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Haben Unterrichtsstörungen einen Einfluss auf das Stressempfinden von Lehrkörpern?

Ein Forschungsmanual zur Lehrergesundheit

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Thema „Lehrergesundheit“ und seine Relevanz

2. Wahl der Methode

3. Stichprobe und Durchführung der Erhebungen

4. Vorstellung des Instruments

5. Methodenkritik mit überarbeiteten Items

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Das Thema „Lehrergesundheit“ und seine Relevanz

Der im Rahmen des erziehungswissenschaftlichen Seminars „Qualitative und quantitative Forschungsmethoden“ der pädagogischen Hochschule Heidelberg entwickelte Fragebogen zum Thema „Lehrergesundheit“ wird im Folgenden anhand seiner Bestandteile analysiert und untersucht. Schwerpunkt dieser Untersuchung ist nicht das Ergebnis dieser Forschung aufzugreifen, sondern die Methode dieses Fragebogens und seiner Durchführung zu hinterfragen. Letztlich soll dabei die Eignung und Verwendbarkeit dieses Instruments kritisiert und bewertet werden.

Seit mehr als hundert Jahren beschäftigen sich Forscher in der empirischen Forschung[1] mit der beruflichen Belastung von Lehrkräften.[2] Da die Tätigkeiten einer Lehrkraft nicht bloß im Unterrichten von Klassen und der Korrektur schriftlicher Klausuren und Überprüfungen bestehen, sondern auch außerhalb der schulischen Räumlichkeiten eine Vor- und Nachbereitung von Unterrichtseinheiten und anstehenden Konferenztätigkeiten stattfinden, ist davon auszugehen, dass diese Berufsgruppe einem großen Stressfaktor unterliegt. Dabei sind sie sowohl sozial-kommunikativen Anforderungen durch die Funktion als Mentor und Berater, als auch physikalischen Stressoren wie der Lautstärke innerhalb der Schule, ausgesetzt.[3] So führen einige dieser Faktoren zu einem vorzeitigen Ruhestand, in den 50-60 % der Lehrkräfte krankheitsbedingt eintreten.[4] Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte scheidet durch psychische Beeinträchtigungen noch vor Erreichen des Rentenalters aus der Berufswelt und ist damit dienstunfähig, wie rückblickende Studien beweisen.[5] Dabei gilt Burnout als einer der häufigsten Erkrankungen, welches wachsende Zahlen von körperlichen und seelischen erkrankten Lehrkräften beweisen.[6] Der Schwerpunkt des angefertigten Forschungsinstruments liegt dabei auf dem Fokus von Störungen durch Lärm und Akustik innerhalb eines Unterrichts und stellt folgende Hypothese auf: Haben Unterrichtsstörungen einen Einfluss auf das Stressempfinden von Lehrkörpern?

Die Definition von Unterrichtsstörungen lässt sich nicht genau determinieren, da diese vielen verschiedenen Faktoren ausgesetzt ist. Mögliche Faktoren für Störungen im Unterricht lassen sich in zwei Kategorien gruppieren: Störungen, die vonseiten der Lehrkraft durch Defizite in der eigenen Regulierung in Form von Unsicherheit, fehlendem Selbstbewusstsein und Inkonsequenz im Disziplinmanagement den Schülerinnen und Schülern gegenüber zeugen, so wie veraltete und stark lehrerzentrierte Unterrichtsmethoden. Zum anderen gehen Störungen von schwierigen und unaufmerksamen SuS[7] hervor, die sich entweder über- oder unterfordert fühlen und durch Lärm auf sich aufmerksam machen. Ihnen fehlen die nötige Lernmotivation und Disziplin.[8]

