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Untersuchung von Zusammenhängen der Aggressionsneigung

Hausarbeit 2016 22 Seiten

VWL - Statistik und Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aggression im Allgemeinen
1.3.1 Arten der Aggression
1.3.2 Aggressionsneigung und hormonelle Unterschiede der Geschlechter
1.4 Hypothesen

2. Methoden
2.1 Durchführung
2.2 Variablen
2.3 Untersuchungsmethodik

3. Ergebnisse
3.1 Kennwerte der deskriptiven Statistik
3.2 Empirische Ergebnisse

4. Diskussion
4.1 Diskussion der Ergebnisse
4.2 Schlussbetrachtung und Ausblicke

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Auswertung des Aggressionspotentials von 60 Mitarbeitern eines Sicherheitsunternehmens, welches sich für die Gebäudebetreuung von Diskotheken spezialisiert hat. Die Auswertung der Daten erfolgt mithilfe eines psychologischen Testverfahrens.

Im Fokus der Untersuchung steht die Fragestellung, ob es Zusammenhänge zwischen den Variablen Geschlecht, Alter und Aggressionsneigung gibt. Unternehmensintern wird ein höheres Aggressionspotential der männlichen Mitarbeiter vermutet. Die aufgestellten Nullhypothesen gehen von keinem Zusammenhang der Aggressionsneigung und des Geschlechtes, bzw. des Alters aus. Die aufgestellten Alternativhypothesen gehen von einem Zusammenhang der Aggressionsneigung und des Geschlechtes, bzw. des Alters aus. Die Berechnungen erfolgen anhand deskriptiver Statistiken und den Ermittlungen der empirischen t-Werte.

Durch den Vergleich der empirischen mit den kritischen Kennwerten, konnte ein Zusammenhang zwischen dem männlichen Geschlecht und der Aggressionsneigung bestätigt werden und die Nullhypothese wurde verworfen. Zwischen dem Alter und der Aggressionsneigung konnte kein Zusammenhang festgestellt werden, weshalb die Nullhypothese bestätigt wurde.

Damit bestätigt die vorliegende Untersuchung die Vermutung des Unternehmens.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 3.1: Allgemeine Kennwerte der Variablen..

Abb. 3.2: Vergleich der Mittelwerte der Aggressionsneigung
zwischen Männern und Frauen.

Abb. 3.3: Boxplot zur Aggressionsneigung.

Abb. 3.4: Korrelation Alter und Aggression

1. Einleitung

Starker Anstieg der Wohnungseinbrüche zum Vorjahr (Spiegel, 2016), mehr als 1 Millionen registrierte Flüchtlinge im Jahr 2015 (Flüchtlingskriseninfo, 2016), verstärkte Kontrollen bei Großveranstaltungen (Spiegel Online, 2015) und terroristische Anschläge in Einkaufszentren (Tagesschau, 2016).

Die Welt (2014) schreibt, „das Geschäft mit der Sicherheit boomt“. Die Sicherheitsdienstleister sind mit 5,1 Milliarden Euro Umsatzgewinn eine sehr schnell wachsende Branche, in der zunehmend mehr Sicherheitspersonal benötigt wird. Doch immer wieder kommen Negativschlagzeilen über die Sicherheitsbranche ans Licht und Sicherheitspersonal, welches sich in Extremsituationen aggressiv verhält. Schlagzeilen wie „Schlägerei mit Türstehern“ (Schwäbische Post, 2016) bekommt der Leser unerfreulicher Weise immer wieder zu lesen.

In dem nachfolgenden Abschnitt wird der der aktuelle Forschungsstand zum Thema Aggression näher erläutert.

