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Comics als Tabubrecher in der politisch-historischen Bildung

Hausarbeit 2016 14 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Grundlagen

III. Comics in der politisch-historischen Bildung
a) Einsatzmöglichkeiten
1. Erwachsenenbildung
2. Jungendbildung

IV. Tabubrecher oder Verharmloser?
a) Die Wichtigkeit des Tabubruches
b) Verharmloser/ Veralberer der strengen Historie?

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

VII. Grafikverzeichnis

I. Einführung

Comics – wenn man an Comics denkt fallen einem sofort verschiedene Helden und Comicserien ein, meistens die actionreichen oder die Lieblinge aus der Kindheit, doch wohl am seltensten fallen einem bei dem Gedanken an Comics historische Comics ein.

Die historischen Comics bilden noch immer eine Randgruppe in der Welt der Comics, obwohl ihr Potential und Gehalt oftmals um ein vielfaches höher ist, als das der Actioncomics. Langsam finden sie dennoch Einzug in die Gesellschaft durch das Einsetzen im Geschichtsunterricht an den Schulen.

Diese Arbeit befasst sich mit der Thematik das Comics mehr sein können als Hefte mit bunten Bildern und ordentlich ‚Kraaaaawum‘. Im Verlauf wird aufgezeigt wo Comics im Rahmen der politisch-historischen Bildung für Erwachsene und Jugendliche eingesetzt werden können, und warum das Medium Comics gerade für sensible, tabuisierte Themenkomplexe ein geeignetes Medium sein kann.

An Hand von zwei Beispiel-Comics wird anschließend eine Betrachtung für einen Comic als Tabubrecher vorgenommen aber auch die Frage untersucht, wie lustig darf ein ernster Themenkomplex dargestellt werden.

Mit dem Medium des Comic steht auch ein neues Medium der Aufarbeitung zur Verfügung, vor allem aber ein Medium das verspricht mehr Interesse wecken zu können als eine ausgestellte Tagebuchseite.

Comics kennt jeder, viele liebten und lieben sie, aus dieser Verbindung lässt sich viel Potential herausholen, es bedarf lediglich der größeren Auseinandersetzung mit dem Medium Comic und was sie können.

II. Grundlagen

Der Comic als vermittelndes, lehrendes und interessantes Medium. Dies ist eine Möglichkeit Comics auf dem Gebiet der Lehre zu betrachten. „[…] Der Comic befähigt dazu, durch seine Bild-Text-Struktur einzelne Aspekte im Unterricht genauer zu betrachten, bei gehaltvollen Stellen zu verweilen und diese aufzugreifen, zu diskutieren und mit dem bloßen Faktenwissen zu verknüpfen.“ (Pajenkamp, 2013).

„Trotz digitaler Konkurrenzprodukte und rückläufiger Auflagenhöhen haben sich die sogenannten Graphic Novels mittlerweile fest in Europa etabliert. Im Bereich der Geschichtscomics finden sich in der Masse an Neuerscheinungen nach wie vor hauptsächlich Werke, die Zeitgeschichte thematisieren.“ (Gundermann, 2014). „Dieser Boom (auto-) biografischer Werke hat mehrere Gründe. Zum einen sind gerade bei Aufarbeitungen der Lebensgeschichten bekannter Persönlichkeiten die ökonomischen Aspekte nicht zu unterschätzen. Der Ansatz, bereits bekannte Biografien in grafischer Form zu bearbeiten, birgt aber auch Potenziale, die über den klassischen Text hinausgehen. Gerade der gewählte Zeichenstil kann in Kombination mit spezifischen beschriebenen Lebensabschnitten neue Interpretationen einer Persönlichkeit eröffnen. Ein ebenso wichtiger Aspekt scheint die Erzählung neuer Heldengeschichten zu sein. Oftmals werden – gerade in Biografien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges – neue Widerstands- oder Überlebensgeschichten erzählt, die Personen oder Personengruppen eine Stimme verleihen sollen, die bis dahin nicht oder nur selten gewürdigt wurden […]“ (Gundermann, 2014).

So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Protagonisten in Comics mit autobiografischen Ansätzen keine bereits bekannten geschichtsträchtigen Personen sind. „ Meist handelt es sich hier um Künstlerinnen und Künstler […], die die Geschichte ihrer Eltern oder Großeltern aufarbeiten. Damit bieten sie einen hervorragenden Einblick und Einstieg in Erinnerungsdiskurse.“ (Gundermann, 2014).

