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Audiovisuelle Medien im Fremdsprachenunterricht. Ein Stundenentwurf zur Förderung von Medienkompetenz

Unterrichtsentwurf 2017 16 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Medienkompetenz im Schulkontext

2. Definition von audiovisuellen Medien und Medienkompetenz

3. Der Effekt von Fernsehen auf Kinder: pro und contra

4. Planung einer Doppelstunde (90 min) Stunde für die gymnasiale Oberstufe

5. Zusammenfassung

6. Bibliographie

1. Einleitung: Medienkompetenz im Schulkontext

Mit seiner provokanten These „Fernsehen macht dumm, dick, und gewalttätig“ (Die Welt: 2005) hat der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer 2005 eine Debatte über den Umgang von Kindern mit Fernsehen und somit auch mit audiovisuellen Medien im generellen Sinne breitgetreten, welche auch in der heutigen modernen Fremdsprachenpädagogik noch hochaktuell ist. Da Kinder im jungen Alter Informationen größtenteils ungefiltert aufnehmen und verinnerlichen, birgt das Fernsehen durch seine Vorbildfunktion und durch die Konfrontation der jungen Generation mit antisozial ausgerichteten, gewaltdarstellenden oder pornographischen Bildern zahlreiche Gefahren. Die Förderung von Medienkompetenz und der sinnvolle Einsatz von audiovisuellen Medien im Englischunterricht sind in der Didaktik also unabdingbar. Diese Arbeit definiert zunächst im Theorieteil die Begriffe audiovisuelle Medien und Medienkompetenz zeigt daraufhin Chancen und Risiken von Fernsehen auf, worauf in der praktischen Anwendung eine beispielhafte Stunde zur Förderung der Medienkompetenz mit Schwerpunkt audiovisuelle Medien aufbereitet wird. Zum Schluss werden die gesammelten Ergebnisse kurz zusammengefasst.

2. Definition und Funktion audiovisueller Medien und Medienkompetenz

„Audiovisuelle Medien sind technische Informationsquellen oder -träger, welche ihre Informationen auditiv und/oder visuell übertragen.“ (Schröder 2002: 256) Wie die Bezeichnung bereits andeutet, übermitteln audiovisuelle Medien Informationen im weiteren Sinne entweder auditiv oder visuell, also zum Beispiel über Tonspuren, Radiosendungen aber auch über den klassischen Overhead-Projektor. Im engeren Sinne informieren auf auditivem und visuellem Wege zugleich. Beispiele für diese zweite Kategorie stellen unter anderem das Fernsehen, Videoclips und Filme oder Serien dar. Filmspuren können hierbei in weitere Kategorien eingeteilt werden: kurze (short forms), welche beispielsweise Musikvideos, Trailer oder TV Nachrichten einschließen und nicht länger als 5 Minuten dauern, mittlere (medium forms), welche Dokumentationen, Talkshows und Sitcoms einschließen und 20 bis 45 Minuten einnehmen und die langen (long forms) welche mehr als eine Doppelstunde einnehmen wie Sportevents oder Politikereignisse. (Thaler 2012: 69)

Zu beachten beim Einsatz von Filmen und TV sind vor allem zwei Aspekte: die drei Arbeitsphasen vor (pre watching), während (while watching) und nach (follow-up activities) dem Anschauen sowie die richtige Auswahl des Mediums unter Berücksichtigung potenzieller Konflikte. Um den größtmöglichen Lernerfolg zu garantieren, müssen die Schüler in allen drei Phasen gefordert werden und zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Lehrmaterial angeregt werden. So tragen beispielsweise eine Vorabdiskussion und Klärung des Inhalts, die Arbeitsanweisung, während des Anschauens Notizen zu machen sowie eine anschließende Partnerarbeit zum Austausch der gesammelten Ergebnisse zur sinnvollen Medieneinsatz bei. (Thaler 2012: 68) Die Funktionen von audiovisuellen Medien gleichen denen von Medieneinsatz im Unterricht allgemein. So sollen sie beispielsweise durch Authentizität die Nähe zum Umfeld des Schülers herstellen, den Schüler durch Bildimpulse zu einer sprachlichen Reaktion motivieren sowie Selbstlernanreize setzen. (Thaler 2012: 61) Konflikte in Bezug auf Zeit, Verständnis und Ziel des Materials können durch das Segmentverfahren, durch Forderung der Schüler in den drei Arbeitsphasen, die Einblendung von Untertiteln sowie balanced teaching minimiert werden. (Thaler 2012: 69f)