1.1 Problemstellung

Das untersuchte Sicherheitsunternehmen beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter in der Gebäudebetreuung von Discotheken. Grund für die nachfolgende Untersuchung waren zahlreiche Auseinandersetzungen von Türstehern und Gästen in der Vergangenheit. Einem besonders impulsiven und aggressiven Mitarbeiter musste bereits gekündigt werden, wodurch die Firma einen kurzzeitigen Imageschaden erlitt. Beobachtungen im betrachteten Sicherheitsunternehmen lassen vermuten, dass Frauen eher vermittelndes und Männer eher aggressives Verhalten in Extremsituationen zeigen, weshalb bereits gemischte Teams eingesetzt wurden.

Das untersuchte Unternehmen expandierte, besonders in den letzten vier Monaten durch eine steigende Auftragslage. Aufgrund der Expansion ist die Einstellung weiteren Personals, insbesondere für Problembezirke, geplant. Für die zukünftige Personalauswahl ist es dem Unternehmen von großer Bedeutung zu eruieren, ob aggressives Verhalten auf dem Geschlecht beruht.

1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Der Aufbau der Arbeit orientiert sich unmittelbar an der beschriebenen Problemstellung und gliedert sich in vier Abschnitte.

Abschnitt eins befasst sich mit dem Begriff Aggression und bietet mit Erkenntnissen aus der Forschung und einem Einblick in biologische Sichtweisen zum Thema „hormonelle Unterschiede der Geschlechter“ erste Eindrücke zum Thema. Darauf folgt die Ableitung einer Nullhypothese und Alternativhypothese für die Untersuchung Geschlecht und Aggression und eine Nullhypothese und Alternativhypothese für die Untersuchung Alter und Aggression, die der Ausgangspunkt der weiteren Untersuchung sind.

Im Abschnitt zwei werden die Variablen Geschlecht, Alter und Aggressionsneigung näher untersucht und die Auswertung der Daten des psychologischen Testverfahrens anhand einer detaillierten Untersuchungsmethodik erläutert.

Eine Beschreibung und Auswertung der zugrunde liegenden Werte erfolgt in Abschnitt 3, bevor in Abschnitt 4 die empirischen Ergebnisse diskutiert werden.

Zielsetzung dieser Arbeit ist es zu prüfen, ob sich ein signifikanter Zusammenhang aus den Werten ergibt.

1.3 Aggressio 2n im Allgemeinen

Bevor wir mit der Auswertung der Daten beginnen, beantworten wir zunächst die Frage: Was ist Aggression eigentlich?

„Aggression“ stammt von dem lateinischen Wort „aggredi“ ab und bedeutet „angreifen“ (Duden Online, o.J.). Dieser Begriff spiegelt die Problematik des Unternehmens wieder, die, wie in der oben beschriebenen Problemstellung, an dem übersetzt „angreifendenden“ Verhalten der Mitarbeiter liegt und ist der Grund für die folgende Untersuchung.

1.3.1 Arten der Aggression

Es gibt verschiedene Hypothesen und festgestellte Formen der Aggression. Aggression gliedert sich in impulsive und instrumentelle Aggression auf.

Zu Anfang werden drei Hypothesen wie Aggression entstehen kann erläutert. Die erste Hypothese ist die Triebtheorie von Konrad Lorenz. Er nahm an, dass aggressive aufgestaute Energien nach einem Stimulus suchen, der sie zum Ausbruch bringt. Bleibt dieser Reiz aus, kann aggressives Verhalten auch spontan auftreten. Daraus schlussfolgerte Lorenz, dass Aggression als Maßnahme nur abgebaut werden kann, z.B. durch Sport (Lorenz, 1963).

Im Gegensatz zu Lorenz nahmen Dollard und Bandura an, Aggression sei eine erlernte Eigenschaft. In bestimmten Situationen, bei denen Menschen bei ihrem Vorhaben behindert werden, schlägt Frustration schnell in Aggression über. Dollard nannte diese Sichtweise die Frustration-Aggression-Theorie (Dollard et al. 1939).

