- tionen sein, wie zum Beispiel Stiftungen oder auch Verbände und würden der nationalen oder internationalen Ebene zugeordnet werden. Große internationale Vertreter sind zum Bei- spiel die Europäische Union oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der regionalen Ebene könnten beispielsweise größere Arbeitgeber in einer Re- gion zugeordnet werden oder auch Vereine, die nur lokal existieren. Ein großes Problem hier ist jedoch, dass keine einheitliche Definition von Governance existiert, was zu Verwirrungen führt. Es ist nicht immer klar ersichtlich, was alles zu “Governance“ zählt. In vielen Diszip- linen existieren eigene Definitionen. Die Erziehungswissenschaften und die Nachbardiszip- linen der Sozialwissenschaften (Wirtschaftswissenschaften, Soziologie oder auch die Po- litikwissenschaften) haben eigene Definitionen oder Auslegungen dieser.2 Auch bedarf es Regeln über die Beteiligung und die Stärke der jeweiligen Akteure. Dies ist sehr wichtig, damit die Akteure kontrollierbar bleiben und nicht zu viel Einfluss gewinnen. Folgen von zu großem Einfluss wären beispielsweise negative Entscheidungen oder auch das Verdrängen andere oder das Zulassen von neuen Akteuren. Dem muss Einhalt geboten werden. Daher sollten hier Spielregeln aufgestellt werden, welche durch den Staat kontrolliert werden müs- sen.3 Dies wird jedoch bei privaten internationalen Akteuren schwierig, da sie außerhalb der staatlichen Hierarchie stehen und somit nicht direkt greifbar sind. Das führt eventuell zu Problemen, da sich dies auch negativ auswirken kann.4

1.1. Governance im internationalen Vergleich

Governance im internationalen Vergleich bedeutet, dass große transnationale Akteure mit- einander und den Regierungen im Bezug auf wichtige Themen zusammenarbeiten. Ein zent- raler Aspekt ist hier die Bildungspolitik. Sie kann für Vergleiche zwischen den einzelnen Ländern herangezogen werden.5 Dies zeigt sich an den bestehenden Bildungssystemen. Hier ist zu sehen, wie und in welcher Weise Governance Einfluss hat und hatte. Bildungspolitik obliegt jedem Staat in der Regel selbst. Daher kann man in den jeweiligen Ländern meist sehr gut die Einflüsse von internationalen Akteuren beobachten. Dies ist zum Beispiel möglich in der Arbeitsmarkt- oder auch in der Schulpolitik. Auf dem Arbeitsmarkt werden die Beschäftigungsverhältnisse zu einer zentralen Thematik. In der Schulpolitik sind die Kernfragen nach den Inhalten der Curricula und der Freiheit der Schulen eines Landes thematische Aspekte. Zu erkennen ist hier, dass die Akteure das Bildungssystem gemeinsam mit dem Staat formen und in die jeweilig benötigte Richtung verändern. Innerhalb der Eu- ropäischen Union zeichnet sich ein Zusammenwachsen der jeweiligen Bildungssysteme ab. Dies geschieht aufgrund von Harmonisierungen und kongruenten Feldern in der Bildungs- politik der einzelnen Staaten der Europäischen Union.6

Ebenfalls ist der Trend der Dezentralisierung zu beobachten: Im Bereich der schulischen Governancebewegung bilden sich mehr und mehr Akteure heraus. Dies hat zur Folge, dass die offiziellen Amtsträger, welche auch die Entscheidungen fällen, mit einer Vielzahl an Akteuren kommunizieren müssen, was den Prozess der Entscheidungsfindung sehr komplex und zeitaufwändig werden lässt. Zum Beispiel sind an einer bildungspolitischen Entschei- dung in der Bundesrepublik Deutschland unter anderem die Kultusministerkonferenz, der Finanzminister, Interessensverbände, die machtausübende Partei und natürlich auch die an- deren Fraktionen beteiligt. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt an den teilhabenden Akteuren eines Entscheidungsprozesses. Dies bedingt auch, dass ein solcher Prozess nicht einfach in einem Diagramm oder auch Ablaufschema darstellbar ist, zumal die Zahl der Akteure und die Akteure selbst sich von Entscheidung zu Entscheidung ändern.7 Bedingt hierdurch ist die Vergleichbarkeit auf nationaler beziehungsweise internationaler Ebene schwierig.

[...]


1 Vgl.: Ioannidou 2010, S. 39.

2 Vgl.: Brüsemeister, Kussau 2007, S.50.

3 Vgl.: Börzel 2006, S.8.

4 Vgl.: Ebd. 2006, S.4f.

5 Vgl.: Altrichter; Maag Merki 2016, S. 32.

6 Vgl.: Ioannidou 2010, S. 35 ff.

7 Vgl.: Altrichter; Maag Merki 2016, S.67.

Details

Seiten
10
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668477278
ISBN (Buch)
9783668477285
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370316
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Berufspädagogik
Note
15
Schlagworte
Educational Governance

Autor

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