Die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von audiovisuellen Medien geht insofern hervor, als dass der Schüler1, wie aus empirischen Studien herausgeht, 20 % dessen behält, was er hört, 30 % davon, was er hört, und 50 % der Informationen, welche er hört und sieht. (Meyerhoff, Brühl 2017 :50) So ist es kaum verwunderlich, dass der Einsatz von audiovisuellen Medien wie (Jugend-)Filme oder Videos in der modernen Fachdidaktik zunehmend auf Anklang stoßen. (Thaler 2012: 68)

3. Der Effekt von Fernsehen auf Kinder: Pro und Contra

Das am meisten präsente audiovisuelle Medium in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen stellt das Fernsehen dar. So geht aus der KIM -Studie2 des Medienp ä dagogischen Forschungsverbundes S ü dwest 3 hervor, dass 77 % der 6- bis 13 Jährigen jeden oder fast jeden Tag fern sehen. (MPFS 2016: 10) Somit ist das Fernsehen die wichtigste Medientätigkeit bei Kindern und Jugendlichen. (MPFS 2016: 43) Im Hinblick auf Spitzers These „Fernsehen macht dick, dumm und gewalttätig.“ mag dieses Resultat auf den ersten Blick nicht erfreulich erscheinen und tatsächlich birgt der Fernsehkonsum für Kinder und Jugendliche einige Risiken.

Den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Fernsehkonsum haben bereits zahlreiche internationale Studien belegt, wobei Spitzer eine reziproke Wechselwirkung der beiden Kriterien Fettleibigkeit und Fernsehkonsum ausschließt: „Wer fernsieht, wird dick, nicht umgekehrt.“ (Spitzer 2007: 71) Als Gründe für den Zusammenhang von Fernsehen und Fettleibigkeit führt er an, dass der Energieverbrauch beim Fernsehen durch das Sitzen geringer ist, als bei körperlicher Aktivität. Außerdem benennt das Fernsehen als Zeitfresser für andere, sportlichere Aktivitäten und führt zusätzlich Studien an, welche belegen, dass das Fernsehen die Essgewohnheiten von Jugendlichen während und nach dem Fernsehkonsum zum Negativen beeinflusst. (Spitzer 2007: 75ff)

Als weiteren zentralen Kritikpunkt nennt er die Korrelation zwischen Fernsehkonsum gemessen in Stunden und der Bildung gemessen nach dem Grad des Abschlusses. (Spitzer 2007: 83) Hieraus geht hervor, dass die beiden Kriterien einen negativen Zusammenhang aufweisen: je höher der Bildungsgrad, desto weniger Stunden haben die Testpersonen im Jugendalter vor dem Fernseher verbracht. Des Weiteren schneiden diejenigen Schüler, welche keinen Fernseher im Zimmer haben, durchschnittlich besser in Schultests aller Fächern ab, als diejenigen mit Fernseher im Zimmer. Es liegt also nahe, dass übermäßiger Fernsehkonsum die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt und Kinder somit vor Vollendung des zweiten Lebensjahres keinesfalls vor den Fernseher gesetzt werden sollten. (Spitzer 2007: 84).

Auch die Bereitschaft zu aggressiven Handlungen steigt bei Jugendlichen, wenn im Fernsehen gewaltverherrlichende Szenen gesehen werden. Eine US- amerikanische Studie aus dem Jahr 2000 belegte den Zusammenhang zwischen frühem Fernsehkonsum (mit 14 Jahren) und späterem gewalttätigen Verhalten (im Alter von 16 bzw. 22 Jahren). Diese Beobachtung gilt sowohl für Jungen als auch für Mädchen. Als Schlussfolgerung zieht er: „Fernsehen macht gewalttätig.“ (Spitzer 2003: 27f) Insbesondere schadet Gewalt in den Medien Kindern im jungen Alter unter 8 Jahren, da diese noch schwer zwischen Phantasie und Realität unterscheiden können und die Szenen als Vorbild für antisoziales Verhalten nehmen. Als Folge wird bei den desensibilisierten Kindern ein verstärktes Verlangen nach Gewalt genährt und deren Gewaltbereitschaft im realen Leben im jungen Erwachsenenalter erhöht. (Spitzer 2003: 28)