Bandura stellte in seinen Forschungen fest, dass Signale der Umwelt und Erfahrungen aufgenommen und erlernt werden. Seine Theorie nannte er das Modell-Lernen (Bandura, 1997, S. 3 ff.).

Es wurden zwei Hauptunterschiede in der Art von aggressivem Verhalten festgestellt, zum einen die impulsive Aggression, zum anderen die instrumentelle Aggression, welche an dieser Stelle genauer erläutert werden.

Impulsive Aggression ist eine Reaktion auf ein Geschehen und beruht meist auf Emotionen, die an die aktuelle Situation gebunden sind, z.B. eine aggressive Reaktion eines Türstehers auf Provokationen eines Diskothek-Besuchers. Menschen, die häufig impulsives Verhalten zeigen, sind mit hohen Werten der emotionalen Reagibilität ausgestattet. Dieses kennzeichnet sich besonders durch eine schnelle Reizbarkeit (Gerrig & Zimbardo, 2015, S. 686).

Die instrumentelle Aggression ist eine zielgerichtete Handlung, die bereits vor dem Geschehen geplant wird und einem bestimmten Zweckdient (Gerrig & Zimbardo, 2015, S.687). Exemplarisch sei an dieser Stelle ein Türsteher zu nennen, der einer Frau ihr Handy unbemerkt aus der Jacke nimmt, nicht ernst gemeinte Hilfe anbietet und sie anschließend aber vergewaltigt. Menschen mit einer aggressiven Neigung assoziieren Gewalt positiv, d.h. für sie sind viele Formen der Gewalt gerechtfertigt und sie akzeptieren keine moralische Verantwortung für das eigene aggressive Verhalten (Gerrig & Zimbardo, 2015, S.687).

Interessant für unsere Untersuchung sind zudem Erkenntnissen aus der Forschung. Im Folgenden werden zwei Ergebnisse aus der Aggressionsforschung dargestellt.

Knight et al. (1996) führte eine Metaanalyse von 110 Studien zum Thema Aggressivität durch. Es wurden verschiedene Arten von Aggressivitätstests mit Männern und Frauen durchgeführt und anschließend die Effektgrößen der Geschlechtsunterschiede berechnet.

Die Testdurchführungen verschiedener getesteter Formen der Aggressivität unterschieden sich deutlich voneinander. Erstaunlich war, dass der Geschlechtsunterschied verbaler Aggressivität sich mit einer Effektstärke von 0,55, einer mittleren Effektstärke deutlich unterschied. Noch eindeutiger war der Unterschied bei der Auswertung der Geschlechtsunterschiede von physischer Aggressivität, der eine hohe Effektstärke von 0,74 aufwies (Knight et al., 1996; zitiert nach Aspendorpf, 2007, S. 401 f.).

Crick & Gropeter führten 1995 erste Untersuchungen zum Thema Beziehungsaggression durch. Bei der Beziehungsaggression handelt es sich um instrumentelle, die indirekte Form der Aggression. Ein Beispiel wäre die Schädigung von persönlichen Beziehungen anderer, durch gezieltes verbreitet von Gerüchten (Crick & Gropeter, 1995; zitiert nach Aspendorpf, 2007, S. 401 f.).

Archer (2004) führte eine Metaanalyse mit Mädchen und Jungen im Kindes- und Jugendalter durch. Erstaunlich war hier, dass wenn Beziehungsaggression mit in die Untersuchung einfloss, sich die Anzahl von aggressiven Jungen nicht von der Anzahl aggressiver Mädchen unterschied. Damit zeigte er, dass die Aggressivitätswerte zwischen den Geschlechtern gleichverteilt sein können und in der Vergangenheit möglicherweise massiv unterschätzt wurden (Archer, 2004; zitiert nach Aspendorpf, 2007, S. 401 f.).

1.3.2 Aggressionsneigung und hormonelle Unterschiede der Geschlechter

In diesem Abschnitt werde ich näher auf die Frage eingehen, warum das Geschlecht einen Einfluss auf die Aggressionsneigung haben kann.