„ Schließlich ist deutlich zu erkennen, dass der Comic in fluiden oder hybriden Formen neu entwickelt wird. Zum einen zeigt sich das in den im Comic verwendeten grafischen Stilen. […] Solche Veränderungen beziehen sich aber ebenso auf neue Übergänge von klassischen gedruckten zu digitalen Formen, was auf populäre nichthistorische Comics ebenso zutrifft wie auf Geschichtscomics. […] Im Internet sind seit geraumer Zeit Angebote zu entdecken, bei denen gezielt Comicsequenzen oder animierte Comicbilder genutzt werden, um zum Beispiel Zeitzeugenberichte in eine neue, emotionalisierende Form zu kleiden.“ (Gundermann, 2014).

III. Comics in der politisch-historischen Bildung

„Ob ein Geschichtscomic einen sinnvollen (d. h. einen historisch triftigen), vielleicht sogar lehrreichen Zugang zur Geschichte anbietet, hängt in der Hauptsache von den Künstler/-innen-Intentionen und von dem daraus resultierenden Schaffensprozess ab. Es handelt sich bei dieser "Intention“ um die Entscheidung für oder gegen den Anspruch, ein historisch triftiges Produkt erarbeiten zu wollen. Fällt die Entscheidung positiv aus, so ist eine historische Recherche im weiteren Schaffensprozess unumgänglich. Dabei kommt es nicht selten auch zu einer Zusammenarbeit von Comic-Künstlern/-innen und Fachhistorikern/-innen.“ (Mounajed, 2012).

„Natürlich ist die Frage essenziell, welcher Grad empirischer Triftigkeit in einem Comic vorliegt, der dezidiert für historisches Lernen genutzt werden soll. Die wenigsten Comics sind heute als historiografischer Ersatz gestaltet (sogenannte Lerncomics), der größte Teil der Geschichtscomics weist hingegen eine breite Spanne zwischen fiktionalen und faktualen Narrationen auf, oftmals beruhen diese zudem auf biografischen oder autobiografischen Quellen. Der Comic ist damit kein Spezifikum unserer Geschichtskultur, ganz im Gegenteil wird der Umgang mit der Fiktionalität in Produkten der Public History schon seit Längerem immer wieder kontrovers diskutiert. Das ungenügend geklärte Verhältnis zwischen Wissenschaftlichkeit und historiografischer Erzählkunst ist damit generell immer noch eines der größten Probleme für die Geschichtswissenschaft beim historischen Lernen. […] Um also überhaupt über die Narration im Comic oder gar den Wahrheitsgehalt eines Comics einen Austausch zu starten, muss ein gewisses Maß an Medienkompetenz bei allen am Lernprozess Beteiligten vorhanden sein oder zumindest angeboten werden.“ (Gundermann, 2014).

„Zudem ist das Wissen über das Medium selbst bei Lehrkräften an Schulen und Universitäten noch sehr begrenzt, ebenso wie bei Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig lässt sich ein Trend außerhalb schulischer Bildungsstätten beobachten, hin zu immer mehr und immer gezielterer Arbeit mit Comics.“ (Gundermann, 2014).

Die Arbeit mit und an den Comics ist an sich noch ausbaufähig. Zunächst ist es allerdings erst einmal positiv zu vermerken, dass überhaupt mit ihnen als Material gearbeitet wird. Wie diese gezielte Arbeit aussehen kann, in den Bereichen der Erwachsenenbildung und der Jugendbildung wird in den nachstehenden Bereichen 1. und 2. des Absatzes ‚Einsatzmöglichkeiten‘ erörtert.

a) Einsatzmöglichkeiten

„Noch immer wird der Einsatz von Comics in Situationen historischen Lernens hauptsächlich mit dem Argument begründet, damit ein interessantes, ansprechendes Medium zu nutzen, das ein eher uninteressiertes oder gar bildungsferneres Publikum motivieren kann. In der Tat ist der Einsatz von Comics als Stimulus ein sinnvoller Baustein im methoden- und medienreichen Geschichtslernen. Wichtig ist jedoch, dass dabei ein zentraler Punkt nicht übersehen wird. Der Comic ist ein hochkomplexes Medium, das ganz im Sinne des Kompetenzansatzes der Geschichtsdidaktik eine gewisse Medienkompetenz der Leser voraussetzt, damit die Lernenden ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein ausbilden können. […] Sie auf einen Anfangsreiz zu reduzieren oder als Ersatz für historiografische Texte zu begreifen, ließe den größten Teil ihres Potenzials ungenutzt.“ (Gundermann, 2014).