2. Wahl der Methode

Das Instrument Fragebogen, dass zu den wichtigsten und meistgenutzten Methoden der Sozialforschung zählt[9], bietet sich an, um eine große und homogene[10] Stichprobe erheben zu können[11] und sich ebenfalls zur Messung von subjektiv wahrgenommener Belastung und Beanspruchung von Lehrkräften eignet. Diese Methode erschien für die zu untersuchende Hypothese als äußerst sinnvoll, da keine Terminabsprachen nötig sind und die Befragten selbst entscheiden können zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort sie diesen Fragebogen ausfüllen möchten. Dies führt eine hohe Reliabilität mit sich, da die Beantwortung der Fragen in der Regel durchdachter und ohne jeglichen Zeitdruck erfolgt. In einer entspannten Atmosphäre und unter Vorbehalt der Anonymität, fallen Antworten verlässlicher und demzufolge auch glaubwürdiger aus. Durch bereits vorgegebene Antwortmöglichkeiten, lässt sich die Auswertung letztendlich einfacher und einheitlicher gestalten. Es ist nicht garantiert, das jeder der Befragten den angefertigten Fragebogen ausfüllt, da es sich dabei um eine freiwillige Teilnahme handelt oder gar ein Fragebogen nicht zurückgegeben wird. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass Fragen missverständlich beantwortet werden oder durch ahnungsloses Ankreuzen verfälscht werden. Hierbei kann es zu einem „Verfälschungs- oder Rateeffekt“ kommen, der durch zu schnelles oder unreflektiertes Antworten, zu Verzerrungen führen kann.[12] Ebenfalls sind die motivationale Befindlichkeit und die gesundheitliche Verfassung des Befragten nicht außer Acht zu lassen.[13]

3. Stichprobe und Durchführung der Erhebungen

Die angezielte Stichprobe wurde für den Pretest an einer Gesamtschule im Bundesland Hessen anhand von rund 15 Lehrkräften durchgeführt. Den befragten Lehrkräften wurde der Fragebogen innerhalb des Lehrerzimmers ausgehändigt, mit der Bitte, diesen zeitnah auszufüllen. Auf weitere Instruktionen wurde verzichtet. Dabei hatten die Befragten die Möglichkeit die besagten Items noch innerhalb ihrer Arbeitszeit oder Zuhause auszufüllen. Nach einer Woche wurden diese nach und nach eingesammelt und anschließend ausgewertet.

Der Fragebogen ist für Lehrkräfte aller Schulformen geeignet und kann bei einer weiteren Durchführung von rund 300 Befragten zu einem aussagekräftigen Ergebnis führen. Diese ungefähre Mindestanzahl von Befragten lässt sich aus verschiedenen kleineren empirischen Lehrerstudien entnehmen.[14]

4. Vorstellung des Instruments

Der hier vorliegende Fragebogen besteht aus insgesamt 50 Items und gliedert sich in drei Kategorien: Allgemeine Angaben (A), Fragen zu Störungen im Unterricht (B) und Fragen zu Gesundheit und Stressempfinden (C). Aufgebaut sind die Items in Tabellenform, sodass sich links die Fragen und rechts die verschiedenen Antwortmöglichkeiten befinden. Dabei wurde bewusst ein gebundenes Antwortformat mit teilweiser verbaler Skalenbezeichnung gewählt, welches den Befragten eine Auswahl an Möglichkeiten bietet. Eingeleitet werden die Itemkategorien durch eine Einleitung, bestehend aus fünf Sätzen, die den Befragten Hinweise zur genauen Vorgehensweise und nähere Instruktionen erläutert. Der erste Satz schildert, dass es sich bei dieser Befragung nur um wenige Minuten handelt. Dies erleichtert den Befragten die zeitliche Einschätzung und sie fühlen sich nicht direkt überfordert, sondern sehen den Fragen locker und motivierend entgegen. Ebenfalls sollte die Herangehensweise durch ein genaueres Lesen der Fragen und das ehrliche Beantworten bzw. Ankreuzen unterstützt werden. Im dritten Einleitungssatz wird der Grund der Befragung geschildert, der die Ausbildung des Umgangs und der Durchführung von wissenschaftlichen Studien mit sich trägt. So kann den Befragten das Misstrauen genommen werden, dass ihre Daten einem wissenschaftlichen Charakter dienen und selbstverständlich anonym behandelt werden. Letztlich erläutert ein Beispiel den Befragten das Ankreuzen der zutreffenden Antwort.

Zu Beginn des Fragebogens erfolgen zunächst allgemeine Angaben bestehend aus acht Items, die den entsprechenden Angaben und Einschätzungen zu zuordnen sind. Diese Items wurden bewusst zu Beginn gewählt, da sie den Befragten grob kategorisieren und den Befragten ebenso einen gelockerten Einstieg ermöglichen. Hier kann von „Eisbrecherfragen“ gesprochen werden, da sie dem Befragten die Ängste vor einer Prüfungssituation nimmt und seine Bereitschaft für die nachfolgenden Items sichert.