Es ist davon auszugehen, dass aggressives Verhalten durch ein sehr komplexes Zusammenwirken von Erbanlagen und Umweltbedingungen bestimmt wird (Gerrig & Zimbardo, 2015, S.408 f.).

Männer einen etwa 10-mal höheren Testosteronspiegel im Blut, als eine Frau. Erst ab dem 40. Lebensjahr nimmt der Testosteronspiegel im Blut des Mannes langsam ab. Frauen entwickeln im Gegensatz zu Männern einen größeren Frontallappen, der für die Steuerung sozialen Verhaltens da ist. In Extremsituationen reagieren Sie eher vermittelnd (Gerrig & Zimbardo, 2015, S. 409).

Studien weisen auf, dass die genetische Komponente einen wichtigen Teil am Aggressionsverhalten teilhat. Genetisch gesehen wird das Geschlecht des Menschen von einem einzigen Gen bestimmt, dem SRY-Gen auf dem Y-Chromosom. Ist neben einem notwendigen X-Chromosom ein Y-Chromosom vorhanden, entwickelt sich das SRY-Gen, welches die Bestimmung der Geschlechtsmerkmale bestimmt. Bereits ca. sieben Wochen nach der Zeugung formen sich die Geschlechtsdrüsen in Hodenform, welche wiederum mit der Produktion der männlichen Geschlechtshormone (Androgene, insbesondere Testosteron) beginnen. Wird das SRY-Gen nicht aktiv, entwickelt sich aus den Geschlechtsdrüsen Eierstöcke, die mit der Ausschüttung von weiblichen Hormonen (Progesteron, insbesondere Östrogen) beginnen. Das hormonelle Geschlecht ist ein quantitatives, kein qualitatives Merkmal, d.h. auch Frauen haben kleine Mengen Testosteron im Blut. Der quantitative Unterschied in der Hormonproduktion definiert das hormonelle Geschlecht des Menschen (Aspendorpf, 2015, S. 62).

Je mehr Testosteron im Fruchtwasser vorhanden ist, desto größer ist die Tendenz für eine höhere Aggressivität, mehr Kraft, schlechtere soziale Beziehungen und Egoismus (Gerrig & Zimbardo, 2015, S. 408 f.).

Ein weiteres Ergebnis normaler biologischer Entwicklung ist, dass obwohl Männer im Durchschnitt größere Gehirne als Frauen haben, sich bei Frauen ein größerer Frontallappen entwickelt, der für die Steuerung sozialen Verhaltens und für das Gefühlsleben wichtig sind (Gerrig & Zimbardo, 2015, S. 408 f.).

1.4 Hypothesen

Nach dem kleinen Einblick zur Frage was Aggression ist, werden nun vier Hypothesen aufgestellt, welche Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung sein werden.

Aus den zu gegeben Informationen leiten sich folgende Zusammenhangshypothesen für die vorliegende Untersuchung ab:

Die beiden Hypothesen für die Untersuchung eines potenziellen Zusammenhangs zwischen Geschlecht und Aggressionsneigung lauten:

- Nullhypothesen (H0): Zwischen Geschlecht und Aggressionsneigung besteht kein Zusammenhang.

- Alternativhypothesen (H1): Zwischen Geschlecht und Aggressionsneigung besteht ein Zusammenhang.

Ferner wurde noch ein potenzieller Zusammenhang zwischen Alter und Aggressionsneigung untersucht. Daraus lassen sich folgende Hypothesen ableiten:

- Nullhypothesen (H0): Zwischen Alter und Aggressionsneigung besteht kein Zusammenhang.

- Alternativhypothesen (H1): Zwischen Alter und Aggressionsneigung besteht ein Zusammenhang.