Analog zu Gewalt stellt auch Sexismus im Fernsehen eine Gefahr für die junge Generation dar, da sie unrealistische und teilweise gesundheitsschädigende Ideale setzen. Mit dem Motto „Sex sells“ versuchen Fernsehproduzenten beispielsweise Mädchen im Teenagealter anzusprechen und sie als Zuschauer von Model Casting Sendungen wie „Germanys next Topmodel“ zu gewinnen. Hierbei wird die Unsicherheit der noch jungen Mädchen in Bezug auf Aussehen und Körperbewusstsein ausgenutzt4 und die Mädchen durch die Anforderung, schlank zu sein und hübsch auszusehen, einem enormen öffentlichen Druck ausgesetzt. Derart sexistische Sendungen prägen das Geschlechterbild von Jungen und Mädchen: die heranwachsenden jungen Männer bekommen unrealistische Erwartungen vom optischen Idealbild von Mädchen, welche umgekehrt genau diesem versuchen nachzueifern und unzufrieden mit ihrem eigenen Körper werden. In extremer Hinsicht können sexuell angehauchte Bilder oder pornographische Inhalte Heranwachsenden ein unrealistisches Bild von Sexualität vermitteln oder sie verstören. Nicht selten sind sexuelle Szenen Teil von scheinbar harmlosen, öffentlich ausstrahlten Filmen wie American Pie oder Freunde mit gewissen Vorz ü gen, zu welchen auch Kinder unzensierten Zugang haben. Als gefährlicher eingestuftes Filmmaterial wird zwar erst nach einer FSK-Warnung ausgestrahlt, eine einheitliche Kontrolle der Zuschauer gibt es jedoch nicht.

Selbiges gilt natürlich auch für die Ausstrahlung von Horrorfilmen oder Thrillern, deren Inhalt Angstzustände und Schlaflosigkeit bei den Kindern verursachen kann. Somit hat das Fernsehen durch die Überlieferung von pornographischem oder angsteinflößendem Inhalt ein großes Gefahrenpotenzial für die jungen Zuschauer dar, welche gravierende negative Folgen für die Entwicklung haben können.

Im selben Zuge hat der Fernseher auch die Fähigkeit, über ausgewählte Kinderprogramme für die Kindesentwicklung sinnvolle und förderliche Informationen zu übermitteln. (Spänle 2013: 20f) Das Fernsehen dient zweifelsohne primär als Informationsquelle für das Weltgeschehen. Da Nachrichten und Dokumentationen eher in das Interessensgebiet von älteren Jugendlichen fallen, haben sich Kindersendungen wie Logo - Nachrichten f ü r Kinder oder Wissenssendungen wie Wissen macht Ah! oder Die Sendung mit der Maus genau auf die jüngeren Zuschauer spezialisiert und erklären komplexe Sachverhalte aus Politik und Sachkunde in kindergerechter Art. Derartige Kindersendungen sind durchaus als positiv für die Kindesentwicklung anzusehen, da sie den Kleinen ermöglichen, ihren Wissenshorizont ungezwungen in anregender, spaßiger und zugänglicher Weise zu erweitern. Die Kinder werden von klein auf daran gewöhnt, interessiert und aufgeschlossen für neue Informationen zu sein und sobald sie das Jugendalter erreicht haben, werden sie womöglich auf gängige Nachrichten und Reportagen umsteigen und sich durch das Fernsehen zu informieren und weiterzubilden.

Des Weiteren ist das Fernsehen auch dazu geeignet, den Kindern weltoffene Werte über Freundschaft, Loyalität und Zusammenhalt zu vermitteln. Gute Beispiele dafür sind Disney Klassiker wie Der K ö nig der L ö wen oder Bambi oder auch neuere Produktionen wie Bolt und Die Minions, in welchen die Hauptfiguren gemeinsam verschiedene Abenteuer durchleben, welche sie nur durch Zusammenarbeit, das Überwinden von Ängsten und durch Empathie und Vergebung meistern können. Solche Geschichten bringen durchaus einen moralischen Lerneffekt mit sich und erziehen die Kinder zu Mut, Ehrlichkeit und Rücksichtname. Durch die lebendige Phantasie nehmen sich die Kinder nämlich ihre fiktiven Helden als Vorbild und orientieren sich an deren positivem Verhalten, während die Charakterzüge des Bösewichts in der persönlichen Bewertung als nicht nachahmendswert angesehen werden.

[...]


1 Aufgrund der Vereinfachung des Leseflusses wird in dieser Arbeit die männliche Form Sch ü ler verwendet. Gemeint sind beide Geschlechter, Schülerinnen und Schüler.

2 KIM steht für: Kindheit, Internet, Medien

3 Kurz: MPFS

4 Wohlgemerkt von Erwachsenen Personen aus dem Showbusiness

Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668498365
ISBN (Buch)
9783668498372
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v371146
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
Medienkompetenz Stundenentwurf audiovisuelle Medien Englisch Didaktik Fernehen

Autor

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Titel: Audiovisuelle Medien im Fremdsprachenunterricht. Ein Stundenentwurf zur Förderung von Medienkompetenz