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Das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten. Neuropsychologische Befunde, Funktionen der Hemisphären des Gehirns

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Vorbemerkung

3 Bewusstsein
3.1 Bewusstsein - Ein Heterogener Begriff
3.2 Selektive Aufmerksamkeit im Fokus der Bewusstseinsforschung
3.3 Neuropsychologische Befunde

4 Split-Brain Patienten
4.1 Funktionen der Hemisphären des Gehirns
4.2 Symptome von Split-Brain Patienten

5 Das Bewusstsein von Split-Brain Patienten
5.1 Kriterien für das Vorhandensein des Bewusstseins bei Split-Brain Patienten
5.2 Arten des Bewusstseins bei Split-Brain Patienten
5.3 Split-Brain Patienten im Vergleich zu visuellen Bewusstseinsstörungen
5.4 Hat jede Hemisphäre ihr eigenes Selbst?

6 Resumé

7 Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung

Bei Split-Brain Patienten ist der Corpus Callosum, welcher die linke und rechte Gehirnhälfte verbindet, durchtrennt. Die beiden Hemisphären können sich folglich nicht mehr austauschen und sind voneinander isoliert. Da jede Hemisphäre unterschiedliche Funktionen besitzt, sind die Handlungsmöglichkeiten bei Split-Brain Patienten in einigen Situationen eingeschränkt. Das Sprachzentrum existiert zum Beispiel nur in der linken Hemisphäre, weshalb sich die rechte Hemisphäre nicht verbal äußern kann. Die Patienten haben daher zwei Bewusstseinsebenen, welche sich getrennt voneinander weiterentwickeln können. Aus diesem Grund hat jede Hemisphäre eigene Ideen, Erinnerungen und Lernerfahrungen. Da man jedoch meistens mit beiden Augen das gleiche sieht, haben Split- Brain Patienten kaum Nebenerscheinungen im Alltag.

2. Vorbemerkung

Split-Brain-Patienten werden schon seit über 70 Jahren erforscht und auch die Frage nach dem Bewusstsein dieser Patienten ist von großer Bedeutung für die psychologische Forschung. Das Gehirn der Patienten ist in der Mitte, am Corpus Callosum durchtrennt, weshalb sie zwei Hemisphären besitzen. Aber besitzen sie somit auch ein zweigeteiltes Bewusstsein?

Es ist meiner Meinung nach schwer vorstellbar aber auch interessant, dass ein Mensch zwei Bewusstseinsebenen besitzen und damit auch umgehen kann. Daher möchte ich herausfinden, wie genau das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten funktioniert. Hierzu sind verschiedene Schritte notwendig. Als erstes erläutere ich das psychische Phänomen „Bewusstsein“ und gehe dabei auf die Heterogenität des Begriffs und auf Erklärungsansätze ein. Zudem stelle ich kurz einige psychologische Befunde der Bewusstseinsforschung dar. Dazu verwende ich das Lehrbuch „Allgemeine Psychologie“ von Jochen Müsseler. Im nächsten Schritt beschreibe ich ausführlich die Symptome von Split-Brain- Patienten unter besonderer Berücksichtigung des Bewusstseins. Hier entnehme ich die Informationen aus dem Forschungsartikel „Die beiden Gehirne des Menschen von Roger W. Sperry und Bruno Preilowski und den Zeitungsartikeln „The Split Brain Revisited“ und „Forty-five years of split-brain research and still going strong“ von Michael S. Gazzaniga. Mit diesen Informationen möchte ich schließlich erklären, wie das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten funktioniert und wie sie damit im Alltag umgehen können.

3. Bewusstsein

Mit dem Wort „Bewusstsein“ werden mehrere unterschiedliche Phänomene bezeichnet. In der Alltagssprache ist das Bewusstsein zum Beispiel eng mit dem individuellen Erleben und der eigenen Identität verknüpft. Auch viele wissenschaftliche Fachgebiete, wie die Philosophie, die Psychologie oder die kognitiven Neurowissenschaften, beschäftigen sich mit diesem Phänomen und behandeln dabei unterschiedliche Bereiche. In der Allgemeinen Psychologie wird das Bewusstsein hauptsächlich mit Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Entscheiden und Affekt in Verbindung gebracht. Zudem werden psychologische Ansätze meistens im Rahmen des Informationsverarbeitungsansatzes konzeptualisiert (Müsseler, 2008).