2. Methoden

2.1 Durchführung

Die Basis für die vorliegende empirische Studie bildet die Datenerhebung eines psychologischen Testverfahrens, das die Neigung von aggressivem Verhalten misst. Die 60 Angestellten des Sicherheitsunternehmens teilen sich in 31 Männer und 29 Frauen auf. Derzeit ist die Altersstruktur durchmischt.

2.2 Variablen

Zur Überprüfung der Daten werden die Variablen Aggressionsneigung, Geschlecht und Alter berücksichtigt (Schäfer, 2012, S.22).

Das Geschlecht hat nur zwei mögliche Ausprägungen und ist damit dichotom. Drüber hinaus ist es manifest, also direkt messbar und nominal skaliert (Schäfer, 2012, S.22).

Das Alter ist eine kontinuierliche Variable, d.h. die stufenlosen Ausprägungen sind messbar. Darüber hinaus ist die Variable ebenfalls manifest aber stetig skaliert (Schäfer, 2012, S.22).

Die Aggressionsneigung ist ebenfalls eine kontinuierliche Variable, jedoch latent, d.h. nicht direkt messbar. Die Daten müssen zunächst, wie in der vorliegenden Untersuchung, z.B. anhand von psychologischen Testverfahren ermittelt werden (Schäfer, 2012, S.22).

Das Geschlecht sowie das Alter stellen unabhängige Variablen dar. Im späteren Verlauf der Untersuchung soll analysiert werden, ob ein Effekt der unabhängigen Variablen auf die abhängige Variable Aggressionsneigung zu erkennen ist (Schäfer, 2012, S. 21 f.).

2.3 Untersuchungsmethodik

Im ersten Schritt der Untersuchung werden Null- und Alternativhypothese aufgestellt. Während die Nullhypothese H0 keinen Zusammenhang zwischen Geschlecht und Aggressionsneigung oder Alter und Aggression unterstellt, geht die Alternativhypothese H1 von einem Zusammenhang der Merkmale aus.

Im zweiten Schritt wurde das Signifikantsniveau auf α = 5% gesetzt, d.h. damit die Nullhypothese angenommen werden kann, muss eine 95%ige Sicherheit gegeben sein, dass kein Zusammenhang zwischen Geschlecht und Aggressionsneigung oder Alter und Aggression besteht. Damit die Alternativhypothese gilt, wären signifikant höhere Ergebnisse zu erwarten.

Der dritte Schritt befasst sich mit der Berechnung der deskriptiven Statistik. Für die Prüfung eines Zusammenhanges zwischen Geschlecht und Aggressionsneigung werden die deskriptiven Daten für Männer und Frauen einzeln ausgewertet. Die Stichprobengröße (n) liegt in der Gruppe der Frauen bei 29, in der Gruppe Männer bei 31. Diese Methode der Datenerhebung wird „Between-subjects-Design“ genannt (Schäfer, 2015, S. 61). Für die Prüfung eines Zusammenhangs zwischen Alter und Aggressionsneigung reichen die deskriptiven Durchschnittswerte. Diese Methode der Datenerhebung wird „Within-subjects-Designs“ genannt (Schäfer, 2015, S. 62).

Im vierten Schritt werden die empirischen t-Werte berechnet.

Für die Prüfung von Geschlecht und Aggressionsneigung wird untersucht, ob sich die Mittelwerte signifikant voneinander unterscheiden. Dabei gilt, je geringer die Streuung um den Mittelwert, desto signifikanter das Ergebnis. Für die Auswertung werden aus diesem Grund, mithilfe des Standardfehlers der Mittelwertunterschiede, die Streuungen bei den Mittelwerten relativiert.