Ein Trend, der sowohl den Bereich der Erwachsenenbildung, als auch den der Jugendbildung betrifft ist die Arbeit mit Comics in Museen und Gedenkstätten (vgl. Gundermann, 2014). „ In diesem Zusammenhang ist die gezielte Herstellung von Comics zu Themenschwerpunkten und Anniversarien zu beobachten. Gerade Jahrestage beflügeln bekanntlich die Geschichtskultur vieler Länder – anhand von TV-Produktionen ist das besonders deutlich zu erkennen, für den Geschichtscomic gilt das jedoch ebenso. So lassen sich zum Beispiel im Zuge des Gedenkjahres 2014 vermehrt Projekte zum Ersten Weltkrieg beobachten, […]“ (Gundermann, 2014).

In den beiden nachstehenden Unterpunkten werden nun gezielt die Einsatzmöglichkeiten in der Erwachsenenbildung und der Jugendbildung vorgestellt.

1. Erwachsenenbildung

Der Bereich der Erwachsenenbildung umfasst hier die Angebote die sich an Erwachsene richten, die die Schullaufbahn abgeschlossen haben.

Mit dem Austritt aus der Schule endet für die meisten auch der Kontakt mit den Fächern der Politik und Geschichte. Gewiss bleibt der Kontakt zur Politik durch das tagesaktuelle Geschehen deutlich spürbarer als der zur Geschichte, dennoch ist der didaktische Kontakt abgebrochen. Die Informationen, die nun eine Person bekommt, nimmt sie auf und bewertet sie nach ihren Möglichkeiten, Fähigkeiten und Kenntnissen, eine Anleitung, ähnlich dem Schulunterricht, gewisse Aspekte mit einzubeziehen, die dem Individuum nicht so offensichtlich sind, fallen weg; eine einseitige Bewertung, im schlimmsten Fall der Rückzug aus diesen Wissensgebieten droht.

Doch es gibt verschiedene Möglichkeiten diesem entgegenzuwirken. Neben der Eigeninitiative, die zur Informationsbeschaffung dient, gibt es noch diverse öffentliche Möglichkeiten die politisch-historische Bildung im Bereich der Erwachsenenbildung voranzutreiben und wahrzunehmen.

Ein Anlaufort, in dem sowohl die politische als auch die historische Seite begutachtet wird, sind die Gedenkstätten, jedweder Art. Verschiedene Ausstellungen bereiten gezielt Themen auf und veranschaulichen diese. Gewiss ist es verständlich, dass nicht ein jedes Individuum das Lesen eines Zeitzeugenberichtes als jenes Optimum seiner politisch-historischen Bildung ansieht. Ein neues Medium, das sonst nicht mit dem Bereich der politisch-historischen Bildung in Verbindung gebracht wird, ist hier eine echte Überraschung und weckt die Neugierde den theoretisch bereits bekannten Themenkomplex noch einmal neu, anhand dieses ‚neuen‘ Mediums, auf andere spannendere Weise zu erkunden.

Wer ein Museum oder eine Gedenkstätte besucht, erwartet ein gewisses Repertoire an Ausstellungs- und Lehrmaterialen, wie etwa Filmsequenzen, Tagebuchausschnitte, Zeichnungen, Fotografien, Briefe, Zeitzeugeninterviews und ausgestellte Materialen wie Kleidung, Werkzeuge etc., dennoch erwartet niemand einen Comic dort vorzufinden. Dies liegt zunächst daran, dass das Medium Comic mit Freizeit assoziiert wird. Las man früher nach den Hausaufgaben die neuesten Abenteuer aus Entenhausen oder verfolgte die actionreichen Kämpfe von US- Superhelden, wurde der Grundstein dafür gelegt, dass Comics in erster Linie mit Spaß und Freizeit belegt sind. Die Überraschung, ein solches Medium dort anzutreffen, führt zu einem sich verselbstständigenden Interessenansturm. Das Phänomen ist in vielen Bereichen der heutigen Generationen anzutreffen, die ohne ein Stück neuester Technik das Haus nicht mehr verlassen. Es ist ein Impuls dem sie folgen, sofort neues zu entdecken, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Keiner will sich mehr erlauben nur auf die alten, zwar bewährten, aber als alt und verstaubt angesehenen Techniken zu setzen. Dieser Impuls wird auch freigesetzt in dem Einsatz von Comics in der politisch-historischen Bildung. Der Reiz etwas mit diesem Medium zu machen, was andere vielleicht noch nicht gemacht haben, ein Pionier zu sein, weckt das Interesse, zumindest den Comic in die Hand zu nehmen und erst einmal durchzublättern. Inwiefern dann sich jemand tiefgreifend mit ihm auseinander setzt, hängt von vielen Faktoren ab. Der Zeit die er mitgebracht hat, aber auch dem Stil des Comics, den Farben, dem Zeichenstil und der Sprache die in ihm Verwendung findet.