Der Mittelteil mit zweiundzwanzig Items zu „Störungen im Unterricht“, bildet den Schwerpunkt der konzipierten Forschungsmethode. Jedes der Items kann nun einem von vier Antwortmöglichkeiten, einer sogenannten Ratingskala mit mehreren Auswahlkategorien zugeordnet werden. Um die Tendenz zur Mitte weitestgehend zu reduzieren, wurde eine gerade Anzahl von Antworten gewählt: Trifft nicht zu, Trifft eher nicht zu, Trifft eher zu und Trifft zu. Dabei sind die Antwortmöglichkeiten in einer unipolaren Rangfolge aufgelistet, sodass dem Phänomen zur Linkstendenz vorgebeugt wird. Ziel dieser Fragen ist es, herauszufinden, in wieweit sich Lehrkräfte durch Störungen im Unterricht gestört fühlen und demzufolge diese mit präventiven Strategien begegnen oder entgegen gehen.

Im dritten und letzten Teil des Fragebogenmanuals erfolgen zwanzig Items zu Gesundheit und Stressempfinden einer Lehrkraft. Diese Items sind so ausgerichtet, sodass festzustellen ist, wenn die/der Befragte unter Stress leidet, diesem präventiv entgegenwirkt und/oder einem Erschöpfungssyndrom unterliegt. Diese Fragenreihe korreliert lediglich mit den Fragen zu Unterrichtsstörungen und dient der reinen Überprüfung ohne kausalen Zusammenhang.

Am Ende des gesamten Fragebogens wird den Befragten die Möglichkeit geboten, ein persönliches Feedback zum Aufbau des Manuals zu geben. Bei einer zuvor gewünschten Danksagung zur Teilnahme am Fragebogen, werden die Befragten gebeten zur Vollständigkeit weitere drei Fragen zu beantworten. Diese sind mit „Ja“ zu bestätigen oder mit „Nein“ zu widerlegen. Zum Schluss kann in eigenen Worten geschildert werden, welche Verbesserungsvorschläge bezüglich des Manuals gemacht werden könn(t)en oder welche Fragen schwer zu verstehen sind/waren oder nicht eindeutig beantwortet werden konnten.

5. Methodenkritik mit überarbeiteten Items

Im Folgenden wird der Fragebogen mit samt seiner Items und in seinem Aufbau kritisch begutachtet. Vorschläge und Neuerungen sind dementsprechend in Form von Abbildungen hinzugefügt worden.

Das zu Beginn des Fragebogens präsentierte Beispiel sorgte bei einigen Befragten für Unklarheit. Deshalb erfolgten Missverständnisse beim Ankreuzen der Antwortmöglichkeiten. Diese versehentlich angekreuzten Antwortmöglichkeiten werden im anfänglichen Beispiel des Fragebogens 2.0 durch das Ausmalen des gesamten Feldes verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Beispiel

Da sich der Fragebogen in seinem Gesamtaufbau auf vier Papierseiten erstreckt, sind dementsprechend die Antwortmöglichkeiten von Teil B und C auf jeden Seitenbeginn neu hervorzuheben, um ein ständiges Zurückblättern zu vermeiden. Item 4 gibt nicht genügend Aufschluss darüber, ob der gefragte Zeitraum ebenfalls das Referendariat mit einschließt oder dieser nicht hinzu gezählt werden darf. Deshalb erfolgt eine andere Fragestellung, die diese Einschätzung erleichtert.

[...]


[1] vgl. Studien von Müller-Limmroth (1980) & Burisch (1989)

[2] vgl. Berndt, S. 3

[3] vgl. Döring-Seipel; Dauber (2010), S. 2

[4] vgl. Poschkamp (2008) , S. 1

[5] vgl. Poschkamp, S. 132

[6] vgl. Poschkamp, S. 1

[7] zur einfacheren Lesbarkeit erfolgt hier die gendergerechte Schreibweise von Schülerinnen und Schülern

[8] vgl. Kowalczyk; Deister (2014), S. 10

[9] vgl. Mummendey; Grau (2008), S. 13

[10] vgl. Raab-Steiner; Benesch (2011), S.67

[11] vgl. Kusmina (1984), S. 147

[12] vgl. Raab-Steiner; Benesch (2011), S. 67

[13] vgl. ebd.

[14] vgl. Der Lehrerfreund (2015): Umfrage zu „Jede/r zweite Lehrerin hat schon einmal Schüler/innen angeschrien.“ & Der Lehrerfreund (2012): Umfrage zu „Was tun Lehrer tatsächlich, während die Schüler arbeiten?“

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668483071
ISBN (Buch)
9783668483088
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370752
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Schlagworte
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Titel: Haben Unterrichtsstörungen einen Einfluss auf das Stressempfinden von Lehrkörpern?