3.1 Bewusstsein - Ein Heterogener Begriff

Bei der Suche von Kriterien für das Vorhandensein von Bewusstsein wird die Heterogenität des Bewusstseinsbegriffs auch innerhalb der Allgemeinen Psychologie deutlich. Hier werden verschiedene objektive und subjektive Kriterien genannt. Objektive Kriterien, welche durch Verhaltensleistungen gemessen werden, sind zum Beispiel: Identifizierung von Anpassung an neuartige Situationen, zielgerichtetes Verhalten, Gebrauch von Sprache oder das Wissen über die eigenen kognitiven Prozesse. Die Herausbildung eines stabilen Ichs, das sich über verschiedene Situationen Hinweg als identisch wahrnimmt und unterschiedliche Wachheits- bzw. Aufmerksamkeitszustände gehören dagegen zu den subjektiven Kriterien für das Vorhandensein von Bewusstsein, welche nur durch Introspektion zugänglich sind. Doch diese Kriterien sind unmöglich in ein einheitliches Konzept zu integrieren, da sie willkürlich ausgewählt und nicht aus einer Definition oder Theorie abgeleitet wurden.

Allerdings lassen sich die unterschiedlichen Aspekte des Bewusstseinsbegriffs systematisch Beschreiben. Stellt man einen Bezug vom Bewusstsein zum „Globalen Systemzustand“ her, werden darunter Wachheits- bzw. Erregungszustände verstanden. Dabei lassen sich in den Arealen Formatio Reticularis und Thalamus verschiedene Bewusstseinszustände in Abhängigkeit der Wachheit feststellen. Dieser Bereich der Bewusstseinsforschung ist relativ gut erforscht und stellt keine größeren Probleme für die Wissenschaftler dar (Müsseler, 2008). Für die Allgemeine Psychologie interessanter ist jedoch die Verwendung des Bewusstseinsbegriffs als Eigenschaft mentaler Repräsentationen, wobei ein Wachheitszustand des kognitiven Systems vorausgesetzt wird. Die vier Arten des Bewusstseins nach Block sind in der Psychologie von großer Bedeutung und werden als phänomenales Bewusstsein, Zugriffsbewusstsein, Monotoring- und Selbstbewusstsein bezeichnet.

Das Phänomenale Bewusstsein ist definiert als das individuelle Erleben von Sinneswahrnehmungen oder Gedanken. Wie wir bestimmte Dinge, wie zum Beispiel Schmerzen wahrnehmen, ist an eine Erste-Person- Perspektive gebunden und nicht aus einer Außenperspektive fassbar. Aus diesem Grund ist es schwer eine wissenschaftliche Erklärung dafür zu finden. Beim Zugriffsbewusstsein sind die Repräsentationen Gegenstand koordinierter und kontrollierter Verarbeitungsprozesse. Zudem bilden sie die Grundlage von Entscheidungen, Urteilen und Handlungen, weshalb sich dieses Bewusstsein aus einer Dritte-Person-Perspektive beschreiben lässt. Daher ist es verbal zugänglich und stellt keine größeren Probleme für die psychologische Forschung dar. Das Wissen über die eigenen Wahrnehmungen oder Gedanken bezeichnet man als Monotoring Bewusstsein, welches den reflexiven Charakter des Bewusstseins betrifft. Das Selbstbewusstsein ist zu Vergleichen mit dem „Selbstkonzept“, also dem Wissen von der eigenen Person und die Einstellung darüber.

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Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668483958
ISBN (Buch)
9783668483965
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370773
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
Corpus Callosum zweigeteiltes Bewusstsein Split-Brain-Patienten Hemisphären Gehirn psychologische Befunde Bewusstseinsforschung psychologische Forschung

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Titel: Das Bewusstsein von Split-Brain-Patienten. Neuropsychologische Befunde, Funktionen der Hemisphären des Gehirns