Neben dem Einsatz in Museen und Gedenkstätten sind aber auch Sonderausgaben anlässlich besonderer Jubiläen durch die BPB möglich, ebenso ist ein Einsatz von Comics auf Seminaren der politischen-historischen Bildung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sinnvoll. Auch der Bereich der politisch-historischen Bildung im Rahmen der politischen Bildung der Bundeswehr, Polizei etc. kann der Einsatz von Vorteil sein, da hierüber auf berührende und gleichzeitig distanzierte Weise das gezeigt werden kann, das sonst Tabu zu sein scheint.

2. Jungendbildung

„Für die Arbeit im Geschichts- bzw. Politikunterricht lassen sich prinzipiell Comics aller drei Kategorien nutzen, allerdings ergeben sich unterschiedliche Zielsetzungen: Während Geschichts-Sachcomics und Geschichts-Romancomics vor allem zur Ausbildung von De-Konstruktionskompetenz, also der Fähigkeit zu erkennen, dass Geschichte konstruiert ist, beitragen, schärfen Geschichts-Fantasiecomics vor allem den Umgang mit Geschichtskultur.“ (Mounajed, 2012).

Der Grundstein für eine politisch-historisch interessierte Gesellschaft liegt darin, das Interesse bereits in jungen Jahren bei den jeweiligen Generationen zu wecken, und stetig auszubauen.

Gerade Jugendliche, die sich neben dem Schulstress auch noch privat im manchmal viel größerem Stress des Erwachsenwerdens wiederfinden, für die Vergangenheit und etwas, dass sie nicht greifen können zu begeistern, ist sicherlich schwierig, wenn nicht teilweise eine Mammutaufgabe. Es ist aber nicht unmöglich. Denkt ein jeder an seine Schulzeit zurück, so ist der Frontalunterricht zwar sehr informationslastig, dennoch nicht der begeisterndste aller Unterrichtstypen gewesen. Ein Film zu zeigen, ist da schon deutlich ‚angesagter‘. Dennoch bietet das Abdunkeln für eine bessere Bildqualität auch sofort die Möglichkeit, dass das Gerede unter den Schülern aufflammt, wiegen sie sich im Schutze des Abgedunkelten.

Wie also das Interesse wecken, begeistern und informieren?

Die Lösung sind auch hier die Comics. Ein den Jugendlichen bereits bekanntes Medium, das ihnen an sich viel Freude bereitet. Demnach kann, durch die Assoziation mit Freude und Freizeit, eine Art kleine ‚Manipulation‘ im Bereich der Begeisterung vorgenommen werden. Sicherlich erfolgt auch der Moment der Ernüchterung, wenn festgestellt wird, dass es nicht die neuesten Abenteuer aus den Comicuniversen von ‚Marvel‘ und ‚DC‘ sind.

Dennoch kann der Drang der Neugierde auch hier überwiegen, und zu einer ‚Überwindung‘ führen, die selbst sonst träge Schüler_innen motiviert den Stoff mit aufzuarbeiten.