Der empirische t-Wert berechnet sich wie folgt (Schäfer, 2015, S.105): Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten mit Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten= Mittelwert der Männer; Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten= Mittelwert der Frauen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten = Standardfehler der Männer; Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten=Standradfehler der Frauen

Für die Prüfung von Alter und Aggressionsneigung wird zunächst der Korrelationskoeffizient berechnet. Um den Korrelationskoeffizienten auf Signifikanz zu testen, wird der empirische t-Wert wie folgt berechnet (Bortz & Schuster, 2010, S. 162 f.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Ermittlung des kritischen t-Wertes werden das Signifikanzniveau bzw. die Fläche (α = 0,05 bzw. 1-α = 0,95) sowie die Anzahl der Freiheitsgrade benötigt. Die Anzahl der Freiheitsgrade df (=degrees of freedom) berechnen sich sowohl für die Auswertung von Geschlecht und Aggressionsneigung, als auch für Auswertung von Alter und Aggressionsneigung wie folgt (Schäfer, 2015, S.105): df = (nA - 1) + (nB -1).

Im letzten Schritt wird die Testentscheidung getroffen: Sind die errechneten t-Werte absolut größer als die kritischen t-Werte, ist das Ergebnis signifikant.

Abschließend kann damit eine Entscheidung getroffen werden, ob entweder die Nullhypothese H0 (keinem Zusammenhang von Geschlecht und Aggressionsneigung bzw. von Alter und Aggressionsneigung) oder die Alternativhypothese H1 (einem Zusammenhang von Geschlecht und Aggressionsneigung bzw. von Alter und Aggressionsneigung) anzunehmen ist.

3. Ergebnisse

68% der untersuchten Mitarbeiter weisen Werte der Aggressionsneigung von 19 bis 30 auf, dabei liegt das Alter innerhalb dieser Grenze zwischen 23 und 53 Jahren. Wie genau sich das innerhalb der Gruppen von Männern und Frauen verhält, wird im Folgenden dargestellt.

3.1 Kennwerte der deskriptiven Statistik

In der unten aufgeführten Tabelle sind zunächst allgemeine Kennwerte der deskriptiven Statistik von den zu untersuchenden Variablen Aggressionsneigung im Geschlechtervergleich und Alter zu sehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.: Allgemeine Kennwerte der Variablen (Quelle: Eigene Darstellung)

Aus der Abbildung 3.1 wird ersichtlich, dass es einen Unterschied in den Ergebnissen von Männern und Frauen gibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vergleich der Mittelwerte der Aggressionsneigung zwischen Männern und Frauen (Quelle: Eigene Darstellung)

Die Abbildung 3.2 veranschaulicht den Mittelwertunterschied der Aggressionsneigung. Die Männer haben einen etwas höheren Mittelwert (25,74), als die Frauen (22,59). Grundsätzlich ist es riskant die Schätzung der Aggressionsneigung nur anhand des Mittelwertes zu machen. Besonders die hohe Standardabweichung der Männer impliziert eine große Streuung der Daten um den Mittelwert wie folgende Abbildung 3.3 illustriert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Boxplot zur Aggressionsneigung (Quelle: Eigene Darstellung)

Mithilfe eines Boxplots werden in obiger Abbildung unverzerrt die Lage- und Streuungsmaße der Aggressionsneigung dargestellt. Die grüne Fläche zeigt das 25%-Quartil an, d.h. 25% der Werte sind kleiner oder gleich diesem Wert. Die rote Fläche zeigt das 75%-Quartil an, d.h. 75% der Werte sind kleiner als dieser oder gleich diesem Wert. Die Linie die beide Farben trennt, ist der Median, die 50% Marke (Schäfer, 2013, S. 41 ff.).

Im Vergleich fällt auf, dass die Spannweite bei den Gruppen fast identisch ist, die Verteilung aber Unterschiede aufweist. In der linken Box der Männer ist eine Verschiebung in Richtung der höheren Werte zu sehen. Der Median der Männer (26) liegt ganze 4 Werte über dem der Frauen (22). Die rechte Box der Frauen ist nach unten hin verschoben, also zu geringeren Werten der Aggressionsneigung.