IV. Tabubrecher oder Verharmloser?

„ In der Frage, mit welchem Anspruch in Bezug auf historische Triftigkeit oder Korrektheit hierbei vorgegangen wird, unterscheiden sie sich; man wird vermuten, dass eine Historikerin bzw. ein Historiker mit ihren bzw. seinen spezifischen Fachkompetenzen ‚näher dran’ ist an der historischen Wirklichkeit, gekonnter Fragen an die Vergangenheit stellen und diese auf der Basis analytischer wie empirischer Verfahren elaborierter beantworten kann. Die Rezipientin bzw. der Rezipient erhält somit ein Angebot, ihre bzw. seine historische Sachkompetenz zu erweitern und zu profilieren. Der Künstlerin bzw. dem Künstler wird man eher unterstellen, weniger kognitiv-professionell, sondern eher imaginativ-emotional an die historische 'Sache’ heranzugehen, die Fantasie zur historischen Quelle werden zu lassen. Es werden Fantasiewelten entstehen, die ein historisches Lernen im Sinne eines Gewinns an Sachkompetenz kaum ermöglichen. Diese Unterscheidung klingt plausibel. Schließlich darf man den Kunstschaffenden mit dem Kriterium der historischen Triftigkeit als Qualitätsausweis ihrer Werke prinzipiell nicht beikommen, den Historikerinnen und Historikern hingegen schon.“ (Mounajed, 2012).

Es spielen demnach viele Faktoren eine Rolle, ob ein Comic ein Tabubrecher sein kann im Bereich der politisch-historischen Bildung oder ob er gar in das Gegenteil schlägt und historische Tatsachen verharmlost, oder sogar veralbert.

a) Die Wichtigkeit des Tabubruches

In der politisch-historischen Bildung gibt es leider auch im Jahr 2016 noch einige Tabus. Gerade die Aufbereitung der NS-Zeit ist noch teilweise tabuisiert, ebenso die jüngere Geschichte der DDR. Zu manchen Themen möchten letzte Zeitzeugen auch heute nichts sagen, an der Spitze des Schweigens steht nach wie vor die Frage, wie konnte es tatsächlich passieren, das ein ganzes Volk nichts gewusst und mitbekommen haben will, vom Mord an 6 Millionen Menschen. Diese Fragen sind heikel, definitiv, dennoch bieten hier die Comics die Möglichkeit auf neutralerem Boden zu agieren, können die gezeichneten Gesichter doch tatsächlich niemals existiert haben. Die handelnden Personen können anonymisiert sein, keine echten Zeitzeugen Namen die fallen. Dennoch ist die Handlung die die Figuren durchleben wahr, auf dem resultierend, was heute bekannt ist.

Sie bieten somit die Möglichkeit vorsichtig Erklärungsversuche zu unternehmen, ohne jemanden zu beschuldigen. Dies ist die besondere Hürde die die historischen Comics nehmen müssen, historisch korrekt sein aber zeichnerisch Anonymität schaffen können, eine berührende Distanz erzeugen.

Wie dies gelingen kann, zeigt das Comic ‚Maus‘ von Art Spiegelmann. Comics haben die Macht das zu zeigen, was sonst unvorstellbar ist und auch in Echt unzeigbar ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem Comic ‚Maus a Surivor‘s Tale‘ kein Datum

Eine Szene wie in diesem Ausschnitt gezeigt wäre als Foto unvorstellbar, selbst heute im Jahr 2016. Dennoch ist es passiert, und zwar genauso, mit derselben Perversion. Demnach muss es gezeigt werden, alle Facetten der NS-Ideologie und der Brutalität mit derer sie durchgesetzt wurde müssen gezeigt werden, damit sie durchaus so traumatisierend sind, um ein Fundament zu bilden welches nie wieder aufgebrochen werden kann. Ein Fundament der Aufgeklärtheit, des Wissens und des Verstehens und aber auch des Anerkennens dass es unmöglich war es nicht mitzubekommen, auch wenn dies heißt, das ein jeder vielleicht seine eigene Familienvergangenheit neu definieren muss. Denn erst wenn die Fehler und das Wegsehen eingesehen und zugegeben werden können, ist die Aufklärung nahe an ihrer Vollendung und die Sicherheit dass das Verständnis gefestigt ist, und der Wille so etwas im Keim zu ersticken, kann eine Gesellschaft in der Zukunft sicherer machen. Doch dazu benötigt es Comics wie ‚Maus‘, die bereit sind dies zu zeigen.

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668485198
ISBN (Buch)
9783668485204
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370806
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
Comics historisches Lernen Geschichte Medien im Unterricht Neue Methoden politische Bildung

Autor

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Titel: Comics als Tabubrecher in der politisch-historischen Bildung