Wir können feststellen, dass die Aggressionsneigung deutlich mehr um den Mittelwert von 25,74 streut als die der Frauen. Die alleinige Betrachtung des Mittelwertes ist für die Einschätzung der Aggression bei beiden Gruppen nicht ausreichend. Zusätzliche Informationen bietet die vergleichsweise hohe Standardabweichung von 5,25 der Männer und 4,82 der Frauen und sagt aus, dass die tatsächliche Aggression um diese Durchschnittswerte vom Gesamtmittelwert abweicht.

Die Alterswerte zeigen eine Spannweite von 47 Jahren vom jüngsten (18 Jahre) zum ältesten Mitarbeiter (65 Jahre) an.

Wie in der Abbildung 3.4 zu sehen, resultiert daraus eine sehr hohe Gesamtstandardabweichung von 15,04 Jahren. Die große Streuung führt zu einer sehr niedrigen negativen Korrelation von -0,06.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Korrelation Alter und Aggression (Quelle: Eigene Darstellung)

3.2 Empirische Ergebnisse

An dieser Stelle werden die Ergebnisse des t-Tests dargestellt und es wird geprüft, ob der dargestellte Mittelwertunterschied und die berechneten Korrelationskoeffizienten signifikant sind und die aufgestellten Nullhypothesen bestätigt oder abgelehnt werden können.

Der erste Teil der Untersuchung beschäftigt sich mit den Ergebnissen des Geschlechts und der Aggressionsneigung. Im vorangegangen Abschnitt wurden die Mittelwerte für die geschlechtsspezifische Aggressionsneigung untersucht. Es konnte ein höherer Mittewert und eine höhere Standardabweichung bei den männlichen Mitarbeitern im Vergleich zu den Mitarbeiterinnen gefunden werden.

Für den Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Geschlecht gilt: Die Berechnung des empirischen t-Wertes führt zu einem Ergebnis von 2,427. Der kritische t-Wert wurde bei einer Fläche von 1-α=0,95 und df = 60-2 = 58 ermittelt und beträgt 2,002.

Somit ist der absolute Wert des empirischen t-Wertes größer als der kritische t-Wert. Der Vergleich beider Werte führt zu einem signifikanten Ergebnis, so dass die Nullhypothese, die keinen Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Geschlecht unterstellt, verworfen werden kann. Es wurde somit ein signifikanter Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Geschlecht ermittelt.

Der zweite Teil der Untersuchung beschäftigt sich mit der Berechnung des Alters und der Aggressionsneigung. Der sehr schwache, nahezu inexistente negative lineare Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Alter wird durch einen Korrelationskoeffizienten von -0,06 zum Ausdruck gebracht. Die obige Abbildung 3.4 zeigte bereits, dass es keinen Zusammenhang zwischen den betrachteten Variablen gibt. Ein Korrelationskoeffizient von nahezu Null scheint demnach an dieser Stelle plausibel.

In nächsten Schritt der Untersuchung wurde die Prüfung des Korrelationskoeffizienten auf Signifikanz vollzogen.

Für den Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Alter sieht die Untersuchung wie folgt aus: Die Berechnung des empirischen t-Wertes führt zu einem Ergebnis von -0,458. Der kritische t-Wert wurde bei einer Fläche von 1-α=0,95 und df = 60-2 = 58 ermittelt und beträgt auch hier 2,002. Somit ist der absolute Wert des empirischen t-Wertes kleiner als der kritische t-Wert.

Das Ergebnis ist somit nicht signifikant, so dass die Nullhypothese, die keinen Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Alter unterstellt, angenommen werden kann. Es konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen Aggressionsneigung und Alter ermittelt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
22
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668493872
ISBN (Buch)
9783668493889
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370922
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
2,3
Schlagworte
untersuchung zusammenhängen aggressionsneigung

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Titel: Untersuchung von Zusammenhängen der Aggressionsneigung